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queer:heteronormativitaet

Heteronormativität

Definition

Mit Heteronormativität bezeichnet man die für natürlich gehaltene, ausschließliche binäre Geschlechtereinteilung (in Mann und Frau), die als gesellschaftliche Norm angesehen wird. Das Gender, also die Geschlechterrolle und -identität ist dabei mit dem anatomischen Geschlecht verbunden. Ebenso entspricht die Heterosexualität der Norm, sei ausschließlich und essentiell, naturgegeben und unveränderbar. 1) (Siehe auch: Naturalisierung)

Problematik

Der Begriff der Heteronormativität bestimmt, was als „normal“ für die Angehörigen einer Gesellschaft ist. Dieses System ist fest in den Vorstellungen, Verhaltensweisen und Traditionen der Menschen durch Erziehung (Sozialisation) verinnerlicht. Dieses Konzept kritisieren Queer Studies (für die QS sind weder anatomisches noch kulturelles Geschlecht festgelegt und nicht miteinander verbunden bzw. von einander abhängig) und Gender Studies (für die GS ist das anatomische Geschlecht festgelegt, nicht aber das kulturelle (gender) und ebenso wie die QS gehen sie von keinem festgelegten Zusammenhang zwischen den beiden Geschlechtern aus). Die Kritik bezieht sich darauf, dass die Heteronormativität teils ideologische Ansätze hat und Menschen ihr biologisches Geschlecht und ihre Sexualität vorschreiben. Dabei ist die Festlegung auf nur zwei biologische Geschlechter ebenso ein kulturelles Produkt wie das kulturelle ­Geschlecht (siehe auch: Vielfältigkeit der Geschlechter). Mit sich bringt diese starre, einengende Kategorisierung, dass im Prinzip die ganze Lebensweise festgeschrieben wird und keinen Platz für Alternativen sieht, in dem nur wenige Konzepte als normgültig und richtig angesehen werden. Dabei wird die Heteronormativität nicht der Vielfalt des menschlichen Lebens gerecht. Diejenigen, die sich der Norm entsprechend verhalten haben Privilegien und Macht, alle anderen werden also je nach Gesellschaft diskriminiert, ausgegrenzt, verfolgt, bestraft und getötet. (siehe auch: Homophobie). Die queere Kritik bezieht sich also darauf, dass die Heterosexualität und cis - Sexualität als Norm gilt und für natürlich erklärt werden, obwohl beides kulturelle Produkte sind.2)

Rechtfertigung

Heteronormativität ist verbunden mit dem Argument der menschlichen Reproduktion, dass also Heterosexualität für menschlichen Nachwuchs sorge und daher alleinig natürlich und biologisch sinnvoll sei. Heteronormativität ist zwar stark in unserer gesellschaftlichen Ordnung verwurzelt, ist den meisten Menschen aber unbewusst, da verinnerlicht. Nicht nur Individuen, sondern auch Institutionen und gesellschaftliche Strukturen sind in der Heteronormativität verankert, dazu gehört die Sonderstellung der Mutter-Vater-Kind - Familie im Grundgesetz.3)

Historischer Standpunkt

In den 1920ern galt eine relative Offenheit gegenüber von der Norm abweichenden Geschlechterprinzipien, obwohl auch diese Menschen diskriminiert wurden.4)

Abgrenzung

Unterscheiden muss man Heterosexualität (Formen sexueller Praktiken zwischen Männern und Frauen) und Heteronormativität (Institutionen, Denkstrukturen und Wahrnehmungsmuster, die Heterosexualität zur Norm stilisieren und privilegieren). 5)

Dekonstruktion

Heteronormativität wird dekonstruiert über

  • Bewusstmachen (Bsp. Regelbrüche und Erwartungsenttäuschungen)
  • Entnaturalisierung
  • Entinstitutionalisierung (Wie der Einführung eines dritten Geschlechtseintrags in das Personenstandsgesetz vom November 2013).
  • und
  • Erhöhung von Komplexität (Veruneindeutigkeit von Handeln, Bsp. Androgynität).

6)

1) Degele, S.21
2) Czollek, S.37f
3) Degele, S.89
4) Czollek, S.109
5) Degele, S.88f.
6) Degele, S.91f.
queer/heteronormativitaet.txt · Zuletzt geändert: 2014/10/03 11:56 von annika

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