Kummerkastenantwort 134 – Wie funktioniert Namensänderung?

ich wollte fragen wie das ist mit dem Personalausweis und deren Änderung z.b mein Mädchennamen (Jasmin) in den Namen den ich mir ausgesucht habe ändern zu lassen in den Jungs Namen (ciel) weil ich habe im Internet gelesen das man das nicht ändern kann wenn keine Geschlechtsumwandlung vorliegt was bei mir aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist und nie sein wird und ich weis nicht ob man das dann trotzdem ändern lassen kann

Hallo Ciel,

du hast leider recht damit, dass es in Deutschland (ich gehe davon aus, dass du in Deutschland lebst, bitte korrigiere mich, wenn du wo anders lebst) eher schwierig ist, den eigenen Namen zu ändern.

Wer über das TSG, das sogenannte Transsexuellengesetz, seinen Namen im Personalausweis ändern möchte, muss dies in einem Gerichtsverfahren beantragen. Voraussetzung dafür ist, dass eine Person “seit mindestens drei Jahren unter dem Zwang steht, ihren Vorstellungen [also im jeweiligen Geschlecht] entsprechend zu leben” und angenommen werden kann, dass das auch so bleibt. Geprüft wird das durch zwei vom Gericht beauftragte Gutachter*innen. Offiziell gehört eine geschlechtsangleichende Operation dabei nicht mehr zwangsläufig zu den Kriterien, aber je nach Gutachter*innen kann es gut sein, dass ohne so eine OP kein trans sein attestiert wird und das Gutachten nicht ausgestellt wird. Insgesamt berichten viele trans Menschen davon, dass diese Gutachten extrem unangenehm sind, weil dort extrem genau körperlich untersucht wird und/oder intime Fragen zu den Genitalien, zum Sexleben, zur Psyche etc. gestellt werden. Als wäre das alles noch nicht schlimm genug, ist dieses Gerichtsverfahren zudem noch enorm teuer. Das soll dich nicht entmutigen, es ist nur eine Warnung, dass es ein schwerer Weg sein kann, auf den du dich gut emotional vorbereiten solltest.

Seit Dezember letzten Jahres gibt es allerdings noch eine weitere Option, die du versuchen könntest – sie ist wesentlich weniger aufwändig und teuer, aber immer noch etwas kompliziert. Es geht dabei um ein Schlupfloch im Gesetz zum dritten Geschlechtseintrag: Dadurch war es schon vielen Menschen möglich, eine Namens- und Personenstandsänderung zu bekommen, mit nur einem Brief von einem*einer Ärzt*in. In dem Brief muss stehen, dass bei dir eine “Variante der Geschlechtsentwicklung” vorliegt, damit musst du dann zu deinem zuständigen Standesamt gehen, wo du deinen Namen und deinen Geschlechtseintrag ändern lassen kannst für nur eine geringe Bearbeitungsgebühr. Offiziell ist das nur für intergeschlechtliche Personen gedacht, aber da das Gesetz nicht genau sagt, was unter “Variante der Geschlechtsentwicklung” zu verstehen ist, haben auch schon viele trans Menschen damit erfolgreich ihren Namen und Geschlechtseintrag geändert.

Falls dir das momentan alles nicht möglich ist, gibt es immer noch die Möglichkeit, einen Ergänzungsausweis bei der dgti (Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität) zu beantragen. Den kannst du ganz einfach mit deinem gewünschten Namen und Geschlechtseintrag beantragen und fast überall als gültiges Ausweisdokument verwenden. Der Ergänzungsausweis ist vom Bundesinnenministerium anerkannt und kann auch in Kontrollen und zur Namensänderung bei Institutionen (wie z.B. Universitäten, Versicherungen, etc.) verwendet werden. Hier erfährst du alles darüber und kannst ihn beantragen: https://dgti.org/ergaenzungsausweis.html

Auch ohne rechtliche Namensänderung kannst du fast überall einfach deinen gewählten Namen verwenden – das ist jetzt dein Name, wenn du es so willst, und es geht nur wenige Menschen etwas an, ob das auch wirklich so in deinem Pass steht oder nicht. In der Schule, der Universität, der Ausbildungsstelle, dem Arbeitsplatz, in Sportvereinen und Gruppen und überall in deiner Freizeit kannst du überall das Recht einfordern, so genannt zu werden, wie du es möchtest, auch wenn es (noch) nicht so in deinem Ausweis steht. Du verdienst in jedem Fall Respekt, die richtige Anrede, und dass du dich wohl fühlst.

Ich hoffe, du findest eine gute Lösung und ich drücke dir alle Daumen.
Liebe Grüße, Balthazar

Kummerkasten Antwort 133 – demisexuell und lithromantisch?

Hallo Kummerkasten.

Ich bin W/16 und komplett verwirrt was meine sexuelle und romantische Veranlagung angeht.

Vor knapp 3 Monaten, nach einem Besuch der Pride Parade, habe ich meine Sexualität zum ersten Mal in Frage gestellt. Ich kam zu dem Schluss dass ich asexuell bin aber mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher dass ich das nicht bin, denn ich kann Lust verspüren. Ich möchte jedoch nur Sex haben wenn ich in einer Beziehung bin und dem Anderen vertraue.

Das Problem bei der Sache ist, dass ich sobald ich in eine Beziehung komme jedes Mal sobald es etwas ernster werden sollte das Interesse an der anderen Person verliere, mich unwohl fühle und die Beziehung beende.

Als ich mich gegenüber der Cousine meines Vertrauens, die mehr eine Schwester als eine Cousine für mich ist, als asexuell geoutet habe, haben wir etwas über das Thema gesprochen und ich habe ihr erzählt wie ich mich genau fühle. Nachdem ich ihr mein Herz ausgeschüttet habe fragte sie mich “*Name*, denkst du wirklich dass du asexuell bist? Oder kann es sein dass du dich einfach nich an Menschen binden willst?” Ich hab zu weinen begonnen weil ich ihr einfach zustimmen musste, ich hatte schon immer Probleme mich an Menschen zu binden was die ganze Sache extrem schwer und unbehaglich macht.

Ich persönlich denke dass ich Demisexuell bin aber ich kann keine Bindungen eingehen… ich dachte mir dass ich vielleicht lithromantisch bin aber das trifft auch nicht 100% auf mich zu denn ich mag es wenn meine Gefühle erwidert werden aber ich verliere halt kurz darauf das Interesse. Gibt es einen passenderen Begriff für mich und meine Sexualität/ romantische Orientierung?

Danke dass ihr euch Zeit für mich nehmt♡

Hallo liebe Unbekannte,

es ist vollkommen verständlich, dass du verwirrt bist von deiner Situation. Es ist ohnehin für die meisten Menschen schon schwierig, ihre eigene Orientierung kennenzulernen und zu verstehen, und es wird nur noch komplizierter, wenn die romantische und die sexuelle Orientierung auseinandergehen und sogar widersprüchlich zu sein scheinen.

Nach allem, was du beschreibst, passt das Label “demisexuell” tatsächlich sehr gut zu dir. “Lust verspüren” ist nicht unbedingt das gleiche wie allosexuell (also nicht-asexuell) zu sein. Asexuell zu sein bedeutet ja erstmal nur, keine sexuelle Anziehung gegenüber anderen Menschen zu empfinden, und Menschen auf dem a_sexuellen Spektrum empfinden sexuelle Anziehung nur selten, nur wenig oder nur unter bestimmten Umständen. Du schreibst, dass du nur Sex haben möchtest, wenn du in einer Beziehung ein gewisses Vertrauen aufgebaut hast. Wer nur in einer engen Beziehung oder nach einer engen emotionalen Bindung sexuelle Anziehung verspürt, ist demisexuell.

Auch lithromantisch kann als Begriff auf dich zutreffen, wenn du das möchtest. Lithromantisch sein bedeutet zwar in erster Linie, romantische Anziehung zu verspüren, aber keine Erwiderung zu wollen, aber es kann auch bedeuten, romantische Anziehung zu verspüren, die dann irgendwann verschwindet, wenn sie erwidert wird. Du musst dieses Wort nicht verwenden, wenn du dich damit nicht wohl fühlst – ich möchte nur darauf hinweisen, dass du auch ein Label benutzen darfst, wenn es vielleicht statt 100% nur 80% passt oder so – oder wenn du die Definition für dich ein bisschen änderst, dass es passt. Es bedeutet für verschiedene Leute ja auch ganz unterschiedliche Dinge, z.B. heteroromantisch zu sein, darum können auch Begriffe wie lithromantisch verschiedene Definitionen für verschiedene Menschen haben. Wichtig ist vor allem, dass du dich wohl fühlst damit.

Vielleicht lohnt es sich auch für dich, einmal genauer zu überlegen, was der Grund dafür ist, dass du dich in Beziehungen schnell unwohl fühlst. Es gibt in unserer Gesellschaft sehr normative Vorstellungen, wie eine Beziehung auszusehen hat, wie schnell sie sich entwickelt, wohin sie sich bewegt, aber die passen nicht unbedingt für alle Menschen. Du schreibst, dass du das Interesse verlierst, sobald es “ernster” wird – vielleicht kannst du ja herausfinden, was genau dich daran unwohl fühlen lässt: Vielleicht das Tempo, in dem sich die Beziehung entwickelt, vielleicht die Richtung, vielleicht gefallen dir nur manche Aspekte einer romantischen Beziehung, aber du möchtest andere vielleicht lieber nicht haben, vielleicht hast du das Gefühl, dass Dinge gegen deinen Willen passieren oder vielleicht fehlt dir das Vertrauen, nach Dingen zu fragen, die dir wichtig sind. Es gibt viele (queere) Beziehungskonzepte, die nicht den normativen Regeln von einer gesellschaftlich akzeptierten normativen Beziehung (also kennen lernen, küssen, Sex, offiziell ein Paar sein, irgendwann zusammenziehen und im Idealfall heiraten und Kinder kriegen) folgen – und diese vielen anderen Beziehungskonzepte haben eins gemeinsam: Kommunikation. Wenn du dich in einer Beziehung nicht wohl fühlst, dann kannst du vielleicht mit deinem*deiner Partner*in darüber reden, damit ihr gemeinsam herausfinden könnt, was gerade nicht gut läuft und was ihr besser machen könnt. Und wenn das z.B. bedeutet, dass zu der Beziehung kein Küssen gehört, oder dass ihr weniger Zeit miteinander verbringt, oder andere Dinge, die “nicht normal” wirken, dann ist das voll okay – wichtig ist, dass die Beziehung für dich und für euch passt und sich gut und richtig anfühlt.

Falls aber (romantische) Beziehungen wirklich einfach nichts für dich sein sollten, dann ist das auch okay. Zum Glücklich sein und für ein gutes Leben braucht es keine romantischen Beziehungen und auch keinen Sex. Du wirst auf jeden Fall deinen Weg finden – ob alleine, mit Freund*innen, Familie (verwandt oder gefunden), in anderen Beziehungsformen (z.B. einer queerplatonischen Beziehung) oder ganz anders. Und egal, welcher Weg es sein wird, ich wünsche dir alles Gute dafür.

Viele liebe Grüße,
Balthazar

Kummerkasten Antwort 132 – Tipps bei der nichtbinären Namenssuche

Hey liebes Team,

Ich finde eure Seite wirklich super. Sie hat mir bei meiner Selbstfindung sehr geholfen, danke. Jetzt aber zu meiner Frage.
Ich habe vor kurzem angefangen, nach einem passenden Namen für mich zu suchen. Das Problem ist nur, dass ich einen Namen suche der nicht “typisch weiblich” oder “typisch männlich” ist da ich selber non-binary bin.

Habt ihr Tipps oder Ideen für meine Namenssuche?

Liebe*r Unbekannte*r,

es ist nicht gerade leicht, einen Namen zu finden, der keine starken Verknüpfungen entweder mit Männlichkeit oder Weiblichkeit hat. Hier sind ein paar Optionen, die andere nichtbinäre Menschen nutzen:

  • viele Kurzformen von Namen sind nicht eindeutig männlich oder weiblich: z.B. Alex, Lou, Feli, Dani oder Flo können alle Abkürzungen von männlichen oder weiblichen Namen sein – viele nichtbinäre Menschen entscheiden sich für so eine Kurzform.
  • seltene Namen in fremden Sprachen können ebenfalls geeignet sein, vor allem, weil viele Sprachen auch kein Genus haben (also kein sprachliches Geschlecht wie im Deutschen, wo wir “der/die/das” haben). Finnisch, Türkisch oder Ungarisch sind Beispiele für solche Sprachen. Du solltest allerdings mit fremden Sprachen und Kulturen respektvoll umgehen und dir nichts aneignen, was dir nicht zusteht und wozu du keinen persönlichen Bezug hast.
  • Fantasy- oder SciFi-Bücher können helfen, ausgefallene Namen zu finden, die nicht sofort als männlich oder weiblich zu erkennen sind. Vielleicht wirst du ja in deinen Lieblingsromanen fündig oder möchtest dir selbst einen Namen ausdenken, der z.B. von einer Fantasy-Sprache inspiriert ist.
  • Einen eigenen Namen ausdenken ist sowieso immer eine Möglichkeit. Das ist zwar vielleicht etwas schwieriger, wenn du deinen Namen auch rechtlich ändern möchtest, aber einen Versuch wert. Auch dadurch, dass ausgedachte Namen ein neuer Trend für Eltern von Babys sind, wird es allmählich leichter, auch eigene Namen durchzusetzen.
  • Manche nonbinary Menschen (so wie auch ich) suchen sich einfach einen Namen aus, der zwar eigentlich männlich oder weiblich angesehen wird, beschließen aber einfach, den Namen nonbinary zu machen. So, wie meine Klamotten nichtbinär sind, weil ich es bin, mein Körper nichtbinär ist, weil ich es bin, etc., so kann auch einfach mein Name nichtbinär sein, auch wenn andere ihn als männlich sehen. Das erfordert allerdings oft sehr viel Erklärung und Geduld mit Menschen im eigenen Umfeld und ist deswegen nicht für alle eine gute Möglichkeit.

Gute Hilfestellungen sind immer Babynamenseiten im Internet und Bücher, Filme und Serien. Überall dort kannst du Inspiration für deinen eigenen Namen finden. Es ist auch vollkommen okay, im kleineren Rahmen (vielleicht mit ein paar Freund*innen oder online) ein paar Namen auszuprobieren, um herauszufinden, welcher sich für dich richtig und gut anfühlt.

Viel Erfolg bei der Namenssuche und schreib uns gerne, wenn du einen Namen gefunden hast!
Liebe Grüße, Balthazar

Kummerkasten Antwort 131 – Bin keine Frau und kein Mann?

Hi ich bin mir bei meiner Identität nicht sicher was ich aber weiß ist das ich nicht hetoro bin ich weiß aber nicht ob ich eine Frau oder ein man sein will ich bin irgendwie keines oder beides und weiß nicht wie ich damit umgehen soll

Hallo lieber unbekannter Mensch,

erst mal: Es ist vollkommen okay, unsicher mit der eigenen Identität und dem Geschlecht zu sein. Geschlecht ist ein ganz schön kompliziertes Thema, mit dem alle Menschen anders umgehen. Es ist absolut in Ordnung, wenn du dir Zeit nimmst, dich damit zu beschäftigen und dich zu hinterfragen.

Menschen, die weder männlich noch weiblich sind, werden auch nichtbinär genannt. Das bedeutet erstmal nur, dass dieser Mensch keine Frau und kein Mann ist (oder manchmal kann es auch bedeuten, dass diese Person nur teilweise oder nur manchmal männlich oder weiblich ist). Nichtbinär ist ein eigenes Geschlecht, bzw. eine eigene Geschlechtsidentität, kann aber auch ein Überbegriff für ganz viele andere Identitäten sein, die nicht (oder nicht vollkommen) männlich oder weiblich sind.

Hier sind zwei Begriffe, die unter den Schirmbegriff “nichtbinär” fallen und die dir vielleicht helfen können, dich zu beschreiben:

  • Agender: Agender sind Menschen, die kein Geschlecht haben oder sich nicht mit den existierenden Begriffen und Konzepten von Geschlecht identifizieren (können oder wollen).
  • Bigender: Bigender sind Menschen, die sich mit zwei Geschlechtern identifizieren können, zum Beispiel in deinem Fall vielleicht männlich und weiblich. Bigender Menschen haben vielleicht beide dieser Geschlechter gleichzeitig, oder es kann auch sein, dass sie abwechselnd mal eins und mal das andere Geschlecht sind – oder eine Mischung aus beidem.

Mehr Begriffe für nichtbinäre Geschlechter findest du auch in unserem Glossar.

Ich hoffe, das hilft dir ein bisschen weiter.
Alles Gute und liebe Grüße, Balth

Kummerkasten Antwort 130 – Keine sexuelle Anziehung bei romantischen Gefühlen

Ich hab mal eine Frage. Zu mir selbst ich bin Männlich 18 und noch Jungfrau. Also zu meiner Frage bzw zu meinem Problem, wenn ich so manche Frauen sehe finde ich sie attraktiv und könnte mir auch vorstellen Sex zu haben, aber wenn ich mich dann in eine Person verliebe und Gefühle habe, irgendwie immer nicht mehr sondern nur küssen kuscheln etc. Ist das ein Hinweis aus eine andere Sexualität ? Bei Männern ist es so das sie auch attraktiv finde und egal ob verliebt oder nicht mir nur vorstellen kann sie zu küssen, kuscheln etc. , nur von vornherein kein Sex. Von den Arten die ich hier gelesen hab, bin ich dann Bi sexuell ? Bzw hab ich eine Art A_sexualität ?
Vielen Dank das ihr euch Zeit genommen habt das durchzulesen 🙃😊

Hallo lieber Unbekannter,

Es gibt ein Wort für das, was du beschreibst: “Fraysexual”. Dieser Begriff ist für Menschen, die zwar in gewisser Weise sexuelle Anziehung verspüren, diese aber verlieren, wenn sie eine Person näher kennenlernen oder eine engere Bindung eingehen. Fraysexual ist ein Begriff auf dem a_sexuellen Spektrum.

Ob du dich mit diesem Begriff identifizieren kannst, musst du allerdings selbst entscheiden.

Es klingt außerdem so, als wäre deine Anziehung zu Männern und Frauen eher eine romantische als eine sexuelle. Natürlich kannst du gern das Wort bisexuell verwenden, wenn du den Eindruck hast, es beschreibt dich gut. Eine Alternative ist der Begriff biromantisch, vielleicht gefällt dir der ja auch.

Für welche Labels du dich letztlich entscheidest, bleibt ganz allein dir überlassen. Wichtig ist, dass du dich damit wohl fühlst und dass die Begriffe dir helfen, dich zu erklären, wenn du möchtest, und Gleichgesinnte zu finden, wenn dir danach ist. Am allerwichtigsten ist aber, dass du tust, was dir gut tut und was du möchtest – ganz egal, ob du schon das passende Wort dafür gefunden hast oder nicht.

Alles Gute auf deinem Weg!
Liebe Grüße, Balthazar

Kummerkasten Antwort 112 – Verliebt oder befreundet?

Bin ich nur verliebt oder befreundet?

Hey Kummerkasten!

Ich weiß nicht, ob es hilft, aber ich denke, ich würde es mir gerne einfach Mal von der Seele reden, da ich sonst nicht weiß, mit wem ich darüber reden kann/will.

Ich glaube ich bin heterosexuell. Ich war in einer Beziehung mit einem Jungen (es wurde ein bisschen körperlich) und mit einem Mädchen (aber über’s Internet mit nur einem Treffen), und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich Jungs sexuell anziehend finde, und bei Mädchen weiß ich es nicht wirklich.
Jetzt habe ich aber eine andere Sorge bekommen, und da ich weiß, dass man heterosexuell UND homoromanzisch sein kann (oder biromantisch), bin ich wirklich sehr verwirrt.
Denn ich weiß wirklich nicht, ob ich in meine beste Freundin verliebt sein könnte.
Manchmal denke ich, ja – wenn ich so unglaublich eifersüchtig werde, weil sie mit anderen Freunden etwas unternimmt, wenn ich daran denke, am liebsten mit ihr zusammen zu ziehen und uns eine Zukunft zu teilen, oder wenn ich manchmal mit niemandem reden möchte oder etwas unternehmen, und sie jedes Mal die Ausnahme ist, oder wenn ich sie schon nach kurzer Zeit vermisse.

Aber ich Frage mich, ob das nicht auch einfach heißen kann, dass sie mir sehr, sehr wichtig ist, als beste Freundin.
Ich konnte mir damals mit dem Jungen nicht vorstellen, meine Zukunft zu verbringen, bei ihr schon.
Aber vielleicht sind das ja nur Freundschaftsgedanken, weil ich den Richtigen noch nicht gefunden habe, oder weil ich gerne Bi sein möchte, und es mir deswegen versuche einzureden.

Deswegen interessiert es mich, ob ihr irgendwelche Tipps habt, wie man unterscheiden kann, wann die Gefühle rein freundschaftlich sind, und ab wann man vom verliebt sein sprechen kann?

Danke im Vorraus. 🙂

Hallo du,

danke, dass du uns deine Situation anvertraut hast. In unserer Gesellschaft gilt es als ganz selbstverständlich, dass wir alle eine romantische Beziehung suchen, die dann automatisch die wichtigste Beziehung im Leben wird und nach der wir unser Leben und unsere Zukunft ausrichten. Das nennt sich dann “Amatonormativität” und es bedeutet gleichzeitig, dass platonische (also freundschaftliche) Beziehungen als weniger wichtig eingestuft werden als romantische, dass eine Zukunftsplanung mit Freund*innen als kindisch gesehen wird und als was, wo ein Mensch rauswächst, sobald x “dien richtige*n Partner*in” (also eine romantische Beziehung) gefunden hat, und dass alle Freundschaften, die so eng und wichtig wie eine romantische Beziehung sind, automatisch als romantisch gelesen werden.

Für viele Menschen passt das aber so nicht, und diese Norm ist auch gar nicht immer so gewesen. Zur Zeit unserer Großeltern war es teilweise ziemlich normal, (auch) mit Freund*innen zusammenzuleben, die ein Teil der Familie waren. Schon immer hat es Menschen gegeben, für die freundschaftliche Beziehungen wichtiger waren als romantische oder sexuelle.

Es kann durchaus sein, dass das für dich und deine beste Freundin auch so ist. Vielleicht sind deine Gefühle rein freundschaftlich, vielleicht sind sie romantisch – manchmal ist das schwierig zu unterscheiden – auf jeden Fall hängt das nicht davon ab, wie intensiv deine Gefühle sind. Menschen, die ähnlich fühlen wie du, gehen zum Beispiel sogenannte “queerplatonische” (auch “quasiplatonische”) Beziehungen ein – das sind Beziehungen, die im Kern freundschaftlich sind, aber die gleichzeitig verschiedene Aspekte haben, die sonst nur romantischen Beziehungen zugeschrieben werden, z.B. gemeinsame Lebens- und Zukunftsplanung, emotionale Nähe oder Intimität, oder die Tatsache, dass dier queerplatonische Partner*in die wichtigste Person im Leben ist. Vielleicht kannst du ja mal mit deiner besten Freundin darüber reden, wie wichtig sie dir ist, und vielleicht kann sie sich ja auch so eine queerplatonische Beziehung mit dir vorstellen. Was genau das für euch bedeutet, könnt ihr dann gemeinsam aushandeln.

Ob deine Gefühle romantisch oder freundschaftlich sind, kannst letztlich nur du entscheiden. Vielleicht sind sie ja auch irgendwo zwischendrin, oder vielleicht bist du dir gar nicht so genau sicher, was der Unterschied ist – auch dafür gibt es einen Begriff, er heißt “quoiromantisch” (oder auch “wtfromantisch”) und beschreibt Menschen, die nicht zwischen romantischen und freundschaftlichen Gefühlen unterscheiden können oder eine Unterscheidung gar nicht so wichtig finden. Ob du diesen Begriff für dich passend findest und verwenden möchtest, kannst aber nur du entscheiden.

Letztlich ist es gar nicht so wichtig, welches Label du deinen Gefühlen und deinen Beziehungen gibst – viel wichtiger ist, dass du tust, was dich glücklich macht und dein Leben mit den Menschen verbringst, die dich glücklich machen.

Dabei ganz viel Erfolg und alles Gute!
Balthazar

Kummerkasten Antwort 111 – Was bin ich?

Was bin ich?

Hallo,
ich bin Mitte zwanzig und würde gerne wissen „was“ ich bin..
Ich bin eigentlich kein Fan vom benennen der Identität oder Sexualität aber ich denke ich könnte besser damit umgehen wenn ich eine Bezeichnung hätte.
Ich Würde mich als pansexuell beschreiben und bin in einem Frauenkörper geboren – in dem ich mich eigentlich auch wohl fühle.
Ich lebe seit längerem mit einer Frau in einer Beziehung und bin glücklich. Doch ich fühle mich AUCH als Mann Vorallem sexuell habe ich das Gefühl auch ein Mann zu sein (ich hab nur weibliche Geschlechtsmerkmale)
Ich bin sehr verwirrt fühle mich wohl in meinem Körper als Frau aber auf der anderen Seite wäre es als würde etwas fehlen (optisch )
Ich würde mich freuen wenn mir jemand weiterhelfen kann und weiß wie man dieses Phänomen benennt.

Liebe Grüße

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

das Bedürfnis, ein Label oder einen Begriff zu finden, der für dich passt, ist sehr verständlich – Labels können es leichter machen, die eigenen Erfahrungen und Gefühle in Worte zu fassen, sie ermöglichen einen Zugang zu Communities und ermöglichen den Austausch mit anderen Leuten, die ähnliche Erfahrungen machen wie du. Ein Label zu verwenden, heißt also nicht, dass du dich damit festlegst oder in eine Schublade steckst, sondern nur, dass du neue Freiheiten und Möglichkeiten findest.

Hier sind einige Vorschläge für Begriffe und Labels, die vielleicht für dich relevant sind:

  • Butch: vor allem lesbische Frauen, aber auch z.B. bi-, poly- und pansexuelle Frauen und andere queere Menschen verwenden diesen Begriff, um zu signalisieren, dass sie zwar eine Beziehung zum Frausein oder Femininen haben, aber lieber eine maskuline Rolle einnehmen, sich maskulin kleiden, oder sonst einen Bezug zu Männlichkeit herstellen. Manche Butches identifizieren sich komplett als weiblich, obwohl sie sich sehr männlich oder maskulin geben, andere identifizieren sich teilweise als männlich, oder haben insgesamt ein kompliziertes Verhältnis zu Geschlecht, das sich nicht so leicht in Schubladen wie “männlich” oder “weiblich” packen lässt, wieder andere sind nichtbinär.
  • Bigender: Bigender sind Menschen, die zwei (oder auch mehr) Geschlechter haben, also in deinem Fall männlich und weiblich. Je nach Person und Definition kann es sein, dass eine bigender Person gleichzeitig männlich und weiblich ist, oder dass die Gefühle diesbezüglich wechseln und sich verändern. Dabei spielt es keine Rolle, zu welchem Anteil sich ein Mensch als was identifiziert – es muss nicht 50/50 sein.
  • Genderfluid: Vor allem, wenn du den Eindruck hast, dass sich dein Geschlecht verändert und z.B. zu unterschiedlichen Zeitpunkten oder in unterschiedlichen Situationen anders ist, dann kannst du den Begriff “genderfluid” dafür verwenden. Das bedeutet, dass du nicht ein festgelegtes Geschlecht hast, sondern mehrere verschiedene, die sich mit der Zeit oder je nach Situation wandeln.
  • Genderqueer: Wenn du dich vielleicht gar nicht so genau festlegen willst oder kannst, kann ein Überbegriff wie “genderqueer” helfen. Genderqueer sind Menschen, deren Geschlecht nicht mit den gesellschaftlichen Erwartungen und Normen übereinstimmt, die sich vllt. nicht auf ein Geschlecht festlegen können oder wollen, oder für die bestehende Kategorien von Geschlechtern nicht passen.

Es gibt natürlich noch massig mehr Begriffe und endlos viele Erfahrungen mit den verschiedenen Begriffen. Vielleicht wirst du in unserem Glossar oder in verschiedenen Online-Communities oder lokalen queeren Gruppen fündig.

Egal, für welchen Begriff du dich entscheidest oder ob du dich überhaupt für einen entscheidest – du bist gut, so wie du bist, und deine Gefühle und Gedanken sind vollkommen okay und valide.

Alles Gute für deinen Weg, und komm gerne jederzeit vorbei, wenn du noch mehr Fragen hast!

Viele Grüße,

Balthazar

Kummerkasten Antwort 110 – Ein Lob

Ihr macht so tolle Arbeit. Ich freue mich jedes Mal total, wenn ihr neue Videos veröffentlicht. Fühlt euch gedrückt. 🙂

Super lieb von dir, vielen Dank!! In unserem Kummerkasten landen manchmal ganz schön schwierige Fragen und bedrückende Geschichten – und das ist auch okay so, denn dafür sind wir ja da – und deshalb tut es gut, auch mal einfach nur ein Lob und einen netten Gruß zu kriegen!

Ganz viele Grüße und einen wunderschönen Tag
vom ganzen Queer Lexikon-Team! <3

Kummerkasten Antwort 109 – Nicht trans/nonbinary genug?

Hallöchen!
Ich habe folgendes Problem. Ich bin Genderfluid (he/xier) , aber kann mich in keines der Spektren so richtig einordnen. Ich fühle mich nicht “Trans* genug”, aber auch nicht “non-binary genug”. Es ist halt so das ich mich an den meisten Tagen weiblich fühle, mein Gender aber trotzdem schwankt.
Als was kann man sich denn dann identifizieren?
Und, welche nicht neopronomen gibt es die in Frage kommen könnten (abgesehen von “es”)
Gibt es überhaupt “trans* und enby genug”?
Und wie kann ich es lösen das es im deutschen nicht für alles Genderneutrale Formen gibt (Bruder/Schwester)? Im moment habe ich drei Menschen gebeten die Männlichen Formen zu nutzen, da die meisten umschreibungen sich etwas seltsam anhören.

Zum Abschluss ein kleiner Tipp, wer sein genderverlauf notieren will in einer App, für den empfehle ich die App “Daylio”. Einfach die Namen der Stimmungen in Gendernamen umbenennen, bei Aktivitäten so sachen wie “Brust abgebunden” etc. hinzufügen und Zack hat man die beste notizapp

Danke schonmal im vorraus für eure Antwort

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

wir finden, es gibt keine Möglichkeit, “zu wenig” trans oder nichtbinär zu sein. Die Definition von trans sein ist für uns, sich nicht (oder nicht vollständig/ausschließlich) mit dem Geschlecht zu identifizieren, dem du bei der Geburt zugewiesen wurdest. Das scheint bei dir der Fall zu sein – also bist du trans, und damit auch “trans genug”.

Klar, es gibt viele Menschen, auch innerhalb von trans und nonbinary Communities, die klare Regeln und Grenzen dafür aufstellen wollen, was genau es bedeutet, trans oder nichtbinär zu sein. Diese Menschen haben aber nicht das Recht, deine Identität in eine Schublade zu packen – nur du darfst entscheiden, wer du bist. Es gibt nicht eine einzige und “richtige” Art und Weise, trans oder nichtbinär zu sein, weil wir alle Individuen sind und auf unsere ganz eigene Art leben und Erfahrungen machen. Du kannst nur auf deine Art du selbst sein, und du musst dich nicht an irgendwelche angeblichen Normen und Regeln anpassen – du verdienst Respekt und Anerkennung genau so, wie du bist.

Es ist im Deutschen schwierig, eine Sprache zu finden, die nicht männlich oder weiblich gecodet ist. Die “männlichen” Formen zu verwenden, ist vollkommen in Ordnung, wenn sie sich für dich besser anfühlen als die anderen Optionen. “Er” und grammatikalisch maskuline Formen müssen nicht bedeuten, dass sich eine Person auch maskulin oder als Mann identifiziert, genausowenig wie “sie” oder grammatikalisch feminine Formen unbedingt bedeuten, dass eine Person eine Frau ist. Manche nichtbinäre Menschen verwenden im Deutschen “er” oder “sie”, manche verwenden beides abwechselnd. Ich persönlich verwende “es” für mich bei Menschen, bei denen ich weiß, dass sie sich mit Nichtbinarität auskennen und es nicht als abwertend betrachten, und “er” bei allen anderen, weil es so einen schönen Kontrast zu dem darstellt, wie Menschen mich optisch einordnen. Andere Menschen verzichten ganz auf Pronomen und benutzen nur noch ihren eigenen Namen oder eine Kurzform davon (z.B. Name Pippin, Pronomen “pip” – das wird dann nicht konjugiert/grammatikalisch angepasst). Umgehungsmöglichkeiten sind meist Kurzformen wie “Studi” statt Student/Studentin/Student*in, Passivformen wie “Studierende” (geht aber eher nur, wenn von mehreren Leuten die Rede ist) oder indem du einen Satz daraus machst wie “[Name] studiert” statt “[Name] ist ein Student”. Es gibt für viele Begriffe auch neutrale Formen, z.B. “Das ist mein Geschwister, [Name]”. (Die Vermeidungsform davon wäre “Das ist [Name], wir sind Geschwister.”) Das meiste hiervon braucht ein bisschen Zeit zur Umgewöhnung und klingt am Anfang vllt. etwas seltsam und ungewohnt, aber aus meiner Erfahrung gewöhnen sich Menschen schnell daran und es kann auch Spaß machen. (Ein Beispiel: Da ich an einer Hochzeit teilnehme, aber weder Brautjungfer noch Trauzeuge bin, hat Annika mich zum “Brautjungferich” erklärt – unsere ganz eigene geschlechtsneutrale Variante, über die wir gut lachen können.)

Am Besten probierst du einfach aus, was sich für dich am besten anfühlt, und holst dir am Besten ein paar Leute mit ins Boot, denen du vertraust. Was sich richtig anhört und anfühlt, kriegst du vielleicht am ehesten raus, wenn andere es auf dich anwenden.

Zuletzt noch danke für deinen super Tipp zur App! Der wird sicherlich auch nützlich für andere Leute sein, die hier mitlesen.

Viele Grüße und alles Gute,

Balthazar

Kummerkasten Antwort 108 – Welche Labels passen für mich?

Hallo zusammen!
seit einiger Zeit bin ich mir sowohl über meine Identität als auch über meine sexuelle Orientierung im Unklaren. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Männer sexuell attraktiv finde oder nur neidisch auf ihr gutes Aussehen bin. Mittlerweile glaube ich aber, dass es das erstere sein könnte. Mein Herz hat auch schon höher geschlagen, als ich einen transsexuellen Mann gesehen habe. Ich kann definitiv sagen, dass ich auf Frauen stehe, aber bei Männern und anderen Identitäten bin ich mir nicht sicher. Wo könnte man das zuordnen?

Des Weiteren habe ich schon früh gemerkt, dass ich mich in der Gesellschaft von Frauen viel wohler fühle und mit ihnen auch besser unterhalten kann. Schon in der Schule hatte ich immer den Eindruck, dass sich Jungs nur für Fußball interessierten und ich mich nach diesem typisch patriarchalen männlichen Stereotyp verhalten sollte in ihrer nähe (wenig Emotionen, rau, der Gewalt zugeneigt, z.B. in Ballerspielen). Mein Verhalten würde man in eher konservativen Kreisen als feminin bezeichnen. Ich hätte auch nichts dagegen, weibliche Kleidung zu tragen (wobei ich diesen Begriff nicht mag, denn jeder sollte tragen, was einem gefällt unabhängig von Geschlecht oder Identität!). Daher frage ich mich, ob ich möglicherweise genderfluid bin, denn es gibt Zeiten, da ich mich schon als Mann identifiziere, in anderen Zeiten wünsche ich mir, ich wäre eine Frau, oft sogar, dass ich als Frau (nochmal) geboren werden könnte und neu anfangen könnte.

Ich frage mich auch, ob die LSBAATIPQQ+ Community auch Leute einschließt, die sich – wie ich auch – nicht mit ihrem Alter identifizieren. So habe ich bisweilen den Wunsch, wieder ein kleines Kind, häufig sogar ein Baby zu sein.

Ich freue mich schon auf eure Antwort! 😀

LG

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

zuerst einmal möchte ich sagen, dass es immer vollkommen okay ist, nicht genau zu wissen, wer man ist oder auf wen man steht – manche Menschen brauchen sehr lange, um das herauszufinden, manche verstehen das erst sehr spät in ihrem Leben, andere können das nie so genau sagen. Und das ist vollkommen okay. Es gibt keine Regel, die sagt, dass du genau wissen musst, wer du bist. Viele Menschen in deiner Situation entscheiden sich, ganz auf Labels zu verzichten oder ein Label zu verwenden, das mehr ein Überbegriff ist, wie zum Beispiel “queer” oder “polyromantisch/polysexuell”. Selbst ein Begriff wie “bisexuell” kann so ausgelegt werden, wie du es gerne möchtest – in deinem Fall könntest du es so auslegen, dass es bedeutet, dass du auf Frauen und evtl. Menschen anderer Geschlechter stehst. Wenn du dich noch nicht konkret festlegen willst, dann helfen dir vielleicht so Begriffe wie “bicurious” (zu dem ich bisher keine deutsche Entsprechung kenne, aber vielleicht möchtest du den Begriff aus dem Englischen übernehmen oder dir selbst eine deutsche Entsprechung ausdenken) oder “questioning”, also “fragend” (wie auch bei bicurious kenne ich dazu kein deutsches Wort – vielleicht tut es “unentschlossen” aber ganz gut). Beide Begriffe werden von Menschen verwendet, die sich noch nicht ganz sicher sind, zu wem sie eigentlich hingezogen sind. Wichtig ist aber auch: Egal, für welches Label du dich entscheidest – falls du nach einer Zeit bemerkst, dass es doch nicht oder nicht mehr passt, dann kannst du es jederzeit ändern. Du musst keine Entscheidung für den Rest deines Lebens treffen; Sexualität ist für viele Menschen fließend und in ständigem Wandel.

Es kann nach deinen Beschreibungen sehr gut sein, dass du genderfluid bist oder irgendwo anders unter die Schirmbegriffe “trans”, “genderqueer”, “gendervariant”, “nichtbinär” oder “gender non-conforming” (also nicht deinem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht und dessen Normen entsprechend) fällst. Am besten findest du das heraus, indem du dich ausprobierst – zum Beispiel mit verschiedener Kleidung -, indem du dich mit anderen austauschst, die auch genderfluid sind oder andere Erfahrungen mit trans sein gemacht haben, und indem du weitere Informationen sammelst. Mit der Zeit wirst du sicher herausfinden, was sich für dich richtig anfühlt und was nicht. Egal, ob du ein Label dafür findest oder nicht, du kannst immer du selbst sein und schuldest niemandem eine Erklärung oder eine einfache Schublade dafür, in die dich andere Menschen packen können. (Und du hast vollkommen Recht: Kleidung hat kein Geschlecht und alle sollten tragen dürfen, was sie wollen!)

 Die Sache mit dem Alter kann ich dir leider nicht so gut beantworten. Das hat erstmal nichts mit LSBAATIPQQ+ Sein zu tun, aber vielleicht findest du da in Kink Communities weiter Auskunft darüber – es gibt dort das so genannte Age Play, was allerdings nicht unumstritten ist, also achte gut darauf, woher du deine Informationen beziehst und welche Bedürfnisse hier angesprochen werden. Wir kennen uns mit dieser Thematik nicht gut genug aus, um darüber weiter Auskunft zu geben.

Wir wünschen dir alles Gute!
Viele Grüße,

Balth