Kummerkasten Antwort 222 – Sind meine Gefühle echt?

Ich bin mir nicht sicher ob diese Gefühle für meinen crush echt sind, denn ich kann mir nur teilweise eine Beziehung vorstellen aber ich schaue immer auf mein Handy ob er mir geschrieben hat oder nicht.
Ich frage mich jetzt wie ich heraus finden kann, ob die Gefühle real sind oder ich mich doch täuschen würde. (Damals hatte ich schon öfter Gefühle für einige Personen , die sich aber während einer Beziehung in eine Abneigung gewandelt haben)

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

deine Frage kann ich dir leider nicht beantworten, ich kann nur ein paar Dinge dazu sagen. Gefühle sind nicht deswegen “unecht”, weil sie sich später ändern könnten. Wenn deine Gefühle jetzt wichtig für dich sind, sich intensiv anfühlen und dich auch beeinflussen (z.B. indem du auf dein Handy schaust), warum sollten sie dann nicht “echt” sein?

Gefühle sagen außerdem noch nichts darüber aus, was du damit anfangen willst. Manche Menschen haben zwar sehr starke Gefühle, ohne, dass sie sie in Taten umsetzen. Nur, weil du Gefühle für eine Person hast, heißt das nicht automatisch, dass du deshalb auch mit der Person in einer Beziehung sein musst, oder das wollen musst. Es kann verschiedene Gründe geben, warum eine Person zwar Gefühle für jemanden hat, aber trotzdem in keiner Beziehung mit diesem Menschen sein kann oder möchte. Zum Beispiel, weil es zu große Differenzen gibt, weil es räumliche Trennung gibt, weil andere Personen mit im Spiel sind oder weil bei einer oder beiden Personen gerade keine emotionale Bereitschaft für eine Beziehung da ist. Nur, weil zwei Menschen ineinander verliebt sind, muss das noch nicht bedeuten, dass sie auch in einer Beziehung gut zusammenpassen.

Du schreibst außerdem, dass du früher oft Gefühle für Menschen hattest, die sich aber in einer Beziehung mit der Zeit zu Abneigung gewandelt haben. Das kann der Fall sein, wenn z.B. deine Bedürfnisse oder Grenzen nicht respektiert werden, wenn die andere Person nicht die gleichen Vorstellungen von einer Beziehung hat (also z.B. mehr oder weniger Nähe braucht als du, andere Formen von Intimität wichtig findet, etc.) oder einfach, wenn ihr nicht gut zusammenpasst. Das ist nicht schlimm und kein Versagen von irgendwem, sondern einfach etwas, worüber dann geredet werden muss, um Klarheit zu bekommen.

Vielleicht hilft es dir, mit deinem Crush offen darüber zu reden, wie du dich fühlst. Das kann gruselig sein, aber hilft auch dabei, keine falschen Erwartungen und dadurch keinen Druck zu erzeugen. Oder vielleicht hilft es dir auch, einfach die Situation jetzt zu genießen und dich darauf zu konzentrieren, wie es sich jetzt anfühlt, statt dir schon den Kopf zu zerbrechen, ob die Gefühle bleiben oder nicht. Oder vielleicht solltest du dir mal den Begriff “lithromantisch” anschauen – lithromantisch sind Menschen, die sich zwar in andere verlieben, aber nicht wollen, dass andere sich in sie zurückverlieben, oder deren romantische Gefühle verschwinden, wenn sie erwidert werden.

Das sind ganz viele verschiedene Gedanken und Vorschläge – ich hoffe, es ist etwas Hilfreiches für dich mit dabei. Schreib uns gerne nochmal, wenn du mehr Fragen hast.

Alles Gute und viele Grüße,
Balth

Kummerkasten Antwort 218 – Meine Haare lösen Dysphorie aus

Hallo.

Und zwar gibt es etwas was mich ein wenig stutzig macht.
Ich bin trans und nicht geoutet.
Meine Haare bringen mir gelegentlich Dysphorie und ich bin mir unschlüssig, was ich jetzt machen soll.
Meine Haare sind bis zur Schulter lang und ich frage mich wie ich sie männlicher wirken lassen kann da ich denke dass kurze Haare mir mit meinem runden Gesicht nicht stehen werden.
Gibt es da Tricks die ich anwenden könnte?
Besten Dank!
Zedrik

Hallo Zedrik!

Ich persönlich finde nicht, dass es irgendwelche Gesichtsformen gibt, zu denen kurze oder lange Haare passen oder nicht passen – das ist ja alles nur irgendwelche Mode, wo mal irgendwer beschlossen hat, was gerade “in” ist und was nicht. Ich kann aber auch verstehen, wenn du deine Haare nicht abschneiden willst – das ist schließlich ein großer Schritt. Es ist vollkommen okay, deine Haare so zu tragen, wie du dich am wohlsten fühlst.

Lange Haare sind ja nicht an sich unmännlich, und es gibt viele Männer, trans und cis, die ihre langen Haare mit Stolz tragen. Wie genau lange Haare “männlicher” wirken ist schwierig zu sagen, weil der gleiche Haarstil bei unterschiedlichen Menschen ganz anders aussehen kann. Du kannst ja einfach mal die Augen offen halten, ob du – in der Öffentlichkeit oder auf Fotos – ein paar Männer mit langen Haaren findest, deren Looks dir gefallen. Ich persönlich folge gerne Leuten auf Instagram, deren Looks ich inspirierend finde. Allgemein kann ich nur sagen: Männer tragen ihre langen Haare oft “unordentlicher” als Frauen, also mit weniger definiertem Scheitel oder ganz ohne Scheitel, und wenn sie ihre Haare zusammenbinden, dann meistens in einem eher unordentlichen “Knoten” statt in einem ordentlichen Dutt oder Zopf. Außerdem sieht eine große Stirn oft “männlicher” aus, also hilft es auch, die Haare aus dem Gesicht zu halten und z.B. hinter die Ohren zu schieben.

Das alles sind eben normative Vorstellungen von Männlichkeit, und es bleibt vollkommen dir überlassen, was du daraus machst. Tu einfach, womit du dich wohl fühlst, das ist genau richtig so.

Alles Gute für dich!
Balthazar

Kummerkasten Antwort 217: Welches Geschlecht und welche sexuelle Orientierung habe ich?

Hi,
vorab ersmal ein großes Lob und Dankeschön an euch. Ich finde es super, wie ihr diese Seite gestaltet und ich habe durch das stundenlange lesen der Antworten im Kummerkasten endlich den Mut gefunden meiner ehemals besten Freundin zu sagen, was ich für sie fühle und nun sind wir seit einem Monat ein Paar.
Jetzt aber zu meinen Anliegen:
Ich bin 15 und ein biologisches Mädchen und wie gesagt mit einem Mädchen zusammen. Ich bin mir aber nicht sicher was für eine Sexualität ich habe. Einerseits denke ich, dass lesbisch ganz gut passen könnte, da ich mich eher zu weiblichen Personen hingezogen fühle. Andereseits bin ich auch der Meinung, dass mir das Geschlecht und die Geschlechtsidentität eigentlich egal sind und ich doch eher auf die Person schaue. Außerdem hatte ich das noch nie, dass ich auf der Straße oder in Filmen oder so ich eine Person total attraktiv fand und wenn in der Schule über “Jungs” gesprochen wird finde ich das ziemlich langweilig. Ich sehe Jungs eher gleichwertig zu Mädchen also für Freundschaften aber eher nicht zum verlieben. Jetzt wäre meine Frage, ob ihr mir eventuell ein paar Vorschläge machen könntet, die ganz gut auf meine Beschreibung passen könnten?
Mein zweites Anliegen ist bezüglich meiner Geschlechtsidentität.
Ich bin wie gesagt ein biologisches Mädchen und bin auch so aufgewachsen. Als kleines Kind habe ich gerne Kleidchen getragen und habe mich eigentlich auch immer bei den Mädchen eingeordnet. Ich war aber auch gerne mit den Jungs zusammen und habe mit denen und meinem kleinen Bruder “Jungssachen” gemacht. Jetzt bin ich eigentlich auch immernoch damit im reinen, als Mädchen angesehen zu werden.
Ich habe aber in letzter Zeit immer wieder den Gedanken gehabt, dass ich eventuell kein “komplettes” Mädchen bin. Ich habe eigentlich kein Problem damit als Mädchen oder mit “sie” angesprochen zu werden. Ich kleide mich nicht wirklich “weiblich” und Kleider sind für mich ein absolutes No-Go. Ich habe auch schon mit dem Gedanken gespielt mir eventuell die Brüste anzubinden, da ich sie nicht wirklich mag, was ich aber sofort wieder verworfen habe, da ich sehr empfindliche Brüste habe, die schon nach zwei Stunden Sport mit Sport-BH oder einem Nachmittag mit normalem BH (aufgrund von Feierlichkeiten, wo die Brüste in Form gebracht werden müssen etc.) anfangen wehzutun. Daher kann ich diese leider Methoden leider nicht wählen und muss meine Brüste so zeigen, wie sie sind, womit ich mich sehr unwohl fühle. Ich jabe auch schon oft überlegt, wie es wäre, als Junge gesehen zu werden und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich mich eigentlich in gar keine Geschlechterrolle hineinzwängen möchte. Ich würde sagen, dass ich nicht wirkich ein Junge aber auch nicht wirklich ein Mädchen bin, ich aber fast kein Problem damit habe, als Mädchen oder Junge erkannt zu werden.

Meine Frage ist nun wieder, ob ihr mir eventuell Begriffe nennen könntet, die auf meine Beschreibung passen könnten.
Ich hoffe ich habe alles klar ausgedrückt und schonmal Danke im Voraus.
Ps.:Sorry für die langen Texte

Hallo du!

Zuerst mal zu deiner Sexualität: Wie du dich bezeichnen willst und welches Label sich für dich am besten anfühlt, bleibt alleine dir überlassen. Hier aber mal Vorschläge:

Du kannst dich auch als lesbisch bezeichnen, wenn du findest, dass die Definition nicht 100% passt. Labels sind flexibel, und sie sind dafür gedacht, den Menschen, die sie benutzen, das Leben einfacher zu machen, weil sie sich dadurch einfach beschreiben können. Wenn du das Gefühl hast, “lesbisch” beschreibt dich gut und nützt dir, dann kannst du dieses Wort auch verwenden.

Wenn es sich aber nicht passend anfühlt, dann sind andere Labels auch möglich. Leute, denen das Geschlecht ihrer Partner*innen nicht so wichtig ist und die theoretisch Anziehung zu Menschen aller Geschlechter empfinden können, bezeichnen sich oft als pansexuell. Und Menschen, die ihre Sexualität und ihre Anziehung nicht unbedingt kategorisieren können oder wollen, aber deutlich machen wollen, dass die von der (Hetero-)Norm der Gesellschaft abweicht, bezeichnen sich oft als queer. Vielleicht passt ja eins der beiden Labels besser für dich.

Im Unterschied zu “lesbisch” sagen die Begriffe “pan” und “queer” auch nichts über dein eigenes Geschlecht aus – in “lesbisch” steckt ja oft die implizierte Annahme, dass es um ein Mädchen geht, das auf Mädchen steht.

Wer eine Anziehung zu Frauen ausdrücken will, ohne dabei eine Aussage übers eigene Geschlecht zu machen, kann z.B. auch femmesexuell bzw. gynesexuell als Label verwenden.

Jetzt zu der Sache mit dem Geschlecht: Du schreibst, dass du dich nicht vollkommen als Mädchen fühlst, aber auch kein Junge bist oder sein willst. Es gibt viele Menschen, denen es so geht wie dir, und die bezeichnen sich oft als nichtbinär. “Nichtbinär” ist ein Überbegriff für ganz viele verschiedene Geschlechter, die nicht oder nicht ausschließlich männlich oder weiblich sind. Du schreibst z.B., dass du dich in gar keine Geschlechterrolle hineinzwängen lassen willst – dazu könnten z.B. die Begriffe “agender” oder “genderqueer” passen. Genderqueer sind Menschen, deren Geschlecht nicht in die gesellschaftlichen Normen passt und auch nicht passen soll, und die vor allem normative Geschlechterrollen ablehnen – also z.B. dass Mädchen Kleider tragen müssen und Jungs kein Make-up tragen dürfen, dass Mädchen nicht wissenschaftlich begabt sind und Jungs nicht gerne basteln, usw. Agender sind Menschen, die kein Geschlecht haben oder mit dem Konzept von Geschlecht nichts anfangen können. Wichtig ist dabei nicht, womit du ein Problem hast, sondern vor allem nur das, womit du dich wohl fühlst – also mit welchen Kleidern, Begriffen, Pronomen und allem, was für dich zu Geschlecht gehört. Da darfst du dich gerne einfach geben, wie du bist – du verdienst auf jeden Fall Respekt. (Und zum Thema Brüste: Es hilft oft schon, weite Kleidung zu tragen oder mehrere Schichten übereinander – z.B. ein T-Shirt, ein Hemd und einen Hoodie – um den Brustbereich etwas kaschieren zu können. Vielleicht fühlst du dich ja so wohler, ohne abbinden zu müssen. Achte einfach auf dich und deine Körpersignale.)

Ich wünsche dir alles Gute und freue mich, wenn unser Kummerkasten dir helfen kann!
Liebe Grüße,

Balthazar

Kummerkasten Antwort 209 – Ich will kein Mann sein?!

TW: In dieser Frage geht es unter anderem um Sexismus, Mobbing, toxische Geschlechterrollen und Transfeindlichkeit.

Hallo,
Ich glaube um meine Situation zu erklären muss ich leider ein wenig ausholen. Sorry schon mal falls diese Nachricht etwas lang wird.
Ich bin 19 Jahre alt und (zumindest biologisch gesehen) ein Mädchen /eine Frau.
Was meine Sexualität und mein Geschlecht angeht bin ich jedoch schon von klein auf sehr verwirrt. Als Kind im Grundschulalter wollte ich immer unbedingt ein Junge sein. Ich habe mir gar nicht viele Gedanken darüber gemacht sonder einfach diesen Traum ausgeplaudert. Natürlich nahm das keiner ernst. Meine Mitschüler haben mich auch Jahre später noch damit geärgert und meine Eltern haben es einfach nicht weiter beachtet. Ich habe auch nicht weiter drüber nachgedacht weil ich von Transgender und so was allem natürlich noch nichts gehört hatte. Als ich älter wurde habe ich aufgrund von Mobbingerfahrungen und dem schwierigen Verhältnis zu meinem Vater “gelernt” dass Jungs/Männer Arschlöcher sind. Sorry für die Ausdrucksweise. Ich habe aufgehört ein Junge sein zu wollen und versucht mich mit der Rolle als Mädchen abzufinden. Ich fing mehr und mehr an das Männliche Geschlecht zu hassen und darauf meine Identität aufzubauen. Ich habe mich lange Zeit durch die bloße Tatsache ein Mädchen zu sein gedemütigt gefühlt. Ich hatte die Erfahrung gemacht dass in unserer Gesellschaft die Jungs/Männer mehr wert sind, bestimmen dürfen, mehr Rechte haben,… In dem Weltbild, dass ich mir aufgebaut hatte waren Frauen nichts wert. Irgendwann erkannte ich jedoch dass in Wahrheit die Frauen die besseren sind und die Männer der Feind der uns nur eintrichtern will wir wären wertlos und schwach. Ich könnte jetzt noch ewig über mein Bild von Männern und Frauen reden aber das würde euch wahrscheinlich alle nur wütend machen weil die meisten Menschen sagen das sei völlig falsch. Männer seien nicht gefühlskalt, herrisch, rechthaberisch, selbst erlebt,… Ich habe jedoch genau die Erfahrung gemacht.
Zurück zum wesentlichen. Ich habe also versucht mich mit meiner Frauenrolle zu identifizieren was mir durch den Hass auf Männer gelang und durch meinen Wunsch mich an der Männerwelt rächen zu können. Trotzdem habe ich mich besonders von meinem weiblichen Körper immer gedemütigt gefühlt und er fühlt sich einfach nicht nach meinem an.
Vor ein paar Monaten habe ich herausgefunden dass ich lesbisch bin. Zunächst dachte ich das würde all meine verwirrenden Gefühle erklären. Ich dachte wenn ich weiß nicht eines Tages mit einem Mann zusammen sein zu müssen entspannt das mein Verhältnis zu den Männern. Das hat jedoch nicht funktioniert. Im Gegenteil. Nachdem dieses Problem gelöst war drängte sich mir wieder die Frage nach meiner Identität auf. Nach langem Überlegen kam ich zu der Erkenntnis dass ich mich fühle wie ein Junge der ein Mädchen sein will. Diese Erkenntnis hat mich jedoch noch mehr verwirrt. Ich habe den Körper einer Frau, habe aber das Gefühl den eines Mannes zu haben bzw. hätte gerne den eines Mannes. Wenn ich in den Spiegel schaue sehe ich das Gesicht eines Jungen/Mannes. Aber ich will kein Mann sein. Von der Persönlichkeit will ich eine Frau bleiben. Ich will kein gefühlskalt Eisblock werden, der sich immer als der Überlegene und der Tollste fühlt. Ich will nicht andere Menschen erniedrigen nur weil sie ein anderes Geschlecht haben. Außerdem, wenn ich ein Mann werden würde wäre ich ja nicht mehr Homosexuell. Ich habe jedoch festgestellt dass ich Heterosexualität echt eklig finde. Ich finde es okay wenn Menschen Hetero sind und kann es auch akzeptieren aber ich kann zum Beispiel noch nicht einmal hinschauen wenn sich Mann und Frau in einem Film küssen. Bei Homopaaren ist das kein Problem. Das heißt als Mann müsste ich auf Männer stehen, doch das kann ich eben nicht weil ich auf Frauen stehe.
Wahrscheinlich kapiert kein Mensch was ich mit diesem wirren Gerede sagen will. Ich verstehe mich und meine Gefühle ja selbst nicht. Ich weiß nur dass ich meinen weiblichen Körper kaum noch ertragen kann, obwohl ich so vieles versucht habe mich mit ihm anzufreunden. Besonders meine Brust kann ich absolut nicht akzeptieren. Schon dafür, zugeben zu müssen dass ich eine habe, schäme ich mich sehr. BHs kaufen ist das Demütigendeste was es gibt und ich verzweifle langsam echt. Ich habe schon mehrmals versucht sie abzufinden, was aber jedes Mal zu starken Schmerzen, Atemnot und blauen Flecken geführt hat. Jetzt habe ich zwar eine neue Methode dafür gefunden, die wenigstens hält aber schmerzhaft ist es immer noch, besonders weil ich chronischen Husten habe der dadurch verstärkt wird.
Die Leute in meinem Umfeld meinen ich könne meinen Körper nur nicht akzeptieren weil ich nicht erwachsen werden will. Es stimmt zwar dass ich mich mit dem erwachsen werden schwer tue aber ich glaube nicht dass das der Grund dafür ist warum sich mein Körper nicht nach meinem Körper anfühlt.
Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Ich will doch einfach nur wissen wer oder was ich bin. Ich bin so verwirrt. Auf der einen Seite will ich nicht einfach nur eine Frau sein, weil sich das falsch anfühlt. Auf der anderen Seite will ich aber auf keinen Fall ein Mann sein. Mein Ekel vor Männern wird irgendwie immer größer. Wenn sich zum Beispiel einer in der Bahn neben mich setzt kann ich oft kaum noch atmen und bekomme regelrecht Angst. Wenn mich ein Mann/Junge berührt muss ich mich sofort desinfizieren. Ich schäme mich total dafür. Schließlich rege ich mich darüber auf dass die Männerwelt uns Frauen schlecht macht und erniedrigt und selbst bin ich so voll Hass und Ekel gegenüber Männern. Bitte denkt jetzt nicht schlecht über mich. Ich will so nicht fühlen oder denken. Ich weiß nur nicht wie ich es ändern kann.
Am liebsten wäre ich einfach Mann und Frau zugleich. Ich habe gelesen dass das zwar geht aber ich verstehe das alles nicht. Es ist zu verwirrend. Und wenn ein Teil von mir ein Mann wäre, wie sollte ich damit leben. Auf der anderen Seite kann ich ja aber auch nicht mit dem Frau sein leben. Ich habe versucht mir vorzustellen wie es wäre ein Mann zu sein und es hat sich sehr einsam angefühlt. Männer haben schließlich keine richtigen Freunde, reden nicht über Gefühle, müssen immer die starken Beschützer sein,… Ich kann so nicht leben. Und eine Partnerin würde ich dann erst recht nie finden. Ich könnte es niemals mit meinem Gewissen vereinbaren dass wegen mir eine Frau mit einem Mann zusammen lebt. Männern kann man einfach nicht vertrauen und ich will dass man mir vertrauen kann. Ich will aber auch dass ich mich jemandem anvertrauen kann und nicht den Rest meines Lebens ein starker Macho sein muss.
Ich weiß einfach nicht mehr weiter.
Ich habe mit ein paar Leuten in meinem Umfeld darüber gesprochen und die meinten ich solle einfach aufhören darüber nachzudenken. Ich sei eine Frau und damit müsse ich mich abfinden und mein Geschlechterrollenbild sei eh viel zu verschoben um da zu einer Lösung zu kommen. Man könne eh nichts an dem ganzen ändern. Ich schaffe es aber einfach nicht mich damit abzufinden und einen Punkt an die Sache zu setzen. Wer bin ich? Und was kann ich tun um das herauszufinden?

Hallo du,

erst einmal tut es mir leid, dass dich als Kind mit deinem Geschlechtsausdruck niemand ernst genommen hat und dass du so viele schlechte Erfahrungen damit und mit Männern machen musstest.

Es stimmt, dass sehr viele Eigenschaften, die in der Gesellschaft als “männlich” gelten, nicht gerade menschlich, herzlich und freundlich sind. Von Männern wird erwartet, dass sie stark, durchsetzungsfähig und wenn nötig auch aggressiv sind, und das macht es vielen Männern nicht gerade leicht, gute Menschen zu sein. Und weil es diese ganzen Geschlechterrollen und Erwartungen an Männer gibt, schaffen es viele nicht, einen positiven sozialen Umgang mit ihren Mitmenschen zu entwickeln. Dazu kommt noch, dass Frauen in unserer Gesellschaft fast überall im Vergleich zu Männern abgewertet werden und viel Diskriminierung und Gewalt erfahren, oft von Männern.

Das heißt aber nicht, dass alle Männer so kalt, verletzend und freundelos sind, oder dass du so sein musst, wenn du feststellen solltest, dass du tatsächlich ein Mann bist. Es gibt unzählige Männer, die sich bemühen, besser zu sein als ihr Ruf, die enge Freundschaften pflegen und hilfsbereit, großzügig, weich und verständnisvoll sind. Nicht alle Männer sind genau gleich, so wie auch nicht alle Frauen exakt gleich sind. Es gibt überall gute und schlechte, und dann noch zahlreiche Abstufungen dazwischen.

Wenn du feststellen solltest, dass du ein Mann bist, dann bist du immer noch du selbst. Dein Charakter bleibt so, wie er ist, deine Art zu lieben bleibt so, wie sie ist, und du bist immer noch der gleiche Mensch wie immer. Und das ist vollkommen okay. Du bekommst die Chance, ein besserer Mann zu sein als die, mit denen du so schlechte Erfahrungen gemacht hast, und du alleine entscheidest, was für eine Art Mann und Mensch du bist.

Was deine Angst vor Männern und deinen Ekel betrifft, da kann ich dir leider nicht weiterhelfen. Ich hoffe, du findest eine fähigere Person als mich, mit der du über diese Themen reden kannst – das würde sicher bei all diesen Themen auch helfen.

Ich wünsche dir alles Gute auf deinem Weg,
Balthazar

Kummerkasten Antwort 208 – Ich finde Geschlechterrollen unnötig!

Hey
Ich denke in den letzten Tagen öfter über mein Geschlecht nach. Mir ist es egal ob man mich als weiblich oder männlich bezeichnet, auch ist es mir egal, wenn ich “weibliche” oder “mänliche” Kleidung trage. Ansich finde ich die genderrules unnötig. Ich habe mich ne Zeitlang als genderfluid bezeichnet, was aber meiner Meinung iwie nicht passt. Ich denke, das ich Non-binäry oder Agender bin, bin mir nicht sicher. Es wäre echt net, wenn ich damit Hilfe bekommen würde.

Hallo du,

wenn es dir egal ist, was du trägst, wie du angesprochen oder gesehen wirst und du insgesamt nicht so viel Wert auf dein Geschlecht legst, dann könntest du dich z.B. als gender indifferent bezeichnen.  Das ist eine Bezeichnung für alle Menschen, denen es auch so geht und die ihr eigenes Geschlecht nicht wirklich wichtig finden.

Agender oder nonbinär/nichtbinär/nonbinary passt aber auch, und wenn du dich mit einem dieser beiden Begriffe wohler fühlst, dann kannst du natürlich auch einen dieser beiden oder beide für dich verwenden. Agender beschreibt in der Regel Menschen, die kein Geschlecht haben oder die mit dem Konzept von Geschlecht nichts anfangen können. Nichtbinär/nonbinary ist ein Überbegriff für alle Leute, die nicht oder nicht ausschließlich männlich oder weiblich sind. Es kann aber auch als Selbstbezeichnung verwendet werden. Ich finde übrigens, du hast vollkommen Recht – alle Regeln, die für Geschlechter gemacht werden, sind vollkommen unnötig und können in den Müll!

Ich hoffe, das konnte dir ein wenig helfen. Ich wünsche dir alles Gute!
Balthazar

Kummerkasten Antwort 207 – Bin ich agender, wenn ich Geschlechterrollen ablehne?

Liebes Kummerkasten-Team
Ich bin vor einigen Tagen auf den Begriff “a-gender” gestoßen und finde ihn etwas verwirrend. Ich bin zeugungsfähig und hatte mich deshalb immer als Mann im Sinne des sex identifiziert, habe mich aber nie mit der sozialen Rolle, die mir aufgedrängt wird, anfreunden können.

Auf Englisch sprachigen Seiten wurde der Begriff “a-gender” mit “kein gender haben” übersetzt. Ich werde von meiner Umwelt jedoch meist als Mann gelesen und es werden daher auch gewisse Erwartungen und Normen an mich gerichtet. Bin ich, wenn ich diese ablehne a-gender?
Wenn gender sozial konstruiert ist (und sozial bedeutet, dass es trans-subjektiv ist) kann ich einfach behaupten kein gender zu haben, nur weil ich das gender nicht erfülle, das mir zugedacht wird?
Ich hoffe ihr könnt mir zu einer besseren Einsicht verhelfen.
Liebe Grüße
(A)

Hallo (A),

deine Frage ist sehr komplex und ich hoffe, dass ich sie gut beantworten kann. Du hast auf jeden Fall Recht damit, dass Geschlecht sozial konstruiert ist. Soziale Konstruktion ist aber kompliziert, sie passiert nicht nur gesellschaftlich, sondern auch in jeder einzelnen Person, und damit auch in dir. Dein persönliches Geschlecht ist dir nicht angeboren, sondern etwas, was im ständigen Wechsel zwischen den Erwartungen der Gesellschaft und deinem Aussehen, deinem Tun, deiner Geschlechterpräsentation etc. entsteht.

Das bedeutet aber nicht, dass Geschlecht komplett zufällig, willkürlich oder frei wählbar ist. Und nur die Aussage (bzw. “Behauptung”) “Ich bin agender” macht eine Person noch nicht agender.

Was eine Person agender macht, ist allerdings genauso schwer zu beantworten wie die Frage, was eine Person zu einem Mann macht. Das einzige, was ich fragen kann, ist: Wie fühlst du dich denn? Wenn du in dich hineinhörst und nach den Dingen suchst, die dich zu dem Menschen machen, der du bist – verbindest du von diesen Dingen irgendwas mit Männlichkeit? Wichtig ist nämlich nicht, welches Geschlecht dir andere Menschen zuschreiben, das hat nichts mit deiner Identität zu tun. (Eine trans Frau, die noch ungeoutet ist und nach außen hin für die meisten Leute “wie ein Mann” aussieht, ist ja trotzdem noch eine trans Frau.)

Agender sein ist auch kein Zustand, der einfach eintritt, wenn eine Person Geschlechterrollen ablehnt. Es gibt sehr viele Menschen, die Rollen und Erwartungen ablehnen und sich trotzdem mit dem Geschlecht identifizieren, dem sie zugewiesen wurden/werden. Das bedeutet: Du “darfst” dich auch dann als Mann identifizieren, wenn du mit vielen Dingen nicht einverstanden bist, die die Gesellschaft von Männern erwartet, und wenn du aktiv gegen diese Rollenbilder angehst. Männer können Makeup tragen, sich die Nägel lackieren, weinen, nicht an Sport interessiert sein, keine Lust auf Machogerede haben und trotzdem noch Männer sein – ganz egal, wie die Gesellschaft das findet.

ABER. Wenn du in dich reingehorcht hast und dabei feststellst, dass du dich nicht mit Männlichkeit identifizieren kannst, dass du kein Mann bist und auch keiner sein möchtest, und wenn du kein Geschlecht in dir findest – dann kann es durchaus sein, dass du agender bist. Letztlich ist einfach nur wichtig, mit welchem Begriff du dich identifizieren kannst und willst, mit welchem Begriff du dich am wohlsten fühlst und was dich am besten beschreibt.

In der Hoffnung, dass dich das jetzt nicht noch mehr verwirrt, wäre hier auch noch ein anderes mögliches Label für dich: Genderqueer. Genderqueer ist ein Begriff für alle Menschen, die nicht in die gesellschaftlichen Normen von Geschlecht passen. Vielleicht ist dir ja mit diesem Begriff vorerst geholfen?

Viele liebe Grüße und alles Gute,
Balthazar

Dankeschön

Hallo 🙂 Erstmal vielen Dank für die großartige Arbeit, die ihr hier leistet!

Hallo du und vielen lieben Dank! Wir freuen uns immer, von euch Rückmeldungen zu bekommen <3

Kummerkasten Antwort 200 – mein Vater äußert sich queerfeindlich, was tun?

TW: Schwulen- und Queerfeindlichkeit und Psychopathologisierung (also die Darstellung von queerer Sexualität als psychische Krankheit) werden hier angesprochen. Passt auf euch auf beim Lesen!

Hallo Fremde/r,
ich habe ein kleines Problem,ich glaube ich bin einfach nicht so ,wie andere es sich wünschen würden, ich bin zutiefst beleidigt wenn mein Vater und andere Familienmitglieder über ,,Schwuchtel” und andere Menschen die ihrem ,,Normal” abweichen lästern. Kurz gesagt, sie glauben dass ,,diese” Leute alle psychische Krankheiten haben.
Und als ob das nicht reichen würde finden sie dass alles was ich erzählen nur von der Schule eingetrichtert wird. Sie denken dass das Geschlecht einen definiert, ein Mann hat sportlich und taff zu sein ,darf niemals weinen. Und eine Frau wie ich hat sich halt weiblich zu benehmen hat, höflich sein zu jedem der einen begegnet, charmant und mit wallender Mähne. Aber ich sehe mich so nicht. Wenn ich ganz ehlich bin habe ich wenn ich dem einen Mädchen begegne immer Bauchkribbeln und habe noch nie etwas für einen Jungen empfunden habe und ich gLaube daß mein Geschlecht mich in keinstellen Weise definiert. Ich htäte niemals etwas dagegen, wenn eine Freundin von mir so etwas empfindem würde, aber ich?
Ich bin dauernd zwischen ,dass ist alles nur Einbildung und OMG dass kann doch nicht dein Ernst sein. Jedes mal wenn ich sie angucke fühle ich mich total Pervers.
Natürlich habe ich tolle Freunde mit denen ich mich offen unterhalten kann und die der festen Meinung sind dass nicht ich die mit den Problemen bin, sondern mein Vater. Es tut mir leid ,dass ich ihn wie ein Monster klingen lasse,er hat auch viele gute Seiten.
Aber ich fühle mich trotzdem total verloren und manchmal frage ich mich warum ich so sein muss Wie ich bin.

Es tut mir leid dies ist viel länger und ausführlicher geworden und ich schicke Ihnen mein Beileid, weil sie sich mit dem chaotischen Geprabbel einer Jugendlicher auseinandersetzen musst, obwohl ihnen bestimmt Leute mit viel größeren Kummer schreiben,
Terri.

Hallo Terri,

du musst dich überhaupt nicht entschuldigen für deine Nachricht, genau dafür sind wir ja da. 🙂

Deine Situation ist eine sehr schwierige, und ich kann sehr gut verstehen, dass sie dich belastet und beschäftigt. Es ist immer sehr schwierig, sich mit diskriminierenden Menschen voller Vorurteile auseinandersetzen zu müssen, vor allem, wenn sie in einem so direkten Umfeld sind und vor allem dann, wenn du selbst von ihren negativen Aussagen betroffen bist. Dein Umfeld hat natürlich recht, dass nicht du das Problem bist in dieser Situation. Und auch, wenn ich verstehen kann, dass du deinen Vater in Schutz nehmen möchtest, ist es doch wichtig, dass du aussprechen kannst und darfst, welche verletzenden Dinge er sagt und tut. Es ist gut, dass du diese Sachen ansprichst und auch klar und deutlich sagst, was dein Vater und andere Familienmitglieder für ein verletzendes Verhalten zeigen.

Ich kann verstehen, dass du sehr an dir zweifelst, wenn du in so einem Umfeld aufwächst. Aber die Meinung deines Vaters ist eben auch nur das: eine Meinung. Und viele Millionen stimmen dir zu, dass diese Aussagen deines Vaters falsch, verletzend und nicht in Ordnung sind. Du darfst dir deine eigene Meinung bilden und hast das Recht, dich frei zu entfalten, so wie es deinen Vorstellungen, und vor allem deinem Geschlechterbild, deiner Identität und deiner Sexualität entspricht. Das ist allein deins und niemand, auch nicht deine Familie, kann dir da reinreden.

Es ist aber auch wichtig, dass du auf dich acht gibst. Nur, weil du andere Ansichten als deine Familie hast, bist du nicht verpflichtet, die Ansichten deiner Familie zu ändern. Die allermeisten Menschen sind sehr festgefahren in ihren Ansichten und es kostet unglaubliche Kraft, sie umzustimmen oder es auch nur zu versuchen. Es ist nicht deine Aufgabe oder Pflicht, jedes Mal dagegenzuhalten, wenn dein Vater oder andere Menschen diskriminierende Dinge sagen – du musst da in erster Linie tun, was dir gut tut, und kannst dich z.B. auch aus der Situation zurückziehen, gezielt das Thema wechseln oder einen anderen Umgang damit finden. Eine ständige Konfrontation kostet echt viel Kraft und ist emotional auslaugend. Finde deinen eigenen Umgang damit, pass auf dich auf und gehe auf Abstand, wo es für dich nicht mehr geht. Auch wenn diese Menschen deine Familie sind, bist du nicht verpflichtet, dich ihrem verletzenden Verhalten auszusetzen.

Suche dir Rückhalt, wo es geht, z.B. im Freund*innenkreis, bei anderen Familienmitgliedern, die nicht die Ansichten deines Vaters teilen, in queeren Gruppen und/oder Online-Communities. Du bist nicht allein, und du bist okay so, wie du bist.

Alles Gute und pass auf dich auf! <3
Balth

Kummerkasten Antwort 199 – Ich möchte einen neuen Namen, wie sag ich das meinem Umfeld?

Hallo,
ich habe mich schon seit einer ganzen Zeit für mich als Genderfluid geoutet, nur habe ich noch niemandem davon erzählt, da ich von meinem Umfeld immer so aktzeptiert wurde. Jedoch habe ich schon seit einigen Monaten das Bedürfnis mit einem anderen Namen angeprochen zu werden. Ich weiß nur icht, wie ich es meinem Umfeld sagen soll, da ich mich noch nie erklären musste und angst habe, dass wenn ich mich erkläre dann doch blöde Sprüche kommen
LG

Hallo lieber unbekannter Mensch,

es ist schön, dass dein Umfeld dich bisher so akzeptiert hat, wie du bist. Ein Outing kann trotzdem ein großer Schritt sein. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit so einer Situation umzugehen, und welche für dich die richtige ist, kannst du wohl selbst am besten beurteilen.

Du könntest dich z.B. zuerst mal nur bei einer oder zwei Personen aus deinem Freund*innenkreis oder aus der Familie outen, bei denen du am ehesten das Gefühl hast, dass sie dich verstehen und unterstützen. Es ist immer leichter, sich zu outen, wenn du Leute hast, die dir dabei den Rücken stärken. Das müssen aber auch nicht unbedingt Leute aus deinem engsten Kreis sein – Unterstützung findest du z.B. auch in queeren Gruppen bei dir vor Ort oder online. Es hilft manchen Menschen auch, sich erst bei einer Person zu outen, mit der sie nicht so eng sind, weil dann das Risiko, verletzt zu werden, auch geringer sein kann.

Möglich wäre z.B. auch, deinem Umfeld einfach nur den neuen Namen zu sagen, mit dem du angesprochen werden willst, ohne dich sofort zu erklären. Viele Leute ändern aus verschiedenen Gründen ihre Namen oder Spitznamen, und du kannst ja auch einfach nur sagen, dass du mal was neues ausprobieren willst, dich mit dem alten Namen nicht mehr wohl fühlst, oder so was ähnliches – ohne Wörter wie “genderfluid” o.ä. zu verwenden.

Irgendwelche Sprüche oder unangenehme Nachfragen können immer kommen, weil die meisten Leute noch nie eine genderfluide Person getroffen haben. Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, deinem Umfeld ein Zeitfenster zu geben, in dem du auf Fragen antwortest, z.B. einen Tag oder eine Woche – dann können die Leute alle ihre Fragen auf einmal loswerden, und das ist dann zwar für einen kurzen Zeitraum sehr anstrengend für dich, aber danach kannst du es dann hoffentlich auch abhaken. Oder du lässt jemensch anderes die Beantwortung aller Fragen übernehmen, z.B. uns. 😉 Dann musst du dir das alles nicht anhören und wir kümmern uns drum. Hier könnte dann dein Umfeld nochmal genau nachlesen, was welche Griffe bedeuten, und wir können auch Fragen beantworten und Unsicherheiten klären.

Ich wünsche dir alles Gute und drücke die Daumen, dass dein Umfeld dich auch weiterhin so akzeptiert, wie du bist!
Balth

Kummerkasten Antwort 198 – Grenzüberschreitung im Sexleben

TW: Hier geht es u.a. um Sex, Vergewaltigung und Selbstmordgedanken. Passt auf euch auf beim Lesen!

Hey weis nicht mehr weiter und erzähle erst mal was mich bedrückt.

Als ich bin eine Trans Frau noch ohne op und in einer Beziehung mit einer Frau Cis Frau die ich über alles liebe. Nun ist es so das ich wenn ich jetzt mit ihr sex habe sich alles unstimmig anfühlt wenn ich sie Penetriere was vorher nie ein Problem war . Das das Problem ist halt erst seit dem sie mich Anal penetriert und ich dadurch auch einen Orgasmus hatte . Nun war es so das sie dachte wir probieren halt nur mal rum und gut ist. Aber da sie mitbekommen hatt das ich seit dem beim sex er frustriert bin weil sich es für mich und stimmig anfühlt ist sie auf die Idee gekommen das ich mir doch neben Her noch einen männlichen paart suchen sollte . Was ich aber eigentlich nicht wollte weil ich sie über alles liebe und es für mich nicht in frage käme. Na ja leider Habe ich dann irgendwann darüber nach zu denken was sie ja vielleicht recht haben könnte und habe es nochmal angesprochen da sie ja halt auch immer erzählt hat das sie sich noch mit anderen Trans Frau probieren wollte und ich halt Angst hatte sie zu verlieren weil das sex leben wegen mir einschläft und sie ja recht haben könnte mir dem männlichen paart . So aber jetzt ist halt mein Problem das ich ein sex Date mit einen Mann hatte er war auch sympathisch und nett wir hatten auch sex mit einander also ich nur in der passiven Rolle, es war auch in gewisser weise stimulieret bloß habe ich mich danach Gefühl als ob ich vergewaltigt worden bin , schmutzig, dreckig ich habe seit dem selbst mord Gedanken . Müsste auch schon zum kriegendienst mir was geben lassen da ich Die Welt nicht mehr verstehen und seit dem mich alle Menschen an widern habe keine Lust mehr das mich jemand anfassen oder berühren soll das ekelt mich grade einfach nur an 😞 weis halt echt nicht weiter vor allem habe ich gedacht ich komme mit meiner sexualität so klar ohne op und nun ist alles andere. Wer toll wenn mir jemand einen rad geben könnte was ich machen kann damit ich meine Frau nicht verliere 😞

Hallo liebe Unbekannte,

es tut mir furchtbar leid, dass du eine so schreckliche Erfahrung gemacht hast. Ich muss zugeben, dass ich nicht dazu ausgebildet bin, mit einer Situation wie deiner umzugehen, weil sexuelle Übergriffe, Vergewaltigung und auch Selbstmordgedanken sehr komplexe und sensible Themen sind und ich nicht zusätzlich Schaden anrichten möchte. Wir geben hier zwar Ratschläge und versuchen, queere Menschen zu unterstützen, wo wir können, aber wir sind alle keine Psycholog*innen, Therapeut*innen oder ähnliches. Wenn du kannst und die Möglichkeit dazu hast, solltest du über deine Situation unbedingt mit einem*einer Therapeut*in, Psycholog*in, Ärzt*in, Berater*in oder anderen Fachperson, der du vertraust, sprechen. Und ich fände es auch wichtig, wenn du mit deiner Partnerin darüber sprichst, damit sie Bescheid weiß und dich unterstützen kann.

Ich möchte trotzdem noch etwas sagen, weil ich dich ungern ganz ohne Kommentar stehen lassen möchte: Deine Gefühle gegenüber der Situation sind vollkommen valide. Du hast eine schlimme Erfahrung gemacht, die du so nicht wolltest. Aber du bist nicht “dreckig” deswegen, und du bist nicht allein. Außerdem geht es vielen trans Menschen so, dass sich ihr Sexleben und ihre sexuellen Vorlieben im Laufe ihrer Transition und ihres Coming Out irgendwann ändern – ganz egal, ob es eine Operation gab oder gibt, oder eben nicht. Es gibt für alle – auch für dich – Wege, damit einen guten Umgang zu finden, der für dich gut und richtig ist, und ich wünsche dir, dass du diese Wege für dich findest.

Ich wünsche dir allen Rückhalt und alle Unterstützung, die du brauchst, und alles, alles Gute.
Balthazar