Unsere Grundsätze bei der Beantwortung von Kummerkasten-Fragen

Der Kummerkasten auf queer-lexikon.net bietet vor allem jungen queeren Menschen die Möglichkeit, vollkommen anonym Fragen zu stellen und Unsicherheiten zu äußern. Hier wollen wir die Grundsätze unserer Arbeit im Kummerkasten transparent darlegen.

 

Anonymität

Fragen im Kummerkasten bestehen technisch nur aus dem, was als Frage abgeschickt wird. Weitere Informationen wie Mailadresse, Name, Kontaktdaten etc. werden nicht abgefragt. Innerhalb des Kummerkastens ist beim Beantworten nur ersichtlich, zu welchem Zeitpunkt eine Frage einging und was darin stand. Die gestellten Fragen sind häufig sensibel und beinhalten auch private Details. Wir können diese aber nicht mit Personen oder persönlichen Daten verknüpfen, da uns diese nicht vorliegen. Wenn Fragen identifizierende Details wie Wohnorte, Schulen etc. enthalten, anonymisieren wir diese zum Schutz der fragestellenden Person.

 

Keine Verurteilungen

Häufig sind die Fragen sehr ausführlich gestellt und geben viel Einblick in die familiäre Situation und das private Umfeld der fragestellenden Personen. Viele verwenden Worte und Formulierungen, die wir nicht verwenden würden, weil sie diskriminierend oder abwertend sind. Wir sind uns dessen bewusst, dass viele Fragestellende gerade erst anfangen, sich mit diesen Themen zu befassen und deshalb für die in Communities bevorzugte Sprache noch nicht sensibilisiert sind. Zudem verwenden verschiedene Communities – abhängig von regionalen, sozialen oder persönlichen Präferenzen und Diskursen – verschiedene Begrifflichkeiten, die nicht immer mit unserer eigenen bevorzugten Sprache übereinstimmen. Daher weisen wir ggf. auf sensiblere Bezeichnungen hin oder sprechen den Wunsch aus, dass die Fragenstellenden sich weiter mit einem Thema befassen.
Die anvertrauten Informationen behandeln wir mit der gegebenen Sorgfalt. Formulierungen, die aus unserer Sicht unpassend, verletztend oder diskriminierend sind, stellen wir behutsam richtig, ohne sie dabei den Fragenden vorzuwerfen.

Gate-Keeping

In der queeren Community wird häufig über Definitionen diskutiert. Das sind selten neue Debatten, aber es gibt immer wieder Vorstöße, ob bestimmte Identitäten wirklich queer sind oder was für Voraussetzungen es gibt, um sich z.B. als trans bezeichnen zu dürfen. Für die allermeisten Label lehnen wir Beschränkungen ab, die dazu führen, dass Menschen sie für sich nicht benutzen dürfen. Labels haben eine Bedeutung, sie fassen Identitäten zusammen und vereinfachen diese, um Sachverhalte schnell kommunizieren zu können. Dabei bestimmt nicht das Label, wer ich sein darf. Eine Lesbe ist zum Beispiel nicht weniger eine Lesbe, wenn sie mal eine Beziehung zu einer nicht-weiblichen Person hatte. Wir verstehen Labels also vor allem als deskriptiv und niemals als präskriptiv.
‘Für die allermeisten Labels’ heißt, dass es auch Ausnahmen gibt. Das bezieht sich auf Label, die zum Beispiel von Schwarzen Menschen genutzt werden wie same gender loving – dieses Label kann von weißen Personen nicht genutzt werden. Ähnliches gilt z.B. für Labels, die von Angehörigen der First Nations genutzt werden.

 

Ehrenamt

Ein Team innerhalb des Queer Lexikon kümmert sich um die Beantwortung der Fragen. Dies geschieht neben anderen Aufgaben im Verein sowie neben Studium und Erwerbsarbeit. Dadurch dauert es häufig eine Woche – je nach Menge der Anfragen auch deutlich länger – bis Fragen tatsächlich beantwortet werden. Alle beantwortenden Personen sind selbst queer und haben daher mit den Bereichen, die sich mit ihrer Identität überschneiden, persönliche Erfahrung. Einige von uns studieren und forschen auch in den Gender Studies. Diese Erfahrungen bringen wir mit ein. Wir sind aber weder in Beratung, noch in Rechtsfragen speziell geschult und sind nicht dazu gedacht, eine psychologische oder rechtliche Beratung zu ersetzen. Genausowenig haben wir medizinische oder psychologische Ausbildungen.