Folge 6: A_Romantik

Hallo und Herzlich Willkommen zur neuen Folge unseres Podcasts. Heute geht es um Aromantik und um das aromantische Spektrum, also um Menschen, die keine romantische Anziehung zu anderen Menschen verspüren. Letztes Mal haben wir gezeigt, dass es verschiedene Arten gibt, sich zu Menschen hingezogen zu fühlen, und dass romantische Anziehung eine davon ist. Ihr müsst die letzte Folge nicht gesehen haben, um diese hier schauen zu können, aber es gibt euch sicher eine gute Grundlage. Dieses Mal erklären wir ausführlich, was A_romantik ist und was es mit dem aromantischen Spektrum auf sich hat. Danach geht es noch um den Zusammenhang zwischen Asexualität und Aromantik und zuletzt schauen wir uns an, welche gesellschaftlichen Strukturen dafür verantwortlich sind, dass aromantische Menschen diskriminiert werden.

A_romantik 🏹 Ah! Romantik? Nix für mich. ¯\_(ツ)_/¯

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Was ist A_romantik? 
Aromantisch sind Menschen, die keine romantische Anziehung gegenüber anderen Menschen empfinden. Das heißt: Wer aromantisch ist, verliebt sich nicht in andere Menschen, egal welchen Geschlechts. Es ist sehr schwierig zu erklären, was genau romantische Anziehung ist, vor allem für aromantische Menschen, aber grundsätzlich meinen wir damit: Herzklopfen kriegen, wenn wir an eine Person denken. Schmetterlinge im Bauch. Das Bedürfnis, die Person zu küssen, mit ihr zu kuscheln oder ihre Hand zu halten. All das empfinden aromantische Menschen nicht.
Das heißt aber nicht, dass ihnen etwas fehlt, oder dass sie lieblos sind. Aromantische Menschen haben genauso wichtige Beziehungen in ihrem Leben wie alloromantische Menschen, also die Menschen, die romantische Anziehung empfinden. Das können Freundschaften sein, oder Familie, oder so genannte queerplatonische Beziehungen – das sind Beziehungen, die ähnlich eng und intim sind wie romantische Beziehungen, die aber nicht romantisch sind. Leute in queerplatonischen Beziehungen können zum Beispiel zusammenziehen, eine gemeinsame Zukunft planen und, wenn sie wollen, auch eine Familie gründen, ohne dass romantische Anziehung im Spiel ist.
Manche Menschen, die aromantisch sind, entscheiden sich aus verschiedensten Gründen dafür, trotzdem eine romantische Beziehung einzugehen, meistens mit ein oder mehreren Partner*innen, die alloromantisch sind. Das macht diese Menschen nicht weniger aromantisch, weil sie ja immer noch keine romantische Anziehung für irgendwen empfinden, sondern nur damit einverstanden sind, in einer Beziehung zu sein, in der die andere Person oder die anderen Personen romantische Gefühle empfinden.
Andere aromantische Menschen fühlen sich unwohl mit Romantik oder fühlen sich abgestoßen von romantischen Beziehungen; wiederum andere sind gleichgültig gegenüber Romantik, haben kein Interesse daran, in einer romantischen Beziehung zu sein, stören sich aber auch nicht weiter daran.
Die aromantische Flagge sieht so aus: [http://aromantic.wikia.com/wiki/Aromantic neustes Design von hier nehmen!] und das Symbol für aromantische Menschen ist oft ein Pfeil, abgeleitet von der Abkürzung aro, die Ähnlichkeiten hat mit dem englischen Wort „arrow“.

Das a_romantische Spektrum 
Manche Menschen sind nicht hundertprozentig aromantisch oder alloromantisch – diese Menschen befinden sich auf dem aromantischen Spektrum. Dieses Spektrum ist riesig und wir können nicht alle Begriffe darauf erklären, aber wir wollen hier kurz die wichtigsten nennen. Weitere Definitionen finden sich dann in der Infobox. [http://arospecawarenessweek.tumblr.com/glossary]
Greyromantic, also auf Deutsch grauromantisch, sind Menschen, die nur selten oder nur wenig romantische Anziehung empfinden. „Grauromantisch“ wird oft auch als Schirmbegriff für alle Orientierungen auf dem aromantischen Spektrum benutzt, die nicht 100% aromantisch sind.
Demiromantisch heißt, dass Menschen sich erst verlieben, wenn sie eine Person schon sehr gut kennen und eine emotionale Verbindung aufgebaut haben – sowas wie „Liebe auf den ersten Blick“ gibt es für demiromantische Menschen nicht.
Lithromantisch bedeutet, dass jemand zwar romantische Anziehung empfindet, aber davon abgestoßen ist, wenn sie erwidert wird. Menschen, die lithromantisch sind, verlieren oft ihre romantischen Gefühle, wenn sie eine Beziehung eingehen oder wenn ihre Gefühle erwidert werden.
Wer cupioromantisch ist, empfindet zwar selbst keine romantische Anziehung, hat aber trotzdem den Wunsch oder das Bedürfnis nach einer romantischen Beziehung.
Wtf-romantisch ist ein ironischer Begriff aus der aromantischen Community, manchmal auch quoiromantisch genannt. Wtf- oder quoiromantische Menschen wissen nicht, welche Art von Anziehung sie empfinden, zum Beispiel ob platonische oder romantische, oder sie verstehen grundsätzlich das Konzept von Romantik nicht und können deswegen nicht sagen, ob sie es empfinden, oder sie sind einfach nur verwirrt von ihren Gefühlen und finden kein besseres Wort, um sich auszudrücken.

A_romantik und A_Sexualität
Wie wir vorher schon erklärt haben, muss die romantische Orientierung einer Person nicht immer mit ihrer sexuellen Orientierung übereinstimmen. Viele Leute denken allerdings, dass Menschen, die aromantisch sind, auch automatisch asexuell sind – das stimmt aber nicht. Menschen, die aromantisch sind, können alle möglichen sexuellen Orientierungen haben: Sie können heterosexuell oder homosexuell sein, bisexuell, pansexuell oder eben asexuell. Es stimmt allerdings, dass die aromantisch-asexuelle Community – auch aro-ace Community genannt – recht groß ist. Das kommt daher, dass es selbst in der queeren Szene noch viele Vorurteile gegenüber aromantischen genauso wie gegenüber asexuellen Menschen gibt: Viele queere Menschen behaupten, dass aro und ace Menschen nicht die gleichen Diskriminierungserfahrungen machen wie alle anderen queeren Menschen, weil sie angeblich für ihre „Abwesenheit von Orientierung“ nicht diskriminiert werden können. Aber damit kommen wir auch schon zu unserem nächsten Thema.

Diskriminierung von A_romantischen Menschen und Amatonormativität 
Wenn wir über die Diskriminierung von aromantischen Menschen sprechen, dann müssen wir vor allem über die Vorstellungen der Gesellschaft in Bezug auf Liebe und Beziehungen sprechen. Die Gesellschaft geht davon aus, dass jeder Mensch gerne in einer Beziehung wäre und dass alle Menschen sich verlieben, genauso wie sie davon ausgeht, dass alle Menschen gerne Sex haben.   Alle diese Annahmen schließen nicht nur aromantische beziehungsweise asexuelle Menschen aus, sie bewirken auch eine Menge an Vorurteilen gegenüber aromantischen Personen. Zum Beispiel werden aromantische Menschen oft mit Robotern verglichen, vor allem, wenn sie auch asexuell sind, und es wird ihnen abgesprochen, überhaupt Gefühle zu empfinden. Das ist sehr problematisch, weil damit aromantischen Menschen sogar ihr Status als Mensch abgesprochen wird: Wenn alle Menschen romantische Gefühle haben, dann sind in dieser Logik aromantische Personen keine Menschen. Aromantische Menschen, die allosexuell sind, das heißt, die gerne Sex haben und nicht asexuell sind, werden oft mit Schimpfwörtern wie ‚Schlampe‘ belegt, weil sie gegen die gesellschaftliche Norm verstoßen, dass Sex nur in einer romantischen Beziehung wertvoll ist – das gilt noch einmal mehr für aromantische bisexuelle Personen, denen aufgrund ihrer Bisexualität so oder so schon unterstellt wird, sich nicht festlegen zu können. Aromantische Personen werden aber auch diskriminiert, weil in unserer Gesellschaft eine Freund*innenschaft gegenüber romantischen Beziehungen immer abgewertet wird. Romantische Beziehungen, in denen zwei und nur zwei Menschen, nämlich ein Mann und eine Frau, sich emotional und sexuell treu sind und die für immer und ewig gelten sollen, sind das Idealbild unserer Gesellschaft. Der Fachbegriff dafür ist übrigens Amatonormativität. Aber dieses Bild macht eben nicht alle glücklich: Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen oder offenen Beziehungen sind davon ebenso ausgeschlossen wie aromantische Personen. Wenn du etwas gegen die Diskriminierung von aromantischen Menschen tun willst sind hier ein paar Tipps: Informiere dich weiter über das Thema und darüber, was aromantische Personen zu sagen haben. Ein paar wichtige Links dafür findest du in der Infobox. Du kannst auch darüber nachdenken, welche Vorstellungen du selbst über romantische Beziehungen hast, und ob diese Ideale für dich und die Menschen in deinem Umfeld so überhaupt gut sind. Du kannst auch mit deinen Freund*innen oder in deiner Jugendgruppe über das Thema sprechen und sie darüber informieren. Am wichtigsten ist aber, dass du alle Menschen in deinem Umfeld respektierst, und immer im Hinterkopf behältst, dass nicht automatisch alle Menschen sich nach einer romantischen Zweierbeziehung sehnen.