Kummerkasten – Antwort 19

Gibt es eigentlich einen relevanten Begriff der alsGegenstück zu queer fungiert? Also, außer \”Nicht-queer\”?

Hallo und Danke für deine spannende Frage!

Da kommt es stark darauf an, über welchen Kontext wir sprechen. In Bezug auf Strukturen, also z.B. die Gesellschaft, Medien, Gesetze und ähnliches würde ich sagen, ist der Gegenbegriff “heteronormativ”. In Bezug auf Menschen und Identitäten verwenden viele Menschen “dyacishetero” – das steht für dyadisch (=nicht intergeschlechtlich), cis (=nicht transgeschlechtlich) und hetero. Manchmal wird noch allo (=nicht a_romantisch und a_sexuell) dazu benutzt. Insgesamt gibt es aber keinen festgelegten Gegenbegriff.

Ich hoffe, das hilft!


Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten – Antwort 18

Hallo, ich weiß nicht, ob das schon gefragt wurde, aber:Gibt es irgendwelche Anzeichen dafür, bisexuell zu sein? Es ist so, ich bin mirziemlich sicher, das ich auf Mädchen stehe, aber was Jungs angeht bin ich mirnicht sicher. Und letztens habe ich was von Abrosexualität gelesen- das istecht interessant. Gibt es irgendwelche Anzeichen dafür, abrosexuell odergenderfluid zu sein?

Hallo liebe*r Unbekannte*r, 

In deiner Frage vermischen sich einige Themen, die ich kurz ansprechen will. Bisexuell zu sein heißt, dass eine Person sich sexuell und oft auch romantisch zu Menschen zweier, mehrerer oder vielleicht sogar aller Geschlechter hingezogen fühlt. Abrosexuell heißt, dass die sexuelle Orientierung einer Person fluide ist, sich also oft ändert. Und genderfluid ist ein selbstbestimmtes Geschlecht (also keine sexuelle Orientierung), bei der sich das Geschlecht häufig ändert, also auch fluide ist. 

Wenn du auf Mädchen und Jungs stehst kann es sein, dass du bisexuell oder abrosexuell bist – aber das kannst du nur selbst wissen, das können wir dir nicht sagen. Es gibt keine Kriterien oder Anzeichen dafür, die für alle (oder sogar viele) bisexuelle oder abrosexuelle Menschen dieselben wären. Die Coming Out-Geschichten sind sehr unterschiedlich. Oft hängt es aber damit zusammen, dass Menschen sich in Personen verliebt haben, die nicht alle das gleiche Geschlecht haben, also z.B. in Jungen und Mädchen. Oder Menschen vieler Geschlechter sexy fanden.

Genderfluidität ist nochmal ein ganz anderes Thema, weil es da um das eigene Geschlecht geht und nicht um die sexuelle Orientierung. Wenn du dich fragst, ob du vielleicht genderfluid bist, dann schau doch mal bei unserem Enby Q&A auf unserem Blog vorbei, vielleicht findest du da etwas, was sich für dich passend anfühlt.

Alles Gute für dich & Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten – Antwort 17

Hallo liebes Queer-Lexikon Team,
ich habe letztens die Antwort 16 vom Kummerkasten gelesen. Dabei ist mir aufgefallen, dass ihr den unbekannten Mensch mit \”Hallo liebe*r Unbekannte*r\” angesprochenen habt. Heißt das nicht, dass ihr diesen Mensch als männlich oder weiblich anseht? Es gibt also keine richtige Anrede für Menschen, die sich nicht diesen binären Geschlechtern zugeordnet fühlen.
Ich freue mich sehr auf eine Antwort, da es mich sehr beschäftigt.

Hallo!


Danke für deine Frage! Es geht nicht darum, dass wir die fragende Person nicht als Mann oder Frau sehen, sondern, dass wir das Geschlecht der fragenden Person nicht wissen. Die fragende Person kann männlich sein, oder weiblich, oder nicht-binär. Das lässt sich aus der Frage nicht ableiten. Und solange wir dies über eine Person nicht wissen, versuchen wir immer, diese Person geschlechtsneutral anzusprechen.

Z.B. wenn ich Mails schreibe an Menschen, deren Geschlecht ich nicht kenne, fange ich an mit “Hallo Theodor” oder “Lieb* Amélie” oder “Sehr geehrt* Prof. Dr. Sontowksy”. Wenn ich das Geschlecht der Person weiß, und weiß, wie die Person gerne angesprochen werden möchte, dann schreibe ich z.B. “Liebe Maike” oder “Sehr geehrtx Barbara Müller”.

Die richtige Ansprache für Menschen, die nicht-binär ist, gibt es in dem Sinne nicht, da sie keine homogene Masse bilden, das bedeutet: nicht alle wollen gleich angesprochen werden. Nachfragen ist also immer eine gute Idee 🙂

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten – Antwort 16

Hallo liebes Queer Lexikon – Team,
Ich habe eine Frage bezüglich Sexueller Orientierungen.
Wie nennt man es, wenn Menschen sich zwar sexuell, also erotisch ausschliesslich dem anderen Geschlecht zugezogen fühlen (was man als Heterosexuell bestimmen würde), romantisch jedoch, sich sowohl männliche als auch weibliche Partner vorstellen können?
Nach längerem Suchen habe ich nirgendwo eine passende Antwort erhalten also würde ich mich um eine Antwort freuen.

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

Wir können dir natürlich nicht sagen, welche Begriffe für dich die richtigen sind – das musst du selbst für dich entscheiden. Das sogenannte Split Attraction Modell gibt auf deine Frage aber Antworten. Das SAM geht davon aus, dass es a) mehr Anziehungen zwischen Menschen gibt als nur sexuelle, zum Beispiel also auch romantische Anziehung, also die Frage danach, in wen eine Person sich verliebt und/oder mit wem eine Person eine romantische Beziehung eingehen möchte. Das wird dann romantische Orientierung genannt, also z.B. heteroromantisch oder biromantsch. B) sagt das Modell, dass für manche Menschen die sexuelle und romantische Orientierung nicht zusammenpassen. Also: eine Person kann sich sexuell zu Menschen eines anderen Geschlechts hingezogen fühlen (heterosexuell) und sich in Menschen aller oder mehrerer Geschlechter verlieben können (biromantisch, panromantisch etc.).

Ich hoffe, das hilft dir. Mehr Informationen findest du auch in unserem Video über sexuelle und romantische Orientierungen: https://queer-lexikon.net/wp/2017/02/11/folge-5-orientierungen/

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten – Antwort 15

“Hi
Ich war mir lange Zeit sicher das ich lesbisch bin aber mittlerweile bin ich mir da einfach überhaupt nicht mehr sicher.Ich hatte mich nie richtig für Jungs interessiert.Ich fand Mädchen immer anziehender.
Ich könnte mich zwar in ein Jungen verlieben und auch eine Beziehung mit ihm führen,nur halt nicht sexuell.
Bei einem Mädchen wiederum könnte ich mir eine sexuelle Beziehung sehr gut vorstellen.
Ich wusste schon immer das ich nicht hetero bin,war mir mit 14 dann sicher das ich lesbisch bin und jetzt fast 5 Jahre später frag ich mich selber ob ich wirklich lesbisch bin,wenn ich mir eine Beziehung mit einem Jungen vorstellen kann.”

Hallo!

Erst einmal: Ob du lesbisch bist oder nicht, können wir dir nicht sagen. Das kann dir niemand sagen – ob du diesen Begriff für dich verwendest, ist alleine deine Entscheidung. Und es darf dir niemand absprechen, diesen Begriff zu verwenden.

Das, was du beschreibst, klingt, als wäre deine romantische und deine sexuelle Orientierung nicht dieselbe. Um das am besten zu verstehen, gibt es das sogenannte Split-Attraction-Model. Das bedeutet: Für manche Menschen ist wen sie sexuell anziehend finden (also die sexuelle Orientierung, wie z.B. lesbisch) und in wen sie sich verlieben können bzw. mit wem sie gerne in einer romantischen Beziehung wären (also die romantische Orientierung, wie z.B. biromantisch) nicht dasselbe. Was du beschreibst, klingt danach.

Über dieses Modell und die ganzen Begriffe kannst du in unserem Video über sexuelle und romantische Orientierungen mehr erfahren. Du findest es hier: https://queer-lexikon.net/wp/2017/02/11/folge-5-orientierungen/

Liebe Grüße und alles Gute!

Annika

Kummerkasten – Antwort 14

Hallo erstmal,
Ich war verliebt. Wir hatten Kontakt haben geschrieben telefoniert und uns dann irgendwann auch mal getroffen. Aber nach einer gewissen Zeit war die Anziehung weg. Das ist halt immer passiert wenn solche Sachen kamen die auch nur Ansatzweise auf eine Erwiderung meiner Gefühle hingedeutet haben. Naja und dann kam halt irgendwann die frage ob wir nicht zusammensein wollten, Daten, etc. nennt es wie ihr wollt. Ich muss gestehen ich binein Mensch der bei solchen Situationen erst einmal ausflippt und nicht mehr weiter weiß. Also gut kommen wir zum Punkt ich war verliebt und hab meine Schwärmereien auch zum Ausdruck gebracht aber sobald er das erwidert hat hab ich mich unwohl gefühlt. Und als ich dann halt gefragt wurde ob nicht zusammen sein wollten ob wir nicht zusammensein wollten, hab ich bemerkt das ich nichts mehr empfunden habe. Obwohl ich eine Woche zuvor noch extrem starke Gefühle hatte.

Hab ich mich einfach entliebt oder hab ich mir meine Verliebtheit einfach nur eingebildet. Ich weiß noch nicht mal ob ich denn auf das männliche Geschlecht stehe. Ich finde sie schon attraktiv.
Ach ich weiß auch nicht.
Normalerweise würde ich mit sowas zu meiner Familie gehen oder zu Freunden aber ich hab angst. Angst vor Ablehnung, gerade in meinem Umfeld wird mir im Moment klar wie sehr Anderssein verachtet wird. Im meinem Schulgebäude läuft gerade so ne Ausstellung zu dem generellen Anderssein wo halt auch so dinge wie andere sexualitäten behandelt werden. Und ich merke schon wie das in meinen Umfeld agenommen wird, oder halt eher nicht angenommen wird.

Deswegen bin ich jetzt hier und frage um rat.

Hallo!

Erstmal vorneweg: Natürlich können wir dir nicht sagen, welche Identität denn nun “deine” ist, alles was wir machen können, ist die Begriffe zu nennen, die vielleicht für dich passen. Ob du sie für dich verwenden willst oder nicht ist deine Entscheidung!

Zweitens: Egal, was passiert. Du bist okay, so wie du bist. Und selbst wenn jetzt alles verwirrend ist, es werden Zeiten kommen, in denen das nicht mehr so verwirrend ist.


Drittens: Es gibt einen Begriff auf dem a_romantischen Spektrum, der vielleichz zu dem passen könnte, was du beschreibst. “Lithromantic” bezeichnet Menschen, die zwar romantische Gefühle gegenüber anderen Menschen haben, aber nicht wollen bzw. nicht brauchen, dass diese Gefühle erwidert werden. Bei manchen lithromantischen Menschen verschwinden die romantischen Gefühle, wenn sie erwidert werden.

Über A_romantik und das a_romantische Spektrum kannst du hier mehr herausfinden.

Ich hoffe, das hilft dir.

Alles Liebe,

Annika

Kummerkasten – Antwort 13

Hallo allerseits, ich beschäftige mich noch nicht lange mit diesem \”Gebiet\” und hoffe dass mir einer von euch helfen kann.  Ich habe vor einiger Zeit angefangen mich mit meiner \”Identität\” auseinander zu setzen, und bin dabei zu dem Entschluss gekommen das ich mich weder Männlich noch Weiblich fühle (bzw das es mir egal ist welches dieser beiden Geschlechter ich habe). Mein bester Freund meinte ich sei ein \”Tomboy\”, aber die Aussage gibt mir leider keine richtige Lösung da mir Geschlechterrollen sowieso schon immer so ziemlich egal waren und ich im Bezug auf mich auch schon immer das getan habe was ich wollte. Ich hoffe ihr könnt mir helfen! Liebe Grüße, Emi

Hallo Emi!

Danke für deine Frage. Was du beschreibst, klingt so, als könntest du nicht-binär sein. Nicht-binär (oder auch non-binär) sein bedeutet erstmal, dass eine Person weder männlich oder weiblich ist. Das kann eine eigene Geschlechtsidentität sein (wie zum Beispiel ‘männlich’ oder ‘weiblich’ auch Geschlechtsidentitäten sind), es kann aber auch als Schirmbegriff für ganz viele verschiedene Identitäten dienen. In unserem Glossar findest du ganz viele dieser Identitäten erklärt, hier sind aber schon mal ein paar, die vielleicht für dich passen könnten:

agender – Wenn du sagst, du kannst mit Geschlechterrollen nicht viel anfangen und empfindest keine wirkliche Verbindung zu den Kategorien ‘männlich’ und ‘weiblich’, dann könnte es sein, dass ‘agender’ ein gutes Wort für dich ist. Agender sind Leute, die sich mit keinem Geschlecht identifizieren können oder die insgesamt mit dem Konzept von Geschlecht nichts anfangen können.

bigender – du schreibst, es ist dir egal, ob du männlich oder weiblich bist. Vielleicht passt dann auch das Wort ‘bigender’ für dich? Bigender sind Leute, die sich zu zwei Geschlechtern zugehörig fühlen, zum Beispiel männlich und weiblich. Das kann gleichzeitig sein, oder immer mal wieder abwechseln, sodass sich eine bigender Person manchmal mehr weiblich, manchmal mehr männlich fühlen kann, und manchmal auch mittendrin.

androgyn – das Wort wird zwar meistens für Leute gebraucht, die eine gemischt männliche und weibliche Geschlechtspräsentation haben, sich also z.B. männlich kleiden, aber Makeup tragen, oder ein Kleid und einen Bart tragen. Es kann aber auch Leute beschreiben, die sich irgendwo in der Mitte vom Spektrum zwischen männlich und weiblich identifizieren.

Das sind nur drei mögliche Geschlechtsidentitäten, die vielleicht zu dem passen, was du hier beschreibst. Ganz wichtig ist aber, dass du dir keinen Begriff aufdrängen lassen musst, mit dem du dich nicht wohlfühlst. Du bestimmst allein, was für dich passt und sich gut anfühlt. Wenn diese Begriffe hier nicht für dich passen, dann musst du sie nicht benutzen, und genauso musst du dich nicht als “Tomboy” bezeichnen lassen, wenn du dich damit nicht wohl fühlst. Du kannst bestimmt mal mit deinem besten Freund darüber reden.

Was ich persönlich immer sehr hilfreich fand, war, mit anderen Leuten über solche Dinge zu reden, und nach anderen zu suchen, denen es ähnlich geht. Das Internet ist ein guter Ort, um Informationen zu finden und Leute kennenzulernen, die vielleicht ähnliche Erfahrungen machen. Unten auf unserer trans*-Übersichtsseite findest du einige Links, wo du noch mehr über Nicht-binarität erfahren kannst und andere nicht-binäre Leute kennenlernen kannst, wenn du das möchtest.

Wenn du noch mehr Fragen hast, dann schreib uns gerne wieder!

Alles Gute und viel Glück bei deiner Suche,

Balthazar

Kummerkasten Antwort 12

hallo ihr lieben, ich habe eine frage. warum sagt man \”(name), pronomen: er, transmann\”, wenn jemand, der mal biologisch weiblich war, nun ein mann ist? warum sagt man nicht \”(name), pronomen. er, mann\”? ist das vielleicht so, weil der biologische staus (ich habe leider gerade kein besseres wort, auch wenn sich \”status\” nicht richtig anfühlt), \”mann\” sich nicht von allein aufrecht hält (zum beispiel ohne die gabe von hormonen)?
[ich bin ganz neu in diesem thema und versuche gerade, gender pronomen zu verstehen. ich hoffe, meine frage ist nicht aus unwissenheit verletzend.]

Hallo und danke für deine Frage!

Deine Frage ist nicht leicht zu beantworten, und es gibt nicht nur eine einzige Antwort darauf. Nicht alle Menschen, die trans sind, haben dazu die gleiche Meinung, und nicht alle benutzen die gleichen Worte für sich selbst. Manche Männer, die bei der Geburt weiblich zugewiesen wurden (diese Formulierung finden wir besser als die mit dem “biologischen Geschlecht”, weil auch biologische Merkmale gesellschaftliche Zuschreibungen sind), finden es wichtig, deutlich zu machen, dass sie trans sind. Das kann viele Gründe haben: Vielleicht möchten sie dafür sorgen, dass trans sein mehr Sichtbarkeit bekommt und in der Gesellschaft anerkannter wird. Vielleicht möchten sie damit darauf hinweisen, dass sie eine andere Lebensgeschichte haben als z.B. ein cis Mann (“cis” sein bedeutet, dass eine Person sich mit dem Geschlecht identifiziert, dem sie bei der Geburt zugewiesen wurden). Vielleicht sind sie stolz auf ihr Transsein, möchten diesen Teil ihrer Identität feiern und das auch mit der Welt teilen. Verschiedene trans Menschen können verschiedene Gründe dafür haben, ihr Transsein nach außen sichtbar zu machen.

 

Es kann auch vorkommen, dass eine Person sich in unterschiedlichen Kontexten unterschiedlich vorstellt. So kann es zum Beispiel für eine Person sinnvoll sein, sich am Arbeitsplatz, im Alltag, im öffentlichen Raum usw. als Mann zu präsentieren und vorzustellen, um z.B. Diskriminierungen zu vermeiden, aber im Freundeskreis, in queeren Gruppen und im Aktivismus den trans-Teil der eigenen Identität sichtbar zu machen. Es bleibt jedenfalls immer den Personen selbst überlassen, mit welchen Begriffen sie sich wann beschreiben, und diese Selbstbezeichnung steht immer an erster Stelle – die Person weiß immer am Besten, welche Bezeichnung die richtige ist. Wenn du also einer Person begegnest und dir unsicher bist, wie x sich selbst bezeichnet, dann achte am besten darauf, wie die Person über sich selbst spricht und frage im Zweifelsfall nach, wie du über die Person sprechen sollst.

 

Es ist wichtig zu wissen, dass ein Mann nicht weniger ein “echter Mann” ist, wenn er sich als trans Mann (oder Transmann) bezeichnet. Auch Hormone, OPs oder körperliche Merkmale haben nichts damit zu tun, wie männlich eine Person ist. Wenn ein Mensch ein trans Mann ist, dann ist er ein Mann, egal, wie sein Körper oder Hormonhaushalt aussieht. Wie dann diese Leute über sich selbst sprechen und wie wir über sie sprechen sollten, bleibt allen trans Menschen selbst überlassen.

 

Viele Grüße,

Balth

Kummerkasten Antwort 11

Hallo an euch alle,

Bin ich froh, dass mein bester Freund mir gestanden hat, in mich verliebt zu sein, ansonsten wäre ich nicht in dieser bewussten emotional-verwirrenden performativen Konfrontation damit, dass ich mich blindlings immer als monogam verstanden habe, jetzt aber durch verliebte Gefühle in mir, zu besagtem Freund, das ganze in Frage zu stellen beginne.

Ich lerne in den letzen Monaten mehr über das Lieben, Begehren, Gender, sexuelle und amouröse Lebensformen, als das bis hierhin der Fall war (peinlich, peinlich) und dafür bin ich sehr dankbar.

Auch zu merken, wie engagiert Menschen darüber sprechen, welche Plattformen sie dafür bereitstellen, wie viel Hilfe angeboten wird in solchen Fragen, das macht Hoffnung! In diesem Sinne auch danke euch für diese Seite!!!

Nun nochmal zu meiner Lage: Ich bin \”glücklich vergeben\”, wie man das nennt, und mein \”bester\” Freund, wie man das nennt, sagt mir, dass er romantische Gefühle für mich hat.

Ich habe meinem Partner, mit dem ich eine ganz wunderbare Beziehung lebe, als ich mein Verliebtsein in meinen Freund gespürt habe, davon erzählt, was in mir vor sich geht und was ich an mir bemerke. Er war zuerst irritiert und gekränkt. Und er hatte große Angst, mich zu verlieren, bzw. dass unsere Beziehung bald beendet würde. In einem einfühlsamen Gespräch haben wir miteinander klären können, dass unsere Beziehung dadurch keine Abwertung erfahren soll, dass meine Gefühle für meinen Freund nichts an meinen Gefühlen für ihn ändern, oder daran, dass ich mit ihm gerne mein Leben verbringen möchte.

Meinem Freund habe ich auch gesagt, dass ich \”mehr für ihn empfinde\” als Freundschaft. Der Freund verbucht das alles unter \”unglückliche Liebe\” zwischen zwei vom Schicksal uncool erwischten Idioten, glaube ich. Vielleicht hofft er auch, dass wir eines Tages, sollten mein Partner und ich uns trennen, zusammenkommen. Weiter als bis zu diesem \”Mehr als Freundschaft\” bin ich (noch) nicht gekommen.  Ich bemerke da eine große Hemmung bei mir. Ich weiß, um die Empathie meines Partners und auch um seinen Wunsch mich mit meinen Bedürfnissen anzunehmen und mir zu ermöglichen nach ihnen zu leben. (Ich habe sowohl das Bedürfnis unsere Beziehung zu respektieren als auch das Bedürfnis meinem Freund näher zu kommen) Ich möchte meinen Partner aber auf keinen Fall damit unter Druck setzen, oder drängen. Ich möchte gerne transparent dabei bleiben, wie es in mir aussieht, aber ihn damit nicht verstören; denn ich kann mir (und das tue ich wirklich) vorstellen, dass da ziemlich viele unangenehme Gefühle und Gedanken getriggert werden, in dieser Situation…einfach schon wegen der mononormativen Gesellschaftsstruktur, die uns umgibt und die wir so verinnerlicht haben.

Meinem Freund gegenüber habe ich mich, bis auf das besagte schüchterne Geständnis, noch nicht so weit offenbart wie meinem Partner. Glaube ehrlich gesagt auch nicht, dass er sich vorstellen könnte in einer polyamoren Beziehung zu leben. Viel Stress also um nichts?! Nein, irgendwie ist es nicht so leicht…

Ich will beiden gegenüber ehrlich sein und mir selbst gegenüber ehrlich sein.

Wo das hinführt weiß ich nicht genau und das besorgt mich…auch  deshalb, weil da nunmal nicht nur ich alleine drin hänge…Das klingt jetzt vielleicht seltsam, aber ich ahne, dass es darauf hinauslaufen könnte, dass alles versandet und ich nicht die Kraft habe weiter zu meinen Gefühlen, meinem Begehren und meiner Fantasie zu stehen und mich in die mononormative Struktur zurückziehe, weil es strukturell das Leichteste wäre…weil es \”keine Probleme\” machte,…weil ich dann nicht riskiere Ablehnung zu erfahren.

Und damit habe ich vor allem erst mal mit mir selbst zu tun. Das will ich teilen, weil ich mich frage, wie eure Erfahrungen damit sind…?

Ich will hier was zu meinen inneren Urteilen aufschreiben, oder zu dem Film, den ich schiebe.

Zum Beispiel:

-Du bist total egoistisch. Es ist selbstsüchtig zwei Menschen in deine=
plötzliche Polyamorie-Idee einzuweihen/ zu verwickeln. Ob du willst oder nicht, das tut jetzt schon allen Beteiligten weh. Und es ist auch klar, dass du bei aller transparenten Kommunikation Druck ausübst, ob du willst oder nicht. Das Vertrauen ist gestört, ob du willst oder nicht. Dem einen machst du Druck, dem anderen Hoffnungen, dir selber was vor.

-Wahre Liebe sollte ausschließlich einer Person gegenüber gelebt werden, also liebst du wohl nicht richtig.

Hast du je richtig geliebt?

-Du musst sicher unglücklich in deiner Beziehung sein, sonst käme es dazu nicht.

Ist das nur der Versuch Problemen in deiner Partnerschaft aus dem Weg zu gehen?!

-Bist du denn wirklich, wirklich verliebt in deinen Freund?? Und willst du wirklich wirklich für so ein wenig verliebte Gefühle eine langjährige, großartige Beziehung aufs Spiel setzen? (Gefahr durch die gängige Struktur etwas abzuwerten, herunterzuspielen, das ich fühle: sozusagen es im Keim zu ersticken…dabei war ich glaube ich schon vorher verknallt in den Freund, hätte es nur nie so genannt…und jetzt kommen eben sexuelle Fantasien dazu)

-Du bist größenwahnsinnig; eine Person reicht dir wohl nicht: geht es bei wahrer Liebe aber nicht eigentlich darum, dass man durch das Versprechen für die eine Person die größte Intimität erfährt?  Und durch den Verzicht, die größte Intensität erfährt? Dass man dabei am meisten über sich selbst lernt, auch im Bezug auf Bedingungslosigkeit? (Du bewegst dich doch nur weiter auf den narzisstischen Individualismushype zu)

-Da zeigt sich einfach mal wieder dein Hang zu nichts \”Nein\” sagen zu können…wie kann es denn sein, dass du erst merkst, dass du verliebt bist, wenn dir der Freund sagt, dass er für dich so empfindet?

-Sagst du jetzt zu allen \”Ja\”, die dich begehren?!? (Slut-shaming)

Ich habe mich in den letzten Monaten dazu entschieden mich polyamourös zu verstehen, weil ich ja gemerkt habe, dass es möglich ist, dass ich tiefere Gefühle für mehr als eine Person haben kann und diese Freiheit möchte ich auch den Personen zugestehen,  die mit mir in einer Beziehung sind/ wären..

Jetzt habe ich das Chaos kennengelernt, das entsteht zwischen Norm und Lebensrealitäten, die dem nicht entsprechen. Egal wie es weitergeht, ich bin davon getroffen und will mehr darüber wissen.

Kann aus einer monogamen Beziehung wirklich eine polyamouröse Beziehung werden? Was braucht es dafür?

Wie sind eure Erfahrungen mit dem Versuch emanzipatorischer Performanz in mononormativen Strukturen?

Wie werde ich die mononormativen Stimmen in meinem Kopf los, die mich \”natürlich\” hindern, zu fühlen, was ich fühle, oder zu leben, was ich mir tendenziell verbiete??

Würde mich über Erfahrungsberichte freuen, bzw. kennt ihr gute Bücher, die vielleicht für mich interessant sein könnten?

Viele liebe Grüße,

Reza

Hallo Reza,

Erstmal: Vielen Dank für das Lob für unsere Seite!

Deine Situation klingt ziemlich verzwickt und ich kann die Gefühle, die du deswegen hast (Stimmt etwas mit mir nicht? Bin ich zu egoistisch?) gut nachvollziehen. Für deine konkrete Situation habe ich leider keine Tipps auf Lager, außer, dass es wichtig ist, mit dem Menschen, mit dem du bereits in einer Beziehung bist, offen und ehrlich umzugehen und ihm Zeit zu geben, sich an den Gedanken zu gewöhnen.

Empfehlen kann ich dir, dir eine Poly-Gruppe zu suchen. Unter https://polyamory.de/ findest du eine lange Liste mit Stammtischen und Gruppen. Dort kannst du sicher Menschen finden, mit denen du dich regelmäßig austauschen kannst.

Als Buch zum Thema empfehle ich gerne “Schlampen mit Moral” von Dossie Easton und Janet Hardy. Dort findest du viele Tipps zum Umgang mit Eifersucht und schwierigen Beziehungssituationen in Bezug auf Polyamoury.

Ich wünsche dir alles Gute!

Annika

Kummerkasten Antwort 10

15-Ich habe mich eigentlich nicht immer zu  Mädchen hingezogen gefühlt. Ich war auch schon öfter mal in einen Jungen “verliebt” oder habe zu mindestens für ihn geschwärmt. Doch in letzter Zeit wird
mir immer mehr bewusst das ich mich auch zu Mädchen hingezogen fühle. Ich laufe auch manchmal mit einer Freundin (die nicht von meiner Schule ist) durch die Stadt (wo uns keiner kennt) und tuen auf lesbisches Ehepaar/Pärchen.  Für sie ist das ganze ja nur Spaß und mir macht das ja auch Spaß aber ich finde es einfach so schön mit ihr, mit anderen aus meinem Freundeskreis in der Schule oder überhaupt mit Mädchen Händchen zuhalten und verliebten körperkontakt zu haben. Ich fühle mich aber trotzdem auch hingezogen zu Jungs und wünsche mir einen Freund da alle meine Freunde um mich herum schon einen Freund haben. Und ich mir auch schon mal was mit einem aus meiner Klasse sowohl emotional als auch sexuell vorgestellt habe. Ich weiß ja das es Bisexuell gibt bin mir aber nicht sicher ob das auf mich zutrifft und wenn es das tut dann habe ich Angst da meine Eltern streng Christlich sind und so was nicht verkraften würden das ich nicht “normal” bin.

Hallo!

Es kann sehr gut sein, dass du bisexuell bist – letztendlich kannst das aber nur du wissen. Bisexualität bedeutet auch nicht, dass du dich genau gleich und genau gleich viel in Menschen mehrerer Geschlechter verliebst und diese sexuell anziehend findest – das kann auch voneinander abweichen. Es kann auch sein, dass du biromantisch bist, d.h. dich in Menschen mehrerer Geschlechter verlieben kannst  – ob du auch Sex mit ihnen haben möchtest ist nochmal eine andere Sache. Es gibt auch noch viele weitere Begriffe, die vielleicht auch zu dir passen können – schau einfach mal in unser Glossar, vielleicht wirst du da fündig.

In einer queeren Jugendgruppe kannst du dich auch mit anderen Jugendlichen austauschen  – vielleicht hilft dir das weiter. Leider gibt es da noch keine Liste aller Jugendgruppen Deutschlands – wir arbeiten aber daran. Google ansonsten einfach deine Stadt (oder eine größere Stadt in deiner Nähe) und “Jugendgruppe” und “schwul” (leider finden sich unter “schwul” immer die besten Ergebnisse)…

Was deine Eltern angeht: Die Aktion Homosexualität und Kirche kann dich vielleicht bei einem Coming Out vor deinen Eltern unterstützen. https://www.huk.org/beratung

Allerdings: Niemand kann dich dazu zwingen, dich zu outen. Wenn du es deinen Eltern nicht erzählen möchtest (oder damit warten möchtest, bis du zu Hause ausgezogen oder volljähig bist) dann ist das vollkommen in Ordnung.

Liebe Grüße und alles Gute,

Annika