Kummerkasten Antwort 218 – Meine Haare lösen Dysphorie aus

Hallo.

Und zwar gibt es etwas was mich ein wenig stutzig macht.
Ich bin trans und nicht geoutet.
Meine Haare bringen mir gelegentlich Dysphorie und ich bin mir unschlüssig, was ich jetzt machen soll.
Meine Haare sind bis zur Schulter lang und ich frage mich wie ich sie männlicher wirken lassen kann da ich denke dass kurze Haare mir mit meinem runden Gesicht nicht stehen werden.
Gibt es da Tricks die ich anwenden könnte?
Besten Dank!
Zedrik

Hallo Zedrik!

Ich persönlich finde nicht, dass es irgendwelche Gesichtsformen gibt, zu denen kurze oder lange Haare passen oder nicht passen – das ist ja alles nur irgendwelche Mode, wo mal irgendwer beschlossen hat, was gerade “in” ist und was nicht. Ich kann aber auch verstehen, wenn du deine Haare nicht abschneiden willst – das ist schließlich ein großer Schritt. Es ist vollkommen okay, deine Haare so zu tragen, wie du dich am wohlsten fühlst.

Lange Haare sind ja nicht an sich unmännlich, und es gibt viele Männer, trans und cis, die ihre langen Haare mit Stolz tragen. Wie genau lange Haare “männlicher” wirken ist schwierig zu sagen, weil der gleiche Haarstil bei unterschiedlichen Menschen ganz anders aussehen kann. Du kannst ja einfach mal die Augen offen halten, ob du – in der Öffentlichkeit oder auf Fotos – ein paar Männer mit langen Haaren findest, deren Looks dir gefallen. Ich persönlich folge gerne Leuten auf Instagram, deren Looks ich inspirierend finde. Allgemein kann ich nur sagen: Männer tragen ihre langen Haare oft “unordentlicher” als Frauen, also mit weniger definiertem Scheitel oder ganz ohne Scheitel, und wenn sie ihre Haare zusammenbinden, dann meistens in einem eher unordentlichen “Knoten” statt in einem ordentlichen Dutt oder Zopf. Außerdem sieht eine große Stirn oft “männlicher” aus, also hilft es auch, die Haare aus dem Gesicht zu halten und z.B. hinter die Ohren zu schieben.

Das alles sind eben normative Vorstellungen von Männlichkeit, und es bleibt vollkommen dir überlassen, was du daraus machst. Tu einfach, womit du dich wohl fühlst, das ist genau richtig so.

Alles Gute für dich!
Balthazar

Kummerkasten Antwort 195 – Darf ich mich trans nennen?

Hallo wertes Team,
Ich bin sehr verwirrt und brauche eure Hilfe.
Ich habe Dysphorie und versuche es auch zu unterbinden.
Aber mein Wunsch, ein Junge zu sein, ist nicht permanent.
Ich kann mich zum Teil als Mädchen verstehen und bin auch völlig okay damit aber dann stehe ich von Zeit zur Zeit vor dem Spiegel und habe das Gefühl nicht ich zu sein. Pronomen und Namen habe ich zwar im Internet geändert und ich freue mich auch wenn Menschen mich als “er” ansprechen aber das nunmal nicht immer.
Ich hab das Gefühl ich habe zwei Personen in mir.
Ich habe keine Ahnung ob ich mich als trans identifizieren kann und darf.
Es verzweifelt mich sehr.
Ich habe keine Ahnung wo ich stehe oder was ich jetzt machen soll.
Ein guter Rat wäre sehr hilfreich.
Danke!
Viele Grüße,
Basti

Hallo Basti,

nach unserem  Verständnis sind trans alle Leute, die nicht, nicht vollkommen oder nicht immer das Geschlecht haben, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Danach bist du auf jeden Fall trans! Sowieso finden wir es nicht richtig, irgendwelchen Leuten zu verbieten, irgendwelche Labels oder Begriffe für sich zu verwenden – alle Menschen wissen selbst am besten, welche Begriffe am besten zu ihnen passen und niemand hat das Recht, anderen vorzuschreiben, welche Labels sie benutzen sollen.

Ansonsten klingt das, was du beschreibst, für mich ein wenig so, als könntest du genderfluid sein. Genderfluid sind Menschen, deren Geschlecht sich ändern kann: bei manchen nur gelegentlich, bei anderen häufiger, bei manchen zwischen vielen verschiedenen Geschlechtern, bei anderen nur zwischen zwei. Du beschreibst, dass du dich nur manchmal, nur zum Teil, wohl damit fühlst, als Mädchen gesehen zu werden – dich aber eigentlich selbst meist als Junge verstehst. Eine sich (oft) ändernde Geschlechtsidentität ist nicht nur möglich, sondern auch vollkommen in Ordnung, es ist nichts falsch mit dir. <3

Ich finde, es ist ganz großartig, wie du auf dich und deine Gefühle achtest. Zu deiner Frage, was du jetzt machen sollst: Ich würde sagen, du bist auf einem guten Weg. Du kannst weiter beobachten, was dir gut tut und was dich dysphorisch macht, weiter mit Menschen (ganz egal ob off- oder online) darüber reden, wie du wann angesprochen werden willst und einfach ausprobieren, was sich richtig anfühlt. Manche Leute, die genderfluid sind, ändern ab und zu ihre Pronomen, damit sie zu ihrem aktuellen Geschlecht und Ausdruck passen – online geht das ganz einfach, z.B. mit einem Hinweis im Profil, einer Signatur, einem Statusupdate o.ä. Auch offline ist das möglich, z.B. durch Pronomenbuttons oder eine Tafel/ein Whiteboard/ähnliches an deiner Zimmertür (wenn du zu Hause geoutet bist oder es sein möchtest). Ob du deine Pronomen ab und zu ändern möchtest, bleibt aber vollkommen dir überlassen – wenn du dich einfach grundsätzlich mit “er” am wohlsten fühlst, dann kannst du natürlich auch immer so ansprechen lassen, egal, wie du dich kleidest, verhältst, etc. Und egal, welche Gedanken und Gefühle du grade zu deinem Geschlecht hast, du darfst dich jederzeit und immer so kleiden und verhalten wie du möchtest, und musst dich nicht irgendwelchen Regeln anpassen. Und noch ein kurzer Hinweis: Dysphorie ist keine Pflicht, um trans zu sein. Es gibt viele trans Menschen, die nicht, nicht immer oder nur wenig Dysphorie empfinden. Dein Geschlecht ist deins und dein Körper ist deiner, und nur du weißt, was richtig ist, sich gut anfühlt und für dich passt.

Ich wünsch dir alles Gute!
Balthazar

Kummerkasten Antwort 173 – Binder tragen mit Hohlkreuz?

Moin liebes Team,
eine kleine Frage an euch 🙂
Und zwar ist mein Binder (natürlich von GC2B) auf dem Weg zu mir, dennoch ist mir erst jetzt etwas eingefallen was mir Sorgen bereitet.
Und zwar leide ich seit meiner Geburt an schwerer Hyperlordose oder einfacher ausgedrückt: Ich hab ein Hohlkreuz.
Kann man auch mit einem verbogenen Rücken einen Binder tragen?
Oder kann ich den unter anderen Umständen verwenden?
Oder wäre das eine schlechte Idee?
Beste Grüße!
B.

Hallo B!

Ob das eine schlechte Idee ist oder nicht, können wir dir leider nicht sagen – wir sind keine professionellen Mediziner*innen und kennen uns mit Hyperlordose nicht aus. Meiner Ansicht nach hast du allerdings zwei Möglichkeiten:

  1. Du sprichst dich mit deinen behandelnden Ärzt*innen ab, bringst ihnen den Binder mit und bittest sie ggf., sich zu informieren. Das ist auf jeden Fall die allersicherste Variante, allerdings erfordert es auch, dass du dich in der Praxis outest (falls du noch nicht geoutet bist), und das ist nicht immer eine Option. Zudem kann es auch passieren, dass deine Ärzt*innen keine Ahnung haben und deshalb skeptisch sind und dir deshalb kategorisch davon abraten.
  2. Du kannst es einfach versuchen. Ich persönlich habe Skoliose (also eine seitliche Verdrehung der Wirbelsäule) und chronische Rückenschmerzen und auch vorher mal wo gelesen, dass das gegen einen Binder sprechen könnte – ich bin aber sehr froh, dass ich es getestet habe, denn manchmal hilft der Binder sogar gegen meine Schmerzen. Wichtig ist dabei vor allem, dass du dich selbst genau beobachtest und wenn möglich den Binder erst über kürzere Zeiträume testest – wenn du da schon bemerkst, dass es deinem Rücken schadet, dann solltest du auf deinen Körper hören und lieber keinen Binder mehr tragen. Pass einfach gut auf dich auf und lerne deine Grenzen und Möglichkeiten kennen.

Für viele Menschen ist Binder tragen ein Abwiegen zwischen der körperlichen Belastung und der Dysphorie. Und selbstverständlich will ich Dysphorie nicht herunterspielen, weil ich selbst weiß, was für ein ernsthaftes Problem das sein kann – aber falls sich zeigen sollte, dass Binder tragen keine Option für dich ist, dann möchte ich dir nur sagen, dass du auch ohne Binder vollkommen valide in deinem Geschlecht bist und in jedem Fall Akzeptanz und Respekt verdienst.

Ich wünsche dir alles Gute und drücke die Daumen für den Binder!
Liebe Grüße,

Balth

Kummerkasten Antwort 172 – Ist Binden gefährlich?

Hallo an das gesamte Team!
Ich hab eine Frage zu Bindern, die sich letztens durch eine Konversation ergab.
Und zwar meinte ein Bekannter zu mir, dass das Binden gefährlich sei; nannte mir aber keine Gründe warum.
Ich war gerade dabei mir einen Binder von GC2B zu kaufen, da alle meinten dass diese Firma mitunter am besten wäre.
Das verunsichert mich halt stark, denn auch wenn ich dysphorisch bin, bin ich das nicht immer und möchte dementsprechend keine Schäden an der Brust oder den Rippen erleiden.
Liebe Grüße,
J

CN: Beschreibungen von möglichen Verletzungen beim Binden

Hallo J,

Es gibt keine einfache Ja-oder-Nein-Antwort auf diese Frage – an sich hat dein Bekannter nicht unrecht, Binden kann gefährlich sein. Die Betonung liegt aber auf “kann”, und es gibt sehr viele Möglichkeiten, für deine Sicherheit zu sorgen.

Was auf jeden Fall gefährlich werden kann, ist mit nicht elastischen Mullbinden oder anderem nicht elastischem Material deine Brust abzubinden – vor allem, wenn zu hoher Druck aufgebaut wird, kann das die Rippen beschädigen und das ist echt riskant.

Mit einem richtigen Binder (z.B. von gc2b) bist du aber auf jeden Fall auf der sicheren Seite: Diese Binder sind aus elastischem Material gemacht und in der richtigen Größe bauen sie nicht zu viel Druck auf, lassen dich gut atmen und können bei gutem Sitz sogar bequem sein. Auch wenn du einen Binder trägst, kannst du weiter für deine Sicherheit sorgen, z.B. indem du auf deinen Körper achtest, den Binder nicht zu lange am Stück trägst, genug trinkst und bei jedem Anzeichen von Atemnot oder Schmerzen den Binder sofort ausziehst. Wenn es eine*n Ärzt*in gibt, dier du vertraust, dann kannst du ja vllt. auch dort den Binder einmal ansprechen oder mitbringen – viele Ärzt*innen kennen sich allerdings kaum oder gar nicht aus und können deshalb auch skeptisch reagieren. Entscheide also selbst, ob drüber reden eine Option für dich ist. Allerdings kann dir niemand verbieten, den Binder zu tragen, auch keine Ärzt*innen.

Jedenfalls solltest du dich nicht verunsichern lassen, wenn du einen Binder tragen möchtest. Informiere dich einfach gut über alles, was du wissen möchtest, um dich sicher zu fühlen, z.B. in unserer Binder-Broschüre. Viele Menschen tragen täglich Binder und haben keine Probleme damit, es ist also auf jeden Fall einen Versuch wert! Gerade, wenn du dir am Anfang noch unsicher bist, kannst du den Binder ja auch erstmal nur für ein oder zwei Stunden daheim tragen und dich ein bisschen austesten.

Alles Gute mit dem Binder!
Viele Grüße,

Balth

Kummerkasten Antwort 170: Welches Geschlecht habe ich?

Hallo alle miteinander,
Ich habe eine sehr dringliche Frage an euch.
Ich bin als Mädchen zur Welt gekommen, allerdings fühlte ich mich schon seitdem ich 13 war nicht immer als solches.
Ich trug schon immer nur Kapuzenpullover und Sneaker etc.
Nun, mittlerweile bin ich fast 19 und die “Symptome” wurde immer deutlicher.
Ich habe mittlerweile Brust Dysphorie und Haar Dysphorie doch das nicht immer. Ich kann mich als Frau verstehen, dennoch gibt es öfters mal Zeiten an dem ich mich eher als Mann verstehe.
Ich habe seit einem Jahr angefangen andere Pronomen und einen anderen Namen im Internet auszuprobieren und ich kam zu dem Schluss, dass ich mich wohl fühlte.
Nun sitze ich zwischen den Stühlen und weiß nicht mehr weiter.
Ich weiß nämlich nicht welche Identität meiner Beschreibung am besten passt.
Ich bin eine Person die eine Zugehörigkeit für sein Wohlbefinden benötigt.
Ich hoffe ihr könnt mir helfen.
Liebe Grüße,
Felix.

Hallo Felix,

was wir hier immer sagen, kann ich dir nun auch weitergeben: Wir können dir nicht sagen, welches Label du benutzen sollst. Ich kann dir aber gern einige Vorschläge machen und hoffen, dass vielleicht etwas dabei ist, was dir helfen kann und für dich passt.

Du schreibst, dass du dich sowohl als Frau, aber auch und öfter als Mann verstehst. Damit wäre es z.B. möglich, dass das Wort “bigender” für dich passt. Bigender sind Menschen, die zwei verschiedene Geschlechter haben, entweder gleichzeitig oder auch abwechselnd. Wenn es dir wichtig ist zu betonen, dass dein Verständnis von deinem Geschlecht sich immer wieder ändert, dann findest du dich vllt. in dem Begriff “genderfluid” wieder. Das bedeutet, dass deine Geschlechtsidentität wechselt, mal männlich oder weiblich sein kann (- mal aber vielleicht auch ein ganz anderes Geschlecht). Vielleicht spielt die Identifikation mit dem weiblichen Geschlecht für dich gar keine so große Rolle, und dir ist viel wichtiger zu betonen, dass du dich größtenteils männlich identifizierst? Dann trifft vielleicht die Bezeichnung “demiboy” ganz gut auf dich zu. 

Wenn du lieber allgemeinere, weiter gefasste Begriffe suchst, dann könnte “nichtbinär” als Überbegriff oder “genderqueer” dir weiterhelfen.

Am allerwichtigsten ist schonmal, dass du weiterhin tust, was dir gut tut und womit du dich wohl fühlst. Mit deiner Namensänderung, den neuen Pronomen, deinen Klamotten und allem anderen bist du auf jeden Fall auf einem guten Weg. Achte gut auf dich, hör auf deine innere Stimme, hab keine Angst, mal ein Label auszuprobieren und es später zu wechseln, falls es nicht passt, und lass dich nicht entmutigen, wenn manches etwas länger braucht oder nicht gleich zu 100% passt. Du wirst deinen Weg schon finden, und du bist auf jeden Fall unterwegs in die richtige Richtung!

Alles Gute für dich!

Balthazar

Kummerkasten Antwort 97 – Woher kommt die körperliche Unzufriedenheit?

Hallo!

Ich bin Feministin und dachte eigentlich immer, abgesehen von einigen wenigen Momenten, dass ich zufrieden bin mit meinem Körper. Und meistens ist das auch so, aber manchmal nicht. Und wenn ich darüber nachdenke, selbst ein Junge zu sein, ist das für mich eigentlich kein Problem, ich finde nur den Gedanken an Penisse, egal ob wer so ein Ding in mich reinschiebt oder ob ich es berühre oder so, ziemlich schräg und so. Versteht ihr?

Ich weiß, dass ich nicht Trans bin, ich bin einfach nur verwirrt. Fällt euch was ein?

Hallo lieber Mensch,

deine Frage ist schwierig zu beantworten und hat sehr viele Aspekte, von denen ich sicher nicht alle bedenken und berücksichtigen kann – ich gebe allerdings mein Bestes und hoffe, es ist was Hilfreiches für dich dabei.

Zufriedenheit mit dem eigenen Körper ist komplex, vor allem für Menschen, die bei der Geburt weiblich zugewiesen und auch so erzogen wurden – die Ansprüche, die weiblichen Menschen von der Gesellschaft gestellt werden, sind extrem hoch und an allen Ecken und Enden wird uns beigebracht, dass wir mit unserem Körper unzufrieden sein sollen und ihn perfektionieren müssen. Viele Menschen haben diesen Prozess so sehr internalisiert, dass er ganz von alleine passiert und nicht mal mehr wirklich auffällt. Es ist deswegen nicht leicht zu sagen, warum eine Person unzufrieden mit dem eigenen Körper ist.

Gerade das macht es vielen trans Menschen schwer zu erkennen, dass sie trans sind. Ich will damit nicht sagen, dass du trans bist – du sagst ja, du weißt, dass du es nicht bist, und scheinst dich mit dem Thema schon auseinandergesetzt zu haben. Letztlich kannst nur du sagen, welcher Begriff dich am besten beschreibt. Weil du aber darüber redest, dass du manchmal mit deinem Körper unzufrieden bist und dich auch als Junge sehen kannst, möchte ich das trotzdem kurz ansprechen.

Es wird oft als ein großer Bestandteil von trans sein bewertet, unzufrieden mit dem eigenen Körper zu sein und ihn so ändern zu wollen, dass er den eigenen Vorstellungen vom eigenen Geschlecht entspricht. Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper als trans Mensch wird als Dysphorie bezeichnet. Ich stehe dem etwas skeptisch gegenüber, weil es nur wenig mit der Selbstdefinition von trans Menschen zu tun hat, weil es uns vonseiten der Medizin aufgezwungen wird und weil es so negativ ist: Wir müssen quasi durch unser Leiden und unsere Unzufriedenheit “beweisen”, dass wir trans sind. Ich persönlich definiere Transsein lieber über Geschlechts-Euphorie statt Dysphorie – wenn es eine Person z.B. glücklich macht, von anderen als Mädchen gelesen und auch so angesprochen zu werden, dann ist es voll okay, wenn diese Person sich als trans Mädchen beschreibt. Ob dieses Mädchen dann unglücklich ist oder nicht, wenn sie nicht als Mädchen gesehen wird, ist dann eher zweitrangig – auch die Frage, ob sie unzufrieden mit dem eigenen Körper ist, und wenn ja, mit welchen Teilen ihres Körpers, steht dann nicht so sehr im Mittelpunkt.

Wer trans ist, muss also nicht unbedingt und immer mit allen “vergeschlechtlichten” Körperteilen (also z.B. mit Genitalien, Brüsten, Behaarung etc.) unzufrieden sein. Und umgekehrt ist Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper nicht immer ein Zeichen für Transsein.

Du sagst, die Vorstellung, ein Junge zu sein, ist für dich kein Problem – das kann vielleicht daran liegen, dass du ein trans Junge bist, aber nur du kannst entscheiden, ob du dich so benennen willst. Es kann aber auch bedeuten, dass du vielleicht nichtbinär bist. Nichtbinär ist ein Überbegriff für alle Menschen, die nicht ausschließlich männlich oder weiblich sind. Weil du sagst, dass du die Unzufriedenheit nur manchmal spürst, könnte der Begriff “genderfluid” vielleicht passend für dich sein; das bedeutet, dass deine Geschlechtsidentität sich manchmal verändert, und dass du eben vielleicht nur manchmal ein Junge bist. Vielleicht fühlt es sich aber auch einfach nur so an, als wärst du teilweise ein Junge, aber eben nicht ganz. Dann trifft evtl. der Begriff “demiboy” auf dich zu. Vielleicht fühlst du dich auch wohl in deinem weiblichen Geschlecht, magst es aber, deine maskuline Seite auszudrücken – viele lesbische und queere Frauen und Menschen benutzen dafür das Wort “Butch“.

Vielleicht ist unter diesen Begriffen ja was dabei, was dich beschreibt – vielleicht auch nicht, und das ist auch okay. So oder so sind deine Gefühle zu deinem eigenen Geschlecht vollkommen in Ordnung und du bist sicher nicht alleine damit.

Ich wünsche dir viel Erfolg und alles Gute bei deiner Suche!
Liebe Grüße,

Balthazar

Kummerkastenantwort 72 – Nicht trans, aber dysphorisch?

Triggerwarnungen für Homo- und Transfeindlichkeit

Hallo erstmal und cool dass es so eine Möglichkeit gibt. Ich heiße Jasmin bin 13und ziemlich sicher dass ich lesbisch bin, also werden Haters denken gott die is ja viel zu jung aber das ist mir egal. Mir liegt was anderes auf dem Herzen. Ich hab schon seit über einem Jahr das Gefühl dass ich mir nicht sicher über mein Geschlecht bin, reden kann ich darüber leider mit niemandem, da meine Familie sehr gegen LGBT+ ist und meine Freunde größten Teils auch. Ich hab mich mal bisschen informiert und bin auf den Begriff “Dysphorie” gestoßen. Als ich, auch über euer Lexikon, mehr darüber erfahren habe war ich mir ziemlich sicher dass es auf mich zutrifft, denn ich bin ziemlich unzufrieden mit meinem Körper, auch durch bspw. Meine Brust, Stimme und so weiter und ich versuche auch, so unauffällig wie möglich, es etwas zu unterdrücken und zu verstecken usw. Mein Problem ist halt dass ich selbst nicht ein Junge sein will, also klar wäre das okay aber ich würde mich nicht als Transgender bezeichnen da ich ja auch kein Problem habe ein Mädchen zu sein es stört mich einfach dass das alles so mit den Geschlechterrollen und Vorurteilen zusammen hängt, entweder ist man Typisch Mädchen für die anderen oder Typisch Junge und ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll und was ich dagegen tun kann denn immer wenn man mich mit sowas konfrontiert und dann diese Klischees kommen und ich einfach nicht aif diese Typschen Mädchen Klischees zutreffe jnd als Möchte-Gern-Junge abgestempelt werde komme ich damit nicht klar und weoß dann nicht was ich tun soll, weil ich dann leider immer wieder denkey vllt haben die ja recht und ich will nur Aufmerksamkeit, aber dann merke ich wieder dass es nicht stimmt. Wisst ihr von Queer Lexikon wie ich in Solchen Situationen ambesten reagiere und wie ich damit umgehen kann. Ich hoffe ich hab es nicht irgendwie undeutlich erklärt oder so, danke im Voraus für eure Hilfe 🙂

Hi!
Ich heiße Jasmin. Ich hab vor ca. 1 1/2 Jahren gemerkt das ich auf Mädchen stehe. Seit meiner Pubertät hab ich gemerkt, dass ich gar nicht in diese ganzen Geschlechter Rollwn passe und so. Ich bin zwar ein Mädchen, bin mit meinem Geschlecht auch ganz zufrieden nur ich hab trotzdem oft damit zu kämpfen. Beispielsweise hasse ich es dass ich einen Busen habe. Ich hab mich viel im Internet erkundigt und bin auf Binder gestoßen. Ich hab auf eurer Seite dann auch diese Broschüre gelesen aber das Problem ist bei mir, ich kann mir diese Binder nicht kaufen ohne das meine Eltern davon mitbekommen. Sie sidn halt sehr Homophob und Transphob und generell sehr gegen LGBT+. Weswegen ich einfach immer so wenig körperbetonte Kleidung anziehe und teilweise auch Kleidung für Jungs. Ich bin dann nach einiger Zeit auf den Begriff Dysphoria gestoßen und denke das das ziemlich auf mich zu trifft. Jetzt ist die Frage, ist es okay wenn man Dysphoria hat obwohl man nicht Trans ist oder Non-binär? Was kann man eigentlich gegen Dysphoria tun?

Hallo Jasmin,

ich habe deine zwei Fragen in eins gepackt, ich hoffe, das ist okay.

Zuerst mal kann ich total verstehen, wie frustrierend es ist, dass alle irgendwelche Erwartungen an dich und deine Geschlechterrollen haben. Das passiert in unserer Gesellschaft leider noch viel zu oft, dass uns irgendwelche Stereotype aufgedrückt werden, die einfach nicht passen, und es tut mir leid, dass du diese einengenden und negativen Erfahrungen machst.

Dysphorie, auf deutsch auch oft Leidensdruck genannt, hat nicht unbedingt immer was mit trans sein zu tun – auch wenn es fast immer so verwendet wird. Wenn du dich unwohl fühlst mit der Geschlechterrolle, die dir von deinem Umfeld aufgedrängt wird, dann finde ich, der Begriff Dysphorie beschreibt dich gut. Und du sagst ja auch selbst, dass das auf dich zutrifft. Falls dich die Frage nach Geschlechterrollen weiter verwirrt oder du dich mehr damit auseinandersetzen willst, kannst du dich vielleicht mal mit dem Begriff “Butch” beschäftigen. Das ist ein Begriff aus lesbischen Communities, der vor allem lesbische Frauen (aber auch andere wie z.B. bisexuelle Frauen oder nichtbinäre Lesben) bezeichnet, die sich in ihrer Geschlechterrolle (also wie sie sich gesellschaftlich verhalten) oder in ihrer Geschlechtspräsentation (also wie sie sich anziehen und selbst darstellen) irgendwie mit Männlichkeit verbunden fühlen – oder halt mit dem, was von der Gesellschaft als männlich wahrgenommen wird. Vielleicht kannst du ja mit so einem Begriff was anfangen?

Was die Binder angeht: Es ist sehr schwierig, einen Binder zu kaufen, ohne dass deine Eltern etwas davon mitbekommen. Pass bitte gut auf dich auf – wenn du denkst, dass deine Eltern wirklich schlecht reagieren würden, dann erzähle ihnen besser erst mal nichts davon. Es ist vollkommen okay, das für dich zu behalten, vor allem, wenn es darum geht, dass du dich sicher und wohl fühlen musst. Hier sind ein paar Ideen, wie du Schwierigkeiten vermeiden kannst: Viele Firmen, die Binder verkaufen, schicken ihre Produkte in unbeschrifteten Paketen – von außen ist also nicht zu erkennen, was drin ist. Du könntest evtl. behaupten, dass ein Geschenk für deine Eltern (zum Geburtstag, zu einem Festtag o.ä.) drin ist, damit sie es nicht aufmachen – aber das ist riskant. Vielleicht kennst du eine andere Person, die für dich einen Binder bestellen kann, ohne dass es Probleme zu Hause gibt. Vielleicht gibt es auch bei dir in der Nähe einen queeren Jugendtreff oder ähnliches? Dort gibt es immer mal wieder Binder zu verschenken, oder irgendwer dort könnte dir helfen, einen Binder zu kaufen, ohne dass deine Eltern es erfahren. Falls das alles nicht möglich ist, kannst du es auch immer noch mit Sport-BHs oder engen Unterhemden versuchen; die binden zwar nicht so gut wie ein richtiger Binder, sind aber eine günstige und ungefährliche Option, wenn Binder nicht möglich sind.

Was gegen Dysphorie und miese Situationen mit Geschlechterstereotypen am besten hilft, ist leider für alle unterschiedlich. Du wirst selbst Wege und Methoden finden, damit am besten umzugehen. Am meisten hilft es aber in unserer Erfahrung, wenn du Leute findest, mit denen du über diese Themen reden kannst – vielleicht mit deinen Freund*innen, in einer queeren Jugendgruppe vor Ort oder online. Du findest bestimmt einen guten Weg, du selbst zu sein, und mit der Zeit findest du sicher auch Leute, die dich so akzeptieren, wie du bist und die dir helfen, wenn mal wieder wer nicht so gut reagiert.

Wir wünschen dir alles Gute und sind gerne jederzeit für dich da!
Liebe Grüße,

Balthazar

Gender Euphorie

Gender Euphorie: Gender Euphorie bezeichnet das Gefühl, das nichtbinäre und trans Personen empfinden, wenn ihre Geschlechtsidentität durch Außenwahrnehmung bestätigt wird, beispielsweise, wenn die richtigen Pronomen verwendet werden. Gender Euphorie kann als Gegenkonzept zu Dysphorie gesehen werden.