Kummerkasten Antwort 175 – Genderfluid? Agender? Demigirl?

Heyy… ich bin erst kürzlich auf diesen Blog gestoßen und ich finde es toll wie ihr die verschiedenen genders erklärt. Ich habe bis jetzt nur solche Seiten auf englisch gefunden.
Ich habe erst vor zwei Wochen realisiert (oder mehr akzeptiert), dass ich non binary bin. Ein paar Tage davor habe ich realisiert, dass Sex für mich in Theorie toll ist, aber in der Praxis nicht meins ist (ich hatte keinen Sex ich habe einfach nur realisiert, dass ich nach zwei Minuten einfach abgeturnt bin) und identifiziere mich selbst seitdem als asexuell. Es war ein großer Schritt das zu akzeptieren, da ich davor erst akzeptiert hatte, dass ich auf Mädchen stehe und dass ich asexuell bin einfach verdrängt habe.
Ich habe Schwierigkeiten mit meinem Gender. Ich fühle mich meistens nicht wie ein Mädchen, bin mir nicht sicher ob ich ein Junge bin an Tagen wo ich mich nicht wie ein Mädchen fühle und fühle mich meist eigentlich wie gar nichts. Es gibt Tage (oder er Momente im Laufe des Tages) , da habe ich Probleme mit meiner Brust und andere Male da geht es eigentlich. Ich mag es eigentlich einen weiblichen Körper zu haben, fühle mich aber manchmal nicht wohl in meiner Haut (oder meinem Geschlecht). Es wäre am einfachsten sich als agender zu identifizieren aber ich weiß nicht ob es passt oder ob ich genderfluid bin oder einfach ein Demigirl? Pronomen sind übrigens kein Problem. Das liegt aber wahrscheinlich daran, dass ich es nicht anders gewohnt bin. Allerdings mag ich meinen Namen überhaupt nicht und würde ihn an liebsten zu etwas neutralen ändern. Am liebsten River oder Sky.
Liebe Grüße

Lieber unbekannter Mensch,

Gender ist kompliziert und es ist vollkommen verständlich und in Ordnung, dass es schwierig ist für dich, die richtigen Worte zu finden. Ich finde, alle Begriffe, die du vorschlägst – agender, genderfluid, demigirl – passen sehr gut zu dem, was du über dein Geschlecht und deine Gefühle und Gedanken dazu geschrieben hast. Es ist gut möglich, alles drei zu sein. Vielleicht bist du ja genderfluid und dein Geschlecht wechselt zwischen agender und demigirl? Das könnte vllt. auch erklären, warum du manchmal Probleme mit deiner Brust hast und sie dir manchmal egal ist oder dich nicht stört.

Egal, welche Labels du verwendest, nur du entscheidest, welcher Name, welches Aussehen und was sonst noch dazu gehört. Und egal, ob du genau weißt, wann dein Geschlecht genau was ist, oder ob du es vllt. niemals ganz genau sagen kannst – du verdienst Respekt und Akzeptanz.

Ich hoffe, ich konnte etwas helfen und wünsche dir alles Gute.
Liebe Grüße,

Balthazar

PS: Danke für dein Lob! Es freut uns, dass unsere Arbeit bei den Menschen ankommt, die uns brauchen. 🙂

Kummerkasten Antwort 174 – Kein trans Mann, aber was dann?

Hallo,

ich bin mittlerweile 27 und stehe vor einem Dilemma.

Seit einigen Jahren hadere ich bewusst mit meiner Geschlechtsidentität. Vor 3 Jahren fing ich an zu denken ich sei vielleicht einfach “ein schwuler Mann in einem weiblichen Körper”.

Nach und nach wurde mir immer bewusster, dass ich mich mit dem weiblichen Aspekt irgendwie nicht richtig identifizieren kann.

Vor ca. einem Jahr wurde ich durch Kontakt zur Queercommunity auf trans und enby aufmerksam.

Jetzt aber zum richtigen Dilemma: retrospektiv passt relativ vieles auf trans. Als kleines Kind hab ich zum Beispiel eher versucht im Stehen zu pinkeln und war schon eher ein Tomboy (abgesehen von sehr kurzen Haaren, ich trage meine seit 20 Jahren schulterlang).

Ich fing Anfang diesen Jahres an auch Männerklamotten zu shoppen. Ein mulmiges Gefühl bleibt irgendwie, v.a. sozial.

Ich habe packing und binding alleine zu Hause ausprobiert: fühlt sich richtig an.

Wenn ich jetzt allerdings daran denke ich würde mich als TransMANN outen: Irgendwas funktioniert nicht.

Mann finde ich irgendwie den falschen Begriff. Ich sehe mich nicht so wie alle Männer um mich rum sind. Ich bin zwar gefühlt eher männlich aber irgendwie passt mir zur Gruppe Mann zu gehören auch nicht.

Was könnte ich sein? Wer bin ich?

Ich benutze übrigens seit ca. 3 Monaten mit Online-Freunden he/him und den Namen Alex. Fühlt sich gut an, ist aber eben meist auf Englisch. Auf Deutsch ist’s wieder seltsam.

Danke für Eure Hilfe schonmal,

Michelle

Hi du,

ich kann deine Suche und deine Verwirrung sehr gut nachvollziehen, und kenne deine Fragen auch selbst. Geschlecht ist nunmal einfach übel kompliziert und seltsam, wenn eins nur lange genug darüber nachdenkt.

Vielleicht hilft es dir ja zu wissen, dass die Art und Weise, wie du dich präsentierst, nichts damit zu tun haben muss, wie du dich identifizierst und welches Geschlecht du bist? Es gibt z.B. eine Menge Butches, die “Männerklamotten” tragen, sich maskulin geben, evtl. einen “Männernamen” tragen und er-Pronomen benutzen und sich trotzdem nicht als Männer identifizieren, sondern z.B. als Frauen oder nichtbinär oder eben einfach nur butch. Es gibt aber auch sehr viele Männer, die auch keine besondere Zugehörigkeit zur Kategorie “Mann” empfinden, die nicht in männliche Stereotype passen, die vielleicht das Gefühl haben, nicht viel mit anderen Männern gemeinsam zu haben und die trotzdem das Recht haben, sich als Männer oder männlich zu identifizieren, wenn sie das für sich selbst passend finden.

Wir wissen aber leider alle, dass die Gesellschaft echt Schwierigkeiten hat, wenn Sachen in Punkto Geschlecht nicht zusammenpassen – dann ist es meistens entspannter, ein praktisches Label bzw. eine Erklärung parat zu haben, weil es Dinge einfacher macht. Nach dem, was du beschreibst, wäre vllt. “demiboy” ein passendes Label für dich? Ein “Demiboy” ist ein Mensch, der sich nur teils mit Männlichkeit identifizieren kann, oder nur mit manchen Aspekten von Männlichkeit. Du könntest auch einen Überbegriff wie genderqueer oder nichtbinär verwenden, wenn du dich nicht genau festlegen willst.

Egal, welches Label du verwendest, nur du kannst entscheiden, welche Klamotten, welche Pronomen und was sonst noch alles für dich da dazugehört. Vielleicht möchtest du auf deutsch lieber erstmal auf Pronomen verzichten, wenn “er” sich nicht richtig anfühlt, oder vielleicht verschiedene eigene Pronomen ausprobieren?

Ich hoffe, das konnte dir ein wenig helfen.
Alles Gute und viele Grüße,

Balthazar

Kummerkasten Antwort 170: Welches Geschlecht habe ich?

Hallo alle miteinander,
Ich habe eine sehr dringliche Frage an euch.
Ich bin als Mädchen zur Welt gekommen, allerdings fühlte ich mich schon seitdem ich 13 war nicht immer als solches.
Ich trug schon immer nur Kapuzenpullover und Sneaker etc.
Nun, mittlerweile bin ich fast 19 und die “Symptome” wurde immer deutlicher.
Ich habe mittlerweile Brust Dysphorie und Haar Dysphorie doch das nicht immer. Ich kann mich als Frau verstehen, dennoch gibt es öfters mal Zeiten an dem ich mich eher als Mann verstehe.
Ich habe seit einem Jahr angefangen andere Pronomen und einen anderen Namen im Internet auszuprobieren und ich kam zu dem Schluss, dass ich mich wohl fühlte.
Nun sitze ich zwischen den Stühlen und weiß nicht mehr weiter.
Ich weiß nämlich nicht welche Identität meiner Beschreibung am besten passt.
Ich bin eine Person die eine Zugehörigkeit für sein Wohlbefinden benötigt.
Ich hoffe ihr könnt mir helfen.
Liebe Grüße,
Felix.

Hallo Felix,

was wir hier immer sagen, kann ich dir nun auch weitergeben: Wir können dir nicht sagen, welches Label du benutzen sollst. Ich kann dir aber gern einige Vorschläge machen und hoffen, dass vielleicht etwas dabei ist, was dir helfen kann und für dich passt.

Du schreibst, dass du dich sowohl als Frau, aber auch und öfter als Mann verstehst. Damit wäre es z.B. möglich, dass das Wort “bigender” für dich passt. Bigender sind Menschen, die zwei verschiedene Geschlechter haben, entweder gleichzeitig oder auch abwechselnd. Wenn es dir wichtig ist zu betonen, dass dein Verständnis von deinem Geschlecht sich immer wieder ändert, dann findest du dich vllt. in dem Begriff “genderfluid” wieder. Das bedeutet, dass deine Geschlechtsidentität wechselt, mal männlich oder weiblich sein kann (- mal aber vielleicht auch ein ganz anderes Geschlecht). Vielleicht spielt die Identifikation mit dem weiblichen Geschlecht für dich gar keine so große Rolle, und dir ist viel wichtiger zu betonen, dass du dich größtenteils männlich identifizierst? Dann trifft vielleicht die Bezeichnung “demiboy” ganz gut auf dich zu. 

Wenn du lieber allgemeinere, weiter gefasste Begriffe suchst, dann könnte “nichtbinär” als Überbegriff oder “genderqueer” dir weiterhelfen.

Am allerwichtigsten ist schonmal, dass du weiterhin tust, was dir gut tut und womit du dich wohl fühlst. Mit deiner Namensänderung, den neuen Pronomen, deinen Klamotten und allem anderen bist du auf jeden Fall auf einem guten Weg. Achte gut auf dich, hör auf deine innere Stimme, hab keine Angst, mal ein Label auszuprobieren und es später zu wechseln, falls es nicht passt, und lass dich nicht entmutigen, wenn manches etwas länger braucht oder nicht gleich zu 100% passt. Du wirst deinen Weg schon finden, und du bist auf jeden Fall unterwegs in die richtige Richtung!

Alles Gute für dich!

Balthazar

Kummerkasten Antwort 169: Gender Questioning?

Hallo liebes Queer-Lexikon-Team,
als erstes möchte ich einmal sagen, dass ich eure Seite echt mag und sie mir auch schon echt geholfen hat, mich als Bi zu identifizieren.
Jetzt frage ich mich aber noch, welches Geschlecht ich habe. Ich weiß, dass ihr mir das natürlich nicht sagen könnt, aber ich hätte gerne eure Meinung zu meiner Situation.
Also ich bin weiblich und konnte mich damit bisher eigentlich immer identifizieren, auch wenn ich nie wirklich auf Kleider und “Mädchenfarben” (ich hasse diese Einteilung) gestanden habe. Seit einiger Zeit, bin ich mir da jedoch nicht mehr so sicher. Ich fühle mich in meinem Körper (vor allem mit meiner Brust, etc.) sehr unwohl. Binding hat auch schon mein Interesse geweckt, allerdings muss ich mich momentan mit einer “Notlösung” zufrieden geben und mir mit Sport-BH´s behilflich sein. Es ist zwar nicht sonderlich bequem, aber ich fühle mich so schon etwas wohler. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich immer mehr das Bedürfnis habe, wie ein Junge auszusehen (aber ich möchte mich nicht komplett als Junge identifizieren). Mit meinem weiblichen Namen und weiblichen Pronomen habe ich jedoch kein Problem (vielleicht liegt es auch nur daran, dass ich es mir anders nicht wirklich vorstellen kann).
Ich überlege in letzter Zeit wirklich oft, was genau das bedeuten soll, finde aber leider keine Lösung. Ich hoffe, ihr könnt mir helfen oder mir zumindest einen Denkanstoß geben.

Viele Grüße

Hallo liebe unbekannte Person,

danke für deine Frage und dein Lob! Es freut uns sehr, dass wir dir schon so gut helfen konnten. Ich versuche gerne, dir noch ein wenig mehr zu helfen, auch wenn du natürlich recht hast: Ich kann dir leider nicht sagen, welches Geschlecht du hast. Ich kann dir allerdings ein paar Begriffe geben, die dir vielleicht helfen.

Dein Wunsch, maskuliner auszusehen und wahrgenommen zu werden, kann bedeuten, dass du trans bist. Allerdings schreibst du auch, dass du dich nicht komplett als Junge identifizieren möchtest (oder kannst?) – das könnte bedeuten, dass du möglicherweise ein demiboy bist oder nichtbinär. Vielleicht bist du ja nicht vollkommen männlich, sondern nur teilweise, oder vielleicht ändert sich dein Geschlecht manchmal, oder vielleicht hat es auch gar nichts mit Männlichkeit oder Weiblichkeit zu tun, weil du einfach nur du bist? Das alles kann unter dem Überbegriff “nichtbinär” zusammengefasst werden.

Eine andere Möglichkeit ist, dich als Butch zu identifizieren. Maskuliner wirken zu wollen, ist nicht unbedingt etwas, was nur trans Männern oder trans männlichen Personen vorbehalten ist – es gibt viele Butches, die sich als weiblich oder als Frauen identifizieren, aber gerne maskulin aussehen und/oder eine männliche Geschlechterrolle einnehmen.

Die beiden Optionen – also nichtbinär sein und Butch sein – schließen sich nicht unbedingt gegenseitig aus: Du kannst auch beides gleichzeitig sein. Beispiele für nichtbinäre oder trans Butches sind Leslie Feinberg und Rhea Butcher. Viele Butches haben ein kompliziertes Verhältnis zu Geschlecht oder hinterfragen Geschlechterkategorien überhaupt – so wie du auch selbst sagst, die Einteilung von allem von Farben über Namen bis hin zu Körpern in “männlich” und “weiblich” sind vielleicht gar nicht nötig, und viele Butches zeigen Wege dazwischen oder drumherum auf.

Egal, ob du ein Label für dich findest oder nicht: Deine Gefühle und Gedanken zu deinem eigenen Geschlecht sind vollkommen gut und in Ordnung. Ich hoffe, dass du deinen Weg findest.

Noch ein paar Tipps zum Binden: Das Abbinden von Brüsten mit Sport-BHs kann gefährlich sein, wenn du einen zu engen BH oder zwei übereinander trägst. Achte gut auf deinen Körper und die Warnsignale, die er dir sendet. Solange du keinen Binder hast, sind weite, locker sitzende Oberteile oder mehrere Schichten (z.B. ein T-Shirt, ein Hoodie und eine Jacke) auch immer gute Möglichkeiten, um deine Brust zu kaschieren. Weitere Infos zu sicherem Binden und dazu, wo du wie (auch günstig oder kostenlos) an einen Binder kommen kannst, findest du in unserer Binder-Broschüre.

Viele Grüße und alles Gute,

Balthazar

Kummerkasten Antwort 132 – Tipps bei der nichtbinären Namenssuche

Hey liebes Team,

Ich finde eure Seite wirklich super. Sie hat mir bei meiner Selbstfindung sehr geholfen, danke. Jetzt aber zu meiner Frage.
Ich habe vor kurzem angefangen, nach einem passenden Namen für mich zu suchen. Das Problem ist nur, dass ich einen Namen suche der nicht “typisch weiblich” oder “typisch männlich” ist da ich selber non-binary bin.

Habt ihr Tipps oder Ideen für meine Namenssuche?

Liebe*r Unbekannte*r,

es ist nicht gerade leicht, einen Namen zu finden, der keine starken Verknüpfungen entweder mit Männlichkeit oder Weiblichkeit hat. Hier sind ein paar Optionen, die andere nichtbinäre Menschen nutzen:

  • viele Kurzformen von Namen sind nicht eindeutig männlich oder weiblich: z.B. Alex, Lou, Feli, Dani oder Flo können alle Abkürzungen von männlichen oder weiblichen Namen sein – viele nichtbinäre Menschen entscheiden sich für so eine Kurzform.
  • seltene Namen in fremden Sprachen können ebenfalls geeignet sein, vor allem, weil viele Sprachen auch kein Genus haben (also kein sprachliches Geschlecht wie im Deutschen, wo wir “der/die/das” haben). Finnisch, Türkisch oder Ungarisch sind Beispiele für solche Sprachen. Du solltest allerdings mit fremden Sprachen und Kulturen respektvoll umgehen und dir nichts aneignen, was dir nicht zusteht und wozu du keinen persönlichen Bezug hast.
  • Fantasy- oder SciFi-Bücher können helfen, ausgefallene Namen zu finden, die nicht sofort als männlich oder weiblich zu erkennen sind. Vielleicht wirst du ja in deinen Lieblingsromanen fündig oder möchtest dir selbst einen Namen ausdenken, der z.B. von einer Fantasy-Sprache inspiriert ist.
  • Einen eigenen Namen ausdenken ist sowieso immer eine Möglichkeit. Das ist zwar vielleicht etwas schwieriger, wenn du deinen Namen auch rechtlich ändern möchtest, aber einen Versuch wert. Auch dadurch, dass ausgedachte Namen ein neuer Trend für Eltern von Babys sind, wird es allmählich leichter, auch eigene Namen durchzusetzen.
  • Manche nonbinary Menschen (so wie auch ich) suchen sich einfach einen Namen aus, der zwar eigentlich männlich oder weiblich angesehen wird, beschließen aber einfach, den Namen nonbinary zu machen. So, wie meine Klamotten nichtbinär sind, weil ich es bin, mein Körper nichtbinär ist, weil ich es bin, etc., so kann auch einfach mein Name nichtbinär sein, auch wenn andere ihn als männlich sehen. Das erfordert allerdings oft sehr viel Erklärung und Geduld mit Menschen im eigenen Umfeld und ist deswegen nicht für alle eine gute Möglichkeit.

Gute Hilfestellungen sind immer Babynamenseiten im Internet und Bücher, Filme und Serien. Überall dort kannst du Inspiration für deinen eigenen Namen finden. Es ist auch vollkommen okay, im kleineren Rahmen (vielleicht mit ein paar Freund*innen oder online) ein paar Namen auszuprobieren, um herauszufinden, welcher sich für dich richtig und gut anfühlt.

Viel Erfolg bei der Namenssuche und schreib uns gerne, wenn du einen Namen gefunden hast!
Liebe Grüße, Balthazar

Kummerkasten Antwort 131 – Bin keine Frau und kein Mann?

Hi ich bin mir bei meiner Identität nicht sicher was ich aber weiß ist das ich nicht hetoro bin ich weiß aber nicht ob ich eine Frau oder ein man sein will ich bin irgendwie keines oder beides und weiß nicht wie ich damit umgehen soll

Hallo lieber unbekannter Mensch,

erst mal: Es ist vollkommen okay, unsicher mit der eigenen Identität und dem Geschlecht zu sein. Geschlecht ist ein ganz schön kompliziertes Thema, mit dem alle Menschen anders umgehen. Es ist absolut in Ordnung, wenn du dir Zeit nimmst, dich damit zu beschäftigen und dich zu hinterfragen.

Menschen, die weder männlich noch weiblich sind, werden auch nichtbinär genannt. Das bedeutet erstmal nur, dass dieser Mensch keine Frau und kein Mann ist (oder manchmal kann es auch bedeuten, dass diese Person nur teilweise oder nur manchmal männlich oder weiblich ist). Nichtbinär ist ein eigenes Geschlecht, bzw. eine eigene Geschlechtsidentität, kann aber auch ein Überbegriff für ganz viele andere Identitäten sein, die nicht (oder nicht vollkommen) männlich oder weiblich sind.

Hier sind zwei Begriffe, die unter den Schirmbegriff “nichtbinär” fallen und die dir vielleicht helfen können, dich zu beschreiben:

  • Agender: Agender sind Menschen, die kein Geschlecht haben oder sich nicht mit den existierenden Begriffen und Konzepten von Geschlecht identifizieren (können oder wollen).
  • Bigender: Bigender sind Menschen, die sich mit zwei Geschlechtern identifizieren können, zum Beispiel in deinem Fall vielleicht männlich und weiblich. Bigender Menschen haben vielleicht beide dieser Geschlechter gleichzeitig, oder es kann auch sein, dass sie abwechselnd mal eins und mal das andere Geschlecht sind – oder eine Mischung aus beidem.

Mehr Begriffe für nichtbinäre Geschlechter findest du auch in unserem Glossar.

Ich hoffe, das hilft dir ein bisschen weiter.
Alles Gute und liebe Grüße, Balth

Kummerkasten Antwort 100 – jung und nicht weiblich – aber was?

Hey.
Ich habe mir ein paar Fragen und Antworten von anderen Menschen durchgelesen, aber irgendwie beschreibt keine einzige wirklich mich.
– Ich bin weiblich, trage aber nicht gerne weibliche Klamotten, möchte aber auch nicht männlich sein, und andererseits mag ich das Personalpronomen “sie” nicht und will keine Brüste haben. –
Ich möchte auch eigentlich nicht, dass irgendwer davon erfährt. Zudem bin ich noch ziemlich jung.

Hey Unbekannte*r,

danke für deine Frage. Was du beschreibst, klingt für mich, als könntest du agender sein oder vielleicht eine andere nichtbinäre Identität haben. Nichtbinär ist ein Label aus dem Bereich von trans Identitäten und beschreibt alle Menschen, die sich nicht ausschließlich als männlich oder weiblich definieren. Wer nichtbinär (oder trans im Allgemeinen) ist, kann sich nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren – in deinem Fall weiblich. Es gibt noch sehr viel mehr Geschlechter als nur männlich und weiblich, das wird aber in unserer Gesellschaft oft versteckt, und es ist deswegen verständlich, dass du verwirrt bist. Das ist voll okay.

Nichtbinär ist ein Überbegriff für sehr viele verschiedene Geschlechter, die nicht männlich oder weiblich sind – agender ist eins davon. Wer agender (oder auch genderlos oder geschlechtslos) ist, hat kein Geschlecht oder kann mit Geschlecht an sich nichts anfangen. Vielleicht kannst du ja mit einem dieser Begriffe etwas anfangen? Wenn nicht, ist es auch voll okay – du bist überhaupt nicht verpflichtet, dich auf ein Label festzulegen. Stattdessen kannst du auch einfach nur tun, was sich gut und richtig anfühlt, ohne es genau benennen zu müssen. Du könntest z.B. deine Brüste mit einem Binder abbinden – wie das geht und was du dabei beachten musst, kannst du in unserer Binderbroschüre erfahren. Du kannst außerdem mit Pronomen experimentieren, wenn “sie” sich nicht gut anfühlt. Vielleicht passt dir ja “er” oder “es” besser, oder vielleicht möchtest du dir ein eigenes Pronomen überlegen? Viele nichtbinäre Menschen in Deutschland mögen es aber auch, kein Pronomen zu verwenden, also statt Pronomen einfach immer nur den eigenen Namen oder eine Kurzform davon zu benutzen. Vielleicht fühlst du dich sicher genug, um ein paar Freund*innen oder Familienmitglieder zu bitten, andere Pronomen für dich zu verwenden. Wenn du dich das nicht traust, kannst du die neuen Pronomen aber vielleicht auch einfach nur anonym und online ausprobieren, z.B. auf einem Social-Media-Account oder so.

Es ist vollkommen okay, sich nicht zu outen. Du bist überhaupt nicht verpflichtet, irgendwem dein Geschlecht zu offenbaren und wem du es erzählst oder nicht erzählst, bleibt ganz allein deine Sache. Es ist vollkommen okay, es niemandem zu erzählen, oder nur ganz wenigen Leuten – es ist voll und ganz deine Entscheidung, wie du dich vor wem outest. Außerdem darfst du dir dafür so viel Zeit lassen, wie du brauchst.

Ganz viel Erfolg bei deiner Selbstfindung! Komm jederzeit vorbei, wenn du noch weitere Fragen hast. 🙂
Viele Grüße,

Balthazar

Kummerkasten Antwort 83 – Manchmal ein Junge, manchmal ein Mädchen?

Hallo,
ich weiß gar nicht wie ich Anfangen soll, ich bin momentan einfach irgendwie verwirrt und unglücklich. Und zwar fühle ich mich als Junge an Manchen Tagen wie ein Mädchen. Das hört sich jetzt wahrscheinlich komisch an, aber ich weiß nicht weiter. An manchen Tagen bin ich voll zufrieden und auch Glücklich während ich an anderen Tagen einfach nur herumsitze und sehr unglücklich bin aufgrund das ich mich manchmal eher als Mädchen fühle aber kein Mädchen bin. Wie nennt man denn sowas? Gibt’s dafür eine Erklärung?

Hallo lieber Mensch,

was du beschreibst, hört sich gar nicht mal so komisch an. Es klingt, als könntest du genderfluid sein – viele Menschen, denen es ähnlich geht wie dir, verwenden diesen Begriff, um zu beschreiben, dass sie nicht ein einziges, festes Geschlecht haben, sondern dass sie mehrere Geschlechter haben, zwischen denen sie ‘fließend’ wechseln. Oft wechselt das Geschlecht dieser Menschen zwischen männlich und weiblich, es kann aber auch zwischen anderen Geschlechtern wechseln. Wenn du dich zum Beispiel an manchen Tagen eher weiblich, aber nicht zu hundert Prozent weiblich fühlst, könnte es sein, dass du an diesen Tagen ein demigirl bist, also eine Person, die teilweise oder größtenteils weiblich ist, aber eben nicht vollständig.

Auf jeden Fall sind deine Erfahrungen mit deinem Geschlecht vollkommen in Ordnung und du bist nicht alleine. Vielleicht hilft es dir ja, dich mit anderen Leuten zu unterhalten, die genderfluid sind. Auf Social Media reden Menschen oft über ihre Erfahrungen mit fluidem Geschlecht, vielleicht gibt es da ja Menschen, denen du zuhören und mit denen du reden kannst. Und falls du noch weitere Fragen hast, kannst du dich jederzeit wieder gerne an uns wenden.

Viele Grüße und alles Gute,
Balthazar

Dritte Option

Die dritte Option ist eine Organisation, die sich für die Schaffung eines dritten juristischen Geschlechtseintrag einsetzte und den Eintrag “divers”, den es seit dem 01.01.2019 gibt kritisiert. Es geht auch hierbei nicht darum, dass es ein drittes Geschlecht gibt, der Name bezieht sich auf einen Schirmbegriff für alle möglichen Geschlechter.