Kummerkasten Antwort 225: Gibt es eine Abkürzung für ‘nicht cis Männer’?

Hey ihr! Gibt es eigentlich irgendeine Abkürzung für “nicht cis-Männer” (also alle außer cis Männer)? Wäre super hilfreich für Texte, die sich auf Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität oder Orientierung beziehen!

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Sowas gibt es tatsächlich! Meistens wird dafür FLIT (FrauenLesbenInterTrans) oder FLINT (FrauenLesbenInterNichtbinärTrans) verwendet. Diese Abkürzungen werden aber auch kritisiert, z.B. weil trans Männer oft nicht wissen, ob sie auch mitgemeint sind oder weil trans Frauen, die nicht geoutet sind oder aus Sicht der Veranstalter*innen ‘nicht weiblich genug’ aussehen (was Bullshit ist) ggf. auch kein Zugang zu einem Raum bekommen können. Weiterhin gibt es dann auch noch Männer, die cis und inter sind. Gerade diese Gruppe wird da auch häufig in der queeren Community häufig vergessen. Für Texte ist das aber nicht so sehr ein Problem, glaube ich.

Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen!

Liebe Grüße,

Annika

Diese Antwort wurde ergänzt, um auch auch Männer,
die cis und inter sind, mitaufzuzählen.

Kummerkasten Antwort 224: Ich möchte eine Hysterektomie

Ich bin trans männlich und möchte meine Hysterektomie beantragen aber weiß nicht, was ich dafür alles brauche

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Zum Thema Hysterektomie findest du bei unseren Kolleg*innen von trans Mann e.V. viele Informationen: http://transmann.de/trans-informationen/medizinisches/hysterektomie/

Hier außedem eine ausführliche Broschüre zum Download: http://transmann.de/?download=1257

Alles Gute für dich!

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkastenantwort 223 – Transition – aber nur zum Teil?

Hallo,
ich bin ende 20 und kämpfe seit gut 16 Jahren mit der Idee Trans zu sein. So weit ich zurück denken kann habe ich eine stark ausgeprägte physische Geschlechtsdysphorie, nach so langer Zeit bin ich sicher das, dass keine Phase ist die vorbei gehen wird, weswegen ich eine Hormontherapie starten will(die Indikation habe ich schon). Aber ich habe leider gar keine soziale Dysphorie und auch nicht wirklich den Wunsch in der weiblichen Rolle zu leben. Im Kopf empfinde ich mich eher als feminin Androgyn, maskuline Pronomen oder mein Name machen mich nicht dysphorisch.
Ich bin sicher das es mir durch Hormone emotional bedeutend besser gehen würde, ich kann mich nicht mal im Spiegel ansehen. Aber wenn ich sozial in die weibliche Rolle rutschen würde glaube ich das meine dysphorie von der körperlichen Ebene auf die soziale wechseln würde.
Ich denke ohne HRT werde ich mich in meiner Haut niemals wohl fühlen! Aber ich identifiziere mich nicht als Frau, sondern als feminin Androgyn! Ich habe weder das Verlangen meinen Personenstand noch meinen Namen zu ändern.
Besteht die Möglichkeit die HRT zu starten, mich danach aber trotzdem eher Tomboyish/Androgyn zu präsentieren? Oder muss ich damit rechnen das irgendwann der Punkt kommt das ich eindeutig als Frau wahrgenommen werde? Ich weiß nicht was ich tun soll und meine Psychologin kennt sich damit nicht aus.

Hallo,

die kürzeste aller Antworten auf deine Fragen ist: Ja, die Möglichkeit besteht und nein, du wirst nicht irgendwann automatisch als Frau wahrgenommen werden.

Lass mich das noch etwas weiter ausführen. Irgendwann mal, als das Transsexuellengesetz geschrieben wurde, war angedacht, dass Transition ganz oder gar nicht bedeuten sollte. Wie sich herausgestellt hat, ist das weder für alle Personen, die trans sind, psychologisch und medizinisch richtig, noch menschenrechtlich haltbar. Der Staat hat das schon begriffen. Eine Personenstandsänderung geht, ohne, dass eine Person sich jemals einer Hormontherapie oder Operationen unterzieht. Auch der umgekehrte Fall, „trotz“ HRT keine Personenstands- oder Namensänderung durchführen zu lassen, ist rein rechtlich möglich.

Die Erkenntnis, dass Personen, die trans sind, nicht immer automatisch alles wollen, was irgendwie Transition bedeuten kann, hat sich bei den Krankenkassen allerdings noch nicht so ganz herumgesprochen. Es gibt seit letztem Jahr eine neue Behandlungsrichtlinie, deren Quintessenz ist, dass die Initiative und das letzte Wort immer von der betroffenen Person und nicht von Ärzt*innen oder Psycholog*innen ausgehen soll. Das wissen bisher aber kaum Mediziner*innen und viele Krankenkassen verfahren weiter nach den alten Richtlinien.
Diese neuen Richtlinien bilden aber das ab, was Personen, die trans sind, schon lange fordern: Selbst entscheiden können und dürfen. Es ist also nicht „nur“ legal und völlig valide, wenn du lediglich Hormone möchtest – sondern in der Theorie auch genau so möglich.

Du machst dir auch ein wenig Sorgen, dass du irgendwann automatisch als Frau wahrgenommen werden könntest. Da es sehr verschieden ist, wie sehr sich Hormone aufs Äußere auswirken, hilft hier wohl nur ausprobieren. Gerade, wenn du dir unsicher bist, ob das nicht zu „gut“ funktionieren würde, empfiehlt es sich möglicherweise, mit sehr geringen Dosierungen zu beginnen.
Unabhängig davon hast du natürlich immer die Möglichkeit, durch Kleidung, Make-Up oder Frisur beispielsweise sozusagen gegenzusteuern.

Kurz gesagt: Es geht um dich. Du hast die Freiheit und das Recht, eine Hormontherapie anzufangen und dich androgyn zu präsentieren.

Ich wünsche dir alles Gute bei deiner Transition,
Xenia

Kummerkasten Antwort 222 – Sind meine Gefühle echt?

Ich bin mir nicht sicher ob diese Gefühle für meinen crush echt sind, denn ich kann mir nur teilweise eine Beziehung vorstellen aber ich schaue immer auf mein Handy ob er mir geschrieben hat oder nicht.
Ich frage mich jetzt wie ich heraus finden kann, ob die Gefühle real sind oder ich mich doch täuschen würde. (Damals hatte ich schon öfter Gefühle für einige Personen , die sich aber während einer Beziehung in eine Abneigung gewandelt haben)

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

deine Frage kann ich dir leider nicht beantworten, ich kann nur ein paar Dinge dazu sagen. Gefühle sind nicht deswegen “unecht”, weil sie sich später ändern könnten. Wenn deine Gefühle jetzt wichtig für dich sind, sich intensiv anfühlen und dich auch beeinflussen (z.B. indem du auf dein Handy schaust), warum sollten sie dann nicht “echt” sein?

Gefühle sagen außerdem noch nichts darüber aus, was du damit anfangen willst. Manche Menschen haben zwar sehr starke Gefühle, ohne, dass sie sie in Taten umsetzen. Nur, weil du Gefühle für eine Person hast, heißt das nicht automatisch, dass du deshalb auch mit der Person in einer Beziehung sein musst, oder das wollen musst. Es kann verschiedene Gründe geben, warum eine Person zwar Gefühle für jemanden hat, aber trotzdem in keiner Beziehung mit diesem Menschen sein kann oder möchte. Zum Beispiel, weil es zu große Differenzen gibt, weil es räumliche Trennung gibt, weil andere Personen mit im Spiel sind oder weil bei einer oder beiden Personen gerade keine emotionale Bereitschaft für eine Beziehung da ist. Nur, weil zwei Menschen ineinander verliebt sind, muss das noch nicht bedeuten, dass sie auch in einer Beziehung gut zusammenpassen.

Du schreibst außerdem, dass du früher oft Gefühle für Menschen hattest, die sich aber in einer Beziehung mit der Zeit zu Abneigung gewandelt haben. Das kann der Fall sein, wenn z.B. deine Bedürfnisse oder Grenzen nicht respektiert werden, wenn die andere Person nicht die gleichen Vorstellungen von einer Beziehung hat (also z.B. mehr oder weniger Nähe braucht als du, andere Formen von Intimität wichtig findet, etc.) oder einfach, wenn ihr nicht gut zusammenpasst. Das ist nicht schlimm und kein Versagen von irgendwem, sondern einfach etwas, worüber dann geredet werden muss, um Klarheit zu bekommen.

Vielleicht hilft es dir, mit deinem Crush offen darüber zu reden, wie du dich fühlst. Das kann gruselig sein, aber hilft auch dabei, keine falschen Erwartungen und dadurch keinen Druck zu erzeugen. Oder vielleicht hilft es dir auch, einfach die Situation jetzt zu genießen und dich darauf zu konzentrieren, wie es sich jetzt anfühlt, statt dir schon den Kopf zu zerbrechen, ob die Gefühle bleiben oder nicht. Oder vielleicht solltest du dir mal den Begriff “lithromantisch” anschauen – lithromantisch sind Menschen, die sich zwar in andere verlieben, aber nicht wollen, dass andere sich in sie zurückverlieben, oder deren romantische Gefühle verschwinden, wenn sie erwidert werden.

Das sind ganz viele verschiedene Gedanken und Vorschläge – ich hoffe, es ist etwas Hilfreiches für dich mit dabei. Schreib uns gerne nochmal, wenn du mehr Fragen hast.

Alles Gute und viele Grüße,
Balth

Kummerkastenantwort 221: Ich bin über mein Geschlecht verwirrt.

Hallo erstmal
Ich bin 15 Jahre und sehr verwirrt.
Ich bin mir nicht sicher, was mein Geschlecht angeht. Mir ist es egal ob man er oder sie nutzt und es interessiert mich nicht, wenn ein Kleidungsstück eher “männlich” oder “weiblich” ist. Ich habe mich über neutrale Geschlechter informiert und bin trotzdem verwirrt. Ich möchte mehr Klarheit, was mein Geschlecht angeht haben. Ich plane mein Outing als pansexuel und würde mich dabei auch direkt mit meinem Geschlecht outen.

Liebe Grüße von kiri

Hallo Kiri,

das ist natürlich nicht ganz einfach – wenn du einerseits merkst, dass die Labels, die kennst, nicht so richtig passen, du aber andererseits gerne eines Nutzen möchtest. Für sich genau genommen ist beides ja auch erstmal kein Problem.

Wenn du dir unsicher bist, was für ein Geschlechtslabel für dich passend ist, kannst du überlegen, ein sehr breites, in das sehr viel hinfällt zu nutzen: Enby, für nicht-binäre Person oder Neutrois als ein Label für ein neutrales Geschlecht.

Eine andere Möglichkeit ist, offensiv mit dieser Unsicherheit umzugehen, und als Label tatsächlich „questioning“ zu nutzen. Das zeigt sehr klar, dass du selbst fragend bist – ist valide und benennt das ganze treffend.

Für die Pronomen kannst du zu jeden Label, die Pronomen, die du nutzen willst, benennen. Es wäre also auch ok, zu sagen, „ich bin ein Mann und verwende sie/ihr-Pronomen“. Nicht unbedingt üblich, aber möglich. Du kannst hier also frei kombinieren, was sich richtig anfühlt. Ein Label bindet dich nicht an bestimmte Pronomina.

Hoffentlich war das für dich ein wenig hilfreich. Ich wünsche dir in jedem Fall ein gutes und sicheres Coming Out, unabhängig davon, was du dabei für Label benennst. Wenn du möchtest, kannst du auch gerne noch mal kurz schreiben, wenn du out bist, und erzählen, wie und ob du dich entschieden hast.

Liebe Grüße
Xenia

Kummerkastenantwort 219: Welches Geschlecht habe ich?

Hallo ich bin männlich 18 und bin einfach nur verwirrt ich bin zwar ein Mann doch fühle ich mich auch als frau als ob ich beider Geschlechter in mir habe. Naja ich weiß hat nicht wo ich hin gehöre ich will kein OP oder so mach mich mag eigentlich mein Körper ober trotzdem wäre ich hin und wieder auch eine Frau das verwirrt mich halt so

Hallo,

So ein Durcheinander im Kopf ist manchmal ziemlich anstrengend. Ich habe sicher von außen keine umfassende Lösung oder die ultimative Antwort. Gerne teile ich aber ein paar Gedanken, in der Hoffnung, dass sie ein wenig Struktur geben können:

Körper und Geschlecht bedingen sich nicht. Männer können Brüste haben, Frauen Bärte. Das ist zwar bisher nicht üblich, aber möglich. Daher ist es vollkommen ok, trans zu sein, aber sich körperlich nicht verändern oder verändern lassen zu wollen.

Ausprobieren ist in Ordnung. Du musst nicht erst hundertprozentig sicher sein, um ein Coming Out zu haben. Es ist valide auch unsicher „rauszukommen“ und im Coming Out erstmal etwas zu sagen wie „ich bin mir nicht sicher, aber ich könnte eine Frau sein und möchte ab jetzt sie-Pronomen nutzen“. Vielleicht auch erstmal nur in einem sehr kleinen Kreis von Freund*innen und dann mal weitersehen.

Geschlecht ist nicht statisch. Es kann durchaus sein und macht dich nicht weniger trans oder queer, dass du an einigen Tagen, Wochen oder sogar über Monat eine sehr andere Identität hast als sonst. Fluide Geschlechter sind valide.

Ich wünsche weiterhin viel Erfolg beim Entwirren im Kopf.
Liebe Grüße
Xenia

Kummerkasten Antwort 218 – Meine Haare lösen Dysphorie aus

Hallo.

Und zwar gibt es etwas was mich ein wenig stutzig macht.
Ich bin trans und nicht geoutet.
Meine Haare bringen mir gelegentlich Dysphorie und ich bin mir unschlüssig, was ich jetzt machen soll.
Meine Haare sind bis zur Schulter lang und ich frage mich wie ich sie männlicher wirken lassen kann da ich denke dass kurze Haare mir mit meinem runden Gesicht nicht stehen werden.
Gibt es da Tricks die ich anwenden könnte?
Besten Dank!
Zedrik

Hallo Zedrik!

Ich persönlich finde nicht, dass es irgendwelche Gesichtsformen gibt, zu denen kurze oder lange Haare passen oder nicht passen – das ist ja alles nur irgendwelche Mode, wo mal irgendwer beschlossen hat, was gerade “in” ist und was nicht. Ich kann aber auch verstehen, wenn du deine Haare nicht abschneiden willst – das ist schließlich ein großer Schritt. Es ist vollkommen okay, deine Haare so zu tragen, wie du dich am wohlsten fühlst.

Lange Haare sind ja nicht an sich unmännlich, und es gibt viele Männer, trans und cis, die ihre langen Haare mit Stolz tragen. Wie genau lange Haare “männlicher” wirken ist schwierig zu sagen, weil der gleiche Haarstil bei unterschiedlichen Menschen ganz anders aussehen kann. Du kannst ja einfach mal die Augen offen halten, ob du – in der Öffentlichkeit oder auf Fotos – ein paar Männer mit langen Haaren findest, deren Looks dir gefallen. Ich persönlich folge gerne Leuten auf Instagram, deren Looks ich inspirierend finde. Allgemein kann ich nur sagen: Männer tragen ihre langen Haare oft “unordentlicher” als Frauen, also mit weniger definiertem Scheitel oder ganz ohne Scheitel, und wenn sie ihre Haare zusammenbinden, dann meistens in einem eher unordentlichen “Knoten” statt in einem ordentlichen Dutt oder Zopf. Außerdem sieht eine große Stirn oft “männlicher” aus, also hilft es auch, die Haare aus dem Gesicht zu halten und z.B. hinter die Ohren zu schieben.

Das alles sind eben normative Vorstellungen von Männlichkeit, und es bleibt vollkommen dir überlassen, was du daraus machst. Tu einfach, womit du dich wohl fühlst, das ist genau richtig so.

Alles Gute für dich!
Balthazar

Kummerkasten Antwort 217: Welches Geschlecht und welche sexuelle Orientierung habe ich?

Hi,
vorab ersmal ein großes Lob und Dankeschön an euch. Ich finde es super, wie ihr diese Seite gestaltet und ich habe durch das stundenlange lesen der Antworten im Kummerkasten endlich den Mut gefunden meiner ehemals besten Freundin zu sagen, was ich für sie fühle und nun sind wir seit einem Monat ein Paar.
Jetzt aber zu meinen Anliegen:
Ich bin 15 und ein biologisches Mädchen und wie gesagt mit einem Mädchen zusammen. Ich bin mir aber nicht sicher was für eine Sexualität ich habe. Einerseits denke ich, dass lesbisch ganz gut passen könnte, da ich mich eher zu weiblichen Personen hingezogen fühle. Andereseits bin ich auch der Meinung, dass mir das Geschlecht und die Geschlechtsidentität eigentlich egal sind und ich doch eher auf die Person schaue. Außerdem hatte ich das noch nie, dass ich auf der Straße oder in Filmen oder so ich eine Person total attraktiv fand und wenn in der Schule über “Jungs” gesprochen wird finde ich das ziemlich langweilig. Ich sehe Jungs eher gleichwertig zu Mädchen also für Freundschaften aber eher nicht zum verlieben. Jetzt wäre meine Frage, ob ihr mir eventuell ein paar Vorschläge machen könntet, die ganz gut auf meine Beschreibung passen könnten?
Mein zweites Anliegen ist bezüglich meiner Geschlechtsidentität.
Ich bin wie gesagt ein biologisches Mädchen und bin auch so aufgewachsen. Als kleines Kind habe ich gerne Kleidchen getragen und habe mich eigentlich auch immer bei den Mädchen eingeordnet. Ich war aber auch gerne mit den Jungs zusammen und habe mit denen und meinem kleinen Bruder “Jungssachen” gemacht. Jetzt bin ich eigentlich auch immernoch damit im reinen, als Mädchen angesehen zu werden.
Ich habe aber in letzter Zeit immer wieder den Gedanken gehabt, dass ich eventuell kein “komplettes” Mädchen bin. Ich habe eigentlich kein Problem damit als Mädchen oder mit “sie” angesprochen zu werden. Ich kleide mich nicht wirklich “weiblich” und Kleider sind für mich ein absolutes No-Go. Ich habe auch schon mit dem Gedanken gespielt mir eventuell die Brüste anzubinden, da ich sie nicht wirklich mag, was ich aber sofort wieder verworfen habe, da ich sehr empfindliche Brüste habe, die schon nach zwei Stunden Sport mit Sport-BH oder einem Nachmittag mit normalem BH (aufgrund von Feierlichkeiten, wo die Brüste in Form gebracht werden müssen etc.) anfangen wehzutun. Daher kann ich diese leider Methoden leider nicht wählen und muss meine Brüste so zeigen, wie sie sind, womit ich mich sehr unwohl fühle. Ich jabe auch schon oft überlegt, wie es wäre, als Junge gesehen zu werden und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich mich eigentlich in gar keine Geschlechterrolle hineinzwängen möchte. Ich würde sagen, dass ich nicht wirkich ein Junge aber auch nicht wirklich ein Mädchen bin, ich aber fast kein Problem damit habe, als Mädchen oder Junge erkannt zu werden.

Meine Frage ist nun wieder, ob ihr mir eventuell Begriffe nennen könntet, die auf meine Beschreibung passen könnten.
Ich hoffe ich habe alles klar ausgedrückt und schonmal Danke im Voraus.
Ps.:Sorry für die langen Texte

Hallo du!

Zuerst mal zu deiner Sexualität: Wie du dich bezeichnen willst und welches Label sich für dich am besten anfühlt, bleibt alleine dir überlassen. Hier aber mal Vorschläge:

Du kannst dich auch als lesbisch bezeichnen, wenn du findest, dass die Definition nicht 100% passt. Labels sind flexibel, und sie sind dafür gedacht, den Menschen, die sie benutzen, das Leben einfacher zu machen, weil sie sich dadurch einfach beschreiben können. Wenn du das Gefühl hast, “lesbisch” beschreibt dich gut und nützt dir, dann kannst du dieses Wort auch verwenden.

Wenn es sich aber nicht passend anfühlt, dann sind andere Labels auch möglich. Leute, denen das Geschlecht ihrer Partner*innen nicht so wichtig ist und die theoretisch Anziehung zu Menschen aller Geschlechter empfinden können, bezeichnen sich oft als pansexuell. Und Menschen, die ihre Sexualität und ihre Anziehung nicht unbedingt kategorisieren können oder wollen, aber deutlich machen wollen, dass die von der (Hetero-)Norm der Gesellschaft abweicht, bezeichnen sich oft als queer. Vielleicht passt ja eins der beiden Labels besser für dich.

Im Unterschied zu “lesbisch” sagen die Begriffe “pan” und “queer” auch nichts über dein eigenes Geschlecht aus – in “lesbisch” steckt ja oft die implizierte Annahme, dass es um ein Mädchen geht, das auf Mädchen steht.

Wer eine Anziehung zu Frauen ausdrücken will, ohne dabei eine Aussage übers eigene Geschlecht zu machen, kann z.B. auch femmesexuell bzw. gynesexuell als Label verwenden.

Jetzt zu der Sache mit dem Geschlecht: Du schreibst, dass du dich nicht vollkommen als Mädchen fühlst, aber auch kein Junge bist oder sein willst. Es gibt viele Menschen, denen es so geht wie dir, und die bezeichnen sich oft als nichtbinär. “Nichtbinär” ist ein Überbegriff für ganz viele verschiedene Geschlechter, die nicht oder nicht ausschließlich männlich oder weiblich sind. Du schreibst z.B., dass du dich in gar keine Geschlechterrolle hineinzwängen lassen willst – dazu könnten z.B. die Begriffe “agender” oder “genderqueer” passen. Genderqueer sind Menschen, deren Geschlecht nicht in die gesellschaftlichen Normen passt und auch nicht passen soll, und die vor allem normative Geschlechterrollen ablehnen – also z.B. dass Mädchen Kleider tragen müssen und Jungs kein Make-up tragen dürfen, dass Mädchen nicht wissenschaftlich begabt sind und Jungs nicht gerne basteln, usw. Agender sind Menschen, die kein Geschlecht haben oder mit dem Konzept von Geschlecht nichts anfangen können. Wichtig ist dabei nicht, womit du ein Problem hast, sondern vor allem nur das, womit du dich wohl fühlst – also mit welchen Kleidern, Begriffen, Pronomen und allem, was für dich zu Geschlecht gehört. Da darfst du dich gerne einfach geben, wie du bist – du verdienst auf jeden Fall Respekt. (Und zum Thema Brüste: Es hilft oft schon, weite Kleidung zu tragen oder mehrere Schichten übereinander – z.B. ein T-Shirt, ein Hemd und einen Hoodie – um den Brustbereich etwas kaschieren zu können. Vielleicht fühlst du dich ja so wohler, ohne abbinden zu müssen. Achte einfach auf dich und deine Körpersignale.)

Ich wünsche dir alles Gute und freue mich, wenn unser Kummerkasten dir helfen kann!
Liebe Grüße,

Balthazar

Kummerkasten Antwort 216: Ich muss an drei verschiedene Menschen denken

Momentan ist es echt kompliziert, denn 3 verschiedene Personen sind in meinem Kopf und ich frage mich ständig ob das normal ist? Ich finde es etwas seltsam, denn eine davon ist mein Ex, die zweite ist jemand für den ich relativ starke Gefühle aufgebaut habe und die dritte jemand der neu dazu gekommen ist. Ist es überhaupt möglich das ich für alle etwas empfinde? Und warum eigentlich?

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Ich kann gut verstehen, dass dich das aktuell verwirrt. Es ist doch auch normal, ab und zu Expartner*innen in seinem Kopf herumspuken zu haben, immerhin sind das oft Menschen, die uns mal wichtig waren, die wir geliebt haben usw.

Es ist außerdem normal, sich in mehr als eine Person auf einmal zu verlieben. Das nennt sich Polyamorie und hier kannst du dazu mehr erfahren.

Liebe Grüße und alles Gute für dich!

Annika

Kummerkasten Antwort 216: Bin ich bisexuell?

Hallo alle zusammen!
Hier meine Frage:
Ich (biologisch weiblich) dachte immer, ich wäre hetero.
Bis ich dieses Jahr 17 wurde, war ich der festen Überzeugung dass das auch so wäre.
Dennoch passierte dann etwas.
Nach jahrelangem Reden und Treffen und gegenseitigem Support zeigen, habe ich mich in meine beste Freundin verknallt.
Ich dachte erst ich würde mich irren doch meine Vorstellungen und Träume von uns sagten mir was anderes.
Diese hat aber nun seit 5 Monaten einen festen Freund.
Ich versuche seitdem über sie hinweg zu kommen so gut es geht.
Mittlerweile habe ich aber noch bemerkt dass ich mich nicht 100% als mein Geschlecht sehe und in meinen Träumen häufig ein Mann bin, der eine feste Freundin hat.
Auch wenn ich mal weiblich in meinen Träumen bin, habe ich entweder einen Freund oder eine Freundin.
Sexuell gesehen würde für mich aktuell denke ich eher ein Mann in Frage kommen doch ich frage mich was ich nun mit diesen Gedanken anfangen soll.
Ich war weder in einer Beziehung, noch hatte ich mein erstes Mal, durch schwere psychische Schäden (Depressionen und Panikattacken sowie soziale Phobie)und Traumata (hauptsächlich Mobbing), so dass ich keine Kraft für einen Beziehungspartner hatte und hab.
Was mache ich nun?
Bin ich bisexuell?
Oder biromantisch?
Oder vielleicht etwas ganz anderes aufgrund meiner (immer noch ausstehenden) Geschlechtsidentität?
Besten Dank fürs Lesen,
Moon

Hallo Moon,

Das klingt wirklich nach einer verwirrenden und anstregenden Situation für dich!

Wie wie hier immer wieder schreiben, können wir dir nicht sagen, welche sexuelle Orientierung oder welches Geschlecht du hast. Das kannst nur du alleine wissen, und niemand darf dir da reinreden.

Es klingt aber für mich so, als solltest du dir Zeit lassen und dich nicht in ein Label zwingen. Es ist okay, wenn deine Suche eine Weile braucht – das ist völlig normal!

Es ist auch total okay, wenn sich dein Label nochmal ändert: Es kann sein, dass du übermorgen ein Label findest, das dir gefällt und dass du benutzt und in 5 Jahren findest du heraus, dass ein anderes Label doch besser passt. Das kann passieren und ist völlig normal. Menschen und Label ändern sich. Du musst nicht heute das Label finden, dass du auch mit 99 Jahren noch haben wirst. Und es ist auch okay, (jetzt gerade) kein Label zu haben: Ich kann gut nachvollziehen, dass Label nützlich sind und dass Menschen Label benutzen wollen, aber es ist auch okay, kein Label zu haben, keins zu wollen oder jetzt gerade keins zu haben.

Alles Gute für dich!

Liebe Grüße,

Annika