Queer und Sexworker sein

Für den folgenden Gastbeitrag gibt es einige Content Notes: Sexwork, Sex, Genitalien, Transfeindlichkeit, Pornos, transfeindlicher Slur, Deadnaming, Misgendern, Dysphoria, Euphoria und Masturbation.

Hi! Mein Name ist Ylvie und ich bin queer (Non-binary und pansexuell) und Sexworker. Meinen Job habe ich vor ca. drei Jahren, also mit 18, angefangen und nach einer langen Pause habe ich diese Tätigkeit wieder aufgenommen. Damals habe ich mich noch als cis und bisexuell bezeichnet, auch wenn es unangenehm war, wenn Menschen mich als Frau bezeichnet haben. Vor ein paar Monaten hatte ich dann mein Coming-Out, im privaten Bereich haben viele gut reagiert, andere eher schlecht, anderes habe ich aber auch nicht wirklich erwartet. Im Job war es jedoch ein wenig schwieriger.

Ein Photo von Ylvie, der diesen Text verfasst hat.

Größtenteils bin ich in meinem Job nicht geoutet, vorallem nicht auf den Clipseiten. Aber warum gebe ich mich als Cis aus? Aus Angst vor Anfeindungen, davor dass weniger Menschen meinen porn kaufen, weil ich keine Spoons (Spoons sind ein Symbolbild für meine Energie für einen Tag. Zum Beispiel wache ich an einem Tag mit 20, an einem andern Tag mit nur 10 Spoons, also wenig Energie, auf.) dafür habe, mich jeden Tag zu erklären. Auf meinem Twitter Account gehe ich offen damit um, queer zu sein, jedoch gibt es dort genau die Probleme, die ich fürchte – Transfeindlichkeit, ich werde ständig misgendert, Menschen lehnen es ab, meinen Content zu kaufen sobald sie erfahren, dass ich nicht cis bin. Also gebe ich auf anderen (Clip)seiten an, cis zu sein. Auch, weil es dort meist keine andere Option gibt. Höchstens FTM und MTF, das trifft aber beides nicht auf mich zu. Wie bei vielen Datingseiten ist es auch hier der Fall, dass mensch nur zwischen hetero, homo und bi auswählen kann, und da bi als Nächstes an pansexuell rankommt, gebe ich dies an (wobei dann mehr Anfragen für Content mit Frauen kommen, da ich aber nur alleine arbeite, muss ich dies immer ablehnen).

Ab und zu treffe ich mich mit Sugardaddys – auf den dafür zuständigen Seiten erwähne ich ebenso nichts von meiner Queerness, nur wenn die Personen meine privaten Datingprofile finden, erfahren sie es. Vor ein paar Wochen habe ich mich mit einem sehr netten Mann getroffen, welcher sich ebenso sofort korrigiert und entschuldigt hat, da er in der dritten Person von mir gesprochen und „sie“ anstatt „er“ verwendet hat. Dieser Mann hat eines meiner „normalen“ Datingprofile wo ich geoutet bin gefunden, und gibt sich ebenso sehr viel Mühe, die richtigen Pronomen zu nutzen. Das hat wirklich sehr gut getan, er war höflich, hat nachgefragt, welche Bezeichnung okay ist und welche nicht. Das ist leider nicht immer so. Wenn es andere nicht wissen und mich als Frau bezeichnen, sage ich nichts – schlichtweg aus Angst, dass sie das Verhältnis beenden oder gar keines beginnen wollen, dass sie mich eventuell auf der Seite melden, weil ich das falsche Geschlecht angegeben habe und somit „Männer hinters Licht führe“, wie es mir mal gesagt wurde.

Auch bekomme ich, besonders auf twitter, Nachrichten ob ich denn „noch“ einen Penis habe, ich werde als Tr*nny und Sh*m*le bezeichnet, fetischisiert, weil Menschen denken, ich sei eine trans Frau. Manchmal reicht es mir auch, wenn ich 10 mal am Tag misgendert werde, wenn 10 Mal am Tag Menschen meinen Deadname sehen, weil sie mir etwas per Paypal schicken. Dann muss ich mich stoppen, runterfahren, höflich bleiben, was mir nicht immer gelingt (dann trifft es aber die richtigen Personen, die sowieso nichts erwerben wollten).

Mein Job macht mir sehr viel Spaß, auch wenn es mich unglaublich viel Energie (und Nerven) kostet. Ich habe in den letzten Monaten viel lernen können, auch über meinen eigenen Körper. Ein Privileg was ich habe, abgesehen von meinem Weißsein, ist es, dass ich kaum Dysphoria habe. Es kommt selten vor, Euphoria taucht eher auf (und Körperschemastörung, was aber ein anderes Thema ist). Von daher ist es zu 80% der Zeit relativ einfach, Porn zu drehen. Ich habe keine Probleme damit, meine Genitalien zu sehen und zu fühlen, im Gegenteil, ich habe gelernt ihn zu lieben, durch Porn.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Sexwork mir geholfen hat und immer noch hilft. Jedoch ist dies nicht für jede Person, bzw. nicht jede Person ist dafür geschaffen, aber ich habe keine Entscheidungskraft darüber. Das muss jeder Mensch, welcher im legalen Alter ist, für sich selbst herausfinden, experimentieren, dabei aber auf sich und seine Bedürfnisse achten.

Einfach reingeschlittert

Im Internet gibt es nur wenig Berichte darüber, wie es ist, polyamourös zu sein. Wir haben also Menschen gefragt, ob sie uns ihre Coming Out-Geschichte erzählen wollen. Der heutige Text kommt von Lilly. Wenn du auch deine Geschichte erzählen willst, schreib uns an blog@queer-lexikon.net oder benutze unsere anonyme Askbox

Wie in so vieles in meinem Leben bin ich da einfach so reingeschlittert.

Ich befand mich mit meinem (mono)-Partner in einer ewiglangen Beziehung. Während ich immer wieder auszubrechen versuchte, Auslandsaufenthalte absolvierte, in Szene-Kneipen rumhing, mich tätowieren ließ, war für ihn klar: Er will ein Haus, Kinder, heiraten. Dass ich mich ausprobieren wollte, sprunghaft Hobbies wechselte und gelangweilt von seinen ewigen Spieleabenden war, nahm er großmütig hin und hielt weiter aus.

Ich lernte Hannah kennen. Hannah war in einer Beziehung mit einem nonbinary-Partner und polyamor. Sie zeigte mir, wie gut es funktionieren kann, mehrere romantische Beziehungen zu führen, wie harmonisch alle miteinander umgehen konnten. Ich traf Hannah immer häufiger und verliebte mich in sie.
Nach zahlreichen Gesprächen mit meinem Freund war klar, dass er sich auf das “Experiment poly” nicht einlassen wollte. Für ihn war es eine Phase, wie eben so vieles, was ich damals getan habe. Dass ich sein Lebenskonzept irgendwann teilen wollen würde, war in seinen Augen nur eine Frage der Zeit. Ich wusste: Ich passe nicht in sein Leben. Ich will das nicht, worauf er hinlebt, ich fühlte mich eingesperrt. Ich beendete die Beziehung und kam fest mit Hannah zusammen. Es war auf so vielen Ebenen neu, anders, fast erleuchtend – der Umgang aller beteiligten Personen war immer respektvoll, liebevoll. Es gab Szenen, in denen wir zu fünft händchenhaltend jede/r/s mit entsprechendem Partner die Straße runterliefen.
Nach einiger Zeit beendete Hannah auch die Beziehung mit mir. Sie war überzeugt, dass ich auch in das Konzept Polyamorie nicht passen würde, war überfordert damit, mich, die ich immer nur in sehr langen monogamen Beziehungen gelebt hatte, in ihre Art zu Lieben einzuführen.

Und hier bin ich jetzt, habe zwei wunderbare Beziehungen, lebe polyamor, kenne an meinem Wohnort diverse “Polys”, gehe monatlich zu einem Stammtisch und liebe die Entscheidung, die ich damals getroffen habe. Innerhalb kürzester Zeit habe ich mehr über mich und meine Bedürfnisse, über romantische Liebe und Kommunikation gelernt, als ich mir jemals erhofft habe. Klar, es gab fürchterliche Phasen – ich habe geweint, geflucht, gelitten, und vor allem: gezweifelt!
Aber endlich, endlich, endlich bin ich angekommen und fühle mich wohl mit den Menschen, mit denen ich mich umgebe. Ich bin nach langer Zeit wieder glücklich und zufrieden – besonders mit mir selbst.

Geoutet bin ich bisher bei nur sehr wenigen Menschen – bis auf eine Ausnahme ist auch für sie meine Polyamorie nur eine “Phase”. Sie denken, ich verwende das Label als Freifahrtschein zum Fremdgehen – wenn ich erzähle, dass all meine Beziehungspartner voneinander wissen, sind sie überrascht. Vermutlich habe ich den Nachteil, generell als jemand bekannt zu sein, der viel ausprobiert und sich selbst verwirklichen möchte. Trotzdem wünsche ich mir, dass Polyamorie gesellschaftliche Akzeptanz findet. Denn das ist nicht nur eine Phase – für mich ist es ein Sich-endlich-Finden, ein Ankommen in sich selbst. Und ich möchte nicht mehr zurück.

Mein Polyam-Coming-In/-Out „Es kommt immer darauf an, wer fragt.“

Im Internet gibt es nur wenig Berichte darüber, wie es ist, polyamourös zu sein. Wir haben also Menschen gefragt, ob sie uns ihre Coming Out-Geschichte erzählen wollen. Die Geschichte heute wurde uns anonym zugesandt. Wenn du auch deine Geschichte erzählen willst, schreib uns an blog@queer-lexikon.net oder benutze unsere anonyme Askbox

Ich gehöre zu den Menschen, die erst spät Sex hatten, also das was herkömmlich unter Penetration verstanden wird. Passiert ist das bei einem sehr klischeehaften Filmdate und während mein Gegenüber vermutlich an einen irgendwie gemütlichen Abend und Abwechslung dachte, war das für mich schon irgendwie ein einschneidendes Erlebnis… Tage später trafen wir uns dann noch mal zum Reden und neben all der Scham, waren wir uns einig: das könnten wir alles so wieder tun und uns regelmäßig Treffen, um Spaß zu haben. Doch, eine Beziehung wird’s nicht, schließlich gäbe es noch jemanden in seinem Leben. Und mit der Person würde er sich ebenfalls regelmäßig zum Sex treffen. Das war für mich okay. Und auch, wenn es hier um offensichtlich lockere Affären ging, war der Grundstein Polyamorie für mich dort gelegt, ohne dass ich das Wort kannte.

Ich geriet letztlich noch eine ganze Weile an Typen, die was Lockeres haben wollten und parallel mehrgleisig fuhren.

Unverbindlichkeit ist heute bei vielen Menschen an der Tagesordnung und im strengsten Sinne und per Definition ist das sicherlich auch keine Polyamorie, mehrgleisige und ständig (ab-)wechselnde Sex-Partner*innen zu haben. Doch für mich gab es nie so etwas wie Eifersucht. Ich wollte immer nur die Wahrheit wissen und habe auch selbst mit offenen Karten gespielt, zu Zeiten, als ich ebenfalls mehrgleisig gefahren bin.

Wichtig waren mir damals wie heute: Alle Menschen verhüten bitte sinnvoll und sollte mal etwas passiert sein, werden alle Sex-Partner*innen gleichermaßen informiert.

Ich hatte eine ziemlich wilde Phase, nachdem ich also das erste Mal Sex hatte und habe alles ausprobiert, worauf ich Lust hatte: Swingerclubs, Sex zu dritt und mehreren und bin so letztendlich auch zu BDSM gekommen, weil ich viel ausprobieren wollte, neugierig war und glaubte eine Freiheit zu genießen, die ich vermutlich in einer festen Partnerschaft nicht haben könnte.

Im BDSM-Kontext habe ich meinen inzwischen langjährigen Partner kennengelernt. Auch er kam nicht nur aus der BDSM-Szene, sondern auch der Polyamorie-Szene und hatte in seiner letzten Beziehung mit 2 Beziehungspartner*innen und 1 Kind zusammen in einer gemeinsamen Wohnung gelebt.

Nun hatte ich nach ein paar Jahren selbst Ausleben der sexuellen Freiheit auch gemerkt: nicht festlegen wollen und müssen ist anstrengend und hat auch eine Kehrseite: die fehlende Verbindlichkeit.

Als ich meinen jetzigen Beziehungspartner kennenlernte, war mir also genau diese Verbindlichkeit inzwischen wichtig geworden. Und wir haben viel darüber gesprochen, dass wir beide sehr klar polyam sind, und die Werte, die hinter einer polyamen Beziehung stehen, beide sehr stark befürworten: es gibt keinen Besitzanspruch an Menschen (auch nicht an Kinder), es ist Liebe für alle da und Eifersucht ist nur ein Zweitgefühl. Denn dahinter steckt immer noch etwas ganz anderes. Meistens so etwas wie Verlustängste. Und die haben Ursachen, sei es in eigener schlechter Erfahrung oder durch etwas Ausgelöstes durch das Gegenüber und da hilft nur eins: miteinander reden. Und das ist das Wichtigste in jeder Beziehung: Kommunikation. Das hat nichts mit dem Konstrukt einer Beziehung zu tun, sondern mit eigenem Empfinden und Bedürfnissen.

So redeten wir also über unsere Beziehungswerte und waren uns auch hierüber sehr schnell einig: in einer polyamen Beziehung halbiert man in der Regel nicht die Verantwortung, sondern verdoppelt sie. Stimmt etwas im Beziehungskonstrukt nicht, gilt es eben mit allen Beteiligten zu reden.

Mir wurden durch diese wichtigen Gespräche auch klar: nicht alle Affären, die meinen Weg begleitet hatten, waren wirklich polyam. Denn nicht immer wussten alle Beteiligten voneinander Bescheid. Und das ist eben keine Polyamorie, sondern das, was klassischerweise unter Fremdgehen verstanden wird. Der Unterschied ist: der Konsens. In einem polyamen Beziehungsgeflecht wissen zumindest alle Beteiligten darüber Bescheid, dass es noch andere Beziehungspartner*innen gibt. Wie detailliert das dann sein muss, entscheidet natürlich jede*r für sich.

Inzwischen bin ich fast sieben Jahre mit meinem Partner zusammen. Wir teilen deutlich mehr als unser Verständnis und unsere Wertvorstellungen zu Polyamorie. Lustigerweise aber keine weiteren Partner*innen und aus unserer beiden polyamen Vergangenheit ist so etwas wie eine monogame Beziehung geworden. Ein ziemlich ungewöhnlicher Weg, denn meistens ist es umgekehrt.

Nichts desto trotz haben wir beide immer die Gewissheit sagen zu können, wenn wir andere Menschen attraktiv finden, ohne, dass das irgendwelche Probleme gibt. Eifersucht ist wirklich kein Thema bei uns. Ganz im Gegenteil, mein Partner musste in Gesprächen schon oft erklären, dass und warum er das Gefühl von Eifersucht einfach nicht kennt. Und was dahinter steckt.

Wir hatten schon zusammen Sex mit anderen, vielleicht ist es also eher auch eine manchmal offene Beziehung. Aber das weiß kaum jemand aus unserem Freundeskreis. Manchmal sprechen wir zwar mit anderen Menschen auf Veranstaltungen über das Thema Polyamorie, aber geoutet sind wir offiziell nicht in unserem kompletten Freundeskreis. Natürlich weiß der polyamore Kreis über unsere Vergangenheit Bescheid, da wir aber aktiv nicht mehr auf Polyamorie-Veranstaltungen unterwegs sind, ist das Interesse früherer Freund*innen an unserem Privatleben auch signifikant gesunken – scheinbar sind wir ja nicht mehr verfügbar als potenzielle Sex-Partner*innen.

Auf einer sexpositiven Veranstaltungen mit vielen fremden Menschen, die wir bis dato nicht kannten, sind wir mal gefragt worden, ob wir polyam seien und das ist die Standardantwort geworden, die ich nun auf so eine private Frage immer gebe:

„Es kommt immer darauf an, wer fragt.“

Und, auch, wenn das eine eher lustige Antwort war, weil klar war, worauf die Frage eigentlich abzielte (nach Chancen mit einer/m von uns beiden Sex zu haben), gilt genau das: wir brauchen kein großflächiges Coming-Out für uns, aber wenn jemand mehr über polyamores Leben wissen möchte, erzählen wir gerne darüber – je nach Anlass, Fragesteller*in und Gegebenheit.

Bis(s) zum Coming In

Im Internet gibt es nur wenig Berichte darüber, wie es ist, polyamourös zu sein. Wir haben also Menschen gefragt, ob sie uns ihre Coming Out-Geschichte erzählen wollen. Den Anfang macht heute tx. Wenn du auch deine Geschichte erzählen willst, schreib uns an blog@queer-lexikon.net oder benutze unsere anonyme Askbox

 

Alles begann etwa 2006 oder 2007. Mittelstufe, ich bin etwa 12/13 Jahre alt. Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen ist gerade auf deutsch erschienen und wie viele in meinem Alter lese ich das Buch, verschlinge es in ein paar wenigen Tagen und will danach wissen wie es weiter geht. Der Nachfolger lässt nicht zu lange auf sich warten und bringt mit sich eine viel tiefer gehende Storyline als der erste Band. (*Spoilerwarnung!*) Ab hier beginnt langsam mein Coming-in. Bella verbringt mehr Zeit mit Jacob und ich bange mit der Geschichte um eine Beziehung zwischen den Beiden und werde am Ende von Band 2 doch etwas enttäuscht. Ich mache mir Gedanken um diese “Dreickecksbeziehung” oder wie auch immer andere es nennen mögen, und stelle fest, dass ich mir durchaus vorstellen kann, dass Bella Gefühle für beide hat. Bei mir selbst realisiere ich das jedoch noch nicht. Vermutlich, weil ich sowohl in einen Jungen als auch ein Mädchen verliebt bin. Queer- und speziell Schwulen-, Lesben- und Bifeindlichkeit ist in meinem Umfeld sehr verbreitet und sitzt bei mir damals noch tief. Ich rede mir ein, dass die Gefühle für das Mädchen nur “Beste-Freunde-Gefühle” sind.

 

Ein Jahr später erscheint nun also Band 3 und ich verschlinge ihn in kürzester Zeit. Zu diesem Zeitpunkt bin ich ganz klar Team Jacob und ich frage mich gegen Ende des Buchs immer mehr, warum sie nicht einfach mit Beiden zusammen sein kann?! – Diesen Gedanken nehme ich die nächsten Jahre mit und immer mal wieder muss ich daran denken. Ich merke an ein paar Stellen, dass ich in mehr als eine Person verliebt bin, schiebe das aber auf “Hormone” und “Pubertät”. Als ich fast 18 bin, bin ich dann das erste Mal in einer ernsteren Beziehung welche etwa 2 Jahre bestehen bleibt jedoch unter Anderen daran kaputt geht, dass ich auch für andere Menschen Gefühle habe. Ganz klar war mir das aber damals noch nicht.

(CN Fremdgehen) Ich bin in diesen 2 Jahren, etwa in der Mitte dieser Zeit, auf einer Party. Wir schauen Filme, Reden, spielen Brettspiele. Am nächsten Morgen dann sind mein bester Freund und ich alleine wach und reden, unter anderem auch über Gefühle und so. Und wir küssen uns und sind uns einig, dass das schon vor langer Zeit hätte passieren sollen.

Jetzt ist da aber ein Dilemma für mich. Ich habe sehr eindeutig starke Gefühle für zwei Menschen gleichzeitig. Da ich aber in einer (monogamen) Beziehung bin, unterdrücke ich die Gefühle für meinen besten Freund wieder.

 

Ein paar Jahre vergehen, neue Beziehung, mein Coming Out als trans und nicht-binär sowie pan und ace. Und dann plötzlich bin ich wieder über beide Ohren in jemanden verliebt. Nur diesesmal hab ich schon von Polyamorie gehört (danke Twitter!) und erkenne, dass ich wohl polyamor sein könnte. Endlich! Mein Coming-in! – Kurz darauf spreche ich mit meiner Partnerin und wir beschließen es zu versuchen. Mittlerweile lebe ich offen polyamor, bin mal in mehr, mal in weniger Beziehungen aber ein Gedanke bleibt: Warum kann Bella nicht einfach mit Beiden zusammen sein?!?!

~tx

 

 

Enby Q&A 41

Willkommen zur zweiten “Staffel” Enby Q&A. Wir veröffentlichen hier jeden Mittwoch eine Frage und Antwort (“Q&A”) zu Nicht-Binären (“Enby”) Geschlechtern. Unser_e Gastautor_in ist Sasha. Es ist nichtbinär, das bedeutet, dass es weder männlich noch weiblich ist. Zu diesem Thema erreichen es immer wieder Fragen, die wir hier mitsamt den Antworten veröffentlichen dürfen. Sasha betreibt außerdem die Webseite https://geschlechtsneutral.wordpress.com

 

Wie wusstest du, dass dein Geschlecht neutrois ist? Also im Gegensatz zu maverique, agender etc. Woran hast du das festgemacht? Warst du dir von anfang an sicher, oder hast du dich auch mal anders identifiziert?

Du musst bedenken, das war vor 10 Jahren, da gab’s maverique noch nicht ^^

Damals dachte ich ja lange Zeit, dass ich binär trans bin. Erst so mit Anfang 20 verstand ich, dass das nicht zutrifft. Und dann brauchte es nochmal einige Zeit, bis ich verstand, dass ich nicht “kaputt” bin, sondern einfach nichtbinär, und dass es andere wie mich gibt.

Die ersten Begriffe und Identitäten auf die ich stiess, waren dann “nichtbinär”, “agender”, “neutrois”, “androgyn” und “genderfluid”.
Und von denen war klar: Mein Geschlecht ändert sich nicht, es ist aber auch nicht “nichts” und nicht “beides”, und ich wollte endlich ein positives Wort.
Also war die Lösung: neutrois.

In der Zwischenzeit lernte ich viele neue Labels kennen. Aber ich blieb bei neutrois. Warum?
2015 formulierte ich es so: “Mein Geschlecht ist eindeutig. Das Label dafür aber nicht unbedingt. Neutrois, agender, maverique, aporagender, genderqueer, nichtbinär……?”

Das was zur Existenz der Labels maverique und aporagender führte, nämlich das Bedürfnis, ein Label zu haben das auf alle Arten von “weiblich” und “männlich” losgelöst ist, trifft mein Gefühl ziemlich gut. Und dass neutrois oft gleichbedeutend mit agender als “null-gender” verwendet wird, nervt mich zuweilen. Andererseits könnte ich auch nicht sagen, wo ich den Unterschied zwischen neutrois und agender genau spüre, ob ich eigentlich wirklich ein Geschlecht habe, und hä?

Es geht also nur darum, das was ich spüre in möglichst passende Wörter zu fassen. Und bisher habe ich kein Wort gefunden, das in allen Belangen besser ist als neutrois. Ich mag dass es kurz ist, dass die Wortherkunft eingängig ist, und dass die üblichen Definitionen genau genug treffen was ich empfinde. Möglicherweise träfe “aporagender” NOCH besser was ich empfinde, aber das ist auf einem so detaillierten Level, dass ich es aktuell nicht als nötig empfinde, mein Label zu wechseln.

Wer weiss, vielleicht ändert sich das irgendwann ^^

 

 

 

Enby Q&A 40

Willkommen zur zweiten “Staffel” Enby Q&A. Wir veröffentlichen hier jeden Mittwoch eine Frage und Antwort (“Q&A”) zu Nicht-Binären (“Enby”) Geschlechtern. Unser_e Gastautor_in ist Sasha. Es ist nichtbinär, das bedeutet, dass es weder männlich noch weiblich ist. Zu diesem Thema erreichen es immer wieder Fragen, die wir hier mitsamt den Antworten veröffentlichen dürfen. Sasha betreibt außerdem die Webseite https://geschlechtsneutral.wordpress.com

War deine Entscheidung zum Pronomen Es ein langer Weg, oder konntest du dich schnell dafür entschließen?
Ich selbst bin nichtbinär und möchte Es eigentlich nicht verwenden, merke aber gerade, dass ohne Pronomen auskommen für viele Gesprächspartner echt schwer ist.

 

Jein, ich habe lange versucht mit binären Pronomen auszukommen. Aber sobald mir klar wurde, dass ich wirklich wirklich nicht binärgeschlechtlich bin, und es dafür Wörter gibt, habe ich umgestellt. Und dann war für mich irgendwie klar, es gibt 3 Pronomen, 2 davon gehn nicht, also nehm ich das dritte.
Dass es noch andere Optionen gibt, war da irgendwie noch nicht so bekannt. Ich glaube ich kannte nur “xier”, und das fand ich für mich unpassend und mühsam zu erklären. Den Gedanken, einfach gar kein Pronomen zu verwenen, hatte ich erst viel viel später.

Enby Q&A 39

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Kann ich was fragen zu meinem Dyacis-Sein? Ich hab ein Passing als dya-cis Frau. aber seit kleines Kind spüre ich Geschlechtsdysphorie. Seit paar Jahren bezeichne ich mich als Enby, das passt zu mir. Eine Transition kommt aus vielen Gründen nicht in Frage. Ich leide aber hart darunter dya-cis Frau zu sein müssen (so zu tun als wäre ich das vor der Familie)… hab ich aber trotzdem cis Privilegien? Fühlen sich nicht an wie Privilegien, wenn ich mich erdrückt fühle..aber ich weiß, dass ich zum Beispiel nicht so angestarrt werde als sei ich ein “Monster” oder so, weil ich oft (nicht immer) “eindeutig” zu “identifizieren” bin als cis.

Nein.

Du bist nicht cis, du hast also keine cis Privilegien.

Du bist nichtbinär, dadurch erlebst du trans-spezifische und nichtbinär-spezifische Diskriminierung. Zum Beispiel, dass du dein Geschlecht verstecken musst, oder dass du nicht die Möglichkeit hast, auf etablierte Stereotypen zurückzugreifen, um dein Geschlecht erkennbar zu machen, oder dass die meisten Menschen nicht mal wissen/glauben dass dein Geschlecht existiert.

Du wirst als Frau gelesen, dadurch erlebst du misogyne Diskriminierung. Das bedeutet NICHT, dass du eine Frau bist, sondern dass du Nachteile abkriegst, die auf Frauenfeindlichkeit beruhen.

Du hast cis-passing Privilegien. Das macht, dass du spezifische Diskriminierung nicht erlebst, die sich darauf beziehen, als trans/nichtbinär erkannt zu werden. Die Vorteile, die du dadurch hast, hast du ja schon aufgezählt.

Die machen die Nachteile vom trans und nichtbinär sein allerdings nicht wett. Die Vorteile und Nachteile existieren nebeneinander. Du hast gegenüber manchen Menschen bestimmte Vorteile, und gegenüber manchen Menschen bestimmte Nachteile.
Dass du unter den Nachteilen leidest, ändert sich ja nicht dadurch, dass andere Leute zusätzlich unter ANDEREN Nachteilen leiden.

Privilegien machen nämlich nicht, dass du dich besser fühlst. Schön wärs. Privilegien machen nur, dass du bestimmte Nachteile nicht hast. Aber du kannst dir ja nicht sagen “hey, fühl dich gut, dir könnt’s NOCH schlechter gehn!” Also, kannst du schon, aber so funktionieren Gehirne in der Regel nicht.

Also: Deine Dysphorie ist valide, deine miesen Gefühle weil du dich verstecken musst sind valide.
Die miesen Gefühle von Leuten, die die Möglichkeit zu cis Passing nicht haben, sind ebenfalls valide.
Das hebt sich nicht gegenseitig auf.

 

Enby Q&A 38

Willkommen zur zweiten “Staffel” Enby Q&A. Wir veröffentlichen hier jeden Mittwoch eine Frage und Antwort (“Q&A”) zu Nicht-Binären (“Enby”) Geschlechtern. Unser_e Gastautor_in ist Sasha. Es ist nichtbinär, das bedeutet, dass es weder männlich noch weiblich ist. Zu diesem Thema erreichen es immer wieder Fragen, die wir hier mitsamt den Antworten veröffentlichen dürfen. Sasha betreibt außerdem die Webseite https://geschlechtsneutral.wordpress.com

 

Weißt du einen neutralen Begriff für Bruder/Schwester? „Geschwisterkind“ kommt nicht infrage. Ich weiche meistens auf „wir sind Geschwister“ oder „ich bin [Name]s Bruder“ aus, aber sagen zu können „xier ist mein [Wort für Bruder/Schwester]“ wäre toll.

“Geschwister” lässt sich auch für eine einzelne Person benutzen. Also: “Das ist Alex, xier ist mein Geschwister.”
Ansonsten hab ich auch schon gehört, dass Leute auf Deutsch einfach das englische Wort benutzen: “Alex ist mein Sibling”.

Hier gibt’s noch mehr Ideen: https://nibi.space/nichtbin%C3%A4re_w%C3%B6rter#geschwister

 

Am besten fragst du aber die betreffende Person selbst! Denn viele nichtbinäre Menschen haben eindeutige Präferenzen für die Begriffe mit denen sie bezeichnet werden, und viele mögen gar nicht unbedingt geschlechtsneutrale Wörter für sich.

Enby Q&A 37

Willkommen zur zweiten “Staffel” Enby Q&A. Wir veröffentlichen hier jeden Mittwoch eine Frage und Antwort (“Q&A”) zu Nicht-Binären (“Enby”) Geschlechtern. Unser_e Gastautor_in ist Sasha. Es ist nichtbinär, das bedeutet, dass es weder männlich noch weiblich ist. Zu diesem Thema erreichen es immer wieder Fragen, die wir hier mitsamt den Antworten veröffentlichen dürfen. Sasha betreibt außerdem die Webseite https://geschlechtsneutral.wordpress.com

 

Was ist für dich das most nonbinary-associated Pokémon? Ich will mir was auf den Schreibtisch stellen.

Driftlon!

  • es hat die Farben der Nichtbinär Pride Flagge
  • es hat die geschlechtsneutrale neo-Endung „lon“
  • es trägt einen Gender*Gap auf dem Körper!

Driftlon wird auch „Wegweiser für umherstreifende Geister“ genannt, was eindeutig auf Leute hinweist die zwischen den binären Geschlechtern „umherstreifen“ weil beide nicht so richtig für sie passen, und die dann in Nichtbinarität ihren Weg finden!

Enby Q&A 36

Willkommen zur zweiten “Staffel” Enby Q&A. Wir veröffentlichen hier jeden Mittwoch eine Frage und Antwort (“Q&A”) zu Nicht-Binären (“Enby”) Geschlechtern. Unser_e Gastautor_in ist Sasha. Es ist nichtbinär, das bedeutet, dass es weder männlich noch weiblich ist. Zu diesem Thema erreichen es immer wieder Fragen, die wir hier mitsamt den Antworten veröffentlichen dürfen. Sasha betreibt außerdem die Webseite https://geschlechtsneutral.wordpress.com

Ich bin weder männlich noch weiblich, möchte aber von anderen nicht als nicht-binär kategorisiert werden, weil ich das Gefühl habe, dass das eine Konnotation hat, die nicht zu mir passt. Ist mein Gender valide (Wahrscheinlich schon), wenn ich mich weder männlich, noch weiblich, noch nicht-binär sehe und gibt es noch mehr Leute die damit ein Problem haben in eine von 3 Kategorien gesteckt zu werden?

Ja auf jeden Fall! ^^

Bisher kenne ich es zB speziell von manchen agender und genderfluiden Leuten, dass sie sich von „nichtbinär“ nicht mitgemeint fühlen. Aber natürlich ist das auch für alle anderen Menschen okay, egal ob sie ein anderes Label benutzen oder nicht.

Für manche hängt es sogar nur an wenigen Details, manche sind mit „abinär“ ok aber mit „nichtbinär“ nicht, manche mit „nichtbinär“ aber nicht mit „nonbinary“, usw. Und es ist natürlich auch völlig ok, unabhängig von der genauen Bezeichnung die Kategorien für sich abzulehnen.