Enby Q&A 23

Willkommen zur zweiten “Staffel” Enby Q&A. Wir veröffentlichen hier jeden Mittwoch eine Frage und Antwort (“Q&A”) zu Nicht-Binären (“Enby”) Geschlechtern. Unser_e Gastautor_in ist Sasha. Es ist nichtbinär, das bedeutet, dass es weder männlich noch weiblich ist. Zu diesem Thema erreichen es immer wieder Fragen, die wir hier mitsamt den Antworten veröffentlichen dürfen. Sasha betreibt außerdem die Webseite https://geschlechtsneutral.wordpress.com

Siehst du dich selbst als trans an oder “nur” als nicht-binär?

Das schliesst sich nicht gegenseitig aus 🙂

Denn “trans” kann bedeuten “ein anderes Geschlecht als bei der Geburt zugewiesen wurde”.

Und “nichtbinär” kann bedeuten “das Geschlecht ist weder (nur/immer) weiblich noch (nur/immer) männlich”.

Ich dachte früher, dass trans sein nur binär geht. Dass alle trans Menschen eindeutig weiblich oder eindeutig männlich sind. Aber das ist Quatsch.

Ich bin trans und nichtbinär. Mein Geschlecht ist neutrois, also weder weiblich noch männlich, also nichtbinär. Und das ist ganz offensichtlich nicht das Geschlecht das mir bei der Geburt zugewiesen wurde, also bin ich trans.

Disclaimer: Nicht alle nichtbinären Menschen definieren sich als trans!

Enby Q&A 22

Willkommen zur zweiten “Staffel” Enby Q&A. Wir veröffentlichen hier jeden Mittwoch eine Frage und Antwort (“Q&A”) zu Nicht-Binären (“Enby”) Geschlechtern. Unser_e Gastautor_in ist Sasha. Es ist nichtbinär, das bedeutet, dass es weder männlich noch weiblich ist. Zu diesem Thema erreichen es immer wieder Fragen, die wir hier mitsamt den Antworten veröffentlichen dürfen. Sasha betreibt außerdem die Webseite https://geschlechtsneutral.wordpress.com

 

Ich bin nonbinary transfeminine und AMAB. Was meine Genitalien anbelangt bin ich mir immer mehr sicher, dass ich weder mit meinem Penis zufrieden bin, noch eine Vagina möchte.
Gibt es auch eine GaOP, welche zB kein binäres Genital (mir fällt kein besserer Begriff ein) ‘erzeugt’, sondern eine Zwischenstufe wie bei intersexuellen Menschen? Ich hab leider kaum was dazu gefunden.
((Denn falls nicht, dann wäre eine Vagina das kleinere Übel für mich und dann könnte ich bei meiner kommenden HRT das Östrogen stärker dosieren.))

Okay, lass uns erstmal kurz ein paar Begriffe und Konzepte klären:

Intergeschlechtlichkeit kann sich auf Hormone, Chromosomen, innere Organe und den Intimbereich beziehen. Viele intergeschlechtliche Menschen haben also einen völlig unauffälligen Intimbereich wie im Lehrbuch.

WENN sich die Intergeschlechtlichkeit auf den Intimbereich auswirkt, dann kann sie das auf viele verschiedene Arten. Zum Beispiel indem ein Penis UND eine Vagina entsteht.

Generell ist es für intergeschlechtliche Menschen in unserer Gesellschaft eher uncool, wenn ihr Intimbereich nicht den gängigen Erwartungen entspricht. Sie haben mit Zwangs-Operationen, Ausgrenzung, Pathologisierung u.v.m zu kämpfen. Darum ist es ein bisschen problematisch, sich einen Intimbereich “wie bei intersexuellen Menschen” zu wünschen.

Nachdem das gesagt ist:
Es ist völlig valide, dass du weder einen Penis noch eine Vagina haben möchtest!
Das ist dein Körper!
Wie wir uns das Idealbild von unserem Körper vorstellen, ist sehr individuell und richtet sich nicht unbedingt nach dem Ideal aus dem Lehrbuch.

Wenn du also darüber nachdenkst, wie dein Intimbereich aussehen soll, dann am besten konkret so wie es sein soll. Nicht mit vagen Konzepten wie “Zwischenstufe wie bei intersexuellen Menschen”.
Sag konkret was du haben möchtest und wie es aussehen soll!

Und da kommen wir zum nächsten Set von Begriffen.

Vagina und Vulva werden oft verwechselt. Vagina ist der Teil innen im Körper, quasi ein Schlauch. Vulva ist der Teil aussen am Körper, der meist aus Klitoris sowie kleinen und grossen Schamlippen besteht.
Ein Penis ist quasi eine verlängerte Klitoris, und meistens führt die Harnröhre längs hindurch. Wenn ein Penis da ist, wird oft auch ein Hodensack mit Hoden erwartet.

Jetzt stellt sich die Frage, was davon genau du möchtest.
Ich weiss zum Beispiel, dass es möglich ist, Penis und Hoden zu entfernen und eine Vulva (Klitoris und Schamlippen) zu konstruieren, ohne auch eine Vagina (den Schlauch nach innen) zu konstruieren. Entspricht das dem, was du möchtest?

Generell besprichst du ohnehin vor der GaOP mit der operierenden Person, was gemacht werden soll. Im Vorgespräch oder in der Anmeldung dazu ist der richtige Zeitpunkt, um konkret zu erzählen was für ein Resultat du dir wünschst, und zu fragen ob die operierende Person sich zutraut, das herzustellen.

Die andere Frage ist, ob die Krankenkasse das zahlt. Wenn es stark vom Schema F abweicht, da kann es sein dass du mehr Energie und Zeit investieren musst, um das durchzukriegen.

Enby Q&A 21

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Gibt es für das Wort “Partner”, sowohl im Sinne von Ehepartner als auch Geschäftsparter etc. eigentlich ein genderneutrales Wort? Partner ist ja männlich und Partnerin weiblich.

Du kannst so ziemlich jedes Wort entgendern indem du mit Gender Gap, Gendersternchen oder Gender-Apostroph arbeitest.

In diesem Fall würdest du also “Partner_in” oder “Partner*in” oder „Parter’in“ sagen.

Den Gap/Apostroph kannst du einfach als kleines Päuschen sprechen. “Lehrer_innen” spricht sich wie “die Schüler stehen aussen, die Lehrer innen”. Das * wird oft als “Stern” oder “Sternchen” ausgesprochen, “Partner*in” wird dann zu “Partnersternin”.
Manche sprechen das _ oder * auch als Klicklaut oder als Zungenschnalzen.

In meinem Umfeld wird oft von “Partnerperson” gesprochen.
Ich persönlich mag das nicht so, weil es immer noch ein Maskulinum als Basis hat, aber vielleicht gefällt es dir ja.

Und dann gibt es natürlich noch jede Menge alternativer Begriffe. Im juristischen Kontext kannst du manchmal von “Partei” sprechen. Im finanziellen Kontext von “Teilhabenden” oder “Mitinhabenden”. Und so weiter.

Für explizit neutrale Wörter über die sich nichtbinäre Menschen Gedanken gemacht haben, ist das Nichtbinär-Wiki immer eine gute Anlaufstelle: https://nibi.space/nichtbin%C3%A4re_w%C3%B6rter#partner_innen

 

Enby Q&A 20

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Kann es bei nichtbinären Menschen auch zu Dysphorie kommen? Oder ist das für “betroffene” idr kein Problem?

(Achtung Beispiele!)

Doch, kann’s definitiv. Dysphorie ist eine sehr individuelle Sache, die nicht direkt vom Geschlecht abhängt.

Erstmal ist Dysphorie ja einfach ein negatives Gefühl, das Gegenteil von Euphorie.
Wie stark es ist, und wie lange es anhält, ist unterschiedlich. Das kann kurzzeitiges Unwohlsein bedeuten, aber auch stundenlange Niedergeschlagenheit oder jahrelange Depressionen bis hin zu Suizidabsichten.

Im trans Kontext ist mit Dysphorie meistens Geschlechtsdysphorie gemeint. Oft sogar spezifisch körperliche Geschlechtsdysphorie.

Geschlechtsdysphorie entsteht dann, wenn etwas was zu einer Person gehört oder ihr zugewiesen wird, was nicht zu ihrer Geschlechtsidentität passt.

Körperliche Geschlechtsdysphorie bezieht sich auf körperliche Merkmale, beispielsweise Haarwuchs, Stimme, Intimorgane.
Aber auch alles andere was in unserer Gesellschaft mit Geschlecht assoziiert wird, kann betroffen sein, beispielsweise Pronomen, Namen, Anrede, Kleidung, getrennte Toiletten, und so weiter.

Welche Dinge Dysphorie auslösen, wann und wie stark, ist individuell von Person zu Person unterschiedlich.

Dysphorie kann also heissen, dass ich zehn Minuten schlecht drauf bin weil mir in der Bäckerei an der Kasse ein falsches Geschlecht zugewiesen wurde. Es kann mir aber auch den kompletten Tag versauen.

Dysphorie kann heissen, dass ich mich tagelang vor dem Duschen drücke, obwohl ich mich schon eklig dreckig fühle, weil ich mich nicht mit meinem sich falsch anfühlenden Körper beschäftigen müssen möchte.

Körperliche Dysphorie kann auch bedeuten, dass ich mit bestimmten Teilen meines Körpers super klar komme und sie schön finde, aber andere Teile furchtbar und nicht zu mir passend empfinde – obwohl beide mit dem gleichen für mich falschen Geschlecht assoziiert werden.

Viele trans Leute berichten auch, dass ihnen gar nicht klar war, dass sie dysphorisch waren, weil es ihnen einfach subtil schlecht ging und sie nicht direkt ausmachen konnten warum. Durch die Transition ging es ihnen plötzlich viel viel besser, und sie konnten das Schlechtfühlen im Nachhinein als Dysphorie identifizieren.

Also, Dysphorie ist super individuell, und kann allen Leuten unabhängig von Geschlecht passieren.

 

Enby Q&A 19

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Wie kann eins cis Menschen irgendwie erklären, was enby sein bedeutet?

Daaaas frag ich mich auch immer wieder 😀
Irgendwann war ich so verzweifelt, dass ich eine ganze Webseite darüber gemacht hab: http://geschlechtsneutral.wordpress.com/

Wenn es schnell gehen muss, breche ich es manchmal darauf runter:
Du weisst dass es Menschen gibt, deren Geschlechtsidentität anders ist als das was ihnen aufgrund ihres Körpers zugewiesen wurde. Und es gibt Menschen, deren Körper nicht eindeutig männlich oder weiblich zugewiesen werden kann. Bei denen kannst du dir vermutlich vorstellen, dass manche eine dazu passende Geschlechtsidentität haben. Also warum sollte es nicht auch Menschen geben, deren Geschlechtsidentität unabhängig vom Körper nicht eindeutig in männlich und weiblich eingeteilt werden kann?

Denn die meisten Leute haben zumindest irgendeine grobe Vorstellung von diesen Konzepten, auf denen sich aufbauen lässt.
Meistens sind viele viele Falschinfos dabei, weil die Aufklärung in der Gesellschaft über diese Themen furchtbar ist. Aber es ist ein Anfang.

Und naja, in aller Regel sind solche Erklärungen wirklich nur der Anfang. Danach trauen sich die Leute, Fragen zu stellen, woran ich erkennen kann, was für ein Konzept von Geschlecht und welches Vorwissen sie eigentlich im Kopf haben.

Der Hauptteil von erklären besteht dann darin, auf diesem Konzept aufbauend Fragen zu beantworten und Irrtümer aufzuklären.
Und das ist halt super individuell – und für mich auch immer total spannend! Ich finde es sehr interessant, dadurch immer wieder neu zu lernen was Leuten beim Thema Geschlecht wichtig ist, und was es da so für Gedanken zu gibt! ..wenn auch manchmal echt anstrengend ^^

 

 

Enby Q&A 18

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Wie kamst du zu dem Schluss, dass du neutrois bist und nicht irgendwo anders auf dem nichtbinären Spektrum? Hat sich das einfach spontan richtig angefühlt oder musstest du da lange analysieren und auswählen, was am besten für dich passt? Hast du da Tipps/Strategien, um sich in diesem Wald voller Möglichkeiten zurechtzufinden?

Tatsächlich hat sich das bei mir spontan richtig angefühlt, ja.
Ich habe mich einfach in der Beschreibung “ich habe ein eindeutiges Geschlecht, es ist bloss weder weiblich noch männlich” sofort wiedergefunden.

Im Austausch mit anderen nichtbinären Leuten wurde mir klar, dass sich bei manchen das Geschlecht ändert, und bei mir nicht. Manche identifizieren sich teilweise mit einem binären Geschlecht, aber ich nicht. Manche können mit dem Konzept Geschlecht überhaupt nichts anfangen, ich irgendwie schon. Manche sehen sich als Kombination oder als Mischung aus weiblich und männlich, aber ich nicht. Und so weiter.

Deswegen wären das auch meine Strategien bzw Tipps: Guck dir an was andere Leute so für Optionen gefunden haben (zB auf https://nibi.space/liste_nichtbin%C3%A4rer_identit%C3%A4ten ) und schau ob da etwas bei dir “klick” macht.
Oder geh andersrum vor und denkt darüber nach, was dir zum Konzept “Geschlecht” alles so für Aspekte einfallen und welche davon für dich relevant sind.

Und: Es ist okay, wenn das länger dauert. Ich war Mitte 20, als ich endlich ein Wort dafür hatte, und zu dem Zeitpunkt wusste ich schon fast 10 Jahre, dass ich jedenfalls nicht cis bin.
Es ist auch okay, verschiedenes auszuprobieren, um rauszufinden obs für dich passt oder nicht.
Du bist valide <3

 

Enby Q&A 17

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Magst du dein Pronomen eigentlich lieber auf deutsch oder auf englisch? Ich kenne enbys die für sich mit they im deutschen kein passendes Equivalent haben. Daher nehme ich oft auch im deutschen they als Pronomen her, sozusagen reingedenglischt.

Auf Deutsch ist mein Pronomen “es”. Auf Englisch ist es “they”.
Ich mag mein deutsches Pronomen ganz gerne, finds aber prinzipiell auch okay wen Leute für mich “they” reindenglischen 😀 grossartiges Wort!

Auf Deutsch ist es echt schwierig mit Pronomen, “es” ist oft entmenschlichend assoziiert, und ansonsten gibts nur Neopronomen die erst erklärt werden müssen. Ich kann da total nachvollziehen, dass Leute sich anderer Sprachen bedienen.

Enby Q&A 16

Juhu, das Enby-Q&A ist wieder da – mit gleich 27 neuen Folgen. Seit ihr auch so aufgeregt wie wir?

 

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Ich identifiziere mich eindeutig als Enby… jedoch fühle ich manchmal etwas mehr als Kerl… ist man dann überhaupt noch ein Enby?

Ja, auf jeden Fall! :3

Wenn wir sagen “nichtbinär heisst weder weiblich noch männlich”, dann ist das die verkürzte Variante.
Ausführlich bedeutet nichtbinär “weder weiblich noch männlich und/oder nicht IMMER weiblich oder männlich und/oder nicht NUR weiblich oder männlich”.

Wenn du also manchmal männlich bist und manchmal nicht, dann kannst du das definitiv zu nichtbinär zählen!

Genauere Begriffe könnten zum Beispiel genderfluid oder genderflux sein, sowie Demiboy oder nichtbinärer Mann, falls du das möchtest.

Und ich sage “kann” zu nichtbinär zählen, weil das kein Zwang ist. Niemand ist gezwungen, sich deswegen als nichtbinär zu definieren.

 

 

Enby Q&A: 15

Seit Oktober haben wir hier jeden Mittwoch eine Frage und Antwort (“Q&A”) zu Nicht-Binären (“Enby”) Geschlechtern veröffentlicht. Unser_e Gastautor_in ist Sasha. Es ist nichtbinär, das bedeutet, dass es weder männlich noch weiblich ist. Zu diesem Thema erreichen es immer wieder Fragen, die wir hier mitsamt den Antworten veröffentlichen dürfen. Sasha betreibt außerdem die Webseite https://geschlechtsneutral.wordpress.com

Heute erscheint die letzte Frage. Wenn du noch etwas wissen willst, dann schreib uns in unserem anonymen Kummerkasten!

Frage: Ich kann absolut sehen, wieso für dich deine Geschlechtsidentität so wichtig ist, ich jedoch bin mir nicht sicher ob ich damit was anfangen kann. Wenn ich zB höre, dass eine Person Neutrois ist, dann sagt mir das ja erst mal gar nicht viel über die Person selbst. Ich kann dann zwar irgendwie verstehen, wie sich die Person geschlechtlich zuordnet und ich kann auch verstehen, dass der Person das wichtig sein kann, aber ich habe soetwas nicht. Ich verbinde mit einem Geschlecht irgendwie nicht viel. Ich habe meine Pronomen die ich für mich bevorzuge und meine Anreden, jedoch würde ich nicht wirklich sagen: “Geschlecht A passt genau auf mich”. Also meine Frage, kann es sein, dass ich für mich das Konzept Geschlecht einfach nicht greifen und verstehen kann? Ist das legitim? Bin ich eventuell Agender? 
Tut mir leid, falls die lange Frage dich verwirrt. Du bist das einzige Wesen dem ich momentan zutrauen würde das ganze für mich greifbar zu erklären. Vielen Dank auf jedenfall noch mal für die ganzen tollen aktivistischen Posts in den letzten Jahren <3

Antwort: So wie du’s beschreibst geht‘s mir mit Musikgeschmack ^^

Viele Leute haben einen klaren Musikgeschmack, „welche Musik hörst du so?“ ist eine sehr verbreitete Frage auf die eins eine Antwort haben sollte (und wenn‘s nur „ach, querbeet“ ist), viele Leute definieren sich explizit über ihren Musikgeschmack, und zwar so dass sie nicht nur sagen „ich höre gern …“ sondern „ich BIN …“, und es ist allgemein anerkannt, dass eins da eine Zugehörigkeit hat.. es gibt sogar Erwartungen daran, wie Leute mit bestimmtem Musikgeschmack aussehen, sich kleiden und sich verhalten!

Mir fehlt das komplett. Ich kann auf diese Frage nichts sinnvolles antworten, ich spüre keine Zugehörigkeit, ja nicht mal eine Tendenz oder ein Bedürfnis irgendwo da dazuzugehören. Klar gibt es genug Tendenzen, dass ANDERE Leute manchmal versuchen mich irgendwo zuzuweisen. Aber mir persönlich ist dieses Konzept völlig fremd und ich hab auch nicht den Eindruck da was zu verpassen – ausser wenn eben danach gefragt wird und ich nicht weiss was ich antworten soll.

Da hab ich jetzt halt das Glück, dass Musikgeschmack nicht im Pass stehen muss und nicht unsere komplette Sprache beeinflusst.

Aber zurück zu deinem Geschlecht.

Es ist gut möglich, dass du agender bist!

Oft wenn Leute sowas sagen wie „Geschlecht ist mir einfach egal, du kannst mich nennen wie du willst“, deutet es einfach darauf hin, dass sie halt cis sind und nie ihr Geschlecht hinterfragen mussten. Es war halt einfach da und störte nicht speziell, und fertig.

So wie du es formulierst, klingt es aber eher, als hättest du darüber reflektiert und gemerkt welche Aspekte von Geschlecht für dich wichtig sind (zB Pronomen) – und es ist voll ok, wenn eine positive Bezeichnung dafür nicht zu den Aspekten gehört die dir wichtig sind.

Daher: Ja, es ist sehr legitim, so einen „Geschlecht ist für mich nichts zutreffendes“-Zustand mit dem Begriff „agender“ zu bezeichnen! ^^

Enby Q&A: 14

Jeden Mittwoch veröffentlichen wir hier eine Frage und Antwort (“Q&A”) zu Nicht-Binären (“Enby”) Geschlechtern. Unser_e Gastautor_in ist Sasha. Es ist nichtbinär, das bedeutet, dass es weder männlich noch weiblich ist. Zu diesem Thema erreichen es immer wieder Fragen, die wir hier mitsamt den Antworten veröffentlichen dürfen. Sasha betreibt außerdem die Webseite https://geschlechtsneutral.wordpress.com

Frage: Eine Sache geht mir ständig durch den Kopf. Gender ist ja etwas, was jeder für sich selbst definieren kann und Pronomen hängen nicht unbedingt mit dem Gender zusammen. Hat dann Gender noch eine Bedeutung? Ich kann ja einfach nach dem Pronomen einer Person fragen und das sagt mir ja schon alles über die Person, was sonst aus dem Geschlecht gezogen würde.

Antwort: Hm, jein.

Also, einerseits stimme ich dir zu, dass in den meisten Fällen die Frage nach Pronomen eher die gewünschten (/benötigten) Ergebnisse bringt als die Frage nach dem Geschlecht.

Das Pronomen sagt dir allerdings nur das Pronomen, nichts anderes was üblicherweise mit Geschlecht assoziiert ist. Zum Beispiel Anrede und Artikel (der, die, di_er etc) weisst du dann noch nicht.

Aber andererseits gibt’s schon Situationen wo es mir hilft, das Geschlecht einer anderen Person zu wissen. Zum Beispiel wenn ich mich mit anderen nichtbinären Leuten austauschen möchte.

Und Wörter für mein eigenes Geschlecht zu haben macht, dass ich mich nicht negativ „kaputt“ und „unpassend“ fühle, sondern positiv „neutrois“. Ich empfinde es als befreiend, meiner Geschlechtsidentität in Wörtern Ausdruck geben zu können.
Pronomen reichen dafür nicht – ich persönlich hab meine Pronomen eher nach Praktikabilität ausgesucht, als nach Gefallen.