Über Machtlosigkeit

Ich habe vor ein paar Tagen etwas gelesen und es lässt mich nicht mehr los. Ich würde mir wünschen, dass das eine Empfehlung ist, weil ich das allerbeste Buch gefunden hätte. Das schönste Gedicht. Oder das schlechteste Wortspiel. 

Nein, das hier wird ein Text über Machtlosigkeit. Über Frust. Und auch ein wenig über Wut. Das ist ein Text, um das aus meinem Kopf rauslassen zu können. Ein Text, um damit nicht allein zu sein. Ein Text, der ein bisschen von der Seele schreit.

Was war es, dass mich so sehr getroffen hat? Es war ein Thread auf Twitter. Ich weiß nicht mehr, worum es eigentlich ging. Ich weiß nicht mehr, was sonst im Tweet stand. Ich erinnere mich nur an das eigentliche Wortgefüge.

trans-identified male

Irgendsoein Tweet, 2019

Warum trifft mich das? Weil es unsere Worte sind. Ich weiß, es ist nicht klar, ob es die beste Idee ist, „ich identifiziere mich als Frau“ zu sagen. Identifikation heißt Zuschreibung. Und wenn Geschlecht zugeschrieben werden kann, scheint es oft eine offene Debatte zu sein, wer da etwas zuschreiben darf und wer nicht. Let‘s not go there.
Trotzdem. Identifizieren ist (noch) queere Sprache. Trans ist queere Sprache.

Und ich glaube, ohne Kontext wäre das für mich nicht wild gewesen. Ohne Kontext hätte ich vielleicht eine Augenbraue gehoben, mich gewundert und geschlossen, dass es um einen Mann geht, der trans ist.

Es ging um eine Frau. Eine Frau, die trans ist. Und das macht, dass das immer noch weh tut. Weil so sind diese zwei Worte mächtiger als jeder Aufsatz, der auf überholten Prämissen fußt und behauptet, dass es uns nicht gebt. Weil sie ganz klar sagen, dass diese Zuschreibung, die wir über uns machen, nicht valide ist. Unser Geschlecht, im Falle des Tweets, Frau, wird noch nicht mal genannt. Die Formulierung biegt das hin darauf, dass wir von uns sagen, trans zu sein und Männer sind. Sie spricht uns ungefähr alles ab, was wir sind. In zwei Worten. In Schärfe. In Präzision. Direkt. Gnadenlos. Endgültig.

Und das tut weh. Das macht mich sauer. Das ist keine Sache auf persönlicher Ebene. Das ist kein Versehen aus Unwissen. Das ist Sprache geschaffen dazu, uns verschwinden zu lassen, uns auf ein „wir glauben, wir sind, aber eigentlich“ zu projizieren.

Da ist Frust. Da ist sehr viel Frust. Ich werde Menschen, die diese Formulierungen bauen, nie debattieren, ich werde nie Argumente liefern können. Ich werde nie zeigen können, wie viel so etwas zerstört. Selbst wenn, ich wüsste nicht, ob das irgendwas ändern könnte.

Vielleicht, vielleicht wäre das der Moment für einen Aufruf. Einen Aufruf, Menschen nicht mit so Mist durchkommen zu lassen. Diese Wortwahl, diese Rhetorik outzucallen, wo immer sie auftaucht. Zu sagen, warum das so falsch ist.

Oder das ist ein anderer Moment. Der Moment für die bedingungslose Zusage. Wenn ich sage, dass ich eine Frau bin, bin ich eine Frau. Wenn du sagst, dass du eine Frau bist, bist du eine Frau. Und niemand hat das Recht, an dieser Stelle zu widersprechen.

Wahrscheinlich eher nicht. Wir wissen, dass das eine falsch ist, und das andere haben wir uns schon tausend Mal zugesprochen.

Es ist der Moment, in dem ich nichts davon tue. Mir ist nicht danach, jetzt die Revolution zu wollen, ich glaube gerade nicht dran, dass ich oder wir da was verändern können. Es ist nicht der Moment, an dem ich irgendwem zusprechen kann, dass es besser wird, dass der Tag in Sicht ist, wo wir das alles hinter uns lassen, und auch nur ein Wort davon glaube. Es ist der Moment in dem ich noch nicht mal mehr „Nein“ sage oder den Kopf schüttle.

Es ist der Moment, an dem ich genau gar nichts tue und der, an dem ich, selbst wenn das sehr schwierig wird, nicht kaputt gehe. An dem ich mich erinnere, dass es um mich geht. Darum, was ich schon erreicht habe, darum wer ich bin, und darum, wo ich vielleicht noch hinwill. Und daran, dass es eine Person, die ich noch nicht mal kenne, die mich nie direkt angesprochen hat, niemals so viel Macht über mich haben darf.

Denn: Egal welche Worte es sind, egal, was sie sagen, egal, was sie bedeuten. Ich bin noch da. Die Worte können ein Weltbild ausdrücken, in dem es nicht gibt. Diese Worte können versuchen mich aus der Existenz zu schreiben, aber am Ende bin ich noch hier. Weil diese Worte niemals wahr sein können.

Kummerkastenantwort 221: Ich bin über mein Geschlecht verwirrt.

Hallo erstmal
Ich bin 15 Jahre und sehr verwirrt.
Ich bin mir nicht sicher, was mein Geschlecht angeht. Mir ist es egal ob man er oder sie nutzt und es interessiert mich nicht, wenn ein Kleidungsstück eher “männlich” oder “weiblich” ist. Ich habe mich über neutrale Geschlechter informiert und bin trotzdem verwirrt. Ich möchte mehr Klarheit, was mein Geschlecht angeht haben. Ich plane mein Outing als pansexuel und würde mich dabei auch direkt mit meinem Geschlecht outen.

Liebe Grüße von kiri

Hallo Kiri,

das ist natürlich nicht ganz einfach – wenn du einerseits merkst, dass die Labels, die kennst, nicht so richtig passen, du aber andererseits gerne eines Nutzen möchtest. Für sich genau genommen ist beides ja auch erstmal kein Problem.

Wenn du dir unsicher bist, was für ein Geschlechtslabel für dich passend ist, kannst du überlegen, ein sehr breites, in das sehr viel hinfällt zu nutzen: Enby, für nicht-binäre Person oder Neutrois als ein Label für ein neutrales Geschlecht.

Eine andere Möglichkeit ist, offensiv mit dieser Unsicherheit umzugehen, und als Label tatsächlich „questioning“ zu nutzen. Das zeigt sehr klar, dass du selbst fragend bist – ist valide und benennt das ganze treffend.

Für die Pronomen kannst du zu jeden Label, die Pronomen, die du nutzen willst, benennen. Es wäre also auch ok, zu sagen, „ich bin ein Mann und verwende sie/ihr-Pronomen“. Nicht unbedingt üblich, aber möglich. Du kannst hier also frei kombinieren, was sich richtig anfühlt. Ein Label bindet dich nicht an bestimmte Pronomina.

Hoffentlich war das für dich ein wenig hilfreich. Ich wünsche dir in jedem Fall ein gutes und sicheres Coming Out, unabhängig davon, was du dabei für Label benennst. Wenn du möchtest, kannst du auch gerne noch mal kurz schreiben, wenn du out bist, und erzählen, wie und ob du dich entschieden hast.

Liebe Grüße
Xenia

Kummerkastenantwort 219: Welches Geschlecht habe ich?

Hallo ich bin männlich 18 und bin einfach nur verwirrt ich bin zwar ein Mann doch fühle ich mich auch als frau als ob ich beider Geschlechter in mir habe. Naja ich weiß hat nicht wo ich hin gehöre ich will kein OP oder so mach mich mag eigentlich mein Körper ober trotzdem wäre ich hin und wieder auch eine Frau das verwirrt mich halt so

Hallo,

So ein Durcheinander im Kopf ist manchmal ziemlich anstrengend. Ich habe sicher von außen keine umfassende Lösung oder die ultimative Antwort. Gerne teile ich aber ein paar Gedanken, in der Hoffnung, dass sie ein wenig Struktur geben können:

Körper und Geschlecht bedingen sich nicht. Männer können Brüste haben, Frauen Bärte. Das ist zwar bisher nicht üblich, aber möglich. Daher ist es vollkommen ok, trans zu sein, aber sich körperlich nicht verändern oder verändern lassen zu wollen.

Ausprobieren ist in Ordnung. Du musst nicht erst hundertprozentig sicher sein, um ein Coming Out zu haben. Es ist valide auch unsicher „rauszukommen“ und im Coming Out erstmal etwas zu sagen wie „ich bin mir nicht sicher, aber ich könnte eine Frau sein und möchte ab jetzt sie-Pronomen nutzen“. Vielleicht auch erstmal nur in einem sehr kleinen Kreis von Freund*innen und dann mal weitersehen.

Geschlecht ist nicht statisch. Es kann durchaus sein und macht dich nicht weniger trans oder queer, dass du an einigen Tagen, Wochen oder sogar über Monat eine sehr andere Identität hast als sonst. Fluide Geschlechter sind valide.

Ich wünsche weiterhin viel Erfolg beim Entwirren im Kopf.
Liebe Grüße
Xenia

Kummerkasten Antwort 195 – Darf ich mich trans nennen?

Hallo wertes Team,
Ich bin sehr verwirrt und brauche eure Hilfe.
Ich habe Dysphorie und versuche es auch zu unterbinden.
Aber mein Wunsch, ein Junge zu sein, ist nicht permanent.
Ich kann mich zum Teil als Mädchen verstehen und bin auch völlig okay damit aber dann stehe ich von Zeit zur Zeit vor dem Spiegel und habe das Gefühl nicht ich zu sein. Pronomen und Namen habe ich zwar im Internet geändert und ich freue mich auch wenn Menschen mich als “er” ansprechen aber das nunmal nicht immer.
Ich hab das Gefühl ich habe zwei Personen in mir.
Ich habe keine Ahnung ob ich mich als trans identifizieren kann und darf.
Es verzweifelt mich sehr.
Ich habe keine Ahnung wo ich stehe oder was ich jetzt machen soll.
Ein guter Rat wäre sehr hilfreich.
Danke!
Viele Grüße,
Basti

Hallo Basti,

nach unserem  Verständnis sind trans alle Leute, die nicht, nicht vollkommen oder nicht immer das Geschlecht haben, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Danach bist du auf jeden Fall trans! Sowieso finden wir es nicht richtig, irgendwelchen Leuten zu verbieten, irgendwelche Labels oder Begriffe für sich zu verwenden – alle Menschen wissen selbst am besten, welche Begriffe am besten zu ihnen passen und niemand hat das Recht, anderen vorzuschreiben, welche Labels sie benutzen sollen.

Ansonsten klingt das, was du beschreibst, für mich ein wenig so, als könntest du genderfluid sein. Genderfluid sind Menschen, deren Geschlecht sich ändern kann: bei manchen nur gelegentlich, bei anderen häufiger, bei manchen zwischen vielen verschiedenen Geschlechtern, bei anderen nur zwischen zwei. Du beschreibst, dass du dich nur manchmal, nur zum Teil, wohl damit fühlst, als Mädchen gesehen zu werden – dich aber eigentlich selbst meist als Junge verstehst. Eine sich (oft) ändernde Geschlechtsidentität ist nicht nur möglich, sondern auch vollkommen in Ordnung, es ist nichts falsch mit dir. <3

Ich finde, es ist ganz großartig, wie du auf dich und deine Gefühle achtest. Zu deiner Frage, was du jetzt machen sollst: Ich würde sagen, du bist auf einem guten Weg. Du kannst weiter beobachten, was dir gut tut und was dich dysphorisch macht, weiter mit Menschen (ganz egal ob off- oder online) darüber reden, wie du wann angesprochen werden willst und einfach ausprobieren, was sich richtig anfühlt. Manche Leute, die genderfluid sind, ändern ab und zu ihre Pronomen, damit sie zu ihrem aktuellen Geschlecht und Ausdruck passen – online geht das ganz einfach, z.B. mit einem Hinweis im Profil, einer Signatur, einem Statusupdate o.ä. Auch offline ist das möglich, z.B. durch Pronomenbuttons oder eine Tafel/ein Whiteboard/ähnliches an deiner Zimmertür (wenn du zu Hause geoutet bist oder es sein möchtest). Ob du deine Pronomen ab und zu ändern möchtest, bleibt aber vollkommen dir überlassen – wenn du dich einfach grundsätzlich mit “er” am wohlsten fühlst, dann kannst du natürlich auch immer so ansprechen lassen, egal, wie du dich kleidest, verhältst, etc. Und egal, welche Gedanken und Gefühle du grade zu deinem Geschlecht hast, du darfst dich jederzeit und immer so kleiden und verhalten wie du möchtest, und musst dich nicht irgendwelchen Regeln anpassen. Und noch ein kurzer Hinweis: Dysphorie ist keine Pflicht, um trans zu sein. Es gibt viele trans Menschen, die nicht, nicht immer oder nur wenig Dysphorie empfinden. Dein Geschlecht ist deins und dein Körper ist deiner, und nur du weißt, was richtig ist, sich gut anfühlt und für dich passt.

Ich wünsch dir alles Gute!
Balthazar

Kummerkastenantwort 183 – Beschreibt “demigirl” mich ausreichend?

Hello
Ich hab eine Frage
Und zwar bin ich als Mädchen geboren und fühle mich eigentlich auch wohl in meinem Körper aber manchmal, manchmal weiß ich nicht so ganz ob ich wirklich 100 % ein Mädchen bin. Also das klingt jetzt bestimmt komisch aber gibt es eine Geschlechts Beschreibung die dazu passt? Ich denke demigirl aber ich habe Angst, dass es nicht genug betont dass ich ja wirklich zum größten Teil ein Mädchen bin
Ich bin total am strugglen und brauche Hilfe

Hallo,

wir haben eine Antwort.
Ja. Demigirl kann das, was du schilderst, sehr gut abbilden. Es gibt weder ein Mindestmaß, das eine Person an Weiblichkeit mitbringen muss oder darf, um sich als Demigirl zu bezeichnen, noch eine Möglichkeit das irgendwie nachzumessen – da geht es einzig und allein um deine Selbstbezeichnung. Wie du deine Identität (auch) als Demigirl letztlich ausgestaltest, zu einem wie großen Teil du ein Mädchen bist, liegt allein bei dir – du kannst also zu einem überwältigenden Teil weiblich sein und dich als Demigirl bezeichnen oder auch nur zu einem sehr kleinen.

Andere Personen, die eine in Teilen weibliche Geschlechtsidentität für sich beschreiben, wählen als Label manchmal auch nicht-binäre Frau oder bezeichnen sich als queere Frauen.

Es gibt hier kein richtig oder falsch, und vor allem auch keine richtig oder falsch, das von außen jemand entscheiden kann. Es liegt also allein an dir, auszuprobieren und herausfinden, ob eine dieser drei Möglichkeiten, oder vielleicht auch ein ganz anderes Label für dich passend anfühlt. Ich wünsche dir viel Erfolg beim ausprobieren.

Liebe Grüße
Xenia

Kummerkasten Antwort 182 – Bin ich trans?

Hallo,
ich frage mich seit Jahren ob ich trans bin, bin mir aber bis jetzt noch immer nicht sicher. Was soll ich tun?

Hallo,

Das schwierige dabei ist: Nur du kannst sagen, ob du trans bist. Kein*e Psycholog*in, kein*e Ärzt*in, kein*e Freund*in, keine Google-Suche, kein Buzzfeed-Quiz. Ideen haben, Wissen vermitteln, zuhören, ja, aber niemand kann dir hier wirklich etwas abnehmen, und das entscheiden oder festlegen.

Genausowenig musst du irgendetwas erfüllen, um trans zu sein. Es taucht immer mal dieses Konzept auf, dass Menschen, die trans sind, das schon immer gewusst haben müssen, oder dass das Erleben von Dysphorie eine notwendige Erfahrung ist, die alle Personen, die trans sind, verbindet. Das kann auf dich zutreffen, muss es aber nicht.

Das befreiende ist: Nur du kannst sagen, ob du trans bist. Es geht um dich, darum, wer du bist. Niemand unter der Sonne hat das Anrecht, dir da irgendetwas vorzuschreiben. Du hast aber das Recht, auszuprobieren, und zu ergründen, was für dich richtig ist. Make-Up mit Tutorials auf YouTube lernen? Haare abschneiden? Brüste abbinden? Entsprechende Klamotten besorgen? Geht alles. Und du musst nicht vorher wissen, dass das richtig ist. Du kannst das ausprobieren, und wenn du merkst, dass es dir nichts gibt, dann lässt du es wieder sein. Persönlichkeit und Identität sind auch nicht für alle Zeit statisch. Es ist ok, wenn du später irgendwann merken solltest, dass das Geschlecht, mit dem du lebst, nicht mehr passt, ein neues Coming In und anschließend auch neue Coming Outs zu haben. Dass es später mal anders sein könnte, macht deine Identität im hier und jetzt nicht weniger valide.

Und: du kannst, aber musst das nicht alleine durchprobieren. Wenn du Videospiele oder Pen &Paper magst, kannst du dir dort auch Charaktere mit verschiedenen Namen und Geschlechtern spielen, dich hineinversetzen und schauen, ob und wie gut das passt – oder eben nicht. Freund*innen oder Personen, denen du vertraust, kannst du bitten, Namen oder Pronomen für dich auszuprobieren.

Zuletzt: Wie so vieles ist Geschlecht und auch Trans-Sein auf einem Spektrum. Es gibt „ein bisschen trans sein“, und das ist valide. Es gibt kein richtig oder falsch. Manche Personen, die trans sind, streben sehr viele Transitionsmaßnahmen an, anderen reicht es, von ihren Freund*innen mit einem anderen Namen angesprochen zu werden. Wieder andere behalten Namen und Pronomen, wünschen sich aber körperliche Veränderungen. Genauso auch für Geschlecht. Es gibt keine Regel, kein Gesetz, das vorgeben würde, wie ein echter Mann, ein valides Enby oder eine richtige Frau sein muss.

Zusammengefast: niemand, auch ich nicht, kann oder darf dir sagen, ob du trans bist. Du kannst das, du darfst dich da ausprobieren, du musst das nicht von heute auf Morgen wissen und es ist ok, wenn sich die Labels, die du für dich wählst, auch mal wieder ändern. Es ist nichts falsch daran, trans zu sein. Es ist nichts falsch daran, nicht trans zu sein. Es ist ok, unsicher zu sein.

Ich wünsche dir frohes Ausprobieren, Freund*innen, die dich dabei begleiten und stärken können, und dass du bald ein wenig Sicherheit darin findest, ob du trans bist.

Liebe Grüße,

Xenia

Neue Kummerkastenantwort 78 – von Coming Outs im Bewerbungsgespräch und Abläufen bei Namensänderung en

Hallo,
Ich habe eine Frage zum Thema Trans weil ich es selber bin. Und zwar mein Bürgerlicher Name ist noch weiblich aber ich möchte gerne Tobias genannt werden. Naja jedenfalls habe ich bald ein Vorstellungsgespräch für eine Ausbildung und ich habe Angst das wenn ich sage das ich Trans bin das die denn sagen so welche wollen wir nicht haben. Und außerdem bin weiß ich nicht wie das mit der Namensänderung abläuft also ich mein wenn die Namensänderung durch ist muss ich denn dann mit meinem Vermieter wegen dem Vertrag noch darüber sprechen und mit Krankenkasse und Perso u.s.w. muss ich da überall Bescheid sagen das jetzt was anders ist oder wie ist das dann! Das alles bereitet mir große Sorgen und ich weiß auch bald nicht mehr weiter!
Naja…
Liebe Grüße Tobias

Hallo Tobias,

das mit dem Vorstellungsgespräch ist bisschen so eine Sache, gerade in der Situation auf Ablehnung zu stoßen, stelle ich mir sehr unangenehm vor. Es gibt aber etwas, das sicher deutlich unangenehmer ist: in einem Unternehmen festsitzen, das dich nicht als der akzeptiert, der du bist. Die Perspektive fast jeden Tag an einen Ort zu müssen, an dem du immer misgendert werden wirst.

Ich weiß, die Suche nach einem Ausbildungsplatz kann sehr schwierig sein, trotzdem würde ich dir raten, das auf jeden Fall anzusprechen – schlicht, weil ich nicht glaube, dass ein derart transfeindliches Unternehmen der richtige Ort für eine Ausbildung sein kann.

Zu deiner Frage mit der Namensänderung. Die kurze Antwort ist: ja. Du musst das dann irgendwie allen mitteilen.

Die ausführlichere ist: egal, wie du deinen Namen änderst, also über das TSG oder das Personenstandsgesetz, das führt erstmal nur dazu, dass deine Geburtsurkunde geändert wird. Damit kannst du dann deinen Personalausweis neu beantragen und ab da alles weitere “offizielle” wie Handyvertrag oder Bankkonto ändern.

Du kannst und darfst an vielen Stellen ohne offizielle Namensänderung auch schon deinen neuen Namen verwenden. Manchmal ist es hilfreich, etwas dazu vorlegen zu können, ein Dokument, das sagt, dass du trans bist, und welchen Namen du nutzt. Die deutsche Gesellschaft für Trans- und Intersexualität erstellt dafür Ergänzungsausweise. Theoretisch muss sich sogar die Polizei zum Beispiel bei Kontrollen an die Angaben darauf halten. Einige Banken und Versicherungen erkennen ihn auch an, andere nicht. Ich habe damit ganz gute Erfahrungen gemacht, kann aber nichts versprechen.

Auch nach deiner Namensänderung bleiben Verträge gültig, selbst wenn du deinen neuen Namen nicht mitteilst. Wenn du also mit deinem Vermieter ohnehin nie zu tun hast, musst du dem das auch nicht extra mitteilen. Auf lange Sicht wird es aber denke ich einfacher und übersichtlicher, alles auf den geänderten Namen umzustellen.

In jedem Fall wünsche ich dir viel Erfolg beim Finden eines Ausbildungsplatzes und für deine Namensänderung.

Liebe Grüße
Xenia

Einfach mal eine Prideflag erfinden?

Klar!

Was bisher geschah:

Dazu gesagt. Mich stören da zwei Dinge. Zum einen sind die Trans- und genauso die abgeleiteten Demiflaggen alle frisch aus der Rosa-Hellblau-Falle. Zum anderen gibt es da eine furchtbar gute alternative lesbische Prideflag, mit einer großen Axt drauf. Eine Axt! 

Lesbische Prideflag. Weiße Doppelaxt in einem schwarzen Dreieck auf lilanem Grund.
Die Lesben haben tatsächlich eine Axt in der Flagge. Absolut Badass.

Was ich jetzt brauche:

Die Liste der Dinge, die jetzt also haben will/wollte ist also fast überschaubar. Eine Prideflag. Für irgendwas mit trans, mit Weiblichkeit, mit Nicht-Binärität, mit Demigender. Nicht mit irgendwelchem Rosa-Hellblau-Quark. Aber dafür Badass.

Da ich Gestaltung echt nicht so drauf habe, bin ich damit zu Rabe, und hab ihr in etwa genau das als Arbeitsauftrag gegeben.

Was ich bekommen habe:

Das Ceres-Symbol

Jetzt ist natürlich die Frage, was für ein Symbol dahin kommt. Und das geht über Bande, mit einem anderen Symbol. Demifrauen verwenden manchmal das (astronomische) Symbol für Ceres. Das sieht ein bisschen aus wie das Venus-Symbol, aber der Kreis ist nicht komplett geschlossen. Und Ceres wiederum hat Symbole, mit denen die häufig dargestellt wird. Also in dem Fall die römische Göttin und nicht der Planet. Zum Beispiel ein Schwein. Wäre super für eine lässige Prideflag. Aber auch eine Fackel. Rein mythologisch leuchtet sie damit den Weg aus, aber do eine Fackel ist auch super für Feuer unterm Hintern. Fast so badass wie eine Axt.

Rabe hat sich dann mal ein paar Gedanken gemacht, und ein nices Rot-Konzept auf die Beine gestellt. Excitement, Energy, Passion, Courage, Attention. Oder: Begeisterung, Energie, Leidenschaft, Mut und Achtsamkeit.

Könnte eine ganz gute Sache sein, so eine Prideflag mit einer Fackel.

Die Flagge ist, wie die anderen hier gezeigten Prideflags, als einfache geometrische Darstellung gemeinfrei – darf also beliebig weiterverwendet werden. Falls wer sie irgendwo nutzt oder was nettes damit macht, freue ich mich über eine Rückmeldung über unsere SocialMedia-Kanäle oder an Xenia-ätt-Queer-lexikon-net. Zuletzt. Danke, Rabe. Ohne dich gäbe es das hier nicht.

Kummerkastenantwort 71 – Was ist eigentlich ein Gender Bender?

Hallo liebe Gemeinschaft,

ich habe eine Frage zu meinem Geschlecht. Da ich mich noch nicht lange mit dieser Thematik beschäftige, was bedeutet “Gender Bender” ? Viele von meinen Freunden benutzen diesen Begriff.

Ich hoffe Ihr könnt mir helfen.

Hallo,

“Gender Bender” leitet sich von Gender benden oder Gender bending ab. Bend kommt dabei aus dem Englischen und bedeutet so viel wie “biegen” oder “beugen”. Im Englischen gibt es einen Ausdruck “to bend (the) rules” – das meint, dass sich Menschen Regeln sehr großzügig auslegen, es nicht ganz so eng sehen, was erlaubt ist, oder wie die Regeln gemeint waren – also ein sehr laxes Umgang mit dem Erlaubten.

Bei Gender Bending verhält es sich ähnlich. Die Gesellschaft hat sehr genaue Vorstellungen, wie Menschen aufgrund ihres Geschlechtes sind, was Frauen und Männer “dürfen”. Gender Bending ist jetzt, wenn Personen bewusst mit diesen Regeln spielen, sich bewusst an diesen ungeschriebenen Verboten reiben, und somit auch die Gesellschaft herausfordern – indem sie sehr untypische Dinge tun oder sehr typische nicht.

Gender Bending beinhaltet rein praktisch eine Menge Dinge, die Menschen, die nicht cis sind, häufig auch tun, um ein besseres Passing zu erreichen. Das Tragen von bestimmter Kleidung, das Benutzen von Make-Up oder das Zeigen bestimmter Posen und Haltungen. Der Unterschied hier liegt hauptsächlich im Zweck. Gender Bending kann ein Selbstzweck sein – ein pures Auflehnen gegen die überholten Regeln – und völlig unabhängig des eigenen Geschlechts stehen. Beiden, dem Streben nach Passing und dem Gender Benden, gemein ist, dass es auch darum geht, sich auszuprobieren, zu erkunden, und zu schauen, womit eins sich wohlfühlen kann.

Liebe Grüße
Xenia

Kummerkasten Antwort 66 – Wie finde ich meine Geschlechtsidentität heraus? Wie kann ich mit übergriffigen und verletzenden Sprüchen umgehen?

Hallo,

ich hab keine Ahnung, ob ich hier richtig bin, aber ich weiß nicht, wohin ich mich sonst wenden kann. :-/

Ich bin biologisch gesehen ein Mädchen (jetzt 21 Jahre alt), aber ich wollte schon im Kindergarten lieber ein Junge sein. Ich wollte mich so verhalten wie ein Junge und auch so aussehen. Von meiner Familie und meinen Mitschülern habe ich deswegen viel Ablehnung/Kritik/Spott erhalten. In der Unterstufe haben mich die anderen Kinder “Zwitter” genannt. Sie haben das als Beleidigung gemeint, trotzdem frage ich mich immer häufiger, ob sie nicht vielleicht recht hatten.
Als ich noch jünger war, wurde ich sehr oft für einen Jungen gehalten und hab mich jedes Mal gefreut, wenn mich jemand “er” genannt hat. Dann bekam ich Brüste und hatte (weil meine Eltern das schön fanden) lange Haare und das war erst mal vorbei. Seit ich mir letztes Jahr die Haare abgeschnitten habe, werde ich auf der Straße wieder häufig als “Herr” angesprochen.

Ich habe ein massives Problem mit meinem Busen und frage mich jedes Mal, wenn ich vorm Spiegel stehe, wer sich diesen Mist ausgedacht hat. Allerdings will ich auch keinen Penis. Ich hasse meinen Busen, aber ich weiß nicht, ob ich ihn “genug” hasse um dafür eine OP auf mich zu nehmen. Ich werde auch nicht gerne als “Frau” angeredet (und oft zweifle ich auch an meinem weiblichen Vornamen). Allerdings käme es mir auch komisch vor, den Rest meines Lebens als “Herr” angesprochen zu werden (und ob ich gerne einen männlichen Vornamen hätte, weiß ich auch nicht).

Dadurch, dass meine Figur offensichtlich “weiblich” ist und mein Kleidungsstil inklusive Frisur und Verhalten eher “männlich”, wirke ich auf mein Umfeld sehr irritierend. Und werde leider nach wie vor extrem oft auf der Straße angepöbelt. Meistens von irgendwelchen Jugendlichen und mit dem Standardsatz: “Bist du Junge oder Mädchen oder was?” Meistens zucke ich dann zusammen und fühle mich scheiße. Vor allem, weil sie ja irgendwie recht haben und ich selber nicht weiß, wer oder was ich eigentlich bin.

Ich hab im Internet nach Tests zu dem Thema gesucht, aber nichts gefunden. Habt ihr vielleicht einen Rat, wie ich rauskriegen kann, was meine Geschlechtsidentität bzw. Gender ist? (Asexuell bin ich auf jeden Fall) Und irgendeinen Tipp, was ich tun kann, um die ganzen dummen Sprüche besser zu ertragen?

Viele Grüße und Danke,
L

Hallo L,
unsere Fragenbox ist genau für Fragen wie deine da.

Ich lese ziemlich oft, dass du Dinge nicht weißt, also, ob du einen anderen Vornamen nutzen magst, ob du dir etwas bis zum Ende deines Lebens vorstellen kannst, … da möchte ich dir mitgeben, dass es völlig in Ordnung ist, gerade auch sowas nicht zu wissen, sich damit unsicher zu sein und auch kein (festes) Label dafür zu haben oder zu finden. Und: es gibt immer Veränderung. Es ist also möglich, aber nicht vorhersehbar, dass Aspekte, die jetzt Teil deiner Identität sind, es irgendwann nicht mehr sind. Das ist aber völlig valid.

Wenn du sagst, dass du keinen Penis haben willst, obwohl du dich meistens wohler fühlst, wenn du männlich gelesen wirst, ist das einerseits kein Widerspruch, da niemand dir vorgeben darf oder kann, wie dein Körper zu sein hat, und andererseits ist vielleicht auch gerade die Frage, wie du gerne angesprochen wirst, etwas, dem du gezielt nachgehen und es ausprobieren kannst, was sich richtig anfühlt, indem du zum Beispiel Freund*innen bittest, bestimmte Prononem und Anreden auszuprobieren.

Zu deinen Brüsten: Vielen, die wegen ihrer Brüste dysphorisch sind, helfen Binder. Wir haben mal eine kurze Broschüre mit den wichtgisten Informationen dazu zusammengestellt. Vielleicht ist das etwas, was du mal ausprobieren könntest.

Die Art von Übergriffigkeit, die du beschreibst, hängt stark damit zusammen, dass unsere Gesellschaft sehr normativ geprägt ist. Das heißt, dass es bestimmte Normen und Regeln gibt, die scheinbar für alle gelten und dadruch auch von allen eingefordert werden. Das trifft insbesondere queere Menschen, da diese Normen auch vorsehen, dass alle hetero und cis sind. Wir finden das auch ziemlich uncool, und würden das gerne am liebsten Gestern beendet haben, aber das ist eine Sache, der wir wohl nicht schnell beikommen werden – sondern nur damit, dass die Gesellschaft offener und aufgeklärter wird. Und das dauert.
Gleichzeitig gilt. Es ist ok, dass du dich da verletzt fühlst. Das nichts, wo “drüber stehen” müsstest, oder “aushalten solltest”. Vielen hilft es, ein*e Freund*in, Therapeut*in, Bezugsperson, Seelsorger*in oder ganz allgemein eine Vertrauensperson zu haben, um über solche Erfahrungen zu sprechen, besser verarbeiten und damit umgehen zu können.

Zu deiner eigentlichen Frage, ob wir dir helfen können, herauszufinden, was deine Geschlechtsidentät ist: Nicht wirklich. Das ist etwas, das nur du selbst dir zuschreiben kannst und darfst. Das schöne daran ist, dass das auch bedeutet, dass niemand jemals das Recht hat, dir in diesem Bereich irgendwas vorzuschreiben, was und wie du zu leben hast. Wie schon gesagt, musst du deine Geschlechtsidentität auch nicht konkret benennen können oder ein Label für sie haben.
Ich kann aber auch verstehen, wenn du sagst, dass du auf jeden Fall eines haben magst, weil Label eben auch halt und Sicherheit geben können. Auch da gilt: ich kann dir keines vorschreiben, ich lade dich aber gerne ein, mal in unser Glossar zu schauen, vielleicht findest du da etwas, das dich anspricht. Einige der Begriffe dort sind eher spezifisch, andere weiter gefasst. Für manche reicht es völlig, wenn sie von sich sagen können, dass sie trans oder nicht-binär sind. Anderen ist es wichtiger, dass ihr Label sehr genau beschreibt, wer sie sind.

Zu deiner zweiten Frage nach einem Tipp, wie du solche Sprüche besser ertragen kannst, kann ich dir leider auch keine einfache und keine sehr zufriedenstellende Antwort geben. Solange in unserer Gesellschaft diese Normen stehen, solange wird es solches übergriffiges Verhalten geben, und solange wird es schwierig bis unmöglich, bei den Täter*innen anzusetzen, was unweigerlich dazu führt, dass es bei Ratschlägen eher darum geht, wie wir uns schützen können. Das ist in sich schon eine eher unbefriedigende Ausgangslage.
So eine richtige Lösung ist es nicht, aber, manchmal hilft es sicher schon, etwas nicht hören zu müssen. Falls du also ein geeignetes mobiles Telefon besitzt oder noch in den tiefen deiner Schubalden irgendwo ein MP3 schlummert, könntest du Musik für unterwegs mitnehmen. Musik, mit der du dich wohl- und gut fühlst. Und wenn du die hörst, und deine Kopfhörer nach außen dicht genug sind, musst das am Ende wenigstens nciht mehr hören. Wie gesagt, nicht sehr befriedigend, aber vielleicht nützlich.
Und dann, wie oben schon angeschnitten, eine Vertrauensperson suchen und finden, mit der du drüber reden kannst, die dich vielleicht gelegentlich begleiten und entsprechend für dich da sein kann.

Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen und wünsche dir weiter viel Erfolg dabei, dich und deine Geschlechtsidentität kennen zu lernen.
Liebe Grüße
Xenia