Kummerkastenantwort 134 – Wie funktioniert Namensänderung?

ich wollte fragen wie das ist mit dem Personalausweis und deren Änderung z.b mein Mädchennamen (Jasmin) in den Namen den ich mir ausgesucht habe ändern zu lassen in den Jungs Namen (ciel) weil ich habe im Internet gelesen das man das nicht ändern kann wenn keine Geschlechtsumwandlung vorliegt was bei mir aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist und nie sein wird und ich weis nicht ob man das dann trotzdem ändern lassen kann

Hallo Ciel,

du hast leider recht damit, dass es in Deutschland (ich gehe davon aus, dass du in Deutschland lebst, bitte korrigiere mich, wenn du wo anders lebst) eher schwierig ist, den eigenen Namen zu ändern.

Wer über das TSG, das sogenannte Transsexuellengesetz, seinen Namen im Personalausweis ändern möchte, muss dies in einem Gerichtsverfahren beantragen. Voraussetzung dafür ist, dass eine Person “seit mindestens drei Jahren unter dem Zwang steht, ihren Vorstellungen [also im jeweiligen Geschlecht] entsprechend zu leben” und angenommen werden kann, dass das auch so bleibt. Geprüft wird das durch zwei vom Gericht beauftragte Gutachter*innen. Offiziell gehört eine geschlechtsangleichende Operation dabei nicht mehr zwangsläufig zu den Kriterien, aber je nach Gutachter*innen kann es gut sein, dass ohne so eine OP kein trans sein attestiert wird und das Gutachten nicht ausgestellt wird. Insgesamt berichten viele trans Menschen davon, dass diese Gutachten extrem unangenehm sind, weil dort extrem genau körperlich untersucht wird und/oder intime Fragen zu den Genitalien, zum Sexleben, zur Psyche etc. gestellt werden. Als wäre das alles noch nicht schlimm genug, ist dieses Gerichtsverfahren zudem noch enorm teuer. Das soll dich nicht entmutigen, es ist nur eine Warnung, dass es ein schwerer Weg sein kann, auf den du dich gut emotional vorbereiten solltest.

Seit Dezember letzten Jahres gibt es allerdings noch eine weitere Option, die du versuchen könntest – sie ist wesentlich weniger aufwändig und teuer, aber immer noch etwas kompliziert. Es geht dabei um ein Schlupfloch im Gesetz zum dritten Geschlechtseintrag: Dadurch war es schon vielen Menschen möglich, eine Namens- und Personenstandsänderung zu bekommen, mit nur einem Brief von einem*einer Ärzt*in. In dem Brief muss stehen, dass bei dir eine “Variante der Geschlechtsentwicklung” vorliegt, damit musst du dann zu deinem zuständigen Standesamt gehen, wo du deinen Namen und deinen Geschlechtseintrag ändern lassen kannst für nur eine geringe Bearbeitungsgebühr. Offiziell ist das nur für intergeschlechtliche Personen gedacht, aber da das Gesetz nicht genau sagt, was unter “Variante der Geschlechtsentwicklung” zu verstehen ist, haben auch schon viele trans Menschen damit erfolgreich ihren Namen und Geschlechtseintrag geändert.

Falls dir das momentan alles nicht möglich ist, gibt es immer noch die Möglichkeit, einen Ergänzungsausweis bei der dgti (Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität) zu beantragen. Den kannst du ganz einfach mit deinem gewünschten Namen und Geschlechtseintrag beantragen und fast überall als gültiges Ausweisdokument verwenden. Der Ergänzungsausweis ist vom Bundesinnenministerium anerkannt und kann auch in Kontrollen und zur Namensänderung bei Institutionen (wie z.B. Universitäten, Versicherungen, etc.) verwendet werden. Hier erfährst du alles darüber und kannst ihn beantragen: https://dgti.org/ergaenzungsausweis.html

Auch ohne rechtliche Namensänderung kannst du fast überall einfach deinen gewählten Namen verwenden – das ist jetzt dein Name, wenn du es so willst, und es geht nur wenige Menschen etwas an, ob das auch wirklich so in deinem Pass steht oder nicht. In der Schule, der Universität, der Ausbildungsstelle, dem Arbeitsplatz, in Sportvereinen und Gruppen und überall in deiner Freizeit kannst du überall das Recht einfordern, so genannt zu werden, wie du es möchtest, auch wenn es (noch) nicht so in deinem Ausweis steht. Du verdienst in jedem Fall Respekt, die richtige Anrede, und dass du dich wohl fühlst.

Ich hoffe, du findest eine gute Lösung und ich drücke dir alle Daumen.
Liebe Grüße, Balthazar

Kummerkasten Antwort 109 – Nicht trans/nonbinary genug?

Hallöchen!
Ich habe folgendes Problem. Ich bin Genderfluid (he/xier) , aber kann mich in keines der Spektren so richtig einordnen. Ich fühle mich nicht “Trans* genug”, aber auch nicht “non-binary genug”. Es ist halt so das ich mich an den meisten Tagen weiblich fühle, mein Gender aber trotzdem schwankt.
Als was kann man sich denn dann identifizieren?
Und, welche nicht neopronomen gibt es die in Frage kommen könnten (abgesehen von “es”)
Gibt es überhaupt “trans* und enby genug”?
Und wie kann ich es lösen das es im deutschen nicht für alles Genderneutrale Formen gibt (Bruder/Schwester)? Im moment habe ich drei Menschen gebeten die Männlichen Formen zu nutzen, da die meisten umschreibungen sich etwas seltsam anhören.

Zum Abschluss ein kleiner Tipp, wer sein genderverlauf notieren will in einer App, für den empfehle ich die App “Daylio”. Einfach die Namen der Stimmungen in Gendernamen umbenennen, bei Aktivitäten so sachen wie “Brust abgebunden” etc. hinzufügen und Zack hat man die beste notizapp

Danke schonmal im vorraus für eure Antwort

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

wir finden, es gibt keine Möglichkeit, “zu wenig” trans oder nichtbinär zu sein. Die Definition von trans sein ist für uns, sich nicht (oder nicht vollständig/ausschließlich) mit dem Geschlecht zu identifizieren, dem du bei der Geburt zugewiesen wurdest. Das scheint bei dir der Fall zu sein – also bist du trans, und damit auch “trans genug”.

Klar, es gibt viele Menschen, auch innerhalb von trans und nonbinary Communities, die klare Regeln und Grenzen dafür aufstellen wollen, was genau es bedeutet, trans oder nichtbinär zu sein. Diese Menschen haben aber nicht das Recht, deine Identität in eine Schublade zu packen – nur du darfst entscheiden, wer du bist. Es gibt nicht eine einzige und “richtige” Art und Weise, trans oder nichtbinär zu sein, weil wir alle Individuen sind und auf unsere ganz eigene Art leben und Erfahrungen machen. Du kannst nur auf deine Art du selbst sein, und du musst dich nicht an irgendwelche angeblichen Normen und Regeln anpassen – du verdienst Respekt und Anerkennung genau so, wie du bist.

Es ist im Deutschen schwierig, eine Sprache zu finden, die nicht männlich oder weiblich gecodet ist. Die “männlichen” Formen zu verwenden, ist vollkommen in Ordnung, wenn sie sich für dich besser anfühlen als die anderen Optionen. “Er” und grammatikalisch maskuline Formen müssen nicht bedeuten, dass sich eine Person auch maskulin oder als Mann identifiziert, genausowenig wie “sie” oder grammatikalisch feminine Formen unbedingt bedeuten, dass eine Person eine Frau ist. Manche nichtbinäre Menschen verwenden im Deutschen “er” oder “sie”, manche verwenden beides abwechselnd. Ich persönlich verwende “es” für mich bei Menschen, bei denen ich weiß, dass sie sich mit Nichtbinarität auskennen und es nicht als abwertend betrachten, und “er” bei allen anderen, weil es so einen schönen Kontrast zu dem darstellt, wie Menschen mich optisch einordnen. Andere Menschen verzichten ganz auf Pronomen und benutzen nur noch ihren eigenen Namen oder eine Kurzform davon (z.B. Name Pippin, Pronomen “pip” – das wird dann nicht konjugiert/grammatikalisch angepasst). Umgehungsmöglichkeiten sind meist Kurzformen wie “Studi” statt Student/Studentin/Student*in, Passivformen wie “Studierende” (geht aber eher nur, wenn von mehreren Leuten die Rede ist) oder indem du einen Satz daraus machst wie “[Name] studiert” statt “[Name] ist ein Student”. Es gibt für viele Begriffe auch neutrale Formen, z.B. “Das ist mein Geschwister, [Name]”. (Die Vermeidungsform davon wäre “Das ist [Name], wir sind Geschwister.”) Das meiste hiervon braucht ein bisschen Zeit zur Umgewöhnung und klingt am Anfang vllt. etwas seltsam und ungewohnt, aber aus meiner Erfahrung gewöhnen sich Menschen schnell daran und es kann auch Spaß machen. (Ein Beispiel: Da ich an einer Hochzeit teilnehme, aber weder Brautjungfer noch Trauzeuge bin, hat Annika mich zum “Brautjungferich” erklärt – unsere ganz eigene geschlechtsneutrale Variante, über die wir gut lachen können.)

Am Besten probierst du einfach aus, was sich für dich am besten anfühlt, und holst dir am Besten ein paar Leute mit ins Boot, denen du vertraust. Was sich richtig anhört und anfühlt, kriegst du vielleicht am ehesten raus, wenn andere es auf dich anwenden.

Zuletzt noch danke für deinen super Tipp zur App! Der wird sicherlich auch nützlich für andere Leute sein, die hier mitlesen.

Viele Grüße und alles Gute,

Balthazar

Kummerkasten Antwort 108 – Welche Labels passen für mich?

Hallo zusammen!
seit einiger Zeit bin ich mir sowohl über meine Identität als auch über meine sexuelle Orientierung im Unklaren. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Männer sexuell attraktiv finde oder nur neidisch auf ihr gutes Aussehen bin. Mittlerweile glaube ich aber, dass es das erstere sein könnte. Mein Herz hat auch schon höher geschlagen, als ich einen transsexuellen Mann gesehen habe. Ich kann definitiv sagen, dass ich auf Frauen stehe, aber bei Männern und anderen Identitäten bin ich mir nicht sicher. Wo könnte man das zuordnen?

Des Weiteren habe ich schon früh gemerkt, dass ich mich in der Gesellschaft von Frauen viel wohler fühle und mit ihnen auch besser unterhalten kann. Schon in der Schule hatte ich immer den Eindruck, dass sich Jungs nur für Fußball interessierten und ich mich nach diesem typisch patriarchalen männlichen Stereotyp verhalten sollte in ihrer nähe (wenig Emotionen, rau, der Gewalt zugeneigt, z.B. in Ballerspielen). Mein Verhalten würde man in eher konservativen Kreisen als feminin bezeichnen. Ich hätte auch nichts dagegen, weibliche Kleidung zu tragen (wobei ich diesen Begriff nicht mag, denn jeder sollte tragen, was einem gefällt unabhängig von Geschlecht oder Identität!). Daher frage ich mich, ob ich möglicherweise genderfluid bin, denn es gibt Zeiten, da ich mich schon als Mann identifiziere, in anderen Zeiten wünsche ich mir, ich wäre eine Frau, oft sogar, dass ich als Frau (nochmal) geboren werden könnte und neu anfangen könnte.

Ich frage mich auch, ob die LSBAATIPQQ+ Community auch Leute einschließt, die sich – wie ich auch – nicht mit ihrem Alter identifizieren. So habe ich bisweilen den Wunsch, wieder ein kleines Kind, häufig sogar ein Baby zu sein.

Ich freue mich schon auf eure Antwort! 😀

LG

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

zuerst einmal möchte ich sagen, dass es immer vollkommen okay ist, nicht genau zu wissen, wer man ist oder auf wen man steht – manche Menschen brauchen sehr lange, um das herauszufinden, manche verstehen das erst sehr spät in ihrem Leben, andere können das nie so genau sagen. Und das ist vollkommen okay. Es gibt keine Regel, die sagt, dass du genau wissen musst, wer du bist. Viele Menschen in deiner Situation entscheiden sich, ganz auf Labels zu verzichten oder ein Label zu verwenden, das mehr ein Überbegriff ist, wie zum Beispiel “queer” oder “polyromantisch/polysexuell”. Selbst ein Begriff wie “bisexuell” kann so ausgelegt werden, wie du es gerne möchtest – in deinem Fall könntest du es so auslegen, dass es bedeutet, dass du auf Frauen und evtl. Menschen anderer Geschlechter stehst. Wenn du dich noch nicht konkret festlegen willst, dann helfen dir vielleicht so Begriffe wie “bicurious” (zu dem ich bisher keine deutsche Entsprechung kenne, aber vielleicht möchtest du den Begriff aus dem Englischen übernehmen oder dir selbst eine deutsche Entsprechung ausdenken) oder “questioning”, also “fragend” (wie auch bei bicurious kenne ich dazu kein deutsches Wort – vielleicht tut es “unentschlossen” aber ganz gut). Beide Begriffe werden von Menschen verwendet, die sich noch nicht ganz sicher sind, zu wem sie eigentlich hingezogen sind. Wichtig ist aber auch: Egal, für welches Label du dich entscheidest – falls du nach einer Zeit bemerkst, dass es doch nicht oder nicht mehr passt, dann kannst du es jederzeit ändern. Du musst keine Entscheidung für den Rest deines Lebens treffen; Sexualität ist für viele Menschen fließend und in ständigem Wandel.

Es kann nach deinen Beschreibungen sehr gut sein, dass du genderfluid bist oder irgendwo anders unter die Schirmbegriffe “trans”, “genderqueer”, “gendervariant”, “nichtbinär” oder “gender non-conforming” (also nicht deinem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht und dessen Normen entsprechend) fällst. Am besten findest du das heraus, indem du dich ausprobierst – zum Beispiel mit verschiedener Kleidung -, indem du dich mit anderen austauschst, die auch genderfluid sind oder andere Erfahrungen mit trans sein gemacht haben, und indem du weitere Informationen sammelst. Mit der Zeit wirst du sicher herausfinden, was sich für dich richtig anfühlt und was nicht. Egal, ob du ein Label dafür findest oder nicht, du kannst immer du selbst sein und schuldest niemandem eine Erklärung oder eine einfache Schublade dafür, in die dich andere Menschen packen können. (Und du hast vollkommen Recht: Kleidung hat kein Geschlecht und alle sollten tragen dürfen, was sie wollen!)

 Die Sache mit dem Alter kann ich dir leider nicht so gut beantworten. Das hat erstmal nichts mit LSBAATIPQQ+ Sein zu tun, aber vielleicht findest du da in Kink Communities weiter Auskunft darüber – es gibt dort das so genannte Age Play, was allerdings nicht unumstritten ist, also achte gut darauf, woher du deine Informationen beziehst und welche Bedürfnisse hier angesprochen werden. Wir kennen uns mit dieser Thematik nicht gut genug aus, um darüber weiter Auskunft zu geben.

Wir wünschen dir alles Gute!
Viele Grüße,

Balth

Kummerkasten Antwort 100 – jung und nicht weiblich – aber was?

Hey.
Ich habe mir ein paar Fragen und Antworten von anderen Menschen durchgelesen, aber irgendwie beschreibt keine einzige wirklich mich.
– Ich bin weiblich, trage aber nicht gerne weibliche Klamotten, möchte aber auch nicht männlich sein, und andererseits mag ich das Personalpronomen “sie” nicht und will keine Brüste haben. –
Ich möchte auch eigentlich nicht, dass irgendwer davon erfährt. Zudem bin ich noch ziemlich jung.

Hey Unbekannte*r,

danke für deine Frage. Was du beschreibst, klingt für mich, als könntest du agender sein oder vielleicht eine andere nichtbinäre Identität haben. Nichtbinär ist ein Label aus dem Bereich von trans Identitäten und beschreibt alle Menschen, die sich nicht ausschließlich als männlich oder weiblich definieren. Wer nichtbinär (oder trans im Allgemeinen) ist, kann sich nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren – in deinem Fall weiblich. Es gibt noch sehr viel mehr Geschlechter als nur männlich und weiblich, das wird aber in unserer Gesellschaft oft versteckt, und es ist deswegen verständlich, dass du verwirrt bist. Das ist voll okay.

Nichtbinär ist ein Überbegriff für sehr viele verschiedene Geschlechter, die nicht männlich oder weiblich sind – agender ist eins davon. Wer agender (oder auch genderlos oder geschlechtslos) ist, hat kein Geschlecht oder kann mit Geschlecht an sich nichts anfangen. Vielleicht kannst du ja mit einem dieser Begriffe etwas anfangen? Wenn nicht, ist es auch voll okay – du bist überhaupt nicht verpflichtet, dich auf ein Label festzulegen. Stattdessen kannst du auch einfach nur tun, was sich gut und richtig anfühlt, ohne es genau benennen zu müssen. Du könntest z.B. deine Brüste mit einem Binder abbinden – wie das geht und was du dabei beachten musst, kannst du in unserer Binderbroschüre erfahren. Du kannst außerdem mit Pronomen experimentieren, wenn “sie” sich nicht gut anfühlt. Vielleicht passt dir ja “er” oder “es” besser, oder vielleicht möchtest du dir ein eigenes Pronomen überlegen? Viele nichtbinäre Menschen in Deutschland mögen es aber auch, kein Pronomen zu verwenden, also statt Pronomen einfach immer nur den eigenen Namen oder eine Kurzform davon zu benutzen. Vielleicht fühlst du dich sicher genug, um ein paar Freund*innen oder Familienmitglieder zu bitten, andere Pronomen für dich zu verwenden. Wenn du dich das nicht traust, kannst du die neuen Pronomen aber vielleicht auch einfach nur anonym und online ausprobieren, z.B. auf einem Social-Media-Account oder so.

Es ist vollkommen okay, sich nicht zu outen. Du bist überhaupt nicht verpflichtet, irgendwem dein Geschlecht zu offenbaren und wem du es erzählst oder nicht erzählst, bleibt ganz allein deine Sache. Es ist vollkommen okay, es niemandem zu erzählen, oder nur ganz wenigen Leuten – es ist voll und ganz deine Entscheidung, wie du dich vor wem outest. Außerdem darfst du dir dafür so viel Zeit lassen, wie du brauchst.

Ganz viel Erfolg bei deiner Selbstfindung! Komm jederzeit vorbei, wenn du noch weitere Fragen hast. 🙂
Viele Grüße,

Balthazar

Kummerkasten Antwort 99 – Tipps für einen trans Jungen

Hi,
Ich bin 12 jahre alt und habe vor einem Monat fest gestellt das ich pan bin, habe jetzt aber viele tests gemacht zu transsexualitaet. Ich fuhle mich Wie ein Junge und haette auch schon einen Namen… Vllt. Ein paar tippy?

Hallo du,

es freut mich sehr, dass du dich mit deiner Orientierung und deinem Geschlecht auseinandersetzen kannst und dass du Begriffe gefunden hast, die dich beschreiben. Und auch schön, dass du schon einen Namen gefunden hast, mit dem du dich wohl fühlst! Vielleicht gibt es ja ein paar enge Freund*innen, denen du dich anvertrauen möchtest? Denen könntest du deine Identität erklären und sie bitten, dich ab jetzt mit deinem neuen Namen anzusprechen. So kannst du ausprobieren, wie es sich anfühlt mit diesem Namen und ob es das Richtige für dich ist. Am besten startest du mit ein paar wenigen Leuten, denen du sehr vertraust – das hilft, um möglichst gute Erfahrungen zu machen und dich wohl zu fühlen. Vielleicht gibt es ja bei dir in der Gegend oder sogar an der Schule eine queere Jugendgruppe oder AG oder sowas? Es tut auch immer gut, mit anderen Menschen zu reden, die ähnliche Lebenserfahrungen machen wie du und denen es ähnlich geht. Vielleicht findest du ja andere trans Menschen in deinem Umfeld, mit denen du dich austauschen kannst und die dir hilfreiche Tipps geben und dir zuhören können. Wenn es eine erwachsene Person gibt, der du vertraust (z.B. Eltern, andere Verwandte, Lehrer*innen, Jugendgruppenleiter*innen), dann kann es auch gut sein, dich denen anzuvertrauen. Eine erwachsene Person kann dir helfen, deinen Weg zu finden.

Es hilft auf jeden Fall, dich so viel wie möglich zu informieren, z.B. durch Videos, Handbücher, Artikel usw. – am Besten, wenn sie von anderen trans Menschen geschrieben wurden.

Viel Glück und Erfolg bei deinem weiteren Weg!
Liebe Grüße,

Balthazar

Kummerkasten Antwort 83 – Manchmal ein Junge, manchmal ein Mädchen?

Hallo,
ich weiß gar nicht wie ich Anfangen soll, ich bin momentan einfach irgendwie verwirrt und unglücklich. Und zwar fühle ich mich als Junge an Manchen Tagen wie ein Mädchen. Das hört sich jetzt wahrscheinlich komisch an, aber ich weiß nicht weiter. An manchen Tagen bin ich voll zufrieden und auch Glücklich während ich an anderen Tagen einfach nur herumsitze und sehr unglücklich bin aufgrund das ich mich manchmal eher als Mädchen fühle aber kein Mädchen bin. Wie nennt man denn sowas? Gibt’s dafür eine Erklärung?

Hallo lieber Mensch,

was du beschreibst, hört sich gar nicht mal so komisch an. Es klingt, als könntest du genderfluid sein – viele Menschen, denen es ähnlich geht wie dir, verwenden diesen Begriff, um zu beschreiben, dass sie nicht ein einziges, festes Geschlecht haben, sondern dass sie mehrere Geschlechter haben, zwischen denen sie ‘fließend’ wechseln. Oft wechselt das Geschlecht dieser Menschen zwischen männlich und weiblich, es kann aber auch zwischen anderen Geschlechtern wechseln. Wenn du dich zum Beispiel an manchen Tagen eher weiblich, aber nicht zu hundert Prozent weiblich fühlst, könnte es sein, dass du an diesen Tagen ein demigirl bist, also eine Person, die teilweise oder größtenteils weiblich ist, aber eben nicht vollständig.

Auf jeden Fall sind deine Erfahrungen mit deinem Geschlecht vollkommen in Ordnung und du bist nicht alleine. Vielleicht hilft es dir ja, dich mit anderen Leuten zu unterhalten, die genderfluid sind. Auf Social Media reden Menschen oft über ihre Erfahrungen mit fluidem Geschlecht, vielleicht gibt es da ja Menschen, denen du zuhören und mit denen du reden kannst. Und falls du noch weitere Fragen hast, kannst du dich jederzeit wieder gerne an uns wenden.

Viele Grüße und alles Gute,
Balthazar

Kummerkasten Antwort 82 – Was tun gegen Misgendering?

Hallo, ich bin seit 1,5 Jahren geoutet und habe vor etwas über einem Jahr mein Pronomen geändert zu “es” und habe meine Familie drum gebeten, das zu benutzen. Aber ich habe das Gefühl, dass die sich lieber die Zunge rausreißen würden als mich nicht zu misgendern, denn nicht ein einziges Mal haben sie mein Pronomen benutzt (außer um mich zu manipulieren wenn ich was für sie tun sollte). Auch benutzen sie ständig binär gegenderte Nomen für mich wie Bürger oder Schülerin. Ich fühle mich mit beidem nicht wohl, lieber hätte ich diese Wörter umschrieben oder mit Sternchen oder so gegendert, aber die geben mir das Gefühl das alles wäre zuviel verlangt und nur ein paar Sonderwünsche. Generell stehen die sehr auf generische Maskulina. All das tut ziemlich weh und ich weiß nicht was ich tun soll. Manchmal überlege ich ob ich sie einfach ganz aus meinem Leben schneide. Könnt ihr helfen?

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

es tut uns furchtbar leid zu hören, dass dein Geschlecht und deine Pronomen von den Menschen, die dir nahe stehen nicht respektiert werden. Das muss sehr weh tun, und deine Gefühle dazu sind vollkommen verständlich. Es ist definitiv nicht zu viel verlangt, dass die Menschen um dich herum Sprache verwenden, die dich nicht verletzt und mit der du dich wohl fühlst. Menschen passen ständig ihre Sprache an, je nachdem, mit wem sie reden – niemand spricht mit der Chefin gleich wie mit den Freund*innen, oder mit der Oma so wie mit der Clique – nur bei trans und nichtbinären Menschen tun plötzlich alle so, als sei es ein riesiger Aufwand und viel zu viel verlangt, und das ist schlicht und einfach transfeindlich.

Es ist schwierig zu sagen, wie du damit umgehen kannst. Wir haben hier mal ein paar Ideen gesammelt:

Du kannst nochmal versuchen, mit den Leuten darüber zu reden, wie sehr dich ihr Verhalten verletzt. Vielleicht hilft es dabei auch, ihnen die Konsequenzen ihres Handelns klar zu machen: Du kannst ihnen sagen, dass du nicht mehr gerne Zeit mit ihnen verbringst, wenn sie deine Bedürfnisse nicht ernst nehmen, und dass du darüber nachdenkst, den Kontakt abzubrechen. Es kann dann allerdings leider auch passieren, dass sie nach wie vor nicht verstehen, wie ernst es dir ist, und dass dann die Situation noch angespannter wird.

Was auch gut sein kann, ist den Menschen in deinem Umfeld mehr Informationen zur Verfügung zu stellen – was bedeutet es, nichtbinär zu sein? Welche anderen Leute verwenden auch es-Pronomen? Was ist misgendering und warum ist es so schädlich? Zu diesen und ähnlichen Themen gibt es Informationen, Artikel und Erfahrungsberichte online, vielleicht hilft es, mit deinen Verwandten andere Quellen zu teilen, die deine Position verdeutlichen. Es kann hilfreich sein, wenn solche Informationen nicht immer nur von dir kommen, sondern manchmal etwas indirekter – das nimmt dir Arbeit ab und lässt anderen die Möglichkeit, die Sache mit etwas Abstand und aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Manche Menschen hören auch einfach auf zu reagieren, wenn Menschen sie mit dem falschen Namen oder falschen Pronomen ansprechen. Das ist eine etwas witzige, aber auch trotzige Art, mit misgendering umzugehen. Ab und zu mal frech nachzufragen, “Wer ist sie/er überhaupt? Von wem redet ihr da die ganze Zeit?” oder halt in Gesprächen einfach nicht mehr zu reagieren, bis die richtige Sprache für dich verwendet wird, ist eine passive und einfache Art, den anderen klarzumachen, dass sie falsch handeln. Oder du nimmst dir eine andere Person (oder mehrere) mit, die penetrant verbessert, wenn andere die falschen Pronomen verwenden. Das zeigt deiner Verwandtschaft, dass es durchaus kein Ding der Unmöglichkeit ist, dich richtig und respektvoll anzusprechen.

Falls du aber das Gefühl hast, dass nichts wirklich hilft und dass diese Menschen dir nach wie vor bewusst wehtun, dann kann es auch gut sein, zumindest für eine Weile den Kontakt abzubrechen. Ständig misgendert zu werden, kann ganz schön der Gesundheit schaden, und es ist wichtig, dich mit Leuten zu umgeben, die das Beste für dich wollen und sich auch so verhalten. Es ist schmerzhaft, Menschen aus dem Leben zu schneiden, aber wenn diese Menschen sich so verhalten, wie deine Verwandtschaft es tut, bleibt manchmal keine andere Wahl.

Hoffentlich lassen sich deine Verwandten überzeugen und lernen, besser mit dir zu reden und umzugehen. Wir wünschen dir auf jeden Fall alles Gute!

Viele Grüße,
Balthazar