Kummerkasten Antwort 224: Ich möchte eine Hysterektomie

Ich bin trans männlich und möchte meine Hysterektomie beantragen aber weiß nicht, was ich dafür alles brauche

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Zum Thema Hysterektomie findest du bei unseren Kolleg*innen von trans Mann e.V. viele Informationen: http://transmann.de/trans-informationen/medizinisches/hysterektomie/

Hier außedem eine ausführliche Broschüre zum Download: http://transmann.de/?download=1257

Alles Gute für dich!

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkastenantwort 223 – Transition – aber nur zum Teil?

Hallo,
ich bin ende 20 und kämpfe seit gut 16 Jahren mit der Idee Trans zu sein. So weit ich zurück denken kann habe ich eine stark ausgeprägte physische Geschlechtsdysphorie, nach so langer Zeit bin ich sicher das, dass keine Phase ist die vorbei gehen wird, weswegen ich eine Hormontherapie starten will(die Indikation habe ich schon). Aber ich habe leider gar keine soziale Dysphorie und auch nicht wirklich den Wunsch in der weiblichen Rolle zu leben. Im Kopf empfinde ich mich eher als feminin Androgyn, maskuline Pronomen oder mein Name machen mich nicht dysphorisch.
Ich bin sicher das es mir durch Hormone emotional bedeutend besser gehen würde, ich kann mich nicht mal im Spiegel ansehen. Aber wenn ich sozial in die weibliche Rolle rutschen würde glaube ich das meine dysphorie von der körperlichen Ebene auf die soziale wechseln würde.
Ich denke ohne HRT werde ich mich in meiner Haut niemals wohl fühlen! Aber ich identifiziere mich nicht als Frau, sondern als feminin Androgyn! Ich habe weder das Verlangen meinen Personenstand noch meinen Namen zu ändern.
Besteht die Möglichkeit die HRT zu starten, mich danach aber trotzdem eher Tomboyish/Androgyn zu präsentieren? Oder muss ich damit rechnen das irgendwann der Punkt kommt das ich eindeutig als Frau wahrgenommen werde? Ich weiß nicht was ich tun soll und meine Psychologin kennt sich damit nicht aus.

Hallo,

die kürzeste aller Antworten auf deine Fragen ist: Ja, die Möglichkeit besteht und nein, du wirst nicht irgendwann automatisch als Frau wahrgenommen werden.

Lass mich das noch etwas weiter ausführen. Irgendwann mal, als das Transsexuellengesetz geschrieben wurde, war angedacht, dass Transition ganz oder gar nicht bedeuten sollte. Wie sich herausgestellt hat, ist das weder für alle Personen, die trans sind, psychologisch und medizinisch richtig, noch menschenrechtlich haltbar. Der Staat hat das schon begriffen. Eine Personenstandsänderung geht, ohne, dass eine Person sich jemals einer Hormontherapie oder Operationen unterzieht. Auch der umgekehrte Fall, „trotz“ HRT keine Personenstands- oder Namensänderung durchführen zu lassen, ist rein rechtlich möglich.

Die Erkenntnis, dass Personen, die trans sind, nicht immer automatisch alles wollen, was irgendwie Transition bedeuten kann, hat sich bei den Krankenkassen allerdings noch nicht so ganz herumgesprochen. Es gibt seit letztem Jahr eine neue Behandlungsrichtlinie, deren Quintessenz ist, dass die Initiative und das letzte Wort immer von der betroffenen Person und nicht von Ärzt*innen oder Psycholog*innen ausgehen soll. Das wissen bisher aber kaum Mediziner*innen und viele Krankenkassen verfahren weiter nach den alten Richtlinien.
Diese neuen Richtlinien bilden aber das ab, was Personen, die trans sind, schon lange fordern: Selbst entscheiden können und dürfen. Es ist also nicht „nur“ legal und völlig valide, wenn du lediglich Hormone möchtest – sondern in der Theorie auch genau so möglich.

Du machst dir auch ein wenig Sorgen, dass du irgendwann automatisch als Frau wahrgenommen werden könntest. Da es sehr verschieden ist, wie sehr sich Hormone aufs Äußere auswirken, hilft hier wohl nur ausprobieren. Gerade, wenn du dir unsicher bist, ob das nicht zu „gut“ funktionieren würde, empfiehlt es sich möglicherweise, mit sehr geringen Dosierungen zu beginnen.
Unabhängig davon hast du natürlich immer die Möglichkeit, durch Kleidung, Make-Up oder Frisur beispielsweise sozusagen gegenzusteuern.

Kurz gesagt: Es geht um dich. Du hast die Freiheit und das Recht, eine Hormontherapie anzufangen und dich androgyn zu präsentieren.

Ich wünsche dir alles Gute bei deiner Transition,
Xenia

Kummerkasten Antwort 218 – Meine Haare lösen Dysphorie aus

Hallo.

Und zwar gibt es etwas was mich ein wenig stutzig macht.
Ich bin trans und nicht geoutet.
Meine Haare bringen mir gelegentlich Dysphorie und ich bin mir unschlüssig, was ich jetzt machen soll.
Meine Haare sind bis zur Schulter lang und ich frage mich wie ich sie männlicher wirken lassen kann da ich denke dass kurze Haare mir mit meinem runden Gesicht nicht stehen werden.
Gibt es da Tricks die ich anwenden könnte?
Besten Dank!
Zedrik

Hallo Zedrik!

Ich persönlich finde nicht, dass es irgendwelche Gesichtsformen gibt, zu denen kurze oder lange Haare passen oder nicht passen – das ist ja alles nur irgendwelche Mode, wo mal irgendwer beschlossen hat, was gerade “in” ist und was nicht. Ich kann aber auch verstehen, wenn du deine Haare nicht abschneiden willst – das ist schließlich ein großer Schritt. Es ist vollkommen okay, deine Haare so zu tragen, wie du dich am wohlsten fühlst.

Lange Haare sind ja nicht an sich unmännlich, und es gibt viele Männer, trans und cis, die ihre langen Haare mit Stolz tragen. Wie genau lange Haare “männlicher” wirken ist schwierig zu sagen, weil der gleiche Haarstil bei unterschiedlichen Menschen ganz anders aussehen kann. Du kannst ja einfach mal die Augen offen halten, ob du – in der Öffentlichkeit oder auf Fotos – ein paar Männer mit langen Haaren findest, deren Looks dir gefallen. Ich persönlich folge gerne Leuten auf Instagram, deren Looks ich inspirierend finde. Allgemein kann ich nur sagen: Männer tragen ihre langen Haare oft “unordentlicher” als Frauen, also mit weniger definiertem Scheitel oder ganz ohne Scheitel, und wenn sie ihre Haare zusammenbinden, dann meistens in einem eher unordentlichen “Knoten” statt in einem ordentlichen Dutt oder Zopf. Außerdem sieht eine große Stirn oft “männlicher” aus, also hilft es auch, die Haare aus dem Gesicht zu halten und z.B. hinter die Ohren zu schieben.

Das alles sind eben normative Vorstellungen von Männlichkeit, und es bleibt vollkommen dir überlassen, was du daraus machst. Tu einfach, womit du dich wohl fühlst, das ist genau richtig so.

Alles Gute für dich!
Balthazar

Kummerkasten Antwort 209 – Ich will kein Mann sein?!

TW: In dieser Frage geht es unter anderem um Sexismus, Mobbing, toxische Geschlechterrollen und Transfeindlichkeit.

Hallo,
Ich glaube um meine Situation zu erklären muss ich leider ein wenig ausholen. Sorry schon mal falls diese Nachricht etwas lang wird.
Ich bin 19 Jahre alt und (zumindest biologisch gesehen) ein Mädchen /eine Frau.
Was meine Sexualität und mein Geschlecht angeht bin ich jedoch schon von klein auf sehr verwirrt. Als Kind im Grundschulalter wollte ich immer unbedingt ein Junge sein. Ich habe mir gar nicht viele Gedanken darüber gemacht sonder einfach diesen Traum ausgeplaudert. Natürlich nahm das keiner ernst. Meine Mitschüler haben mich auch Jahre später noch damit geärgert und meine Eltern haben es einfach nicht weiter beachtet. Ich habe auch nicht weiter drüber nachgedacht weil ich von Transgender und so was allem natürlich noch nichts gehört hatte. Als ich älter wurde habe ich aufgrund von Mobbingerfahrungen und dem schwierigen Verhältnis zu meinem Vater “gelernt” dass Jungs/Männer Arschlöcher sind. Sorry für die Ausdrucksweise. Ich habe aufgehört ein Junge sein zu wollen und versucht mich mit der Rolle als Mädchen abzufinden. Ich fing mehr und mehr an das Männliche Geschlecht zu hassen und darauf meine Identität aufzubauen. Ich habe mich lange Zeit durch die bloße Tatsache ein Mädchen zu sein gedemütigt gefühlt. Ich hatte die Erfahrung gemacht dass in unserer Gesellschaft die Jungs/Männer mehr wert sind, bestimmen dürfen, mehr Rechte haben,… In dem Weltbild, dass ich mir aufgebaut hatte waren Frauen nichts wert. Irgendwann erkannte ich jedoch dass in Wahrheit die Frauen die besseren sind und die Männer der Feind der uns nur eintrichtern will wir wären wertlos und schwach. Ich könnte jetzt noch ewig über mein Bild von Männern und Frauen reden aber das würde euch wahrscheinlich alle nur wütend machen weil die meisten Menschen sagen das sei völlig falsch. Männer seien nicht gefühlskalt, herrisch, rechthaberisch, selbst erlebt,… Ich habe jedoch genau die Erfahrung gemacht.
Zurück zum wesentlichen. Ich habe also versucht mich mit meiner Frauenrolle zu identifizieren was mir durch den Hass auf Männer gelang und durch meinen Wunsch mich an der Männerwelt rächen zu können. Trotzdem habe ich mich besonders von meinem weiblichen Körper immer gedemütigt gefühlt und er fühlt sich einfach nicht nach meinem an.
Vor ein paar Monaten habe ich herausgefunden dass ich lesbisch bin. Zunächst dachte ich das würde all meine verwirrenden Gefühle erklären. Ich dachte wenn ich weiß nicht eines Tages mit einem Mann zusammen sein zu müssen entspannt das mein Verhältnis zu den Männern. Das hat jedoch nicht funktioniert. Im Gegenteil. Nachdem dieses Problem gelöst war drängte sich mir wieder die Frage nach meiner Identität auf. Nach langem Überlegen kam ich zu der Erkenntnis dass ich mich fühle wie ein Junge der ein Mädchen sein will. Diese Erkenntnis hat mich jedoch noch mehr verwirrt. Ich habe den Körper einer Frau, habe aber das Gefühl den eines Mannes zu haben bzw. hätte gerne den eines Mannes. Wenn ich in den Spiegel schaue sehe ich das Gesicht eines Jungen/Mannes. Aber ich will kein Mann sein. Von der Persönlichkeit will ich eine Frau bleiben. Ich will kein gefühlskalt Eisblock werden, der sich immer als der Überlegene und der Tollste fühlt. Ich will nicht andere Menschen erniedrigen nur weil sie ein anderes Geschlecht haben. Außerdem, wenn ich ein Mann werden würde wäre ich ja nicht mehr Homosexuell. Ich habe jedoch festgestellt dass ich Heterosexualität echt eklig finde. Ich finde es okay wenn Menschen Hetero sind und kann es auch akzeptieren aber ich kann zum Beispiel noch nicht einmal hinschauen wenn sich Mann und Frau in einem Film küssen. Bei Homopaaren ist das kein Problem. Das heißt als Mann müsste ich auf Männer stehen, doch das kann ich eben nicht weil ich auf Frauen stehe.
Wahrscheinlich kapiert kein Mensch was ich mit diesem wirren Gerede sagen will. Ich verstehe mich und meine Gefühle ja selbst nicht. Ich weiß nur dass ich meinen weiblichen Körper kaum noch ertragen kann, obwohl ich so vieles versucht habe mich mit ihm anzufreunden. Besonders meine Brust kann ich absolut nicht akzeptieren. Schon dafür, zugeben zu müssen dass ich eine habe, schäme ich mich sehr. BHs kaufen ist das Demütigendeste was es gibt und ich verzweifle langsam echt. Ich habe schon mehrmals versucht sie abzufinden, was aber jedes Mal zu starken Schmerzen, Atemnot und blauen Flecken geführt hat. Jetzt habe ich zwar eine neue Methode dafür gefunden, die wenigstens hält aber schmerzhaft ist es immer noch, besonders weil ich chronischen Husten habe der dadurch verstärkt wird.
Die Leute in meinem Umfeld meinen ich könne meinen Körper nur nicht akzeptieren weil ich nicht erwachsen werden will. Es stimmt zwar dass ich mich mit dem erwachsen werden schwer tue aber ich glaube nicht dass das der Grund dafür ist warum sich mein Körper nicht nach meinem Körper anfühlt.
Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Ich will doch einfach nur wissen wer oder was ich bin. Ich bin so verwirrt. Auf der einen Seite will ich nicht einfach nur eine Frau sein, weil sich das falsch anfühlt. Auf der anderen Seite will ich aber auf keinen Fall ein Mann sein. Mein Ekel vor Männern wird irgendwie immer größer. Wenn sich zum Beispiel einer in der Bahn neben mich setzt kann ich oft kaum noch atmen und bekomme regelrecht Angst. Wenn mich ein Mann/Junge berührt muss ich mich sofort desinfizieren. Ich schäme mich total dafür. Schließlich rege ich mich darüber auf dass die Männerwelt uns Frauen schlecht macht und erniedrigt und selbst bin ich so voll Hass und Ekel gegenüber Männern. Bitte denkt jetzt nicht schlecht über mich. Ich will so nicht fühlen oder denken. Ich weiß nur nicht wie ich es ändern kann.
Am liebsten wäre ich einfach Mann und Frau zugleich. Ich habe gelesen dass das zwar geht aber ich verstehe das alles nicht. Es ist zu verwirrend. Und wenn ein Teil von mir ein Mann wäre, wie sollte ich damit leben. Auf der anderen Seite kann ich ja aber auch nicht mit dem Frau sein leben. Ich habe versucht mir vorzustellen wie es wäre ein Mann zu sein und es hat sich sehr einsam angefühlt. Männer haben schließlich keine richtigen Freunde, reden nicht über Gefühle, müssen immer die starken Beschützer sein,… Ich kann so nicht leben. Und eine Partnerin würde ich dann erst recht nie finden. Ich könnte es niemals mit meinem Gewissen vereinbaren dass wegen mir eine Frau mit einem Mann zusammen lebt. Männern kann man einfach nicht vertrauen und ich will dass man mir vertrauen kann. Ich will aber auch dass ich mich jemandem anvertrauen kann und nicht den Rest meines Lebens ein starker Macho sein muss.
Ich weiß einfach nicht mehr weiter.
Ich habe mit ein paar Leuten in meinem Umfeld darüber gesprochen und die meinten ich solle einfach aufhören darüber nachzudenken. Ich sei eine Frau und damit müsse ich mich abfinden und mein Geschlechterrollenbild sei eh viel zu verschoben um da zu einer Lösung zu kommen. Man könne eh nichts an dem ganzen ändern. Ich schaffe es aber einfach nicht mich damit abzufinden und einen Punkt an die Sache zu setzen. Wer bin ich? Und was kann ich tun um das herauszufinden?

Hallo du,

erst einmal tut es mir leid, dass dich als Kind mit deinem Geschlechtsausdruck niemand ernst genommen hat und dass du so viele schlechte Erfahrungen damit und mit Männern machen musstest.

Es stimmt, dass sehr viele Eigenschaften, die in der Gesellschaft als “männlich” gelten, nicht gerade menschlich, herzlich und freundlich sind. Von Männern wird erwartet, dass sie stark, durchsetzungsfähig und wenn nötig auch aggressiv sind, und das macht es vielen Männern nicht gerade leicht, gute Menschen zu sein. Und weil es diese ganzen Geschlechterrollen und Erwartungen an Männer gibt, schaffen es viele nicht, einen positiven sozialen Umgang mit ihren Mitmenschen zu entwickeln. Dazu kommt noch, dass Frauen in unserer Gesellschaft fast überall im Vergleich zu Männern abgewertet werden und viel Diskriminierung und Gewalt erfahren, oft von Männern.

Das heißt aber nicht, dass alle Männer so kalt, verletzend und freundelos sind, oder dass du so sein musst, wenn du feststellen solltest, dass du tatsächlich ein Mann bist. Es gibt unzählige Männer, die sich bemühen, besser zu sein als ihr Ruf, die enge Freundschaften pflegen und hilfsbereit, großzügig, weich und verständnisvoll sind. Nicht alle Männer sind genau gleich, so wie auch nicht alle Frauen exakt gleich sind. Es gibt überall gute und schlechte, und dann noch zahlreiche Abstufungen dazwischen.

Wenn du feststellen solltest, dass du ein Mann bist, dann bist du immer noch du selbst. Dein Charakter bleibt so, wie er ist, deine Art zu lieben bleibt so, wie sie ist, und du bist immer noch der gleiche Mensch wie immer. Und das ist vollkommen okay. Du bekommst die Chance, ein besserer Mann zu sein als die, mit denen du so schlechte Erfahrungen gemacht hast, und du alleine entscheidest, was für eine Art Mann und Mensch du bist.

Was deine Angst vor Männern und deinen Ekel betrifft, da kann ich dir leider nicht weiterhelfen. Ich hoffe, du findest eine fähigere Person als mich, mit der du über diese Themen reden kannst – das würde sicher bei all diesen Themen auch helfen.

Ich wünsche dir alles Gute auf deinem Weg,
Balthazar

Kummerkasten Antwort 199 – Ich möchte einen neuen Namen, wie sag ich das meinem Umfeld?

Hallo,
ich habe mich schon seit einer ganzen Zeit für mich als Genderfluid geoutet, nur habe ich noch niemandem davon erzählt, da ich von meinem Umfeld immer so aktzeptiert wurde. Jedoch habe ich schon seit einigen Monaten das Bedürfnis mit einem anderen Namen angeprochen zu werden. Ich weiß nur icht, wie ich es meinem Umfeld sagen soll, da ich mich noch nie erklären musste und angst habe, dass wenn ich mich erkläre dann doch blöde Sprüche kommen
LG

Hallo lieber unbekannter Mensch,

es ist schön, dass dein Umfeld dich bisher so akzeptiert hat, wie du bist. Ein Outing kann trotzdem ein großer Schritt sein. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit so einer Situation umzugehen, und welche für dich die richtige ist, kannst du wohl selbst am besten beurteilen.

Du könntest dich z.B. zuerst mal nur bei einer oder zwei Personen aus deinem Freund*innenkreis oder aus der Familie outen, bei denen du am ehesten das Gefühl hast, dass sie dich verstehen und unterstützen. Es ist immer leichter, sich zu outen, wenn du Leute hast, die dir dabei den Rücken stärken. Das müssen aber auch nicht unbedingt Leute aus deinem engsten Kreis sein – Unterstützung findest du z.B. auch in queeren Gruppen bei dir vor Ort oder online. Es hilft manchen Menschen auch, sich erst bei einer Person zu outen, mit der sie nicht so eng sind, weil dann das Risiko, verletzt zu werden, auch geringer sein kann.

Möglich wäre z.B. auch, deinem Umfeld einfach nur den neuen Namen zu sagen, mit dem du angesprochen werden willst, ohne dich sofort zu erklären. Viele Leute ändern aus verschiedenen Gründen ihre Namen oder Spitznamen, und du kannst ja auch einfach nur sagen, dass du mal was neues ausprobieren willst, dich mit dem alten Namen nicht mehr wohl fühlst, oder so was ähnliches – ohne Wörter wie “genderfluid” o.ä. zu verwenden.

Irgendwelche Sprüche oder unangenehme Nachfragen können immer kommen, weil die meisten Leute noch nie eine genderfluide Person getroffen haben. Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, deinem Umfeld ein Zeitfenster zu geben, in dem du auf Fragen antwortest, z.B. einen Tag oder eine Woche – dann können die Leute alle ihre Fragen auf einmal loswerden, und das ist dann zwar für einen kurzen Zeitraum sehr anstrengend für dich, aber danach kannst du es dann hoffentlich auch abhaken. Oder du lässt jemensch anderes die Beantwortung aller Fragen übernehmen, z.B. uns. 😉 Dann musst du dir das alles nicht anhören und wir kümmern uns drum. Hier könnte dann dein Umfeld nochmal genau nachlesen, was welche Griffe bedeuten, und wir können auch Fragen beantworten und Unsicherheiten klären.

Ich wünsche dir alles Gute und drücke die Daumen, dass dein Umfeld dich auch weiterhin so akzeptiert, wie du bist!
Balth

Kummerkasten Antwort 195 – Darf ich mich trans nennen?

Hallo wertes Team,
Ich bin sehr verwirrt und brauche eure Hilfe.
Ich habe Dysphorie und versuche es auch zu unterbinden.
Aber mein Wunsch, ein Junge zu sein, ist nicht permanent.
Ich kann mich zum Teil als Mädchen verstehen und bin auch völlig okay damit aber dann stehe ich von Zeit zur Zeit vor dem Spiegel und habe das Gefühl nicht ich zu sein. Pronomen und Namen habe ich zwar im Internet geändert und ich freue mich auch wenn Menschen mich als “er” ansprechen aber das nunmal nicht immer.
Ich hab das Gefühl ich habe zwei Personen in mir.
Ich habe keine Ahnung ob ich mich als trans identifizieren kann und darf.
Es verzweifelt mich sehr.
Ich habe keine Ahnung wo ich stehe oder was ich jetzt machen soll.
Ein guter Rat wäre sehr hilfreich.
Danke!
Viele Grüße,
Basti

Hallo Basti,

nach unserem  Verständnis sind trans alle Leute, die nicht, nicht vollkommen oder nicht immer das Geschlecht haben, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Danach bist du auf jeden Fall trans! Sowieso finden wir es nicht richtig, irgendwelchen Leuten zu verbieten, irgendwelche Labels oder Begriffe für sich zu verwenden – alle Menschen wissen selbst am besten, welche Begriffe am besten zu ihnen passen und niemand hat das Recht, anderen vorzuschreiben, welche Labels sie benutzen sollen.

Ansonsten klingt das, was du beschreibst, für mich ein wenig so, als könntest du genderfluid sein. Genderfluid sind Menschen, deren Geschlecht sich ändern kann: bei manchen nur gelegentlich, bei anderen häufiger, bei manchen zwischen vielen verschiedenen Geschlechtern, bei anderen nur zwischen zwei. Du beschreibst, dass du dich nur manchmal, nur zum Teil, wohl damit fühlst, als Mädchen gesehen zu werden – dich aber eigentlich selbst meist als Junge verstehst. Eine sich (oft) ändernde Geschlechtsidentität ist nicht nur möglich, sondern auch vollkommen in Ordnung, es ist nichts falsch mit dir. <3

Ich finde, es ist ganz großartig, wie du auf dich und deine Gefühle achtest. Zu deiner Frage, was du jetzt machen sollst: Ich würde sagen, du bist auf einem guten Weg. Du kannst weiter beobachten, was dir gut tut und was dich dysphorisch macht, weiter mit Menschen (ganz egal ob off- oder online) darüber reden, wie du wann angesprochen werden willst und einfach ausprobieren, was sich richtig anfühlt. Manche Leute, die genderfluid sind, ändern ab und zu ihre Pronomen, damit sie zu ihrem aktuellen Geschlecht und Ausdruck passen – online geht das ganz einfach, z.B. mit einem Hinweis im Profil, einer Signatur, einem Statusupdate o.ä. Auch offline ist das möglich, z.B. durch Pronomenbuttons oder eine Tafel/ein Whiteboard/ähnliches an deiner Zimmertür (wenn du zu Hause geoutet bist oder es sein möchtest). Ob du deine Pronomen ab und zu ändern möchtest, bleibt aber vollkommen dir überlassen – wenn du dich einfach grundsätzlich mit “er” am wohlsten fühlst, dann kannst du natürlich auch immer so ansprechen lassen, egal, wie du dich kleidest, verhältst, etc. Und egal, welche Gedanken und Gefühle du grade zu deinem Geschlecht hast, du darfst dich jederzeit und immer so kleiden und verhalten wie du möchtest, und musst dich nicht irgendwelchen Regeln anpassen. Und noch ein kurzer Hinweis: Dysphorie ist keine Pflicht, um trans zu sein. Es gibt viele trans Menschen, die nicht, nicht immer oder nur wenig Dysphorie empfinden. Dein Geschlecht ist deins und dein Körper ist deiner, und nur du weißt, was richtig ist, sich gut anfühlt und für dich passt.

Ich wünsch dir alles Gute!
Balthazar

Kummerkasten Antwort 189 – Kein Junge, kein Mädchen – irgendwie zwei Geschlechter?

Hey, ich bin 14 und weiblich
Ich habe nen kleines Problem galhabeal weil Ich mir echt nicht mehr sicher bin. Ich mag meinen weiblichen Körper zum Teil… Ich hasse aber meine brüste. Ich mag den Titel als Mädchen nicht aber junge gefällt mir auch nicht… Ich hatte früher immer Problem dabei ein “wirkliches” Mädchen zu sein. Da irgendwie alle meine Freunde jetzt trans sind bzw mich mehr zum nachdenken gebracht haben ob diese Verhaltensweisen nicht doch normal sind… Ich habe mittlerweile kurze Haare und trage sehr oft Sport bhs.. Ich liebe es wie ein Junge auszusehen aber manchmal trage ich auch sehr weibliches. Und irgendwie als junge kann ich es mir nicht vorstellen. Nun ist meine Frage bin ich tomboy oder doch was anderes was mich als Körper weiblich und als psychisch halb halb bezeichnet?

Zusätzlich noch eine andere frage. Ist es bi wenn ich mir vorstellen kann mit beiden Geschlechtern eine beziehung einzugehen… Ich finde den Körper einer Frau viel attraktiver aber verlieben tue ich mich hauptsächlich in Männer also der Charakter von männlichen ist mehr anziehend als bei einer Frau. Kurze gesagt bei einer Frau mag ich den Körper mehr
Und bei Männern den Charakter

help???

Hallo lieber unbekannter Mensch,

solche Fragen wie deine sind sehr nachvollziehbar, aber leider auch sehr kompliziert, weil niemand außer dir wissen kann, welches Geschlecht du hast bzw. welches Label du dafür benutzen möchtest – wir können dir das leider nicht einfach so vorschreiben. Was wir allerdings können, ist, dir ein paar Ideen und Hinweise zu geben.

  1. Es gibt keine Vorschriften, wie ein “männlicher” oder “weiblicher” Körper auszusehen hat. Wenn dir deine Brüste nicht in den Kram passen, du sie lieber versteckst, abbindest oder ganz loswerden möchtest, dich aber trotzdem als Frau oder weiblich identifizierst, fühlst oder bezeichnen möchtest, dann bist du es.
  2. Du schreibst, du kannst es dir nicht vorstellen als Junge – wenn das Label “Junge” oder “männlich” sich nicht richtig für dich anfühlt, dann musst du es auch nicht benutzen. Du kannst dich aber fragen, was genau sich daran für dich nicht richtig anfühlt – sind es die gesellschaftlichen Erwartungen und die Geschlechterrollen, die von Jungen erwartet werden? Oder ist es das Junge sein an sich, was für dich nicht richtig passt? Genauso kannst du dich fragen, was dir an Weiblichkeit nicht passt, oder an den gesellschaftlichen Erwartungen, die an Mädchen und Frauen gestellt werden. Das kann dir helfen, dein eigenes Geschlecht und dein Empfinden ein bisschen zu trennen von gesellschaftlichen Bildern und Erwartungen. Nur, weil die Gesellschaft sehr klare Vorstellungen hat, wie Jungen und Mädchen sein sollen, heißt das nicht, dass irgendwas davon auf dich zutrifft. Du bist, wer du bist, und das ist auch gut so.
  3. Wenn du dich weder im Begriff “Junge” noch in “Mädchen” so richtig wiederfindest und wohlfühlst, möchtest du dich vielleicht als nichtbinär bezeichnen. Nichtbinär sind einfach alle Leute, die nicht männlich oder weiblich sind, oder nur teilweise, oder nur manchmal.
  4. Nichtbinär ist aber auch ein Überbegriff für ganz viele andere Geschlechter, z.B. genderfluid. Wenn du dich manchmal in weiblichen Kleidern wohlfühlst, manchmal aber nicht, dann kann es sein, dass dein Geschlecht fließend ist und sich manchmal ändert.
  5. Du schreibst von einer “halb halb” Geschlechtsidentität – darauf trifft z.B. der Begriff “bigender” zu. Bigender sind Menschen, die zwei verschiedene Geschlechtsidentitäten haben, z.B. männlich und weiblich, oder weiblich und nichtbinär. Diese zwei Geschlechter können je nach Person z.B. gleichzeitig da sein, sich abwechseln, oder sich ständig mischen.
  6. Du selbst schlägst den Begriff “Tomboy” vor. Fühlt der sich für dich richtig an? Ist das ein Begriff, den du gerne für dich verwenden möchtest? Dann spricht nichts dagegen, den zu benutzen.
  7. Wichtig ist vor allem, dass du einfach weiterhin tust, was dir gut tut und was sich für dich richtig anfühlt. Egal, welches Label du verwendest, um dich und dein Geschlecht zu beschreiben, keines davon kann dir vorschreiben, wie du aussehen sollst, welche Klamotten du tragen darfst, mit welcher Sprache du dich wohl fühlst usw. Du weißt am allerbesten, was für dich richtig ist.

Zu deiner Frage mit Bisexualität interessiert dich vielleicht das sogenannte Split Attraction Model: Es gibt Menschen, die eine unterschiedliche romantische und sexuelle Orientierung haben, also wie in deinem Fall z.B. sexuell zu Frauen und romantisch zu Männern hingezogen sind. Wir haben da vor einer Weile mal eine Folge der Buchstabensuppe dazu gemacht, die findest du hier. Du kannst aber selbst bestimmen, ob du das Split Attraction Model verwenden willst, um über deine Anziehung zu reden, oder ob du findest, dass “bi” deine Gefühle und deine Anziehung besser beschreibt. Du kannst auch je nach Situation verschiedene Labels verwenden, wenn das für dich am nützlichsten ist.

Ich hoffe, diese vielen Begriffe waren nicht überfordernd und konnten dir ein bisschen helfen. Ich wünsche dir alles Gute!

Balth

Kummerkasten Antwort 174 – Kein trans Mann, aber was dann?

Hallo,

ich bin mittlerweile 27 und stehe vor einem Dilemma.

Seit einigen Jahren hadere ich bewusst mit meiner Geschlechtsidentität. Vor 3 Jahren fing ich an zu denken ich sei vielleicht einfach “ein schwuler Mann in einem weiblichen Körper”.

Nach und nach wurde mir immer bewusster, dass ich mich mit dem weiblichen Aspekt irgendwie nicht richtig identifizieren kann.

Vor ca. einem Jahr wurde ich durch Kontakt zur Queercommunity auf trans und enby aufmerksam.

Jetzt aber zum richtigen Dilemma: retrospektiv passt relativ vieles auf trans. Als kleines Kind hab ich zum Beispiel eher versucht im Stehen zu pinkeln und war schon eher ein Tomboy (abgesehen von sehr kurzen Haaren, ich trage meine seit 20 Jahren schulterlang).

Ich fing Anfang diesen Jahres an auch Männerklamotten zu shoppen. Ein mulmiges Gefühl bleibt irgendwie, v.a. sozial.

Ich habe packing und binding alleine zu Hause ausprobiert: fühlt sich richtig an.

Wenn ich jetzt allerdings daran denke ich würde mich als TransMANN outen: Irgendwas funktioniert nicht.

Mann finde ich irgendwie den falschen Begriff. Ich sehe mich nicht so wie alle Männer um mich rum sind. Ich bin zwar gefühlt eher männlich aber irgendwie passt mir zur Gruppe Mann zu gehören auch nicht.

Was könnte ich sein? Wer bin ich?

Ich benutze übrigens seit ca. 3 Monaten mit Online-Freunden he/him und den Namen Alex. Fühlt sich gut an, ist aber eben meist auf Englisch. Auf Deutsch ist’s wieder seltsam.

Danke für Eure Hilfe schonmal,

Michelle

Hi du,

ich kann deine Suche und deine Verwirrung sehr gut nachvollziehen, und kenne deine Fragen auch selbst. Geschlecht ist nunmal einfach übel kompliziert und seltsam, wenn eins nur lange genug darüber nachdenkt.

Vielleicht hilft es dir ja zu wissen, dass die Art und Weise, wie du dich präsentierst, nichts damit zu tun haben muss, wie du dich identifizierst und welches Geschlecht du bist? Es gibt z.B. eine Menge Butches, die “Männerklamotten” tragen, sich maskulin geben, evtl. einen “Männernamen” tragen und er-Pronomen benutzen und sich trotzdem nicht als Männer identifizieren, sondern z.B. als Frauen oder nichtbinär oder eben einfach nur butch. Es gibt aber auch sehr viele Männer, die auch keine besondere Zugehörigkeit zur Kategorie “Mann” empfinden, die nicht in männliche Stereotype passen, die vielleicht das Gefühl haben, nicht viel mit anderen Männern gemeinsam zu haben und die trotzdem das Recht haben, sich als Männer oder männlich zu identifizieren, wenn sie das für sich selbst passend finden.

Wir wissen aber leider alle, dass die Gesellschaft echt Schwierigkeiten hat, wenn Sachen in Punkto Geschlecht nicht zusammenpassen – dann ist es meistens entspannter, ein praktisches Label bzw. eine Erklärung parat zu haben, weil es Dinge einfacher macht. Nach dem, was du beschreibst, wäre vllt. “demiboy” ein passendes Label für dich? Ein “Demiboy” ist ein Mensch, der sich nur teils mit Männlichkeit identifizieren kann, oder nur mit manchen Aspekten von Männlichkeit. Du könntest auch einen Überbegriff wie genderqueer oder nichtbinär verwenden, wenn du dich nicht genau festlegen willst.

Egal, welches Label du verwendest, nur du kannst entscheiden, welche Klamotten, welche Pronomen und was sonst noch alles für dich da dazugehört. Vielleicht möchtest du auf deutsch lieber erstmal auf Pronomen verzichten, wenn “er” sich nicht richtig anfühlt, oder vielleicht verschiedene eigene Pronomen ausprobieren?

Ich hoffe, das konnte dir ein wenig helfen.
Alles Gute und viele Grüße,

Balthazar

Kummerkasten Antwort 172 – Ist Binden gefährlich?

Hallo an das gesamte Team!
Ich hab eine Frage zu Bindern, die sich letztens durch eine Konversation ergab.
Und zwar meinte ein Bekannter zu mir, dass das Binden gefährlich sei; nannte mir aber keine Gründe warum.
Ich war gerade dabei mir einen Binder von GC2B zu kaufen, da alle meinten dass diese Firma mitunter am besten wäre.
Das verunsichert mich halt stark, denn auch wenn ich dysphorisch bin, bin ich das nicht immer und möchte dementsprechend keine Schäden an der Brust oder den Rippen erleiden.
Liebe Grüße,
J

CN: Beschreibungen von möglichen Verletzungen beim Binden

Hallo J,

Es gibt keine einfache Ja-oder-Nein-Antwort auf diese Frage – an sich hat dein Bekannter nicht unrecht, Binden kann gefährlich sein. Die Betonung liegt aber auf “kann”, und es gibt sehr viele Möglichkeiten, für deine Sicherheit zu sorgen.

Was auf jeden Fall gefährlich werden kann, ist mit nicht elastischen Mullbinden oder anderem nicht elastischem Material deine Brust abzubinden – vor allem, wenn zu hoher Druck aufgebaut wird, kann das die Rippen beschädigen und das ist echt riskant.

Mit einem richtigen Binder (z.B. von gc2b) bist du aber auf jeden Fall auf der sicheren Seite: Diese Binder sind aus elastischem Material gemacht und in der richtigen Größe bauen sie nicht zu viel Druck auf, lassen dich gut atmen und können bei gutem Sitz sogar bequem sein. Auch wenn du einen Binder trägst, kannst du weiter für deine Sicherheit sorgen, z.B. indem du auf deinen Körper achtest, den Binder nicht zu lange am Stück trägst, genug trinkst und bei jedem Anzeichen von Atemnot oder Schmerzen den Binder sofort ausziehst. Wenn es eine*n Ärzt*in gibt, dier du vertraust, dann kannst du ja vllt. auch dort den Binder einmal ansprechen oder mitbringen – viele Ärzt*innen kennen sich allerdings kaum oder gar nicht aus und können deshalb auch skeptisch reagieren. Entscheide also selbst, ob drüber reden eine Option für dich ist. Allerdings kann dir niemand verbieten, den Binder zu tragen, auch keine Ärzt*innen.

Jedenfalls solltest du dich nicht verunsichern lassen, wenn du einen Binder tragen möchtest. Informiere dich einfach gut über alles, was du wissen möchtest, um dich sicher zu fühlen, z.B. in unserer Binder-Broschüre. Viele Menschen tragen täglich Binder und haben keine Probleme damit, es ist also auf jeden Fall einen Versuch wert! Gerade, wenn du dir am Anfang noch unsicher bist, kannst du den Binder ja auch erstmal nur für ein oder zwei Stunden daheim tragen und dich ein bisschen austesten.

Alles Gute mit dem Binder!
Viele Grüße,

Balth

Kummerkasten Antwort 170: Welches Geschlecht habe ich?

Hallo alle miteinander,
Ich habe eine sehr dringliche Frage an euch.
Ich bin als Mädchen zur Welt gekommen, allerdings fühlte ich mich schon seitdem ich 13 war nicht immer als solches.
Ich trug schon immer nur Kapuzenpullover und Sneaker etc.
Nun, mittlerweile bin ich fast 19 und die “Symptome” wurde immer deutlicher.
Ich habe mittlerweile Brust Dysphorie und Haar Dysphorie doch das nicht immer. Ich kann mich als Frau verstehen, dennoch gibt es öfters mal Zeiten an dem ich mich eher als Mann verstehe.
Ich habe seit einem Jahr angefangen andere Pronomen und einen anderen Namen im Internet auszuprobieren und ich kam zu dem Schluss, dass ich mich wohl fühlte.
Nun sitze ich zwischen den Stühlen und weiß nicht mehr weiter.
Ich weiß nämlich nicht welche Identität meiner Beschreibung am besten passt.
Ich bin eine Person die eine Zugehörigkeit für sein Wohlbefinden benötigt.
Ich hoffe ihr könnt mir helfen.
Liebe Grüße,
Felix.

Hallo Felix,

was wir hier immer sagen, kann ich dir nun auch weitergeben: Wir können dir nicht sagen, welches Label du benutzen sollst. Ich kann dir aber gern einige Vorschläge machen und hoffen, dass vielleicht etwas dabei ist, was dir helfen kann und für dich passt.

Du schreibst, dass du dich sowohl als Frau, aber auch und öfter als Mann verstehst. Damit wäre es z.B. möglich, dass das Wort “bigender” für dich passt. Bigender sind Menschen, die zwei verschiedene Geschlechter haben, entweder gleichzeitig oder auch abwechselnd. Wenn es dir wichtig ist zu betonen, dass dein Verständnis von deinem Geschlecht sich immer wieder ändert, dann findest du dich vllt. in dem Begriff “genderfluid” wieder. Das bedeutet, dass deine Geschlechtsidentität wechselt, mal männlich oder weiblich sein kann (- mal aber vielleicht auch ein ganz anderes Geschlecht). Vielleicht spielt die Identifikation mit dem weiblichen Geschlecht für dich gar keine so große Rolle, und dir ist viel wichtiger zu betonen, dass du dich größtenteils männlich identifizierst? Dann trifft vielleicht die Bezeichnung “demiboy” ganz gut auf dich zu. 

Wenn du lieber allgemeinere, weiter gefasste Begriffe suchst, dann könnte “nichtbinär” als Überbegriff oder “genderqueer” dir weiterhelfen.

Am allerwichtigsten ist schonmal, dass du weiterhin tust, was dir gut tut und womit du dich wohl fühlst. Mit deiner Namensänderung, den neuen Pronomen, deinen Klamotten und allem anderen bist du auf jeden Fall auf einem guten Weg. Achte gut auf dich, hör auf deine innere Stimme, hab keine Angst, mal ein Label auszuprobieren und es später zu wechseln, falls es nicht passt, und lass dich nicht entmutigen, wenn manches etwas länger braucht oder nicht gleich zu 100% passt. Du wirst deinen Weg schon finden, und du bist auf jeden Fall unterwegs in die richtige Richtung!

Alles Gute für dich!

Balthazar