Kummerkasten Antwort 167: Soll ich mich als bigender outen?

Hallo!
Ich bin zwar kein Jugendlicher mehr, aber ich hoffe, ihr könnt mir trotzdem weiterhelfen.
Ich bin mit weiblichen Genen geboren, aber identifiziere mich nicht “nur” als Frau. Von Anfang zwanzig an habe ich mich gefragt, ob ich trans bin, aber so richtig wohl fühlte ich mich mit diesem Label nie. Vor ca. 5 Jahren bin ich über den Begriff Bigender gestolpert und nach ein wenig Recherche wusste ich, dass ich dort “zu Hause” bin. Außerdem bin ich androsexuell. Ich fühle mich in Bezug auf manche Bereiche meines Lebens weiblich (z.b. als Mutter) und in anderen männlich (insbesondere was Liebe, Sexualität usw. angeht). Außerdem habe ich immer mal wieder Tage, an denen ich mich im allgemeinen eher männlich oder weiblich fühle.
Ich bin seit 13 Jahren mit meinem Mann verheiratet. Wir lieben uns sehr, aber er könnte wahrscheinlich nicht damit umgehen, wenn er wüsste, dass er mit jemandem schläft, der sich in dem Moment als Mann sieht. Auch sonst weiß in meinem realen Leben niemand von meiner geschlechtlichen Identität, größtenteils weil wahrscheinlich niemand der Leute, die ich kenne, weiß, dass es neben schwul, lesbisch, bi und trans noch etwas anderes gibt. Sex als Mann mit einem Mann erlebe ich stellvertretend durch das Lesen von Gay Romance.
Nun zu meinem Problem: In letzter Zeit denke ich oft darüber nach mich zu outen. Ich habe nicht vor, an meinem Erscheinungsbild oder meinen Pronomen etwas zu ändern und will auch keinen geschlechtsneutralen Vornamen anzunehmen. Es fühlt sich nicht falsch an, wenn ich als “Frau XY” angesprochen werde. Ich mag meine Brüste und es stört mich auch nicht, wenn ich meine Periode habe.
Also warum? Was hätte ich davon, Unruhe in mein Leben zu bringen, wenn sich sowieso nichts ändern würde? Ich habe viele gesundheitliche und familiäre Belastungen (Kinder&demente Mutter), sodass ich mir nicht noch mehr aufhalsen will. Trotzdem lässt mich der Gedanke an ein Outing nicht los. Könnt ihr mir helfen, mich besser zu verstehen?
Schonmal danke im Voraus!
Gruß, Jutta

Hallo Jutta,

vielen Dank für deine Frage! Wir nehmen gerne Fragen aller Art von allen Menschen an, auch wenn sie nicht (mehr) jugendlich sind.

Ein Coming Out ist immer eine schwierige Entscheidung. Vor allem, wenn viel davon abhängt (eine langjährige Beziehung zum Beispiel), ist es mehr als verständlich, dass du zögerst. Es ist aber auch sehr verständlich, dass dich der Gedanke so sehr beschäftigt, dich deinen  nächsten anzuvertrauen, damit du die Möglichkeit bekommst, du selbst zu sein und dich nicht verstecken zu müssen. Ich möchte dich weder entmutigen, noch möchte ich leere Versprechungen machen – ich kann dir lediglich deine Optionen zeigen, die Entscheidung liegt allerdings ganz bei dir.

Eine Möglichkeit ist immer, deine bigender-Identität für dich zu behalten. Vor allem, wenn sich durch ein Coming Out nichts weiter ändern würde, ist das immer eine Option. Im Bezug auf queere Identitäten gibt es einen gewissen gesellschaftlichen Druck, sich outen zu müssen, aber in Wahrheit musst du gar nichts. Sich nicht zu outen (aus egal welchem Grund) ist vollkommen okay, und du bist niemandem verpflichtet.

Du sagst allerdings auch, dass dich der Gedanke nicht mehr los lässt – es ist vollkommen verständlich, dass du das Bedürfnis hast, dich darüber zu öffnen und mit vertrauten Menschen über dein Geschlecht (bzw. deine Geschlechter) zu reden. Vielleicht ist es da eine gute Möglichkeit, dich eng vertrauten Menschen zu outen? Vielleicht gibt es ja in deinem Freund*innenkreis Menschen, bei denen du mit einer positiven Reaktion rechnen kannst, oder vielleicht einfach Menschen, denen du grundsätzlich sehr vertraust? Ein Coming Out dort anzufangen, wo es nur wenige Hürden gibt, ist für viele Leute eine gute und bestärkende Option. Und wenn sich das erste Coming Out gut und richtig anfühlt, dann kannst du von da aus weitersehen und herausfinden, ob du dich noch vor anderen Menschen outen willst, und wenn ja, vor wem.

Viele Menschen versuchen auch, sich bei ihrem Coming Out langsam vorzutasten, indem sie Themen wie Queerness und Geschlecht in anderen Kontexten erwähnen. Du könntest zum Beispiel von einem Artikel erzählen, den du über eine bigender Person gelesen hast (da lässt sich sicher was finden), oder ein Youtube-Video von einer bigender Person teilen. So kannst du die Reaktionen deines Umfeldes auf diese Themen austesten, ohne dich direkt selbst verletzbar zu machen. Es bleibt allerdings zu bedenken, dass für viele diese Themen schwieriger zu begreifen sind, wenn sie nicht direkt mit ihnen zu tun haben – für eine fremde Person aus einem Artikel oder einem Video wird dadurch vllt. weniger Verständnis aufgebracht als für dich direkt. Sowas wie ein Artikel oder Video kann also ein guter Gesprächsstarter sein, muss aber nicht unbedingt und zu 100% widerspiegeln, wie eine Person auf dein persönliches Coming Out reagieren würde.

Wenn du dich vor Menschen outen willst, über deren Reaktion du dir unsicher bist (z.B. vor deinem Mann), dann ist es gut, wenn du dir vorher ein Sicherheits-Netzwerk aufgebaut hast, also Menschen, die dich auffangen und dich unterstützen können, falls etwas schief geht. Ich wünschte, dass wir davon nicht ausgehen müssten, aber leider kann es immer passieren, dass eine Person uns nicht annehmen kann, wie wir sind. Darum ist es wichtig, dass es Menschen gibt, auf die du dich verlassen kannst, egal ob die Bescheid wissen oder nicht.

Rückhalt kannst du z.B. auch in Communities finden. Vielleicht gibt es bei dir vor Ort eine Gruppe, einen Stammtisch o.ä. für nichtbinäre und trans Menschen mit Raum für Menschen, die bigender sind, oder vielleicht findest du eine Online-Gruppe, in der du dich austauschen kannst. Mit anderen über Erfahrungen zu reden, positive wie negative, und Unterstützung zu bekommen, ist immer hilfreich, vor allem, wenn du in anderen Kontexten nicht über das Thema bigender reden kannst.

Letztlich kannst nur du entscheiden, was für dich der richtige Weg ist. Wichtig ist nur: Ein Coming Out ist weder verpflichtend, noch muss es alle Menschen in deinem Umfeld umfassen. Nur du darfst entscheiden, vor wem du dich wie und wann outen möchtest.

Egal, wie du dich entscheidest, ich wünsche dir alles Gute. Der Kummerkasten und das Queer Lexikon sind jederzeit für dich da.

Alles Liebe,

Balthazar

Einfach reingeschlittert

Im Internet gibt es nur wenig Berichte darüber, wie es ist, polyamourös zu sein. Wir haben also Menschen gefragt, ob sie uns ihre Coming Out-Geschichte erzählen wollen. Der heutige Text kommt von Lilly. Wenn du auch deine Geschichte erzählen willst, schreib uns an blog@queer-lexikon.net oder benutze unsere anonyme Askbox

Wie in so vieles in meinem Leben bin ich da einfach so reingeschlittert.

Ich befand mich mit meinem (mono)-Partner in einer ewiglangen Beziehung. Während ich immer wieder auszubrechen versuchte, Auslandsaufenthalte absolvierte, in Szene-Kneipen rumhing, mich tätowieren ließ, war für ihn klar: Er will ein Haus, Kinder, heiraten. Dass ich mich ausprobieren wollte, sprunghaft Hobbies wechselte und gelangweilt von seinen ewigen Spieleabenden war, nahm er großmütig hin und hielt weiter aus.

Ich lernte Hannah kennen. Hannah war in einer Beziehung mit einem nonbinary-Partner und polyamor. Sie zeigte mir, wie gut es funktionieren kann, mehrere romantische Beziehungen zu führen, wie harmonisch alle miteinander umgehen konnten. Ich traf Hannah immer häufiger und verliebte mich in sie.
Nach zahlreichen Gesprächen mit meinem Freund war klar, dass er sich auf das “Experiment poly” nicht einlassen wollte. Für ihn war es eine Phase, wie eben so vieles, was ich damals getan habe. Dass ich sein Lebenskonzept irgendwann teilen wollen würde, war in seinen Augen nur eine Frage der Zeit. Ich wusste: Ich passe nicht in sein Leben. Ich will das nicht, worauf er hinlebt, ich fühlte mich eingesperrt. Ich beendete die Beziehung und kam fest mit Hannah zusammen. Es war auf so vielen Ebenen neu, anders, fast erleuchtend – der Umgang aller beteiligten Personen war immer respektvoll, liebevoll. Es gab Szenen, in denen wir zu fünft händchenhaltend jede/r/s mit entsprechendem Partner die Straße runterliefen.
Nach einiger Zeit beendete Hannah auch die Beziehung mit mir. Sie war überzeugt, dass ich auch in das Konzept Polyamorie nicht passen würde, war überfordert damit, mich, die ich immer nur in sehr langen monogamen Beziehungen gelebt hatte, in ihre Art zu Lieben einzuführen.

Und hier bin ich jetzt, habe zwei wunderbare Beziehungen, lebe polyamor, kenne an meinem Wohnort diverse “Polys”, gehe monatlich zu einem Stammtisch und liebe die Entscheidung, die ich damals getroffen habe. Innerhalb kürzester Zeit habe ich mehr über mich und meine Bedürfnisse, über romantische Liebe und Kommunikation gelernt, als ich mir jemals erhofft habe. Klar, es gab fürchterliche Phasen – ich habe geweint, geflucht, gelitten, und vor allem: gezweifelt!
Aber endlich, endlich, endlich bin ich angekommen und fühle mich wohl mit den Menschen, mit denen ich mich umgebe. Ich bin nach langer Zeit wieder glücklich und zufrieden – besonders mit mir selbst.

Geoutet bin ich bisher bei nur sehr wenigen Menschen – bis auf eine Ausnahme ist auch für sie meine Polyamorie nur eine “Phase”. Sie denken, ich verwende das Label als Freifahrtschein zum Fremdgehen – wenn ich erzähle, dass all meine Beziehungspartner voneinander wissen, sind sie überrascht. Vermutlich habe ich den Nachteil, generell als jemand bekannt zu sein, der viel ausprobiert und sich selbst verwirklichen möchte. Trotzdem wünsche ich mir, dass Polyamorie gesellschaftliche Akzeptanz findet. Denn das ist nicht nur eine Phase – für mich ist es ein Sich-endlich-Finden, ein Ankommen in sich selbst. Und ich möchte nicht mehr zurück.

Mein Polyam-Coming-In/-Out „Es kommt immer darauf an, wer fragt.“

Im Internet gibt es nur wenig Berichte darüber, wie es ist, polyamourös zu sein. Wir haben also Menschen gefragt, ob sie uns ihre Coming Out-Geschichte erzählen wollen. Die Geschichte heute wurde uns anonym zugesandt. Wenn du auch deine Geschichte erzählen willst, schreib uns an blog@queer-lexikon.net oder benutze unsere anonyme Askbox

Ich gehöre zu den Menschen, die erst spät Sex hatten, also das was herkömmlich unter Penetration verstanden wird. Passiert ist das bei einem sehr klischeehaften Filmdate und während mein Gegenüber vermutlich an einen irgendwie gemütlichen Abend und Abwechslung dachte, war das für mich schon irgendwie ein einschneidendes Erlebnis… Tage später trafen wir uns dann noch mal zum Reden und neben all der Scham, waren wir uns einig: das könnten wir alles so wieder tun und uns regelmäßig Treffen, um Spaß zu haben. Doch, eine Beziehung wird’s nicht, schließlich gäbe es noch jemanden in seinem Leben. Und mit der Person würde er sich ebenfalls regelmäßig zum Sex treffen. Das war für mich okay. Und auch, wenn es hier um offensichtlich lockere Affären ging, war der Grundstein Polyamorie für mich dort gelegt, ohne dass ich das Wort kannte.

Ich geriet letztlich noch eine ganze Weile an Typen, die was Lockeres haben wollten und parallel mehrgleisig fuhren.

Unverbindlichkeit ist heute bei vielen Menschen an der Tagesordnung und im strengsten Sinne und per Definition ist das sicherlich auch keine Polyamorie, mehrgleisige und ständig (ab-)wechselnde Sex-Partner*innen zu haben. Doch für mich gab es nie so etwas wie Eifersucht. Ich wollte immer nur die Wahrheit wissen und habe auch selbst mit offenen Karten gespielt, zu Zeiten, als ich ebenfalls mehrgleisig gefahren bin.

Wichtig waren mir damals wie heute: Alle Menschen verhüten bitte sinnvoll und sollte mal etwas passiert sein, werden alle Sex-Partner*innen gleichermaßen informiert.

Ich hatte eine ziemlich wilde Phase, nachdem ich also das erste Mal Sex hatte und habe alles ausprobiert, worauf ich Lust hatte: Swingerclubs, Sex zu dritt und mehreren und bin so letztendlich auch zu BDSM gekommen, weil ich viel ausprobieren wollte, neugierig war und glaubte eine Freiheit zu genießen, die ich vermutlich in einer festen Partnerschaft nicht haben könnte.

Im BDSM-Kontext habe ich meinen inzwischen langjährigen Partner kennengelernt. Auch er kam nicht nur aus der BDSM-Szene, sondern auch der Polyamorie-Szene und hatte in seiner letzten Beziehung mit 2 Beziehungspartner*innen und 1 Kind zusammen in einer gemeinsamen Wohnung gelebt.

Nun hatte ich nach ein paar Jahren selbst Ausleben der sexuellen Freiheit auch gemerkt: nicht festlegen wollen und müssen ist anstrengend und hat auch eine Kehrseite: die fehlende Verbindlichkeit.

Als ich meinen jetzigen Beziehungspartner kennenlernte, war mir also genau diese Verbindlichkeit inzwischen wichtig geworden. Und wir haben viel darüber gesprochen, dass wir beide sehr klar polyam sind, und die Werte, die hinter einer polyamen Beziehung stehen, beide sehr stark befürworten: es gibt keinen Besitzanspruch an Menschen (auch nicht an Kinder), es ist Liebe für alle da und Eifersucht ist nur ein Zweitgefühl. Denn dahinter steckt immer noch etwas ganz anderes. Meistens so etwas wie Verlustängste. Und die haben Ursachen, sei es in eigener schlechter Erfahrung oder durch etwas Ausgelöstes durch das Gegenüber und da hilft nur eins: miteinander reden. Und das ist das Wichtigste in jeder Beziehung: Kommunikation. Das hat nichts mit dem Konstrukt einer Beziehung zu tun, sondern mit eigenem Empfinden und Bedürfnissen.

So redeten wir also über unsere Beziehungswerte und waren uns auch hierüber sehr schnell einig: in einer polyamen Beziehung halbiert man in der Regel nicht die Verantwortung, sondern verdoppelt sie. Stimmt etwas im Beziehungskonstrukt nicht, gilt es eben mit allen Beteiligten zu reden.

Mir wurden durch diese wichtigen Gespräche auch klar: nicht alle Affären, die meinen Weg begleitet hatten, waren wirklich polyam. Denn nicht immer wussten alle Beteiligten voneinander Bescheid. Und das ist eben keine Polyamorie, sondern das, was klassischerweise unter Fremdgehen verstanden wird. Der Unterschied ist: der Konsens. In einem polyamen Beziehungsgeflecht wissen zumindest alle Beteiligten darüber Bescheid, dass es noch andere Beziehungspartner*innen gibt. Wie detailliert das dann sein muss, entscheidet natürlich jede*r für sich.

Inzwischen bin ich fast sieben Jahre mit meinem Partner zusammen. Wir teilen deutlich mehr als unser Verständnis und unsere Wertvorstellungen zu Polyamorie. Lustigerweise aber keine weiteren Partner*innen und aus unserer beiden polyamen Vergangenheit ist so etwas wie eine monogame Beziehung geworden. Ein ziemlich ungewöhnlicher Weg, denn meistens ist es umgekehrt.

Nichts desto trotz haben wir beide immer die Gewissheit sagen zu können, wenn wir andere Menschen attraktiv finden, ohne, dass das irgendwelche Probleme gibt. Eifersucht ist wirklich kein Thema bei uns. Ganz im Gegenteil, mein Partner musste in Gesprächen schon oft erklären, dass und warum er das Gefühl von Eifersucht einfach nicht kennt. Und was dahinter steckt.

Wir hatten schon zusammen Sex mit anderen, vielleicht ist es also eher auch eine manchmal offene Beziehung. Aber das weiß kaum jemand aus unserem Freundeskreis. Manchmal sprechen wir zwar mit anderen Menschen auf Veranstaltungen über das Thema Polyamorie, aber geoutet sind wir offiziell nicht in unserem kompletten Freundeskreis. Natürlich weiß der polyamore Kreis über unsere Vergangenheit Bescheid, da wir aber aktiv nicht mehr auf Polyamorie-Veranstaltungen unterwegs sind, ist das Interesse früherer Freund*innen an unserem Privatleben auch signifikant gesunken – scheinbar sind wir ja nicht mehr verfügbar als potenzielle Sex-Partner*innen.

Auf einer sexpositiven Veranstaltungen mit vielen fremden Menschen, die wir bis dato nicht kannten, sind wir mal gefragt worden, ob wir polyam seien und das ist die Standardantwort geworden, die ich nun auf so eine private Frage immer gebe:

„Es kommt immer darauf an, wer fragt.“

Und, auch, wenn das eine eher lustige Antwort war, weil klar war, worauf die Frage eigentlich abzielte (nach Chancen mit einer/m von uns beiden Sex zu haben), gilt genau das: wir brauchen kein großflächiges Coming-Out für uns, aber wenn jemand mehr über polyamores Leben wissen möchte, erzählen wir gerne darüber – je nach Anlass, Fragesteller*in und Gegebenheit.

Kummerkastenantwort 73 – Questioning im Leistungssport, was tun?

Hallo liebes Kummerkastenteam, ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit Geschlechtsidentitäten, sexueller Orientierungen und der LGBTQ+ Community im Gesamten. Ich fühle mich dieser Gemeinschaft zugehörig, obwohl ich nicht weiß, welches Geschlecht und/oder welche sexuell Orientierung ich habe. Ich würde gerne verschiedene Geschlechter einfach mal im Alltag ausprobieren, leider ist das für mich nicht möglich, da ich Leistungssportler bin und somit darauf angewiesen “weiblich” zu sein. Ich bin mir auch mit nichts sicher und möchte mich deshalb auch nicht wirklich Outen.
Habt ihr da irgendeine Idee?

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

das ist eine schwierige Situation – gerade im Leistungssport sind ja die Geschlechterbilder sehr einengend und es gibt nicht gerade viel Freiraum, sich auszuprobieren.

Allerdings heißt ein Coming Out ja nicht immer, dass du dich gleich vor deinem kompletten Umfeld und ganz öffentlich outen musst. Vielleicht gibt es ja ein paar Leute in deinem engeren Freund*innenkreis, mit denen du über diese Themen reden kannst? Oder vielleicht gibt es ja eine queere Gruppe bei dir vor Ort, in die du mal reinschnuppern kannst, oder ein Onlineforum o.ä.? Viele Menschen, die z.B. einen neuen Namen, neue Pronomen, eine neue Präsentation oder ähnliches ausprobieren wollen, machen das meistens erst mal im kleineren Kreis, mit Leuten, mit denen sie sich sicher und wohl fühlen, oder manchmal auch mit Leuten, die sie gar nicht richtig kennen. (Was davon das Richtige für dich ist, kannst du wahrscheinlich am Besten selbst entscheiden.) Vielleicht gibt es ja eine Party, zu der du mal in Drag gehen kannst, oder eben einfach mit anderen Klamotten und einer anderen Geschlechtspräsentation experimentieren kannst? Oder vielleicht hast du einen twitter- oder instagram-Account, der nicht so öffentlich ist, und wo du Leute einfach mal bitten kannst, dich für eine Weile mit einem anderen Namen oder mit anderen Pronomen anzusprechen, nur um mal zu sehen, wie es sich so anfühlt? Es gibt viele kleinere Settings, in denen du dich ausprobieren kannst, ohne dich gleich komplett outen zu müssen.

Wahrscheinlich wirst du dann auch sehr schnell merken, was vielleicht nicht ganz so passt und was sich gut und richtig anfühlt.

Wir wünschen dir viel Erfolg bei der Suche!

Viele Grüße, Balthazar