Kummerkastenantwort 264: Bin ich bi, pan oder omnisexuell? Genderfluid oder genderindifferent?

Hallo! Ich bin etwas verwirrt ob ich Bi-Pan oder Omnisexuell bin. Ich habe vor knapp zwei Jahren herausgefunden, dass ich mich zu Frauen und Männern sexuell angezogen fühle (ich selber bin weiblich) und habe mich seitdem als Bisexuell gelabelt. Allerdings hätte ich auch kein Problem damit, mit einer Person eines anderen Geschlechts zusammen zu sein/Sex zu haben (z.B. nonbinär). Ich habe aber auch nur sexuelle Erfahrungen mit Frauen und Männern gehabt, die cis sind, deswegen kann ich nicht sicher sagen, ob ich mich zu einer nonbinären Person sexuell angezogen fühle. Ich habe bisher auch nur Cis-Männer und Frauen getroffen.
Mir ist aber auch aufgefallen, dass sich Bisexuell richtiger (oder angenehmer,schöner) anfühlt, wenn ich ihn auf mir anwenden will, als omni oder pan. Ich bin gerade also sehr verwirrt bezüglich meiner Sexualität.

Zum anderen habe ich auch eine Frage bezüglich der Geschlechtsidentität. Ich glaube nicht an Geschlechterrollen und fühle mich deswegen einfach nur “menschlich”, auch wenn ich mich manchmal weiblich fühle und präsentiere, aber auch Momente habe, indem ich mich männlich fühle (Das aber nicht so oft vorkommt wie das weibliche Gefühl).
Bin ich dann Genderindifferent oder genderfluid?

Ich hoffe ihr könnt mir etwas helfen, da mich die ganzen Begriffe noch sehr verwirren und die Definitionen von manchen Begriffen von Seite zu Seite( Person zu Person) anders sind.

Habt einen schönen Tag und danke für die Antwort im vorraus!

Hallo du!

Zuerst mal zum Thema Sexualität: Welches dieser Labels du verwendest, bleibt letztlich dir überlassen. Du schreibst, dass du dich mit “bi” am wohlsten fühlst und dass es sich passender anfühlt als die anderen beiden – ich denke, es spricht rein gar nichts dagegen, dass du dann auch das Label “bi” bzw. “bisexuell” weiter verwendest. Eine Definition von bi, die wir verwenden, ist: Anziehung zu Menschen des eigenen Geschlechts und anderer Geschlechter. Eine andere Definition ist: Anziehung zu Menschen zweier oder mehrerer Geschlechter. Beide Definitionen treffen ja auf dich zu, egal, ob du dir genau sicher bist, zu Menschen welcher Geschlechter du dich genau hingezogen fühlst. Im Aktivismus bisexueller Menschen wurde sich schon lange dafür eingesetzt, dass auch Anziehung zu nichtbinären Menschen mit dem Begriff “bisexuell” beschrieben werden kann, und das Label war immer schon inklusiv für alle trans Menschen.

Pan- und omnisexuell sind Begriffe, die mehr oder weniger das gleiche beschreiben, je nach Definition. Und diese beiden Begriffe bedeuten mit manchen Definitionen das Gleiche wie bisexuell. Letztlich ist es also nur eine Frage deines eigenen Geschmacks und deiner persönlichen Definition, welches Label für dich am besten passt. Bei Bisexualität gibt es den Vorteil, dass die meisten Menschen das Wort kennen und sich etwas darunter vorstellen können, aber auch den Nachteil, dass viele Menschen denken, bisexuell bedeutet eine Anziehung nur zu Männern und Frauen. Aber auch dieses Missverständnis kann mit einer kurzen Definition deinerseits erklärt werden, wenn es denn einmal eine Rolle spielen sollte. Letztlich spricht also nichts dagegen, dass du dich weiter als bisexuell bezeichnest.

Und bei deiner Geschlechtsidentität ist es genauso: Letztlich kannst du dich entscheiden, mit welchem der beiden Begriffe du dich wohler fühlst, welcher hilfreicher ist und dich besser beschreibt, oder ob du vielleicht einfach beide Begriffe verwenden willst. Wenn du das Gefühl hast, dass eine Kombination aus beiden Labels dein Geschlecht am besten beschreibt, dann ist es voll in Ordnung, beide Begriffe zu verwenden – entweder zusammen oder abwechselnd, oder je nach Situation.

All diese Begriffe existieren nur, weil sie sich jemand ausgedacht hat und weil eine Gruppe von Menschen sich darin wiederfinden konnte und die Worte hilfreich fand. Es geht also nicht darum, genaue Definitionen auswendig zu können, sondern dich zu fragen, welche Begriffe für dich hilfreich sind, um dich zu beschreiben. Für manche Menschen reicht ein Label/Begriff, manche brauchen ein paar,  um sich genauer beschreiben zu können, und andere Menschen benutzen gar keinen dieser Begriffe, entweder, weil sie alle nicht passen, oder weil diese Person lieber ohne Schubladendenken leben möchte. Alles davon ist okay und nur du selbst kannst herausfinden, was für dich am besten funktioniert.

Ich wünsche dir alles Gute bei deinem weiteren Weg!

Viele Grüße,
Balthazar

Kummerkasten Antwort 248 – Kann ich mehrere Identitäten/Labels haben?

TW: In diesem Beitrag wird sexuelle Gewalt erwähnt (aber nicht im Detail).

Hallo liebes Team vom Queer Lexikon,
ich finde euch einfach Klasse, wie ihr den Menschen helft ist einfach genial.
Heut bräuchte ich mal eure Meinung/Hilfe.

1. Ich habe schon einige Beziehungen mit Frauen und Männern geführt. Auch mit Trans – Boys, schwulen, bisexuellen. Mir ist eigentlich egal, solange mir die Person gefällt und mir guttut.

2. Geboren bin ich als Mann, möchte mich nicht um operieren, fühle mich aber nicht in allen Situationen so. In vielen Situationen verhalt ich mich lieber Weiblich. Aber es gibt auch Situationen, wo ich mich männlich verhalte. Oder sogar gar nicht weiß, was ich genau bin. Ich trage auch selten heimlich zuhause Kleider und schmink mich, würde auch gern so auf die Straße gehen, trau mich das aber nicht. Diesen Zustand von Schminken möchte ich nicht in allen Situationen ausleben. Ich fühl mich oft einfach in dieses Geschlecht der Männlichkeit hineingestopft (Ich hoffe man kann verstehen was ich meine).

3. Ich hatte auch mit einigen Geschlechtern sex. Nur dieser gefällt mir bei allen nicht besonders, dies kann vielleicht auch an der sexuellen Gewalt, die ich von Fremden, im Alter von 16 erfahren musste, liegen. Also ich fühle mich schon zu Menschen hingezogen, also Kuscheln, Küssen, streicheln etc. gefällt mir, nur alles was weiter geht, das geht irgendwie nicht.

Meine Frage ist jetzt eigentlich was bin ich?
Kann ich mehreres gleichzeitig sein, da ja Punkt 1,2 und 3 vollkommen andere Dinge sind?
Es wäre toll, wenn ihr das Beantworten könntet.

Liebe Grüße ?.

Postskriptum: Dankeschön im Voraus.

Hallo du,

um deine wichtigste Frage zuerst zu beantworten: Selbstverständlich kannst du “mehreres gleichzeitig” sein – es gibt keine Begrenzung, wieviele Labels du benutzen darfst und kannst. Du kannst einfach so viele verwenden, wie du brauchst, um dich gut zu beschreiben. Es gibt sogar einige Menschen, die in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche Labels verwenden. Alles, was dir hilft, dich zu beschreiben, ist in Ordnung.

  1. Viele Menschen, denen das Geschlecht (und die Sexualität) ihrer Partner*innen egal ist, verwenden den Begriff “pan”, bzw. “pansexuell” oder “panromantisch” für sich. Pan sind Menschen, die sich grundsätzlich zu allen Menschen hingezogen fühlen können, ganz unabhängig vom Geschlecht. Panromantik beschreibt dabei die romantische Anziehung, also den Wunsch, mit diesen Menschen in einer Beziehung zu sein und/oder romantische Nähe zu erleben, Pansexualität beschreibt die sexuelle Anziehung, also den Wunsch, diesen Menschen sexuell/intim näher zu kommen. Für manche Menschen ist es sinnvoll, die romantische und die sexuelle Ebene zu trennen, für andere nicht. Du kannst selbst entscheiden, was für dich besser passt.
  2. In unserer Gesellschaft sind Geschlechterrollen sehr eng definiert, und vor allem Männern werden nicht viele Freiheiten darüber gegeben, wie sie ihr Geschlecht ausdrücken dürfen. Aber auch Männer können und dürfen Makeup und Kleider tragen, wie z.B. Stars wie Keiynan Lonsdale und Billy Porter uns vormachen – die sind trotzdem immer noch Männer, aber definieren neu, was es bedeutet, ein Mann/männlich zu sein. Du darfst gerne jederzeit alle diese Dinge, zu denen du ein Bedürfnis hast – Makeup und Kleider tragen, dich feminin/weiblich verhalten etc. – tun, und dich trotzdem noch als Mann bezeichnen. Wenn du das möchtest. Wenn du aber den Eindruck hast, dass das nicht ganz passt, gibt es vielleicht andere Begriffe, die besser passen. Du beschreibst z.B. dass deine Art, dein Geschlecht auszudrücken, sich je nach Situation ändert; das könnte z.B. dafür sprechen, dass du genderfluid bist. Genderfluid sind Menschen, deren Geschlecht sich je nach Situation oder mit der Zeit immer wieder ändern kann. Viele Menschen, die Männlichkeit (und Weiblichkeit) zu einengend finden und sich darin nicht wiederfinden, bezeichnen sich auch als genderqueer, gender-nonconforming oder nichtbinär. Oder es kann sein, dass du evtl. eine trans Frau bist. Nicht alle trans Frauen wollen ihren Körper verändern, und viele trauen sich nicht, ihre Weiblichkeit offen auszuleben, weil sie Angst haben vor Diskriminierung und Gewalt. Vielleicht horchst du einfach mal ganz tief in dich hinein und schaust, welcher dieser Begriffe sich für dich richtig und passend anfühlt – oder du kannst sie auch alle mal für eine Zeit ausprobieren, wenn du dir noch unsicher bist, ob irgendwas davon passt, und wenn ja welches. Wichtig ist dabei immer, dass du auf dich achtest und nichts tust, was sich nicht gut und richtig anfühlt.
  3. Es ist schwierig, die sexuelle Anziehung von den negativen Erfahrungen zu unterscheiden, die du in der Vergangenheit im Bezug auf sexuelle Gewalt gemacht hast – für manche Menschen ist das auch ganz untrennbar. Es klingt für mich, als könntest du asexuell sein – du schreibst, du fühlst dich zu Menschen hingezogen und magst auch Intimitäten wie Kuscheln, aber dir gefällt Sex nicht so. Asexuell sein bedeutet, dass du keine sexuelle Anziehung gegenüber anderen Menschen empfindest. Wenn es dir wichtig ist zu unterscheiden, dann kannst du tief in dich hineinhören und überlegen, ob du tatsächlich kein sexuelles Interesse an anderen hast, oder ob du nur vorsichtig geworden bist im Bezug auf sexuelle Aktionen, weil du Angst davor hast, verletzt oder benutzt zu werden. Wichtig ist aber so oder so, dass du wiederum auf dich achtest und einfach schaust, was dir wirklich gut tut und was du möchtest.

Ich hoffe, ich konnte dir damit weiterhelfen und wünsche dir alles Gute! Danke auch für das liebe Kompliment – wir sind gerne für euch da und Kommentare wie deiner motivieren uns immer total und bestärken uns in unserer Arbeit. <3

Liebe Grüße,
Balthazar

Kummerkastenantwort 245 – Geschlecht ist verwirrend

Hi Leute.
Ich stelle mich jetzt einfach mal kurz vor, ich bin ein 18 Jahre altes Mädchen, bin asexuell und panromantik. So viel weiß ich mittlerweile aber mir stellt sich immer die Frage was für ein Geschlecht ich bin. Ich weiß ich bin eine Frau aber fühle mich so nicht wohl. Also ich akzeptiere größtenteils meinen Körper aber das wars auch schon. Ich hatte schon immer kurze Haare, wollte mich nie schinken und fühle mich in Frauen Klamotten unwohl. Ich trage meist weite pullover weil ich meinen zum Glück sehr kleinen Vorbau nicht so mag und am liebsten einen Binder tragen würde. Aber dann gibt es vereinzelt Tage wo ich wiederum voll das Mädchen raushängen lasse mit Kleid schminke ect. Ich bin sogar mit meinem Namen zufrieden (Nadine) der ja keine neutrale oder männlich version hat. Ich bin einfach richtig verwirrt. Ich hoffe ihr könnt mir helfen und so grob sagen was ich bitteschön bin, es belastet mich nämlich ziemlich und gibt mir zu denken.

LG eure Nadine

Hallo Nadine,

Ich verstehe deine Verwirrung sehr gut – Geschlecht kann echt kompliziert sein. Du schreibst, dass du eine Frau bist, dich damit aber nicht wohl fühlst. Woran machst du es denn fest, dass du eine Frau bist? An deinem Körper? Der Art und Weise, wie du aufgewachsen und erzogen worden bist? Wie du aussiehst? All das kann dein Geschlecht beeinflussen, muss es aber nicht, wenn du den Eindruck hast, dass es nicht passt. Was Geschlecht wirklich ist, ist nur sehr schwer zu beschreiben, aber es muss jedenfalls nichts damit zu tun haben, wie dein Körper aussieht oder mit welchem Spielzeug du als Kind gern gespielt hast oder so. Geschlecht ist tief in dir drin, und deshalb kannst letztlich nur du sagen, ob du eine Frau bist oder nicht.

Wichtig ist zuerst mal: Du bist nicht alleine. Es gibt super viele Menschen, die genauso verwirrt sind wie du, die auch nicht so richtig klar kommen mit den Kategorien und Schubladen, in die wir alle gesteckt werden, und die sich genauso fragen wie du, was das alles bedeutet. Und es ist voll okay, so zu sein.

Es kann absolut sein, dass du eine Frau bist. Frauen dürfen maskuline Kleidung tragen, ihre Brust abbinden wollen, kurze Haare tragen und das alles, und trotzdem immer noch Frauen sein. In lesbischen Communities werden solche Frauen oft als Butches beschrieben. Es ist vollkommen egal, wie du aussiehst, was du tust und wie du dich verhältst – solange du dich als Frau fühlst, bist du eine Frau.

Wenn du aber merkst, dass der Begriff “Frau” sich einfach nicht richtig für dich anfühlt, dann kann es auch sein, dass du z.B. trans und/oder nichtbinär bist. Trans sind alle Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde – in deinem Fall weiblich. Das muss aber nicht gleich bedeuten, dass du deshalb ein Mann bist. Es gibt super viele Menschen, die weder männlich noch weiblich sind, oder nur ein bisschen weiblich, oder nur manchmal maskulin, oder vielleicht beides, oder ein ganz anderes Geschlecht, das nichts mit Männlichkeit und Weiblichkeit zu tun hat. Diese Menschen nennen sich oft nichtbinär.

Du schreibst, dass es sich bei dir manchmal ändert, mit welcher Kleidung und mit welchen Teilen deines Körpers du dich wohl fühlst. Das könnte darauf hinweisen, dass du genderfluid bist. Genderfluid sind Menschen, deren Geschlecht sich ändert, entweder nur ab und zu oder sehr oft, und manchmal auch je nach Situation.

Vielleicht hilft dir einer dieser Begriffe weiter. Falls dir noch irgendetwas unklar ist, kannst du gern jederzeit weiter nachfragen. Am wichtigsten finde ich immer, dass du einfach tust, was sich für dich gut und richtig anfühlt, und dass du immer so gut wie möglich auf deine Instinkte hörst. Wenn du gerne mal einen Binder tragen möchtest, dann kannst du das ganz einfach ausprobieren, ohne erst zu überlegen, ob das jetzt zu deinem Geschlecht oder deiner Identität passt. Wenn du Lust hast auf Makeup und Kleider, dann kannst du das genauso machen, wie du Lust hast. Du musst dich nicht in irgendeine enge Schublade zwängen, sondern verdienst immer Respekt und Akzeptanz, egal, ob du deinen Begriff schon gefunden hast oder nicht.

Viele Grüße und alles Liebe,
Balthazar

Kummerkastenantwort 244 – Wie kann ich eigentlich meinen Namen ändern?

Hallo Queerkumerkasten-Team,
Ich (biologisch weiblich) habe seit längerem das Gefühl, dass ich eigentlich nicht wirklich weiblich bin. Mir gefällt aber auch die Bezeichnung männlich nicht, weshalb ich mir Gedanken gemacht habe und zu dem Schluss gekommen bin, dass ich wahrscheinlich genderfluid bin.
Ich kleide mich schon ziemlich maskulin (da ich, wenn ich mich ins binäre Geschlechtssystem einordnen müsste, eher männlich wäre) und möchte mich bei meinem Vater outen, damit er mir einen Binder kaufen kann.
Jetzt habe ich aber das Problem, dass mein Name Charlotte sehr weiblich ist, weshalb ich mich nach einem neuen geschlechtsneutralen Namen sehne.
Jetzt wollte ich euch fragen, ob ihr eventuell Vorschläge hättet, die nicht ganz so stark von Charlotte abweichen.
Meine zweite Frage ist, wie man in Deutschland seinen Nama offiziell ändern kann, da ich immer nur was für Transpersonen finde und die Namensänderung dann auch nur mit Hormontherapie und Geschlechtsangleichung genehmigt wird. Diese beiden veränderungen möchte ich aber gar nicht machen.
Schonmal Danke für die Antwort
Charlotte
Ps: Ich finde eure Seite super, da ihr mir schon bei vielen Dingen geholfen habt

Hallo,

Ganz schnell zu deiner ersten Frage: Was könnte so ähnlich wie Charlotte sein, aber nicht so sehr weiblich klingen? Charlotte kommt aus dem französischen und ist die weibliche Form von Karl oder Charles. Charly oder Charlie wird als Name für Frauen und Männer verwendet. Vielleicht ist das ein Anfang um mal ein wenig drüber nachzudenken.

Deine zweite Frage bezieht sich auf Namensänderung. Da gibt es in Deutschland drei Möglichkeiten. Falls du eine doppelte Staatsbürgerschaft hast, finde auf jeden Fall auch raus, wie das im anderen Staat geht, einige Staaten haben da deutlich bessere Regelungen.

Von den drei Möglichkeiten, die es in Deutschland gibt, seinen Vornamen zu ändern, kommen für dich wahrscheinlich nur 2 in Frage: Änderung nach Transsexuellengesetz und die Änderung nach Personenstandsgesetz 45b. Die dritte Variante ist für Menschen vorgesehen, deren Name lächerlich, sehr ungebräuchlich wirkt oder mit Traumata verbunden ist. Bei einer solchen Änderung darf aber eigentlich nur ein Name gewählt werden, der dem selben Geschlecht zugeordnet ist. Daher fällt das weg.

Bei einer Änderung mittels Transsexuellengesetz benötigst du 2 unabhängig voneinander erstellte psychologische Gutachten, die bescheinigen, dass du trans bist. Das ist medizinisch/psychologisch/wissenschaftlich eigentlich völliger Unfug, steht aber so im Gesetz. Der Ablauf ist so, dass du beim Amtsgericht einen Antrag stellst, Gutachter*innen vorschlägst, das Gericht stimmt den Vorschlägen in der Regel zu. Dann gehst du zu den Gutachter*innen, lässt diese Gutachten erstellen, die gehen an das Gericht. Dann gibt es (meistens der Form halber) ein Gerichtsverfahren und am Ende kannst du eine neue Geburtsurkunde bekommen, in der ein anderes Geschlecht und/oder ein anderer Name drin steht. Alle weiteren Anforderungen, die mal im TSG standen, hat das Bundesverfassungsgericht mittlerweile für ungültig erklärt, weil sie gegen das Grundgesetz oder die Menschenrechte verstoßen haben.

Bei einer Änderung über das Personenstandsgesetz geht das grundsätzlich einfacher. Dabei sieht das Gesetz auch vor, dass der Geschlechtseintrag geändert werden muss – ich bin mir nicht sicher, ob das immer eingehalten wird, und ob eine Änderung von weiblich nach weiblich in dem Sinne eine Änderung ist. Der Geschlechtseintrag kann aber auch komplett gestrichen oder durch „divers“ ersetzt werden- im Zuge einer solche Änderung kann auch der Vorname geändert werden. Das Verfahren funktioniert hier so, dass mit einer ärztlichen Bescheinigung, die eine „Variante der Geschlechtsentwicklung“ attestiert, auf dem Standesamt ein Antrag nach Personenstandsgesetz §45b gestellt wird. Was dabei genau eine Variante der Geschlechtsentwicklung ist, steht nicht näher im Gesetz. Der lsvd geht in einem Rechtsgutachten davon aus, dass auch Personen, die trans sind, solche Anträge stellen dürfen. Zudem darf das Standesamt keine Begründung zu diesem Attest verlangen und Ärzt*innen müssen und dürfen dem Amt gegenüber keine Auskünfte geben. Auch wenn ein solcher Antrag erfolgreich gestellt wird, kann die Geburtsurkunde geändert und ein neuer Vorname eingetragen werden.

Wieso ist das alles so kompliziert? Das TSG ist schon sehr alt und war früher noch viel schlimmer. Menschen haben immer wieder gegen Entscheidungen geklagt und das Verfassungsgericht hat immer wieder Teile davon für ungültig erklärt. Das Personenstandsgesetz wurde erst 2018 geändert und §45b erst eingeführt. Die jetzige Fassung lässt sich eigentlich nur damit erklären, dass diejenigen, die das Gesetz erarbeitet haben, eigentlich auch nicht so genau wussten, was sie da machen, aber was möglichst kompliziertes erreichen wollten.

Das ist ziemlich frustrierend, aber es gibt einen kleinen Hoffnungsschimmer. Die deutsche Gesellschaft für trans- und intersexualität stellt sogenannte Ergänzungsausweise aus. Die lassen sich online beantragen und du brauchst dazu nur einen Personalausweis, ein Bild, das dich zeigt, wie du gerne wahrgenommen willst, und einen Namen, den du da drauf stehen haben willst. Zusammen mit deinem richtigen Ausweis kannst du dich dann mit dem Ergänzungsausweis als die Person ausweisen, die du bist. Viele Firmen und Organisationen erkennen dgti-Ausweis an, so dass viel auch schon offizielle Namensänderung mit deinem richtigen Namen möglich wird. Eigentlich wäre eine Welt, in der so ein Ausweis gar nicht Not tut, eine sehr schöne, aber so lange, wie wir noch solche Gesetze haben, die das alles derart umständlich machen, bin ich froh, dass es ihn gibt.

Also nochmal in aller Kürze: Ja, Name ändern, ohne eine Hormonersatztherapie, Operationen oder den Geschlechtseintrag zu ändern, geht, ist aber langwierig. Der Ergänzungsausweis kann für die Übergangszeit nützlich sein.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen. Falls dir ein guter Name einfällt, oder du noch mehr Fragen dazu hast, schreib uns gerne wieder.

Liebe Grüße.
Xenia

Kummerkastenantwort 243 – Wird Geschlecht mit dem Alter weniger anstrengend und wie ist das mit Unisex-Namen auf nicht-englisch?

Hallo lieber queerer Kummerkasten,

ich habe einige der Antworten gelesen, kann mich in einigen Fragen wiederfinden und möchte deshalb erst einmal danke sagen. Ich schwanke momentan zwischen “Mann”, “Frau”, “nichts” und “alles” und habe enorme Schwierigkeiten, mir das selbst zuzugestehen. Für mich ist das Schwanken extrem anstrengend und seelisch schmerzhaft. Gibt es bei euch Indizien, dass das irgendwann, mit dem Alter (ich bin 20), besser wird? Dass man sich irgendwann auf ein Geschlecht “einpendelt”? Also zum Beispiel auf Bigender. Und kennt ihr nicht-englische Gender-neutrale Namen außer Alex und Luca? Englische findet man einige und mit den allermeisten kann ich mich leider nicht identifizieren. Dafür wäre ich euch wirklich sehr dankbar.

Liebe Grüße,
Mensch

Hallo Mensch,

Wir gehen davon aus, dass Geschlecht nie eine vollkommen statische Sache ist oder wird. Andererseits setzen sich viele andere Ding in der Regel in den 20igern und Leute bekommen ein gefestigteres Bild, wer sie eigentlich sind. Das kann dazu führen, dass die eigene Geschlechtsidentität statischer wird, muss es aber nicht. Ich wünschte, ich könnte dir hier etwas besseres versprechen oder zusagen.

Geschlechtsneutrale Namen im deutschen sind schwierig, weil bis vor einigen Jahren noch Gesetze galten, die dafür sorgten, dass nur Namen, die eindeutig Geschlechtern zugewiesen konnten, auf Geburtsurkunden vermerkt werden durften. Das hatte und hat auch immer noch zur Folge, dass solche Namen nur sehr wenig bekannt sind. Dennoch gibt es auch nicht-englische Namen, die für mehrere Geschlechter verwendet werden. Robin oder An zum Beispiel. Und es gibt eine ganze Menge Namen, bei denen das Regional sehr verschieden ist: Nicola oder Simone oder Andrea zum Beispiel. Während die in Deutschland meistens als Frauennamen genutzt werden, gibt es Länder, in denen es üblicher ist, dass diese Namen für Männer genutzt werden. Vornamen aus dem friesischen oder skandinavischen Sprachraum wie Bente oder Tomke werden auch häufig für verschiedene Geschlechter genutzt. Jenseits der üblichen Nutzung gilt aber auch: Namen haben Geschlechtszuweisung nur doch Gewohnheit. Du kannst dich an das halten, was gängig ist, aber darfst es auch jederzeit aufbrechen.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen. Melde dich gerne jederzeit wieder bei uns, wenn du noch Fragen haben solltest. Liebe Grüße
Xenia

Kummerkastenantwort 232 – Bin ich pan? Bin ich trans?

Hey,
puh, weiß nicht so recht wie ich anfangen soll.
Ich hatte bisher 2 Beziehungen zu Jungen/Männern, nachdem die zweite Beziehung in die Brüche gegangen ist, bin ich ins Grübeln gekommen ob, und habe gemerkt dass ich auch langsam mehr Interesse an Frauen bekomme, neben Männer. Bin nun seit 6 Monaten mit einer Trans* Frau zusammen und sehr glücklich. Ich bin selbst der Meinung dass mich weder das Geschlecht noch die Geschlechtsidentität eines Menschen interessiert, ist es dann berechtigt mich als Pan zu bezeichnen? Bi wäre mir fast schon wieder zu “eingeschränkt”.
Dazu sehe ich mich auch nicht als klassisch Mann oder Frau, es gibt Momente/Tage da bin ich sehr weiblich/feminin, dann wieder Tage da möchte ich gar nichts damit zutun haben und würde am liebsten weder als weiblich noch als männlich angesehen werden. Es ist wirklich schwer zu erklären für mich, verzeih mir die schwammigen Aussagen.
Bin hin und her gerissen zwischen Demigirl und genderfluid, würde gerne die Meinung von jemandem hören der sich wirklich damit auskennt.
Danke!

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Erstmal: Bitte entschuldige, dass du schon so lange auf eine Antwort warten musstest, wir bekommen aktuell so viele Anfragen und kommen nicht ganz hinterher.

Ich kann mir vorstellen, dass deine Situation verwirrend für dich ist! Wie wir hier immer wieder schreiben, können wir dir nicht sagen, welche sexuelle Orientierung bzw. welches Geschlecht du hast. Niemand außer dir ist Expert*in für deine Identität! Und auch niemand kann dir sagen, ob du berechtigt bist, dich irgendwie zu labeln oder nicht.

Ich glaube, es ist oft einfach so: Schau, welcher Begriff und welche Beschreibung für dich am besten passt. Das muss auch nicht für immer stimmen und darf sich in deinem Leben auch nochmal verändern – sondern: welche Beschreibung passt für dich gerade am Besten?

Insofern: Wenn du findest, dass pansexuell dich gut beschreibt bist du absolut berechtigt, dich so zu nennen.

In Bezug auf dein Geschlecht gilt das natürlich auch. Und wenn du eben zwei Begriffe und Erklärungen für dich findest, die du beide magst – dann spricht auch nichts dagegen, beide zu verwenden.

Begriffe für sexuelle und geschlechtliche Identitäten sind auch nur ein Versuch, die Vielfalt von Menschen abzubilden – und können nie alles erfassen, was Menschen sind. Insofern: Benutz und verändere und kombiniere die Begriffe, so wie es für dich am Besten passt.

Melde dich gerne nochmal, wenn du Fragen hast oder erzähl uns, wie es für dich weiter geht!

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkastenantwort 230 -Kann sich Sexualität mit dem Geschlecht ändern?

Hallo an euch!
Erstmal ein riesen Lob an euch, ihr macht das toll!
Nun zu meiner Frage:
Kann sich eine Sexualität ändern wenn sein Geschlecht sich wechselt?
Es mag vielleicht etwas komisch klingen, dennoch würde es mich interessieren was ihr davon haltet.
Ich bin nämlich größtenteils Junge und gelegentlich ein Mädchen (so wie ich zur Welt kam) und als Mädchen kann ich sagen dass ich bisexuell bin aber als Junge würde ich eher einen Jungen als Partner haben als ein Mädchen.
Kann es sein dass ich einfach nur bisexuell bin in beiden Fällen oder dass ich bisexuell als Mädchen und Homosexuell als Junge bin?
Vielen Dank,
Jess

Hallo Jess,

Die kürzeste Antwort auf deine beiden Fragen ist „ja“. Die etwas längere ist: Ja, Label können sich abhängig von der Situation ändern.

Die ausführliche ist: Label sind immer nur eine Annäherung. In einem Label kommt sozusagen das Ergebnis einer ganzen Menge Sachen zum Ausdruck. Wer bin ich? In wen verliebe ich mich (vielleicht)? Und all das in einem Wort zusammenzufassen, ist schwierig bis unmöglich, ohne dabei Feinheiten zu verlieren. Zum Beispiel bedeuten die Begriffe „heteroflexibel“ und „homoneugierig“ inhaltlich sozusagen erstmal das selbe und laufen da irgendwie auf „bisexuell“ raus – jedoch haben flexibel und neugierig einen sehr anderen Unterton.

Bei dir kommt dann ja noch dazu, dass sich dein Geschlecht tatsächlich wechselt. Das heißt, es geht nicht darum, mit einem Label irgendwie vereinfacht zu beschreiben, was für Beziehungen für dich der Idee nach passend wären, sondern das müsste auch gleich noch den Geschlechtswechsel mitbeinhalten. Das kann ein einzelnes Wort gar nicht leisten. Somit ist es allein schon von den Worten her sehr logisch, dass sich da was ändern könnte.

Wenn wir die Kiste jetzt sozusagen aufmachen und du sagst „als Junge ist es für mich so“ und „als Mädchen aber so“, dann beantwortest du dir deine Frage gewissermaßen selbst: Die sexuelle Orientierung ändert sich für dich abhängig vom Geschlecht. Und wenn das bei dir so ist, dann ist es möglich und kann sein.

Ich hoffe, das konnte dir ein wenig weiterhelfen. Falls du noch Fragen hast, kannst du dich auch gerne nochmal melden. In jedem Fall wünsche ich dir, Jess, alles Gute.

Liebe Grüße,
Xenia

Kummerkastenantwort 229 – Darf ich mich als trans bezeichnen?

Hallo an alle die das lesen,
Ich habe eine sehr dringliche Frage weswegen ich mich an euch wende.

Ich überlege schon lange welche Geschlechtsidentität ich habe und es zerstört mich immer mehr und mehr.
Ich bin als Mädchen zur Welt gekommen und ich kann auch unterschreiben dass ich mich damit auch identifizieren kann…Aber größtenteils kann ich das nicht.
Es fing schon vor der Pubertät an dass ich mich “anders” fühlte dennoch verdrängte ich diese Gedanken.
Es wird seit einem Jahr schlimmer.
Mittlerweile kann ich nachts nicht mehr schlafen da ich mich in meinen Träumen meistens als Junge sehe.
Ich habe mittlerweile auch Anzeichen einer Dysphorie (ich möchte mich ohne Arzt nicht selbst diagnostizieren)
Seit Monaten bin ich also auf der Suche nach einem Begriff für all das und bin auf Trans gestoßen, dennoch bezweifle ich dass dieser Begriff zu mir passt, da ich mich ja noch als Mädchen identifizieren kann, nun mal nicht immer.
Was meint ihr, was kann ich tun?
Besten Dank fürs Lesen.
Myr

Hallo Myr,

Was du beschreibst, gerade das eher unbestimmte Gefühl, anders zu sein, von sich mit anderem Geschlecht träumen und auch Dysphorie sind alles Dinge, die Personen, die trans sind, häufig erleben. Dabei bedingt sich das nicht automatisch gegenseitig. Es ist weder so, dass eins Dysphorie haben muss, um trans zu sein, noch hat eins automatisch Dysphorie, wenn eins trans ist.

Wer du tatsächlich bist, und was für ein Label dazu passt, ist am Ende eine Sache, die nur du allein herausfinden und damit auch festlegen kannst. Es gibt keinen faktischen Test, den ein*e Ärzt*in durchführen könnte, um festzustellen, ob eine Person trans ist. Transsein ist somit nichts, was jemand anders für dich diagnostizieren kann.

Es gibt einige etablierte Labels, die Geschlechtsidentitäten, jenseits von „ich bin (immer) eine Frau“ oder „ich bin immer ein Mann“ beschreiben. Es gibt da sehr allgemeine „nicht-binär“ das alle Identitäten, die nicht (nur) männlich oder weiblich sind, einschließt. Menschen, für die das eigene Geschlecht eher flüssig ist und sozusagen hin und her schwappen kann, wie eine Welle im Wasser, nutzen den Begriff „genderfluid“. Und dann ist da noch „demiboy“ oder auch „demiman“, was eine Identität beschreibt, die zwar irgendwie männlich, aber nicht 100 Prozent Mann ist. „Demi“ als Vorsilbe kommt aus dem griechischen und heißt so viel wie teilweise oder halb.
Neben diesen Labels gibt es noch viele weitere, bestimmte Geschlechtsidentitäten abbilden, vielleicht findest du was, was für dich gut klingt in unserem Glossar.
Es ist auch okay, sich da unsicher zu sein und das in den selbstgewählten Labels auszudrücken. Du hast sicher schon mal irgendwo das LGBTQ-Akronym gesehen, in dem manchmal mehr und manchmal weniger Buchstaben auftauchen. Das zweite Q, so es denn dabei ist, steht für „Questioning“ – das heißt fragend. Und auch das ist als eigene Bezeichnung völlig valide.

Ein Plan für dich könnte sein mit Freund*innen verschiedene Labels (und gegebenenfalls auch Namen und Pronomen) für dich auszuprobieren. Es auch queerfreundliche Ärzt*innen und Thereüeut*innen, die gut darin sind, dabei zu helfen, rauszufinden, was passende Labels für die eigene Identität wären. Und: auch wenn es oft drängend scheint, eine Antwort auf diese Fragen zu finden. Es sind große, tragende Fragen. Manchmal hilft auch Zeit lassen und nehmen.

Falls dir zu der Sache noch was einfällt oder du ein passendes Label gefunden hast, Lyr, freuen wir vom Queer Lexikon uns, wenn du uns nochmal schreibst.

Liebe Grüße
Xenia

Kummerkastenantwort 231 – bin ich biegender oder genderfluid?

hallo ich bin Tanja

mein Problem ist : ich fühle mich an manchen Tagen wie ein Junge und gleichzeitig wie ein Mädchen ich weiß aber nicht ob ich Bigender bin oder doch genderfluid. Ich hoffe jemand kann mir helfen

Hallo Tanja,

was für ein Label für dich passt, liegt allein an dir festzulegen. Ich werde im folgenden auf die beiden Label, bei denen du dir unsicher warst etwas näher eingehen und Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausarbeiten.

Bigender ist ein nicht-binäres Label, das beschreibt, dass eine Person zwei Geschlechter hat. Zum Beispiele Mann und Frau oder Frau und Agender. Dabei macht Bigender nicht direkt eine Angabe dazu, wie die beiden im Verhältnis stehen oder wie und ob sich die beiden Identitäten abwechseln. Für viele Menschen, die Bigender sind, ist das aber eine eher statische Angelegenheit. Beide Geschlechter sind immer oder meistens da und in der Regel ändert sich auch nicht, wie stark beide jeweils ausgeprägt sind.

Genderfluid ist auch eine nicht-binäre Identität. Der Fokus liegt aber darauf, dass sie immer im Fluss ist und sich dauerhaft, oder zu bestimmten, mehr oder weniger häufigen Auslösern, ändern kann. Von wo nach wo dabei das Geschlecht fließt, steckt nicht im Label direkt drin. Genausowenig, ob und wie sehr es dabei Zwischenstadien gibt.

Die beiden Label unterscheiden sich also am stärksten im Hinblick auf die Frage, welche und wie viele Geschlechter über die Zeit vorkommen. Bei Bigender sind das genau zwei, bei Genderfluidität sind es -theoretisch- beliebig viele. Genderfluid legt den Fokus dabei auf die Veränderlichkeit. Bigender muss auch keine statische Identität sein, kann das aber. Genderfluid kann sich quasi auf dem Spektrum zwischen zwei Identitäten abspielen, aber auch zwischen mehr als zwei Identitäten.

Vielleicht kannst du anhand dieses Vergleichs für dich etwas abstecken, welches der Label für dich besser passt. Ich wünsche dir alles Gute für deine Suche.

Liebe Grüße
Xenia

Kummerkastenantwort 228 – muss ich mich für meinen Namen rechtfertigen?

Hallo
Also ich bin mir seid einiger zeit klar das ich BI und Genderfluid bin und konnte mich auch ein paar meinen Freunden outen, die es auch gut aufgenommen und eigentlich komplett aktzeptiert haben … auch meinen Neuen Namen der jetzt nicht halt ein wirklich typischer Name ist (Phoenix) haben sie aktzeptiert…. nur eine Freundin versteht es noch nciht wirklich und ich bin mir nicht sicher wie ich es ihr erklären soll…. sie meint wie ich das meine vowegen das ich zwischen meinen gender wechsle, denn schließlich könnt ich als Frau das gleiche wie ein Mann machen und umgekehrt … außerdem meint sie wäre der Name Phoenix schon sehr auffällig und dergleichen (ich hab mir den Namen aber bewusst und wegen der bedeutung ausgesucht und ich werde auch sabei bleiben)

Ich weiß einfach nicht wie ich ihr meine Situation am besten erklären soll
Habt ihr vielleicht eine Idee ?
Danke schon mal
Lg

Hallo Phoenix,

Erstmal: Schön zu lesen, dass deine Coming Outs zum Großteil gut aufgenommen wurden. Das ist leider noch nicht selbstverständlich.

Zu deiner Frage: Geschlecht zu erklären ist müßig. Ich kann verstehen, dass du deine Freundin da mit Argumenten und Logik überzeugen möchtest, aber ich befürchte, dass das schwierig werden könnte.
Und im Prinzip hat sie ja Recht: theoretisch gibt es nichts, was du nicht darfst oder nur darfst auf Basis deines Geschlechts. Das ist ja aber auch gar nicht der Punkt: Geschlechtsidentität ist ja kein Vehikel, um sich um Verbote herumzumogeln.
Genderfluidität ist von außen auch schwer nachzuvollziehen. Viele Menschen nehmen das eigene Geschlecht statisch war. Daher fällt es vielen auch schwer, damit umzugehen, wenn sie erfahren, dass es für andere, wie bei dir, fluide ist. Manchen hilft dabei, es vergleichen zu können. Ich als Linkshänderin finde sehr oft sehr unlogisch, wie Menschen Dinge mit der rechten Hand machen. Das ist etwas völlig anderes als Geschlecht, ja. Aber es hat die Gemeinsamkeit, dass ich gelernt habe, dass das eine Sache ist, die für andere Menschen anders ist wie für mich. Die bedeutet, dass die Welt in diesem einen Punkt für mich sehr anders sein kann als für andere. Vielleicht hilft deiner Freundin ein ähnlicher Vergleich, um zu verstehen, dass sie nicht hundert Prozent nachfühlen können muss, wie das für dich ist und warum das für dich so richtig und wichtig ist, sondern das irgendwann einfach annehmen zu können.
Für den Namen ist das ganz ähnlich. Die Entscheidung liegt und lag da bei dir. Niemand darf dir dabei reinreden. Deine Freundin hat da kein Recht zur Mitsprache. Das kann gerade unter Freund*innen schwierig sein – da da vieles zur Diskussion stehen kann, vieles gemeinsam beschlossen wird, ist es schon speziell, wenn das auf einzelne Dinge nicht zutrifft. Auch wenn das jetzt etwas plump wirkt und inhaltlich wenig hilfreich ist: Du machst das schon richtig. Du hast dir einen passenden Namen ausgesucht und du darfst bei dem bleiben, auch wenn andere Personen damit nicht einverstanden sind. Das auszudiskutieren kostet Zeit und Energie. Und ich will nichts schönreden, daran können Freund*innenschaften auch scheitern, du hast ein Recht darauf, als die Person, die du bist, Phoenix, wahrgenommen zu werden, und wenn alles nichts hilft, helfen am Ende nur getrennte Wege. Wobei ich dir wünsche, dass das nicht soweit eskaliert.

Du siehst, das ist in der Praxis eine etwas verfahrene Sache. In der Theorie aber ganz einfach. Du weißt, wer du bist, du teilst das mit und dann gilt das. Falls das in der Praxis nicht tut, kann das schwierig sein, weil es da eigentlich nicht viel zu diskutieren, zu begründen und zu argumentieren gibt.

Ich hoffe, dass diese Antwort dir eine Hilfe sein kann und wünsche dir alles Gute. Melde dich gerne nochmal, falls noch etwas unklar ist oder sich in der Sache was Neues ergibt.

Liebe Grüße
Xenia