Kummerkastenantwort 134 – Wie funktioniert Namensänderung?

ich wollte fragen wie das ist mit dem Personalausweis und deren Änderung z.b mein Mädchennamen (Jasmin) in den Namen den ich mir ausgesucht habe ändern zu lassen in den Jungs Namen (ciel) weil ich habe im Internet gelesen das man das nicht ändern kann wenn keine Geschlechtsumwandlung vorliegt was bei mir aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist und nie sein wird und ich weis nicht ob man das dann trotzdem ändern lassen kann

Hallo Ciel,

du hast leider recht damit, dass es in Deutschland (ich gehe davon aus, dass du in Deutschland lebst, bitte korrigiere mich, wenn du wo anders lebst) eher schwierig ist, den eigenen Namen zu ändern.

Wer über das TSG, das sogenannte Transsexuellengesetz, seinen Namen im Personalausweis ändern möchte, muss dies in einem Gerichtsverfahren beantragen. Voraussetzung dafür ist, dass eine Person “seit mindestens drei Jahren unter dem Zwang steht, ihren Vorstellungen [also im jeweiligen Geschlecht] entsprechend zu leben” und angenommen werden kann, dass das auch so bleibt. Geprüft wird das durch zwei vom Gericht beauftragte Gutachter*innen. Offiziell gehört eine geschlechtsangleichende Operation dabei nicht mehr zwangsläufig zu den Kriterien, aber je nach Gutachter*innen kann es gut sein, dass ohne so eine OP kein trans sein attestiert wird und das Gutachten nicht ausgestellt wird. Insgesamt berichten viele trans Menschen davon, dass diese Gutachten extrem unangenehm sind, weil dort extrem genau körperlich untersucht wird und/oder intime Fragen zu den Genitalien, zum Sexleben, zur Psyche etc. gestellt werden. Als wäre das alles noch nicht schlimm genug, ist dieses Gerichtsverfahren zudem noch enorm teuer. Das soll dich nicht entmutigen, es ist nur eine Warnung, dass es ein schwerer Weg sein kann, auf den du dich gut emotional vorbereiten solltest.

Seit Dezember letzten Jahres gibt es allerdings noch eine weitere Option, die du versuchen könntest – sie ist wesentlich weniger aufwändig und teuer, aber immer noch etwas kompliziert. Es geht dabei um ein Schlupfloch im Gesetz zum dritten Geschlechtseintrag: Dadurch war es schon vielen Menschen möglich, eine Namens- und Personenstandsänderung zu bekommen, mit nur einem Brief von einem*einer Ärzt*in. In dem Brief muss stehen, dass bei dir eine “Variante der Geschlechtsentwicklung” vorliegt, damit musst du dann zu deinem zuständigen Standesamt gehen, wo du deinen Namen und deinen Geschlechtseintrag ändern lassen kannst für nur eine geringe Bearbeitungsgebühr. Offiziell ist das nur für intergeschlechtliche Personen gedacht, aber da das Gesetz nicht genau sagt, was unter “Variante der Geschlechtsentwicklung” zu verstehen ist, haben auch schon viele trans Menschen damit erfolgreich ihren Namen und Geschlechtseintrag geändert.

Falls dir das momentan alles nicht möglich ist, gibt es immer noch die Möglichkeit, einen Ergänzungsausweis bei der dgti (Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität) zu beantragen. Den kannst du ganz einfach mit deinem gewünschten Namen und Geschlechtseintrag beantragen und fast überall als gültiges Ausweisdokument verwenden. Der Ergänzungsausweis ist vom Bundesinnenministerium anerkannt und kann auch in Kontrollen und zur Namensänderung bei Institutionen (wie z.B. Universitäten, Versicherungen, etc.) verwendet werden. Hier erfährst du alles darüber und kannst ihn beantragen: https://dgti.org/ergaenzungsausweis.html

Auch ohne rechtliche Namensänderung kannst du fast überall einfach deinen gewählten Namen verwenden – das ist jetzt dein Name, wenn du es so willst, und es geht nur wenige Menschen etwas an, ob das auch wirklich so in deinem Pass steht oder nicht. In der Schule, der Universität, der Ausbildungsstelle, dem Arbeitsplatz, in Sportvereinen und Gruppen und überall in deiner Freizeit kannst du überall das Recht einfordern, so genannt zu werden, wie du es möchtest, auch wenn es (noch) nicht so in deinem Ausweis steht. Du verdienst in jedem Fall Respekt, die richtige Anrede, und dass du dich wohl fühlst.

Ich hoffe, du findest eine gute Lösung und ich drücke dir alle Daumen.
Liebe Grüße, Balthazar

Kummerkasten Antwort 132 – Tipps bei der nichtbinären Namenssuche

Hey liebes Team,

Ich finde eure Seite wirklich super. Sie hat mir bei meiner Selbstfindung sehr geholfen, danke. Jetzt aber zu meiner Frage.
Ich habe vor kurzem angefangen, nach einem passenden Namen für mich zu suchen. Das Problem ist nur, dass ich einen Namen suche der nicht “typisch weiblich” oder “typisch männlich” ist da ich selber non-binary bin.

Habt ihr Tipps oder Ideen für meine Namenssuche?

Liebe*r Unbekannte*r,

es ist nicht gerade leicht, einen Namen zu finden, der keine starken Verknüpfungen entweder mit Männlichkeit oder Weiblichkeit hat. Hier sind ein paar Optionen, die andere nichtbinäre Menschen nutzen:

  • viele Kurzformen von Namen sind nicht eindeutig männlich oder weiblich: z.B. Alex, Lou, Feli, Dani oder Flo können alle Abkürzungen von männlichen oder weiblichen Namen sein – viele nichtbinäre Menschen entscheiden sich für so eine Kurzform.
  • seltene Namen in fremden Sprachen können ebenfalls geeignet sein, vor allem, weil viele Sprachen auch kein Genus haben (also kein sprachliches Geschlecht wie im Deutschen, wo wir “der/die/das” haben). Finnisch, Türkisch oder Ungarisch sind Beispiele für solche Sprachen. Du solltest allerdings mit fremden Sprachen und Kulturen respektvoll umgehen und dir nichts aneignen, was dir nicht zusteht und wozu du keinen persönlichen Bezug hast.
  • Fantasy- oder SciFi-Bücher können helfen, ausgefallene Namen zu finden, die nicht sofort als männlich oder weiblich zu erkennen sind. Vielleicht wirst du ja in deinen Lieblingsromanen fündig oder möchtest dir selbst einen Namen ausdenken, der z.B. von einer Fantasy-Sprache inspiriert ist.
  • Einen eigenen Namen ausdenken ist sowieso immer eine Möglichkeit. Das ist zwar vielleicht etwas schwieriger, wenn du deinen Namen auch rechtlich ändern möchtest, aber einen Versuch wert. Auch dadurch, dass ausgedachte Namen ein neuer Trend für Eltern von Babys sind, wird es allmählich leichter, auch eigene Namen durchzusetzen.
  • Manche nonbinary Menschen (so wie auch ich) suchen sich einfach einen Namen aus, der zwar eigentlich männlich oder weiblich angesehen wird, beschließen aber einfach, den Namen nonbinary zu machen. So, wie meine Klamotten nichtbinär sind, weil ich es bin, mein Körper nichtbinär ist, weil ich es bin, etc., so kann auch einfach mein Name nichtbinär sein, auch wenn andere ihn als männlich sehen. Das erfordert allerdings oft sehr viel Erklärung und Geduld mit Menschen im eigenen Umfeld und ist deswegen nicht für alle eine gute Möglichkeit.

Gute Hilfestellungen sind immer Babynamenseiten im Internet und Bücher, Filme und Serien. Überall dort kannst du Inspiration für deinen eigenen Namen finden. Es ist auch vollkommen okay, im kleineren Rahmen (vielleicht mit ein paar Freund*innen oder online) ein paar Namen auszuprobieren, um herauszufinden, welcher sich für dich richtig und gut anfühlt.

Viel Erfolg bei der Namenssuche und schreib uns gerne, wenn du einen Namen gefunden hast!
Liebe Grüße, Balthazar

Kummerkasten Antwort 131 – Bin keine Frau und kein Mann?

Hi ich bin mir bei meiner Identität nicht sicher was ich aber weiß ist das ich nicht hetoro bin ich weiß aber nicht ob ich eine Frau oder ein man sein will ich bin irgendwie keines oder beides und weiß nicht wie ich damit umgehen soll

Hallo lieber unbekannter Mensch,

erst mal: Es ist vollkommen okay, unsicher mit der eigenen Identität und dem Geschlecht zu sein. Geschlecht ist ein ganz schön kompliziertes Thema, mit dem alle Menschen anders umgehen. Es ist absolut in Ordnung, wenn du dir Zeit nimmst, dich damit zu beschäftigen und dich zu hinterfragen.

Menschen, die weder männlich noch weiblich sind, werden auch nichtbinär genannt. Das bedeutet erstmal nur, dass dieser Mensch keine Frau und kein Mann ist (oder manchmal kann es auch bedeuten, dass diese Person nur teilweise oder nur manchmal männlich oder weiblich ist). Nichtbinär ist ein eigenes Geschlecht, bzw. eine eigene Geschlechtsidentität, kann aber auch ein Überbegriff für ganz viele andere Identitäten sein, die nicht (oder nicht vollkommen) männlich oder weiblich sind.

Hier sind zwei Begriffe, die unter den Schirmbegriff “nichtbinär” fallen und die dir vielleicht helfen können, dich zu beschreiben:

  • Agender: Agender sind Menschen, die kein Geschlecht haben oder sich nicht mit den existierenden Begriffen und Konzepten von Geschlecht identifizieren (können oder wollen).
  • Bigender: Bigender sind Menschen, die sich mit zwei Geschlechtern identifizieren können, zum Beispiel in deinem Fall vielleicht männlich und weiblich. Bigender Menschen haben vielleicht beide dieser Geschlechter gleichzeitig, oder es kann auch sein, dass sie abwechselnd mal eins und mal das andere Geschlecht sind – oder eine Mischung aus beidem.

Mehr Begriffe für nichtbinäre Geschlechter findest du auch in unserem Glossar.

Ich hoffe, das hilft dir ein bisschen weiter.
Alles Gute und liebe Grüße, Balth

Kummerkasten Antwort 111 – Was bin ich?

Was bin ich?

Hallo,
ich bin Mitte zwanzig und würde gerne wissen „was“ ich bin..
Ich bin eigentlich kein Fan vom benennen der Identität oder Sexualität aber ich denke ich könnte besser damit umgehen wenn ich eine Bezeichnung hätte.
Ich Würde mich als pansexuell beschreiben und bin in einem Frauenkörper geboren – in dem ich mich eigentlich auch wohl fühle.
Ich lebe seit längerem mit einer Frau in einer Beziehung und bin glücklich. Doch ich fühle mich AUCH als Mann Vorallem sexuell habe ich das Gefühl auch ein Mann zu sein (ich hab nur weibliche Geschlechtsmerkmale)
Ich bin sehr verwirrt fühle mich wohl in meinem Körper als Frau aber auf der anderen Seite wäre es als würde etwas fehlen (optisch )
Ich würde mich freuen wenn mir jemand weiterhelfen kann und weiß wie man dieses Phänomen benennt.

Liebe Grüße

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

das Bedürfnis, ein Label oder einen Begriff zu finden, der für dich passt, ist sehr verständlich – Labels können es leichter machen, die eigenen Erfahrungen und Gefühle in Worte zu fassen, sie ermöglichen einen Zugang zu Communities und ermöglichen den Austausch mit anderen Leuten, die ähnliche Erfahrungen machen wie du. Ein Label zu verwenden, heißt also nicht, dass du dich damit festlegst oder in eine Schublade steckst, sondern nur, dass du neue Freiheiten und Möglichkeiten findest.

Hier sind einige Vorschläge für Begriffe und Labels, die vielleicht für dich relevant sind:

  • Butch: vor allem lesbische Frauen, aber auch z.B. bi-, poly- und pansexuelle Frauen und andere queere Menschen verwenden diesen Begriff, um zu signalisieren, dass sie zwar eine Beziehung zum Frausein oder Femininen haben, aber lieber eine maskuline Rolle einnehmen, sich maskulin kleiden, oder sonst einen Bezug zu Männlichkeit herstellen. Manche Butches identifizieren sich komplett als weiblich, obwohl sie sich sehr männlich oder maskulin geben, andere identifizieren sich teilweise als männlich, oder haben insgesamt ein kompliziertes Verhältnis zu Geschlecht, das sich nicht so leicht in Schubladen wie “männlich” oder “weiblich” packen lässt, wieder andere sind nichtbinär.
  • Bigender: Bigender sind Menschen, die zwei (oder auch mehr) Geschlechter haben, also in deinem Fall männlich und weiblich. Je nach Person und Definition kann es sein, dass eine bigender Person gleichzeitig männlich und weiblich ist, oder dass die Gefühle diesbezüglich wechseln und sich verändern. Dabei spielt es keine Rolle, zu welchem Anteil sich ein Mensch als was identifiziert – es muss nicht 50/50 sein.
  • Genderfluid: Vor allem, wenn du den Eindruck hast, dass sich dein Geschlecht verändert und z.B. zu unterschiedlichen Zeitpunkten oder in unterschiedlichen Situationen anders ist, dann kannst du den Begriff “genderfluid” dafür verwenden. Das bedeutet, dass du nicht ein festgelegtes Geschlecht hast, sondern mehrere verschiedene, die sich mit der Zeit oder je nach Situation wandeln.
  • Genderqueer: Wenn du dich vielleicht gar nicht so genau festlegen willst oder kannst, kann ein Überbegriff wie “genderqueer” helfen. Genderqueer sind Menschen, deren Geschlecht nicht mit den gesellschaftlichen Erwartungen und Normen übereinstimmt, die sich vllt. nicht auf ein Geschlecht festlegen können oder wollen, oder für die bestehende Kategorien von Geschlechtern nicht passen.

Es gibt natürlich noch massig mehr Begriffe und endlos viele Erfahrungen mit den verschiedenen Begriffen. Vielleicht wirst du in unserem Glossar oder in verschiedenen Online-Communities oder lokalen queeren Gruppen fündig.

Egal, für welchen Begriff du dich entscheidest oder ob du dich überhaupt für einen entscheidest – du bist gut, so wie du bist, und deine Gefühle und Gedanken sind vollkommen okay und valide.

Alles Gute für deinen Weg, und komm gerne jederzeit vorbei, wenn du noch mehr Fragen hast!

Viele Grüße,

Balthazar

Kummerkasten Antwort 108 – Welche Labels passen für mich?

Hallo zusammen!
seit einiger Zeit bin ich mir sowohl über meine Identität als auch über meine sexuelle Orientierung im Unklaren. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Männer sexuell attraktiv finde oder nur neidisch auf ihr gutes Aussehen bin. Mittlerweile glaube ich aber, dass es das erstere sein könnte. Mein Herz hat auch schon höher geschlagen, als ich einen transsexuellen Mann gesehen habe. Ich kann definitiv sagen, dass ich auf Frauen stehe, aber bei Männern und anderen Identitäten bin ich mir nicht sicher. Wo könnte man das zuordnen?

Des Weiteren habe ich schon früh gemerkt, dass ich mich in der Gesellschaft von Frauen viel wohler fühle und mit ihnen auch besser unterhalten kann. Schon in der Schule hatte ich immer den Eindruck, dass sich Jungs nur für Fußball interessierten und ich mich nach diesem typisch patriarchalen männlichen Stereotyp verhalten sollte in ihrer nähe (wenig Emotionen, rau, der Gewalt zugeneigt, z.B. in Ballerspielen). Mein Verhalten würde man in eher konservativen Kreisen als feminin bezeichnen. Ich hätte auch nichts dagegen, weibliche Kleidung zu tragen (wobei ich diesen Begriff nicht mag, denn jeder sollte tragen, was einem gefällt unabhängig von Geschlecht oder Identität!). Daher frage ich mich, ob ich möglicherweise genderfluid bin, denn es gibt Zeiten, da ich mich schon als Mann identifiziere, in anderen Zeiten wünsche ich mir, ich wäre eine Frau, oft sogar, dass ich als Frau (nochmal) geboren werden könnte und neu anfangen könnte.

Ich frage mich auch, ob die LSBAATIPQQ+ Community auch Leute einschließt, die sich – wie ich auch – nicht mit ihrem Alter identifizieren. So habe ich bisweilen den Wunsch, wieder ein kleines Kind, häufig sogar ein Baby zu sein.

Ich freue mich schon auf eure Antwort! 😀

LG

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

zuerst einmal möchte ich sagen, dass es immer vollkommen okay ist, nicht genau zu wissen, wer man ist oder auf wen man steht – manche Menschen brauchen sehr lange, um das herauszufinden, manche verstehen das erst sehr spät in ihrem Leben, andere können das nie so genau sagen. Und das ist vollkommen okay. Es gibt keine Regel, die sagt, dass du genau wissen musst, wer du bist. Viele Menschen in deiner Situation entscheiden sich, ganz auf Labels zu verzichten oder ein Label zu verwenden, das mehr ein Überbegriff ist, wie zum Beispiel “queer” oder “polyromantisch/polysexuell”. Selbst ein Begriff wie “bisexuell” kann so ausgelegt werden, wie du es gerne möchtest – in deinem Fall könntest du es so auslegen, dass es bedeutet, dass du auf Frauen und evtl. Menschen anderer Geschlechter stehst. Wenn du dich noch nicht konkret festlegen willst, dann helfen dir vielleicht so Begriffe wie “bicurious” (zu dem ich bisher keine deutsche Entsprechung kenne, aber vielleicht möchtest du den Begriff aus dem Englischen übernehmen oder dir selbst eine deutsche Entsprechung ausdenken) oder “questioning”, also “fragend” (wie auch bei bicurious kenne ich dazu kein deutsches Wort – vielleicht tut es “unentschlossen” aber ganz gut). Beide Begriffe werden von Menschen verwendet, die sich noch nicht ganz sicher sind, zu wem sie eigentlich hingezogen sind. Wichtig ist aber auch: Egal, für welches Label du dich entscheidest – falls du nach einer Zeit bemerkst, dass es doch nicht oder nicht mehr passt, dann kannst du es jederzeit ändern. Du musst keine Entscheidung für den Rest deines Lebens treffen; Sexualität ist für viele Menschen fließend und in ständigem Wandel.

Es kann nach deinen Beschreibungen sehr gut sein, dass du genderfluid bist oder irgendwo anders unter die Schirmbegriffe “trans”, “genderqueer”, “gendervariant”, “nichtbinär” oder “gender non-conforming” (also nicht deinem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht und dessen Normen entsprechend) fällst. Am besten findest du das heraus, indem du dich ausprobierst – zum Beispiel mit verschiedener Kleidung -, indem du dich mit anderen austauschst, die auch genderfluid sind oder andere Erfahrungen mit trans sein gemacht haben, und indem du weitere Informationen sammelst. Mit der Zeit wirst du sicher herausfinden, was sich für dich richtig anfühlt und was nicht. Egal, ob du ein Label dafür findest oder nicht, du kannst immer du selbst sein und schuldest niemandem eine Erklärung oder eine einfache Schublade dafür, in die dich andere Menschen packen können. (Und du hast vollkommen Recht: Kleidung hat kein Geschlecht und alle sollten tragen dürfen, was sie wollen!)

 Die Sache mit dem Alter kann ich dir leider nicht so gut beantworten. Das hat erstmal nichts mit LSBAATIPQQ+ Sein zu tun, aber vielleicht findest du da in Kink Communities weiter Auskunft darüber – es gibt dort das so genannte Age Play, was allerdings nicht unumstritten ist, also achte gut darauf, woher du deine Informationen beziehst und welche Bedürfnisse hier angesprochen werden. Wir kennen uns mit dieser Thematik nicht gut genug aus, um darüber weiter Auskunft zu geben.

Wir wünschen dir alles Gute!
Viele Grüße,

Balth

Kummerkasten Antwort 83 – Manchmal ein Junge, manchmal ein Mädchen?

Hallo,
ich weiß gar nicht wie ich Anfangen soll, ich bin momentan einfach irgendwie verwirrt und unglücklich. Und zwar fühle ich mich als Junge an Manchen Tagen wie ein Mädchen. Das hört sich jetzt wahrscheinlich komisch an, aber ich weiß nicht weiter. An manchen Tagen bin ich voll zufrieden und auch Glücklich während ich an anderen Tagen einfach nur herumsitze und sehr unglücklich bin aufgrund das ich mich manchmal eher als Mädchen fühle aber kein Mädchen bin. Wie nennt man denn sowas? Gibt’s dafür eine Erklärung?

Hallo lieber Mensch,

was du beschreibst, hört sich gar nicht mal so komisch an. Es klingt, als könntest du genderfluid sein – viele Menschen, denen es ähnlich geht wie dir, verwenden diesen Begriff, um zu beschreiben, dass sie nicht ein einziges, festes Geschlecht haben, sondern dass sie mehrere Geschlechter haben, zwischen denen sie ‘fließend’ wechseln. Oft wechselt das Geschlecht dieser Menschen zwischen männlich und weiblich, es kann aber auch zwischen anderen Geschlechtern wechseln. Wenn du dich zum Beispiel an manchen Tagen eher weiblich, aber nicht zu hundert Prozent weiblich fühlst, könnte es sein, dass du an diesen Tagen ein demigirl bist, also eine Person, die teilweise oder größtenteils weiblich ist, aber eben nicht vollständig.

Auf jeden Fall sind deine Erfahrungen mit deinem Geschlecht vollkommen in Ordnung und du bist nicht alleine. Vielleicht hilft es dir ja, dich mit anderen Leuten zu unterhalten, die genderfluid sind. Auf Social Media reden Menschen oft über ihre Erfahrungen mit fluidem Geschlecht, vielleicht gibt es da ja Menschen, denen du zuhören und mit denen du reden kannst. Und falls du noch weitere Fragen hast, kannst du dich jederzeit wieder gerne an uns wenden.

Viele Grüße und alles Gute,
Balthazar

Dritte Option

Die dritte Option ist eine Organisation, die sich für die Schaffung eines dritten juristischen Geschlechtseintrag einsetzte und den Eintrag “divers”, den es seit dem 01.01.2019 gibt kritisiert. Es geht auch hierbei nicht darum, dass es ein drittes Geschlecht gibt, der Name bezieht sich auf einen Schirmbegriff für alle möglichen Geschlechter.

*

Das Sternchen (*) wird auch als Form der geschlechtergerechten Sprache benutzt, beispielsweise ‘Leser*innen’, um auch nicht-binäre Menschen einzuschließen. Manche Menschen schreiben auch hinter Wörter wie “trans” oder “inter” ein *, um zu zeigen, dass an das Wort verschiedene Endungen wie “-sexuell”, “-geschlechtlich” und “-gender” angehängt werden können.

Kummerkastenantwort 71 – Was ist eigentlich ein Gender Bender?

Hallo liebe Gemeinschaft,

ich habe eine Frage zu meinem Geschlecht. Da ich mich noch nicht lange mit dieser Thematik beschäftige, was bedeutet “Gender Bender” ? Viele von meinen Freunden benutzen diesen Begriff.

Ich hoffe Ihr könnt mir helfen.

Hallo,

“Gender Bender” leitet sich von Gender benden oder Gender bending ab. Bend kommt dabei aus dem Englischen und bedeutet so viel wie “biegen” oder “beugen”. Im Englischen gibt es einen Ausdruck “to bend (the) rules” – das meint, dass sich Menschen Regeln sehr großzügig auslegen, es nicht ganz so eng sehen, was erlaubt ist, oder wie die Regeln gemeint waren – also ein sehr laxes Umgang mit dem Erlaubten.

Bei Gender Bending verhält es sich ähnlich. Die Gesellschaft hat sehr genaue Vorstellungen, wie Menschen aufgrund ihres Geschlechtes sind, was Frauen und Männer “dürfen”. Gender Bending ist jetzt, wenn Personen bewusst mit diesen Regeln spielen, sich bewusst an diesen ungeschriebenen Verboten reiben, und somit auch die Gesellschaft herausfordern – indem sie sehr untypische Dinge tun oder sehr typische nicht.

Gender Bending beinhaltet rein praktisch eine Menge Dinge, die Menschen, die nicht cis sind, häufig auch tun, um ein besseres Passing zu erreichen. Das Tragen von bestimmter Kleidung, das Benutzen von Make-Up oder das Zeigen bestimmter Posen und Haltungen. Der Unterschied hier liegt hauptsächlich im Zweck. Gender Bending kann ein Selbstzweck sein – ein pures Auflehnen gegen die überholten Regeln – und völlig unabhängig des eigenen Geschlechts stehen. Beiden, dem Streben nach Passing und dem Gender Benden, gemein ist, dass es auch darum geht, sich auszuprobieren, zu erkunden, und zu schauen, womit eins sich wohlfühlen kann.

Liebe Grüße
Xenia

Kummerkasten Antwort 66 – Wie finde ich meine Geschlechtsidentität heraus? Wie kann ich mit übergriffigen und verletzenden Sprüchen umgehen?

Hallo,

ich hab keine Ahnung, ob ich hier richtig bin, aber ich weiß nicht, wohin ich mich sonst wenden kann. :-/

Ich bin biologisch gesehen ein Mädchen (jetzt 21 Jahre alt), aber ich wollte schon im Kindergarten lieber ein Junge sein. Ich wollte mich so verhalten wie ein Junge und auch so aussehen. Von meiner Familie und meinen Mitschülern habe ich deswegen viel Ablehnung/Kritik/Spott erhalten. In der Unterstufe haben mich die anderen Kinder “Zwitter” genannt. Sie haben das als Beleidigung gemeint, trotzdem frage ich mich immer häufiger, ob sie nicht vielleicht recht hatten.
Als ich noch jünger war, wurde ich sehr oft für einen Jungen gehalten und hab mich jedes Mal gefreut, wenn mich jemand “er” genannt hat. Dann bekam ich Brüste und hatte (weil meine Eltern das schön fanden) lange Haare und das war erst mal vorbei. Seit ich mir letztes Jahr die Haare abgeschnitten habe, werde ich auf der Straße wieder häufig als “Herr” angesprochen.

Ich habe ein massives Problem mit meinem Busen und frage mich jedes Mal, wenn ich vorm Spiegel stehe, wer sich diesen Mist ausgedacht hat. Allerdings will ich auch keinen Penis. Ich hasse meinen Busen, aber ich weiß nicht, ob ich ihn “genug” hasse um dafür eine OP auf mich zu nehmen. Ich werde auch nicht gerne als “Frau” angeredet (und oft zweifle ich auch an meinem weiblichen Vornamen). Allerdings käme es mir auch komisch vor, den Rest meines Lebens als “Herr” angesprochen zu werden (und ob ich gerne einen männlichen Vornamen hätte, weiß ich auch nicht).

Dadurch, dass meine Figur offensichtlich “weiblich” ist und mein Kleidungsstil inklusive Frisur und Verhalten eher “männlich”, wirke ich auf mein Umfeld sehr irritierend. Und werde leider nach wie vor extrem oft auf der Straße angepöbelt. Meistens von irgendwelchen Jugendlichen und mit dem Standardsatz: “Bist du Junge oder Mädchen oder was?” Meistens zucke ich dann zusammen und fühle mich scheiße. Vor allem, weil sie ja irgendwie recht haben und ich selber nicht weiß, wer oder was ich eigentlich bin.

Ich hab im Internet nach Tests zu dem Thema gesucht, aber nichts gefunden. Habt ihr vielleicht einen Rat, wie ich rauskriegen kann, was meine Geschlechtsidentität bzw. Gender ist? (Asexuell bin ich auf jeden Fall) Und irgendeinen Tipp, was ich tun kann, um die ganzen dummen Sprüche besser zu ertragen?

Viele Grüße und Danke,
L

Hallo L,
unsere Fragenbox ist genau für Fragen wie deine da.

Ich lese ziemlich oft, dass du Dinge nicht weißt, also, ob du einen anderen Vornamen nutzen magst, ob du dir etwas bis zum Ende deines Lebens vorstellen kannst, … da möchte ich dir mitgeben, dass es völlig in Ordnung ist, gerade auch sowas nicht zu wissen, sich damit unsicher zu sein und auch kein (festes) Label dafür zu haben oder zu finden. Und: es gibt immer Veränderung. Es ist also möglich, aber nicht vorhersehbar, dass Aspekte, die jetzt Teil deiner Identität sind, es irgendwann nicht mehr sind. Das ist aber völlig valid.

Wenn du sagst, dass du keinen Penis haben willst, obwohl du dich meistens wohler fühlst, wenn du männlich gelesen wirst, ist das einerseits kein Widerspruch, da niemand dir vorgeben darf oder kann, wie dein Körper zu sein hat, und andererseits ist vielleicht auch gerade die Frage, wie du gerne angesprochen wirst, etwas, dem du gezielt nachgehen und es ausprobieren kannst, was sich richtig anfühlt, indem du zum Beispiel Freund*innen bittest, bestimmte Prononem und Anreden auszuprobieren.

Zu deinen Brüsten: Vielen, die wegen ihrer Brüste dysphorisch sind, helfen Binder. Wir haben mal eine kurze Broschüre mit den wichtgisten Informationen dazu zusammengestellt. Vielleicht ist das etwas, was du mal ausprobieren könntest.

Die Art von Übergriffigkeit, die du beschreibst, hängt stark damit zusammen, dass unsere Gesellschaft sehr normativ geprägt ist. Das heißt, dass es bestimmte Normen und Regeln gibt, die scheinbar für alle gelten und dadruch auch von allen eingefordert werden. Das trifft insbesondere queere Menschen, da diese Normen auch vorsehen, dass alle hetero und cis sind. Wir finden das auch ziemlich uncool, und würden das gerne am liebsten Gestern beendet haben, aber das ist eine Sache, der wir wohl nicht schnell beikommen werden – sondern nur damit, dass die Gesellschaft offener und aufgeklärter wird. Und das dauert.
Gleichzeitig gilt. Es ist ok, dass du dich da verletzt fühlst. Das nichts, wo “drüber stehen” müsstest, oder “aushalten solltest”. Vielen hilft es, ein*e Freund*in, Therapeut*in, Bezugsperson, Seelsorger*in oder ganz allgemein eine Vertrauensperson zu haben, um über solche Erfahrungen zu sprechen, besser verarbeiten und damit umgehen zu können.

Zu deiner eigentlichen Frage, ob wir dir helfen können, herauszufinden, was deine Geschlechtsidentät ist: Nicht wirklich. Das ist etwas, das nur du selbst dir zuschreiben kannst und darfst. Das schöne daran ist, dass das auch bedeutet, dass niemand jemals das Recht hat, dir in diesem Bereich irgendwas vorzuschreiben, was und wie du zu leben hast. Wie schon gesagt, musst du deine Geschlechtsidentität auch nicht konkret benennen können oder ein Label für sie haben.
Ich kann aber auch verstehen, wenn du sagst, dass du auf jeden Fall eines haben magst, weil Label eben auch halt und Sicherheit geben können. Auch da gilt: ich kann dir keines vorschreiben, ich lade dich aber gerne ein, mal in unser Glossar zu schauen, vielleicht findest du da etwas, das dich anspricht. Einige der Begriffe dort sind eher spezifisch, andere weiter gefasst. Für manche reicht es völlig, wenn sie von sich sagen können, dass sie trans oder nicht-binär sind. Anderen ist es wichtiger, dass ihr Label sehr genau beschreibt, wer sie sind.

Zu deiner zweiten Frage nach einem Tipp, wie du solche Sprüche besser ertragen kannst, kann ich dir leider auch keine einfache und keine sehr zufriedenstellende Antwort geben. Solange in unserer Gesellschaft diese Normen stehen, solange wird es solches übergriffiges Verhalten geben, und solange wird es schwierig bis unmöglich, bei den Täter*innen anzusetzen, was unweigerlich dazu führt, dass es bei Ratschlägen eher darum geht, wie wir uns schützen können. Das ist in sich schon eine eher unbefriedigende Ausgangslage.
So eine richtige Lösung ist es nicht, aber, manchmal hilft es sicher schon, etwas nicht hören zu müssen. Falls du also ein geeignetes mobiles Telefon besitzt oder noch in den tiefen deiner Schubalden irgendwo ein MP3 schlummert, könntest du Musik für unterwegs mitnehmen. Musik, mit der du dich wohl- und gut fühlst. Und wenn du die hörst, und deine Kopfhörer nach außen dicht genug sind, musst das am Ende wenigstens nciht mehr hören. Wie gesagt, nicht sehr befriedigend, aber vielleicht nützlich.
Und dann, wie oben schon angeschnitten, eine Vertrauensperson suchen und finden, mit der du drüber reden kannst, die dich vielleicht gelegentlich begleiten und entsprechend für dich da sein kann.

Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen und wünsche dir weiter viel Erfolg dabei, dich und deine Geschlechtsidentität kennen zu lernen.
Liebe Grüße
Xenia