Kummerkastenantwort 232 – Bin ich pan? Bin ich trans?

Hey,
puh, weiß nicht so recht wie ich anfangen soll.
Ich hatte bisher 2 Beziehungen zu Jungen/Männern, nachdem die zweite Beziehung in die Brüche gegangen ist, bin ich ins Grübeln gekommen ob, und habe gemerkt dass ich auch langsam mehr Interesse an Frauen bekomme, neben Männer. Bin nun seit 6 Monaten mit einer Trans* Frau zusammen und sehr glücklich. Ich bin selbst der Meinung dass mich weder das Geschlecht noch die Geschlechtsidentität eines Menschen interessiert, ist es dann berechtigt mich als Pan zu bezeichnen? Bi wäre mir fast schon wieder zu “eingeschränkt”.
Dazu sehe ich mich auch nicht als klassisch Mann oder Frau, es gibt Momente/Tage da bin ich sehr weiblich/feminin, dann wieder Tage da möchte ich gar nichts damit zutun haben und würde am liebsten weder als weiblich noch als männlich angesehen werden. Es ist wirklich schwer zu erklären für mich, verzeih mir die schwammigen Aussagen.
Bin hin und her gerissen zwischen Demigirl und genderfluid, würde gerne die Meinung von jemandem hören der sich wirklich damit auskennt.
Danke!

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Erstmal: Bitte entschuldige, dass du schon so lange auf eine Antwort warten musstest, wir bekommen aktuell so viele Anfragen und kommen nicht ganz hinterher.

Ich kann mir vorstellen, dass deine Situation verwirrend für dich ist! Wie wir hier immer wieder schreiben, können wir dir nicht sagen, welche sexuelle Orientierung bzw. welches Geschlecht du hast. Niemand außer dir ist Expert*in für deine Identität! Und auch niemand kann dir sagen, ob du berechtigt bist, dich irgendwie zu labeln oder nicht.

Ich glaube, es ist oft einfach so: Schau, welcher Begriff und welche Beschreibung für dich am besten passt. Das muss auch nicht für immer stimmen und darf sich in deinem Leben auch nochmal verändern – sondern: welche Beschreibung passt für dich gerade am Besten?

Insofern: Wenn du findest, dass pansexuell dich gut beschreibt bist du absolut berechtigt, dich so zu nennen.

In Bezug auf dein Geschlecht gilt das natürlich auch. Und wenn du eben zwei Begriffe und Erklärungen für dich findest, die du beide magst – dann spricht auch nichts dagegen, beide zu verwenden.

Begriffe für sexuelle und geschlechtliche Identitäten sind auch nur ein Versuch, die Vielfalt von Menschen abzubilden – und können nie alles erfassen, was Menschen sind. Insofern: Benutz und verändere und kombiniere die Begriffe, so wie es für dich am Besten passt.

Melde dich gerne nochmal, wenn du Fragen hast oder erzähl uns, wie es für dich weiter geht!

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten Antwort 196 – Verwirrung über passende Labels

Hey, ich bin Männlich und derzeit 18 Jahre alt.
Ich grübel mal wieder.. es geht um meiner Sexuallität.. ich bin mir unsicher.. ich fühle mich größtenteils zu Frauen hingezogen.. stelle mir aber auch immer wieder mal Sexuelle dinge mit einem Typen vor.. nur Sexuelles.. eine Beziehung mit einen Typen kann ich mir nicht vorstellen.. ich habe mich eine kurze Zeit auch als Bi identifiziert.. aber das kann ja auch nicht sein 🤷 es fühlt sich einfach nicht passend an wenn ich sage “ich bin Hetero” idk.. in meiner Schulzeit hatte ich auch drei Typen.. mit denen ich mir auch Sexuelle dinge vorgestellt habe.. ich bin verwirrt .-.
ich will wissen als was ich mich identifizieren kann.. um auch endlich das grübeln darüber zu beenden.. kann man mir hier irgendwie helfen? Danke.

PS: Schöne Seite hier. Gefällt mir.

Hallo lieber Mensch,

danke für das Kompliment! Wir freuen uns, dass du deinen Weg hierher gefunden hast.

Zuerst mal kann ich dein Grübeln und deine Unsicherheit gut nachvollziehen. Und dann möchte ich etwas sagen, das vielleicht von einer Webseite, die sich als Lexikon versteht, etwas ironisch klingt: Es gibt nicht eine feste Definition von bi. Du schreibst, es kann nicht sein, dass du bi bist – ich vermute mal, weil du dir nur Sexuelles, aber keine Beziehungen mit Männern vorstellen kannst. Wenn du dich aber mit dem Label “bi” wohler fühlst als mit “hetero”, dann kannst du dich selbstverständlich damit beschreiben! In deinem Fall könnte die Definition von “bi” dann sowas sein, wie “(ausschließlich) sexuelle Anziehung zu Männern und Frauen (aber nicht unbedingt romantische Anziehung” – oder so ähnlich.

Andere Menschen, denen es so ähnlich geht wie dir, verwenden das sogenannte “Split Attraction Model” (auch SAM genannt); da geht es einfach nur darum, dass es verschiedene Arten von Anziehung gibt, z.B. romantische und sexuelle, und dass die verschiedenen Arten nicht unbedingt immer “zusammenpassen” müssen – du könntest dich also z.B. als bisexuell und heteroromantisch bezeichnen. Ob das passend und sinnvoll für dich ist, kannst aber nur du entscheiden. Falls dich das SAM mehr interessiert: Wir haben da mal eine Podcast-Folge dazu gemacht.

Wenn sich aber kein Label so richtig passend anfühlt: Du musst gar keins benutzen. Für manche Leute fühlen sich Labels einschränkend ein und sie beschreiben lieber mit mehr Worten, was sie wollen, was ihnen gefällt und mit welchen Menschen sie sich was vorstellen können. Auch das wäre eine vollkommen verständliche und akzeptable Option für dich. Oder du könntest auch einen Überbegriff verwenden, z.B. “queer” – queer kann alle Menschen bezeichnen, die nicht in die gesellschaftliche Norm von Sexualität und Geschlecht passen, die also z.B. nicht (oder nicht ausschließlich) hetero sind.

Ich hoffe, bei diesen Optionen ist eine für dich dabei, die passt. Und wenn nicht: Es ist immer okay, auf der Suche oder unsicher zu sein! Menschliche Sexualität ist sehr komplex und es ist mehr als verständlich, wenn sie nicht in eine kleine, verständliche Box passt, die ein Wort wie “bi” oder “hetero” sein kann.

Alles Gute!
Balth

Kummerkasten Antwort 176 – bin ich lesbisch statt bi?

Hey,
Ich (22) bin total verwirrt, was meine Sexualität betrifft.
Ich hatte bis jetzt vier feste Freunde und auch dazwischen ein paar ONS mit Männern aber, noch nie einen Orgasmus.
Vor kurzem ist mir aufgefallen dass, die Berührungen mir zwar gefallen haben aber, die Männern an sich, haben mich nicht erregt.
Seit 2017 weiß ich dass, ich bisexuell bin und hatte bis jetzt nur positive Erfahrungen mit Frauen.
Klar, ab und zu denke ich beim masturbieren auch an Männern, trotzdem macht der Gedanke es mit einer Frau zutun mehr an als das mit Männern.
Kann es sein dass, ich lesbisch bin ohne es gewusst zu haben all die Jahre ?

Ich würde mich wahnsinnig über eine Antwort freuen und vielen Dank !

Hallo du,

wir sagen das hier immer wieder: Wir können dir leider nicht einfach sagen, was deine Sexualität ist. Hier sind aber meine Gedanken zu deiner Situation:

Zum einen kann es durchaus sein, dass du lesbisch bist und es erst jetzt bemerkst. Es gibt einen enormen gesellschaftlichen Druck auf Frauen, dass sie sich zu Männern hingezogen fühlen sollen – das wird oft als “compulsory heterosexuality” bezeichnet, also ‘zwanghafte’ oder ‘verpflichtende’ Heterosexualität. Daher kommt es, dass viele lesbische Frauen vor ihrem inneren Coming Out Beziehungen mit Männern hatten oder ihre Gefühle gegenüber Frauen nicht erkennen. Vielleicht ist das auch für dich der Fall.

Vielleicht bist du aber auch einfach weiterhin bi und musst nur deine eigene Definition dafür etwas anpassen. Bi sein bedeutet ja nicht, dass du genau die gleiche  (Art von) Anziehung gegenüber Männern und Frauen (oder Menschen anderer Geschlechter) empfinden musst. Vielleicht empfindest du ja gegenüber Männern vllt. keine sexuelle Anziehung, sondern nur romantische? Es könnte z.B. möglich sein, dass du lesbisch bist, was sexuelle Anziehung betrifft, und biromantisch.

Welches Label für dich am besten passt, kannst nur du entscheiden. Labels sollen Hilfsmittel sein, die dir helfen, dich bestmöglich zu beschreiben – keine zwei Menschen auf der Welt empfinden ihre Sexualität komplett gleich, d.h. es ist immer auch in Ordnung, ein Label zu verwenden, das nur zu 97% passt oder das andere Leute vllt. etwas anders definieren.

Alles Gute und viel Erfolg bei der Label-Findung!

Balthazar

Kummerkasten Antwort 169: Gender Questioning?

Hallo liebes Queer-Lexikon-Team,
als erstes möchte ich einmal sagen, dass ich eure Seite echt mag und sie mir auch schon echt geholfen hat, mich als Bi zu identifizieren.
Jetzt frage ich mich aber noch, welches Geschlecht ich habe. Ich weiß, dass ihr mir das natürlich nicht sagen könnt, aber ich hätte gerne eure Meinung zu meiner Situation.
Also ich bin weiblich und konnte mich damit bisher eigentlich immer identifizieren, auch wenn ich nie wirklich auf Kleider und “Mädchenfarben” (ich hasse diese Einteilung) gestanden habe. Seit einiger Zeit, bin ich mir da jedoch nicht mehr so sicher. Ich fühle mich in meinem Körper (vor allem mit meiner Brust, etc.) sehr unwohl. Binding hat auch schon mein Interesse geweckt, allerdings muss ich mich momentan mit einer “Notlösung” zufrieden geben und mir mit Sport-BH´s behilflich sein. Es ist zwar nicht sonderlich bequem, aber ich fühle mich so schon etwas wohler. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich immer mehr das Bedürfnis habe, wie ein Junge auszusehen (aber ich möchte mich nicht komplett als Junge identifizieren). Mit meinem weiblichen Namen und weiblichen Pronomen habe ich jedoch kein Problem (vielleicht liegt es auch nur daran, dass ich es mir anders nicht wirklich vorstellen kann).
Ich überlege in letzter Zeit wirklich oft, was genau das bedeuten soll, finde aber leider keine Lösung. Ich hoffe, ihr könnt mir helfen oder mir zumindest einen Denkanstoß geben.

Viele Grüße

Hallo liebe unbekannte Person,

danke für deine Frage und dein Lob! Es freut uns sehr, dass wir dir schon so gut helfen konnten. Ich versuche gerne, dir noch ein wenig mehr zu helfen, auch wenn du natürlich recht hast: Ich kann dir leider nicht sagen, welches Geschlecht du hast. Ich kann dir allerdings ein paar Begriffe geben, die dir vielleicht helfen.

Dein Wunsch, maskuliner auszusehen und wahrgenommen zu werden, kann bedeuten, dass du trans bist. Allerdings schreibst du auch, dass du dich nicht komplett als Junge identifizieren möchtest (oder kannst?) – das könnte bedeuten, dass du möglicherweise ein demiboy bist oder nichtbinär. Vielleicht bist du ja nicht vollkommen männlich, sondern nur teilweise, oder vielleicht ändert sich dein Geschlecht manchmal, oder vielleicht hat es auch gar nichts mit Männlichkeit oder Weiblichkeit zu tun, weil du einfach nur du bist? Das alles kann unter dem Überbegriff “nichtbinär” zusammengefasst werden.

Eine andere Möglichkeit ist, dich als Butch zu identifizieren. Maskuliner wirken zu wollen, ist nicht unbedingt etwas, was nur trans Männern oder trans männlichen Personen vorbehalten ist – es gibt viele Butches, die sich als weiblich oder als Frauen identifizieren, aber gerne maskulin aussehen und/oder eine männliche Geschlechterrolle einnehmen.

Die beiden Optionen – also nichtbinär sein und Butch sein – schließen sich nicht unbedingt gegenseitig aus: Du kannst auch beides gleichzeitig sein. Beispiele für nichtbinäre oder trans Butches sind Leslie Feinberg und Rhea Butcher. Viele Butches haben ein kompliziertes Verhältnis zu Geschlecht oder hinterfragen Geschlechterkategorien überhaupt – so wie du auch selbst sagst, die Einteilung von allem von Farben über Namen bis hin zu Körpern in “männlich” und “weiblich” sind vielleicht gar nicht nötig, und viele Butches zeigen Wege dazwischen oder drumherum auf.

Egal, ob du ein Label für dich findest oder nicht: Deine Gefühle und Gedanken zu deinem eigenen Geschlecht sind vollkommen gut und in Ordnung. Ich hoffe, dass du deinen Weg findest.

Noch ein paar Tipps zum Binden: Das Abbinden von Brüsten mit Sport-BHs kann gefährlich sein, wenn du einen zu engen BH oder zwei übereinander trägst. Achte gut auf deinen Körper und die Warnsignale, die er dir sendet. Solange du keinen Binder hast, sind weite, locker sitzende Oberteile oder mehrere Schichten (z.B. ein T-Shirt, ein Hoodie und eine Jacke) auch immer gute Möglichkeiten, um deine Brust zu kaschieren. Weitere Infos zu sicherem Binden und dazu, wo du wie (auch günstig oder kostenlos) an einen Binder kommen kannst, findest du in unserer Binder-Broschüre.

Viele Grüße und alles Gute,

Balthazar

Kummerkasten Antwort 130 – Keine sexuelle Anziehung bei romantischen Gefühlen

Ich hab mal eine Frage. Zu mir selbst ich bin Männlich 18 und noch Jungfrau. Also zu meiner Frage bzw zu meinem Problem, wenn ich so manche Frauen sehe finde ich sie attraktiv und könnte mir auch vorstellen Sex zu haben, aber wenn ich mich dann in eine Person verliebe und Gefühle habe, irgendwie immer nicht mehr sondern nur küssen kuscheln etc. Ist das ein Hinweis aus eine andere Sexualität ? Bei Männern ist es so das sie auch attraktiv finde und egal ob verliebt oder nicht mir nur vorstellen kann sie zu küssen, kuscheln etc. , nur von vornherein kein Sex. Von den Arten die ich hier gelesen hab, bin ich dann Bi sexuell ? Bzw hab ich eine Art A_sexualität ?
Vielen Dank das ihr euch Zeit genommen habt das durchzulesen 🙃😊

Hallo lieber Unbekannter,

Es gibt ein Wort für das, was du beschreibst: “Fraysexual”. Dieser Begriff ist für Menschen, die zwar in gewisser Weise sexuelle Anziehung verspüren, diese aber verlieren, wenn sie eine Person näher kennenlernen oder eine engere Bindung eingehen. Fraysexual ist ein Begriff auf dem a_sexuellen Spektrum.

Ob du dich mit diesem Begriff identifizieren kannst, musst du allerdings selbst entscheiden.

Es klingt außerdem so, als wäre deine Anziehung zu Männern und Frauen eher eine romantische als eine sexuelle. Natürlich kannst du gern das Wort bisexuell verwenden, wenn du den Eindruck hast, es beschreibt dich gut. Eine Alternative ist der Begriff biromantisch, vielleicht gefällt dir der ja auch.

Für welche Labels du dich letztlich entscheidest, bleibt ganz allein dir überlassen. Wichtig ist, dass du dich damit wohl fühlst und dass die Begriffe dir helfen, dich zu erklären, wenn du möchtest, und Gleichgesinnte zu finden, wenn dir danach ist. Am allerwichtigsten ist aber, dass du tust, was dir gut tut und was du möchtest – ganz egal, ob du schon das passende Wort dafür gefunden hast oder nicht.

Alles Gute auf deinem Weg!
Liebe Grüße, Balthazar

Neue Kummerkastenantwort 77 – Crush auf Mitschülerin – wie soll ich es ihr sagen?

Hallo, das ist eher eine allgemeine Liebesfrage, aber ich dachte, das passt hier trotzdem irgendwie…
Ich will meinem Crush, einem bisexuellen Mädchen aus meiner Schule, mit der ich nächstes Jahr weiter zur Schule gehen will und dem ich mich schon ein paarmal getroffen habe, direkt vor den Sommerferien sagen, dass ich sie mag. Ich dachte, ich schreibe ihr eine Liste mit Gründen, mich zu daten, von „Ich mag dich“ über „Ich zahle“ zu „Du hast mich dazu gebracht, meine Sexualität in frage zu stellen“ und so weiter. Aber das könnte peinlich werden, wenn sie zum Beispiel, das befürchte ich die ganze Zeit über, in unsere bisexuelle Mitschülerin verliebt ist, die fast was mit einem Jungen aus unserer Klasse hat. (Es ist nicht so seifenopermäßig bei uns, ich schwöre) oder was mit ihrer mir unbekannten queeren besten Freundin hat. Oder, noch schlimmer, einen Freund.
Aber ich weiß nicht, ob ich den Mut hätte, es ihr einfach so zu sagen.

Oder wie ich damit umgehen soll, wenn sie nicht so fühlt.
Immerhin ist sie der Grund, aus dem mir klar wurde, dass ich Mädchen mag.

Das ist nicht so ein typisches Problem und ich hab lange gebraucht, mich das zu trauen und hab darum vllt Kauderwelsch geschrieben, also, tut mir leid, aber vllt habt ihr ja eine Idee und könnt mir sagen, was man da tun kann.

Leserin

Hi liebe Leserin,

es ist immer schwierig, einer anderen Person die eigenen Gefühle zu gestehen, wenn du nicht weißt, wie sie fühlt.

Wenn du ihr das gerne sagen möchtest, dann ist es vor den Sommerferien bestimmt ein guter Zeitpunkt – falls sie deine Gefühle nicht erwidert, dann müsst ihr euch erstmal eine Zeit lang nicht sehen und habt beide Zeit, damit besser umzugehen. Wenn sie deine Gefühle aber doch erwidert, dann habt ihr einen ganzen Sommer lang zusammen Zeit, und das ist auch super!

Ihr einen Brief zu schreiben, ist sicher eine gute Idee. Weil du aber nicht sicher weißt, ob sie vielleicht schon in einer Beziehung ist, würde ich aber an deiner Stelle eher über deine Gefühle schreiben – vielleicht eine Liste über all die Gründe, warum du sie magst und alles, was du an ihr toll findest? Oder einfach nur ein Brief, in dem du ihr alles schreibst, was du ihr gerne sagen möchtest, und auch, dass du unsicher bist, weil du nicht weißt, ob sie vielleicht Gefühle für eine andere Person hat. Wenn sie dann wirklich in einer Beziehung ist oder vielleicht in eine andere verliebt, ist das vielleicht weniger unangenehm für euch beide als eine Liste über Gründe, warum ihr zusammen sein solltet. Du möchtest ja sicherlich nicht, dass sie sich unter Druck gesetzt fühlt oder vielleicht Probleme in ihrer Beziehung bekommt. Deshalb ist es sicherer, nur über deine Gefühle zu reden, ohne direkt eine Beziehung mit ihr anzusprechen.

Dass sie deine Gefühle nicht erwidert, kann natürlich immer passieren – auch wenn ich sehr die Daumen dafür drücke, dass sie dich auch mag. Es gibt dafür leider kein Wunderheilmittel – aber du solltest wissen, dass es vollkommen okay ist, darüber traurig zu sein. Außerdem: Wenn sie nichts von dir will, bedeutet das nicht, dass du kein toller Mensch bist – du bist auf jeden Fall liebenswert! Dein Wert als Mensch hängt nicht davon ab, ob irgendwer romantische Gefühle für dich hat. Und wenn es dieses Mal nicht klappt, dann wird es sicher irgendwann ein nächstes Mal geben, wo es besser läuft.

Außerdem: Egal, wie dieses Mädchen für dich empfindet, sie wird sich sicher freuen zu hören, dass sie dir helfen konnte, dir über deine Sexualität klar zu werden. Das ist auf jeden Fall ein schönes Gefühl!

Ganz viel Erfolg mit deinem Brief und alles Gute!
Balthazar

Homofeindlichkeit

Homofeindlichkeit: Homofeindlichkeit bezeichnet die Diskriminierung gegen schwule und lesbische Menschen. Dies äußert sich z.B. durch Ablehnung, Wut, Intoleranz, Vorurteile,  Unbehagen oder körperliche bzw. psychische Gewalt gegenüber schwulen und lesbischen Menschen oder Menschen, die als schwul oder lesbisch wahrgenommen werden. Als internalisierte Homofeindlichkeit wird Feindlichkeit bezeichnet, die gegen die eigene sexuelle Orientierung und damit gegen sich selbst gerichtet ist. Dies passiert oft in einer homofeindlichen Umgebung und/oder vor dem eigenen inneren Coming Out.