Kummerkastenantwort 274: Bin ich nichtbinär?

Hallo alle zusammen,

also meine Frage ist: Bin ich Nonbinär? Ich bin 18 und kann es nicht ganz sicher Sagen denn ich will Mädchen UND Junge sein. Mir gefällt beides sehr. Ich fühle mich auch nicht im Falschen Körper aber mögen tu ich ihn auch nicht sonderlich. Ich bevorzuge es aber auch wenn man mich eher mit Frau als mit Herr anspricht da ich eigentlich ein Mädchen bin. Wenn ich irgendwo online aber mein Geschlecht angeben muss wähle ich Männlich und bei Internetfreunden stelle ich mich auch mit einem anderen Namen vor als ich eigentlich heiße obwohl ich meinen echten Namen auch mag. Ich möchte auch oftmals das die Öffentlichkeit mich als einen Junge sieht und nicht als Mädchen. Kann es also sein das ich Nonbinary bin?

Hallo du,

es kann sehr gut sein, dass du nonbinary bist. Dein Geschlecht ist deins und nur du kannst entscheiden, was du daraus machst, wie du es beschreibst, wie du es präsentieren möchtest (z.B. durch Name, Kleidung, etc.) und was es für dich bedeutet.

Wenn der Begriff “nonbinary” sich für dich passend anfühlt, dann kannst du ihn gerne benutzen. “Nonbinary” bzw. “nichtbinär” ist ein Überbegriff für alle Geschlechter, die nicht ausschließlich nur männlich oder weiblich sind. Menschen, die sowohl weiblich als auch männlich sind, beschreiben sich manchmal als bigender. Auch dieser Begriff fällt unter den Überbegriff nonbinary. Um dich zu beschreiben, kannst du eins der beiden Wörter benutzen oder auch beide, oder du kannst dein Geschlecht in ganz andere Worte fassen – ganz so, wie es sich für dich am besten und passendsten anfühlt.

Auf jeden Fall machst du nichts verkehrt, und es ist schön, dass du auf unterschiedliche Art und Weise mit Geschlecht spielen kannst und dich ausprobieren kannst. Ich wünsche dir weiterhin alles Gute damit! Melde dich gerne bei uns, wenn du weitere Fragen hast oder wenn du uns in einer Weile erzählen möchtest, wie es dir ergangen ist. 🙂

Viele Grüße,
Balthazar

Kummerkastenantwort 273: Ich bin gleichzeitig binär und nicht-binär trans?

Hallo! Ich versuche schon seit fast einem Jahr herauszufinden, ob ich trans bin. Irgendwie möchte ich gleichzeitig ein binärer trans Mann und nichtbinär sein… Geht das überhaupt? Ich fühle mich mit beiden Labeln wohl, und wenn ich versuche, mich für eines zu entscheiden, bin ich irgendwie enttäuscht, weil ich dadurch das andere aufgebe. Außerdem habe ich ständig Selbstzweifel, weil ich das Gefühl habe, dass ich mir das alles nur einrede und dass ich in Wirklichkeit cis bin. Ich bin schließlich schon fast 20, und wenn ich wirklich kein Mädchen bin, hätte ich das nicht viel früher merken müssen? Könnt ihr mir helfen?

Hallo du,

erstmal vorneweg: Es gibt kein richtiges Alter, um herauszufinden, dass du trans bist. Dass alle trans Menschen das schon ab ihrer Kindheit wissen, ist ein Mythos – viele finden es in ihrer Pubertät heraus, andere erst Jahre später, wenn sie Zugang zu den richtigen Begriffen und Communities bekommen, und manche merken es erst sehr spät im Leben. Du bist also keinesfalls “spät dran”, sowas gibt es dabei gar nicht.

Ich verstehe aber diese Selbstzweifel auch. Viele queere Menschen haben die, das nennt sich “Imposter Syndrome” und gibt uns oft den Eindruck, dass andere Leute viel mehr trans/queer/nonbinary sind als wir selbst, dass wir uns das vielleicht alles nur einreden, weil wir dazugehören wollen etc. Du bist mit diesen Gefühlen nicht allein, aber das macht sie nicht wahr. Wer sich so viele Gedanken ums eigene Geschlecht macht, ist in den allerseltensten Fällen cis.

Und klar ist es möglich, gleichzeitig ein trans Mann und nichtbinär zu sein! Der Youtuber Aaron Ansuini z.B. identifiziert sich gleichzeitig als trans Mann und nichtbinär. Wenn bei dir beide Begriffe passen, dann gibt es keinen Grund, sie nicht beide zu verwenden. Labels sind dafür da, dir zu helfen, damit du dich besser erklären kannst, wenn du das Gefühl hast, dass beide Labels nützlich für dich sind, um dich besser zu beschreiben, dann darfst du sie selbstverständlich benutzen.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen. Ich wünsche dir alles Gute!

Liebe Grüße,
Balthazar

Kummerkastenantwort 272: Bin ich nicht-binär?

Hey,

Ich bin mir nicht sicher was ich bin. Denn in letzter Zeit versuche ich sehr stark wie ein Junge rüberzukommen. Biologisch bin ich ein Mädchen, habe früher aber schon kaum Kleider getragen oder generell Mädchenhafte Sachen. In der Schule habe ich später dann aber Kleider getragen weil es mir zu dem Zeitpunkt dann gefallen hat. Jetzt ist der Wunsch ein Junge zu sein aber wieder stärker geworden, es ist so das ich mich jetzt nicht im falschen Körper fühle aber ich möchte gern ein Junge sein aber als Mädchen gibt es halt auch Sachen die ich mag. Bin ich dann Nonbinary? Denn das haben mir bereits zwei Personen vor nicht all zu langer Zeit gesagt mit denen ich darüber geredet habe, aber ich kann bin mir überhaupt nicht sicher ob das stimmt. Könnt ihr mir damit vielleicht helfen?

Hallo du,

ob du nonbinary bist, kann dir leider niemand sagen – das ist etwas, was nur du selbst wissen kannst. Ich kann aber ein paar vielleicht hilfreiche Dinge sagen.

Zuerst mal ist es gar nicht so wichtig, ob die Kleidung, die du trägst, oder die Sachen, die du magst, eigentlich für Mädchen oder für Jungen gedacht sind. Diese Sachen müssen nicht unbedingt etwas mit deinem Geschlecht zu tun haben – das hat sich ja auch nur irgendwer ausgedacht, dass z.B. Kleider und rosa nur für Mädchen sind und früher war rosa eigentlich eine Jungenfarbe, und auch Jungen haben Kleider getragen. Und auch heute können alle Menschen alle Kleidung tragen, was sie wollen, ohne, dass es etwas mit ihrem Geschlecht zu tun haben muss. Viele männliche Stars tragen jetzt z.B. auf dem roten Teppich Kleider, Makeup, Nagellack, Schmuck usw. Das ändert aber nichts an ihrem Geschlecht.

Wenn du den Wunsch hast, ein Junge zu sein, dann bist du vielleicht einfach ein Junge, der auch Sachen mag, die “für Mädchen” gedacht sind. Das ist vollkommen okay.

Es kann aber auch sein, dass du nonbinary bist. Dieses Wort hat ganz viele Bedeutungen: Es kann z.B. heißen, dass du kein Junge und kein Mädchen bist, sondern irgendwas dazwischen, oder außerhalb von diesen zwei Geschlechtern. Es kann aber auch bedeuten, dass du nur teilweise ein Junge bist (das wird oft als demiboy bezeichnet), oder dass dein Geschlecht sich ab und zu ändert (auch “genderfluid” genannt), oder was ganz anderes, was nur du in Worte fassen kannst.

Wenn nichts von beidem sich wirklich richtig für dich anfühlt, ist das auch in Ordnung. Du musst nicht alle Antworten auf deine Fragen finden, vor allem nicht sofort. Es ist okay, sich eine Zeitlang (oder auch für immer) unsicher zu sein, wer du bist und welche Begriffe dich gut beschreiben. Wichtig ist einfach nur, dass du tust, was dir gut tut und Freude macht – das bedeutet auch, dass du dich anziehen darfst, wie du willst, dich ansprechen lassen darfst, wie es sich für dich richtig und gut anfühlt, und sowieso einfach ausprobierst, was dir gut passt und was sich nicht richtig anfühlt.

Dafür wünsche ich dir alles Gute und sende viele liebe Grüße,
Balthazar

Kummerkastenantwort 271: Ich bin überfordert mit den vielen Definitionen von nonbinary

Hi,
ich hab mir mehrere Artikel über die verschiedenen Arten von nonbinary/genderfluid (kann man das so sagen) durchgelesen und bin jetzt n bisschen überfordert.

Ich hab mir die Definitionen von den “Unterarten “(ich weiß nicht wie ich es sonnst nennen soll) angeschaut und konnte mich irgendwie keiner wirklich zuordnen.
Ich bin biologisch gesehen eine Frau, aber fühlen tue ich mich als Mensch. Weder die Bezeichnung Mann oder Frau trifft für mich auf mich zu. Trotzdem sehe ich mich selbst nicht als was ganz anderes.
Mir war es auch immer schon egal ob ich jetzt als Männlich oder Weiblich angesehen wurde. Ich hab da auch so nicht wirklich drüber nachgedacht, aber trotzdem hat es mich bei z.B. Anmeldungen immer gestört, dass es dort nur die Auswahlmöglichkeiten Männlich, Weiblich und Keins standen, da ich mich, wie oben schon gesagt, nicht wirklich irgendetwas von den dreien zuordnen konnte.

Mittlerweile bin ich deshalb ziemlich verzweifelt, da ich keine Ahnung hab wo ich mich unterordnen kann.
Aus diesem Grund frag ich hier mal nach ob mir jemand, der vielleicht ein bisschen mehr Ahnung hat als ich, darauf antworten kann.

PS: Ich möchte keinen mit beider Ausdrucksweise beleidigen also falls sich jemand auf den Schlips getreten fühlt tut es mir wirklich leid

Hallo du,

zuerst mal ist es vollkommen okay, wenn du dich mit den Begrifflichkeiten nicht 100% auskennst, das ist keine Beleidigung oder so, du bist ja noch dabei zu lernen. 🙂

Außerdem kann ich sehr gut verstehen, dass du von diesen ganzen Begriffen und Definitionen überfordert bist – es sind immerhin ganz schön viele, und je nachdem, wen du fragst, haben viele dieser Labels ganz unterschiedliche Definitionen.

Welches Label denn jetzt das richtige für dich ist, das kann ich dir leider nicht beantworten, das kannst nur du wissen. “Mensch” ist schonmal ein sehr guter Begriff, mit dem du dich ja anscheinend auch gut beschreiben kannst.

Viele Menschen, die nicht so genau wissen, wohin mit sich, verwenden auch oft einen Überbegriff wie “genderqueer” oder “nonbinary”/”nichtbinär”, um sich zu beschreiben. Weil die meisten Leute eh nicht so genau wissen, was diese Begriffe bedeuten, kannst du ein mögliches Coming Out auch immer gleich benutzen, um zu erklären, was der gewählte Begriff für dich bedeutet. Zum Beispiel: “Ich sehe mich nicht als männlich oder weiblich, deshalb benutze ich das Wort ‘nonbinary’, um mich zu beschreiben.” Oder: “Ich bin genderqueer; das bedeutet für mich, dass es mir egal ist, als welches Geschlecht mich andere Leute sehen, weil ich einfach nur ich bin.”

Wenn sich aber diese Labels nicht gut anfühlen, musst du sie auch nicht benutzen. Du kannst dich auch z.B. entscheiden, vorerst oder für immer ganz auf Labels zu verzichten, oder du kannst dir auch selbst einen Begriff ausdenken, der dich gut beschreibt.

Was vielleicht helfen auch könnte wären Gespräche mit anderen Personen, die nonbinary sind. Oft hilft es, über eigene Erfahrungen zu reden, sie mit anderen zu vergleichen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu sehen. Das kann dir zeigen, was sich für dich passend anfühlt und in welcher Community du dich wohl fühlst. Möglichkeiten, mit anderen nonbinary Leuten in Kontakt zu kommen, gibt es z.B. in lokalen queeren Jugendgruppen, in Gruppenchats oder auf Social Media.

Ich wünsche dir alles Gute für deine weitere Suche und hoffe, du findest Worte, mit denen du dich wohl fühlst und die dir helfen.

Liebe Grüße,
Balthazar

Kummerkastenantwort 270 – Wie funktioniert nonbinary top surgery in Deutschland?

TW: In dieser Nachricht geht es um Dysphorie, Operationen und die Darstellung von Trans-sein als Krankheit/psychische Störung.

Hey, ich bin L. und nonbinary. Zuerst einmal wollte ich euch danke sagen, dass ihr das alles hier macht, ich glaube das hat schon vielen Leuten extrem geholfen und man fühlt sich auch einfach ein bisschen weniger allein, einfach danke
Ich bin im weiblichen Körper geboren, aber kann mich damit überhaupt nicht identifizieren. Wenn, dann eher noch damit ein junge/Mann zu sein, aber auch das nicht wirklich. Ich identifiziere mich seit einiger Zeit jetzt schon als nonbinary, einfach weil es das einzige ist was sich wirklich vollkommen richtig anfühlt. Aber ich hab ein Problem. Ich hab extrem mit dysphoria zu kämpfen vorallem chest-dysphoria. Ich hätte nichts lieber als eine top surgery um eine flache Brust zu bekommen. Allerdings finde ich nirgendwo wirklich etwas darüber wie das in Deutschland ist, wenn man nicht eindeutig ein transmann ist und auf testosteron. Ich weiß dass man z. b. in Amerika teilweise auch als nicht binäre Person (und ohne testo) eine top surgery bekommen kann, aber wie ist das hier? Hab ich überhaupt eine Möglichkeit oder mach ich mir all die Hoffnungen total umsonst? Und vor allem wie und wo fange ich an? Ich weiß gar nicht was ich tun soll, nur dass ich das Gefühl habe so nicht mehr leben zu können, es muss sich etwas ändern, ich brauche diese top surgery, wirklich.

Ich hoffe ihr könnt mir irgendwie helfen, und danke schon mal im voraus, allein schon für’s bis hier hin durchlesen

Hallo L.,

Es gibt in Deutschland 2 Optionen, was eine Mastektomie (also top surgery) angeht:

Du kannst die Operation selbst zahlen, was teuer ist, aber in anderer Hinsicht weniger Barrieren hat. Die Kosten liegen in Deutschland je nach Operateur*in/Krankenhaus zwischen ca. 3500 und 8000 €. Als selbstzahlende Person macht es keinen Unterschied, ob du auf Testosteron bist oder nicht. Die meisten Ärzt*innen operieren auch Personen, die nicht auf Testo sind. Mit den genauen Anforderungen für eine Mastektomie als selbstzahlende Person kenne ich mich nicht aus und ich glaube es variiert auch von Ärzt*in zu Ärzt*in, was gefordert wird.

Die zweite Option ist, die Operation von der Krankenkasse zahlen zu lassen. In dem Fall entstehen für dich sehr viel weniger Kosten, weil die Krankenkassen Mastektomien übernehmen, wenn sie medizinisch notwendig sind. Dafür kann es sein, dass es um einiges länger dauert, bis zur OP, weil die Kostenübernahme bei der Krankenkasse beantragt werden muss und du dafür einiges an Unterlagen sammeln und erstellen musst.

Eine wichtige Info vorab: grundsätzlich können so viele Anträge auf Kostenübernahme gestellt werden, wie mensch will. Wenn die Krankenkasse einen Antrag ablehnt, kann Widerspruch eingelegt werden. Tipps dazu und Mustervorlagen finden sich in der Broschüre „Praxistipps“ vom Bundesverband Trans*.

Als Nachweis für diese Notwendigkeit fordern die Krankenkassen ein psychiatrisches/psychotherapeutisches Indikationsschreiben. Der erste Schritt ist also, eine*n Therapeut*in bzw. Psychiater*in zu finden, die*der dir ein Indikationsschreiben ausstellen kann, idealerweise eine Person, die schon mal mit trans Personen gearbeitet hat. Auf transmann.de/adressen/ findet sich eine Liste von Therapeut*innen, die Indikationsschreiben erstellen. Es lohnt sich aber auf jeden Fall auch, in lokalen trans und nicht-binären Gruppen nach Empfehlungen zu fragen, auch um einzuschätzen, ob die*der Therapeut*in nicht-binär-freundlich ist.

Für die Kostenübernahme ist es in der Regel notwendig, eine Diagnose gestellt zu bekommen. In Deutschland verwenden die Krankenkassen momentan noch die ICD-10, ein Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation. Es gibt schon ein Update, die ICD-11, aber die soll frühestens 2022 in der Praxis verwendet werden. Die Diagnosen für Transgeschlechtlichkeit im ICD-10 sind veraltet und pathologisierend (d.h. sie betrachten Trans-Sein als eine Krankheit bzw. psychische Störung). Die Diagnose, mit der du die besten Chancen hast, dass dein Antrag beim ersten Versuch angenommen wird, ist F64.0 „Transsexualismus“. Diese Diagnose wird oft als binäre Diagnose verstanden, weil darin von „dem anderen Geschlecht“ die Rede ist, sie kann aber so ausgelegt werden, dass es sich bei der trans Person nicht um „die andere Geschlechtsidentität“ sondern um „eine andere Geschlechtsidentität“ geht.

Die Sache mit dem Testosteron ist folgende: Wenn du einen Kostenübernahmeantrag an die Krankenkasse schickst, dann geben die den Antrag an eine Gruppe von Ärzt*innen weiter, die einschätzen sollen, ob die OP medizinisch notwendig ist. Das ist der so genannte Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK). Der MDK hat Richtlinien, an die er sich halten muss. Die Richtlinien zu trans OPs sind seit 2009 nicht mehr erneuert worden und deswegen steht dort noch drin, dass trans Personen vor einer Mastektomie mindestens 6 Monate auf Testosteron gewesen sein sollen – es sei denn, es gibt einen medizinischen Grund, der dagegenspricht. Hiergegen kann im Antrag argumentiert werden, denn in den aktuellen Behandlungsleitlinien, die Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung 2018 veröffentlicht hat, wird eine Hormontherapie nicht als Voraussetzung gefordert. (Quelle, Seite 62) Das ist so auch in den Standards of Care festgehalten, die 2009 von der WPATH (World Professional Association for Transgender Health) veröffentlicht wurden. (Quelle, Seite 71)

Liebe Grüße,
Noah

Nachtrag von Balthazar: Ich hoffe, das war für einen ersten Überblick hilfreich. Melde dich gern wieder, wenn du noch mehr Fragen hast, und alles Gute für dich! <3

Kummerkastenantwort 267: Ich bin mir nicht sicher, ob ich non-binary bin.

Hey

ich bin 15 und ich bin mir nicht ganz sicher was ich bin. Ich glaube, dass ich non binary bin, aber sicher bin ich mir nicht. Ich kann nicht mit meiner Mutter reden, weil als ich mich als pan geoutet habe(14), hat sie mir nicht geglaubt und gesagt es sei nur so eine Phase. Ich habe angst, dass sie mich nicht verstehen wird und wie meine Freunde reagieren werden ganz zu schweigen von meinem Stiefvater (mein Vater ist als ich 6 Jahre alt war gestorben)

Hallo,

das klingt alles ein wenig kompliziert. Ich hoffe, ich kann dir ein paar gute Anstöße geben, um da fundiert und gut mitumzugehen.

Einerseits Coming Outs. Coming Outs sind immer noch wichtig, aber niemand hat ein Anrecht darauf, dass du ein Coming Out bei ihnen hast. Egal, wie sicher du dir über dich bist, niemand kann oder darf dich zu einem Coming Out zwingen. Wenn du also nicht sicher bist, wie Menschen reagieren, hast du auch immer die Möglichkeit, vorläufig oder dauerhaft auf ein Coming Out zu verzichten.

Andererseits: Unsicherheit. Unsicherheit ist für viele Menschen ein ständiger Begleiter. Gerade, wenn es um das eigene Geschlecht geht, kann ich aus leidlicher Erfahrung sagen, dass das frustrierend und nervig sein kann. Die gute Nachricht: Du musst dich einerseits nie endgültig festlegen, du darfst deine Label, Namen und Pronomen auch wieder wechseln, sollte irgendwas mal nicht mehr passend und andererseits müsst dich auch nicht sofort festlegen. Du darfst dir also Zeit lassen.

Zeit lassen und rausfinden. Wenn du mal drüber nachdenkst: Woher kommt die Idee, dass vielleicht non-binary bist? Was bestärkt dich darin? Was lässt dich vielleicht zweifeln? Das sind Sachen, die du für dich rausfinden kannst. Die kann dir niemand vorschreiben, du musst dich da nicht an die Ideen von anderen Personen halten. Und wenn du am Ende sagst, ja, non-binary passt als Label zu mir, dann verwendest du es. Und wenn nicht, dann nicht, zurück auf “Los” und schauen, was vielleicht passen könnte. Es ist dabei auch immer okay, auf Labels zu verzichten.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen. Liebe Grüße
Xenia

Kummerkastenantwort 265 – Bin ich nonbinary oder ein trans Mann?

TW: Hier geht es unter anderem um Dysphorie und Perioden

Hi Kummerkasten team hier ist C. 19 Jahre alt und afab.

Ich bin mir nicht sicher wie ich meine Frage ganz formulieren soll also beschreibe ich einfach mein Problem. Ich habe mich vor ca. nem halben Jahr als non binary geoutet und benutzte seit dem männliche Pronomen.

Ich stelle mir nun schon länger die Frage ob ich vllt doch ein Mann bin. Ich benutzte z.B. einen Binder und fühle mich damit sehr wohl. Ich trage auch maskuline Kleidung, Boxershorts und versuche als typ wahrgenommen zu werden.

Ich freue mich wenn mich andere für einen Jungen halten. Und habe Disphoria im Bezug auf meine Hüfte, Brust und meine Stimme.

So weit so gut aber es gibt auch dinge die nicht ganz dazu passen
z.B. habe ich eher wenig bis keine Disphoria mit meiner Periode ich mochte sie zwar noch nie und wäre glücklicher wenn sie nicht mehr da wäre aber ich bin an sie gewöhnt. Auch mein Verhalten passt nicht immer ganz denn ich mag es vom Charakter her eher ein Softboi zu sein als der maskulinste im Raum.

Ich habe einen nichtbinären Bruder und einen guten Trangender (ftm) freund. Ich vergleiche mich oft mit ihnen und bin noch viel verwirrter. Oft passt das was mein Bruder sagt gut zu dem wie ich mich fühle aber auch andersrum wenn mein ftm freund beschreibt wie er sich fühlt kann ich das nachempfinden.

Es ist wirklich schwer zu erklären aber ich wäre gerne ein Junge, bin mir aber nicht sicher ob ich auch einer bin. Ich weiß das ich eine Mastek möchte und das ich Testo nehmen will (eher eine kleine Dosis) aber weiß nicht ob das so gut ist bevor ich mir nicht 100% sicher bin.

Ich finde ebenfalls meinen Namen gut (er ist Unisex) weiß aber nicht ob ich ihn ändern soll weil er sehr feminin klingt und mich das manchmal stört oder ob ich mir nur einen maskulineren zweitnamen zulegen soll.

Ihr seht ich habe viele Probleme und Bin sehr verwirrt ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen
Danke im voraus für die Antwort
Lg. C.

Hallo C,

es ist voll okay, dir nicht ganz sicher zu sein – manchmal verschwimmen die Grenzen, die wir zwischen den Geschlechtern gezogen haben, und es stellt sich heraus, dass wir vielleicht alle gar nicht so verschieden sind und dass Geschlecht nur ein Faktor von vielen ist, der uns ausmacht.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die nichtbinäre Erfahrungen und die trans Mann Erfahrungen sehr viele Überschneidungen für viele Menschen haben. Es gibt viele Menschen, die nichtbinär sind und Zugriff auf OPs und Hormone brauchen, um sich wohl zu fühlen. Es gibt außerdem trans Männer, die z.B. vor einer OP zurückschrecken oder sich bewusst gegen eine entscheiden. Es gibt nicht die eine Art und Weise, trans oder nichtbinär zu sein, und alle wählen unterschiedliche Wege, haben unterschiedliche Empfindungen und gehen unterschiedlich damit um. Es ist z.B. auch nicht zwingend so, dass alle trans Männer Dysphorie wegen ihrer Periode haben, oder dass eine solche Dysphorie ein Zeichen dafür ist, dass eine Person ein trans Mann ist. Manche trans Männer haben recht wenig Dysphorie, manche nichtbinäre Menschen sehr viel. Manche nichtbinäre Menschen möchten gern super maskulin oder feminin sein, manche trans Männer möchten nicht dem männlichen Stereotyp entsprechen, sondern lieber selbst bestimmen, was es für sie bedeutet, ein Mann zu sein. Wenn wir so lange dafür gekämpft haben, dass Männer auch Kleider, Makeup und Nagellack tragen dürfen, auch Gefühle zeigen und einfühlsam sein dürfen, auch verletzlich sind – warum sollte das dann nur für cis Männer gelten und nicht erst recht für trans Männer?

Ob du nun nichtbinär oder ein trans Mann bist, das kann ich dir leider nicht beantworten, da musst du herausfinden, was sich am besten anfühlt. Vielleicht was dazwischen, wie z.B. “demiboy“? Oder vielleicht kann dir der Youtuber Aaron Ansuini helfen – er bezeichnet sich als beides, trans Mann UND nichtbinär, und sagt, dass seine Nichtbinarität etwas ist, was er zusätzlich zu seiner trans Männlichkeit in sich trägt. (Aaron ist sowieso ganz toll und macht super videos!)

Was solche Maßnahmen wie Mastek und Testo betrifft: Zum einen ist es vielleicht gut, wenn du dich über beides ausführlich informierst, bevor du da irgendwelche Schritte einleitest. Die Wirkungen von Testosteron sind größtenteils wieder rückgängig zu machen, wenn du damit aufhörst, aber bei einer Mastek ist das schon was anderes. Testosteron kann ganz verschiedene Auswirkungen haben und du solltest dir Gedanken darüber machen, ob du mit allen einverstanden bist. Ich traue dir allerdings zu, dass du dich gut informierst und auch schon informiert hast. Und dann frage dich: Hängt die Entscheidung, was für Maßnahmen du ergreifen willst, denn überhaupt davon ab, welches Label du für dein Geschlecht verwendest? Es klingt für mich so, als wäre die Entscheidung mit der Mastektomie und dem Testosteron für dich schon getroffen und du klingst sehr sicher darüber, obwohl du über dein Geschlecht unsicher bist. Die Maßnahmen, die du ergreifen willst, können für dich gut und richtig sein, egal wie du dich bezeichnest. Es ist aber gut, dass du deine Unsicherheit nicht einfach ignorierst, sondern zu Wort kommen lässt. Es ist gut, erst mehr Sicherheit für diese Entscheidungen zu gewinnen, bevor du diese Schritte machst.

Und zuletzt zu deinem Namen: Wie wäre es, wenn du dir z.B. einen Zweitnamen zulegst, der etwas maskuliner ist als dein jetziger, und eine Weile lang ausprobierst, ob der neue Name sich besser anfühlt als dein bisheriger? Dann hast du in Zukunft beide Optionen und kannst dir aussuchen, ob Leute dich lieber mit deinem bisherigen Namen oder mit deinem neuen Zweitnamen ansprechen sollen.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig bei deinen Fragen helfen und ich wünsche dir alles Gute!

Viele Grüße,
Balthazar

Kummerkastenantwort 262: Wie spreche ich nichtbinäre Menschen an?

Hi,ich habe eine Frage wie spricht man non binäre Menschen an und wie wenn man über sie redet?Tut mir leid wenn i h die Frage komisch formuliert habe.Lg Leserin

Hallo liebe Leserin,

die kurze Antwort ist die: So, wie sie es wollen.

Und ein bisschen ausführlicher: Es ist fast immer am besten, eine Person nach ihrem  Namen, mit dem sie angesprochen werden wollen, und ihren Pronomen zu fragen. Damit die Frage nach den Pronomen nicht unangenehm und übergriffig wirkt, hilft es oft, einfach seine eigenen Pronomen zum Namen dazu zu sagen, z.B. “Hallo, ich bin Heiko und benutze er-Pronomen” oder (in meinem Fall) “Mein Name ist Balthazar und meine Pronomen sind es oder er”. Wenn du deine eigenen Pronomen gibst, dann fällt es deinem Gegenüber oft leichter, das gleiche zu tun, und schon weißt du, wie du über diese Person sprechen sollst.

Wenn es um sowas wie schriftlichen Kontakt geht, z.B. per Brief oder E-Mail und du dir bei der Anrede unsicher bist, kannst du eine neutrale Formel nehmen, z.B. “Hallo [Vorname]” oder “Guten Tag [Vorname Nachname]”, damit du Formulierungen wie “Liebe/Lieber” und “Sehr geehrte Frau/sehr geehrter Herr” vermeiden kannst. Falls du die Person etwas besser kennst, kannst du evtl. auch hier nachfragen, wie die Person gern angeschrieben werden möchte.

Im Allgemeinen gilt immer: Wenn du dir unsicher bist und die Person gut kennst, frag nach. Wenn du dir unsicher bist und die Person nicht so gut kennst oder dir nicht sicher bist, ob sie mit dir über so private Themen wie Geschlecht reden will, dann eignen sich neutrale Formulierungen am besten. Du kannst z.B. statt “Das ist meine Kollegin” auch sagen “Das ist [Name], wir arbeiten zusammen”; statt “Er war Schauspieler in einem Theaterstück” geht auch “[Name] hat in einem Theaterstück mitgespielt”. Gute Ideen für solche neutralen Ausdrücke findest du auf geschicktgendern.de.

Und zuletzt bleibt noch zu sagen: Unsere Sprache ist leider bisher nicht sehr inklusiv, was nichtbinäre Menschen betrifft, deswegen ist es für die meisten Menschen noch ungewohnt, neue Pronomen zu lernen oder neutrale Ausdrücke zu üben. Das ist aber kein Grund zum Verzweifeln – wir sind alle in einem Lernprozess und das dauert seine Zeit, aber wenn wir rücksichtsvoll und mit Respekt miteinander umgehen, dann können wir es gemeinsam schaffen, unsere Sprache gerechter zu gestalten!

Viel Erfolg beim Üben und viele Grüße,
Balthazar

Kummerkastenantwort 260: Ich bin keine “sie”, aber kleide mich gern feminin – Hilfe?

Moin!
Ich habe grade ein kleines Problem mit meinem Gender. Ich habe lange Zeit gedacht, dass ich cisgender bin, fand es aber zunehmend unangenehmer mit meinem Namen oder den Pronomen “sie” angesprochen zu werden. Ich bin prinzipiell eher feminin und möchte auch weiblich wirken, sosehr dass ich zeitweise sogar ein Problem damit habe, zu weite Kleidung zu tragen. Auf der anderen Seite empfinde ich es am angenehmsten ohne das Wort “Mädchen” oder ohne irgendein Pronomen bezeichnet zu werden. Ich würde sagen, ich befinde ich in einer genderlosen Blase mit femininer Ausstrahlung und ich habe echt keine Ahnung wo ich überhabt anfangen soll nach meinem Gender zu suchen. Agender kann es nicht sein, wenn es mir nicht egal ist und ich nach wie vor feminin sein will, oder? Es wäre echt lieb, wenn ich eine ungefähre Richtung kriegen könnte, in der ich suchen kann. Bitte?

Moin zurück! 🙂

Deine Verwirrung ist verständlich, weil uns oft eingeredet wird, dass ein bestimmtes Verhalten, Aussehen, eine bestimmte Art Kleidung oder Haare uns sagen können, ob eine Person männlich oder weiblich ist. Das stimmt aber oft nicht.

Vielleicht hilft dir das: Wir unterscheiden manchmal zwischen dem Geschlecht einer Person und Geschlechtspräsentation. Geschlechtspräsentation ist alles, was wir nach außen tragen und was andere Menschen benutzen, um uns in ein bestimmtes Geschlecht zuzuordnen, z.B. Kleidung, Haare, Makeup, Verhalten oder die Art, wie wir unseren Körper bewegen. Viele Menschen benutzen ihre Geschlechtspräsentation, um damit ihr Geschlecht nach außen zu zeigen; also tragen Männer z.B. Bärte, Hemden und kurze Haare, Frauen lange Haare, Makeup und Kleider. Aber das Geschlecht einer Person stimmt nicht immer mit der Geschlechtspräsentation überein. Viele Frauen tragen kurze Haare und fühlen sich in einem Anzug wohler als in einem Kleid. Manche Männer tragen Nagellack  oder Makeup, weil es ihnen Spaß macht. Inzwischen gibt es sehr viel mehr Spielraum für Geschlechtspräsentationen – so können z.B. Männer wie Billy Porter ein Abendkleid auf dem roten Teppich tragen, oder Frauen wie Cameron Esposito und Hannah Gadsby sich maskulin kleiden und geben, z.B. in Anzügen und mit kurzen Haaren. Das Geschlecht dieser Personen ändert sich aber nicht, egal, wie sie sich nach außen hin präsentieren.

So könnte es ja bei dir auch sein, oder? Dein Geschlecht ist das, was in dir drin ist – manche würden vielleicht sagen, “wie du dich fühlst”, auch wenn das nicht ganz stimmt, denn Geschlecht ist ja nicht nur irgendein Gefühl. Wie du dich nach außen hin präsentierst, muss nichts damit zu tun haben. Es kann also durchaus sein, dass deine Präsentation nach außen eine feminine ist, und du innerlich trotzdem vielleicht agender oder nichtbinär bist. Agender sein bedeutet nur, keine Geschlechtsidentität bzw. kein Geschlecht zu haben – aber wir haben ja trotzdem alle einen Körper, auch agender Menschen, und diesen Körper können wir gestalten, wie wir wollen. Es gibt keine bestimmten Regeln, wie eine Person aussehen oder sich kleiden muss, die agender ist. Das darfst du ganz allein bestimmen.

Und egal, wie du aussiehst, du verdienst es auf jeden Fall, so angesprochen zu werden, wie du dich wohl fühlst! Wenn dir keine Pronomen und keine weiblich gegenderten Bezeichnungen wie “Mädchen” lieber sind, dann darfst du darauf bestehen, dass Leute dich nicht so ansprechen, egal, wie du aussiehst.

Ich wünsche dir alles Gute auf deinem weiteren Weg!
Liebe Grüße,

Balthazar

Kummerkastenantwort 259: Nicht typisch männlich oder weiblich – was ist mit mir los?

Ich wusste lange nicht, wie ich das alles formulieren sollte.
Ich bin 15 Jahre alt und biologisch gesehen bin ich ein Junge, psychisch gesehen weis ich es nicht. das Thema beschäftigt mich schon länger und kürzlich habe ich angefangen mich genauer zu informieren. Ich habe verschiedene Bezeichnungen gefunden, die aber alle nicht wirklich passen. Überhaupt konnte ich mit Begriffen wie “typisch männlich” oder “typisch weiblich” nie so richtig etwas anfangen.
Ich fühle mich in vielen Situationen komisch, oder bin mir unsicher. Mein Spiegelbild bzw. mein Körper kommt mir oft fremd vor. In manchen Situationen verhalte ich mich “typisch weiblich” in anderen wieder “typisch mänlich”, was dazu führt, dass Menschen in meiner Umgebung mich für seltsam halten.
Ich weis nicht, ob es mir als Mädchen besser gehen würde, weil ich nicht weis wie es ist eines zu sein. Auch weis ich
nicht, ob ich überhaupt ein Mädchen sein will, oder ein Junge, oder gar nichts.
Bis jetzt weis niemand davon, da ich jemandem schlecht etwas erklären kann, das ich selbst nicht verstehe.
Eine Frage habe ich nicht direkt, ich würde nur gerne wissen, was mit mir los ist.
Ich hoffe jemand kann mit dem ganzen etwas anfangen und mir vielleicht helfen, oder (wenn ich hier falsch sein sollte) mir sagen, wo man mir weiterhelfen könnte.
Danke im Voraus.

Hallo du!

Bei uns bist du auf jeden Fall richtig, wir sind für genau solche Fragen wie deine da! Ich verstehe deine Verwirrung sehr gut, und zuerst mal möchte ich sagen, dass du vollkommen okay bist, genau so, wie du bist. Du bist du selbst, und das ist auch gut so.

“Typisch männlich” und “typisch weiblich” sind zwei Kategorien, in die Menschen oft (zwangsweise) einsortiert werden, weil die Gesellschaft glaubt, dass es dann für alle leichter ist – das ist aber für viele Menschen nicht der Fall. Im Gegenteil: Für viele macht es alles noch komplizierter, in eine von diesen beiden Schubladen passen zu müssen – zum Beispiel ja auch für dich. Es ist vollkommen in Ordnung, mal so und mal so zu sein. Das hat sich ja auch nur irgendwer mal ausgedacht, welche Dinge wir in der Gesellschaft als männlich oder weiblich sehen, und alle, die was anderes behaupten, haben Unrecht. Schließlich können ja auch Männer fürsorglich sein und z.B. mit alten oder kranken Menschen oder Kindern arbeiten, Frauen können auch Fußball spielen, Männer sind auch mal traurig und weinen, Frauen sind auch gute Führungskräfte, usw. Viele von diesen Eigenschaften gelten als “typisch männlich” oder “typisch weiblich”, aber letztlich hat es nichts mit dem Geschlecht zu tun, was ein Mensch gut oder nicht so gut kann, wie ein Mensch Gefühle zeigt und vieles mehr. Wir sind einfach alle nur Menschen, und wir sind unterschiedlich – und das ist auch gut so.

Es kann allerdings schwierig sein, man selbst zu sein, vor allem wenn man nicht in die Schubladen “typisch männlich” und “typisch weiblich” passt – du schreibst ja, dass Menschen in deinem Umfeld dich dafür oft seltsam finden, und damit bist du nicht allein. Das heißt aber nicht, dass mit dir was falsch ist – du hast jedes Recht, ganz du selbst zu sein, egal, ob das jetzt in die Schublade “männlich” oder “weiblich” gehört, in eine Schublade dazwischen oder in eine ganz andere Schublade (das gibt es – vielleicht ist dir der Begriff nichtbinär schon einmal begegnet), oder vielleicht gefallen dir Schubladen und Kategorien auch einfach gar nicht und du möchtest am liebsten einfach nur du selbst sein, ohne irgendwelche Regeln, ob das jetzt männlich oder weiblich oder sonstwas ist.

Du schreibst, dass du nicht weißt, was dir wirklich gut tun würde, und das weiß ich leider auch nicht. Ich kann dir aber sagen: Hör in dich hinein und versuche herauszufinden, was sich für dich gut und richtig anfühlt. Vielleicht bist du ja tatsächlich doch ein Mädchen und es würde dir besser gehen, das zu wissen und mit der Welt zu teilen? Oder vielleicht bist du ja keins von beidem, wie du sagst? Hab keine Angst, Dinge auszuprobieren, auf die du Lust hast, egal, ob das jetzt bestimmte Hobbies, Kleidungsstücke, Verhaltensweisen oder sonst was sind. Auch für deinen Körper gilt: Achte auf dich und tu, was dir gut tut. Was kannst du tun, damit du dich in deinem Körper weniger fremd fühlst? Helfen bestimmte Kleidungsstücke, bestimmte Bewegungen, hilft dir vielleicht eine Sportart oder Meditation? Wenn du einfach darauf schaust, dass du Dinge tust, die dir gut tun, dann ist es vielleicht erstmal noch gar nicht so wichtig, wie genau du dich jetzt einordnen willst  und welche Schublade vielleicht die beste für dich ist – vielleicht ja auch gar keine.

Ich kann außerdem verstehen, dass es schwierig ist, über dieses Thema zu reden, vor allem, wenn du noch keine genauen Worte gefunden hast, um dich zu erklären. Allerdings finde ich, du konntest dich in deiner Nachricht schon sehr gut und klar ausdrücken, und vielleicht findest du ja auch bald mal eine oder ein paar Personen in deinem engeren Umfeld, denen du vertraust und mit denen du über diese Dinge reden kannst – nach meiner Erfahrung bringt es sehr viel, einfach mal mit anderen darüber zu reden.

Viel Glück dafür! Schreib uns gern wieder, wenn du noch mehr Fragen hast oder einfach nur erzählen möchtest, wie es gelaufen ist.

Liebe Grüße,
Balthazar