Kummerkastenantwort 1.658: Darf ich mich als fluidflux bezeichnen?

▪Teil 1▪
Hallo,

Ich kenne eure Seite schon länger, aber habe mich irgendwie nie getraut, euch zu schreiben – also hier vin ich 🙂

Ich (12-15) zweifle schon länger daran komplett weiblich (=mein Körper) zu sein, vielleicht seit so seit einem guten halben Jahr. Ich schreibe erst einmal etwas wie ich mich fĂĽhle und was fĂĽr “Erfahrungen” ich mit verschiedenen Labeln habe, damit ihr mich etwas besser einschätzen könnt.

Ich war noch nie so ein typisches Mädchen, allerdings hat das natürlich weniger mit meinem Gender als mit meinem Umfeld zu tun. So mit elf bis zwölf habe ich dann angefangen, langsam Brüste und generell einen weiblicheren Körper zu bekommen.
In den letzten Jahren hatte ich es, dass ich meinen Körper phasenweise gerne möchte und phasenweise gehasst habe. Das ist teilweise täglich aber teilweise auch erst nach einer guten Woche wieder umgesprungen. Ich wusste dass es “normal” ist als Teenager seinen Körper nicht so zu mögen, also habe ich einfach versucht nicht in eine Essstörung zu fallen und habe mir nichts weiter dabei gedacht, im Nachinein war es vielleicht Dysphorie.
Wenn ich mich nicht richtig dem weiblichen Geschlecht zugehörig gefühlt habe, dachte ich mir, es liegt daran dass ich zu den Mädchen in der Klasse kein so gutes Verhältnis hatte oder dass das nunmal so ist, weil ich lesbisch bin.
Vor 7-9(?) Monaten habe ich dann aber angefangen, mich besser zu verstehen. Ich habe gemerkt, dass ich mich nicht komplett weiblich fĂĽhle sondern irgendwie noch was anderes – aber nicht wirklich männlich. Ich bin noch tiefer als eh schon in lgbtq-Webseiten eingetaucht und habe die Wörter Agender, Demigirl und bigender gefunden. Bigender hat sich zu falsch angefĂĽhlt, ich dachte eher ich wäre Demigirl und demiagender. Die Beschreibung hat ja auch gepasst. Weil ich mir aber unsicher war, habe ich auf verschiedenen Internetseiten mein Problem geteilt und Antworten bekommen, dass Demigril doch gut passen wĂĽrde. Hat sich nur falsch angefĂĽhlt.

Fortsetzung folgt!!

[Teil 2]

Teil 2▪
Ich bin die, die sich nicht zu 100% weiblich fĂĽhlt. Ăśber meiner ersten Nachricht stand “Teil 1”

AuĂźerdem war ich mal mehr weiblich und mal weniger – also genderfluid? Aber das war -dachte ich da noch- nur auf männlich~weiblich bezogen. Ich bin dann auf genderflux gestoĂźen und dachte fĂĽr ĂĽber einen Monat, ich hätte endlich mein Label gefunden, weil mein Gender sich in der Stärke ändert.
Aber an manchen Tagen habe ich mich nicht nur agender sondern ein winziges kleines bisschen männlich gefühlt oder weiblich und gaaanz wenig männlich gleichzeitig oder wie ein drittes Geschlecht. Um es einfacher zu formulieren: es ändert sich eben doch nicht nur die Intensität sondern aucj mein Gender an sich.
Ich habe jetzt den Begriff fluidflux gefunden.

Erste Frage:
Die meiste Zeit ĂĽber schwanke ich nur zwischen weiblich und agender, kann ich mich trotzdem so bezeichnen?

Zweite Frage:
Ich habe ja gelegentlich Dysphorie, habt ihr Tipps um besser damit zurecht zu kommen? Binder anschaffen geht nicht gut, weil ich ungeoutet bin und nicht einfach geheim was kaufen kann. Mit weiter Kleidung geht es besser, aber unwohl fühle ich mich trotzdem (vor allem heute, wo wir bei Sport Mädchen und Jungen getrennt wurden und ich mich 0% weiblich fühle…)

Danke schonmal fĂĽr Antworten und Entschuldigung fĂĽr den langen Text. Hoffentlich findet ihr beide Teile

Hej,
schön dass du dich jetzt getraut hast zu schreiben, und keine Entschuldigung nötig wegen der langen Nachrichten! 🙂

Zu Frage 1:
Ja. Ja, du kannst dich als fluidflux bezeichnen. Warum? Weil es deine Entscheidung ist. Ein Label (oder auch so viele du möchtest) muss nur für dich Sinn ergeben, es geht um dein Wohlbefinden damit, darum, dass du etwas gefunden hast, das sich stimmig und richtig anfühlt für dich. Andere haben niemals das Recht, die ein Label abzusprechen.
Fluidflux ist ein Label für eine Geschlechtsidentität, die sich zwischen zwei oder mehr Geschlechtern bewegt und in unterschiedlichen Intensitäten, wenn es sich für dich also passend anfühlt, dann nutze es. So oder so ist es aber auch immer in Ordnung, sich nach einer Weile umzuentscheiden, wenn man spürt, dass andere Label besser passen.

Zu Frage 2:
Es gibt auch als ungeoutete Person mit wenig Geld Möglichkeiten, an Binder zu kommen, z.B. bei Binder Giveaways von queeren Social Media Accounts oder bei örtlichen LGBTQ*-Gruppen, die second-hand untereinander Kleidung tauschen. Ansonsten sind Sport-BHs natürlich eine Möglichkeit, achte trotzdem aber darauf, dass die nicht zu eng sitzen, insbesondere wenn du tatsächlich Sport machst, denn du sollst ja auch noch gut Luft bekommen.

Ich hoffe, das hilft dir weiter, ansonsten melde dich gerne noch einmal.

Liebe GrĂĽĂźe,
Valo

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