Kummerkastenantwort 6933: Ich finde gendern komisch

Ich bin komplett offen für Queerness und das alles, habe auch selbst die Vermutung vielleicht nicht hetero zu sein. Aber ich tue mich mit dem Gendern und mit neuen Pronomen schwer. Ich möchte tolerant sein aber ich bin einfach mal ehrlich: ich kann damit nix anfangen. Mich verunsichert es eher. Ich finde es einfach Es/Sie/Es zu sagen und find es sehr komisch wenn Leute anders angesprochen werden wollen, ich glaube ich käme damit nicht klar. Es ist gar nicht böse gemeint. Ich finde das Gendern auch irgendwie komisch. Ich verstehe warum es gemacht wird aber irgendwie fühlt es es unnatürlich für mich an. Ich mag es tatsächlich auch nicht selbst „gegendert“ zu werden. Ich bin ein Mädchen und mag es sehr gerne wenn man einfach SchülER zu mir sagt. Wen da ein „in“ dranhängt fühle ich mich irgendwie auf das weibliche Geschlecht reduziert. Ich bin wirklich ein tolleranter Mensch der andere akzeptieren will, aber ich muss meine Meinung und Unsicherheit einfach mal teilen. Ist es okay das so zu sehen?

Hallo!

Du musst überhaupt keine geschlechterinklusive Sprache benutzen, wenn du das nicht möchtest. Was mir bei dem Thema wichtig ist: Auch das Maskulinum (also „Schüler“) zu benutzen, ist eine Art, zu gendern, nur eben männlich anstatt inklusiv. Und den meisten Personen geht es bei der Aufklärung zum Thema geschlechterinklusive Sprache nicht darum, allen eine Lösung aufzudrücken und zum inklusiven Gendern zu zwingen, sondern darüber aufzuklären, welche Konsequenzen es hat, wenn Leute welche Formen wählen (also ob sie „Schüler“, „Schülerin“, „Schüler*in“ oder „zur Schule gehende“ sagen). Es ist wissenschaftlich ziemlich gut belegt, dass die Nutzung von nur maskulinen Formen dabei unterstützt, dass Männer weiterhin als Norm in unserer Gesellschaft gelten und dass die Nutzung von Sprache sich eben darauf auswirkt, wie wir unsere Realität wahrnehmen. Da sorgen männliche Formen dann z. B. dafür, dass weniger Kinder, die nicht männlich sind, glauben, dass sie Ärzt*innen werden könnten. Und deswegen ist es wichtig, dass geschlechterinklusive Sprache insgesamt was ist, das es gesellschaftlich geben kann. Nicht-binäre Personen verdienen es, dass es auch Möglichkeiten gibt, um über sie zu sprechen und wie sie sprachlich präsent sein können.

Was du als Einzelperson aber nutzt und für dich benutzt haben möchtest, ist eine andere Sache. Du darfst selbst entscheiden, ob du als Schüler, Schülerin oder ein ganz anderer Begriff bezeichnet werden möchtest. Dir sollte auch niemand vorschreiben, welche Formen du nutzt, wenn du allgemeine Aussagen triffst. Die einzige Ausnahme dazu ist, wenn du über konkrete Personen sprichst, denn die dürfen, genau so wie du auch, bestimmen, welche Formen für sie gut passen und das ist dann zu respektieren. Das ist nämlich ein Teil von geschlechtlicher Selbstbestimmung, die für dich und für alle anderen gilt.

Übrigens ist es auch völlig in Ordnung, dass du beim Thema Gendern Unsicherheit empfindest. Das ist ein Thema, was oft sehr emotional aufgeladen ist und zu dem es viel Desinformation gibt, die teilweise auch bewusst verbreitet wird, um Menschen Angst zu machen. Das finde ich von den Leuten, die das tun, ziemlich uncool. Ich kann dir sagen, dass es eine Gewöhnungssache ist, Formen außerhalb der binären Geschlechter zu lernen und man das genau so erfolgreich machen kann, wie z. B. eine Fremdsprache. Das muss man aber wollen, denn wenn man keine Lust hat, jemals Französischvokabeln zu lernen, wird man vermutlich auch nie besonders erfolgreich Französisch sprechen können.

Viele Grüße
Hannah

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