Kummerkastenantwort 6202 – Seit ich mich als nichtbinär identifiziere, verliere ich den Bezug zu meiner Weiblichkeit und habe Angst ftm zu sein.

Hey…



ich bin afab und meine erste Identitätskrise kam vor etwas weniger als einem Jahr.

Meine Existenz falsch, Körper falsch, alles falsch.

Irgendwann merkte ich dass mich das label nichtbinär sehr entspannt. Ich muss nicht das eine oder das andere sein. Ich kann einfach ich selbst sein und mich mal so und mal so fühlen.

Soweit so gut.

Allerdings passiert es immer mehr, dass ich mich immer weniger weiblich fühle.

Ich hatte immer Momente wo ich mir dachte „Ich fühle mich weiblich, ich bin eine Frau, das will ich zeigen.“

Genauso hatte ich es natürlich andersrum auch bei einem männlichen Gefühl.

Obwohl ich auch noch immer kein Problem mit sie/ihr Pronomen von den Menschen habe, die mich schon lange kennen und daran gewöhnt sind (ich bin ungenutzt, daher benutzen sie die noch) merke ich, dass ich den Bezug zur Weiblichkeit verliere.

Entweder fühle ich mich männlich und ziehe mich auch so an, ode ich ziehe feminine Kleidung an, aber dann mit Binder und meinen kurzen haaren maskulin gestylt, um trotzdem nicht sofort als Frau gesehen zu werden.

Oder ich habe Lust mich feminin zu präsentieren und auch kein Problem mit meinen Brüsten, dann habe ich einen offensichtlich weiblichen Körper mit femininer Kleidung, denke aber dabei nicht ich bin eine Frau, sondern mache das in a non binary way.



Ich habe Angst den Bezug zur Weiblichkeit, MEINE Weiblichkeit zu verlieren. Ich habe so große Angst davor vielleicht ftm zu sein.

Guten Tag,

ich verstehe die Unsicherheit, die du schilderst. Da ist so ein großes Ding von „Ich hab das doch schon mal rausgefunden, inneres und äußeres Coming Out sind stressig, und dann gings mir doch gut, warum nochmal das alles“, „ich hatte doch eine Idee, wer ich bin, wie konnt ich da falsch liegen“ und all so was, hängt da mit dran.

Und die freche Wahrheit ist: Geschlecht muss nicht statisch sein. Wir verändern uns, unser Geschlecht verändert sich. Das passiert. Und daran tun können wir, wenns so ist, nicht großartig was. Außer irgendwie damit umgehen.

So. Das heißt, wenn sich rausstellen sollte, dass du tatsächlich binär trans männlich bist, dann ist das erstmal so. Aber Männer, unabhängig ob cis oder trans, dürfen in Präsentation und in Identität auch gesellschaftlich als weiblich vertandene oder zugeordnete Dinge haben, tun und machen. Du kannst behalten, was dir wichtig ist und womit du dich wohl fühlst.

Und gerade wenn und solange das gerade ist, wie du beschreibst, dass es Tage und Zeiten gibt, wo mehr Männlichkeit aber auch wo mehr Weiblichkeit ein Ding ist, ist es vielleicht auch eher eine Sache, dass du genderfluid sein könntest. Das ist dann das genaue Gegenteil von statisch. Und das nimmt vielleicht auch bisschen die Sorge drum, dass Weiblichkeit da mal kein Ding mehr sein könnte.

Liebe Grüße
Xenia

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