Kummerkasten Antwort 162: Frage zu trans

Hallo,
Ich habe letzten über eine Art Sexualität gelesen, wo Frauen oder Mädchen sich zum anderen Geschlecht umwandeln, dies aber nur zu 80% – 90% tun, also im unteren Intimbereich weiblich bleiben. Ich würde gerne den Namen dafür wissen.

Schöne Grüße

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Ich fürchte, du hast da einige Dinge verwechselt, zumindest, wenn ich dich richtig verstanden habe.

Es gibt Menschen, die bei ihrer Geburt weiblich zugewiesen wurden, d.h. in ihrer Geburtsurkunde steht (erstmal) “weiblich”, aber von sich selbst sagen, dass sie männlich sind. Das nennt man Transgeschlechtlichkeit und diese Personen trans Männer.  Manche trans Männer entschließen sich dazu, medizinisch zu transitionieren (das heißt: Hormontherapien, Operationen, etc. durchzuführen), manche tun dies nicht. Manche führen viele der medizinischen Maßnahmen durch, außer eine Operation ihrer Genitalien. Das hat viele Gründe, z.B. das Risiko der Operation.

Das hat aber nichts mit Sexualität zu tun, sondern etwas mit Geschlecht.

Hier kannst du dazu mehr erfahren: http://transmann.de/

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten Antwort 161: Bin ich bi-, hetero- oder homosexuell?

Ich (weiblich) fühle mich sexuell mehr zu Frauen hingezogen als zu Männern, aber ich verliebe mich nur in Männer. Ich bin jetzt ziemlich verwirrt, ob ich bi-, hetero- oder homosexuell bin.

Hallo liebe Unbekannte,

Auch für deine Frage gilt: Wir können dir nicht sagen, welche sexuelle Orientierung du hast. Wir können dir nur Vorschläge machen und dir unsere Gedanken mitteilen. Welche Begriffe am besten zu dir passen, musst du selbst wissen – und auch nur du kannst das entscheiden.

Für mich klingt es so, als seien deine romantische Orientierung (also: in wen du dich verliebst) und deine sexuelle Orientierung (also wen du sexuell anziehend findest) zwei unterschiedliche Dinge.

Wenn du also schreibst, dass du dich eher zu Frauen sexuell hingezogen fühlst, dann könntest du also lesbisch sein. Und wenn du dich nur in Männer verliebst könntest  du heteroromantisch sein.

Ich hoffe, das hilft dir.

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten Antwort 160: Ist bigender 50% männlich und 50% weiblich?

Moin Moin,

Ich habe eine kleine Frage an euch:
Ich identifiziere mich momentan als Bigender, doch ich habe mich gefragt ob man sich immer 50% weiblich und 50% männlich fühlen muss?
Ich fühle mich halt mehr männlich weshalb ich mich nicht mit dem Label Bigender an sich identifiziere sondern eher mit Transgender.
Dennoch weiß ich nicht ob ich mich mit Trans identifizieren “darf”.
Denn einige Trans*Personen, mit denen ich schrieb, sagten mir ich wäre nicht Trans da ich nicht immer dysphorisch bin und halt manchmal einverstanden bin als Frau gelesen zu werden.(deswegen verstehe ich mich momentan als Zwischenlösung mit Bigender).

Grüße an euch!
Manu

Hallo Manu,

Vielen Dank für deine Frage!

Bigender bedeutet, dass du zwei Geschlechter (bzw. Geschlechtsidentitäten) hast. Das kann “männlich” und “weiblich” sein – es können aber auch andere sein. Und es muss auch keine 50/50-Mischung sein, genauso wie es sein kann, dass die beiden Geschlechter gleichzeitig da sind oder abwechselnd.

Wenn du den Begriff bigender für dich benutzen willst: Super, mach das! Wenn du einen anderen Begriff lieber magst: Dann benutz einen anderen Begriff. Es geht um deine Identität – und nur du kannst darüber entscheiden.

Außerdem: Trans-Sein und Dysporie-Haben sind zwei unterschiedliche Sachen. Nicht alle trans Personen haben Dysphorie, deswegen kann eins auch trans sein, ohne Dysphorie zu haben. Das bedeutet: egal, ob du Dysphorie hast oder nicht (vielleicht hast du ja Euphorie?), du kannst dich trans (oder bigender) nennen – wenn du das willst.

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten Antwort 159: Bin ich trans?

Hi,
ich habe lange überlegt, wie ich meine Frage und meine Gefühle in Worte fassen soll. Ich versuche es einfach mal.
Also, ich bin Biologisch ein Mädchen, trage aber schon seit ich im Kindergarten bin Jungssachen. Früher haben viele meiner Freundinnen sich ähnlich gekleidet aber irgendwann haben alle angefangen sich die Haare wachsen zu lassen und Kleider zu tragen.
Das ist jetzt schon eine ganze Zeit her und ich habe mir vor ein paar Monaten meine Haare kurz geschnitten und fühle mich damit um einiges wohler. Ich habe früher oft überlegt, ob ich vielleicht trans bin. Ich wollte schon immer Schwul sein (das klingt so komisch).
Es gibt aber auch Tage an denen ich meine Brust nicht bewusst verstecke sondern bewusst ja nicht wirklich drauf aufmerksam mache aber schon zeige, dass si da ist. Trotzdem trage ich auch an diesen Tagen eigentlich immer Hosen und Pullover. Ich wurde schon oft für einen Jungen gehalten und fand das sehr Lustig, aber auch wenn ich als Mädchen bezeichnet werde fühle ich mich nicht dierekt unwohl.
Lange habe ich mich für meinen Körper geschämt. Inzwischen geht es, nur eine Sache ist da immer noch doll. Meine Beinhaare. Ich habe mir noch nie meine Beine rasiert, weil ich meine Beinhaare immer als ein Stück männlichkeit von mir selber bezeichnet habe. Ich würde mir auch jetzt die Beine eigentlich nicht rasieren, aber im Sportunterricht, wenn ich eine kurze Hose trage stört es mich extrem und ich habe angst, das die anderen, insbesondere die Jungs (dah ich definitiv auf Jungs stehe), mich ekelig finden. Ich weiß nie so recht, wie ich mit meinem Körper und meiner erscheinung umgehen soll und ich möchte so gern herrausfinden was ich bin. Ich finde es einfach schwer sich nicht richtig zugehörig zu fühlen und kenne auch niemanden, der in einer ähnlichen Situation ist.
Habt ihr irgendwelche Tipps, die mir vielleich auf die Sprünge helfen, oder gibt es vielleicht auch die möglichkeit sich annonüm mit welche, die ähnlich fühlen auszutauschen ?

Sorry für den langen Text^^
LG

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Danke für deine Frage – ich kann sehr gut verstehen, dass dich diese Fragen belasten und dich verwirrren. Das ist bei vielen Jugendlichen so – und du bist damit definitiv nicht alleine.

Wie wir hier immer wieder schreiben: Wir können dir nicht sagen, was dein Geschlecht ist. Das kann niemand – nur du alleine kannst das herausfinden und entscheiden, welche Begriffe am besten zu dir passen.

Aber ich glaube, dass es dir sehr gut tun würde, dich mit anderen auszutauschen.

http://www.meingeschlecht.de/ Auf dieser Webseite findest du mehr Informationen und Anlaufstellen, z.B. auch Jugendgruppen.

http://transmann.de/ und hier findest du Beratungsangebote von (anderen) trans Personen, ein Forum, viele Broschüren zum Download usw.

Ich wünsche dir alles Gute!

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten Antwort 158: Bin ich ein Mann?

Hallo liebes Kummerkasten-Team,
ich bin m/15 und fühle mich zu Mädchen hingezogen. Jedoch kann ich mich nicht als “Mann” identifizieren. Bin ich dennoch ein “Mann”, da ich ein Penis habe und auf Frauen stehe?

LG Denis

Hallo Denis,

um es kurz zu machen: Nur weil du einen Penis hast, und/oder auf Frauen stehst macht dich das noch lange nicht zum Mann.

Dein Geschlecht ist völlig unabhängig davon, auf wen du stehst und deine Genitalien sagen nichts über dein Geschlecht aus.

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten Antwort 156: Cis und Dysphorie?

CN: Dysphorie

Hallo Queer-Lexikon Team,

mir ist vor längerer Zeit schon einmal und letztens wieder die Meinung von ein paar queeren Personen untergekommen, dass auch cis Personen geschlechtliche Dysphorie haben können. Mich würde eure Meinung dazu interessieren?
Es beschäftigt mich auch deswegen, weil ich seit einigen Monaten merke, dass nicht-binär vielleicht besser passt als das mir bei der Geburt zugewiesene Geschlecht. Aber ich bin mir nicht ganz sicher, weil ich doch recht ~feminin~ auftrete und bisher keine Probleme mit meinem ~weiblich gelesenem~ Geburtsnamen habe. Dafür habe ich (afab) Dysphorie, wenn ich mich als “zu männlich” wahrnehme. Egal ob ungeschminkt oder mit full-face auffälligem Makeup passieren. Bei weiblich assoziierten Dingen habe ich keine Dysphorie und oft frage ich mich, ob ich nicht doch weiblich bin und die Dysphorie bei männlicher Selbstwahrnehmung Ausdruck dessen ist. Ich weiß es auch nicht…
Natürlich könnt ihr mir nicht sagen, welches Geschlecht ich jetzt ~wirklich~ habe, aber mich würde eure Meinung zu cis Personen und geschlechtlicher Dysphorie interessieren. Denn von diesen beiden Malen ist mir das sonst noch nie untergekommen. Was denkt ihr dazu?

Danke schon einmal für eure Antwort!
Und allgemein vielen Dank für die großartige Arbeit, die ihr hier mit der Homepage leistet!

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Vielen Dank für deine Frage und dein Lob – und entschuldige bitte, dass du eine ganze Weile auf diese Antwort warten musstest.

Gleich vorneweg: Wir sind (genau so wie niemand sonst) keine Autorität  in Bezug auf Geschlecht und sexuelle Orientierung. Das heißt: wir können dir zwar sagen, was wir denken – aber wir haben nicht unbedingt recht bzw. unsere Meinung zählt nicht mehr als die von anderen.

Ich denke, dass es zunächst einmal keine scharfe Trennlinie zwischen cis-Sein und trans-Sein gibt – das also (wie so vieles in diesem Gebiet) manche Menschen vielleicht weder cis noch trans sind, sondern irgendwie dazwischen. Und außerdem wissen wir ja auch, dass Dysphorie nicht unbedingt etwas mit trans-Sein zu tun haben muss. Es gibt ja einige trans Personen, die keine Dysphorie verspüren. Deswegen scheint Dysphorie unabhängig davon zu sein, ob eine Person cis oder trans ist (oder eben etwas dazwischen).

Ich hoffe, das hilft dir weiter.

Alles Gute für dich!

Liebe Grüße,

Annika

Mein Polyam-Coming-In/-Out „Es kommt immer darauf an, wer fragt.“

Im Internet gibt es nur wenig Berichte darüber, wie es ist, polyamourös zu sein. Wir haben also Menschen gefragt, ob sie uns ihre Coming Out-Geschichte erzählen wollen. Die Geschichte heute wurde uns anonym zugesandt. Wenn du auch deine Geschichte erzählen willst, schreib uns an blog@queer-lexikon.net oder benutze unsere anonyme Askbox

Ich gehöre zu den Menschen, die erst spät Sex hatten, also das was herkömmlich unter Penetration verstanden wird. Passiert ist das bei einem sehr klischeehaften Filmdate und während mein Gegenüber vermutlich an einen irgendwie gemütlichen Abend und Abwechslung dachte, war das für mich schon irgendwie ein einschneidendes Erlebnis… Tage später trafen wir uns dann noch mal zum Reden und neben all der Scham, waren wir uns einig: das könnten wir alles so wieder tun und uns regelmäßig Treffen, um Spaß zu haben. Doch, eine Beziehung wird’s nicht, schließlich gäbe es noch jemanden in seinem Leben. Und mit der Person würde er sich ebenfalls regelmäßig zum Sex treffen. Das war für mich okay. Und auch, wenn es hier um offensichtlich lockere Affären ging, war der Grundstein Polyamorie für mich dort gelegt, ohne dass ich das Wort kannte.

Ich geriet letztlich noch eine ganze Weile an Typen, die was Lockeres haben wollten und parallel mehrgleisig fuhren.

Unverbindlichkeit ist heute bei vielen Menschen an der Tagesordnung und im strengsten Sinne und per Definition ist das sicherlich auch keine Polyamorie, mehrgleisige und ständig (ab-)wechselnde Sex-Partner*innen zu haben. Doch für mich gab es nie so etwas wie Eifersucht. Ich wollte immer nur die Wahrheit wissen und habe auch selbst mit offenen Karten gespielt, zu Zeiten, als ich ebenfalls mehrgleisig gefahren bin.

Wichtig waren mir damals wie heute: Alle Menschen verhüten bitte sinnvoll und sollte mal etwas passiert sein, werden alle Sex-Partner*innen gleichermaßen informiert.

Ich hatte eine ziemlich wilde Phase, nachdem ich also das erste Mal Sex hatte und habe alles ausprobiert, worauf ich Lust hatte: Swingerclubs, Sex zu dritt und mehreren und bin so letztendlich auch zu BDSM gekommen, weil ich viel ausprobieren wollte, neugierig war und glaubte eine Freiheit zu genießen, die ich vermutlich in einer festen Partnerschaft nicht haben könnte.

Im BDSM-Kontext habe ich meinen inzwischen langjährigen Partner kennengelernt. Auch er kam nicht nur aus der BDSM-Szene, sondern auch der Polyamorie-Szene und hatte in seiner letzten Beziehung mit 2 Beziehungspartner*innen und 1 Kind zusammen in einer gemeinsamen Wohnung gelebt.

Nun hatte ich nach ein paar Jahren selbst Ausleben der sexuellen Freiheit auch gemerkt: nicht festlegen wollen und müssen ist anstrengend und hat auch eine Kehrseite: die fehlende Verbindlichkeit.

Als ich meinen jetzigen Beziehungspartner kennenlernte, war mir also genau diese Verbindlichkeit inzwischen wichtig geworden. Und wir haben viel darüber gesprochen, dass wir beide sehr klar polyam sind, und die Werte, die hinter einer polyamen Beziehung stehen, beide sehr stark befürworten: es gibt keinen Besitzanspruch an Menschen (auch nicht an Kinder), es ist Liebe für alle da und Eifersucht ist nur ein Zweitgefühl. Denn dahinter steckt immer noch etwas ganz anderes. Meistens so etwas wie Verlustängste. Und die haben Ursachen, sei es in eigener schlechter Erfahrung oder durch etwas Ausgelöstes durch das Gegenüber und da hilft nur eins: miteinander reden. Und das ist das Wichtigste in jeder Beziehung: Kommunikation. Das hat nichts mit dem Konstrukt einer Beziehung zu tun, sondern mit eigenem Empfinden und Bedürfnissen.

So redeten wir also über unsere Beziehungswerte und waren uns auch hierüber sehr schnell einig: in einer polyamen Beziehung halbiert man in der Regel nicht die Verantwortung, sondern verdoppelt sie. Stimmt etwas im Beziehungskonstrukt nicht, gilt es eben mit allen Beteiligten zu reden.

Mir wurden durch diese wichtigen Gespräche auch klar: nicht alle Affären, die meinen Weg begleitet hatten, waren wirklich polyam. Denn nicht immer wussten alle Beteiligten voneinander Bescheid. Und das ist eben keine Polyamorie, sondern das, was klassischerweise unter Fremdgehen verstanden wird. Der Unterschied ist: der Konsens. In einem polyamen Beziehungsgeflecht wissen zumindest alle Beteiligten darüber Bescheid, dass es noch andere Beziehungspartner*innen gibt. Wie detailliert das dann sein muss, entscheidet natürlich jede*r für sich.

Inzwischen bin ich fast sieben Jahre mit meinem Partner zusammen. Wir teilen deutlich mehr als unser Verständnis und unsere Wertvorstellungen zu Polyamorie. Lustigerweise aber keine weiteren Partner*innen und aus unserer beiden polyamen Vergangenheit ist so etwas wie eine monogame Beziehung geworden. Ein ziemlich ungewöhnlicher Weg, denn meistens ist es umgekehrt.

Nichts desto trotz haben wir beide immer die Gewissheit sagen zu können, wenn wir andere Menschen attraktiv finden, ohne, dass das irgendwelche Probleme gibt. Eifersucht ist wirklich kein Thema bei uns. Ganz im Gegenteil, mein Partner musste in Gesprächen schon oft erklären, dass und warum er das Gefühl von Eifersucht einfach nicht kennt. Und was dahinter steckt.

Wir hatten schon zusammen Sex mit anderen, vielleicht ist es also eher auch eine manchmal offene Beziehung. Aber das weiß kaum jemand aus unserem Freundeskreis. Manchmal sprechen wir zwar mit anderen Menschen auf Veranstaltungen über das Thema Polyamorie, aber geoutet sind wir offiziell nicht in unserem kompletten Freundeskreis. Natürlich weiß der polyamore Kreis über unsere Vergangenheit Bescheid, da wir aber aktiv nicht mehr auf Polyamorie-Veranstaltungen unterwegs sind, ist das Interesse früherer Freund*innen an unserem Privatleben auch signifikant gesunken – scheinbar sind wir ja nicht mehr verfügbar als potenzielle Sex-Partner*innen.

Auf einer sexpositiven Veranstaltungen mit vielen fremden Menschen, die wir bis dato nicht kannten, sind wir mal gefragt worden, ob wir polyam seien und das ist die Standardantwort geworden, die ich nun auf so eine private Frage immer gebe:

„Es kommt immer darauf an, wer fragt.“

Und, auch, wenn das eine eher lustige Antwort war, weil klar war, worauf die Frage eigentlich abzielte (nach Chancen mit einer/m von uns beiden Sex zu haben), gilt genau das: wir brauchen kein großflächiges Coming-Out für uns, aber wenn jemand mehr über polyamores Leben wissen möchte, erzählen wir gerne darüber – je nach Anlass, Fragesteller*in und Gegebenheit.

Kummerkasten Antwort 156: Genderfluid und lange Haare

Hallo
Da ich lange Haare trage und einen weiblichen Körper habe werde ich zumeist als Frau gesehen, obwohl ich eher genderfluid bin. Gerade an “männlichen Tagen” stört mich dies. Gerade in der Gothic und Metalszene, in welche ich mich selbst verordne, ist es ja nicht unüblich dass auch Cismänner lange Haare tragen. Weise ich also Personen darauf hin, dass ich mich selbst als Mann /Enby sehe (und zwar freundlich) war es nun schon sehr oft der Fall dass ich aufgefordert werde, mir meine Haare abschneiden zu lassen OBWOHL ich sie als ein Zeichen meiner eigenen Männlichkeit trage, die ich auch an “weiblichen Tagen” gerne zeige, da ich mich nie dem typisch weiblichen Verhalten zugehörig fühle, obwohl ich dann eine Frau bin.

Wie soll ich auf solche Kommentare reagieren bzw. wie kann ich es möglichst gar verhindern, trotz Mähne falsch angesprochen zu werden, obwohl ich dann bereits “Geschlechtszugehörige” Kleidung trage?

PS: Moshen und Headbanging ist schließlich für alle da und soll allen Spaß machen & gerade für letzteres ist doch die Mähne gerade da, oder? 😉

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Es tut mir leid zu hören, dass du dir solchen Mist anhören musst – denn natürlich bist du genauso genderfluid mit langen wie mit kurzen Haaren.

Ich bin leider auch nicht besonders gut mit guten Comebacks und Kommentaren auf so was, finde aber dein Argument schon super, dass ja a) viele cis Männer in der Metalszene lange Haare tragen und b) dass Moshen und Headbangen für alle da ist! Das müsste doch zumindest einige überzeugen?

Ich würde dir vielleicht noch empfehlen, mit ein paar Vertrauenspersonen (z.B. Freund*innen) darüber zu sprechen, so dass sie dir im Zweifelsfall zur Seite stehen können und wissen, dass dich solche Kommentare ärgern und verletzen.

Liebe Grüße & Rock on,

Annika

Kummerkasten Antwort 155: Welches Geschlecht habe ich?

Hallo, oder was sollte ich am besten schrieben wenn ich jemanden anschreibe den ich eigentlich gar nicht kenne? Naja das ist ja auch egal und ich hoffe ich habe einen einigermaßen guten Anfang gefunden. Um den Grund zu nennen wieso ich euch anschreibe muss ich etwas ausholen. Ich bin mittlerweile 14 Jahre alt und seit einem Jahr 100% sicher nicht hetero zu sein. Am Anfang war ich mir sicher: Ich bin Bi! Man muss dazu sagen ich war damals noch nicht mit der LBGTQ+ Communtiy vertraut und war der Meinung das es nur Schwul, Lesbisch, Bi und Trans gibt. Ein großer Fehler wie ich bemerken musste. Dann kam es so wie es kommen muss. Ich bin weiter in diese ganze Communtiy abgetaucht und habe mehr über die einzelnen Sexualitäten und Gender heraus gefunden. Später hatte ich auch meine erste Beziehung mit einem Mädchen da war mir auch “Komplett sicher” ich bin lesbisch. Mein neues Label war geschaffen. Ich unterhielt mich zu der Zeit oft mit meinen Freundin die ebenfalls Lesbisch waren. (Ich sage hier mit Absicht waren da sie nun für sich erkannt haben das sie Poly und Bi sind). Durch diese Gespräche kam ich immer weiter in die Communtiy und fand nun endlich zwei Label die ganz gut auf mich passen: Pan oder Poly. Was genau ich bin weiß ich nicht und darum geht es mir hier auch nicht. Ich lernte mit der Zeit immer mehr Leute kennen die ebenfalls ein Teil von LGBTQ sind. Ich lernte auch viele Transgender Personen kenne, sowie non-binary. Und auf einmal stand mein komplettes Leben auf dem Kopf… Ich erkannte mich auf einmal in Personen wieder. In dem was sie fühlen. Ich hatte ab da immer wieder das Gefühl nicht 100% weiblich zu sein… so wie ich geboren wurde. Ich fühle mich in meinem Körper auch relativ wohl… nur mein Busen nervt mich oft. Ich wäre einfach gerne etwas flacher oder halt komplett flach. Ich weiß nicht was ich mit den Gefühlen Anfangen soll… an manchen Tagen fühle ich mich als Mädchen super wohl und an andern wäre ich gerne einfach nur ein Junge. Das ändert sich auch oft Tagsüber komplett plötzlich. Ich bin eig immer was zwischen den Geschlechtern und das weiß ich mittlerweile auch. Ich mag es sehr mich zu labeln da ich mich anderen so besser erklären kann. Ich weiß nur einfach nicht was genau ich bin. Bitte helft mir mich ein zuordnen. Ich möchte endlich wissen was ich bin.
Liebe Grüße Cho

Hallo Cho,

Danke für deine Frage! Ich kann gut verstehen, dass du gerne ein label haben möchtest.

Wie wir hier immer wieder schreiben: Wir können dir natürlich nicht sagen, welches Geschlecht du hast – wir können dir nur Anregungen geben. Aber letztendlich musst du wissen, welcher Begriff für dich am Besten passt.

Du schreibst ja, dass du “zwischen den Geschlechtern” bist und dass sich dein Geschlecht häufig ändert, dass du dich manchmal als Mädchen identifizierst und manchmal als Junge.

Für mich klingt es ein bisschen so, als könntest du vielleicht nicht-binär sein. Und wenn du häufig dein Geschlecht wechselst, könntest du vielleicht (auch) genderfluid sein. Du kannst auch einfach mal unser Glossar durchstöbern und schauen, ob es einen Begriff (oder mehrere) gibt, die zu dir passen.

Alles Gute für dich!

Annika

Kummerkasten Antwort 154: Kann ich auch ein Drag King sein?

Hallo! Ich finde Drag Kings sehr interessant und wollte fragen – darf man das nur ausprobieren oder machen (sowieso: wie geht das denn genau, ein Drag King sein?), wenn man (frau) damit auftreten will? Was hat es damit eigentlich genau auf sich?
Danke

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Eine deiner Fragen ist ganz einfach zu beantworten: Klar kannst du auch ein Drag King sein bzw. das einfach mal ausprobieren! Dazu brauchst du niemandes Erlaubnis oder musst irgendwelche Kriterien erfüllen!

Wie das alles genau geht, erfährst du am Besten in einem Workshop (oder vielleicht auch über youtube). Vielleicht kann ja eine coole  queere Organisation in deiner Nähe mal einen Drag Workshop ausrichten?

Liebe Grüße und viel Spaß mit Drag,

Annika