Kummerkastenantwort 6150 – Ich habe Angst, mir trans Männlichkeit nur einzubilden.
Liebes Kummerkasten Team,
Ich überlege schon seit 6 Jahren, ob ich (AFAB, 23) trans männlich bin.
Doch immer wieder Zweifel ich. Ab und zu habe ich kurze Phasen (die letzte ist schon länger her), ob ich vielleicht doch nicht trans männlich bin. Ich selbst identifiziere mich mit dem männlichen Geschlecht, habe aber Angst, dass ich aufgrund von Persönlichkeitsmerkmalen, die als männlich gesehen werden, mich so identifiziere. Ich fühle mich mit dem männlichen Körper verbundener, aber es gibt Aspekte vom männlichen Körper, mit dem ich mich nicht wohlfühle. Meine Brust stört mich, ich mag das Gefühl von meiner Brust auf meinem Körper überhaupt nicht und habe manchmal das Gefühl, dass zwischen meinen Beinen etwas fehlt bzw. fühlt es sich nicht gut an, dass da unten ein weiteres „Loch“ (tut mir leid für die Ausdrucksweise, mir fällt nur kein anderes Wort ein) ist. Anderseits habe ich aber Angst, dass wenn die Brust weg ist, ich diese dann wieder vermisse. Eine flache Brust möchte ich absolut nicht, aber halt auch absolut keine weibliche Brust. Sondern eine männliche, nicht flache. Dann habe ich Angst, dass ich dann das Gefühl nicht mag wie bei der Brust, wenn der Penis den Körper berührt. Das habe ich aber auch erst, seitdem ich mich intensiver damit beschäftige (wahrscheinlich davon, dass ich auf diesen beiden Körperteilen intensiveren Fokus lege und ich diese mehr wahrnehme/fühle). Ebenfalls fühle ich mich mit zu breiten Schultern unwohl, war aber traurig und niedergeschmettert, als ich herausgefunden habe, dass meine sowieso nicht mehr wachsen, weil ich aus dem Alter raus bin.
Es ist alles einfach sehr verwirrend. Ich fühle mich wohler, wenn ich als männlich gelesen und angesprochen werde, will ohne meinen Binder nicht das Haus verlassen und dennoch habe ich Angst weiterzugehen. Bei der Uni und bei meinen Freunden bin ich geoutet. (1)
Meinen Personenstand wollte ich letztens ändern, da war ich mir dann recht sicher, bin aber nicht bei meinen Eltern geoutet und ziehe bald in eine Wohnung von ihnen ein, weswegen ich es doch noch verworfen habe. Aber ich habe Angst weiterzumachen und stecke eigentlich mehr oder weniger seit 6 Jahre fest.
Habt ihr irgendwelche Tipps für mich, damit ich nicht weiterhin auf der Stelle stehen bleibe?
LG
Hallo!
Das klingt nach einer sehr anstrengenden Situation, in der du da gerade steckst, und das auch schon ziemlich lange.
Wenn du dir nicht ganz sicher bist, kann ich gut verstehen, dass du z.B. eine Operation nicht machen möchtest – das wäre dann vermutlich auch keine gute Idee. Keine OPs zu machen bedeutet aber nicht, dass du deswegen weniger trans bist. Viele trans Personen machen manche Transitionsschritte, andere aber nicht.
Generell gehören Zweifel aber zum Trans Sein (gerade, wenn man nicht überall geoutet sein kann, oder darauf warten muss, endlich man selbst zu sein) irgendwie dazu, und sind auch überhaupt nichts schlimmes.
Für einen Mietvertrag ist der rechtliche Name übrigens irrelevant, aber für die Wohnungsgeberbescheinigung (die du brauchst, um dich beim Amt umzumelden) nicht immer. Wenn du allerdings schon umgezogen, und gemeldet bist, und dann die Vornamens- und Personenstandsänderung durchführen lässt, erfahren deine Eltern nicht automatisch von deinem neuen Namen, nur, weil sie deine Vermieter sind.
Es gibt, um mit Dysphorie im Genitalbereich zu helfen, sogenannte „Packer“. Das sind Penisse aus weichem Silikon, die du in deiner Unterhose tragen kannst. Viele trans Männer nutzen sowas, um sich besser zu fühlen. Vielleicht ist das ja auch etwas, das du mal ausprobieren kannst?
Und: man hört zwar irgendwann auf zu wachsen, aber mit Muskulatur lässt sich, was die Schulterbreite angeht, einiges verändern.
Ich wünsche dir viel Glück auf deinem weiterern Weg!
Elias

