Kummerkastenantwort 6149: Bin ich asexuell oder aromantisch und wie fängt man an zu masturbieren?

Hi,

Ich bin 17 und ein Mädchen, dass schon seit sie sich in der 2.ten Klasse für kurze Haare entschieden hat, für einen Jungen gehalten wird. Ich hab sogar eine Zeit lang als Kind gesagt ich würde lieber ein Junge sein, das denke ich jedoch seit langem nicht mehr. Ich denke ich bin glücklich eine Frau zu sein, auch mit kurzen Haaren und Verwechslungsgefahr. Was ich damit sagen will ich hab schon immer nicht der „Norm“ entsprochen. Dann kam irgendwann die Frage nach der Sexualität und ich hab mir gedacht „Ne, so lange Haare, schminken und sowas mag ich nicht“ und das war meine ganze Überlegung zu Frauen und ich hab beschlossen ich wär straight. Dann gabs eine Phase da hab ich entschieden ich müsse ja auf Frauen stehen man müsse mich ja nur mal anschauen, übertrieben gesagt. Dann hab ich irgendwann herausgefunden, dass Menschen bestimmte Dinge anziehend finden und irgendso eine sexuelle Anziehung spüren und mastrubieren. Ich dachte man sucht sich die coolste Person im Umkreis und das ist dann dein „crush“. Dann hab ich der Zeit vertraut und gedacht, das kommt schon irgendwann. Solangsam bin ich aber frustriert, vielleicht könnt ihr mir ja helfen. Ich weiß nicht auf was ich stehe, ob ich überhaupt sexuelle Anziehung fühle, oder ob und wie ich mastrubiere. Die Vorstellung mit eine*r Partner*in zsm zu sein und körperliche Nähe find ich schön. Die Vorstellung keine*n Partner*in in Zukunft und keine Kinder zu haben oder alleine zu sein find ich sehr kacke.

Was fühlt man zB bei sexueller Anziehung?

Wie fängt man an zu mastrubieren?

Warum stellt sich diese Frage sonst niemand ich habe extra gesucht?

Hat man da random lust trauf?

Was ist horny sein?

Bin ich asexuell oder aromantisch?



Ich weiß das ist bei jede*r Person anders und ich muss nichts aber das ist frustrierend



Guten Tag,

ich glaube, das sind Fragen, die sich so oder so ähnlich asexuelle und aromantische Personen schon öfter als nie stellen. Und während es oft ein schlechter Vergleich ist, der sicher nicht universell funktioinert: ich glaube, die Frage, wie man mit Selbstbefriedigung anfängt und ob man da random Lust drauf hat, kann einen Sport-Vergleich bekommen: Es gibt Leute, die ertragen einfach schlecht, wenn sie nicht wenigstens einmal am Tag für eine halbe Stunde spazieren gehen können. Die haben einfach den Bewegungsdrang dazu. Die brauchen das sehr explizit. Aber gleichzeitig sind das nicht notwendigerweise die Leute, die zweimal die Woche joggen gehen oder Sport im Verein machen. Woher wissen die jetzt, dass Spazierengehen ihr Vibe ist, aber nicht Tennis? Und ich glaube, Leute haben das ausprobiert. Nicht komplett aus dem nichts, und manche hatten auch Glück, dass das direkt gepasst hat, oder dass Spazieren gehen einfach super logisch war. Und so ähnlich ist das, denke ich, am Ende, gerade für Personen auf dem a-Spektrum auch für Sexualität und auch für alles, was mit Selbstbefriedigung zu tun hat. Wird bisschen schwieriger, das rauszufinden, wenn da grundsätzlich weniger Bedürfnis nach da ist. Aber wenn mal Neugier oder so da ist: ausprobieren, was fühlt sich gut an, was kann ich mir vorstellen und dann von da aus bisschen probieren. Gleichzeitig aber auch: niemand muss da irgendwas tun. Wenn du nicht das Gefühl hast, dass davon irgendwas besser wäre, dann mach einfach nicht.

Als Person, die selbst auf dem asexuellen Spektrum ist, bin ich natürlich nicht die beste Person, um etwas über sexuelle Anziehung zu sagen. Aber ein bisschen was hab ich dann doch: Gefühle und gerade auch Bedürfnisse ganz allgemein, also auch sowas wie Hunger, haben eine körperliche Komponente. Und irgendwann haben wir für viele Gefühle gelernt, diese körperlichen Aspekte zuzuordnen, um dann ein Wort dranzukleben. Durst, oder Hunger oder sowas. Und falls, also wirklich falls, und nicht wenn, weil es einfach Leute gibt, bei denen das gar kein Ding ist, sexuelle Anziehung mal ein Ding sein sollte bei dir, wird das vermutlich zumindest auf so einer körperlicheren unterschwelligeren Ebene da sein. Die Verbindung zu ziehen ist dann noch mal ein zweiter Schritt. Und naja, horny sein ist schlicht ein Wort aus dem Kontext, beschreibend, wenn eben dieses Bedürfnis nach Sexualität nach Nähe gerade besonders stark da ist. Und ähnlich wie – hier wieder schlechter Hunger-Vergleich – wenn du ziemlich hungrig bist, alles, was nicht essbar ist, eher egal bis anstrengend wird, wird auch nicht-sexuelles bei genug horny eher in den Hintergrund rücken. Keine universelle Erfahrung, die wir alle machen, aber ungefähr so.

Eine Sache möchte ich noch aufdröseln. In gemeinsam zu leben, Verantwortung für Kinder zu übernehmen, körperliche Nähe, ist nichts, was nur für alloromantische oder allosexuelle Personen da wäre. Es ist noch nicht mal so, dass das eine notwendigerweise mit dem anderen zu tun haben muss. Der Maßstab hier ist ein anderer: Kommst du in dieser Gesellschaft immer wieder in Momente, die nicht super logisch wirken, die dich überraschen oder überfordern, weil Leute mehr und anders als du an Sex, Sexualität und Romantik festhängen: dann liegt nahe, dass du auf einem oder beiden der jeweiligen Spektren bist.

Liebe Grüße
Xenia

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