Kummerkasten Antwort 165: Bin ich asexuell?

Hi, weiß nicht genau, wo ich anfangen soll und wie ich es erklären soll, aber ich hoffe einfach, den richtigen Begriff für das zu finden, als das ich mich fühle. Zuallererst, ich bin hetero, weiblich, 18 und Jungfrau. Ich fühle mich zu Männern hingezogen, aber nur auf romantische Weise. Bei dem Gedanken, mit einem Mann zu schlafen, fühle ich mich unwohl. Ich habe aber kein Gefühl des Enkels, sondern eher ein „Cringe-Gefühl“. Demnach müsste ich asexuell oder etwas in der Art sein. Andererseits habe ich noch keine ernsthafte Beziehung geführt und konnte noch nicht wirklich Erfahrung sammeln, also bin ich doch einfach nur verklemmt?
Außerdem fühle ich mich manchmal sexuell zu Frauen hingezogen. Ich kann mir eher vorstellen, mit einer Frau zu schlafen, als mit einem Mann, aber das würde heißen, dass ich doch nicht asexuell bin, oder? Und als bi würde ich mich auch nicht bezeichnen.
Ich bin irgendwie nicht zu 100% hetero, aber auch nicht bi oder asexuell. Vielleicht bin auch was ganz anderes? Ich weiß, dass nur ich selber sagen kann, welche Sexualität ich habe, aber ich würde gerne wissen, was andere darüber denken und an welcher Sexualität ich mich am ehesten orientieren kann. Danke, dass ihr euch die Mühe macht, sich mit solchen Fragen auseinander zu setzen (und tut mir Leid, wegen dem ganzen Text)! 🙂

LG
Issy

Hallo Issy,

Danke für deine Frage! Ich kann mir vorstellen, dass das ganz schön verwirrend für dich ist.

Wie wir hier immer schreiben: Wir können dir deine sexuelle Orientierung auch nicht sagen – das kannst nur du für dich herausfinden und benennen.

Also, zunächst: du schreibst, dass du dich zu Männern romantisch hingezogen fühlst und deine sexuelle Orientierung aber etwas anderes ist als “nur” zu Männern hingezogen sein. Das heißt wohl, dass deine romantische Orientierung etwas anderes ist als deine sexuelle Orientierung – also bist du vielleicht heteroromantisch.

Dann schreibst du, dass die Vorstellung von Sex für dich unangenehm ist. Ich kann gut verstehen, dass du überlegst, ob du asexuell bist. Die Sache ist: Asexualität ist kein schwarz/weiß-Ding, sondern ein Spektrum. Das heißt, es könnte sein, dass du auf dem a_sexellen Spektrum bist und vielleicht nur manchmal, unter bestimmten Umständen oder bei bestimmten Personen sexuelle Anziehung verspürst. Da wirst du wohl einfach ein bisschen abwarten und dich ein bisschen beobachten müssen, um das herauszufinden.

Und das heißt auch: Du kannst gleichzeitig bisexuell und auf dem asexuellen Spektrum sein – das schließt sich nicht aus.

Ich hoffe, das hilft dir weiter. Hier kannst du unter “A_sexualität als Spektrum” mehr darüber erfahren.

Alles Gute für dich!

Annika

Kummerkasten Antwort 164: Wie wichtig sind Freund*innen für ein Coming Out?

Hallo Ihr,
die nächste Spende geht an euch. Ihr macht ein super Job.

Nur eine kurze Frage:
Beziehung hin oder her, wie wichtig ist ein beständiger Freundeskreis für das eigene Coming-Out?
Ich bin der Überzeugung, dass mit einer Beziehung das eigene Outing besser und leichter fällt.

Aber ein Freundeskreis, der hinter dir steht ist doch auch sehr wichtig, oder?

Danke euch.

Hallo!

Vielen lieben Dank für dein Lob und für deine Spende!

Deine Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Eine Beziehung kann gut sein für das eigene Coming Out, sie kann es aber auch schwerer machen (z.B. wenn der*die Partner*in eine*n nicht akzeptiert).

Das gilt auch für den Freund*innenkreis. Wenn dein Freund*innenkreis dich unterstützt – super! Das kann ein Coming Out durchaus einfacher machen. Leider sind nicht alle Freund*innenkreise so bzw. nicht alle Menschen haben einen festen Freund*innenkreis.

Und: Durch ein Coming Out kann eins ja auch einen neuen Freund*innenkreis bekommen (z.B. in einer queeren Jugendgruppe).

Für viele Menschen ist es wichtig, im Coming Out Unterstützung zu haben – aber das muss nicht der*die Partner*in oder die Freund*innen sein. Das können auch Familie, Kolleg*innen, Kirchengemeinde etc. sein. Und manche Menschen brauchen diese Unterstützung nicht – das ist alles sehr individuell.

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten Antwort 163: Frage zu Biromantik

Hey,

Ich (weiblich, 20) hätte da eine Frage zu Biromantik. Ich habe mich schon immer zu Männern sexuell hingezogen gefühlt und war mir eigentlich immer sicher, heterosexuell zu sein. Do seit kurzem hinterfrage ich meine Sexualität, weil ich auch manche Frauen durchaus anziehend finden kann. Allerdings kann ich mir mit einer Frau keine sexuelle Beziehung vorstellen. Als ich diese Sache neulich bemerkt habe, habe ich mich an ein Mädchen in der 10. Klasse erinnert, bei der ich immer Herzklopfen gekriegt habe. Mein Herz hatte echt solche Probleme, wie ich es bisher bei keinem Typen je hatte. Auch eine lesbische Freundin meinte zu mir, dass sich das schon sehr nach nem Crush anhört, den ich damals einfach nicht kapiert habe, weil ich damals noch kaum über die LGBTQ+ Community Bescheid wusste.

Vielen Dank fürs Lesen von diesem langen Text 😉

Annika

Hallo Annika,

Bitte entschuldige, dass du so lange auf deine Antwort warten musstest.

Ich weiß leider nicht ganz genau, was deine Frage ist.

Du beschreibst, dass du dich zu Frauen hingezogen fühlst, Herzklopfen hattest bzw. dass du einen Crush hast, aber keine sexuelle Beziehung mit Frauen willst. Das klingt für mich aber schon danach, als könntest du biromantisch sein. Ganz genau wissen kannst das aber nur du und niemand sonst.

Schreib uns gerne nochmal, wenn du eine andere Frage hast!

Liebe Grüße und alles Gute für dich,

Annika

Lob <3

hallo, danke an euch für die informationen auf dieser homepage die mir sehr weitergeholfen hat.
gruß an alle

Vielen Dank <3 Das bedeutet uns sehr viel!

Kummerkasten Antwort 162: Frage zu trans

Hallo,
Ich habe letzten über eine Art Sexualität gelesen, wo Frauen oder Mädchen sich zum anderen Geschlecht umwandeln, dies aber nur zu 80% – 90% tun, also im unteren Intimbereich weiblich bleiben. Ich würde gerne den Namen dafür wissen.

Schöne Grüße

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Ich fürchte, du hast da einige Dinge verwechselt, zumindest, wenn ich dich richtig verstanden habe.

Es gibt Menschen, die bei ihrer Geburt weiblich zugewiesen wurden, d.h. in ihrer Geburtsurkunde steht (erstmal) “weiblich”, aber von sich selbst sagen, dass sie männlich sind. Das nennt man Transgeschlechtlichkeit und diese Personen trans Männer.  Manche trans Männer entschließen sich dazu, medizinisch zu transitionieren (das heißt: Hormontherapien, Operationen, etc. durchzuführen), manche tun dies nicht. Manche führen viele der medizinischen Maßnahmen durch, außer eine Operation ihrer Genitalien. Das hat viele Gründe, z.B. das Risiko der Operation.

Das hat aber nichts mit Sexualität zu tun, sondern etwas mit Geschlecht.

Hier kannst du dazu mehr erfahren: http://transmann.de/

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten Antwort 161: Bin ich bi-, hetero- oder homosexuell?

Ich (weiblich) fühle mich sexuell mehr zu Frauen hingezogen als zu Männern, aber ich verliebe mich nur in Männer. Ich bin jetzt ziemlich verwirrt, ob ich bi-, hetero- oder homosexuell bin.

Hallo liebe Unbekannte,

Auch für deine Frage gilt: Wir können dir nicht sagen, welche sexuelle Orientierung du hast. Wir können dir nur Vorschläge machen und dir unsere Gedanken mitteilen. Welche Begriffe am besten zu dir passen, musst du selbst wissen – und auch nur du kannst das entscheiden.

Für mich klingt es so, als seien deine romantische Orientierung (also: in wen du dich verliebst) und deine sexuelle Orientierung (also wen du sexuell anziehend findest) zwei unterschiedliche Dinge.

Wenn du also schreibst, dass du dich eher zu Frauen sexuell hingezogen fühlst, dann könntest du also lesbisch sein. Und wenn du dich nur in Männer verliebst könntest  du heteroromantisch sein.

Ich hoffe, das hilft dir.

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten Antwort 160: Ist bigender 50% männlich und 50% weiblich?

Moin Moin,

Ich habe eine kleine Frage an euch:
Ich identifiziere mich momentan als Bigender, doch ich habe mich gefragt ob man sich immer 50% weiblich und 50% männlich fühlen muss?
Ich fühle mich halt mehr männlich weshalb ich mich nicht mit dem Label Bigender an sich identifiziere sondern eher mit Transgender.
Dennoch weiß ich nicht ob ich mich mit Trans identifizieren “darf”.
Denn einige Trans*Personen, mit denen ich schrieb, sagten mir ich wäre nicht Trans da ich nicht immer dysphorisch bin und halt manchmal einverstanden bin als Frau gelesen zu werden.(deswegen verstehe ich mich momentan als Zwischenlösung mit Bigender).

Grüße an euch!
Manu

Hallo Manu,

Vielen Dank für deine Frage!

Bigender bedeutet, dass du zwei Geschlechter (bzw. Geschlechtsidentitäten) hast. Das kann “männlich” und “weiblich” sein – es können aber auch andere sein. Und es muss auch keine 50/50-Mischung sein, genauso wie es sein kann, dass die beiden Geschlechter gleichzeitig da sind oder abwechselnd.

Wenn du den Begriff bigender für dich benutzen willst: Super, mach das! Wenn du einen anderen Begriff lieber magst: Dann benutz einen anderen Begriff. Es geht um deine Identität – und nur du kannst darüber entscheiden.

Außerdem: Trans-Sein und Dysporie-Haben sind zwei unterschiedliche Sachen. Nicht alle trans Personen haben Dysphorie, deswegen kann eins auch trans sein, ohne Dysphorie zu haben. Das bedeutet: egal, ob du Dysphorie hast oder nicht (vielleicht hast du ja Euphorie?), du kannst dich trans (oder bigender) nennen – wenn du das willst.

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten Antwort 159: Bin ich trans?

Hi,
ich habe lange überlegt, wie ich meine Frage und meine Gefühle in Worte fassen soll. Ich versuche es einfach mal.
Also, ich bin Biologisch ein Mädchen, trage aber schon seit ich im Kindergarten bin Jungssachen. Früher haben viele meiner Freundinnen sich ähnlich gekleidet aber irgendwann haben alle angefangen sich die Haare wachsen zu lassen und Kleider zu tragen.
Das ist jetzt schon eine ganze Zeit her und ich habe mir vor ein paar Monaten meine Haare kurz geschnitten und fühle mich damit um einiges wohler. Ich habe früher oft überlegt, ob ich vielleicht trans bin. Ich wollte schon immer Schwul sein (das klingt so komisch).
Es gibt aber auch Tage an denen ich meine Brust nicht bewusst verstecke sondern bewusst ja nicht wirklich drauf aufmerksam mache aber schon zeige, dass si da ist. Trotzdem trage ich auch an diesen Tagen eigentlich immer Hosen und Pullover. Ich wurde schon oft für einen Jungen gehalten und fand das sehr Lustig, aber auch wenn ich als Mädchen bezeichnet werde fühle ich mich nicht dierekt unwohl.
Lange habe ich mich für meinen Körper geschämt. Inzwischen geht es, nur eine Sache ist da immer noch doll. Meine Beinhaare. Ich habe mir noch nie meine Beine rasiert, weil ich meine Beinhaare immer als ein Stück männlichkeit von mir selber bezeichnet habe. Ich würde mir auch jetzt die Beine eigentlich nicht rasieren, aber im Sportunterricht, wenn ich eine kurze Hose trage stört es mich extrem und ich habe angst, das die anderen, insbesondere die Jungs (dah ich definitiv auf Jungs stehe), mich ekelig finden. Ich weiß nie so recht, wie ich mit meinem Körper und meiner erscheinung umgehen soll und ich möchte so gern herrausfinden was ich bin. Ich finde es einfach schwer sich nicht richtig zugehörig zu fühlen und kenne auch niemanden, der in einer ähnlichen Situation ist.
Habt ihr irgendwelche Tipps, die mir vielleich auf die Sprünge helfen, oder gibt es vielleicht auch die möglichkeit sich annonüm mit welche, die ähnlich fühlen auszutauschen ?

Sorry für den langen Text^^
LG

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Danke für deine Frage – ich kann sehr gut verstehen, dass dich diese Fragen belasten und dich verwirrren. Das ist bei vielen Jugendlichen so – und du bist damit definitiv nicht alleine.

Wie wir hier immer wieder schreiben: Wir können dir nicht sagen, was dein Geschlecht ist. Das kann niemand – nur du alleine kannst das herausfinden und entscheiden, welche Begriffe am besten zu dir passen.

Aber ich glaube, dass es dir sehr gut tun würde, dich mit anderen auszutauschen.

http://www.meingeschlecht.de/ Auf dieser Webseite findest du mehr Informationen und Anlaufstellen, z.B. auch Jugendgruppen.

http://transmann.de/ und hier findest du Beratungsangebote von (anderen) trans Personen, ein Forum, viele Broschüren zum Download usw.

Ich wünsche dir alles Gute!

Liebe Grüße,

Annika

edit: Ein kleiner Nachtrag von Balthazar

Die Vorstellung, dass trans sein darüber definiert wird, wie sehr eine Person den eigenenen Körper ablehnt, ist weit verbreitet. Es ist aber auch eine sehr medizinische Vorstellung, und viele trans Menschen stellen sich inzwischen dagegen. Du kannst auch trans sein, wenn du nicht oder nicht immer deinen Körper (oder bestimmte Teile davon) verstecken willst, und du kannst auch trans sein, wenn dich Körperteile wie deine Brüste nicht oder nur manchmal stören. Ob der Begriff “trans” für dich passt, ist ganz alleine deine Entscheidung. Außerdem sind Beinhaare – unabhängig vom Geschlecht – rein gar nichts, wofür mensch sich schämen müsste. Haare an den Beinen, auf den Armen, unter den Achseln und sonstwo am Körper sind vollkommen natürlich und überhaupt nicht eklig. Du alleine darfst entscheiden, ob dir deine Beine mit oder ohne Haare besser gefallen, und niemand sonst hat ein Recht, dir da reinzureden. Es ist dein Körper und ganz allein deine Entscheidung, was du damit machst.

Liebe Grüße,

Balthazar

Kummerkasten Antwort 158: Bin ich ein Mann?

Hallo liebes Kummerkasten-Team,
ich bin m/15 und fühle mich zu Mädchen hingezogen. Jedoch kann ich mich nicht als “Mann” identifizieren. Bin ich dennoch ein “Mann”, da ich ein Penis habe und auf Frauen stehe?

LG Denis

Hallo Denis,

um es kurz zu machen: Nur weil du einen Penis hast, und/oder auf Frauen stehst macht dich das noch lange nicht zum Mann.

Dein Geschlecht ist völlig unabhängig davon, auf wen du stehst und deine Genitalien sagen nichts über dein Geschlecht aus.

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten Antwort 156: Cis und Dysphorie?

CN: Dysphorie

Hallo Queer-Lexikon Team,

mir ist vor längerer Zeit schon einmal und letztens wieder die Meinung von ein paar queeren Personen untergekommen, dass auch cis Personen geschlechtliche Dysphorie haben können. Mich würde eure Meinung dazu interessieren?
Es beschäftigt mich auch deswegen, weil ich seit einigen Monaten merke, dass nicht-binär vielleicht besser passt als das mir bei der Geburt zugewiesene Geschlecht. Aber ich bin mir nicht ganz sicher, weil ich doch recht ~feminin~ auftrete und bisher keine Probleme mit meinem ~weiblich gelesenem~ Geburtsnamen habe. Dafür habe ich (afab) Dysphorie, wenn ich mich als “zu männlich” wahrnehme. Egal ob ungeschminkt oder mit full-face auffälligem Makeup passieren. Bei weiblich assoziierten Dingen habe ich keine Dysphorie und oft frage ich mich, ob ich nicht doch weiblich bin und die Dysphorie bei männlicher Selbstwahrnehmung Ausdruck dessen ist. Ich weiß es auch nicht…
Natürlich könnt ihr mir nicht sagen, welches Geschlecht ich jetzt ~wirklich~ habe, aber mich würde eure Meinung zu cis Personen und geschlechtlicher Dysphorie interessieren. Denn von diesen beiden Malen ist mir das sonst noch nie untergekommen. Was denkt ihr dazu?

Danke schon einmal für eure Antwort!
Und allgemein vielen Dank für die großartige Arbeit, die ihr hier mit der Homepage leistet!

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Vielen Dank für deine Frage und dein Lob – und entschuldige bitte, dass du eine ganze Weile auf diese Antwort warten musstest.

Gleich vorneweg: Wir sind (genau so wie niemand sonst) keine Autorität  in Bezug auf Geschlecht und sexuelle Orientierung. Das heißt: wir können dir zwar sagen, was wir denken – aber wir haben nicht unbedingt recht bzw. unsere Meinung zählt nicht mehr als die von anderen.

Ich denke, dass es zunächst einmal keine scharfe Trennlinie zwischen cis-Sein und trans-Sein gibt – das also (wie so vieles in diesem Gebiet) manche Menschen vielleicht weder cis noch trans sind, sondern irgendwie dazwischen. Und außerdem wissen wir ja auch, dass Dysphorie nicht unbedingt etwas mit trans-Sein zu tun haben muss. Es gibt ja einige trans Personen, die keine Dysphorie verspüren. Deswegen scheint Dysphorie unabhängig davon zu sein, ob eine Person cis oder trans ist (oder eben etwas dazwischen).

Ich hoffe, das hilft dir weiter.

Alles Gute für dich!

Liebe Grüße,

Annika

edit: Ein kleiner Nachtrag von Balthazar

Dysphorie bedeutet ja einfach erstmal sowas wie ‘Leid’ oder ‘Leidensdruck’. Geschlechts-Dysphorie ist das Leid einer Person, die nicht als das Geschlecht wahrgenommen wird, das sie ist. Ich denke, das kann sowohl cis als auch trans Menschen passieren. Ich denke dabei z.B. an Frauen mit sehr tiefer Stimme, die am Telefon oft für Männer gehalten werden. Oder auch an die Erfahrungsberichte von vielen Butches, die sich nicht als Männer identifizieren, aber oft fälschlich für Männer gehalten werden. Das kann beträchtliches Leid verursachen. Vielleicht finden es manche trans Menschen schwierig, wenn dieses Leid ebenfalls als “Dysphorie” bezeichnet wird – immerhin ist “Dysphorie” eine klinische Diagnose, und viele trans Menschen finden es furchtbar, durch diese Diagnose pathologisiert zu werden, also als ‘krankhaft’ betrachtet zu werden. Da könnte es evtl. geschmacklos wirken, wenn cis Menschen, die nicht unter dieser Pathologisierung leiden, sich ebenfalls den Begriff “Dysphorie” aneignen. Aber egal, ob wir das Gefühl, als cis Person als falsches Geschlecht gelesen zu werden, Dysphorie nennen oder nicht – dieses Gefühl existiert und ist vollkommen verständlich und nachvollziehbar.

Zuletzt sei nur gesagt, dass der Zustand von Dysphorie oder nicht nichts darüber aussagt, ob du nichtbinär bist oder nicht. Es ist vollkommen okay, wenn du dich entscheiden solltest, dass das Label “nichtbinär” doch nicht mehr passt. Es ist auch genauso okay, dich weiter als nichtbinär zu bezeichnen, auch wenn du keine Dysphorie erlebst, wenn dich irgendwer als weiblich wahrnimmt. Du kannst nichtbinär und/oder trans ohne Dysphorie sein, oder cis sein und dich dysphorisch/unwohl fühlen, wenn du falsch gelesen wirst. Dein Leben, dein Label, deine Entscheidung.

Alles Gute und liebe Grüße,

Balthazar