Kummerkastenantwort 142: Bin ich abrosexuell?

Hey, ich bin sehr verwirrt.
Schon vor einer Weile habe ich über Genderfluidität und Absosexualität gelesen, und mir meine Gedanken zu machen begonnen.
Ich bin schon weiblich. Aber manchmal hätte ich auch nichts dagegen, ein Kerl zu sein. (Auf meiner Abschlussfeier trug ich einen Frack und war schicker als alle Jungs in ihren Anzügen.)
Und Abrosexualität – nun, ich bin ein Teenager. Und mein Problem: Ist das alles nur die Pubertät und das Coming In, dass ich oft durcheinander bin und mich manchmal ohne Probleme als lesbisch sehe und manchmal nicht, oder ist das mehr? Ich weiß, es ist nicht möglich, mir zu sagen, wer ich bin – aber vielleicht habt ihr ja eine Idee, wie ich mir darüber klar werden kann?
Eure Hanni

Hallo Hanni,

Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass du verwirrt und gestresst bist. Das geht sehr vielen Teenagern so während ihres Coming Outs – du bist damit absolut nicht alleine.

Zu deiner Frage zu Abrosexualität und Genderfluid: Zunächst einmal sind dein Geschlecht und deine sexuelle Orientierung zwei verschiedene Dinge. Du kannst also sowohl genderfluid und abrosexuell sein – oder jedes andere Geschlecht oder andere sexuelle Orientierung haben. Welche das sind, können wir dir nicht sagen; das kann niemand. Nur du selbst kannst das wissen.

Du musst das auch nicht jetzt sofort wissen, es ist okay, dass das eine Weile dauert. Und es ist auch okay, wenn du irgendwann feststellst, dass eine anderen Bezeichnung für dich besser passt.

Ich wünsche dir alles Gute!

Annika

Kummerkasten Antwort 141: Bin ich polyam?

Hallo ihr lieben. 🙂
Ich habe für mich selbst festgestellt, dass ich wohl irgendwo auf dem Asexuellen-Spektrum bin und denke mir, dass ich einer_m potenziellen Partner_in wohl nicht alles geben kann, was er_sie sich wünscht. Deswegen denke ich mir, dass meine Partner_innen doch gerne das, was sie nicht von mir bekommen woanders herholen dürfen. Ich selbst wäre also offen für offene Beziehungen o.ä. würde selber aber wohl nicht mit mehr als einer Person sexuell oder romantisch werden.
Macht mich das polyam? Oder bin ich dadurch nur offen für eine Beziehung zu polyam-Leuten?

Was denkt ihr.
Vielen Dank schon Mal für die Antwort 🙂

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Zunächst einmal: Es muss nicht unbedingt sein, dass du einer*einem potentiellen Partner*in “nicht alles geben” kannst, was er*sie sich wünscht oder braucht. Es könnte ja auch sein, dass du mit einer anderen a_sexuellen Person zusammen kommst oder einer Person, die Sex nicht will oder braucht.

Dass du dir Gedanken machst, wie du eine potentielle Beziehung gestalten möchtest, ist super – letztendlich sind aber solche Vereinbahrungen immer sehr individuell – es kommt ja auch darauf an, was dein*e zukünftige*r Partner*in möchte.

Nun zu deiner Frage: Polyam bedeutet, dass du dich in mehr als eine Person auf einmal verlieben kannst und/oder dass du romantische Bezieungen mit mehr als einer Person führen möchtest. Diese Aspekte höre ich in deiner Frage aber nicht heraus – sondern eher, dass du dir eine offene Beziehung vorstellen kannst. Diese offene Beziehung muss aber nicht mit einer polyamurösen Person sein – auch monoamuröse Menschen führen manchmal offene Beziehungen.

Alles Gute für dich!

Annika

Kummerkasten Antwort 140: Kann ich als (trans) Junge Röcke tragen?

Hallo!
Ich hab da mal eine etwas komplizierte Frage:
Und zwar bin als Mädchen zur Welt gekommen,dennoch fühle ich mich als Junge.
Viele sagten mir, dass ich dann meinen Kleidungsstil ändern müsste, da es mehr Mädchen tragen als Jungs.
Ich trage Kleidung im Bereich Gothic, Menhera Kai und Harajuku (trage also viel Pastel und Röcke aber auch viel schwarz und eher mehr Hosen)
Ich selber denke zwar nicht, dass Kleidung und Geschlechtsindentität miteinander zusammenhängen dennoch würde ich gerne eure Meinung hören ^^

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Vielen Dank für deine Frage, die ausnahmsweise einfach zu beantworten ist. Du hast absolut recht: Ob du ein Junge, ein Mädchen, ein nicht-binärer Mensch etc. bist hat nichts damit zu tun, welche Klamotten du anziehen kannst.

Jungs können Röcke tragen, Pastellfarben mögen, Nagellack tragen usw.

Alles Gute für dich!

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten Antwort 139: Welches Geschlecht habe ich?

Hallo,
Es mag vielleicht komisch klingen, dennoch versuche ich meine Situation so gut es geht zu erklären.
Ich hinterfrage mein soziales Geschlecht schon seit 5 Jahren.
(Ich bin 17)
Ich war schon immer die Art von Person, die sich gerne anders gekleidet hat und als ich 12 wurde, habe ich auch aufgehört alles klassisch “weibliche” zu mögen.
Ich hasste die Farbe Pink, Röcke und Kleider anziehen und geschminkt habe ich mich auch nie.
In der Zeit fing es damit an, dass ich mich zwischenzeitlich unwohl fühlte, wenn ich mich im Spiegel betrachtete.
Wenn meine Mutter mich beim Namen rief, krampfte mein ganzer Körper.
Damals begriff ich nicht wirklich, was das heißen sollte.
Aber je älter ich wurde, desto “schlimmer” wurde dieses Unwohlsein.
Ich fing langsam an, mich öfters als Junge vorzustellen.
Meine Brust abbinden tat ich dann auch.
Der Gedanke an eine flache Brust, kurzen Haaren und einem anderen Namen gefiel mir.
Doch so wie damals, verschwindet es dann wieder und ich fühle mich wieder einigermaßen okay in meiner weiblichen Haut.
Nun bin ich mit meinem Latein am Ende und ich weiß nicht welches Geschlecht ich nun habe.
Natürlich habe ich viel informiert und etliche Lexikas über Geschlechtsidentitäten durchgelesen, dennoch komme ich zu keiner Antwort.
Die Leute in verschiedenen Portalen rieten mir, mir damit Zeit zu lassen, doch es kratzt extrem an meiner Psyche.
Ich bin schon von klein auf schwer psychisch vorbelastet und dementsprechend waren diese Aussagen mehr als kontraproduktiv.
Ich hoffe ihr könnt mir helfen^^”
^///^
Liebe Grüße!

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Sorry, dass du auf diese Antwort warten musstest, wir haben eine kleine und notwendige Sommerpause gemacht und werden auch all die anderen eingegangenen Fragen so schnell wie möglich beantworten.

Ich kann gut verstehen, dass dich diese Situation stresst und belastet. Gleichzeitig weißt du sicher auch, dass niemand dir sagen kann, welches Geschlecht du hast. Das kannst nur du alleine wissen.

Ich möchte dir aber folgendes mit auf den Weg geben: Du bist gut, so wie du bist. Und selbst wenn sich irgendwann in der Zukunft herausstellt, dass du doch ein anderes Geschlecht hast als du davor dachtest, ist das okay. Du musst nicht jetzt alles für deine ganze Zukunft wissen.

Deiner Beschreibung nach klingt es so, als wärst du vielleicht genderfluid oder als hättest du manchmal Dysphorie und manchmal nicht.

Du kannst dir ja auch ein bisschen die Fragen stellen mit welchen Begriffen du dich wohlfühlst und mit welchen nicht und dir vielleicht auch in einer trans Beratung Unterstützung holen.

Manchmal braucht eben ein Coming Out Prozess leider Zeit – und manchmal eben mehrere Jahre :/

Ich wünsche dir alles Gute!

Annika

Kummerkasten Antwort 138 – Unterschied zwischen Geschlecht und Rolle?

Hallo
ich machs mal kurz: also ein Freund hat sich vor ein paar wochen geoutet, dass er transgender ist, hat unter anderem diese seite empfohlen und ich find sie auch sehr informativ.
ich versteh nur den Unterschied zwischen Geschlechtsidentität und sich mit dem Geschlechtsrollenbild identifizieren nicht.
Ich mein ich bin auch ein mann, passe aber überhaupt nicht in das mainstreamrollenbild das so allgemein vorherrscht. aber ich identifizier mich halt trotzdem als mann und da will mir der unterschied einfach nicht in den kopf.

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Danke für deine sehr interessante Frage!

Also: Die Geschlechtsidentität beschreibt, ob eine Person ein Mann, eine Frau, eine nicht-binäre Person etc. ist – und zwar selbstbestimmt. Das heißt: Es ist völlig unabhängig davon, welche Genitalien eine Person hat.

Geschlechterrollen sind gesellschaftliche Erwartungen an Menschen eines spezifischen Geschlechts. Von Männern wird z.B. erwartet, dass sie stark sind, nicht weinen, Muskeln haben, dominant sind etc. Von Frauen wird erwartet, dass sie gerne Kinder haben wollen, romantisch sind, auf ihre Figur achten, pink mögen etc.

Es ist ja aber trotzdem möglich, eine Frau zu sein, auch wenn man keine Kinder will, Romantik nichts abgewinnen kann, keine Lust auf Diäten hat und als Lieblingsfarbe grün hat. Das macht eine Frau nicht weniger zu einer Frau.

Das bedeutet: Man kann eine Frau sein, ohne den gesellschaftlichen Klischees und Erwartungen zu entsprechen – einfach, weil eine Person selbst sagt “Ich bin eine Frau”.

So wie du das schilderst, ist das bei dir ja ähnlich. Völlig egal, ob du irgendeinem Klischeebild von Männlichkeit entsprichst, du bist ein Mann, weil du sagst, dass du einer bist.

Ich hoffe, das hilft dir weiter.

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten Antwort 137 – sexuelle Anziehung ist kompliziert

Hallo lieber Kummerkasten,
Ich denke, dass ich bin sexpositiv und mag Sex, allerdings fällt es mir schwer zu beschreiben, was für mich “”sexy” oder “sexuell attraktiv” ist. Ob ich mit jemandem Sex habe hängt bei mir eher vom Vertrauen und romantischer und ästhetischer Anziehung zusammen.

Es ist komisch, mich dabei “asexuell” zu nennen, weil der Begriff “sexuelle Anziehung” so unterschiedlich beschrieben wird.

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Sexuelle Anziehung ist ein kompliziertes Thema – vor allem, weil (wie du ja auch schon sagst) es keine feste Definition davon gibt bzw. weil Menschen das ganz unterschiedlich definieren.

Ich kann allerdings leider aus deinem Beitrag nicht wirklich eine Frage herauslesen, die ich beantworten könnte.

Trotzdem: Wenn du findest, dass “asexuell” der richtige Begriff für dich ist, dann benutz ihn. Wenn du das nicht findest, benutze ihn nicht.

Alles Gute für dich!

Annika

Kummerkasten Antwort 136 – Lesbisch oder pansexuell?

Hallo,
Ich bin derzeit sehr verwirrt, ob ich nicht vielleicht pansexuell bin. Wissen Sie, als ich mich in ein Mädchen verliebt habe, dachte ich zuerst, ich sei bisexuell und dann lesbisch. Und an manchen Tagen ist das auch okay, sich so zu fühlen und Jungs nichts abgewinnen zu können und so. Aber an manchen eben nicht. Und darum wundere ich mich jetzt, ob ich nicht vielleicht doch pansexuell bin und das aus irgendeinem Grund nicht akzeptieren kann. (Das Mädchen hat mich übrigens abgewiesen und ich bin einigermaßen drüber hinweg)
Für meine Familie wäre überhaupt keine Sexualität ein Problem, daran liegt es also nicht (Erst gestern hab ich mit meiner Mutter im Supermarkt gesprochen und dann meinte sie, dass ich doch bestimmt irgendwann eine Beziehung eingehen will und dann meinte ich, dass „sie oder er oder was auch immer“ mich dann so akzeptieren müsse, wie ich bin. Das „er oder was auch immer“ fügte ich hinzu, weil ich mir eben nicht sicher bin, ob ich lesbisch bin)
Vielen Dank für diese coole Website, mit freundlichen
Grüßen,
H

Hallo H.,

Vielen Dank für deine Frage – ich kann mir gut vorstellen, dass das für dich verwirrend und schwierig ist. Es klingt doch aber schonmal gut, dass deine Familie dich so akzeptiert.

Ich kann dir natürlich nicht sagen, welche sexuelle Orientierung du hast – das kann niemand. Nur du kannst wissen, welcher Begriff für deine sexuelle Orientierung der beste ist.

Es kann natürlich sein, dass du pansexuell bist und Schwierigkeiten hast, dich damit zu identifizieren – das muss aber nicht sein. Insgesamt: Gib dir ein bisschen Zeit, um das herauszufinden. Es ist okay, wenn du nicht weißt, welcher Begriff für dich am Besten ist und es ist auch okay, wenn du den Begriff für deine sexuelle Orientierung änderst.

Ein paar Fragen, die du dir stellen kannst:

  • Wie fühlt es sich für dich an, als lesbisch, bisexuell bzw. pansexuell bezeichnet zu werden?
  • Wie fühlt es sich an, wenn du dich selber so bezeichnest?

Alles Gute für dich!

Annika

Kummerkasten Antwort 135 – Ist ‘schwul reden’ beleidigend?

Hallo Leute,
ich hab mal eine Frage an euch, ist es beleidigend wenn man zum Spaß so Klischeemäßig schwul redet ? Also so ähnlich wie in dem Film Traumschiff Surprise. Zu mir selbst, ich würde mich selber in die Kategorie Bisexuell zählen, wenn das einen Unterschied macht.

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Das ist eine wirklich gute Frage – und es gibt darauf leider keine eindeutige Antwort. Ich habe mal ein paar schwule Männer aus meinem Freund*innenkreis gefragt, und werde jetzt deren Meinung hier hin schreiben – aber andere schwule Männer sehen das vielleicht auch anders.

Grundsätzlich kommt es darauf an, wer warum klischeemäßig “schwul” spricht. Wenn es z.B. gemacht wird, um sich über eine schwule Person lustig zu machen, um eine Person nachzuäffen, eine Person zu beleidigen etc. dann ist es nicht ok, verletzend und diskriminierend – und das ganz besonders, wenn es von Menschen kommt, die nicht schwul sind.

Wenn eine schwule Person klischeemäßig “schwul” spricht ist das etwas anderes.

D.h.: Bullys Traumschiff Surprise ist damit nicht ok – wenn eine schwule Person das macht, schon eher.

Ich hoffe, das hilft dir weiter.

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkastenantwort 134 – Wie funktioniert Namensänderung?

ich wollte fragen wie das ist mit dem Personalausweis und deren Änderung z.b mein Mädchennamen (Jasmin) in den Namen den ich mir ausgesucht habe ändern zu lassen in den Jungs Namen (ciel) weil ich habe im Internet gelesen das man das nicht ändern kann wenn keine Geschlechtsumwandlung vorliegt was bei mir aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist und nie sein wird und ich weis nicht ob man das dann trotzdem ändern lassen kann

Hallo Ciel,

du hast leider recht damit, dass es in Deutschland (ich gehe davon aus, dass du in Deutschland lebst, bitte korrigiere mich, wenn du wo anders lebst) eher schwierig ist, den eigenen Namen zu ändern.

Wer über das TSG, das sogenannte Transsexuellengesetz, seinen Namen im Personalausweis ändern möchte, muss dies in einem Gerichtsverfahren beantragen. Voraussetzung dafür ist, dass eine Person “seit mindestens drei Jahren unter dem Zwang steht, ihren Vorstellungen [also im jeweiligen Geschlecht] entsprechend zu leben” und angenommen werden kann, dass das auch so bleibt. Geprüft wird das durch zwei vom Gericht beauftragte Gutachter*innen. Offiziell gehört eine geschlechtsangleichende Operation dabei nicht mehr zwangsläufig zu den Kriterien, aber je nach Gutachter*innen kann es gut sein, dass ohne so eine OP kein trans sein attestiert wird und das Gutachten nicht ausgestellt wird. Insgesamt berichten viele trans Menschen davon, dass diese Gutachten extrem unangenehm sind, weil dort extrem genau körperlich untersucht wird und/oder intime Fragen zu den Genitalien, zum Sexleben, zur Psyche etc. gestellt werden. Als wäre das alles noch nicht schlimm genug, ist dieses Gerichtsverfahren zudem noch enorm teuer. Das soll dich nicht entmutigen, es ist nur eine Warnung, dass es ein schwerer Weg sein kann, auf den du dich gut emotional vorbereiten solltest.

Seit Dezember letzten Jahres gibt es allerdings noch eine weitere Option, die du versuchen könntest – sie ist wesentlich weniger aufwändig und teuer, aber immer noch etwas kompliziert. Es geht dabei um ein Schlupfloch im Gesetz zum dritten Geschlechtseintrag: Dadurch war es schon vielen Menschen möglich, eine Namens- und Personenstandsänderung zu bekommen, mit nur einem Brief von einem*einer Ärzt*in. In dem Brief muss stehen, dass bei dir eine “Variante der Geschlechtsentwicklung” vorliegt, damit musst du dann zu deinem zuständigen Standesamt gehen, wo du deinen Namen und deinen Geschlechtseintrag ändern lassen kannst für nur eine geringe Bearbeitungsgebühr. Offiziell ist das nur für intergeschlechtliche Personen gedacht, aber da das Gesetz nicht genau sagt, was unter “Variante der Geschlechtsentwicklung” zu verstehen ist, haben auch schon viele trans Menschen damit erfolgreich ihren Namen und Geschlechtseintrag geändert.

Falls dir das momentan alles nicht möglich ist, gibt es immer noch die Möglichkeit, einen Ergänzungsausweis bei der dgti (Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität) zu beantragen. Den kannst du ganz einfach mit deinem gewünschten Namen und Geschlechtseintrag beantragen und fast überall als gültiges Ausweisdokument verwenden. Der Ergänzungsausweis ist vom Bundesinnenministerium anerkannt und kann auch in Kontrollen und zur Namensänderung bei Institutionen (wie z.B. Universitäten, Versicherungen, etc.) verwendet werden. Hier erfährst du alles darüber und kannst ihn beantragen: https://dgti.org/ergaenzungsausweis.html

Auch ohne rechtliche Namensänderung kannst du fast überall einfach deinen gewählten Namen verwenden – das ist jetzt dein Name, wenn du es so willst, und es geht nur wenige Menschen etwas an, ob das auch wirklich so in deinem Pass steht oder nicht. In der Schule, der Universität, der Ausbildungsstelle, dem Arbeitsplatz, in Sportvereinen und Gruppen und überall in deiner Freizeit kannst du überall das Recht einfordern, so genannt zu werden, wie du es möchtest, auch wenn es (noch) nicht so in deinem Ausweis steht. Du verdienst in jedem Fall Respekt, die richtige Anrede, und dass du dich wohl fühlst.

Ich hoffe, du findest eine gute Lösung und ich drücke dir alle Daumen.
Liebe Grüße, Balthazar

Kummerkasten Antwort 133 – demisexuell und lithromantisch?

Hallo Kummerkasten.

Ich bin W/16 und komplett verwirrt was meine sexuelle und romantische Veranlagung angeht.

Vor knapp 3 Monaten, nach einem Besuch der Pride Parade, habe ich meine Sexualität zum ersten Mal in Frage gestellt. Ich kam zu dem Schluss dass ich asexuell bin aber mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher dass ich das nicht bin, denn ich kann Lust verspüren. Ich möchte jedoch nur Sex haben wenn ich in einer Beziehung bin und dem Anderen vertraue.

Das Problem bei der Sache ist, dass ich sobald ich in eine Beziehung komme jedes Mal sobald es etwas ernster werden sollte das Interesse an der anderen Person verliere, mich unwohl fühle und die Beziehung beende.

Als ich mich gegenüber der Cousine meines Vertrauens, die mehr eine Schwester als eine Cousine für mich ist, als asexuell geoutet habe, haben wir etwas über das Thema gesprochen und ich habe ihr erzählt wie ich mich genau fühle. Nachdem ich ihr mein Herz ausgeschüttet habe fragte sie mich “*Name*, denkst du wirklich dass du asexuell bist? Oder kann es sein dass du dich einfach nich an Menschen binden willst?” Ich hab zu weinen begonnen weil ich ihr einfach zustimmen musste, ich hatte schon immer Probleme mich an Menschen zu binden was die ganze Sache extrem schwer und unbehaglich macht.

Ich persönlich denke dass ich Demisexuell bin aber ich kann keine Bindungen eingehen… ich dachte mir dass ich vielleicht lithromantisch bin aber das trifft auch nicht 100% auf mich zu denn ich mag es wenn meine Gefühle erwidert werden aber ich verliere halt kurz darauf das Interesse. Gibt es einen passenderen Begriff für mich und meine Sexualität/ romantische Orientierung?

Danke dass ihr euch Zeit für mich nehmt♡

Hallo liebe Unbekannte,

es ist vollkommen verständlich, dass du verwirrt bist von deiner Situation. Es ist ohnehin für die meisten Menschen schon schwierig, ihre eigene Orientierung kennenzulernen und zu verstehen, und es wird nur noch komplizierter, wenn die romantische und die sexuelle Orientierung auseinandergehen und sogar widersprüchlich zu sein scheinen.

Nach allem, was du beschreibst, passt das Label “demisexuell” tatsächlich sehr gut zu dir. “Lust verspüren” ist nicht unbedingt das gleiche wie allosexuell (also nicht-asexuell) zu sein. Asexuell zu sein bedeutet ja erstmal nur, keine sexuelle Anziehung gegenüber anderen Menschen zu empfinden, und Menschen auf dem a_sexuellen Spektrum empfinden sexuelle Anziehung nur selten, nur wenig oder nur unter bestimmten Umständen. Du schreibst, dass du nur Sex haben möchtest, wenn du in einer Beziehung ein gewisses Vertrauen aufgebaut hast. Wer nur in einer engen Beziehung oder nach einer engen emotionalen Bindung sexuelle Anziehung verspürt, ist demisexuell.

Auch lithromantisch kann als Begriff auf dich zutreffen, wenn du das möchtest. Lithromantisch sein bedeutet zwar in erster Linie, romantische Anziehung zu verspüren, aber keine Erwiderung zu wollen, aber es kann auch bedeuten, romantische Anziehung zu verspüren, die dann irgendwann verschwindet, wenn sie erwidert wird. Du musst dieses Wort nicht verwenden, wenn du dich damit nicht wohl fühlst – ich möchte nur darauf hinweisen, dass du auch ein Label benutzen darfst, wenn es vielleicht statt 100% nur 80% passt oder so – oder wenn du die Definition für dich ein bisschen änderst, dass es passt. Es bedeutet für verschiedene Leute ja auch ganz unterschiedliche Dinge, z.B. heteroromantisch zu sein, darum können auch Begriffe wie lithromantisch verschiedene Definitionen für verschiedene Menschen haben. Wichtig ist vor allem, dass du dich wohl fühlst damit.

Vielleicht lohnt es sich auch für dich, einmal genauer zu überlegen, was der Grund dafür ist, dass du dich in Beziehungen schnell unwohl fühlst. Es gibt in unserer Gesellschaft sehr normative Vorstellungen, wie eine Beziehung auszusehen hat, wie schnell sie sich entwickelt, wohin sie sich bewegt, aber die passen nicht unbedingt für alle Menschen. Du schreibst, dass du das Interesse verlierst, sobald es “ernster” wird – vielleicht kannst du ja herausfinden, was genau dich daran unwohl fühlen lässt: Vielleicht das Tempo, in dem sich die Beziehung entwickelt, vielleicht die Richtung, vielleicht gefallen dir nur manche Aspekte einer romantischen Beziehung, aber du möchtest andere vielleicht lieber nicht haben, vielleicht hast du das Gefühl, dass Dinge gegen deinen Willen passieren oder vielleicht fehlt dir das Vertrauen, nach Dingen zu fragen, die dir wichtig sind. Es gibt viele (queere) Beziehungskonzepte, die nicht den normativen Regeln von einer gesellschaftlich akzeptierten normativen Beziehung (also kennen lernen, küssen, Sex, offiziell ein Paar sein, irgendwann zusammenziehen und im Idealfall heiraten und Kinder kriegen) folgen – und diese vielen anderen Beziehungskonzepte haben eins gemeinsam: Kommunikation. Wenn du dich in einer Beziehung nicht wohl fühlst, dann kannst du vielleicht mit deinem*deiner Partner*in darüber reden, damit ihr gemeinsam herausfinden könnt, was gerade nicht gut läuft und was ihr besser machen könnt. Und wenn das z.B. bedeutet, dass zu der Beziehung kein Küssen gehört, oder dass ihr weniger Zeit miteinander verbringt, oder andere Dinge, die “nicht normal” wirken, dann ist das voll okay – wichtig ist, dass die Beziehung für dich und für euch passt und sich gut und richtig anfühlt.

Falls aber (romantische) Beziehungen wirklich einfach nichts für dich sein sollten, dann ist das auch okay. Zum Glücklich sein und für ein gutes Leben braucht es keine romantischen Beziehungen und auch keinen Sex. Du wirst auf jeden Fall deinen Weg finden – ob alleine, mit Freund*innen, Familie (verwandt oder gefunden), in anderen Beziehungsformen (z.B. einer queerplatonischen Beziehung) oder ganz anders. Und egal, welcher Weg es sein wird, ich wünsche dir alles Gute dafür.

Viele liebe Grüße,
Balthazar