Kummerkastenantwort 69 – Warum ist Coming Out nötig?

Liebes Queer-Lexikon-Team, ich habe mir die Frage gestellt, warum man sich als LGBTQ+ Person überhaupt Outen muss. Sollte die Gesellschaft nicht schon so weit sein, dass man einfach lieben kann wie man will?
Ich verstehe nicht, warum man in der Öffentlichkeit seine Sexualität verkünden muss. Bei der Geschlechtsidentität ist das ja etwas anderes, da müssen es ja alle wissen. Aber ein Hetero-Mensch muss sich ja auch nicht outen, warum müssen das dann Homosexuelle?

Ich höre immer wieder Geschichten, das Leute zum Beispiel in der Schule gemobbt werden, weil sie sich als Lesbisch geoutet haben.
Das muss doch theoretisch nicht sein. Es müsste der Gesellschaft doch egal sein, ob du jetzt auf Männer oder Frauen oder was anderes stehst. Man ist ja einfach ein Mensch, genauso wie vor dem Outing.

Ich hoffe ihr könnt mir folgen, ich glaube mein Text ist etwas verwirrend. Trotzdem schonmal Danke für die Antwort
M.

Hallo M.,

Das ist eine gute Frage, mit der wir uns hier auch schon beschäftigt haben. Wir haben dazu auch schon eine Folge unseres Podcasts Buchstabensuppe gemacht, die du dir gerne anschauen kannst. Außerdem habe ich letzte Woche eine Quickies-Episode dazu gemacht.

Wie du schon schreibst, ist es eben noch nicht anerkannt, dass eine Person nicht heterosexuell ist – z.B. weil Menschen, wenn sie sich outen, gemobbt werden oder Gewalt erfahren. Die Frage ist nun – wie soll sich das jemals ändern, wenn nicht ganz viele Menschen sich outen und zeigen, dass es normal ist, nicht heterosexuell zu sein?

Außerdem schreibst du, dass heterosexuelle Menschen sich nicht outen – das stimmt zwar insofern, dass heterosexuelle Menschen nicht sagen “Du, ich muss dir was erzählen, ich bin übrigens hetero … ich hoffe, du akzeptierst mich trotzdem noch”. Dass eine Person heterosexuell ist erfahren wir aber doch meistens, z.B. weil sie von einem*einer andersgeschlechtlichen Partner*in erzählen (“Mein Mann und ich”, “Meine feste Freudin…”). In gewisser Weise ist das auch ein Coming Out und heterosexuelle Menschen outen sich so auch ständig in der Öffentlichkeit – nur dass sie keine Gewalt und Mobbing befürchten müssen.

Das Coming Out ermöglicht es auch, sich mit anderen nicht-heterosexuellen Menschen austauschen zu können. Wenn niemand anderes erzählt, dass er*sie bisexuell ist, ist es auch nicht möglich, gemeinsam über Diskriminierungserfahrungen zu sprechen und die Welt für bisexuelle Menschen besser zu machen. Es geht also auch darum, dass nicht-heterosexuelle Orientierungen nur so Sichtbarkeit bekommen können.

Und ein letzer Punkt: Es ist nichts Schlimmes, nicht heterosexuell zu sein. Es ist nicht eklig, nicht ansteckend, nicht böse, nicht verboten, nicht schädlich – und deswegen kann x auch einfach stolz und fröhlich sein, nicht heterosexuell zu sein.

Ich hoffe, das war eine verständliche Erklärung. Wichtig ist: Wenn eine Person sich nicht outen möchte, ist das auch total in Ordnung.

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten Antwort 68 – Was bedeutet “Zwitter”?

Hey,

ich verfolge den Kummerkasten aktiv und habe eine Frage zum letzten Eintrag. Dort viel das Wort “Zwitter”, zwar hab ich dies schon öfters gehört wusste aber nie genau was es bedeutet.
Liebe Grüße J

Hallo J.,

Vielen Dank für deine Frage! “Zwitter” ist ein veralteter und teilweise beleidigender Begriff für intergeschlechtliche Menschen. Eigentlich beschreibt er Tiere und Pflanzen, die intergeschlechtlich sind.

Du kannst dazu mehr in unserer Folge zu Intergeschlechtlichkeit erfahren.

Außerdem gibt es eine tolle Broschüre von TransInterQueer, in der du schmökern kannst.

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten Antwort 67 – enby liebt afabs, Begriff?

Hey,
ich identifiziere mich als non-binary. Ich bin auf der Suche nach einem Begriff, der meine sexuelle Orientierung wiederspiegelt. Ich fühle mich zu Menschen hingezogen, die als biologisch weibliche Person geboren wurden. Dementsprechend eine Vagina haben. Ob diese Person sich als nicht binär oder cis identifiziert spielt für mich keine Rolle. Ich fühle mich jedoch nicht zu Transmännern oder -frauen hingezogen oder zu nicht binären Personen, deren Geschlecht (sex, nicht gender) männlich ist. Daher passt für mich der Begriff pansexuell nicht. Lesbisch jedoch auf Grund meiner Identifikation als non-binary nicht, und weil es andere enbys ausschließt…
Gibt es ein Label das für mich infrage käme?

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

Deine Frage ist ein bisschen problematisch, unter anderem, weil du nichtbinäre Personen, die bei ihrer Geburt männlich zugewiesen wurden, als männlich bezeichnest.

Ich möchte dir die Frage mit auf den Weg geben, ob du wirklich immer wissen kannst, welche Genitalien und welchen Geschlechtseintrag Menschen haben, die du sexy findest – und ob das nicht vielleicht doch trans Frauen, nichtbinäre Personen die männlich zugewiesen wurden etc. sein können? Außerdem gibt es auch cis Frauen, die keine Vagina haben, weil sie intergeschlechtlich sind, d.h. vermutlich ist das alles etwas komplizierter, als du es aktuell glaubst.

Zu deiner Begriffsfrage: Es gibt durchaus nicht-binäre Menschen, die sich als lesbisch identifizieren, z.B. weil sie sich zu Weiblichkeit hingezogen fühlen. Wenn du das nicht möchtest, ist das aber auch okay. Ansonsten gibt es den Begriff “gynosexuell”, der Menschen beschreibt, die sich zu Frauen und/oder Weiblichkeit hingezogen fühlen, aber keine Aussage über das eigene Geschlecht macht. Eine weitere Möglichkeit wäre “bisexuell”, weil du (wenn ich das richtig verstehe) auf Frauen und nicht-binäre Menschen stehst.

Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen.

Alles Gute für dich!

Annika

Kummerkasten Antwort 66 – Wie finde ich meine Geschlechtsidentität heraus? Wie kann ich mit übergriffigen und verletzenden Sprüchen umgehen?

Hallo,

ich hab keine Ahnung, ob ich hier richtig bin, aber ich weiß nicht, wohin ich mich sonst wenden kann. :-/

Ich bin biologisch gesehen ein Mädchen (jetzt 21 Jahre alt), aber ich wollte schon im Kindergarten lieber ein Junge sein. Ich wollte mich so verhalten wie ein Junge und auch so aussehen. Von meiner Familie und meinen Mitschülern habe ich deswegen viel Ablehnung/Kritik/Spott erhalten. In der Unterstufe haben mich die anderen Kinder “Zwitter” genannt. Sie haben das als Beleidigung gemeint, trotzdem frage ich mich immer häufiger, ob sie nicht vielleicht recht hatten.
Als ich noch jünger war, wurde ich sehr oft für einen Jungen gehalten und hab mich jedes Mal gefreut, wenn mich jemand “er” genannt hat. Dann bekam ich Brüste und hatte (weil meine Eltern das schön fanden) lange Haare und das war erst mal vorbei. Seit ich mir letztes Jahr die Haare abgeschnitten habe, werde ich auf der Straße wieder häufig als “Herr” angesprochen.

Ich habe ein massives Problem mit meinem Busen und frage mich jedes Mal, wenn ich vorm Spiegel stehe, wer sich diesen Mist ausgedacht hat. Allerdings will ich auch keinen Penis. Ich hasse meinen Busen, aber ich weiß nicht, ob ich ihn “genug” hasse um dafür eine OP auf mich zu nehmen. Ich werde auch nicht gerne als “Frau” angeredet (und oft zweifle ich auch an meinem weiblichen Vornamen). Allerdings käme es mir auch komisch vor, den Rest meines Lebens als “Herr” angesprochen zu werden (und ob ich gerne einen männlichen Vornamen hätte, weiß ich auch nicht).

Dadurch, dass meine Figur offensichtlich “weiblich” ist und mein Kleidungsstil inklusive Frisur und Verhalten eher “männlich”, wirke ich auf mein Umfeld sehr irritierend. Und werde leider nach wie vor extrem oft auf der Straße angepöbelt. Meistens von irgendwelchen Jugendlichen und mit dem Standardsatz: “Bist du Junge oder Mädchen oder was?” Meistens zucke ich dann zusammen und fühle mich scheiße. Vor allem, weil sie ja irgendwie recht haben und ich selber nicht weiß, wer oder was ich eigentlich bin.

Ich hab im Internet nach Tests zu dem Thema gesucht, aber nichts gefunden. Habt ihr vielleicht einen Rat, wie ich rauskriegen kann, was meine Geschlechtsidentität bzw. Gender ist? (Asexuell bin ich auf jeden Fall) Und irgendeinen Tipp, was ich tun kann, um die ganzen dummen Sprüche besser zu ertragen?

Viele Grüße und Danke,
L

Hallo L,
unsere Fragenbox ist genau für Fragen wie deine da.

Ich lese ziemlich oft, dass du Dinge nicht weißt, also, ob du einen anderen Vornamen nutzen magst, ob du dir etwas bis zum Ende deines Lebens vorstellen kannst, … da möchte ich dir mitgeben, dass es völlig in Ordnung ist, gerade auch sowas nicht zu wissen, sich damit unsicher zu sein und auch kein (festes) Label dafür zu haben oder zu finden. Und: es gibt immer Veränderung. Es ist also möglich, aber nicht vorhersehbar, dass Aspekte, die jetzt Teil deiner Identität sind, es irgendwann nicht mehr sind. Das ist aber völlig valid.

Wenn du sagst, dass du keinen Penis haben willst, obwohl du dich meistens wohler fühlst, wenn du männlich gelesen wirst, ist das einerseits kein Widerspruch, da niemand dir vorgeben darf oder kann, wie dein Körper zu sein hat, und andererseits ist vielleicht auch gerade die Frage, wie du gerne angesprochen wirst, etwas, dem du gezielt nachgehen und es ausprobieren kannst, was sich richtig anfühlt, indem du zum Beispiel Freund*innen bittest, bestimmte Prononem und Anreden auszuprobieren.

Zu deinen Brüsten: Vielen, die wegen ihrer Brüste dysphorisch sind, helfen Binder. Wir haben mal eine kurze Broschüre mit den wichtgisten Informationen dazu zusammengestellt. Vielleicht ist das etwas, was du mal ausprobieren könntest.

Die Art von Übergriffigkeit, die du beschreibst, hängt stark damit zusammen, dass unsere Gesellschaft sehr normativ geprägt ist. Das heißt, dass es bestimmte Normen und Regeln gibt, die scheinbar für alle gelten und dadruch auch von allen eingefordert werden. Das trifft insbesondere queere Menschen, da diese Normen auch vorsehen, dass alle hetero und cis sind. Wir finden das auch ziemlich uncool, und würden das gerne am liebsten Gestern beendet haben, aber das ist eine Sache, der wir wohl nicht schnell beikommen werden – sondern nur damit, dass die Gesellschaft offener und aufgeklärter wird. Und das dauert.
Gleichzeitig gilt. Es ist ok, dass du dich da verletzt fühlst. Das nichts, wo “drüber stehen” müsstest, oder “aushalten solltest”. Vielen hilft es, ein*e Freund*in, Therapeut*in, Bezugsperson, Seelsorger*in oder ganz allgemein eine Vertrauensperson zu haben, um über solche Erfahrungen zu sprechen, besser verarbeiten und damit umgehen zu können.

Zu deiner eigentlichen Frage, ob wir dir helfen können, herauszufinden, was deine Geschlechtsidentät ist: Nicht wirklich. Das ist etwas, das nur du selbst dir zuschreiben kannst und darfst. Das schöne daran ist, dass das auch bedeutet, dass niemand jemals das Recht hat, dir in diesem Bereich irgendwas vorzuschreiben, was und wie du zu leben hast. Wie schon gesagt, musst du deine Geschlechtsidentität auch nicht konkret benennen können oder ein Label für sie haben.
Ich kann aber auch verstehen, wenn du sagst, dass du auf jeden Fall eines haben magst, weil Label eben auch halt und Sicherheit geben können. Auch da gilt: ich kann dir keines vorschreiben, ich lade dich aber gerne ein, mal in unser Glossar zu schauen, vielleicht findest du da etwas, das dich anspricht. Einige der Begriffe dort sind eher spezifisch, andere weiter gefasst. Für manche reicht es völlig, wenn sie von sich sagen können, dass sie trans oder nicht-binär sind. Anderen ist es wichtiger, dass ihr Label sehr genau beschreibt, wer sie sind.

Zu deiner zweiten Frage nach einem Tipp, wie du solche Sprüche besser ertragen kannst, kann ich dir leider auch keine einfache und keine sehr zufriedenstellende Antwort geben. Solange in unserer Gesellschaft diese Normen stehen, solange wird es solches übergriffiges Verhalten geben, und solange wird es schwierig bis unmöglich, bei den Täter*innen anzusetzen, was unweigerlich dazu führt, dass es bei Ratschlägen eher darum geht, wie wir uns schützen können. Das ist in sich schon eine eher unbefriedigende Ausgangslage.
So eine richtige Lösung ist es nicht, aber, manchmal hilft es sicher schon, etwas nicht hören zu müssen. Falls du also ein geeignetes mobiles Telefon besitzt oder noch in den tiefen deiner Schubalden irgendwo ein MP3 schlummert, könntest du Musik für unterwegs mitnehmen. Musik, mit der du dich wohl- und gut fühlst. Und wenn du die hörst, und deine Kopfhörer nach außen dicht genug sind, musst das am Ende wenigstens nciht mehr hören. Wie gesagt, nicht sehr befriedigend, aber vielleicht nützlich.
Und dann, wie oben schon angeschnitten, eine Vertrauensperson suchen und finden, mit der du drüber reden kannst, die dich vielleicht gelegentlich begleiten und entsprechend für dich da sein kann.

Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen und wünsche dir weiter viel Erfolg dabei, dich und deine Geschlechtsidentität kennen zu lernen.
Liebe Grüße
Xenia

Kummerkasten Antwort 65 – lesbisch oder bi?

Hallo Kummerkastenteam,
Zuerst einmal wollte ich mich bei euch bedanken, bevor wir zu meiner Frage kommen. Mit dieser Webseite könnt ihr vielen hilfsbedürftigen Menschen zur Seite stehen und ihnen Fragen zu leider doch sehr häufig noch als Tabu bezeichneten Themen beantworten . Danke dafür 🙂

Jetzt zu meiner Frage… Ich bin nun seid geraumer Zeit unschlüssig darüber, ob ich bisexuell oder lesbisch bin. Die Sache ist nämlich die, dass ich in der 8. und 9. Klasse für einen Jungen geschwärmt habe, alle anderen Dinge aber eher für Homosexualität sprechen. Über diesen Zeitraum hinweg habe ich das dem Jungen nie gesagt, bin auch sonst auf Abstand geblieben und hatte nie die wirkliche Absicht mit ihm zusammen zu kommen. Das mag komisch klingen, aber ich mochte diese Heimlichtuerei und das Adrenalin mehr als die Vorstellung mit ihm händchenhaltend durch die Gegend zu laufen.
Nachdem diese Schwärmerei dann aufhörte, als er davon Wind bekommen hat, habe ich nie wieder für einen Jungen geschwärmt oder war gar mit einem zusammen. Ich habe mich nur immer mehr nach einer richtigen ersten Liebe gesehnt und war traurig, dass mir
nie jemand gefallen wollte. Ich war nie mit einem Mädchen oder Jungen zusammen und habe daher auch keine Erfahrungen.
Vor ca. 10 Wochen habe ich mich dann mehr oder weniger dabei erwischt Mädchen hinterher zu gucken, für sie zu schwärmen und die Momente zu genießen, in denen meine Bff, die by the way bisexuell ist, sich an mich gelehnt hat oder meine Hand gehalten hat. Da sie da etwas offener als andere Menschen mit umgeht, kommt dass auch immer häufiger vor, was mich zusätzlich verunsichert. Ich kann mir körperliche Nähe mit einem Jungen nicht vorstellen, das Geschlechtsteil dieser sowie Beinbehaarung ekelt mich an und die Mädchen scheinen irgendwie perfekt zu sein. Das ich immer auf den perfekten Jungen gewartet habe war schon immer so und meine komischen Gefühle habe mir immer weggeredet, immer gedacht, dass wird schon. Darf ich mich trotz dieser einen Schwärmerei als lesbisch bezeichnen?

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

Die Antwort auf deine Frage ist ganz einfach: Natürlich kannst du dich als lesbisch identifizieren. Das kann dir niemand verbieten. Wenn du findest, dass das der richtige Begriff für dich ist, dann ist das so.

Die Gesellschaft erwartet von uns allen, dass wir heterosexuell sind, vielleicht hat das etwas damit zu tun, dass du dir immer einen perfekten Jungen gewünscht hast – vielleicht hat sich deine sexuelle Orientierung aber auch geändert oder du stehst nur ganz, ganz selten auf Jungen.

Außerdem: Viele lesbische Frauen waren schonmal in einen Mann verliebt, mit einem Mann zusammen, haben mit einem Mann geknutscht oder geschlafen. Das ist normal. Viele haben es einfach spät gemerkt, dass sie lesbisch sind, manche finden manchmal auch Männer attraktiv, manche wollten es einfach mal ausprobieren… Also: Mach dir keinen Stress deswegen! So wie du bist, ist das wunderbar.

Liebe Grüße und alles Gute für dich,

Annika

Kummerkasten Antwort 64: Steigere ich mich nur in etwas hinein?

Also, ich bin eine teenagerin, darum hab ich noch keine wirkliche Erfahrung, also frage ich hier, denn die Frage lässt mich nicht los. Ich kann mir keine Beziehung mit einem Mann vorstellen, erst recht die Vorstellung eines penisses ist entsetzlich für mich, und sixpacks oder eightpacks lassen mich seit einer Weile auch völlig kalt. Aber vom Gesicht her und so finde ich Männer und Jungs sehr attraktiv, manchmal sogar attraktiver als (im Fernsehen) ihre weiblichen Kollegen. Aber die Vorstellung, mit einem Mann… schon seit ich dreizehn war ist das vorbei und ich denke darüber nach, lesbisch zu sein.

Oft hab ich aber das Gefühl, ich steigere mich da nur hinein und hätte mir zum Beispiel mein derzeitiges Verliebtsein in eine Freundin nur eingeredet.

Bin ich bi oder pan, deswegen?
Oder bilde ich mir das alles vllt wirklich nur komplett ein?
Bitte helft mir, das macht mich wirklich fertig.

(Vor allem, weil meine Familie Bescheid weiß und meine kleine Schwester schon mein filmhaftes erstes Treffen mit meiner zukünftigen Frau plant…)

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

Wenn ich eins in den letzten Jahren gelernt habe, dann ist es folgendes: Wenn du dich fragst, ob du eventuell lesbisch, bisexuell, pansexuell usw. sein könntest, hat das meistens einen Grund. Allermeistens ist es keine Phase, oder Einbildung oder Nur-So-Tun-Als-Ob.

Viele queere Menschen haben das Gefühl (vor allem wenn sie jung sind), dass sie gar nicht richtig queer sind und dazu gehören – aber das liegt an der Gesellschaft, die uns einreden will, dass es nicht gut wäre, queer zu sein, dass es falsch ist oder eine Phase usw.

Lass dich davon nicht beirren. Lass dir Zeit und probiere dich aus. Und falls du dann doch hetero bist ist das nichts schlimmes – dann hast du etwas über dich hinzugelernt.

In deinem Fall klingt es auch ein bisschen so, als könntest du Männer ästhetisch anziehend finden (also sie schön finden) aber keine sexuelle Anziehung spüren ( also sie sexy finden oder mit ihnen Sex haben wollen). Das ist überhaupt nicht ungewöhnlich für lesbische Menschen.

Ich wünsche dir Alles Gute!

Annika

Kummerkasten Antwort 63: Sex mit Mädchen gefällt mir doch nicht?!

Hallo ich heiße Anna werde mir Grad immer sicherer lesbisch zu sein war auch schon in ein Mädchen und eig wissen es alle außer meine Eltern…. Aber das Ding ist halt ich hab jetzt schon zwei Mal mit nem Mädchen geschlafen und kurz davor hab ich mich immer mega darauf gefreut und war voll “angezogen” von ihr aber dann so “dabei” gefällt’s mir immer noch so….. Was ist nur mit mir los?

Hallo Anna,

Deine Frage zu beantworten ist nicht ganz einfach. Es kann viele Gründe haben, wieso dir der Sex doch nicht so gefällt – und es kommt auch stark darauf an, was dir nicht gefällt.

Manchmal kann es eine Weile dauern, bis eins sich mit einer neuen Partner*in eingrooved. Viele Menschen brauchen außerdem eine Weile, bis sie herausfinden, welche Art von Sex sie gerne mögen – und welche nicht.

Wenn du über solche Themen mehr erfahren willst, kann ich das Buch “Girl Sex 101” von Moon und Diamond empfehlen, das gibt es aber leider nur auf Englisch.

Wenn sich irgendwann herausstellt, dass du nicht lesbisch bist oder einfach nur Sex mit anderen Mädchen bzw. Frauen nicht magst, ist das auch total in Ordnung!

Wichtig: Lass dir selber Zeit und lass dich zu nichts drängen.

Alles Gute für dich!

Annika

Kummerkasten Antwort 62: Ich habe Angst, dass Andere erfahren, dass ich lesbisch bin.

Hey,
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich lesbisch und Genderfluid bin. Mein Problem ist, dass ich in eine gute Freundin von mir verliebt bin (sie aber nicht in mich). Sie weiß zwar, dass ich ‘anders’ bin und scheint da zwar kein Problem mit zu haben, lässt sich aber von ihren Freunden beeinflussen, die mich häufig beleidigen. Meine Klasse weiß nur, dass ich Genderfluid bin, aber nicht, dass ich lesbisch bin. Das wissen nur zwei Personen. Meine Klasse macht aber immer Witze über mich, von wegen ich solle mich doch langsam mal entscheiden. Ich habe Angst davor, dass jemand mitbekommt, dass ich auch noch lesbisch bin und das noch schlimmer wird… Habt ihr irgendwelche Tipps?
Torio

Hallo Torio,

Das klingt nach einer sehr schwierigen Situation und es tut mir leid, dass du das erleben musst. Ich hoffe, dass die beiden Personen, die wissen, dass du lesbisch bist, dich unterstützen.

Mein Tipp wäre, dir einen Notfallplan auszudenken. Sprich mit den Menschen, die dich unterstützen, was sie im “Notfall”, d.h. wenn du wegen deines Lesbisch-Seins Diskriminierung erlebst, tun sollen (z.B. eingreifen und dich verteidigen oder dich unter einem Vorwand aus der Situation holen und sich um dich kümmern etc.). Falls an deiner Schule ein*e Lehrer*in ist, dem*der du vertraust, könntest du diese Lehrkraft auch einweihen, so dass er*sie im “Notfall” weiß, was los ist und wie er*sie reagieren soll um dich zu schützen.

Alles Gute für dich!

Annika

Kummerkasten Antwort 61: Ich finde schwule Männer attraktiv

Wenn man als Mädchen (fast nur) homosexuelle Jungs attraktiv findet, ist man dann noch immer hetero? Welche Sexualität hat man dann?

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

Wie wir hier ja immer wieder schreiben können wir natürlich keine Aussagen treffen, oder “diagnostizieren”, welche sexuelle Orientierung eine Person hat.

In deinem Fall könntest du dir überlegen, ob es wirklich das Schwul-Sein ist, dass die Männer für dich attraktiv macht – oder ob du z.B. auf besonders feminine Männer oder einfühlsame Männer etc. stehst. Dann wärst du vermutlich heterosexuell.

Es gibt aber auch den Begriff “Girlfag” für Frauen, die explizit auf schwule Männer stehen und ihre Sexualität bzw. sich selbst auch als schwul verstehen. Dazu kannst du hier mehr erfahren:

https://girlfags.jimdo.com/

Alles Gute für dich!

Annika

Kummerkasten Antwort 60: Darf ich als trans Mann keinen vaginalen Sex haben?

Mir wird gesagt ich darf als FzM Transgender keinen Sex mit meiner Vagina haben, weil ich sonst nicht trans bin. Stimmt das? Bitte helft mir!

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

Um es ganz kurz zu machen: Das ist Quark. Du darfst Sex haben, wie du willst – und nichts davon macht dich weniger trans.

Es könnte sein, dass du Schwierigkeiten mit der Person haben kannst, die ein Gutachten für eine Personenstandsänderung schreibt. Diese Gutachter*innen denken meistens sehr konservativ (z.B. eben, dass ein trans Mann keinen vaginalen Sex haben sollten) – da musst du überlegen, ob du das deinen Gutachter*innen erzählen willst (du musst es auf jeden Fall nicht!!!).

Ansonsten: Hab Sex, wie du magst und wie es sich für dich gut anfühlt und du bist trotzdem trans.

Alles Gute für dich!

Annika