Kummerkastenantwort 261: Coming Out als lesbisch, aber ohne großes Drama?

Ich möchte meinen Freunden sagen das ich lesbisch bin wie mach ich das so das es nicht so ein großes Ding wird?

Hallo du,

ich verstehe nur zu gut, dass du keine Lust darauf hast, aus deinem Coming Out eine große Sache zu machen. Es ist total nervig, dass hetero Menschen immer automatisch davon ausgehen, dass alle anderen auch hetero sind, außer du machst eine große Ankündigung, dass du es nicht bist. Das ist total unfair und sollte echt nicht so sein.

Hier sind ein paar Vorschläge, wie es vielleicht ohne große Ankündigung geht:

  • du könntest nebenbei einen Crush auf ein Mädchen oder eine Frau erwähnen, den du mal hattest
  • wenn dir das lieber ist, könnte es auch eine Schauspielerin oder Sängerin sein oder so – das lässt sich auch leicht in ein Gespräch einbringen, z.B. bei einem gemeinsamen Filmabend, sowas wie “Sie ist so heiß, oder? Ich steh total auf sie.”
  • du könntest sie fragen, ob sie nicht zufällig ein Mädchen/eine Frau kennen, mit der sie dich verkuppeln können
  • bzw. wenn du vergeben bist, könntest du ihnen einfach deine Freundin vorstellen
  • du könntest dir eine Pride Flag besorgen, vielleicht als Button für deine Jacke oder deinen Rucksack, oder ein Armband, oder vielleicht ein T-Shirt mit einem witzigen Spruch drauf, oder auch irgendwas in deinem Zimmer an die Wand hängen, eine Regenbogenfahne oder ein lesbisches Poster oder so
  • Du könntest sie fragen, ob sie mit dir einen Film oder eine Serie schauen wollen, in dem lesbische Charaktere vorkommen – das kann eine gute Gesprächsüberleitung sein
  • Du kannst sie fragen, ob sie mit dir auf den nächsten CSD in deiner Gegend gehen wollen

Ich hoffe, bei den Vorschlägen ist was für dich dabei! Ich drücke dir die Daumen bei deinem Coming Out und wünsche dir alles Gute!

Viele Grüße,
Balthazar

Kummerkastenantwort 260: Ich bin keine “sie”, aber kleide mich gern feminin – Hilfe?

Moin!
Ich habe grade ein kleines Problem mit meinem Gender. Ich habe lange Zeit gedacht, dass ich cisgender bin, fand es aber zunehmend unangenehmer mit meinem Namen oder den Pronomen “sie” angesprochen zu werden. Ich bin prinzipiell eher feminin und möchte auch weiblich wirken, sosehr dass ich zeitweise sogar ein Problem damit habe, zu weite Kleidung zu tragen. Auf der anderen Seite empfinde ich es am angenehmsten ohne das Wort “Mädchen” oder ohne irgendein Pronomen bezeichnet zu werden. Ich würde sagen, ich befinde ich in einer genderlosen Blase mit femininer Ausstrahlung und ich habe echt keine Ahnung wo ich überhabt anfangen soll nach meinem Gender zu suchen. Agender kann es nicht sein, wenn es mir nicht egal ist und ich nach wie vor feminin sein will, oder? Es wäre echt lieb, wenn ich eine ungefähre Richtung kriegen könnte, in der ich suchen kann. Bitte?

Moin zurück! 🙂

Deine Verwirrung ist verständlich, weil uns oft eingeredet wird, dass ein bestimmtes Verhalten, Aussehen, eine bestimmte Art Kleidung oder Haare uns sagen können, ob eine Person männlich oder weiblich ist. Das stimmt aber oft nicht.

Vielleicht hilft dir das: Wir unterscheiden manchmal zwischen dem Geschlecht einer Person und Geschlechtspräsentation. Geschlechtspräsentation ist alles, was wir nach außen tragen und was andere Menschen benutzen, um uns in ein bestimmtes Geschlecht zuzuordnen, z.B. Kleidung, Haare, Makeup, Verhalten oder die Art, wie wir unseren Körper bewegen. Viele Menschen benutzen ihre Geschlechtspräsentation, um damit ihr Geschlecht nach außen zu zeigen; also tragen Männer z.B. Bärte, Hemden und kurze Haare, Frauen lange Haare, Makeup und Kleider. Aber das Geschlecht einer Person stimmt nicht immer mit der Geschlechtspräsentation überein. Viele Frauen tragen kurze Haare und fühlen sich in einem Anzug wohler als in einem Kleid. Manche Männer tragen Nagellack  oder Makeup, weil es ihnen Spaß macht. Inzwischen gibt es sehr viel mehr Spielraum für Geschlechtspräsentationen – so können z.B. Männer wie Billy Porter ein Abendkleid auf dem roten Teppich tragen, oder Frauen wie Cameron Esposito und Hannah Gadsby sich maskulin kleiden und geben, z.B. in Anzügen und mit kurzen Haaren. Das Geschlecht dieser Personen ändert sich aber nicht, egal, wie sie sich nach außen hin präsentieren.

So könnte es ja bei dir auch sein, oder? Dein Geschlecht ist das, was in dir drin ist – manche würden vielleicht sagen, “wie du dich fühlst”, auch wenn das nicht ganz stimmt, denn Geschlecht ist ja nicht nur irgendein Gefühl. Wie du dich nach außen hin präsentierst, muss nichts damit zu tun haben. Es kann also durchaus sein, dass deine Präsentation nach außen eine feminine ist, und du innerlich trotzdem vielleicht agender oder nichtbinär bist. Agender sein bedeutet nur, keine Geschlechtsidentität bzw. kein Geschlecht zu haben – aber wir haben ja trotzdem alle einen Körper, auch agender Menschen, und diesen Körper können wir gestalten, wie wir wollen. Es gibt keine bestimmten Regeln, wie eine Person aussehen oder sich kleiden muss, die agender ist. Das darfst du ganz allein bestimmen.

Und egal, wie du aussiehst, du verdienst es auf jeden Fall, so angesprochen zu werden, wie du dich wohl fühlst! Wenn dir keine Pronomen und keine weiblich gegenderten Bezeichnungen wie “Mädchen” lieber sind, dann darfst du darauf bestehen, dass Leute dich nicht so ansprechen, egal, wie du aussiehst.

Ich wünsche dir alles Gute auf deinem weiteren Weg!
Liebe Grüße,

Balthazar

Kummerkastenantwort 259: Nicht typisch männlich oder weiblich – was ist mit mir los?

Ich wusste lange nicht, wie ich das alles formulieren sollte.
Ich bin 15 Jahre alt und biologisch gesehen bin ich ein Junge, psychisch gesehen weis ich es nicht. das Thema beschäftigt mich schon länger und kürzlich habe ich angefangen mich genauer zu informieren. Ich habe verschiedene Bezeichnungen gefunden, die aber alle nicht wirklich passen. Überhaupt konnte ich mit Begriffen wie “typisch männlich” oder “typisch weiblich” nie so richtig etwas anfangen.
Ich fühle mich in vielen Situationen komisch, oder bin mir unsicher. Mein Spiegelbild bzw. mein Körper kommt mir oft fremd vor. In manchen Situationen verhalte ich mich “typisch weiblich” in anderen wieder “typisch mänlich”, was dazu führt, dass Menschen in meiner Umgebung mich für seltsam halten.
Ich weis nicht, ob es mir als Mädchen besser gehen würde, weil ich nicht weis wie es ist eines zu sein. Auch weis ich
nicht, ob ich überhaupt ein Mädchen sein will, oder ein Junge, oder gar nichts.
Bis jetzt weis niemand davon, da ich jemandem schlecht etwas erklären kann, das ich selbst nicht verstehe.
Eine Frage habe ich nicht direkt, ich würde nur gerne wissen, was mit mir los ist.
Ich hoffe jemand kann mit dem ganzen etwas anfangen und mir vielleicht helfen, oder (wenn ich hier falsch sein sollte) mir sagen, wo man mir weiterhelfen könnte.
Danke im Voraus.

Hallo du!

Bei uns bist du auf jeden Fall richtig, wir sind für genau solche Fragen wie deine da! Ich verstehe deine Verwirrung sehr gut, und zuerst mal möchte ich sagen, dass du vollkommen okay bist, genau so, wie du bist. Du bist du selbst, und das ist auch gut so.

“Typisch männlich” und “typisch weiblich” sind zwei Kategorien, in die Menschen oft (zwangsweise) einsortiert werden, weil die Gesellschaft glaubt, dass es dann für alle leichter ist – das ist aber für viele Menschen nicht der Fall. Im Gegenteil: Für viele macht es alles noch komplizierter, in eine von diesen beiden Schubladen passen zu müssen – zum Beispiel ja auch für dich. Es ist vollkommen in Ordnung, mal so und mal so zu sein. Das hat sich ja auch nur irgendwer mal ausgedacht, welche Dinge wir in der Gesellschaft als männlich oder weiblich sehen, und alle, die was anderes behaupten, haben Unrecht. Schließlich können ja auch Männer fürsorglich sein und z.B. mit alten oder kranken Menschen oder Kindern arbeiten, Frauen können auch Fußball spielen, Männer sind auch mal traurig und weinen, Frauen sind auch gute Führungskräfte, usw. Viele von diesen Eigenschaften gelten als “typisch männlich” oder “typisch weiblich”, aber letztlich hat es nichts mit dem Geschlecht zu tun, was ein Mensch gut oder nicht so gut kann, wie ein Mensch Gefühle zeigt und vieles mehr. Wir sind einfach alle nur Menschen, und wir sind unterschiedlich – und das ist auch gut so.

Es kann allerdings schwierig sein, man selbst zu sein, vor allem wenn man nicht in die Schubladen “typisch männlich” und “typisch weiblich” passt – du schreibst ja, dass Menschen in deinem Umfeld dich dafür oft seltsam finden, und damit bist du nicht allein. Das heißt aber nicht, dass mit dir was falsch ist – du hast jedes Recht, ganz du selbst zu sein, egal, ob das jetzt in die Schublade “männlich” oder “weiblich” gehört, in eine Schublade dazwischen oder in eine ganz andere Schublade (das gibt es – vielleicht ist dir der Begriff nichtbinär schon einmal begegnet), oder vielleicht gefallen dir Schubladen und Kategorien auch einfach gar nicht und du möchtest am liebsten einfach nur du selbst sein, ohne irgendwelche Regeln, ob das jetzt männlich oder weiblich oder sonstwas ist.

Du schreibst, dass du nicht weißt, was dir wirklich gut tun würde, und das weiß ich leider auch nicht. Ich kann dir aber sagen: Hör in dich hinein und versuche herauszufinden, was sich für dich gut und richtig anfühlt. Vielleicht bist du ja tatsächlich doch ein Mädchen und es würde dir besser gehen, das zu wissen und mit der Welt zu teilen? Oder vielleicht bist du ja keins von beidem, wie du sagst? Hab keine Angst, Dinge auszuprobieren, auf die du Lust hast, egal, ob das jetzt bestimmte Hobbies, Kleidungsstücke, Verhaltensweisen oder sonst was sind. Auch für deinen Körper gilt: Achte auf dich und tu, was dir gut tut. Was kannst du tun, damit du dich in deinem Körper weniger fremd fühlst? Helfen bestimmte Kleidungsstücke, bestimmte Bewegungen, hilft dir vielleicht eine Sportart oder Meditation? Wenn du einfach darauf schaust, dass du Dinge tust, die dir gut tun, dann ist es vielleicht erstmal noch gar nicht so wichtig, wie genau du dich jetzt einordnen willst  und welche Schublade vielleicht die beste für dich ist – vielleicht ja auch gar keine.

Ich kann außerdem verstehen, dass es schwierig ist, über dieses Thema zu reden, vor allem, wenn du noch keine genauen Worte gefunden hast, um dich zu erklären. Allerdings finde ich, du konntest dich in deiner Nachricht schon sehr gut und klar ausdrücken, und vielleicht findest du ja auch bald mal eine oder ein paar Personen in deinem engeren Umfeld, denen du vertraust und mit denen du über diese Dinge reden kannst – nach meiner Erfahrung bringt es sehr viel, einfach mal mit anderen darüber zu reden.

Viel Glück dafür! Schreib uns gern wieder, wenn du noch mehr Fragen hast oder einfach nur erzählen möchtest, wie es gelaufen ist.

Liebe Grüße,
Balthazar

Kummerkastenantwort 258: Ich bin cis und würde gerne einen Binder benutzen – ist das ok?

Hi 🙂

Ist es eigentlich okay, sich als cis weibliche Person einen Binder zu kaufen? Manchmal mag ich meine (recht präsenten) Brüste, aber manchmal wäre ein flach(er)es Erscheinungsbild auch schön… Bin mir da unsicher, ob ich das “darf”. (Würde aber in jedem Fall einen neuen kaufen und niemals einer Person, die ihn wirklich _braucht_, in einem Give-away oder so wegnehmen wollen!)

Viele Grüße!

P.S. Euer Projekt ist super! Ganz viel Lob an euch! 🙂

Hallo lieb* Unbekannte,

Vielen Dank für dein Lob, das freut uns!

Erstmal: Ich finde es super, dass du dir deiner Privilegien als cis Person bewusst bist und die solche Gedanken machst.

Deine Frage ist super einfach zu beantworten: Klar ist es ok, dass du einen Binder kaufen und tragen willst! Es geht um deinen Körper und damit darfst du tun, was du möchtest.

Ich finde es auch toll, dass du dir vorgenommen hast, einen zu kaufen und keinen in einem give-away anzufragen!

Alles Gute für dich!

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkastenantwort 257: Hab ihr Vorschläge für geschlechtsneutrale Namen?

Hallo liebes queer-Lexikon Team,

ich bin genderfluid/non-binary( bin noch nicht ganz sicher) und fühle mich total unwohl wenn mich jemand mit meinem Namen (Emily) anspricht. Ich habe schon ein paar mal eine Freundin gebeten mich nicht mit Emily anzusprechen aber dann kam logischer Weise die Frage auf wie sie mich denn sonst nennen soll. Und das ist der Punkt, ich habe keine Ahnung. Ich hab mich damit beschäftigt, aber außer Elia ist mir irgendwie nichts eingefallen. Ich wollte halt das der Name vielleicht auch mit E anfängt, aber da gibt’s leider nicht so viele Möglichkeiten für neutrale Namen. Habt ihr ein paar Vorschläge für neutrale Namen? Wenn er nicht mit E anfängt wäre es jetzt auch kein Untergang.
PS: Macht weiter so, ihr helft so vielen Menschen und das ist nicht selbstverständlich. DANKE!
Liebe Grüße (Emily)

Hallo!

Ich habe mal ein bisschen herumgefragt und hier sind ein paar Ideen für geschlechtsneutrale Namen, die mit E anfangen:

  • Eli
  • Elliott
  • Ennis
  • Elian
  • Elia(h)
  • Eike
  • Elisha
  • Enid
  • Evin
  • Ettienne

Hier sind außerdem noch ein paar Links mit mehr Ideen:

https://www.vorname.com/unisex-vornamen,E,0.html

https://nonbinary.wiki/wiki/Neutral_names_starting_with_E

https://www.behindthename.com/names/letter/e

Ich hoffe, du findest einen tollen Namen für dich – ansonsten kannst du dir auch immer noch einen neuen ausdenken 🙂

Alles Gute für dich!

Annika

Kummerkastenantwort 256: Wie kann ich mich anderen gegenüber meiner Sexualität öffnen ohne das es ein Coming out wird?

Wie kann ich mich anderen gegenüber meiner Sexualität öffnen ohne das es ein Coming out wird?

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Ich muss zugeben, dass ich deine Frage nicht ganz verstehe. Wenn du anderen Menschen erzählst, dass du z.B. schwul, lesbisch, bisexuell, pansexuell oder asexuell bist, dann ist das zwangsläufig ein Coming Out. Und das nur so ein bisschen zu erzählen funktioniert leider glaube ich nicht.

Ich wünschte auch, wir würden in einer Gesellschaft leben, in der es kein Coming Out wäre, wenn man z.B. von einem*einer gleichgeschlechtlichen Partner*in erzählt – aber soweit sind wir leider nicht. 

Schreib uns gerne nochmal konkreter, was dein Anliegen ist, dann kann ich dir vielleicht auch eine bessere Antwort geben. Ansonsten haben wir zwei Videos zum Coming Out gemacht – vielleicht hilft dir das ja weiter?

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkastenantwort 255: Meine Mutter glaubt, dass ich auf Mädchen stehe ist nur eine Phase.

Hey, ich bin 15 und war mir bisher eigentlich immer sicher, dass ich hetero bin, aber jetzt hab ich ein anderes Mädchen kennengelernt und irgendwie hab ich wohl romantische Gefühle für sie entwickelt. Alles schön und gut, mein Freundeskreis ist auch sehr offen und sie haben mir sehr geholfen, als ich noch komplett verwirrt gewesen bin, zu verstehen, was da mit mir vorgeht. Vor meiner Familie hab ich das aber erst mal geheim gehalten, weil ich mir nicht sicher war, wie sie reagieren würden.
Jetzt ist es aber so, dass ich sehr gerne Texte schreibe und als meine Mutter etwas in meinem Block gesucht hat, ist sie auf einen (irgendwie sehr eindeutigen) Text gestoßen. Sie sagt aber die ganze Zeit, ich würde mir das nur einbilden und mich in irgendwas reinsteigern, ich sei ja bisher nur an Jungs interessiert gewesen und da würde sie nicht verstehen, warum ich “jetzt plötzlich lesbisch geworden” sei.
Ich hab keine Ahnung, wie ich jetzt handeln soll. Ich bin mir nicht sicher, ob/ als was ich mich labeln möchte, also kann ich ihr das nicht wirklich erklären, aber es tut weh, dass sie immer, wenn ich den Namen des Mädchens erwähne, auch wenn es in einem komplett “normalen” Kontext ist, die Augen verdreht oder genervt wegschaut.
Was soll ich machen?
Liebe Grüße

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Es tut mir leid, zu hören, dass deine Mutter so mit deiner Identität umgeht. Ich bin mir sicher, dass du dir deine Gefühle nicht nur einbildest, dass du dich da nicht reinsteigerst und dass du nicht einfach entschieden hast, lesbisch zu sein. Das ist vollkommender Unfug. Ich hoffe du weißt, dass du wunderbar und genau so richtig bist, wie du bist.

Du musst außerdem auch kein Label nutzen, wenn du nicht möchtest. Lass dir mit deiner Suche Zeit, ändere dein Label, wenn du willst oder benutze einfach gar keins. All das sind deine Entscheidungen und die von niemandem sonst!

Hast du denn vielleicht eine andere (erwachsene) Person in deiner Familie, die ggf. verständnisvoller reagieren wird als deine Mutter? Oder ein*e Lehrkraft oder Sozialarbeiter*in? Vielleicht kannst du mit einer unterstütztenden Person an deiner Seite nochmal das Gespräch mit deiner Mutter suchen und ihr sagen, wie sehr es dich verletzt, was sie tut.

Ich wünsche dir alles Gute – schreib uns gerne nochmal!

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkastenantwort 255: Ich stehe auf feminine Männer – und vielleicht Frauen.

Hallo!
Ich habe noch sehr wenig Erfahrungen mit Beziehungen in romantisch-sexueller Hinsicht.
Allerdings habe ich das Gefühl, auf eher “feminine” Männer zu stehen. Vor 4 Jahren ungefähr war ich mit einem Jungen befreundet. Dieser hing nur mit Mädels ab. Sein Verhalten und Interessen ähnelten denen seiner weiblichen Gefährtinnen. Und irgendwie mochte ich das gerne. Für die Mitschüler würde er “schwul” wirken, was er nie bestätigte.

Ich chatte auch seit ca. 2 Jahren mit einem schwulen Jungen und irgendwie gefällt mir auch hier die Vorstellung mit einer schwulen Person zusammen zu sein, obwohl das nicht funktionieren würde. Habe zum Glück keine romantischen Gefühle für ihn entwickelt, aber als er am Anfang unserer Bekanntschaft sich nicht sicher über seine Sexualität war, hoffte ich auf eine bestimmte Antwort. Er sprach damals von genderfluid oder sowas und Schwulsein (kenne mich wirklich kaum über lgbt aus). Dabei spaßte ich noch, dass genderfluid besser sei. Also schien es mir nicht um seine Sexualität zu gehen, sondern seine teils feminine Art, wie er sich selbst auch beschrieb.

Selbst bei “ordinären” Jungen aus der Schule mag ich diejenigen mit leicht femininen Gesichtszügen. Habe sogar einen Traum mit so einem Jungen gehabt.
Bis vor kurzem, war auch mir sicher nicht bisexuell zu sein. Aber irgendwie fiel mir ein Mädchen im Sportcenter auf, die sehr sympathisch rüber kam und seitdem werde ich teilweise nervös bei manchen Frauen. Auch bei ihr dachte ich neben ihrem wunderschönen Lächeln und nun ja, sehr hübschen Figur, es wäre irgendwie cool mit einer Frau zusammen zu sein.
Und ich schaue mir halt Pornos sehr häufig mit Frauen an. Und würde gerne mal Sex mit einer Frau haben, aber traue mich nicht jemanden zu treffen.

Ich habe das Gefühl irgendwie auf “anders” zu stehen.
Geht sowas? Gibt es andere, die sowas schildern? Oder romantisiere ich hier einen Typus anstatt über eine gewisse Sexualität verfügen?

Ansonsten wünsche ich noch ein schönes Sylvester! Ich freue mich auf die Antwort!
Weiblich, 19

Hallo lieb* Unbekannte*r,

Wie wir hier immer wieder schreiben: Wir können dir nicht sagen, welche sexuelle und romantische Orientierung du hast. Das kannst du nur selbst wissen. Wir können dir nur sagen, was unser Eindruck aus deinen Schilderungen ist.

Zunächst einmal: Du bist nicht alleine mit deinen Gefühlen!

Du scheinst dich nach deiner Erzählung zu Männern hingezogen zu fühlen, die feminin sind, die ‘weibliche’ Interessen und Verhaltensweisen haben, auch zu nicht-binären Menschen. Es kann sein, dass du einfach nur einen bestimmten Typ von Männern bzw. Menschen magst – es kann aber auch sein, dass für dich ein label wie girlfag passen könnte? Ich würde dir empfehlen, dich einfach mal in unserem Glossar umzusehen, vielleicht passt ja ein Label dort auf dich?

Ob du bisexuell bist oder nicht, wirst du mit der Zeit sicher herausfinden. Und vielleicht wäre es ja mal ein Anfang mit einer Frau herumzuknutschen und dann zu schauen, ob du Sex mit ihr haben möchtest.

Ich wünsche dir alles Gute und ein frohes neues Jahr!

Annika

Kummerkastenantwort 254 – Bin ich in der a_sexuellen Community willkommen?

Hallo, liebes Team vom Queer-Lexikon!

Ich (cis männlich, schwul, Jungfrau) stelle mir zur Zeit die Frage, ob ich asexuell bin. Es ist nämlich so, dass ich nie Interesse an Masturbation mit anschließendem Orgasmus hatte. Ich hatte vielmehr Angst davor, weil mich Beschreibungen des Gefühls, einen Orgasmus zu haben, abgeschreckt haben. Ich dachte, das könne sich gar nicht gut anfühlen und klinge furchtbar (was sich für mich persönlich im Nachhinein als richtig herausgestellt hat). Irgendwann habe ich schließlich doch einmal masturbiert und habe nach dem Orgasmus sofort gemerkt, dass mir so etwas *wirklich* nicht taugt, und es seitdem gelassen.
Dabei ist mir bewusst geworden, dass ich Sex sehr wahrscheinlich auch nicht mögen werde. Ich weiß, dass A_sexualität etwas anderes ist als ein geringer oder fehlender Sex Drive und ich merke auch an mir selbst, dass es nicht an meinem Sex Drive liegt, dass ich mir die Frage stelle, ob ich asexuell bin. Ich kann vom Anblick oder Gedanken an bestimmte (nackte) Menschen oder fiktive Charaktere – auch beim Sex – erregt werden, aber ist das nicht irgendwie schon sexuelle und nicht mehr nur ästhetische Anziehung, auch obwohl ich mit ihnen in der Realität keinen Sex haben will?
Ich habe mich in der Vergangenheit schon zu Menschen ernsthaft sexuell hingezogen gefühlt und wollte mit ihnen wirklich Sex haben, aber seitdem ich diese Erfahrung mit meinem Körper gemacht habe, glaube ich jetzt, dass mir nicht bewusst war, zu was Sex letztendlich führen würde, und dass ich eigentlich nur schöne Körper wertschätzen möchte, ohne etwas mit ihnen zu machen. Ich habe das Gefühl, dass diese Art von Erfahrung sehr untypisch sowohl in der schwulen als auch in der a_sexuellen Community ist, und habe bisher noch nicht davon gehört, dass Menschen anhand derer entschieden haben, ein Label aus dem a_sexuellen Spektrum für sich zu nutzen. Ich fühle mich wegen fehlendem Interesse an Sex etwas von der schwulen Community entkoppelt, die meiner Erfahrung nach sehr sexualisiert ist, auch wenn ich mich weiterhin vor allem über mein Schwulsein definiere, obwohl ich viele Erfahrungen nicht teile. Ich weiß auch nicht, ob ich in der a_sexuellen Community willkommen wäre und ob ich der Definition von A_sexualität gerecht werde. Über meine romantische Orientierung (homoromantisch, wobei ich „schwul“ bevorzuge) bin ich mir schon lange sehr sicher; ich hoffe, Ihr könnt mir auch bei meiner sexuellen Orientierung helfen.

Liebe Grüße und danke im Voraus für Eure Antwort und Eure bisherige und zukünftige Aufklärungsarbeit!

Hallo du,

viele Leute fühlen sich nicht a_sexuell, a_romantisch, bi, queer, etc. genug und haben deshalb das Gefühl, das jeweilige Label nicht verwenden zu dürfen. Allerdings sollte ein Label immer als Hilfe für dich da sein, um dich beispielsweise besser beschreiben zu können. Es gibt keine Regeln dafür, wie genau du sein musst, damit ein Label auf dich passt. Wichtig ist einzig, dass du dich mit dem Label wohl fühlst.

Und was die jeweils dazupassende Community angeht – du wirst wohl leider überall Personen finden, die Gatekeeping betreiben, also Leute ausschließen die nicht in ihr Weltbild passen, und so tun als würden sie die Regeln machen. Aber glücklicherweise ist die Mehrzahl der Leute, auch in der a_sexuellen Community, nicht so. Schau dich doch mal in der Community um, beispielsweise auf dem Forum AVEN oder gehe zu lokalen Treffen und Stammtischen – ich garantiere dir, dass du nicht der einzige bist, der sexuelle Anziehung verspürt, auch wenn er keinen Sex haben möchte.

A_sexualität ist ja ein Spektrum, was wir durch den Unterstrich ausdrücken. Keine zwei a_sexuellen Personen sind gleich. Manche a_sexuellen Personen wollen gar nichts mit Sex zu tun haben, manche fantasieren, manche masturbieren, und manche haben sogar aus verschiedenen Gründen Sex. Wenn du erregt von bestimmten nackten Personen oder fiktiven Charakteren bist, bedeutet das nicht, dass du weniger ein Recht darauf hast, dich a_sexuell zu nennen. Und ob das nun ästhetische oder sexuelle Anziehung ist, ist oft schwer zu unterscheiden – aber letztlich hängt davon nicht ab, ob du a_sexuell bist. Wenn du das Gefühl hast, dass das Label für dich passt, und du dich damit wohl fühlst, gibt es keinen Grund, dass du es nicht verwenden solltest. Vielleicht passt für dich ja auch der Begriff “greysexuell” – so bezeichnen sich Personen, die sehr wenig sexuelle Anziehung verspüren, oder nur in bestimmten Situationen. Greysexuelle Personen sind auch Teil der a_sexuellen Community.

Und was A_sexualität und Schwulsein angeht: Klar ist die schwule Community in vielen Teilen sexualisiert, und vielleicht ist das dann einfach nicht deine Szene. Aber es gibt ja auch viele schwule Personen, die sich nicht damit identifizieren und ihre eigenen Spaces schaffen. Bestimmt findest du auch in der a_sexuellen Community andere schwule Personen, und ihr könnt euch mal über eure Erfahrungen austauschen.

Ich wünsche dir ganz viel Glück dabei, die a_sexuelle Community kennenzulernen und hoffe dass du da auf tolle Leute triffst!

Schreib uns gerne wieder wenn du weitere Fragen hast und erzähle uns wie deine Suche nach der passenden Community weiterging 🙂

Liebe Grüße und einen guten Start ins neue Jahr,

Funny

Kummerkastenantwort 253 – Bin ich “Spätzünderin”?

Hallo liebes queer-lexikon Team,
Ich bin 16(w) und für mich ist es vollkommen normal keine liebesgefühle oder sexuelle gedanken zu haben und das ist auch kein Problem für mich. Aber ich würde euch nicht anschreiben, wenn da nichts dazwischen gekommen wär. Und zwar habe ich mich mit meinen Eltern unterhalten und meine Mutter hatte mich plötzlich gefragt, ob ich mich mastrubiere oder interesse an einen Freund hätte. Ich hab einfach die frage mit nein beantwortet. Doch meine Eltern dachten ich würd lügen und des weiteren und meinten, dass sie in meinem alter damit angefangen hätten und fanden das nicht normal, dass ich nicht mal daran denke. Und seit dem Gespräch hinter frag ich mich, ob ich einfach eine “Spätzünderin” bin oder doch an mit etwas “anders” ist.
Ich hoffe, dass ihr eine Antwort darauf finden könnt.
Danke und liebe Grüße

Hallo du,

zunächst einmal: Deine Eltern haben vermutlich andere Erfahrungen gemacht. Deshalb kann es gut sein, dass ihnen das, was du als vollkommen normal empfindest, seltsam vorkommt. Aber auch wenn sie eine andere Vorstellung davon haben, wie Personen in deinem Alter sind: Du bist vollkommen ok so wie du bist. Gerade wenn es um Sexualität, Intimität und Beziehungen geht, kannst nur du selbst für dich bestimmen, was deine Bedürfnisse und Wünsche sind, und was also für dich normal ist. Das ist für jede Person unterschiedlich, und deshalb kann dir auch niemand da reinreden.

Was nun die Frage angeht, ob du eine “Spätzünderin” bist: Letztlich kann sich in Bezug auf deine Sexualität noch viel ändern, und deshalb wird dir nur die Zukunft zeigen können, was denn nun der Fall ist. Es ist durchaus möglich, dass romantische Beziehungen, Sex und Masturbieren etwas sind, auf das du später im Leben mal Lust hast – oder auch nicht. Mensch kann ja oft das Gefühl bekommen, dass es ein bestimmtes Alter gibt, in dem man Dinge quasi abgehakt haben muss. Zum Beispiel haben viele Leute bestimmte Vorstellungen, in welchem Alter eine Person zum ersten Mal Sex haben oder sich verlieben sollte. Aber das ist Unsinn. Wenn Sex und Beziehungen für dich (zur Zeit oder allgemein) nicht wichtig sind, darf dir niemand vorschreiben, dass sie das sein sollen.

Möglich ist übrigens auch, dass du dich auf dem a_sexuellen und a_romantischen Spektrum befindest.

A_sexuelle Personen haben keine oder wenig Lust auf Sex. Nicht, weil sie sich dagegen entschieden haben, Sex zu haben, sondern weil sie einfach keine oder wenig sexuelle Anziehung zu anderen Personen verspüren. Ob a_sexuelle Personen masturbieren, ist von Person zu Person unterschiedlich. Manche haben keine Lust darauf, andere schon.

A_romantische Personen hingegen verlieben sich nicht oder nur sehr schwer, und haben kein oder wenig Interesse daran, eine romantische Beziehung einzugehen.

Vielleicht trifft das ja auf dich zu? Auf unserer Seite findest du noch viele Informationen über diese beiden Labels und ihre Untergruppen. Hier gilt auch wieder: Nur du kannst darüber bestimmen, womit du dich wohl fühlst und was für dich passt.

Wichtig ist jedenfalls: Du bist nicht allein. Es gibt viele Leute, die ähnlich wie du empfinden. Und du bist vielleicht “anders” als deine Eltern, aber du bist deshalb nicht weniger normal.

Wenn du weitere Fragen hast, kannst du uns gerne noch mal schreiben!

Alles Liebe,
Funny