Kummerkastenantwort 5.850 – Darf ich ohne Dysphorie trans sein?
Was bin ich?
Also seit ein paar Jahren beschäftige ich mich mit lgbtq Community, (meinen ältere Schwester hat damit angefangen sie zu unterstützen, und ich und meine Eltern fanden das gut, und unterstützen sie ebenfalls) und habe irgendwann angefangen auch mich zu fragen ob ich eine andere Sexualität habe als hetero. Dies ist entstanden, da sich eine damalige Freundin als bi geoutet hat und ich irgendwann gesagt habe, dass das Geschlecht doch eigentlich für Liebe egal ist, da man sich in den Menschen verliebt… Ja, dachte dann ich wäre Pan, und hab dieses label akzeptiert, aber niemanden gesagt.
Als ich dann so 13/14 wurde habe ich angefangen BL zu lesen/schauen, da ich eigentlich nicht so Romantik als Genre mag, aber mich mit bl als einziges wohl gefühlt habe zu lesen. Ich dachte weil ich Teenager bin und mich nicht darein identifizieren wollte, aber mittlerweile denke ich vllt auch anders rum. Hab dann irgendwie mir überlegt das Agender bin, hatte nicht ne Verbindung zu Geschlecht und auch sehr große Angst vor Veränderung wenn ich jetzt ein Mann/eher männlich wäre. (Brauche generell sehr viel Sicherheit und Geschlecht ist quasi das worauf ich mich verlassen konnte.)
Also dachte ich Pansexuell/Agender.
Seit kurzem habe ich aber bemerkt, dass ich zb. draußen auf der Straße, wenn ich hetero Paare sehe ich eher wie der Mann fühle (oder es halt super cool fände so). Aber ich auch nicht so vorstellen kann in ne Frau verliebt zu sein. Also Schwul/Transmann.
Das Problem ist, ich fühle keine starke Abneigung oder Hass gegenüber meinem Körper. Also ich würde gerne ein Mann sein und wäre ich auf einer einsamen Insel, wäre ich zu 1000% einfach fein damit, es so Freunden/Familie zu sagen und dann zu gucken ob es gut passt oder nicht. Aber ich habe erstens Angst, das es unfair gegenüber Menschen ist die ihren Körper hassen und ich so nur mich nicht wohl fühle. Und zweitens das zb. Meine Elten zu Euphorisch reagieren und ich sofort viel ändern muss. Könnt ihr mir helfen? Pls
Hallo!
Natürlich darfst du ohne Dysphorie trans sein. Trans bedeutet ja erst ein mal einfach, dass dein zugewiesenes Geschlecht und deine Geschlechtsidentität von einander abweichen. Wenn du sagst „ja, das trifft auf mich zu“ dann ist trans* ein passendes Label. Viele trans* und nicht-binäre Personen empfinden zwar Dysphorie, aber eben nicht alle und eine Vorraussetzung ist es eben auch nicht. Genau so wenig muss deine Dysphorie unaushaltbar stark sein, damit du dich trans* nennen darfst oder eine Transition irgendeiner Art anstreben darfst (falls du das überhaupt möchtest).
Es ist auch nicht unfair, den Personen gegenüber die (starke) Dysphorie empfinden. Du nimmst ja niemandem etwas weg oder machst deren trans* sein kleiner oder so. Jede Person, auch du, verdient es in ihrer Identität ernst genommen zu werden und die Hilfe und Angebote in Anspruch zu nehmen, die man braucht.
Du musst keine Schritte bzgl. sozialer oder körperlicher Transition vornehmen, die du nicht willst. Du darfst dir soviel Zeit lassen, wie du brauchst.
Ich würde deinen Eltern, oder auch anderen Personen, denen du dich anvertrauen möchtest, es ähnlich schildern, wie du es hier geschildert hast.
Dass du transmännlich bist (oder in irgendeiner Form trans*, die Formulierung ist natürlich ganz dir überlassen), aber dass du noch Fragen/Unsicherheiten hast, die du noch beleuchten möchtest und du auch nicht sofort ganz viel ändern möchtest/dir Zeit mit etwaigen Veränderung lassen möchtest. Das sollte ja für die meisten Leute sehr verständlich sein.
Alles Gute,
Joshua


