Kummerkastenantwort 5.851 – Bin ich als transmasc Lesbe „falsch“ sichtbar?

Hi ihr. Ich bin jetzt fast 40 (er/ihn) und habe ein bisschen Angst, irgendwann in veralteten, inzwischen problematischen Muster festzuhängen. Ich selbst benutze für mich die Label transmännliche Butch oder Guydyke (wobei ich das inzwischen echt nicht mehr oft tue), bin trans, lesbisch und männlich. Erstmal die Frage, ob das alles überhaupt alles ok ist, das bach außen zu tragen (ich passe und lebe im Alltag als Mann, womit ich mich gut fühle, gehe mit meinem trans Sein offen um). Ich möchte sichtbar sein, vor allem für jüngere queere Menschen, weil ich das früher gebraucht hätte. Jetzt wurde ich neulich von einem jungen Menschen mit ehrlichem Interesse gefragt, ob ich als trans Mann mit einer weiblichen Partnerin jetzt lesbisch oder hetero wäre und war ein bisschen überfordert. Weil, ja, ich bin lesbisch, aber ich möchte nicht vermitteln, dass das für alle trans Männer in romantisch-sexuellen Beziehungen mit Frauen so ist. Wie kann ich also als ich sichtbar sein, ohne ein falsches Bild von trans Männlichkeit zu vermitteln?



Außerdem, Punkt zwei, sehne ich mich sehr nach Lesben/Butches (in meinem Alter), mit denen ich mich vernetzen kann und die mich als den anerkennen, der ich bin. Mir fehlt diese Art von Community sehr. Ich tue mir schwer, einfach zu örtlichen Lesben-/FLINTAtreffen zu gehen, weil ich Angst vor Ablehnung wegen meiner Positionierung auf dem männlichen Spektrum habe (vor allem, weil ich nicht weiß, ob diese Ablehnung vielleicht sogar berechtigt ist). Ich glaube nicht, dass ihr mir da helfen könnt, aber, hey, ich kann ja mal fragen.



Das war jetzt echt viel, aber ich hoffe, dass ihr darauf antworten könnt. (Ich weiß, ihr habt viel zu tun und es eilt auch nicht mit einer Antwort)

Hallo!

Also erstmal: so, wie du bist, bist du vollkommen in Ordnung. Wenn du dein authentisches Selbst bist, und das nach Außen trägst, dann ist das ein Gewinn für diese Welt. Wenn andere daraus ein Stereotyp bauen, oder sich in ihren Stereotypen bestätigt sehen, dann ist das ihr Fehler – nicht deiner. 

Wenn du zu Labeln im Generellen und deinen Labeln im Spezifischen gefragt wirst, dann solltest du die Worte benutzen, mit denen du dich gut fühlst. Auch hier gilt: wenn andere daraus in Stereotyp bauen, oder sich in ihren Stereotypen bestätigt sehen, dann ist das ihr Fehler. Und du wirst das auch nicht verhindern können. Wenn es sich für dich besser anfühlt, kannst du natürlich trotzdem darauf hinweisen, dass verschiedene queere Menschen für dieselbe Situation vielleicht unterschiedliche Begriffe benutzen, und andere transmännliche Personen in Beziehungen mit Frauen sich vielleicht tatsächlich als hetero, oder einfach nur als queer, oder eben genau wie du als lesbisch bezeichnen würden.

Was dein Bedürfnis nach Vernetzung angeht: ich bin auch ein trans Mann und kann deine Bedenken da sehr gut nachvollziehen. Ich hab zwar grundsätzlich die Erfahrung gemacht, dass im echten Leben die meisten queeren Spaces sehr offen sind, und das ganze Gatekeeping-Gedöhns, das im Internet betrieben wird, nur eine untergeordnete Rolle spielt. Trotzdem ist es nunmal so, dass Orte, bei denen die Idee ist, ein Safe Space für eine relativ diverse Gruppe zu sein (was bei vielen FLINTA-Orten der Fall ist), früher oder später auf das Problem stoßen, dass manchmal die Bedürfnisse von verschiedenen marginalisierten Gruppen einander ausschließen. Das ist wieder nichts, woran du Schuld hast, aber manchmal macht es das schwierig, den richtigen Ort für sich selbst zu finden.
Ein Ort, der gleichzeitig für trans Personen ist (von denen manche einfach sehr männlich sind, und das ist okay) und ein Safe Space für Personen sein soll, die schlechte Erfahrungen mit stereotyp männlichen Personen gemacht haben, beißt sich halt selbst in den Schwanz. Aber da kannst du nichts für, und die Lösung ist nicht, dass du nicht hingehst.
Wenn es bei dir in der Umgebung einen CSD oder so etwas gibt, schau vielleicht einfach mal auf dem Ständefest nach, was es für queere Vereine gibt, und mit welchem du von der Stimmung her am besten zusammen passt. Oder frag, bevor du irgendwo hin gehst, mal per Mail nach, ob es dort auch butch oder transmännliche Personen in deinem Alter gibt und ob du dort willkommen bist. 

Du gehörst genau so zur queeren Community, wie alle anderen auch, und auch du solltest in queeren Spaces willkommen sein.

Und betrachte es doch auch mal so: es gibt da draußen sicher auch junge queere Menschen, die genau so sind wie du. Auch transmännlich, und auch lesbisch. Und auch die brauchen Vorbilder, die für sie sichtbar sind.

Ich wünsche dir alles Liebe,
Elias

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Eine Antwort

  1. Anonym sagt:

    Lieber Mensch, der diese Frage(n) gestellt hat.
    Ich bin Mitte 20, habe mich selbst zeitweise als transmaskuline Butch gelabelt, und kenne Menschen in meinem Alter, die sich so identifizieren. Nichts ist falsch daran. Auch das Wort „Guydyke“ wird in meinen Kreisen verwendet. Du bist genau richtig, so wie du bist.

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