Kummerkastenantwort 6.056 – Was ist der Sinn hinter Labels?

Hallo. Ich bin per Zufall auf diese Seite geraten. Ich bin eine Mutter und gerade ziemlich ratlos. Ich bin sexuell sehr offen, verstehe aber nicht, wieso die Menschen so sehr darauf aus sind, sich einer sexuellen Ausrichtung zuordnen zu dürfen/dies scheinbar eher zwanghaft müssen? Ist das dem Thema queersein förderlich, wenn wir uns dann doch wieder einer Gruppe zuordnen wollen/müssen. Ich möchte einfach lieben können/dürfen, wer mir vor die Nase kommt, ohne dass ich dem einen Namen geben muss und mich fragen muss, darf ich diese Person jetzt lieben, wenn ich lesbisch bin. Das ist es, was ich mir für meine Kinder wünsche. Bitte erklärt mir den Sinn hinter all diesen „Labels“. Ich glaube es sollte einen einzigen Begriff geben und der heisst LIEBE. Ist das zu kurz gegriffen? Aber wenn das Ganze nur dazu dient, sich zu identifizieren, dann haben wir meiner Meinung nach ein nicht sexuelles grösseres Problem, welches doch auch wieder Menschen ausgrenzt?!? Wie soll ich diese Probleme je meinen Kindern beibringen, die sollen einfach frei sein und lieben wenn und wie sie wollen ohne Angst zu haben, dass sie sich der falschen Gruppe zugeordnet haben… Ich möchte ganz und gar niemanden verletzten, bin einfach zu einfach gestrickt vielleicht? Aber es scheint mir, die jungen Menschen stehen sich hier gerade selbst im Weg mit ihren auferlegten Konventionen. Falls diese Frage verletzend sein sollte, dann muss die nicht beantwortet werden – das möchte ich unter keinen Umständen… ich würde mich einfach über eine Erklärung freuen, damit ich zur gegebenen Zeit meine eigenen Kinder unterstützen kann.

Hallo!

Ein Label sollte natürlich nicht dafür da sein sich selber (oder andere) in eine Kategorie oder eine Box zu zwängen, sondern sollte ein simples Wort / ein simple Beschreibung sein, um zu erklären, wie man sich fühlt und identifiziert. Natürlich kann sich soetwas ändern und ist in der Realität auch einfach komplizierter, als nur ein Wort, aber es ist eben eine gute Hilfestellung, die die Basis schon mal erklärt ohne in die Tiefe gehen zu müssen, wenn man nicht möchte.

Außerdem kann ein Label auch etwas Sicherheit geben. Viele Leute, besonders Jugendliche, fühlen sich verunsichert, einsam oder auch nicht „normal“, wenn sie bemerken, dass sie was Sexualität und/oder Gender anders sind, als ihr Umfeld. Da kann ein Label helfen, einerseits dadurch dass man sagen kann „ich bin Label XY“, anstatt „ich bin anders“. Andererseits kann ein Label helfen (oder macht es leichter) andere zu finden, die sich ähnlich fühlen wie man selber. Man merkt also, man ist nicht alleine, man ist nicht unnormal und kann sich über die eigenen Erfahrungen austauschen.

In einer Welt, die so offen wäre, dass niemand die Erfahrung von Einsamkeit, Verunsischerung, Ausgrenzung, etc. wegen der eigenen Sexualität und/oder der Genderidentität erfahren muss, bräuchten wir vielleicht keine Label und das wäre sicher schön, leider ist das aber (akutell) nicht die Welt in der wir Leben.

Du hast aber auch Recht: Sich selber ein Label aufzuzwängen und sich selber (und auch anderen) nicht erlauben sich davon auch „wegzubewegen“, ist nicht hilfreich.

Schau gerne zu dem Thema auch ein mal in unsere Broschüre über Labels.

Alles Gute,

Joshua

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