Kummerkastenantwort 6.084 – Wie kann ich Queerfeindlichkeit in meinem Umfeld entgegen treten und queere Leute kennen lernen?
Hi,
Ich (afab) bin 13 Jahre alt und polyromantisch. Mir fehlt die queere Repräsentation in meiner Welt. In letzter Zeit fallen mir immer mehr Sachen auf die so doof sind. Diese ganzen Mann/Frau Toiletten; Menschen, die irgendwas „typisch dieses oder jenes Geschlecht“ nennen; Menschen die Label als Schimpfwörter benutzen und so weiter. Es nervt mich einfach. Wie kann ich dafür sorgen das andere Leute queerfreundlicher reden, werden und handeln? Wie kann ich dafür sorgen das andere nicht immer irgendwelche Sachen sagen die einfach kompletter Quatsch sind? Ich kann ja auch schwer mitten im Unterricht reinrufen und sagen warum das gerade unangemessen oder falsch war. Sollte ich mich dafür vielleicht sogar outen um zu zeigen Hey, ich bin auch da! Und hey, denkt mal darüber nach was ihr so sagt! Aber wie soll ich mich dann outen…? Ich will mich nicht einfach hinstellen und das sagen, das wäre doof. Es kann ja den anderen eigentlich egal sein, es ändert für sie ja nichts…. Habt ihr irgendwelche Ideen wie ich mir meine Queere Repräsentation schaffen kann und wie ich mein Umfeld verbessern kann? Und wie kann ich andere queere Menschen an meiner Schule kennenlernen?
Danke für eure Hilfe, ihr habt mir schon oft geholfen.
LG ♡
Hallo!
Es ist total toll und wichtig, dass du dich für dich und andere queere Menschen stark machen möchtest!
Wenn es spezifisch um Sachen im Unterricht geht, ist reinrufen vielleicht nicht ganz höflich, aber es wäre natürlich eine Möglichkeit, sich zu melden und anzusprechen, dass jeman etwas queerfeindliches gesagt hat oder zu erwähnen, dass queere Personen bei Themen und Gesprächen übergangen oder auch vergessen werden.
Die andere Möglichkeit wäre, die Personen (ob Lehrer*innen oder Mitschüler*innen), unter vier Augen nach der Unterrichtsstunde darauf anzusprechen und sie vielleicht zu denken anzuregen 🙂
Denk dabei aber auch bitte immer an dich und deine eigene Gesundheit und Sicherheit. Damit meine ich einerseits, dass sich stark machen wirklich super und wichtig ist, aber es ist eben auch oft anstrengend. Wenn du mal keine Kraft dazu hast, ist das vollkommen okay, du darfst auch Pause machen, Kraft sammeln und dann mit neuer Kraft weiter machen. Andererseits solltest du (so traurig, dass auch ist) auch darauf Acht geben, dass du dich nicht in Gefahr begibst. Wenn du denkst, dass dir gegenüber jemand beleidigend, aggressiv oder sogar gewalttätig werden könnte, solltest du dir zu Liebe davon absehen. Und sollte soetwas trotz Vorsicht passieren, zöger nicht dir bei jemandem (wie Lehrer*innen, deinen Erziehungsberechtigten oder auch eine gezielte Anlaufstelle) Hilfe zu holen.
Wenn du etwas mehr Energie und Zeit reinstecken möchtest, könntest du vielleicht auch ein*e Lehrer*in ansprechen, ob es die Möglichkeit gibt, vielleicht einen Unterrichtseinschub oder auch ein Projekt zum Thema Queerness und Queere Repräsentation zu machen. Kann natürlich sein, dass das nicht geht, aber Fragen kostet ja nichts 🙂
Ich denke nicht, dass es zwingend nötig ist, sich dafür zu outen. Wenn du es möchtest, ist es natürlich nich verkehrt (und kann dir vielleicht helfen, andere queere Personen kennzulernen), aber du musst dich nicht outen, um gehört zu werden und etwas zu erreichen. Und auch beim Outing muss ich leider daran erinnern, dass du unbedingt als erstes an deine eigene Sicherheit denken solltest.
Zum Thema kennenlernen:
Es wäre eine Möglichkeit in irgendeiner Form eine Pride Flag zu tragen, zum Beispiel als Pin am Rucksack, Armband, etc. Möglicherweise fällt es jemandem auf und spricht dich darauf an. Genau do kannst du auch anders herum die augen offen halten und wenn du etwas siehst, die Person ansprechen.
Das ist aber nur eine Iddee, sicherlich gibt es da noch anderre Möglichkeiten.
Alles Gute,
Joshua


