Kummerkastenantwort 6801: Ich überlege, ob ich trans bin, und möchte Unterstützung dabei, meine Erfahrungen einzuordnen.
Ich bin mir bei meiner Geschlechtsidentität nicht vollständig sicher. Ich habe das Gefühl, mich in einem bestimmten Spektrum zu bewegen, habe aber immer wieder schleichende Gedanken, ob ich nicht eher trans bin, statt mich nur als nicht-binär bzw. genderfluid einzuordnen.
Ich habe ein eher stilles Coming-out gemacht, indem ich es in meiner Familie nicht direkt ausgesprochen habe, sondern eher indirekt (z. B. über Flaggen in Profilbildern). Mit meiner Tante hatte ich ein richtiges Coming-out-Gespräch, und sie unterstützt mich. Mit Freund:innen im echten Leben und online habe ich ebenfalls darüber gesprochen. Meine Familie weiß ansonsten größtenteils nichts davon.
Ich beschäftige mich seit etwa eineinhalb Jahren intensiver damit. Dieses Gefühl, eventuell trans zu sein, begleitet mich jedoch schon seit etwa 2020/2021, teilweise vermutlich auch früher.
Ich habe einige Erfahrungen, die mich verunsichern oder nachdenklich machen:
– Online wurde ich früher wegen meiner Stimme oft als Mädchen wahrgenommen und habe das teilweise akzeptiert.
– Ich hatte in der Grundschule mehr Kontakt zu Mädchen als zu Jungen.
– Ich hate in dieser Zeit ein „Doppelleben“ erlebt und mich online in weiblicher Rolle wohlgefühlt.
– Ich empfinde zeitweise Unwohlsein mit bestimmten körperlichen Merkmalen und meide inzwischen auch Situationen wie öffentliche Bäder, in denen der Oberkörper frei wäre.
Ein weiterer wichtiger Moment war ein Cosplay auf der Buchmesse, bei dem ich einen japanischen Charakter mit Crossdressing von MtF dargestellt habe. Trotz Überwindung habe ich mich dabei sehr wohl und stimmig gefühlt.
Aktuell nutze ich die Pronomen sie/er, tendiere aber eher zu sie, da sich „er“ für mich weniger passend anfühlt. Bei „sie“ angesprochen zu werden löst oft ein positives Gefühl aus.
Insgesamt bin ich unsicher, wie ich diese Erfahrungen einordnen soll, und würde gerne Unterstützung dabei bekommen, sie besser zu verstehen.
Hallo!
Es klingt für mich, als kann es gut sein, dass du trans bist. Welches Label letztendlich gut zu dir passt, kannst aber nur du selbst bestimmen. Du darfst auch trans, nicht-binär und/oder genderfluid zusammen benutzen, wenn du möchtest. Du darfst dich da auch ausprobieren. Wenn du möchtest, kannst du dich auch mit anderen queeren Personen austauschen und dort von deinen Erfahrungen erzählen und hören, wie es anderen geht. Das ginge z. B. online in unserem Regenbogenchat oder Queer Chat, je nachdem, wie alt du bist. Ich wünsche dir alles Gute!
Viele Grüße
Hannah


