Kummerkastenantwort 6287 – Soll ich doch keine queer AG gründen?

Hi,

Erstmal Riesen Danke an eure wichtige und großartige Arbeit hier!



Also meine Frage:

Ich und meine Freundinnen sind eigentlich dabei eine Queer-AG zu gründen. Es soll ein Schutzraum sein für alle die queer sind / sich für das Thema interessieren / sich nicht sicher sind ob sie queer sind oder nicht etc.

Und ich habe gerade meine Hose bestickt in Regenbogenfarben. Es war eigentlich nicht unbedingt als Pride gemeint sondern eher als schöner bunter Schmuck. Und ich habe es meinen Eltern gezeigt. Sie finden es total schön aber haben auch zu bedenken gegeben, dass dies auch als eindeutiges Statement gesehen werden kann und ich damit auf Anfeindungen treffen kann. Mein Papa meinte auch dass die AfD jetzt versucht hat ein Gesetz durchzusetzen dass Lehrkräfte keine politischen statements sagen sollen (in dem Bundesland wo ich lebe) und es sogar eine Person geben soll die es melden soll wenn jemand dagegen verstößt. Dies traf zwar auf Ablehnung aber ich mache mir jetzt doch ein bisschen Sorgen. Sollte ich lieber vorschlagen, dass wir die AG lassen? Oder aussteigen? Ich finde das eigentlich schade aber ich bin eigentlich auch nicht so der Typ der offen allen die eigene Meinung zeigt und auf welcher Seite man steht, was ja passieren würde wenn wir diese AG gründen. Ich will lieber für mich wissen dass ich Queerness unterstütze aber nicht unbedingt ein Statement für die ganze Welt (okay das ist übertrieben aber zumindest für die Schule) abgeben.

Meine Eltern meinten auch dass ich die Hose ruhig noch anziehen kann, der bestickte Teil wird eh von einer Jacke überdeckt wenn ich eine anhabe aber ich soll vielleicht trotzdem ein bisschen vorsichtig sein. Und jetzt will ich diese AG gründen….. Also was denkt ihr? Sollten wir lieber aufpassen und die AG lassen oder weitermachen und einfach hoffen dass es keine schlimmen Anfeindungen geben wird und die Zeiten nicht schlimmer werden…?



Liebe Grüße und nochmal danke für eure tolle Arbeit!

Hallo!
Danke für deinen Einsatz bisher! Auf deine Frage gibt es leider keine einfache Antwort, auch wenn ich wünschte, dass es einfacher wäre. Ich überlege selbst manchmal mehrfach, ob ich meine Regenbogenfarbenen Klamotten anziehen möchte, oder ob ich doch lieber eine „sicherere“ Option auswähle. Das ist in Zeiten der aktuellen politischen Entwicklungen leider Realität für queere Personen. Und genau deswegen ist es gleichzeitig so wichtig, eben trotzdem Sichtbar zu sein und ein Zeichen für queere Rechte zu setzen. Dabei müssen wir aber auch auf uns aufpassen und schauen, dass wir uns eben nicht in Gefahr bringen, sondern unsere eigene Sicherheit priorisieren, denn wer passt sonst auf uns auf? Du schuldest niemandem, sichtbar queer zu sein. Es klingt für mich, als unterstützen dich deine Eltern und als kannst du mit ihnen über das Thema sprechen, das finde ich ein gutes Zeichen.

Zu der Queer-AG: Ich würde sagen, das ist eine Abwägungssache zwischen eurer Sicherheit und dem Schaffen eines Schutzraumes, der ja wiederum auch empowernd wirken kann und dringend notwendig ist, um dem Platz für etwas Queer Joy einzuräumen. Ich kann dir die Entscheidung nicht abnehmen, aber es klingt als hast du einige Mitstreiter*innen, mit denen du dich gut zum Thema austauschen und gemeinsam den Kopf zerbrechen kannst. Ich würde dir aber gern die Fragen mitgeben: Wie steht deine Schule zur Gründung der Queer-AG? Das heißt: Ist die Schulleitung offen gegenüber dem Thema und erkennt die Wichtigkeit an? Gibt es Lehrkräfte, die euch den Rücken stärken können? Gibt es weitere Verbündete? Sich im Vorfeld darüber Gedanken gemacht zu haben, was im Fall von Anfeindungen passieren kann, und wer dann unterstützen und an wen man sich wenden kann, kann hilfreich bei der Entscheidungsfindung sein.

Viele Grüße und viel Erfolg
Hannah

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