Kummerkasten Antwort 90: Wie fühlt sich sexuelle Anziehung an?

Hallo,
es heißt ja immer, Asexualität ist nicht, dass eins Sex nicht mag, sondern, dass eins keine sexuelle Anziehung verspürt. Was ist denn diese “sexuelle Anziehung”? Sieht eins da einen Menschen und denkt sich:’ Mit der*dem hätte ich gerne Sex…’ oder wie ist das zu verstehen?

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

Das ist eine sehr gute Frage. Ich gebe sie mal weiter an unsere Follower*innen auf facebook und instagram – vielleicht findest du etwas Hilfreiches in den Kommentaren.

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten Antwort 89: Ich habe Angst vor Sex

Hallo lieber Kummerkasten,
ich bin jetzt 18 Jahre alt (weiblich) und beschäftige mich schon seit einer Weile mit dem Thema Geschlecht und Sexualität und versuche so viel wie möglich zu verstehen damit ich dir Leute in meinem Umfeld beschützen und nachvollziehen kann. Allerdings fange ich langsam auch an an mir zu zweifeln. Ich habe so ziemlich allen in meinem Freundes und Familienkreis gesagt dass ich Bisexuell bin aber wenn ich darüber nachdenke it einem anderen Menschen so intim zu werden und mich völlig vor dieser Person zu entblössen und auch noch berührt zu werden kriege ich grosse angst und will es so lang wie möglich herauszögern. Ich war auch noch nie in einer Romantischenbeziehung und denke auch nicht dass ich so etwas dringen brauche. Als romantisch oder Asexuell identifiziert zu werden hört sich aber auch falsch an.
Woher weiss ich was ich will?
Jeder sagt mir ich soll es einfach ausprobieren aber ich werde bei so etwas immer so schnell nervös. Ich habe noch nicht mal jemanden richtig geküsst.
LG Morena

Hallo Morena,

Ich kann deine Gefühle und Ängste gut nachvollziehen. Angst vor Sex und Intimität bedeutet aber nicht, dass du asexuell bist. Asexuell heißt, dass du niemanden sexuell anziehend findest.

Gerade, wenn du noch nie Sex hattest (oder für die, die mitlesen: wenn eins schon lange keinen Sex mehr hatte, oder mit einer neuen Person schläft) ist es häufig, dass man ein bisschen Angst hat oder unsicher ist.

Wichtig ist, dass du dich zu nichts drängen lässt, sondern dieses Gefühl ernst nimmst. Und – gerade, wenn du noch nie jemanden geküsst hast – ist Sex ja nicht das erste, was passieren wird. Lass dir mit diesen Schritten Zeit.

Nach einem ersten Kuss ist vielleicht erstmal Kuscheln und Knutschen angesagt, ohne dass du mit der Person Sex hast. Dabei kannst du auch austesten, wie wohl du dich fühlst und ob dein*e Partner*in es respektiert, wenn du “Nein” oder “Stop” sagst. (Tipp: wenn die Person das nicht respektiert oder dich zu etwas drängt ist das eh keine Person, mit der eins Sex haben sollte. Konsens ist das A und O). Eine gute Idee ist vielleicht auch dich, vor dem ersten Mal Sex von deine*r Partner*in massieren zu lassen – dabei ist auch etwas nackte Haut und Intimität, aber weniger krass als Sex.

Aber es kann natürlich auch sein, dass du asexuell und/oder aromantisch bist. Das ist überhaupt nichts schlimmes. Allerdings kannst das nur du wissen und nur du dich so identifizieren – niemand sonst.

Alles Gute für dich!

Annika

Kummerkasten Antwort 89: Queer und BDSM?

Auf Wikipedia wird unter “Queer” BDSMler in einem Atemzug mit z.B Intersexuellen angeführt (wikipedia: Queer steht heute sowohl für die gesamte Bewegung als auch für die einzelnen ihr angehörenden Personen. Es ist eine Art Sammelbecken, in dem sich – je nach Selbstaussage – außer Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Intersexuellen, Transgendern, Pansexuellen, Asexuellen und BDSMlern auch heterosexuelle Menschen, welche Polyamorie praktizieren, und viele mehr finden lassen.) Ist das nicht aber eher eine Fetischrichtung?

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

Deine Frage ist schwierig, weil es natürlich niemanden gibt, der*die bestimmen darf, wer oder was queer ist.

BDSM ist keine sexuelle Orientierung oder ein Geschlecht, das ist richtig – sondern ein kink.

Wir im Team kennen uns damit leider nicht gut genug aus, um viel darüber sagen zu können – wir wollen uns damit aber mehr beschäftigen und vielleicht mal eine Folge unseres Buchstabensuppe-Podcasts dazu machen.

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten Antwort 88: Sex und Gender?

Hab ich das richtig verstanden: Sex = bilogisches Geschlecht (m/w/d); Gender = soziales Geschlecht (homo/hetero/…)?
Und wenn ja, was fällt alles in die Kategorie “Divers”? Transmenschen? Wer noch?
Und wo sind die Kategorien: Bi, A_sexuell, A_romantisch, nicht-binär, inter und poly etc. einzuordnen?
Ein kurzer Überblick über den Unterschied von Sex und Gender und im besten Fall der korrekten deutschen Übersetzung (also Pendant/ fachsprachliche Übersetzung zu den englischen begriffen sex und gender ) wäre super hilfreich 🙂

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

Leider ist das alles sehr viel komplizierter.  Grundsätzlich gibt es nicht nur zwei, sondern drei große Kategorien: Sex, Gender und Desire.

Sex steht für körperliches Geschlecht – da sind die Möglichkeiten, dass eine Person entweder der medizinischen Geschlechternorm entspricht, oder intergeschlechtlich ist.

Dann gibt es bei Gender, d.h. dem sozialen Geschlecht, die Geschlechtsidentität, die Geschlechterrolle, das juristische Geschlecht usw. Während es bei der Geschlechtsidentität unendlich viele Möglichkeiten gibt (z.B. männlich, weiblich, nicht-binär), gibt es juristisch vier (männlich, weiblich, divers und kein Geschlecht). Theoretisch fallen in die juristische Kategorie divers nur intergeschlechtliche Menschen -aber viele trans Menschen haben ein rechtliches Schlupfloch genutzt und haben jetzt auch den Eintrag ‘divers’.

Unter desire fallen sexuelle und romantische Orientierungen, also z.B. schwul, lesbisch, hetero, asexuell, aromantisch, bisexuell, pansexuell usw.

Allerdings ist dieses Modell sehr stark in der Kritik, u.a. weil auch das körperliche Geschlecht sozial konstruiert ist und weil es oft dafür benutzt wird, transfeindlich zu argumentieren.

In unserem Video zu Heteronormativität kannst du mehr darüber erfahren – ansonsten werden wir hoffentlich bald eine Art online-Kurs genau zu diesen Fragen  veröffentlichen 🙂

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten Antwort 87: Regenbogenflagge

Die LGBT+ Pride Flag, auch Regenbogenfahne genannt, entstand 1974

Das war wohl eher 1977
LG
arno nym

Hallo Arno Nym,

Danke für deinen Hinweis – ich habe nochmal nachgeforscht und sie entstand tatsächlich erst 1978. Ich habe es aktualisiert.

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten Antwort 86: Meine Klasse ist homofeindlich

Hallo,
Ich bin 12 Jahre alt und panromantisch. Meine Klasse findet es lustig und für die Person beleidigend jemanden als gay etc. zu bezeichnen. Ich fühle mich dadurch selbst irgendwie angegriffen, möchte es aber auch nicht ansprechen da sie mich sonst warscheinlich nur beleidigen würden.
Habt ihr für mich einen Tipp, wie ich damit umgehen soll?

Hallo!

Ich kann gut verstehen, dass du das nicht ansprechen möchtest und dass das für dich eine schwierige Situation ist.

Hast du denn Freund*innen, bei denen du dich geoutet hast und die dich unterstützen? Vielleicht können die etwas dagegen sagen, wenn es passiert?

Ansonsten wäre es vielleicht eine gute Idee, einem*einer Lehrer*in von dir Bescheid zu sagen – damit du Unterstützung bekommen kannst und auch eure Lehrer*innen immer eingreifen, wenn jemand homofeindliche Sachen sagt.

Ich wünsche dir alles Gute!

Annika

Kummerkasten Antwort 84: Demiboy oder Demigirl?

Bin ein Mann der sich mehr als Frau fühlt und sehe mich als demigender aber was trifft da eher auf mich zu demiboy oder demigirl den da findet man einfach zu viele Antworten ist der boy der junge der sich als Mädchen fühlt oder ist der junge girl da er sich mehr als Mädchen fühlt

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

Wenn ich das richtig verstehe, wurdest du bei deiner Geburt männlich zugewiesen, identifizierst dich aber als weiblich, bzw. demigender, richtig?

In diesem Fall wäre der Begriff Demigirl glaube ich eher, was du suchst – es geht um das Geschlecht, mit dem du dich identifizierst, nicht dem Geschlecht, das dir bei der Geburt zugewiesen wurde.

Ich hoffe, das hilft dir weiter. Alles Gute für deinen Weg!

Annika

Kummerkasten Antwort 83 – Manchmal ein Junge, manchmal ein Mädchen?

Hallo,
ich weiß gar nicht wie ich Anfangen soll, ich bin momentan einfach irgendwie verwirrt und unglücklich. Und zwar fühle ich mich als Junge an Manchen Tagen wie ein Mädchen. Das hört sich jetzt wahrscheinlich komisch an, aber ich weiß nicht weiter. An manchen Tagen bin ich voll zufrieden und auch Glücklich während ich an anderen Tagen einfach nur herumsitze und sehr unglücklich bin aufgrund das ich mich manchmal eher als Mädchen fühle aber kein Mädchen bin. Wie nennt man denn sowas? Gibt’s dafür eine Erklärung?

Hallo lieber Mensch,

was du beschreibst, hört sich gar nicht mal so komisch an. Es klingt, als könntest du genderfluid sein – viele Menschen, denen es ähnlich geht wie dir, verwenden diesen Begriff, um zu beschreiben, dass sie nicht ein einziges, festes Geschlecht haben, sondern dass sie mehrere Geschlechter haben, zwischen denen sie ‘fließend’ wechseln. Oft wechselt das Geschlecht dieser Menschen zwischen männlich und weiblich, es kann aber auch zwischen anderen Geschlechtern wechseln. Wenn du dich zum Beispiel an manchen Tagen eher weiblich, aber nicht zu hundert Prozent weiblich fühlst, könnte es sein, dass du an diesen Tagen ein demigirl bist, also eine Person, die teilweise oder größtenteils weiblich ist, aber eben nicht vollständig.

Auf jeden Fall sind deine Erfahrungen mit deinem Geschlecht vollkommen in Ordnung und du bist nicht alleine. Vielleicht hilft es dir ja, dich mit anderen Leuten zu unterhalten, die genderfluid sind. Auf Social Media reden Menschen oft über ihre Erfahrungen mit fluidem Geschlecht, vielleicht gibt es da ja Menschen, denen du zuhören und mit denen du reden kannst. Und falls du noch weitere Fragen hast, kannst du dich jederzeit wieder gerne an uns wenden.

Viele Grüße und alles Gute,
Balthazar

Kummerkasten Antwort 82 – Was tun gegen Misgendering?

Hallo, ich bin seit 1,5 Jahren geoutet und habe vor etwas über einem Jahr mein Pronomen geändert zu “es” und habe meine Familie drum gebeten, das zu benutzen. Aber ich habe das Gefühl, dass die sich lieber die Zunge rausreißen würden als mich nicht zu misgendern, denn nicht ein einziges Mal haben sie mein Pronomen benutzt (außer um mich zu manipulieren wenn ich was für sie tun sollte). Auch benutzen sie ständig binär gegenderte Nomen für mich wie Bürger oder Schülerin. Ich fühle mich mit beidem nicht wohl, lieber hätte ich diese Wörter umschrieben oder mit Sternchen oder so gegendert, aber die geben mir das Gefühl das alles wäre zuviel verlangt und nur ein paar Sonderwünsche. Generell stehen die sehr auf generische Maskulina. All das tut ziemlich weh und ich weiß nicht was ich tun soll. Manchmal überlege ich ob ich sie einfach ganz aus meinem Leben schneide. Könnt ihr helfen?

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

es tut uns furchtbar leid zu hören, dass dein Geschlecht und deine Pronomen von den Menschen, die dir nahe stehen nicht respektiert werden. Das muss sehr weh tun, und deine Gefühle dazu sind vollkommen verständlich. Es ist definitiv nicht zu viel verlangt, dass die Menschen um dich herum Sprache verwenden, die dich nicht verletzt und mit der du dich wohl fühlst. Menschen passen ständig ihre Sprache an, je nachdem, mit wem sie reden – niemand spricht mit der Chefin gleich wie mit den Freund*innen, oder mit der Oma so wie mit der Clique – nur bei trans und nichtbinären Menschen tun plötzlich alle so, als sei es ein riesiger Aufwand und viel zu viel verlangt, und das ist schlicht und einfach transfeindlich.

Es ist schwierig zu sagen, wie du damit umgehen kannst. Wir haben hier mal ein paar Ideen gesammelt:

Du kannst nochmal versuchen, mit den Leuten darüber zu reden, wie sehr dich ihr Verhalten verletzt. Vielleicht hilft es dabei auch, ihnen die Konsequenzen ihres Handelns klar zu machen: Du kannst ihnen sagen, dass du nicht mehr gerne Zeit mit ihnen verbringst, wenn sie deine Bedürfnisse nicht ernst nehmen, und dass du darüber nachdenkst, den Kontakt abzubrechen. Es kann dann allerdings leider auch passieren, dass sie nach wie vor nicht verstehen, wie ernst es dir ist, und dass dann die Situation noch angespannter wird.

Was auch gut sein kann, ist den Menschen in deinem Umfeld mehr Informationen zur Verfügung zu stellen – was bedeutet es, nichtbinär zu sein? Welche anderen Leute verwenden auch es-Pronomen? Was ist misgendering und warum ist es so schädlich? Zu diesen und ähnlichen Themen gibt es Informationen, Artikel und Erfahrungsberichte online, vielleicht hilft es, mit deinen Verwandten andere Quellen zu teilen, die deine Position verdeutlichen. Es kann hilfreich sein, wenn solche Informationen nicht immer nur von dir kommen, sondern manchmal etwas indirekter – das nimmt dir Arbeit ab und lässt anderen die Möglichkeit, die Sache mit etwas Abstand und aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Manche Menschen hören auch einfach auf zu reagieren, wenn Menschen sie mit dem falschen Namen oder falschen Pronomen ansprechen. Das ist eine etwas witzige, aber auch trotzige Art, mit misgendering umzugehen. Ab und zu mal frech nachzufragen, “Wer ist sie/er überhaupt? Von wem redet ihr da die ganze Zeit?” oder halt in Gesprächen einfach nicht mehr zu reagieren, bis die richtige Sprache für dich verwendet wird, ist eine passive und einfache Art, den anderen klarzumachen, dass sie falsch handeln. Oder du nimmst dir eine andere Person (oder mehrere) mit, die penetrant verbessert, wenn andere die falschen Pronomen verwenden. Das zeigt deiner Verwandtschaft, dass es durchaus kein Ding der Unmöglichkeit ist, dich richtig und respektvoll anzusprechen.

Falls du aber das Gefühl hast, dass nichts wirklich hilft und dass diese Menschen dir nach wie vor bewusst wehtun, dann kann es auch gut sein, zumindest für eine Weile den Kontakt abzubrechen. Ständig misgendert zu werden, kann ganz schön der Gesundheit schaden, und es ist wichtig, dich mit Leuten zu umgeben, die das Beste für dich wollen und sich auch so verhalten. Es ist schmerzhaft, Menschen aus dem Leben zu schneiden, aber wenn diese Menschen sich so verhalten, wie deine Verwandtschaft es tut, bleibt manchmal keine andere Wahl.

Hoffentlich lassen sich deine Verwandten überzeugen und lernen, besser mit dir zu reden und umzugehen. Wir wünschen dir auf jeden Fall alles Gute!

Viele Grüße,
Balthazar