Lob <3

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Danke dafür!

Vielen Dank <3 <3 <3

Kummerkasten Antwort 76 – Furry und queer?

Hallo.

Ich hatte noch nie eine Freundin, so wie man das eben schon in der Schule hat. Ich habe das bislang immer damit begründet, dass mein Umfeld immer sehr Jungs-lastig war, auch in der Hochschule. Da gab es ein paar schwule Männer, ich akzeptiere sie so wie sie sind. Da ist für mich nichts besonderes dabei, im Gegensatz zu meinen Eltern. Mittlerweile bin ich 27. Ich habe schnell akzeptiert, dass die Vorstellung von Sex nicht so meins ist und ich wohl asexuell sein könnte. Ich bin im zweiten Anlauf vor ein paar Monaten über Cosplay ins Furry-Fandom reingekommen. Aus unbekannten Gründen haben sich in dieser Gruppe überdurchschnittlich viele queree Menschen eingefunden. Trotzdem bedeutet ein Furry zu sein nicht zwingend queer zu sein. Aber trotzdem habe ich darüber nachgedacht, aber nichts so recht gefunden was mit mir ist. Ich fühle mich auch nicht so recht zu Männern hingezogen. Nur dass ich gerne einen sportlichen Körper haben will. Für mich ist es eine schöne Vorstellung mit einer Freundin zu kuscheln und aneinander zu liegen. Aromantisch bin ich wohl auch nicht? Mir ist aber aufgefallen, dass mir Charactere (Fursonas) ohne Geschlechtsdefinition besonders gefallen.

Hallo,

ich hoffe, ich kann deine Frage beantworten – in unserem Team kennen wir uns nicht gut mit dem Furry-Fandom aus, deswegen versuche ich mich vor allem auf den Teil mit der Sexualität und dem Geschlecht zu konzentrieren.

Es ist vollkommen okay, noch keine Beziehung gehabt zu haben und vielleicht auch insgesamt keine zu haben – es ist eine unfaire Erwartungshaltung von der Gesellschaft, dass alle Menschen eine (romantische, sexuelle) Paarbeziehung wollen und haben und dass sie am besten damit schon in der Schulzeit anfangen sollen. Viele Menschen haben keine Paarbeziehung, vor allem nicht in der Schulzeit, und es gibt viele verschiedene Gründe dafür.

Es klingt durchaus für mich so, als könntest du asexuell sein. Asexualität ist Teil der queeren Community, von daher ergibt es durchaus Sinn für mich, dass du dich unter queeren Furrys unter deinesgleichen fühlst. Kuscheln und körperliche Nähe haben ja an sich nichts mit Sex (und auch nicht unbedingt mit romantischen Gefühlen) zu tun, d.h. wenn du das Gefühl hast, dass das Label “asexuell” für dich passt, dann steht dem nichts im Wege.

Vielleicht ist das Furry-Fandom für dich auch ein Einstieg, um dich mehr mit Geschlecht auseinanderzusetzen. Du schreibst, dass dir die geschlechtsneutralen Varianten besonders gefallen – vielleicht kann dich das zum Nachdenken anregen über deine eigene Geschlechtsidentität oder die deiner bevorzugten Partner*innen. Du könntest dich ja mal mit dem Begriff “nichtbinär”/”nonbinary” auseinandersetzen, falls dich das interessiert.

Hoffentlich war das hilfreich. Weiterhin viel Erfolg bei deiner Suche!

Viele Grüße, Balthazar

Kummerkasten Antwort 75 – trans Mädchen mit Angst vor Coming Out

Hallo, ich bin Roland und Level 14.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich eigentlich eine Frau bin, also Trans. Meine Schwester hat mich mal eines Tages geschminkt und ich fand es wider Erwarten toll! Ich sah mich gerne so aufgebrezelt im Spiegel:) Als meine Schwester einmal nicht da war, bin ich in ihr Zimmer und hab ihren BH anprobiert und mich in eine Bluse von ihr gezwängt. Mich so zu sehen, erfüllte mich mit großer Freude. Am liebsten würde ich mich outen, meine Eltern jedoch wählen beide die NPD und haben auf Andeutungen meinerseits stets mit blanker Abneigung reagiert. Ich habe Angst, dass Sie mich verstoßen, sollte mein wahres Ich ans Licht kommen. Da die Eltern der wichtigste Bezugspunkt im Leben sind, will ich sie nicht verlieren! Aber verstellen möchte ich mich auch nicht weiter! Also, liebes Kummerkastenteam, was soll ich tun?

LG Roland

Hallo!

Uff, das klingt nach einer wirklich schwierigen Situation. Alles, was ich dir jetzt vorschlage sind Vorschläge und keine Anweisungen, ok? Du musst selber nachdenken und abschätzen, was für dich eine gute Idee ist, und was nicht.

Du hast recht, eine Beziehung mit den eigenen Eltern ist wichtig – aber auch nur solange, wie du damit glücklich bist, du du selbst sein kannst und nicht in Gefahr bist. Viele queere Menschen mussten ähnliches durchmachen wie du. Bei manchen haben die Eltern irgendwann gelernt, ihre Kinder zu akzeptieren und sie haben (wieder) eine gute Beziehung. Manche queeren Menschen mussten die Beziehung zu ihren Eltern aber auch aufgeben – und haben sich in der queeren Community eine neue Familie gesucht. Ich hoffe sehr für dich, dass deine Eltern irgendwann lernen, dich zu akzeptieren (und vielleicht nicht mehr NPD wählen….)

Wenn du die Angst hast, dass deine Eltern dich verstoßen (oder dir eventuell sogar etwas antun) wenn du dich outest, musst du eventuell warten, dich zu outen, bis du 18 bist. Dann kannst du selbst über alles in deinem Leben entscheiden und z.B. zuhause ausziehen. Bis dahin kannst du dich vielleicht im Internet als Mädchen bewegen und outen. Ich weiß, dass das schmerzhaft und schwierig ist – aber ich glaube, eine bessere Lösung gibt es dafür nicht.

Mir ist noch wichtig zu sagen: Gut wäre, wenn du eine erwachsene Person in deinem Leben hättest, die Bescheid weiß (z.B. eine Sozialarbeiter*in, eine Tante, ein Onkel, eine Lehrkraft etc.) und die dich so akzeptiert wie du bist. Wenn mit deinen Eltern etwas schief gehen sollte, hättest du eine Person, die du anrufen kannst und die sich dann um dich kümmert. Falls deine Eltern dich verstoßen und du dann noch keine 18 bist, solltest du dich unbedingt auch ans Jugendamt deiner Stadt oder deines Ortes wenden.

Ich wünsche dir alles Gute!

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten Antwort 74: Bin ich bi oder ace?

Liebes Queerlexikon-Team,
mein Name ist Sai, ich bin 16 Jahre alt und ich bräuchte eure Hilfe. Mir war schon immer klar, dass ich eine cis Frau bin (auch wenn diese typischen Geschlechterrollen scheiße sind), jedoch bin ich mir noch unsicher was meine Sexualität angeht.
Ich hatte schon öfter einen Crush auf Jungen, Mädchen und nicht-binäre Menschen, aber so richtig verliebt war ich noch nie. Ich weiß auch, dass ich Menschen von jedem Geschlecht (egal ob cis oder trans*) daten würde.
Ich verbringe viel lieber Zeit mit Mädchen und nicht-binären Menschen und fühle mich bei ihnen auch wohler, was Umarmungen, Hand halten, körperliche Nähe an sich etc betrifft.
Momentan nutze ich das Label “Bi” für mich, aber ich habe ein wenig Angst, dass das alles nur eine Phase ist…
Zudem weiß ich nicht, ob ich vielleicht auch Ace bin. Ich hatte zwar noch nie Sex und kann das deshalb auch nicht nachempfinden, jedoch finde ich die Vorstellung von mir beim Sex irgendwie komisch, wenn nicht sogar ein wenig ekelhaft. Ich kann mir aber ohne Probleme sexuelle Praktiken bei anderen Menschen vorstellen oder ansehen, da hab’ ich kein Problem mit. Es ist eben nur bei mir so komisch.
Eventuell liegt das aber auch daran, dass mein Libido extremst niedrig ist…
Könnt ihr mir da helfen?

Ps. Ein Coming Out wäre überhaupt kein Problem, in meinem Freundeskreis sind auch queere Menschen und meine Familie hat nichts gegen LGBTQ+.

Hallo Sai,

Ich hoffe, ich verstehe deine Frage richtig – es geht darum, ob du bi bist oder ace?

Das wichtigste zu erst: Wir können keinen Test machen oder dir definitiv sagen, was oder wer du bist – das kannst nur du selbst. Schau einfach, welcher Begriff dich am Besten beschreibt und sich am Besten für dich anfühlt und benutz den. Du musst dafür nichts beweisen und niemand darf dir das verbieten.

Ich kann deine Angst verstehen, dass es nur eine Phase ist – die haben viele queere Jugendliche, die uns schreiben. Bei den allermeisten ist es aber keine Phase – und selbst, wenn es so wäre, wäre es nicht schlimm. Dann hast du etwas über dich selbst gelernt – das ist doch super!

Auch ob du ace bist, oder nicht, können wir dir nicht sagen. Allerdings hat Asexualität vor allem etwas damit zu tun, ob du andere Menschen sexuell anziehend findest und nur teilweise etwas damit, ob du Sex eklig findest oder nicht (obwohl das natürlich auch okay ist). Ich glaube, das wirst du noch für dich heraus finden…

Dein Umfeld klingt ja auch super cool – also kannst du dir auch überlegen, ob du dich einfach outen magst um zu schauen, wie es dir damit geht: Fühlt es sich richtig an? Oder nicht? Und wenn nicht – was würde sich besser anfühlen?

Alles Gute für dich!

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkastenantwort 73 – Questioning im Leistungssport, was tun?

Hallo liebes Kummerkastenteam, ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit Geschlechtsidentitäten, sexueller Orientierungen und der LGBTQ+ Community im Gesamten. Ich fühle mich dieser Gemeinschaft zugehörig, obwohl ich nicht weiß, welches Geschlecht und/oder welche sexuell Orientierung ich habe. Ich würde gerne verschiedene Geschlechter einfach mal im Alltag ausprobieren, leider ist das für mich nicht möglich, da ich Leistungssportler bin und somit darauf angewiesen “weiblich” zu sein. Ich bin mir auch mit nichts sicher und möchte mich deshalb auch nicht wirklich Outen.
Habt ihr da irgendeine Idee?

Hallo liebe*r Unbekannte*r,

das ist eine schwierige Situation – gerade im Leistungssport sind ja die Geschlechterbilder sehr einengend und es gibt nicht gerade viel Freiraum, sich auszuprobieren.

Allerdings heißt ein Coming Out ja nicht immer, dass du dich gleich vor deinem kompletten Umfeld und ganz öffentlich outen musst. Vielleicht gibt es ja ein paar Leute in deinem engeren Freund*innenkreis, mit denen du über diese Themen reden kannst? Oder vielleicht gibt es ja eine queere Gruppe bei dir vor Ort, in die du mal reinschnuppern kannst, oder ein Onlineforum o.ä.? Viele Menschen, die z.B. einen neuen Namen, neue Pronomen, eine neue Präsentation oder ähnliches ausprobieren wollen, machen das meistens erst mal im kleineren Kreis, mit Leuten, mit denen sie sich sicher und wohl fühlen, oder manchmal auch mit Leuten, die sie gar nicht richtig kennen. (Was davon das Richtige für dich ist, kannst du wahrscheinlich am Besten selbst entscheiden.) Vielleicht gibt es ja eine Party, zu der du mal in Drag gehen kannst, oder eben einfach mit anderen Klamotten und einer anderen Geschlechtspräsentation experimentieren kannst? Oder vielleicht hast du einen twitter- oder instagram-Account, der nicht so öffentlich ist, und wo du Leute einfach mal bitten kannst, dich für eine Weile mit einem anderen Namen oder mit anderen Pronomen anzusprechen, nur um mal zu sehen, wie es sich so anfühlt? Es gibt viele kleinere Settings, in denen du dich ausprobieren kannst, ohne dich gleich komplett outen zu müssen.

Wahrscheinlich wirst du dann auch sehr schnell merken, was vielleicht nicht ganz so passt und was sich gut und richtig anfühlt.

Wir wünschen dir viel Erfolg bei der Suche!

Viele Grüße, Balthazar

Kummerkastenantwort 72 – Nicht trans, aber dysphorisch?

Triggerwarnungen für Homo- und Transfeindlichkeit

Hallo erstmal und cool dass es so eine Möglichkeit gibt. Ich heiße Jasmin bin 13und ziemlich sicher dass ich lesbisch bin, also werden Haters denken gott die is ja viel zu jung aber das ist mir egal. Mir liegt was anderes auf dem Herzen. Ich hab schon seit über einem Jahr das Gefühl dass ich mir nicht sicher über mein Geschlecht bin, reden kann ich darüber leider mit niemandem, da meine Familie sehr gegen LGBT+ ist und meine Freunde größten Teils auch. Ich hab mich mal bisschen informiert und bin auf den Begriff “Dysphorie” gestoßen. Als ich, auch über euer Lexikon, mehr darüber erfahren habe war ich mir ziemlich sicher dass es auf mich zutrifft, denn ich bin ziemlich unzufrieden mit meinem Körper, auch durch bspw. Meine Brust, Stimme und so weiter und ich versuche auch, so unauffällig wie möglich, es etwas zu unterdrücken und zu verstecken usw. Mein Problem ist halt dass ich selbst nicht ein Junge sein will, also klar wäre das okay aber ich würde mich nicht als Transgender bezeichnen da ich ja auch kein Problem habe ein Mädchen zu sein es stört mich einfach dass das alles so mit den Geschlechterrollen und Vorurteilen zusammen hängt, entweder ist man Typisch Mädchen für die anderen oder Typisch Junge und ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll und was ich dagegen tun kann denn immer wenn man mich mit sowas konfrontiert und dann diese Klischees kommen und ich einfach nicht aif diese Typschen Mädchen Klischees zutreffe jnd als Möchte-Gern-Junge abgestempelt werde komme ich damit nicht klar und weoß dann nicht was ich tun soll, weil ich dann leider immer wieder denkey vllt haben die ja recht und ich will nur Aufmerksamkeit, aber dann merke ich wieder dass es nicht stimmt. Wisst ihr von Queer Lexikon wie ich in Solchen Situationen ambesten reagiere und wie ich damit umgehen kann. Ich hoffe ich hab es nicht irgendwie undeutlich erklärt oder so, danke im Voraus für eure Hilfe 🙂

Hi!
Ich heiße Jasmin. Ich hab vor ca. 1 1/2 Jahren gemerkt das ich auf Mädchen stehe. Seit meiner Pubertät hab ich gemerkt, dass ich gar nicht in diese ganzen Geschlechter Rollwn passe und so. Ich bin zwar ein Mädchen, bin mit meinem Geschlecht auch ganz zufrieden nur ich hab trotzdem oft damit zu kämpfen. Beispielsweise hasse ich es dass ich einen Busen habe. Ich hab mich viel im Internet erkundigt und bin auf Binder gestoßen. Ich hab auf eurer Seite dann auch diese Broschüre gelesen aber das Problem ist bei mir, ich kann mir diese Binder nicht kaufen ohne das meine Eltern davon mitbekommen. Sie sidn halt sehr Homophob und Transphob und generell sehr gegen LGBT+. Weswegen ich einfach immer so wenig körperbetonte Kleidung anziehe und teilweise auch Kleidung für Jungs. Ich bin dann nach einiger Zeit auf den Begriff Dysphoria gestoßen und denke das das ziemlich auf mich zu trifft. Jetzt ist die Frage, ist es okay wenn man Dysphoria hat obwohl man nicht Trans ist oder Non-binär? Was kann man eigentlich gegen Dysphoria tun?

Hallo Jasmin,

ich habe deine zwei Fragen in eins gepackt, ich hoffe, das ist okay.

Zuerst mal kann ich total verstehen, wie frustrierend es ist, dass alle irgendwelche Erwartungen an dich und deine Geschlechterrollen haben. Das passiert in unserer Gesellschaft leider noch viel zu oft, dass uns irgendwelche Stereotype aufgedrückt werden, die einfach nicht passen, und es tut mir leid, dass du diese einengenden und negativen Erfahrungen machst.

Dysphorie, auf deutsch auch oft Leidensdruck genannt, hat nicht unbedingt immer was mit trans sein zu tun – auch wenn es fast immer so verwendet wird. Wenn du dich unwohl fühlst mit der Geschlechterrolle, die dir von deinem Umfeld aufgedrängt wird, dann finde ich, der Begriff Dysphorie beschreibt dich gut. Und du sagst ja auch selbst, dass das auf dich zutrifft. Falls dich die Frage nach Geschlechterrollen weiter verwirrt oder du dich mehr damit auseinandersetzen willst, kannst du dich vielleicht mal mit dem Begriff “Butch” beschäftigen. Das ist ein Begriff aus lesbischen Communities, der vor allem lesbische Frauen (aber auch andere wie z.B. bisexuelle Frauen oder nichtbinäre Lesben) bezeichnet, die sich in ihrer Geschlechterrolle (also wie sie sich gesellschaftlich verhalten) oder in ihrer Geschlechtspräsentation (also wie sie sich anziehen und selbst darstellen) irgendwie mit Männlichkeit verbunden fühlen – oder halt mit dem, was von der Gesellschaft als männlich wahrgenommen wird. Vielleicht kannst du ja mit so einem Begriff was anfangen?

Was die Binder angeht: Es ist sehr schwierig, einen Binder zu kaufen, ohne dass deine Eltern etwas davon mitbekommen. Pass bitte gut auf dich auf – wenn du denkst, dass deine Eltern wirklich schlecht reagieren würden, dann erzähle ihnen besser erst mal nichts davon. Es ist vollkommen okay, das für dich zu behalten, vor allem, wenn es darum geht, dass du dich sicher und wohl fühlen musst. Hier sind ein paar Ideen, wie du Schwierigkeiten vermeiden kannst: Viele Firmen, die Binder verkaufen, schicken ihre Produkte in unbeschrifteten Paketen – von außen ist also nicht zu erkennen, was drin ist. Du könntest evtl. behaupten, dass ein Geschenk für deine Eltern (zum Geburtstag, zu einem Festtag o.ä.) drin ist, damit sie es nicht aufmachen – aber das ist riskant. Vielleicht kennst du eine andere Person, die für dich einen Binder bestellen kann, ohne dass es Probleme zu Hause gibt. Vielleicht gibt es auch bei dir in der Nähe einen queeren Jugendtreff oder ähnliches? Dort gibt es immer mal wieder Binder zu verschenken, oder irgendwer dort könnte dir helfen, einen Binder zu kaufen, ohne dass deine Eltern es erfahren. Falls das alles nicht möglich ist, kannst du es auch immer noch mit Sport-BHs oder engen Unterhemden versuchen; die binden zwar nicht so gut wie ein richtiger Binder, sind aber eine günstige und ungefährliche Option, wenn Binder nicht möglich sind.

Was gegen Dysphorie und miese Situationen mit Geschlechterstereotypen am besten hilft, ist leider für alle unterschiedlich. Du wirst selbst Wege und Methoden finden, damit am besten umzugehen. Am meisten hilft es aber in unserer Erfahrung, wenn du Leute findest, mit denen du über diese Themen reden kannst – vielleicht mit deinen Freund*innen, in einer queeren Jugendgruppe vor Ort oder online. Du findest bestimmt einen guten Weg, du selbst zu sein, und mit der Zeit findest du sicher auch Leute, die dich so akzeptieren, wie du bist und die dir helfen, wenn mal wieder wer nicht so gut reagiert.

Wir wünschen dir alles Gute und sind gerne jederzeit für dich da!
Liebe Grüße,

Balthazar

Kummerkastenantwort 71 – Was ist eigentlich ein Gender Bender?

Hallo liebe Gemeinschaft,

ich habe eine Frage zu meinem Geschlecht. Da ich mich noch nicht lange mit dieser Thematik beschäftige, was bedeutet “Gender Bender” ? Viele von meinen Freunden benutzen diesen Begriff.

Ich hoffe Ihr könnt mir helfen.

Hallo,

“Gender Bender” leitet sich von Gender benden oder Gender bending ab. Bend kommt dabei aus dem Englischen und bedeutet so viel wie “biegen” oder “beugen”. Im Englischen gibt es einen Ausdruck “to bend (the) rules” – das meint, dass sich Menschen Regeln sehr großzügig auslegen, es nicht ganz so eng sehen, was erlaubt ist, oder wie die Regeln gemeint waren – also ein sehr laxes Umgang mit dem Erlaubten.

Bei Gender Bending verhält es sich ähnlich. Die Gesellschaft hat sehr genaue Vorstellungen, wie Menschen aufgrund ihres Geschlechtes sind, was Frauen und Männer “dürfen”. Gender Bending ist jetzt, wenn Personen bewusst mit diesen Regeln spielen, sich bewusst an diesen ungeschriebenen Verboten reiben, und somit auch die Gesellschaft herausfordern – indem sie sehr untypische Dinge tun oder sehr typische nicht.

Gender Bending beinhaltet rein praktisch eine Menge Dinge, die Menschen, die nicht cis sind, häufig auch tun, um ein besseres Passing zu erreichen. Das Tragen von bestimmter Kleidung, das Benutzen von Make-Up oder das Zeigen bestimmter Posen und Haltungen. Der Unterschied hier liegt hauptsächlich im Zweck. Gender Bending kann ein Selbstzweck sein – ein pures Auflehnen gegen die überholten Regeln – und völlig unabhängig des eigenen Geschlechts stehen. Beiden, dem Streben nach Passing und dem Gender Benden, gemein ist, dass es auch darum geht, sich auszuprobieren, zu erkunden, und zu schauen, womit eins sich wohlfühlen kann.

Liebe Grüße
Xenia

Neue Kummerkastenantwort 70 – Bin ich genderfluid?

Hey,
Ich bin 18 Jahre alt und kämpfe gerade ein wenig mit meiner gesamten Identität. Ich habe schon herausgefunden, dass ich Pansexuell bin, aber was mein gender ist, ist mir irgendwie unklar. Ich habe da tage, da fühle ich mich ein wenig klische mässig wie der Beschützertyp und versuche alles und jeden zubeschützen. Auch trage ich dann meist Hose und Hemd (eigentlich für Männer). Dann gibt es aber auch Tage, an denen ich ein Kleid tragen möchte und mich in Hemd und ähnlichem auch nicht wohlfühle. Dazu kommt dann noch, dass ich auch eher einen “schwachen” Charakter habe. Ich habe dann eher Angst, manchmal auch Angstzustände und fühle mich nur wohl wenn ich beschützt werde, also umarmt, etc.
Kann es sein, dass ich Genderfluid bin?
Ich würde mich über Antwort echt freuen.

Hallo du!

Gender ist echt ganz schön kompliziert, kein Wunder, dass dir das so zu schaffen macht. Was du beschreibst, klingt schon so, als könnte “genderfluid” der passende Begriff für dich sein. Natürlich sind die Eigenschaften, die du beschreibst, nicht unbedingt männlich oder weiblich – auch Männer können “schwach” sein und beschützt werden wollen, auch Frauen können stark und beschützerisch sein. Aber es ist auch klar, dass es ganz schön schwierig ist, die eigenen Gefühle über Geschlecht zu beschreiben, und es ist vollkommen in Ordnung, wenn du dich an deinen starken Tagen maskuliner fühlst und umgekehrt. Deine Gefühle sind immer okay. Wichtig ist vor allem, ob du dich mit diesem Begriff wohl fühlst – wenn ja, ist das gar keine Frage. Egal, mit welchen Begriffen und Labeln du dich beschreibst, du solltest dich immer so kleiden und geben können, wie du dich fühlst. Wir wünschen dir dafür alles Gute!

Viele Grüße,

Balthazar

Kummerkastenantwort 69 – Warum ist Coming Out nötig?

Liebes Queer-Lexikon-Team, ich habe mir die Frage gestellt, warum man sich als LGBTQ+ Person überhaupt Outen muss. Sollte die Gesellschaft nicht schon so weit sein, dass man einfach lieben kann wie man will?
Ich verstehe nicht, warum man in der Öffentlichkeit seine Sexualität verkünden muss. Bei der Geschlechtsidentität ist das ja etwas anderes, da müssen es ja alle wissen. Aber ein Hetero-Mensch muss sich ja auch nicht outen, warum müssen das dann Homosexuelle?

Ich höre immer wieder Geschichten, das Leute zum Beispiel in der Schule gemobbt werden, weil sie sich als Lesbisch geoutet haben.
Das muss doch theoretisch nicht sein. Es müsste der Gesellschaft doch egal sein, ob du jetzt auf Männer oder Frauen oder was anderes stehst. Man ist ja einfach ein Mensch, genauso wie vor dem Outing.

Ich hoffe ihr könnt mir folgen, ich glaube mein Text ist etwas verwirrend. Trotzdem schonmal Danke für die Antwort
M.

Hallo M.,

Das ist eine gute Frage, mit der wir uns hier auch schon beschäftigt haben. Wir haben dazu auch schon eine Folge unseres Podcasts Buchstabensuppe gemacht, die du dir gerne anschauen kannst. Außerdem habe ich letzte Woche eine Quickies-Episode dazu gemacht.

Wie du schon schreibst, ist es eben noch nicht anerkannt, dass eine Person nicht heterosexuell ist – z.B. weil Menschen, wenn sie sich outen, gemobbt werden oder Gewalt erfahren. Die Frage ist nun – wie soll sich das jemals ändern, wenn nicht ganz viele Menschen sich outen und zeigen, dass es normal ist, nicht heterosexuell zu sein?

Außerdem schreibst du, dass heterosexuelle Menschen sich nicht outen – das stimmt zwar insofern, dass heterosexuelle Menschen nicht sagen “Du, ich muss dir was erzählen, ich bin übrigens hetero … ich hoffe, du akzeptierst mich trotzdem noch”. Dass eine Person heterosexuell ist erfahren wir aber doch meistens, z.B. weil sie von einem*einer andersgeschlechtlichen Partner*in erzählen (“Mein Mann und ich”, “Meine feste Freudin…”). In gewisser Weise ist das auch ein Coming Out und heterosexuelle Menschen outen sich so auch ständig in der Öffentlichkeit – nur dass sie keine Gewalt und Mobbing befürchten müssen.

Das Coming Out ermöglicht es auch, sich mit anderen nicht-heterosexuellen Menschen austauschen zu können. Wenn niemand anderes erzählt, dass er*sie bisexuell ist, ist es auch nicht möglich, gemeinsam über Diskriminierungserfahrungen zu sprechen und die Welt für bisexuelle Menschen besser zu machen. Es geht also auch darum, dass nicht-heterosexuelle Orientierungen nur so Sichtbarkeit bekommen können.

Und ein letzer Punkt: Es ist nichts Schlimmes, nicht heterosexuell zu sein. Es ist nicht eklig, nicht ansteckend, nicht böse, nicht verboten, nicht schädlich – und deswegen kann x auch einfach stolz und fröhlich sein, nicht heterosexuell zu sein.

Ich hoffe, das war eine verständliche Erklärung. Wichtig ist: Wenn eine Person sich nicht outen möchte, ist das auch total in Ordnung.

Liebe Grüße,

Annika

Kummerkasten Antwort 68 – Was bedeutet “Zwitter”?

Hey,

ich verfolge den Kummerkasten aktiv und habe eine Frage zum letzten Eintrag. Dort viel das Wort “Zwitter”, zwar hab ich dies schon öfters gehört wusste aber nie genau was es bedeutet.
Liebe Grüße J

Hallo J.,

Vielen Dank für deine Frage! “Zwitter” ist ein veralteter und teilweise beleidigender Begriff für intergeschlechtliche Menschen. Eigentlich beschreibt er Tiere und Pflanzen, die intergeschlechtlich sind.

Du kannst dazu mehr in unserer Folge zu Intergeschlechtlichkeit erfahren.

Außerdem gibt es eine tolle Broschüre von TransInterQueer, in der du schmökern kannst.

Liebe Grüße,

Annika