Kummerkasten FAQ

Unseren Kummerkasten gibt es jetzt schon eine ganze Weile und wir kriegen hier immermal wieder ähnliche Fragen gestellt. Die Fragen, die wir am häufigsten bekommen (also die Frequently Asked Questions), haben wir hier für euch gesammelt.

Inhaltliche Fragen

Könnt ihr mir sagen, welches Geschlecht/welche Sexualität ich habe?

Das können wir leider nicht, denn du kennst dich am besten und deshalb kannst auch nur du entscheiden, welche Begriffe bzw. Labels am besten passen und welche du verwenden willst, um dich zu beschreiben. Aber wir können dir Labels vorschlagen, die vielleicht passen. Ob du die verwenden möchtest, bleibt dir überlassen.

Kann ich zwei (oder mehr) Sexualitäten/Geschlechter/Identitäten gleichzeitig haben?

Oft wollt ihr wissen, ob eins z.B. gleichzeitig pansexuell und demisexuell sein kann, oder gleichzeitig genderfluid und bigender, oder ähnliches. Auch hier gilt: Wir können dir nicht sagen, welche Labels die richtigen für dich sind. Wenn dir aber beide (oder mehrere) Labels dabei helfen, dich zu beschreiben und du dich mit ihnen wohl fühlst, dann steht dem unserer Meinung nach nichts im Wege.

Wie kann ich mich am besten outen?

Das kommt total auf dich, deine Situation und dein Umfeld an! Es gibt nicht die eine, ideale Lösung für ein Coming Out. Manche Leute haben ein großes Coming Out vor allen Freund*innen, Bekannten und Verwandten auf einmal – andere outen sich lieber in kleinen Einzelgesprächen. Manche reden lieber allein mit den Leuten, bei denen sie sich outen wollen, andere haben lieber gern Unterstützung dabei. Manche möchten gerne persönlich mit Leuten darüber reden, andere machen das gern lieber per Telefon, Text, Mail oder Brief. Manche Leute fühlen sich wohler, wenn sie das Coming Out direkt aussprechen, andere fühlen sich wohler, indem sie einen Link zu einem Video oder Artikel schicken. Manche wollen es so schnell wie möglich hinter sich haben, andere lassen sich lieber Zeit. Wieder andere entscheiden sich, sich vor manchen Leuten in ihrem Umfeld gar nie zu outen.

All das ist okay und bleibt vollkommen der Person überlassen, die das Coming Out betrifft. Wenn du möchtest, können wir dich gerne dabei unterstützen herauszufinden, wie du dein Coming Out machen möchtest.

Ich fühle mich, als wäre ich nicht trans/lesbisch/queer/etc. genug.

Das ist nicht unbedingt eine Frage, aber eine Formulierung, die oft so oder so ähnlich bei uns im Kummerkasten landet. Wir verstehen diese Sorgen sehr gut. Viele queere Menschen haben Angst, dass sie nicht queer genug sind, dass sie eigentlich gar nicht ‚dazugehören‘ oder dass sie ein Label benutzen, das eigentlich gar nicht für sie gedacht sind. Wir glauben, dass solche Ängste und Sorgen oft daher kommen, dass uns immer wieder eingeredet wird, dass „das alles nur eine Phase ist“ oder weil wir teilweise Ausgrenzungen in queeren Communities erleben. Das nennen wir auch Queeres Imposter-Syndrom. [Link zum Quickie.] Auf jeden Fall sagen wir ganz eindeutig: Du bist gut, so wie du bist!. Du bist nicht ‚zu wenig‘ irgendwas. Dein Label gehört dir und niemensch kann es dir wegnehmen.

Meine Frage beinhaltet sensible Themen wie Drogen, Depressionen, Suizid, sexualisierte Gewalt o.ä. Ist das okay?

Erstmal ist alles okay. Wir freuen uns in dem Fall immer, wenn du am Anfang der Nachricht Bescheid gibst, dass du solche Themen ansprichst. Wir versuchen dann, so sensibel wie möglich damit umzugehen. Wir sind aber keine professionellen Psycholog*innen oder Sozialarbeiter*innen und sind deshalb auch nicht darin geschult, mit Krisen umzugehen. In dringenden Fällen schlagen wir deshalb immer vor, dich direkt an Beratungsstellen zu wenden, die auf diese Themen spezialisiert sind. Wir ersetzen auch keine Therapie oder therapeutische Behandlung, ebensowenig wie eine ärztliche Behandlung oder Beratung. Bei spezifischen, medizinischen Fragen bist du bei einer medizinischen Fachperson am besten aufgehoben.

Hier findest du Hilfe für Suchtthemen:
Caritas (Online-Beratung, Selbsthilfe-Chat, Adressen für Beratungsstellen)
DRK (Telefon-Beratung und Adressen für Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen)

Hier sind zwei Anlaufstellen für Depressionen und Suizidalität:
Telefonseelsorge (Beratung per Telefon, Chat, oder in einer Beratungsstelle)
Nummer gegen Kummer (Online- oder Telefonberatung für Jugendliche)

Beim Thema sexualisierte Gewalt können dir diese Stellen weiterhelfen:
Save me online (Beratung für Jugendliche online oder telefonisch)
Antihelden* (Chat- und Mail-Beratung für Jungen und junge Männer)
Hilfetelefon: (Beratung für Frauen per Telefon, im Chat, oder per Mail, in 17 Sprachen, auch in einfacher Sprache oder Gebärdensprache)
Weißer Ring (Online- und Telefonberatung für Menschen, die (sexualisierte) Gewalt oder auch Cybermobbing oder häusliche Gewalt erlebt haben)

Spezifisch queere Beratungsangebote gibt es hier:
In&Out (Lambdas Chat- und Mail-Beratung für queere Jugendliche)
LesMigraS (Beratung per Telefon, Mail oder vor Ort für lesbische, bisexuelle und queere Frauen sowie für trans und inter Menschen, vor allem auch für Migrant*innen und Frauen of Color)
Maneo (Telefonberatung für schwule Männer, die Gewalt oder Diskrimierung erlebt haben)

Gerade, wenn deine Fragen dringend sind, empfehlen wir dir, dich lieber an diese Stellen zu wenden. Wir im Team müssen nämlich auch auf uns achten und beantworten solche Fragen nur dann, wenn wir uns emotional gerade in der Lage dazu sehen. Darum kann es sein, dass wir länger brauchen, um solche Fragen zu beantworten. In ganz seltenen Fällen beantworten wir solche Fragen auch nicht, wenn wir das Gefühl haben, dass wir nicht angemessen damit umgehen können. Unsere und eure Sicherheit geht in diesem Fall vor!

Ich habe eine Frage, die hier in den FAQs eigentlich schon beantwortet wird. Darf ich die dann trotzdem noch stellen?

Selbstverständlich darfst du das! Vor allem wenn du dir unsicher bist oder wenn du zu einem bestimmten Thema noch genauere Fragen hast, dann darfst du uns jederzeit deine Frage oder Fragen schicken. Dafür sind wir da!

Fragen zur Anonymität und zum Datenschutz

Ist der Kummerkasten anonym?

Der Kummerkasten selbst ist anonym, solange du deinen Namen nicht zu deiner Frage dazu schreibst. (Du darfst selbstverständlich auch gern einen erfundenen Namen oder Spitznamen angeben, wenn du möchtest). Falls du aus Versehen persönliche Details in deiner Nachricht schreibst (z.B. deinen Wohnort, deinen Nachnamen etc.), löschen wir diese, bevor wir deine Frage veröffentlichen.

Werden Daten über mich gespeichert?

Da die Frage irgendwie durch das Internet zu uns kommen muss, kennt unser Server deine IP-Adresse und schreibt die in seine Log-Datei. Das bedeutet, unser Server hat zwar deine IP-Adresse gespeichert, aber wir bekommen keine Informationen von Providern, wem welche IP-Adresse zu diesem Zeitpunkt zugewiesen war. Wir wissen also nicht, wer hinter einer Frage steckt. Diese Daten werden allerdings erfasst, damit unser Hoster bei Angriffen auf seine Systeme besser nachvollziehen kann, wie diese Angriffe aufgebaut sind und wie sie abgewehrt werden können.

Ich möchte nicht, dass meine Antwort veröffentlicht wird.

Das ist okay – schreib das gern einfach in deine Nachricht dazu. Dann lesen einfach nur wir deine Nachricht und behalten sie für uns. Wenn du eine Antwort brauchst, aber nicht möchtest, dass deine Frage veröffentlicht wird, kannst du auch einfach eine Mail an hallo@queer-lexikon.net schicken. Das ist dann nicht mehr ganz so anonym (weil wir dann ja deine Mailadresse haben), aber dafür privater.

Weitere Fragen

Wer seid ihr eigentlich und warum macht ihr das hier?

Wir sind Annika, Balthazar, Funny, Fluff, Lir und Xenia (mehr über uns gibt’s hier). Wir gehören alle zum Team vom Queer Lexikon und machen diese Arbeit ehrenamtlich. Niemand von uns hat eine professionelle Beratungs-Ausbildung – wir sind einfach nur ein paar junge queere Erwachsene, die gern andere junge queere Leute unterstützen möchten. Das nennt sich auch Peer-Beratung. Das heißt, wir sind keine Psycholog*innen oder Sozialarbeiter*innen, kennen uns aber mit euren Fragen und Themen aus, weil wir sie teilweise selbst schon erlebt haben und unsere persönlichen Erfahrungen teilen können.

Wie lange braucht ihr zum Antworten?

Das kommt ganz drauf an. Weil wir alle ehrenamtlich fürs Queer Lexikon arbeiten, kommen wir meistens erst an den Wochenenden dazu, Fragen zu beantworten. Also brauchen wir normalerweise bis zu zwei Wochen, um Fragen zu beantworten. Wenn wir aber besonders viele Nachrichten kriegen oder besonders viel Anderes bei uns los ist, kann es auch mal länger dauern.

Warum habe ich keine Antwort auf meine Frage bekommen?

Das kann mehrere Gründe haben. Entweder wir haben noch keine Zeit dafür gefunden – dann warte noch ein bis zwei Wochen ab. Wenn du nach einem Monat immer noch keine Antwort bekommen hast, dann schreib uns auch gerne nochmal – es kann leider auch mal passieren, dass eine Frage untergeht.
Wir behalten uns aber auch vor, nicht alle Fragen zu beantworten, die wir bekommen. Wenn Fragen absichtlich und böswillig behindertenfeindlich, rassistisch, antisemitisch, trans-, homo- oder irgendwie anders queerfeindlich sind, dann ignorieren wir sie. Wenn wir denken, dass uns nur jemensch trollen will, dann auch. Wenn wir mit Fragen nicht umgehen können, weil sie für uns persönlich zu belastend sind, dann werden wir sie ebenfalls unbeantwortet lassen.
Weil wir diesen Kummerkasten ehrenamtlich in unserer Freizeit machen, nehmen wir uns die Freiheit zu entscheiden, dass wir auch mal etwas nicht beantworten.

Kann ich euch Danke sagen?

Na klar, immer gerne! Du kannst uns einfach eine liebe Nachricht in den Kummerkasten schreiben, darüber freuen wir uns immer riesig! Es freut uns auch immer sehr zu hören, wenn ihr euch ein paar Wochen oder Monate nach einer Frage nochmal meldet, um zu erzählen, wie sich die Dinge bei euch entwickelt haben.
Der Kummerkasten ist für euch absolut kostenlos und für alle frei zugänglich. Wenn ihr aber unsere Arbeit toll findet und uns unterstützen möchtet, dann freuen wir uns immer über Spenden und Patreon-Supporter.