Kummerkastenantwort 326: Meine Eltern akzeptieren mich nicht.

Hi!
Mein Name ist Elyas, ich bin 14 und ein trans mann. Ich weiß das seit ungefähr einem Jahr und habe mich nun letztens bei meinen Eltern geoutet. Leider haben sie es nicht gut aufgenommen und ich weiß echt nicht was ich tun soll. Ich hab zwar einen Binder, darf ihn aber leider nicht in der Schulzeit tragen. Das triggert mich total und mir geht es nicht so gut wie es sein könnte. Ich habe auch eine Art “Outingverbot”, das ich aber nicht ernst nehme. Ich habe auch schon Freunde verloren, weil meine Eltern meinten, dass sie nicht gut für mich wären und mir meine Identität einreden würden. Das Ganze belastet mich so sehr das ich ein Auslandsjahr mache um sie nicht zu sehen. Wie kann ich meinen Eltern klar machen das ich mich so fühle ohne zusätzlich belastet zu werden?
Danke fürs Zuhören,
Elyas

Hallo Elyas,

das ist äußerst unschön. Gerne würde ich dir eine Antwort geben, mit einer Strategie, bei der ich versprechen kannst dass das klappt. und, Spoiler: ich fürchte, das kann ich nicht, und auch niemand sonst.

Das liegt daran, dass ich weder dich noch deine Eltern kenne. Ich weiß nicht, wofür sie offen sind, wie eins zu ihnen durchkommt, ob da überhaupt Hoffnung besteht. Gleichzeitig verstehe ich sehr gut, dass das eine Situation ist, aus der du schnellstmöglich rausmöchtest und raussolltest.

Vorschläge

Was du je nach dem versuchen könntest, aber alles ohne Erfolgsgarantien und du auch abschätzen solltest, ob das mit deinen Eltern klappen kann, wäre zum Beispiel:

Du machst gute und verständliche Artikel zu wissenschaftlichen Erkenntnissen dazu ausfindig. Es ist Fakt, dass Jugendliche, denen eine Transition verwehrt wird, deren Identität im Elternhaus nicht anerkannt wird, häufiger psychisch erkranken und sich auch häufiger versuchen das Leben zu neben. Das ist nichts, was wir uns ausdenken und es sollte im Interesse aller Eltern sein, ihre eigenen Kinder vor solchen Erkrankungen zu schützen.

Du machst Bücher und Erfahrungsberichte von Personen, die trans sind, ausfindig und gibst sie, wenn du sie selbst quergelesen hast und dir sicher bist, dass kein Unfug drin steht, deinen Eltern zum lesen. Oder, falls auch deine Eltern online firm unterwegs sind, zeig ihnen die Twitter-, Instagram- und SocialMedia-Accounts von queeren Personen und Initiativen. Das kann helfen, da sie dann sehen können, dass queer und trans sein nichts unnormales oder falsches ist.

Du suchst dir Verbündete, Freund*innen, Schulsozialarbeiter*innen, Verbindungslehrer*innen, Seelsorger*innen, die du in Gespräche mit deinen Eltern mitnehmen kannst, als Rückendeckung für dich, als Fürsprecher*in, als moralische Unterstützung. Für so ein Gespräch solltest du dir vorher auch klar machen, was du genau ansprechen möchtest und was du erreichen möchtest und dir nicht zu viel vornehmen.

Egal, was du versuchst, ich hoffe, du findest eine gute Lösung für deine Eltern.
Liebe Grüße
Xenia

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