Kummerkastenantwort 548: So ging meine Geschichte weiter

Liebes Team, erstmal ein großes Lob an euch für eure Arbeit und dass man hier Feedback und Fragen stellen kann. Vor einiger Zeit hatte ich mal geschrieben, dass ich mich in jemanden verliebt hatte. Leider konnte ich den Kontakt mit dieser Person nicht aufrecht erhalten. Am Ende konnten wir nicht einmal mehr Freunde sein, was ich schön gefunden hätte. Aber es ist leider nicht möglich. Ich hatte denjenigen zufällig online in einer Musikgruppe kennengelernt, da wir einen ähnlichen Musikgeschmack haben. Wir haben privat gechattet und die anfängliche neutrale Freundschaft hat sich recht schnell zu etwas Intimeren verkehrt. Wir beide stellten schnell fest, dass wir uns gegenseitig anziehend fanden und vor allem unsere sexuellen Fantasien und unser Verlangen miteinander teilen konnten. Ich merkte gleichzeitig, dass ich auch Liebe für ihn empfand. Das hatte ich genauso wenig beabsichtigt geschweigedenn damit gerechnet wie den Wunsch sexuell aktiv mit jemandem wie ihm zu werden. Denn ich hatte einige Zeit davor letztes Jahr im Sommer bereits eine kurzfristige Beziehung beendet bei der ich mit demjenigen geschlafen hatte ohne ihn zu lieben und merkte, dass wir nichts miteinander gemeinsam hatten und mich der Sex nicht befriedigte. Ich konnte keine Freude dabei verspüren, fand es einfach unangenehm und schmerzhaft und konnte nicht dabei kommen. Außerdem fühlte ich mich zu der Zeit ziemlich allein gelassen mit meinen Ängsten und Sorgen. Daher traf ich mich nicht mehr mit dieser Person. Ich dachte, dass ich lithsexuell sei und einfach keinen Sex haben wollte und empfand lange so. Bis ich dann diesen Mann kennenlernte mit dem ich geschrieben hatte….

Da erwachte nicht nur mein Wunsch nach sexuellen Interaktionen mit dieser Person. Ich fühlte auch zum ersten Mal, dass ich nicht unsichtbar bin und begehrt werden kann und mein Begehren nicht nur einseitig ist. Anscheinend hatte ich auch in diesem Mann etwas geweckt von dem er nicht erwartet hätte, dass es passiert. Wir unterhielten uns auch über Alltägliches und ein wenig über gute und schlechte Erfahrungen aus unserem Leben. Ich habe selten mit einem Jungen oder Mann auf so eine respektvolle Weise reden können. Sowas war auch für mich eine neue Erfahrung. Ab und an hatten wir auch unsere Missverständnisse, die wir normalerweise immer recht schnell aufgeklärt haben… Doch irgendwann merkte ich, dass es Sachen gab, die mich störten und dass ich immer öfter an meine Grenzen gestoßen bin, weil mir die entsprechende Erfahrung fehlt oder ich mich nicht so verändern kann. Mit Sicherheit hat auch der große Altersunterschied zwischen uns eine Rolle gespielt und unsere unterschiedlichen Erfahrungen. Es war wohl weniger die Entfernung oder die Sprache an sich. Ich sagte ihm, womit ich unzufrieden war und dann kam die Sache ins rollen. Es wird wohl noch einige Zeit dauern bis ich den Liebeskummer verarbeitet habe und ich bin nicht einmal böse auf den Mann. Ich glaube er hat einfach zu viel Schlechtes erlebt und hat die Fähigkeit zu lieben und anderen zu vertrauen verloren. Und wenn jemand nicht lieben kann, wie kann man da erwarten, dass er eine Freundschaft führen kann? Er meinte, er hätte kein Problem mit mir und wenn es nur um erotische Dinge ginge, könnten wir miteinander schreiben, aber das kann ich nicht mehr tun. Ich kann einfach nicht nur erotische Sachen mit jemandem teilen und dabei keine Gefühle wie Liebe für diese Person haben. Das erfüllt mich nicht. Es würde immer etwas fehlen. Für ihn mag das ausreichen, doch nicht für mich. Ich hätte damit leben können, dass meine Gefühle nicht erwidert werden, aber man zumindest freundschaftlich miteinander umgeht. Nun, ich akzeptiere das. Jedenfalls scheine ich seit diesem Ende keine besondere sexuelle Anziehungskraft mehr für irgendeinen Menschen verspüren zu können und auch momentan kein Bedürfnis nach einer Liebesbeziehung zu jemandem – egal ob Mann oder Frau. Die ersten Tage konnte ich auch keine Lust mehr empfinden. Allmählich kehrt etwas von einer spontan auftretenden Lust wieder ganz gering auf, aber mit dem Unterschied, dass ich mich von niemandem angezogen fühle. Es ist eher wie ein neues Selbstwertgefühl für die eigene Person, also für mich selbst. Ich habe durch die Zeit mit ihm auch einen verloren geglaubten Zugang zu meiner weiblichen Seite entdeckt. (Ich bin eine Frau.), aber lebe zwischen den Geschlechtern. Ich bin androgyn, aber auch Asperger Autistin, demi-polyromantisch und wie ich nun merke, zurzeit a_sexuell und a_romantisch. Vielleicht ist es bei mir so, dass meine Liebesgeschichten stets einseitig zu sein scheinen, da sie von mir ausgehen und ich mich wenn auch selten in Leute verliebe ohne das zu beabsichtigen. Keine Ahnung. Ich bin trotz allem froh, diese Erfahrung gemacht zu haben und kann immer noch etwas für Andere empfinden. Vielleicht kommt es eines Tages einmal anders.
Grüße an euch eure/eurer Chris

Hallo Chris,

Vielen Dank für deine Nachricht und dass du uns nochmal geschrieben hast.

Es tut mir leid zu hören, dass diese Beziehung nicht so gelaufen ist, wie du es dir gewünscht hattest. Ich wünsche dir, dass es, wie du schreibst, eines Tages nochmal anders kommt!

Ich kann allerdings aus deiner Nachricht keine konkrete Frage herauslesen, die ich beantworten könnte. Schreibe uns gerne nochmal, wenn wir mit einer konkreten Frage weiterhelfen können.

Ich wünsche dir alles Gute!

Liebe Grüße,

Annika

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