Kummerkastenantwort 5.922 – Was kann meine Orientierung sein?
Liebes Team, Folgendes: was kann meine Orientierung /Sexualität sein? Seit Anfang des Jahres denke ich wieder über frühere Situationen nach und hätte gerne einen Anhaltspunkt. Bin w/ schon in den 30ern, aber habe beim Dating bisher immer versucht, dem jeweiligen Crush in seiner Vorstellung von Amatonormativität (den Begriff fand ich hier durch das Lexikon schon), nachzukommen. Ich versuchte dem zu entsprechen: schnelles Antworten auf seine Nachrichten, Finden einer Antwort auf sexuell konnotierte Zwischenzeilen, oder Küsse in Gedanken. Obwohl ich nach und nach merkte, dass dieses typische „große Küssen“ nicht wirklich meinen Vorstellungen von Erotik entspricht. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein Mann sich richtig für mich „fallen lässt“ und in Gedanken nur noch bei mir wäre. Für mich ist die Liebe so wie ein großes Mysterium. Welche Richtung/en könnten das sein: Ich habe schon in der letzten Klasse der Grundschule, etwa bei Ausflügen und im Café, wenn alle anderen sich über“voll-verknallt-sein“ etc. unterhielten und meine Meinung dazu hören wollten, gemerkt, dass ich so etwas nicht genau so empfinde. Es gelang mir, mich immer vornehm zu den Themen zurück zu halten und am liebsten wäre mir ehrlich gesagt gewesen, wenn ich als ein Mädchen, das sich einfach nicht verliebt, aber durchaus gern mit anderen über diese Themen redet oder zuhört, anerkannt worden wäre. Bis meine Freund:innen in die Pubertät kamen, war das auch so, und ich fühlte mich sehr geborgen, auf die Art. Seit ich erwachsen bin, sehe ich immer wieder im Alltag die mehr oder weniger sexuell konnotierten Dinge/Werbungen aller Art, und fühle mich einfach abgetrennt von diesen. Trotzdem wünsche ich mir ab und an eine tiefe Verbindung zu einem Mann. Aber wie kann ich das jemandem im realen Leben erklären, wenn ich nicht weiß, ob er amatonormativ ist oder nicht?
Vielen Dank! S.
Hallo S.,
das klingt für mich ein bisschen so, als seist du irgendwo auf dem asexuellen und/oder aromantischen Spektrum. Und das bringt schon einen ersten Ansatz mit, wie du das Leuten im realen Leben erklären kannst – vorausgesetzt, Personen, die du möglicherweise Daten möchtest, kennen die Konzepte schon ein wenig. Und ansonsten: Du kannst das ungefähr so erklären, wie du es jetzt hier beschrieben hast. Das ist nämlich verständlich und schlüssig. Ich kann mir da auch nur schwierig vorstellen, dass eine Person, die tatsächlich so wenig Interesse an der Person ihr gegenüber hat, ein ernstliches Interesse an dieser überhaupt hat – es geht doch am Ende darum, eine Person zu finden, zu der ein gegenseitiges Vertrauen und ein Miteinander für da halbwegs planbare immer möglich sein soll, da sollten auch irgendwie 2 Minuten Erklärung Platz haben können, oder?
Liebe Grüße,
Xenia


