Kummerkastenantwort 5.999 – Ich habe nach traumatischen Erfahrungen Schwierigkeiten mit meiner Identität und sexuellen Orientierung
Hi, ich bin w/27 Jahre und ich habe in den letzten Jahren extreme Schwierigkeiten was meine eigene Identität und auch meine Sexualität angeht.
Angefangen hat es alles nach einer traumatischen Beziehung mit ungefähr 15 bei der ich unter anderem auch sexuelle Gewalt erfahren habe. Seitdem bin ich gar nicht
mehr richtig in der Lage eine Beziehung zu führen.
Hinzu kommt, dass ich seit einigen Jahren auch gemerkt habe, dass ich definitiv Interesse an Frauen entwickelt habe, weswegen ich mich vor einiger Zeit auch angefangen habe als bi zu bezeichnen. Aber irgendwie fühlt es sich so an, als würde alles nicht richtig zusammen passen.
Die meiste Zeit finde ich meinen weiblichen Körper extrem abstoßend und ich denke oft darüber nach, wie es sein würde ein Mann zu sein. Zudem kommt auch hinzu das seit meiner Kindheit, ich von der gesamten Familie immer den Ruf des rebellischen und sturen Kindes hatte und mir wurde nicht nur einmal gesagt, dass an mir ‚ein Junge verloren gegangen ist‘.
Auch vom Kleidungsstil fühle ich mich so viel wohler in maskuliner Kleidung. Über die Jahre hatte ich immer wieder break downs bei denen ich auf Krampf versucht habe meinen Kleiderschrank mit weiblichen Klamotten zu füllen,
die ich so ja auch extrem schön finde, nur an meinem Körper bin ich immer unzufrieden mit dem Aussehen.
Es gibt so viele Kleinigkeiten und das ganze belastet mich unglaublich. Ich weiß auch, dass viele meiner Problem ihren Ursprung in meiner Vergangenheit haben, aber leider bin ich bald wieder gezwungen meine Therapie zu beenden und eine Pause von 2 Jahren einzulegen, weil ich die zugelassene Anzahl an übernommenen Stunden erreicht habe.
Ich weiß, ich habe keine konkreten Frage gestellt, aber ich bin selbst so überfordert das mir jede Antwort hilfreich wäre.
Vielen Dank
Antwort kommt hier
Hallo!
Das klingt, als wärst du in einer sehr schwierigen Lage und ich kann mir gut vorstellen, dass dich das sehr belastet.
Nach dem, was du beschreibst, könnte es schon sein, dass du keine cis Frau bist. Das eigene Geschlecht auseinander zu dröseln ist für die meisten Menschen schwierig, und wenn dann noch traumatische Erfahrungen dazu kommen, wird es nochmal schwieriger.
Vielleicht hilft es dir aber, bis du in diesem Prozess weiter gekommen bist, die Fragestellung zu verändern: von „Was ist mein Geschlecht?“ zu „Was würde mir gut tun?“
Würde dir maskulinere Kleidung gut tun? Würde es dir gefallen, von anderen Menschen als Mann wahrgenommen zu werden? Oder zumindest nicht mehr als Frau? Wünschst du dir eine andere Frisur, einen anderen Namen, andere Pronomen? Könntest du dir eine Beziehung vorstellen, wenn du von deiner*m Partner*in als Mann (oder eben nicht als Frau) wahrgenommen wirst?
Du schuldest niemandem weibliche Kleidung, oder ein feminines Auftreten. Und es ist auch vollkommen okay, feminine Kleidung hübsch zu finden – aber eben vor allem an anderen Menschen, nicht an sich selbst.
Ich hoffe, das konnte dir zumindest ein bisschen weiter helfen.
Liebe Grüße,
Elias


