Kummerkastenantwort 6000 – Meine Eltern verhalten sich widersprüchlich in Bezug auf meine Nicht-Binarität
Hi,
ich werde in wenigen Monaten 18, und identifiziere mich seit gut 4 Jahren als nicht-binär (trans maskulin), habe aber Probleme mit dem Umgang meiner Eltern damit.
Ich bin sicher zu Hause, wurde relativ frei von Stereotypen erzogen und sie haben vom ersten Outing an gesagt, sie würden mich akzeptieren, aber verhalten sich widersprüchlich.
Bestes Beispiel: Zu einem Weihnachten habe ich ein Buch bekommen, mit meinem chosen Name vorne drin. Ein Buch über Detransitioning. Mal bekomme ich einen Flyer über trans healthcare in die Hand gedrückt, mal ein Magazin mit Artikel über ftmtf. Meine Eltern haben mir Binder bestellt und sich selber ein weiteres Buch über Detrans.
(Natürlich sollte man sich auch damit auseinandersetzen, aber nach aktuellem Stand habe ich nicht mal OPs und nur eventuell irgendwann Hormone/offizielle Namensänderung vor. Alles was ich will, ist 100% reversibel.)
Als ich meiner Mutter erzählt habe, dass ich mich mit meinem Namen unwohl fühle, hat sie mir ein Babynamen-Buch vom Dachboden gekramt, aber seit ich mich (>2 Jahre her) entschieden habe, wurde ich ein einziges Mal so genannt & Pronomen sind immer noch sie/ihr (ich mag alles außer denen).
Als ich vor über einem Jahr erzählt habe, dass ich einen (meinen ersten) Freund habe, kam als Rückfrage sofort: „Er kennt dich aber als (deadname), oder!?“. Nein, tat er nicht, er kennt den Namen zwar, hat mich aber kein einziges Mal so genannt. Mein chosen name steht übrigens sogar auf meinem Abschlusspullover und -buch.
Mir ist ja bewusst, dass so etwas Zeit braucht, aber ich habe mich schon um die 10 Mal für längere Gespräche mit meinen Eltern hingesetzt und erklärt, wie ich mich fühle. Sie können es nicht nachvollziehen — was ja auch okay ist — aber benutzen das meinem Eindruck nach als Vorwand, um das Thema zu ignorieren und unsensibel zu sein.
Ich weiß selbst nicht, wie meine Identität und Zukunft aussehen werden, aber ich will Ich sein können (ziehe dieses Jahr aus, mal gucken wie’s wird).
Danke <3
Hallo!
Auf mich klingt es so, als würden deine Eltern zumindest oberflächlich versuchen, dich zu unterstützen, aber wenn man ehrlich ist, haben sie sich weder mit deinem Geschlecht auseinander gesetzt, noch es akzeptiert oder auch nur toleriert. Sie hegen immer noch die Hoffnung, dass sich das Thema irgendwann von selbst erledigt, wenn sie es nur lange genug wegignorieren. Und das ist dir gegenüber ziemlich unfair.
Wenn du jetzt bald ausziehst, würde ich dir empfehlen, die Situation bis dahin erstmal so weiter hinzunehmen, und nach deinem Auszug neu zu schauen. Bei den meisten Menschen pendelt sich die Eltern-Kind-Beziehung neu ein, wenn sie nicht mehr alle unter einem Dach leben. Ausgezogen sein hat außerdem den großen Vorteil, dass Kontakt mit deinen Eltern für dich optionaler wird und du deine eigenen Bedingungen dafür aufstellst. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass du Telefonate und Treffen mit deinen Eltern nur noch zulässt, wenn sie dich korrekt gendern und ansprechen – wenn das ein Weg ist, den du gehen möchtest. Das kann dazu führen, dass deine Eltern lernen, sie kriegen dich nur, wenn sie dich auch respektieren – es kann aber auch das Verhältnis mit deinen Eltern langfristig verschlechtern.
Ich wünsche dir viel Glück auf deinem Weg,
Elias


