Kummerkastenantwort 6172 – Bilde ich es mir nur ein, in Jungs verknallt zu sein?

Hi

Ich bin weiblich, 15 und ich hab grad absolut keine Ahnung wer oder was ich eigentlich bin… Ich hatte schon seit der Grundschule den Verdacht dass ich auf Mädchen stehe hab das aber weitestgehend ignoriert und meine Gefühle dafür unterdrückt, weil ich dachte dass das nicht oke wäre und so. In der siebten Klasse hatte ich dann glaub ich nen Crash auf nen Jungen und jetzt hab ich letztes Jahr nen Buch gelesen über zwei Mädchen und bei mir hat es iwie so Klick gemacht wie: das bin ich. Und das ist ja gar nicht schlimm. Ich hab mich mittlerweile auch geoutet vor ein paar meiner Freunden und Eltern (sie habens ganz oke aufgenommen) aber jetzt glaub ich dass ich wieder nen Crash auf nen Jungen hab aber ich bin mir halt nicht sicher weil das ist mein bester Freund. Und ich frage mich halt wer oder was ich eigentlich bin…? Weil wirklich glücklich bin ich damit grad nicht und ob ich mir den Crash vllt nur einrede, weil mein Unterbewusstsein sagt, dass es doch nicht okay ist oder so… Ich weiß es nicht… Ich hoffe das war einigermaßen verständlich und ich würde mich über eine Antwort freuen

Guten Tag,

nun, deine Gefühle wissen nix von deinen Labels und andersrum. Das ist auch ganz praktisch so. Nur, weil eine Person sagt, dass sie lesbisch ist, heißt das nicht automatisch, dass sie ihr ganzes Leben fortan in Zukunft nur nocht Frauen attraktiv finden können wird. Labels sind ein guter Trick, um komplizierte Dinge in wenigen Worten gut genug zu beschreiben. Nicht mehr, und nicht weniger. Also an der Stelle, ja, lesbischsein verhindert nicht, auch Männer gelegenltich attraktiv zu finden.

Next up: Auch solche Labels wie Partnerperson, bester Freund oder so sind ausgedacht und diene eigentlichen Gefühle zu dieser Person wissen nix davon. Wir können uns theoretisch ganz lange und perfekt durchdachte Listen schreiben, was in eine Freundschaft gehört und was nicht, was darin passieren kann und was nicht. Darüber wissen unsere Gefühle halt erstmal nicht und Menschen mögen ist immer auch in allen Richtungen fluide und kann sich verändern. Gerade bei sehr gemochten Menschen ist das nicht immer ganz einfach, das theoretisch sauber und getrennt und eindeutig zu haben und zu denken und zu fühlen. Das aber erstmal nicht schlimm. Mögen ist mögen und gegenseitig gemocht sein ist gute Sache. Anders gesagt: Während wir bisschen Nervösität und Aufregung und Vorfreude vor Treffen mit Parnterpersonen ganz üblich einordnen würden, wäre nichts falsch dran, ähnlich zu fühlen, bevor man eine befreundete Person trifft. Wieso sollte man keine Vorfreude auf eine gemochte Person haben?

So. Und ein letztes. Ich versteh das Bedürfnis präzise Labels zu haben und sagen zu können „das bin ich“ oder „das beschreibt mich“. Gleichzeitig ist das nicht immer einfach. Und manchmal braucht das einfach Zeit. Ich versteh jede Ungeduld darüber und jedes Augenrollen beim Lesen diesen Teils der Antwort. Aber: Du hast Zeit. Du musst das nicht heute wissen und auch nicht gleich morgen. Du kannst einfach schauen, was dir gut tut, womit du dich wohl fühlst und versuchen eine gute Zeit zu haben. Und wie Dinge meistens sind und welche Wörter dafür passen, kann auch warten. Ein bisschen zumindest.

Liebe Grüße
Xenia

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