Kummerkastenantwort 6236 – Ich würde mich gerne bald als trans outen, habe aber Angst vor der Reaktion und dem danach.
Ich bin ein 13 jähriger Transtyp, bisher nur bei meinem Therapeuten und einer Freundin geoutet. Ich habe vor, mich in den nächsten Tagen bei meiner Mutter zu outen und dann meiner Schule/Klasse zu schreiben, damit ich nächstes Schuljahr dann als Junge leben kann. Ich „passe“ nicht so wirklich, wie gehe ich in der Schule damit um, wenn Leute Kommentare machen? Ich glaube, meine Schule würde mich zu den Jungs zum Sport lassen, wie verhalte ich mich? Recht bald nach Schulbeginn ist ein Schullandheim, Tipps für Jungs/Mädchenzimmer? Und ich habe im Internet recht wenig dazu gefunden, wie man Pubertätsblocker bekommt? Ich hatte bis vor einem Monat noch nie jemandem erzählt, dass ich trans bin, obwohl es genug Zeichen gab, mit wem rede ich dafür und würde ich die überhaupt bekommen, weil ich ja in Therapie bin und vor ca 3 Monaten in der Klinik war? Mein Therapeut hat auch eher negativ reagiert, in die Richtung von „gib dem mal Zeit, vielleicht bist du gar nicht wirklich trans“, wie kann ich ihm klar machen, dass ich es ernst meine? Ich mag ihn sonst eigentlich sehr, will also nicht Therapeut wechseln. Danke, und sorry für die vielen Fragen.
Moin,
für vieles organisatorisches, was du fragst, gibts im Prinzip zwei Möglichkeiten: Du fragst vorher, diejenigen, die es betrifft und die Dinge auch entscheiden können. Lehrkräfte zum Beispiel. Oder du machst einfach. Du bist ein Typ, es gibt Dinge, wo die Trennung zwischen Mädchen und Typen ist, du machst Typendinge. Deine Identität steht nicht zur Debatte. Beides ist manchmal schwierig, beides hat manchmal Nachteile und es ist frech, dass das eine Last ist, die auf trans Personen liegen bleibt häufig.
Pubertätsblocker grundsätzlich wie so viel in diesem medizinsichen system, gibts, bei entsprechender Diagnostik und Risikoabwägung. Erster Schritt wäre eine Indikation aus der Psychologie und dann sollte mindestens endokrinologisch geschaut werden, dass keine anderen Gründe vorliegen, weshalb die gar nicht in Frage kommen.
Es gibt Therapeutn, und das macht die Sache nicht besser, die grundsätzlich wirklich fähig und bemüht sind, aber einfach keinerlei Plan zum sinnvollen Umgang mit trans Personen haben. Vielleicht ist wechseln wirklich die eine Perspektive, die bleibt. Sonst: dran bleiben. Immer wieder betonen, dass du trans bist. Dass du das nicht überlegst, dass es so ist. Im Zweifel auch deine Eltern ins Boot holen. Lehrkräfte, Schulsozialarbeitende. Schon wieder Arbeit, schon wieder Stress, den du nicht haben solltest. Aber irgendwie hat dieser Staat ein System gebaut, wo man aktiv als trans Person sich ein Unterstützungsnetzwerk bauen muss und früher oder später organisatorisches und medizinisches Fachwissen braucht, um nicht komplett unterzugehen. Ist bisschen scheiße, aber machbar und eine adäquate Behandlung ist es sicher immer wert. Du packst das.
Liebe Grüße
Xenia

