Kummerkastenantwort 6350: Ich habe schlimme Dysphorie bzgl. Menstruation und werde nicht ernstngenommen
CN: Periode, Suizidgedanken, Panikattacken, Essstörung
Moin
Meine Dysphorie diesbezüglich wird fast nie ernst genommen. Schmerzen und so sind nicht mein Problem. Mir hilft kein Tag mit Tee und Wärmflasche auf dem Sofa.
Ich war 11, als ich sie das erste Mal hatte. Mit Mama darüber zu reden war schlimm. Ich hatte Panik und schämte mich dafür, nicht für die Periode. Die gehört ja zum Erwachsenwerden dazu…
Ich wollte damit klarkommen, wollte mich daran gewöhnen.
Ein halbes Jahr war sie nicht da und ich hoffte leise, sie käme vielleicht auf magische Weise nie wieder.
Sie kam wieder und mit ihr meine bis dahin schlimmste Panikattacke, inklusive Herzstolpern.
Dabei gab ich mir so Mühe, damit klarzukommen!
Als ich realisierte, wie lange mich die Periode begleiten würde, wollte ich lieber sterben und ich schämte mich für den Gedanken, fand ihn übertrieben.
Meine Panikattacken rissen mich sogar mitten in der Nacht aus dem Bett. Dabei gab ich mir so Mühe, ruhig zu bleiben!
Mit jedem Mal wurde es schlimmer.
Hygieneartikel triggern mich, also hatte ich sie meist nicht dabei (auch blöd).
Die Panikattacken ließen mir keine Pausen, waren durchgehend da.
Die Beziehung zu meinem Körper wurde immer schlechter. Schon aufs Klo gehen oder duschen war schwer.
Dysphorie habe ich seit ich denken kann, doch bisher war das Verhältnis zu meinem Körper eher neutral gewesen.
Nun schämte ich mich, meinen Körper zu hassen.
Ich wusste nicht weiter, mied eisenhaltige Lebensmittel, aß weniger.
Hilfe hätte ich dringend gebraucht. Echte Hilfe, keine dummen Sprüche, die bekam ich auch ohne danach gefragt zu haben.
Nach meinem Coming Out hatte ich wenigstens das Gefühl, ein Recht darauf zu haben, die Periode zu hassen, doch es ist so viel mehr als „das passt nicht zu mir, weil es ‚weiblich’ ist“
Dank Hormontherapie ist das Thema gerade weniger präsent, doch es wirft mich noch immer komplett auf der Bahn, sobald es mir begegnet…
Ich fürchte, dass das auch nach der Hysto nicht viel besser wird.
Hallo!
Es tut mir sehr leid, dass du das erleben musst. Du verdienst es, ernst genommen zu werden und medizinische Hilfe zu bekommen. Vielleicht kannst du auf Queermed nach einer sensibilisierten medizinischen Praxis suchen, wenn deine aktuelle Praxis dich da nicht gut unterstützt. Für mich klingt es, als hast du immerhin eine Begleitung für die Hormontherapie gefunden, aber vielleicht gibt es ja noch Möglichkeiten, die du mit einem*r Gynäkolog*in besprechen kannst, der*die sich mit trans Themen auskennt? Wenn du psychischen Leidensdruck hast und an Panikattacken und Schwierigkeiten mit dem Essen leidest, würde ich dir auch raten, dir therapeutische Unterstützung zu suchen, da kannst du ggf. auch Empfehlungen auf Queermed finden.
Vielleicht könnte es dir bzgl. Hygieneartikel helfen, Periodenunterwäsche auszuprobieren? Da gibt es mittlerweile echt verschiedene Anbieter und auch einige Modelle, die nicht „typisch weiblich“ geschnitten sind.
Und: Vielleicht hilft dir der Austausch mit anderen queeren Jugendlichen, z. B. in unserem Regenbogenchat (je nachdem wie alt du jetzt bist) oder einer queeren Jugendgruppe in deiner Nähe. Du bist definitiv nicht allein damit, dass die Menstruation Dysphorie auslöst! Ich wünsche dir alles Gute.
Viele Grüße
Hannah

