Kummerkastenantwort 6747: Ich habe eine Zwangsstörung, vielleicht Autismus und habe Schwierigkeiten mit sexuellen Fantasien.
Liebes Queer Lexikon-Team,
ich bin frisch 18, weiblich (cis). Ich habe eine F42.2 (Zwangsstörung mit Zwangsgedanken und Zwangshandlungen) (nach ICD 10) und V. a. Autismus.
Ich bin mir nicht sicher, ob ihr die Frage beantworten könnt, weil sie mit meiner Erkrankung zusammenhängt.
Ich habe immer wieder sexuelle Phantasien, sowohl im Bezug auf männlich gelesene, als auch auf weiblich gelesene Personen, in denen ich selbst (fast) immer eine Rolle spiele. Ich empfinde durchaus Erregung bei diesen Gedanken. Gleichzeitig sind diese Vorstellungen oft da, wenn ich zum Beispiel vor der Person sitze und das ist (auch in anderen Momenten) sehr unangenehm. Ich empfinde meine Gedanken dann als aufdringlich.
„Echtes“ Interesse an Sexualität (und großteils auch Romantik) habe ich meist nicht, aber wenn ich derlei Dinge denke, werde ich mir unsicher, ob ich wirklich kein Interesse habe oder mir das nur einrede. Außerdem mag ich die Vorstellung von Intimität manchmal, auch wenn der Gedankengang anfangs aufdringlich war.
Ich frage mich, ob ich asexuell (evtl. auch aromantisch) sein könnte. Ich habe auch Angst, dass ich mir das einrede, um irgendwie zur Community zu gehören.
Bisher habe ich mich von dem Thema meistens fern gehalten, weil das irgendwie nicht in mein Gehirn zu gehören schien.
Ganz anderes Thema:
Ich bin über Ähnlichaltrige in größeren Kontakt mit den Pronomen Dey/Demm gekommen und finde sie irgendwie schön. Gleichzeitig fühle ich mich mit sie/ihr wohl.
Habt ihr Ideen dazu?
Liebe Grüße
Tim (Pseudonym)
(Funfact am Rande: Ich wollte heute Früh eigentlich nur die Farben der Nonbinary-Pride-Flag herausfinden, weil ich meiner Mutter (nonbinary) etwas damit sticken will. Dann bin ich auf eurer Website gelandet und im positiven Sinne hängen geblieben. 🙂 Ich danke euch für eure Arbeit!)
Hallo Tim,
in Bezug auf deine Zwangsgedanken können wir dir leider keinen Rat geben, weil wir nicht medizinisch/psychologisch ausgebildet sind. Aber vielleicht könnte es dir helfen, da mit einem*r Therapeut*in drüber zu sprechen? Vielleicht wirst du da ja schon unterstützt, sonst kannst du auf Queermed nach einer sensibilisierten Praxis in deiner Nähe suchen, wenn du möchtest. Was ich dir aber sagen kann: Du darfst die Labels asexuell und/oder aromantisch ausprobieren, wenn du das möchtest. Du darfst dich auch mit Erfahrungsberichten aus der asexuellen und aromantischen Community beschäftigen und dich mit Personen austauschen. Und wenn du nach einiger Zeit feststellst, dass die Labels doch nicht für dich passen, ist das auch völlig in Ordnung.
Du darfst auch verschiedene Pronomen ausprobieren oder mehrere Pronomen gleichzeitig verwenden, wenn du das möchtest. Die Pronomen dürfen sich genauso verändern, wie deine Label, wobei Labels und Pronomen nicht zwingend zusammenhängen müssen. Wenn du magst, kannst du auch mal unseren Pronomen Kleiderschrank ausprobieren.
Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg beim Sticken!
Viele Grüße
Hannah



Ich bin auch neurodivergent. Ich hatte in meiner Jugend ähnliche Erfahrungen. Ich hatte viele sexuelle Gedanken und habe gedacht, dass das aber in echt nichts für mich wäre.
Jetzt, mit fast 40, bin ich mit einem tollen Menschen verheiratet und genieße meine persönliche Art von Sexualität sehr.
Mir ist es immer schwer gefallen, nicht zu denken, sondern einfach Gefühle zuzulassen und zu entscheiden, ob mir das, was da gerade passiert, gefällt oder nicht. Das hat viel Übung für mich gebraucht und Menschen, mit denen ich mich gefahrlos ausprobieren konnte.
Alles Gute für dich,
Sabi