Kummerkastenantwort 6340: Ich habe mich als bisexuell geoutet, aber jetzt bin ich unsicher
CN: Mobbing, Queerfeindlichkeit
Hiiii ich bin w und 13 Jahre alt
Seit einiger Zeit denke ich viel über meine sexuelle Orientierung nach. Ich mag Männer und halt auch Frauen das wusste ich auch schon ewig hatte bloß nie einen Begriff dafür und wusste auch nicht das es nicht jedem so geht.
Seit etwa einem 3/4 Jahr habe ich mich schon vor engen Freunden als bisexuell geoutet.
Am Anfang habe ich mich total wohl damit gefühlt ich hab mich so frei gefühlt weil ich wusste das es Menschen gibt die mich verstehen. Aber seit ein paar Wochen mache ich mich immer total verrückt weil ich mir denke „ was wenn ich in einem Jahr oder so denke dass ich mir das alles nur eingebildet habe? „ „ was wenn ich das falsch deute und mich dann in ein paar Jahren anders outen oder es sogar zurück nehmen muss?“ Ich hatte auch neulich eine kleine Panikattacke deswegen
Viele in meiner Klasse „beleidigen „ mich als lesbisch ( damit möchte ich KEINESFALLS sagen das es eine Beleidigung ist sondern das sie mich damit beleidigen wollen ) auch in diesen Momenten habe ich immer wieder Panik dass ich viel zu offensichtlich bi bin und das alle mich mobben werden wenn ich mich oute.
Also tut mir leid war jetzt bissel lang
Was wenn ich nicht bi bin?
Was wenn ich zu offensichtlich bin?
Was wenn sie mich mobben?
Was wenn ich mich vor den falschen Menschen oute?
Lg und jetzt schon vielen Dank für die Antwort
E.
Hallo E.,
es tut mir Leid, dass du so negative Erfahrungen machen musst! Du verdienst, dass du dich frei fühlen und du selbst sein darfst.
Zur Frage deines Labels: Wenn sich bi jetzt für dich richtig anfühlt, darfst du das Label weiterhin nutzen. Wenn es dich eher einengt, musst du es aber auch nicht mehr benutzen. Es ist völlig in Ordnung, wenn sich das Label für sexuelle Orientierung im Laufe der Zeit verändert, du darfst selbst entscheiden, wann du dich wie bezeichnen möchtest.
Ich weiß nicht ganz, was „zu offensichtlich“ bedeutet. Man kann Menschen nicht ansehen, ob sie queer sind. Manche Menschen entscheiden sich z. B. Regenbogen oder ähnliche Symbole zu tragen, um Sichtbarkeit für queere Themen zu schaffen. Das beruht dann darauf, dass andere Menschen diese queeren Zeichen erkennen. Aber es ist eine individuelle Entscheidung, wie sehr man selbst das machen möchte. Unabhängig davon verdient man Respekt!
Und zum Thema Mobbing kann ich dir nur raten, dich an (erwachsene) Ansprechpersonen zu wenden, die dich vor Ort unterstützen können, wenn du Mobbing erfährst. Das könnten z. B. Eltern oder andere Verwandte, Vertrauenslehrer*innen oder Schulsozialarbeiter*innen sein. Vielleicht findest du ja auch andere (queere) Verbündete innerhalb deiner Klasse? Vielleicht noch wichtig: Du darfst dich outen, wenn du das möchtest, du schuldest aber niemandem ein Coming Out. Ich wünsche dir alles Gute!
Viele Grüße
Hannah

