Kummerkastenantwort 6339: Ich wäre gerne ein bisschen nichtbinär
Hi,
Ich (afab, 13 Jahre alt, queer) bin momentan etwas verwirrt was mein Geschlecht angeht. Ich dachte immer ich bin weiblich, fühle mich mit meinem Körper und meinen Pronomen wohl. Aber manchmal wäre ich gerne nicht-binär, ich habe irgendwie die Vermutung das ich manchmal nicht in das gesellschaftliche normative Bild von Geschlecht passen möchte um zu zeigen „Es gibt mehr als ihr denkt“. In letzter Zeit wenn ich mich im Spiegel sehe dann ist das so ein komisches Gefühl wenn ich meine Brust sehe. Jenachdem was ich trage oder wie sie aussieht fühlt es sich manchmal gut aber manchmal auch komisch an. Ich habe das Gefühl weiblich mit einem kleinen Hauch nichtbinär zu sein. Manchmal fühl ich das relativ dolle, manchmal fühle ich mich cis. Ist es okay wenn ich mich dann als deminonbinarygirl bezeichnen würde einfach nur weil ich gerne ein bisschen nichtbinär wäre?
Könnte ich auch dafür sorgen mit meinem zweiten Vornamen angesprochen zu werden, da der Name so ähnlich geschrieben wird wie ein geschlechtsneutraler Vorname? Und was gibt es für Pronomen die irgendwie Weiblicher aber nicht sie sind? Falls ich wirklich ein deminonbinarygirl oder so bin würde ich so etwas gerne nutzen. Oder ist es auch okay zu wissen das ich irgendwie ein bisschen nichtbinärität habe aber als Frau lebe?
Noch was anderes: Ich überlege wie ich mich androgyner präsentieren könnte, ich weiß nicht wieso aber ich möchte einfach nicht in diese Geschlechts Klischees passen, ich möchte gerne irgendwie zeigen das Aussehen nichts über das Geschlecht aussagt. Aber wie kann ich das ausprobieren ohne das ich es bereue? Ich würde gerne meine Haare abschneiden aber habe Angst vor den Folgen, da sie ein guter Sonnenschutz sind und mir auch helfen mein Gesicht zu verbergen wenn ich Panikattacken in der Schule habe. Kennt ihr da irgendwelche Haarschnitte?
Danke für alles ❤️🧡💛💚💙💜
Also manchmal wenn ich so über Zukunft und so etwas nachdenken dann gendere ich auch wenn ich an mich denke Also z.B. „Vielleicht könnte ich später Lehrer*in werden“. Ich tue das unterbewusst und frage mich ob ich das tue weil ich den Beruf als Lehrer*in bezeichne oder ob ich mich selbst so bezeichnen würde. Außerdem nervt es mich manchmal wenn Leute mich als Mädchen, Schülerin oder so bezeichnen, aber weniger weil ich mich damit falsch angesprochen fühle sondern eher weil ich mich frage woher die wissen sollen welches Geschlecht ich habe.
Hallo!
Die kurze Antwort: Alles, was du gefragt hast, ist völlig okay!
Die etwas längere Antwort: Du darfst dir selbst aussuchen, welche Labels für dich passen und welche du nutzen möchtest. Wenn sich dein Label zwischendurch oder situationsabhängig ändert, ist das auch völlig in Ordnung. Labels sollen dazu da sein, uns besser ausdrücken und beschreiben zu können, nicht dazu, uns einzuengen.
Es gibt ja einige Leute, die mit ihrem zweiten Vornamen angesprochen werden, aus welchen Gründen auch immer. Dazu muss man nichtmal trans oder nicht-binär sein. Das klingt für mich wie eine gute Möglichkeit, die du mal ausprobieren kannst. Zum Pronomen ausprobieren kannst du mal in unserem Pronomen-Kleiderschrank vorbeischauen. Menschen, die nicht-binär sind (egal wie viel oder wenig), müssen nicht ein bestimmtes Pronomen benutzen, sondern können sich die Pronomen aussuchen, die in dem Moment am besten passen.
Viel über die Präsentation läuft ja über Kleidung. Du kannst z. B. mal in unsere Binder Broschüre schauen und in einem Second Hand Laden stöbern gehen – manchmal sind da die Klamotten günstiger und die Unterteilung nach Geschlecht weniger strikt. Du darfst aber auch in einem regulären Laden Klamotten aus allen Abteilungen anprobieren.
Zum Thema Frisur: Vielleicht suchst du dir da online mal Inspiration, ich würde nach sowas wie „queere Frisur“ suchen, und dann eine*n Friseur*in, mit dem du in Ruhe deine Wünsche besprechen kannst? Vielleicht gibt es ja auch die Möglichkeit, übergangsweise die Haare wegzustecken/hochzubinden, sodass du ein Gefühl dafür bekommen kannst, aber nicht direkt final entscheiden musst? Und: Auch mit längeren Haaren ist das regelmäßige Nutzen von ausreichend Sonnencreme notwendig.
Ich wünsche dir alles Gute!
Viele Grüße
Hannah

