Kummerkastenantwort 6291 – Ich habe Angst, dass ich mir meine Männlichkeit nur einbilde?

Hallo liebes Kummerkasten-Team,



ich überlege schon seit einer Weile, ob icih trans männlich sein könnte. Das Problem: Das selbstbewusste, aufgeweckte Ich ist weiblich, fühlt sich aber nicht nach mir an. Es war immer recht aufgesetzt. Ein Mix aus dem, wie meine Mutter mich wahrgenommen hat und das was ich sein wollte, um von der Gesellschaft mehr gemocht zu werden und was ich als erstrebenswert empfunden habe. Ich habe meine gesamte Kindheit damit verbracht das perfekte Mädchen zu kreieren. Ich habe sogar Steckbriefe erstellt und in meinem Gedanken war ich sie dann.



Die unsichere, ruhige Seite war für mich immer männlich, vorausgesetzt mein Äußeres und die Tatsache, das ich weiblich geboren worden bin, war mir in dem Moment nicht wirklich bewusst. Dann hat dieses Gefühl aufgrund meines Äußeren einen weiblichen Touch bekommen.



Jetzt weiß ich nicht, was das bedeutet. Bin ich weiblich oder männlich? Ich hab mich auch scon gefragt, ob die ruhige Seite für mich männlich ist, weil mein Vater eher ruhig war und meine Mutter eher aufgeweckt ist. Aber ich bin halt auch aufgeweckt (und da fühle ich mich oft auch einfach nach Mensch).



Ich hab mit männlichen Körpern das Gefühl: Das bin ich (bei Körpern, die halt ich in männlich sein könnten. Hatte aber lange das Verlangen, irgendein Mädchen vom Aussehen her zu sein (vor allem wegen den Haaren), aber mit dem Alter von 14/15 verschwand das und ich hatte ein starkes Gehörigkeitsgefühl mit Männern und männlichen Körpern. Im Sexualkundeunterricht in der 10 hatte ich gedacht, dass Testosteron besser zu mir passt und ich wollte unbedingt einen Penis. Mit Ende 16 Anfang 17 habe ich mir dann die Haare kurzgeschnitten und angefangen, diese Seite zu erkunden. Ich konnte nicht mehr weiblich sein und musste herausfinden, ob ich mich als Mann wohler fühle.



Und das habe ich. Ich hatte zwar viele Zweifel (die meisten kamen daher, weil ich nicht in das Stereotyp von Mann falle oder in das von einem trans Mann) (1)

(2) schaue aber seitdem was ich selber möchte und was sich nach mir anfühlt und nicht mehr, was ich sein möchte, was ich nicht bin und das nur will, wegen anderen Menschen. Ich bin innerlich nicht mehr aufgewühlt, mag mich selbst sehr gerne und möchte auch kein anderer Mensch mehr sein. Sogar eine Zwangsstörung von mir ist dadurch verschwunden bzw. nur noch sehr abgemildert vorhanden.

 

Dennoch habe ich Angst, das diese männliche Seite nur männlich ist, weil ich das mit Männlichkeit verbinde und mich daher als männlich sehe und nicht, weil ich wirklich männlich bin. Was soll ich tun?

Hallo!


Du weißt ja selbst, dass die Eigenschaften, die du beschreibst, zwar oft mit Geschlechterstereotypen verbunden sind, aber man sie eigentlich ganz unabhängig von seinem Geschlecht haben kann. Das heißt: Du kannst auch ruhig sein, ohne männlich sein zu müssen, oder aufgeweckt, ohne weiblich sein zu müssen. Was Männlichkeit und Weiblichkeit für uns bedeutet, ist ja sowieso individuell.
Das Verflixte bei der ganzen Labelsache ist ja: Nur du selbst kannst entscheiden, welches Label für dich am Ende passend ist. Von außen kann das niemand wissen, nur vielleicht einen Hinweis geben, wie deine Beschreibung wirkt. Für mich klingt es, als kann es sehr gut sein, dass du trans männlich bist. Du hast dir sehr viele Gedanken in die Richtung gemacht und das kann ein guter Indikator dafür sein, genau wie dass du dich jetzt insgesamt besser fühlst. Aber: Solltest du nach einiger Zeit feststellen, dass trans männlich doch nicht das ist, was dich und deine Erfahrung am besten beschreibt, ist es völlig in Ordnung, andere Begriffe auszuprobieren. Solange es für dich passt, ist es völlig in Ordnung, dass du dich als (trans) männlich bezeichnest, und darfst das auch genießen, so zu sein, wie du bist.
Ich wünsche dir viel Erfolg auf deinem weiteren Weg!

Viele Grüße
Hannah

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