Kummerkastenantwort 228 – muss ich mich für meinen Namen rechtfertigen?

Hallo
Also ich bin mir seid einiger zeit klar das ich BI und Genderfluid bin und konnte mich auch ein paar meinen Freunden outen, die es auch gut aufgenommen und eigentlich komplett aktzeptiert haben … auch meinen Neuen Namen der jetzt nicht halt ein wirklich typischer Name ist (Phoenix) haben sie aktzeptiert…. nur eine Freundin versteht es noch nciht wirklich und ich bin mir nicht sicher wie ich es ihr erklären soll…. sie meint wie ich das meine vowegen das ich zwischen meinen gender wechsle, denn schließlich könnt ich als Frau das gleiche wie ein Mann machen und umgekehrt … außerdem meint sie wäre der Name Phoenix schon sehr auffällig und dergleichen (ich hab mir den Namen aber bewusst und wegen der bedeutung ausgesucht und ich werde auch sabei bleiben)

Ich weiß einfach nicht wie ich ihr meine Situation am besten erklären soll
Habt ihr vielleicht eine Idee ?
Danke schon mal
Lg

Hallo Phoenix,

Erstmal: Schön zu lesen, dass deine Coming Outs zum Großteil gut aufgenommen wurden. Das ist leider noch nicht selbstverständlich.

Zu deiner Frage: Geschlecht zu erklären ist müßig. Ich kann verstehen, dass du deine Freundin da mit Argumenten und Logik überzeugen möchtest, aber ich befürchte, dass das schwierig werden könnte.
Und im Prinzip hat sie ja Recht: theoretisch gibt es nichts, was du nicht darfst oder nur darfst auf Basis deines Geschlechts. Das ist ja aber auch gar nicht der Punkt: Geschlechtsidentität ist ja kein Vehikel, um sich um Verbote herumzumogeln.
Genderfluidität ist von außen auch schwer nachzuvollziehen. Viele Menschen nehmen das eigene Geschlecht statisch war. Daher fällt es vielen auch schwer, damit umzugehen, wenn sie erfahren, dass es für andere, wie bei dir, fluide ist. Manchen hilft dabei, es vergleichen zu können. Ich als Linkshänderin finde sehr oft sehr unlogisch, wie Menschen Dinge mit der rechten Hand machen. Das ist etwas völlig anderes als Geschlecht, ja. Aber es hat die Gemeinsamkeit, dass ich gelernt habe, dass das eine Sache ist, die für andere Menschen anders ist wie für mich. Die bedeutet, dass die Welt in diesem einen Punkt für mich sehr anders sein kann als für andere. Vielleicht hilft deiner Freundin ein ähnlicher Vergleich, um zu verstehen, dass sie nicht hundert Prozent nachfühlen können muss, wie das für dich ist und warum das für dich so richtig und wichtig ist, sondern das irgendwann einfach annehmen zu können.
Für den Namen ist das ganz ähnlich. Die Entscheidung liegt und lag da bei dir. Niemand darf dir dabei reinreden. Deine Freundin hat da kein Recht zur Mitsprache. Das kann gerade unter Freund*innen schwierig sein – da da vieles zur Diskussion stehen kann, vieles gemeinsam beschlossen wird, ist es schon speziell, wenn das auf einzelne Dinge nicht zutrifft. Auch wenn das jetzt etwas plump wirkt und inhaltlich wenig hilfreich ist: Du machst das schon richtig. Du hast dir einen passenden Namen ausgesucht und du darfst bei dem bleiben, auch wenn andere Personen damit nicht einverstanden sind. Das auszudiskutieren kostet Zeit und Energie. Und ich will nichts schönreden, daran können Freund*innenschaften auch scheitern, du hast ein Recht darauf, als die Person, die du bist, Phoenix, wahrgenommen zu werden, und wenn alles nichts hilft, helfen am Ende nur getrennte Wege. Wobei ich dir wünsche, dass das nicht soweit eskaliert.

Du siehst, das ist in der Praxis eine etwas verfahrene Sache. In der Theorie aber ganz einfach. Du weißt, wer du bist, du teilst das mit und dann gilt das. Falls das in der Praxis nicht tut, kann das schwierig sein, weil es da eigentlich nicht viel zu diskutieren, zu begründen und zu argumentieren gibt.

Ich hoffe, dass diese Antwort dir eine Hilfe sein kann und wünsche dir alles Gute. Melde dich gerne nochmal, falls noch etwas unklar ist oder sich in der Sache was Neues ergibt.

Liebe Grüße
Xenia