Kummerkastenantwort 2.283: Ich bin trans und niemand unterstützt mich.

Ich bin trans. Mein neuer Name ist Carag. Jedoch benutzt niemand diesen.

Meine Mutter denkt, dass ich nicht trans bin und ignoriert meine Bitten. Mein Bruder weiß zwar von allem, ist jetzt aber weg. Meine Schwester ist nicht oft genug da, und außerdem nur die Halbschwester. Meine Oma misgendert mich trotzdem und hilft mir nicht wirklich. Meinem Vater habe ich nichts gesagt, da ich denke, dass er queerphob ist (falls es sowas gibt) oder versteht es nicht. Mein Opa ist denke ich so ähnlich wie mein Vater. Vertrauenslehrer haben wir keine. Meine Freunde akzeptieren es nicht oder es ist ihnen egal.

Was könnte ich noch machen? Ich hätte auch gerne einen Binder, aber bisher wollte meine Mutter mir einen kaufen. Also habe ich mir einen Binder und einen Psychologen zu Weihnachten gewünscht.

Ich würde gerne mit jemandem direkt reden, obwohl ich nicht gut reden kann. Aber ich denke es würde mir sehr viel helfen, wenn mich irgendjemand versteht und mir helfen kann.

Hallo Carag,

bitte entschuldige, dass diese Antwort lange gedauert hat.

Es tut mir leid zu lesen, dass du dich von deinen Mitmenschen nicht gesehen fühlst. Das Gefühl nicht akzeptiert und ignoriert zu werden kann sehr belastend sein. Ich glaube dir, wenn du sagst, dass du trans bist. Und andere sollten das auch tun!

Du könntest versuchen deiner Mutter zu erklären, dass das beste, was sie für deine mentale Gesundheit und Wohlbefinden tun kann ist, dich bei deinem gewählten Namen zu nennen. Deine Eltern müssen dir deinem Alter entsprechend Autonomie und Entwicklungsfreiheit gewähren. Ihr Handeln darf dabei deinem Wohl als ihr Kind nicht im Weg stehen. Du bist richtig, das möchte ich dir auf jeden Fall sagen.

Du kannst leider andere Menschen nicht direkt dazu bringen, dass sie dich unterstützen. Daran erinnere ich mich immer wieder und vielleicht kann es dir auch helfen.

Du selbst kannst aber immer etwas tun! Gibt es in deinem Ort vielleicht ein queeres Jugendzentrum oder einen Stammtisch? Ich kann mir außerdem vorstellen, dass es dir guttun könnte, mit anderen queeren Menschen in deinem Alter in Kontakt zu treten.

Hast du schon unseren Regenbogenchat entdeckt? Jeden Montag bis Freitag von 17 bis 19 Uhr bieten wir hier jungen, queeren Menschen einen Raum, sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. Ich lade dich ein, vorbeizuschauen!

Ansonsten gibt es noch das TransKinderNetz – ein Verein, der sich auf Beratungsarbeit für Kinder und Jugendliche, die trans sind und auch deren Eltern spezialisiert. Die Menschen dort haben Erfahrung im Umgang mit ablehnenden Eltern. Vielleicht könntest du den Kontakt aufnehmen.

Was den Wunsch nach einem Binder angeht: Ich weiß nicht, wie alt du bist, aber du könntest eine vertraute Person bitten, einen für dich zu bestellen. Einen vor Ort zu kaufen kann unter Umständen schwierig sein – leider gibt es wenige Orte, an denen einer ausprobiert werden kann. Es gibt verschiedene Sexshops in größeren Städten, die eine Auswahl da haben. Du könntest online recherchieren, ob einer davon in deiner Nähe ist. Jüngere Menschen können auch zu Other Nature oder FuckYeah. Androwear in Leipzig ist ein Laden mit Unterwäsche vor allem für queere Menschen. Kennst du vielleicht schon unsere Binder-Broschüre?

Ich hoffe, du findest bald “deine Menschen” und wünsche dir alles Gute!

Viele Grüße

Elizy

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