Kummerkastenantwort 5.938 – Meine Eltern misgendern mich und das verwirrt mich
Hi,
Eigentlich bin ich etwas unsicher, ob ich hier wirklich rein schreiben sollte, aber ich Versuch es Mal. Ich bin Lou, dreizehn Jahre alt, Autist*in und non-binary.
Zumindest bin ich mir ziemlich sicher, dass ich non-binary bin. Ich erzähle jetzt einfach Mal alles, was mir im Moment zu schaffen macht…
Ich hab mich am 9. März dieses Jahres bei meiner Familie als non-binary geoutet und eigentlich haben sie auch recht gut reagiert und haben nichts dagegen.
Nun ja. Ich habe eigentlich noch nicht gesagt, welche Pronomen und welchen Namen ich benutzen will; und jetzt bin ich ehrlich gesagt ziemlich unsicher.
Meine Eltern und ich haben heute Abend nochmal drüber gesprochen und dann meinte meine Mutter plötzlich, dass das nur eine Phase ist und ich eigentlich zu jung sei, um das zu wissen und ich es schon wissen würde, wenn ich mich das erste Mal verlieben würde…
Nur will ich das alles nicht von Liebe abhängig machen und so richtig glaube ich auch nicht an die „große Liebe“.
Dazu fühlt es sich falsch an als Mädchen bezeichnet zu werden. Mit meinem Geburtsnamen und meinen Pronomen fühle ich mich auch komplett unwohl.
Eigentlich war ich mir ziemlich sicher, nicht-binär zu sein. Jetzt bin ich verwirrt. Als meine Mutter mich aber heute Mittag als „hübsches Mädchen“ bezeichnet hat und sich dann nochmal korrigiert hat, war ich so glücklich und habe so etwas, wie Euphorie gespürt.
Jetzt sehe ich mich an einem Abgrund stehen, nicht wissend, ob ich zu ihnen gehen soll und ihnen sagen soll, was ich denke und fühle, oder ob ich weinen soll. Oder ob ich einfach nur komplett verwirrt bin und mein Autismus mir auch noch einen Streit spielt und die Pubertät noch dazu kommt…
Ich weiß ehrlich gesagt nichts mehr so richtig…
Hallo!
Deine Mutter geht schon mal von einer falschen Annahme aus und zwar, dass dein Gender und deine sexuelle/romantische/etc. Anziehung wirklich zusammenhängen müssen. Das stimmt natürlich nicht. In wen wir uns verlieben hat keinen Einfluss auf unser Gender und auch unser Gender hat keinen Einfluss darauf zu wem wir Anziehung spüren. In der Realität ist es ja durch aus so, dass nicht-binäre Menschen sich in andere Menschen verlieben und trotzdem nicht-binär sind.
Wenn du sagst, du bist nicht-binär und empfindest Gender-Euphorie (oder auch Dysphorie), dann ist stimmt das. Du kennst dich da am besten.
Und selbst wenn das nur „eine Phase“ sein sollte (was eher selten ist), dann ist das vollkommen in Ordnung und bedeutet nicht, dass deine Gefühle weniger ernstzunehmend sind und/oder deine Bedürfnisse nicht geachtet werden sollten. Du verdienst es Ernst genommen zu werden, in jedem Lebenstadium.
Also selbst, wenn du in 3 Jahren oder morgen oder wann auch immer, sagst „Ich bin doch nicht nicht-binär“, ist das kein Grund, dass du heute misgendert und ge-deadnamed wirst.
Alles Gute,
Joshua


