Kummerkastenantwort 5.939 – Kann sich mein Gefühl, dass ich monogam bin, ändern?
Kann sich mein Gefühl, dass ich monogam bin ändern?
Heyy,
Ich bin 26 und befinde mich seit 4 Monaten in einer Kennenlernphase mit einer 27 Jährigen Frau.
Wir mögen uns unglaublich gerne, sexuell passt das auch super und wir würden gerne eine Beziehung führen.
Ich bin monogam, also ich will und kann nichts sexuelles mit anderen Menschen neben meiner Partnerin haben. Sie ist sehr offen was sexualität mit anderen angeht. Sie hatte bisher auch nur eine 7 jährige Beziehung vor mir und sonst keine sexuelle Erfahrung mit anderen und hatte schon immer Interesse an BDSM. Das ist nicht so meins, deswegen kann sie da mit mir nur etwas experimentieren. Als ich sie kennenlernte, hat sie mit wem eine Herrin, Sklave Sache gehabt und das dann für mich aufgehört. Wir haben viel geredet und sie würde gerne sexuell was mit anderen machen und wenn ich da logisch drüber nachdenke, würde das ja auch nicht zwischen uns stehen, wenn wir da sehr gut drüber kommunizieren. Aber alleine die Vorstellung das sie dann was mit anderen macht, lässt mich unglaublich schlecht fühlen und ich kann garnicht so genau sagen warum ich das schlechte Gefühl habe. Wahrscheinlich weil sexualität für mich etwas unglaublich intimes und nahes ist.
Sie ist mir so wichtig, dass ich ihren Bedürfnissen nicht im Weg stehen will und will versuchen das sie was sexuelles mit anderen haben kann. Aber kann sich dieses super Schlechte Gefüh, was ich dabei habe überhaupt ändern? Oder bin ich einfach monogam, was so feststeht, wie auf welche Geschlechter ich stehe und dann passt das nicht?
Schonmal danke für die Antworten :3
Hallo!
Sexualität ist zu einem bestimmten Punkt flexibel und kann sich im Laufe eines Lebens natürlich ändern. In sofern ist es grundsätzlich möglich, dass du irgendwann vielleicht möglicherweise in einer Situation bist, wo du sagst: „Jetzt könnte ich mir eine nicht monogame Beziehung vorstellen.“ Das kann passieren – muss aber nicht.
Vor allem hilft dir das in deiner gegenwärtigen Situation leider nicht.
Jetzt grade ist es nunmal so, dass du mit dieser nicht monogamen Beziehung nicht glücklich wärst, und das ist vollkommen okay. Ich glaube nicht, dass es dich langfristig glücklich machen würde, dieses negative Gefühl auszuhalten, und wahrscheinlich würde es deiner potentiellen Partnerin ja auch nicht gefallen, diese Gefühle auszulösen.
Das beste wäre wahrscheinlich, wenn ihr nochmal ein offenes Gespräch darüber führt, und du sagst, was die Vorstellung von Nicht-Monogamität in dir auslöst. Dann kann sie entscheiden, ob für sie auch eine monogame Beziehung in Frage kommt, oder ob das für sie zu belastend wäre.
Es gibt hier leider keine richtige oder falsche Lösung, sondern ihr müsst zusammen das finden, was für alle am besten ist.
Ich wünsche euch beiden viel GLück und ich finde es super, dass ihr so offen darüber reden könnt.
Liebe Grüße,
Elias



Hi! Ich bin Jules und habe mich in einer ähnlichen Situation auch schon wieder gefunden. Mittlerweile bin ich in einer polyamoren Beziehung, aber bis vor zwei Jahren hatte ich keine Vorstellung davon, dass ich etwas anderes als Monogamie leben könnte.
Das soll keine Hymne auf die Polyamorie hier werden, ich würde nur gern meine Gedanken im Prozess von mono zu poly mit dir teilen:
Ich hatte initial eine Starke Abneigung gegen das Konzept offene Beziehung und Polyamorie, es hat massive Unsicherheit in mir hervorgerufen, und die Gründe dafür ausführlich zu hinterfragen hat sehr lang gedauert. Vor allem hat es in mir angestoßen, die Konzepte an sich zu hinterfragen. Warum kennen wir fast nur Monogamie? Wieso ist die erste Reaktion von anderen fast immer Ablehnung, wenn man erzählt, dass die Beziehung offen ist? Meine Antwort war: weil Neues ungewohnt und fast schon gruselig ist, weil mit neuen Erlebnissen halt auch neue Fehler gemacht werden und weil es keine „Richtlinien“ gibt. Also muss es genug gute Gründe geben, es zu versuchen.
Diese Gedanken haben bei mir tatsächlich zu einer Veränderung in der Haltung zu dem Thema geführt. Aber ich war auch offen dafür, konnte Erfahrungen damit machen (auch Trennungserfahrungen) und es hat sehr lang gedauert.
Ich würde sagen, wenn du für dich Lust hast, da reinzuspüren, dann mach es. Mach es aber nicht (nur) für andere. Ich stimme Elias zu, wenn das negative Gefühl bleibt, dann ist es das alles nicht wert. Das auszuhalten zermürbt doll. Zudem zeigt sich aus meiner Erfahrung immer wieder, dass in einer geöffneten Beziehung bei Erfahrungen mit anderen auch gerne mal Gefühle ins Spiel kommen. Also lieber auch diesen Fall von vorneherein mit durchdenken.
Ich drücke die Daumen, dass ihr eine Lösung für euch findet. Vielleicht muss sie auch nicht heute oder morgen getroffen werden, wenn alle Geduld mitbringen 🙂 dann könnt ihr euch sicherer sein, was wirklich für euch passt.
Liebe Grüße!:)
Danke Jules, für deine Perspektive!